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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
durst bis dürstend (Bd. 2, Sp. 1746 bis 1752)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) durst, f. und m. die bedeutung geht von kühnheit, entschlossenheit im edlen sinn über in keckheit, verwegenheit, frechheit. es gehört zu durren. ahd. f. gaturst Graff 5, 443. mhd. turst, geturst f. Ben. 3, 16a, turst f. und m. Jeroschin s. 236. bei Luther f. selten m. Stieler der durst sitis für dasselbe wort hält setzt es nur als masc. an 380. vom 18. jahrhundert an nicht mehr in gebrauch. gott mache sein liebs kind Jesum grosz in unserm herzen von tag zu tage dasz wir ihn mit aller durst und freudigkeit loben, preisen und bekennen mögen Luther Briefe 2, 168. räuber und mörder die das schwert aus eigener durst und frevel nehmen 2, 653. aus eigener dürste und furnehmen die pfarr zu verleihen 3, 278. wie wir gläublich berichtet worden dasz einer, genannt Wolfgang Siberger, sich unterstanden habe einen groszen freventlichen durst 6, 154. so wir doch gegen ihn gar nichts verschuldet noch solche ernstliche und geschwinde durst um ihn verdienet das. ist an euch unser demüthige und freundliche bitte ihr wollet euren diener von solcher durst weisen das. es ist ein treffliche künheit und

[Bd. 2, Sp. 1747]


groszer durst der aposteln und jünger ders. Tischreden 96b. das lasse ich mir eine künheit und durst sein 97a. die erfarung aber gibts das sie (die widersacher) die rechten Antiochi sein, die als die wütende tyrannen mit eitel durst und gewalt sich erzeigen in der kirchen, die unter einem schein der geistlichkeit zu sich ziehen allen gewalt der welt Jonas in Luthers werken 6, 461b.

nach den tagen,
wann die that erfüllt,
wird man sagen
dasz ein weibesbild
diese thurst begangen:
was kein man sich unterstand,
habe schwache weiberhand
jetzt sich unterfangen
Tscherning Ged. 216.

was wüsten wir von helden
und ihrer thurst zu melden!
Logau.

hat niemand beistand dir zu dieser thurst versprochen?
Gryphius Leo Armen. 2, 203.


 
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durst, m. heftiges verlangen zu trinken, sitis, goth. þaúrstei f., ahd. mhd. durst Graff 5, 202. Ben. 1, 322. durst dorst dors Diefenb. gloss. lat. germ. 539a. altsächs. thurst, niederd. dost Brem. wörterb. 1, 231, Schambach 46, döst Schütze 1, 244, niederl. dorst, neufries. torst tost tast Outzen 362, ags. þurst þyrst, engl. thirst, altn. þorsti, dän. törst. es gehört zu dem goth. þaírsan dürr sein, und dem ahd. derran dörren, trocknen, und bezeichnet die trockenheit des schlundes.
1. man hat übermäszigen, heiszen, brennenden durst, fieberdurst. man stillt, löscht den durst. ˙ groszer durst Dasypodius 317c. sie zwingen sie öle zu machen und ire eigen kelter zu tretten, und lassen sie doch durst leiden Hiob 24, 11. und sie geben mir gallen zu essen und essig zu trinken in meinem groszen durst Psalm 69, 22. das alle thiere auf dem felde trinken und das wild seinen durst lesche 104, 11. die elenden und armen suchen wasser, und ist nichts da: ihre zunge verdürret fur durst Jesaia 41, 17. sie hatten keinen durst, da er sie leitet in der wüsten, er liesz inen wasser aus den felsen flieszen 48, 21. dem seugling klebt seine zunge an seinem gaumen fur durst Klagelieder Jerem. 4, 4. und inen ward wasser gegeben aus dem hohen fels und leschten den durst aus hartem fels Weisheit Sal. 11, 4. von durst brinnen ardere siti Maaler 95c. den durst beim wasser löschen das. die summerhitze hat den durst bracht das. groszer durst der einem das keuchen bringt anhela sitis das. im selbs durst schöpfen, machen das einen dürst das. es haben auch etliche thier wider einander einn natürlichen neid und hasse, also dasz sie eins dem andern im sommer, so die hitz am grösten ist, nach seinem külen blt steht, dasselbige im auszzusaufen und seinen durst mit (damit) steuern Petr. 107b. darumb versah er sich zuvor mit wasser eh mit kalk, das ist solchen dingen die den durst herzu pfeifen locken singen und bringen, solchen sachen die den trunk wolschmeckend machen und bei den haren ziehen in den rachen Fischart Garg. 52b. 'hör, weinschenk, bring mir den roten: bleich schen die todten. mir ein frischen glasschwitzigen, darvon das glas wie Catharinaberg öl weint' also kan man ein anstand mit dem durst treffen 84a. warumb wolt man zur zeit der unschuld on durst getrunken haben? durst kommet vom dürr und dürresten. non non, schwester, trank dann privatio praesupponit habitum: wa man gelescht hat, da musz es gebrent haben 84b.

sprangen (fuchs und bock) in die cistern alldar,
und als der durst geleschet war,
sah sich der bock uberall umb
wie er wider hienaus möcht kumm
Eyring 1, 16.

der durst macht einen gar mat und kraftlos Henisch 779. übermäsziger durst, krankhafter, dem wolfshunger ähnlich das. einen grausamen durst haben graviter sitire Stieler 281. vor durst vergehen Steinbach 1, 312.

und wo er ja von morgen an
den durst nicht wol vertragen kan,
mag er versoffen sein Fuchsmundi 111.

geh, wo am Nilus sich der mohr vergebens wäscht,
der Indianer ihm den durst mit feuer löscht
Günther 1061.

lösch aus ihres brunnens röhren
meinen durst am schwühlen tag
Salis 100.

durst erwecken, durstig machen Schönsleder L 5. Rädlein 209b. den durst kühlen Klinger Theater 3, 322. Siroccowind

[Bd. 2, Sp. 1748]


der im menschen einen trocknen heiszen kranken durst entzündet J. Paul Siebenkäs 3, 102.

es reimt sich trefflich wein und schwein
und paszt sich köstlich wurst und durst
Uhland Ged. 89.

umb unser liuc und unser vihe
daz ih vor durste sterben sihe Kindheit Jesu 84, 18.


2. ich stirb vor durst Maaler 95c. müssen fur iren augen fur durst verschmachten Judith 7, 14. 17, 12. am durste sterben Henisch 779. Steinbach 1, 312. früherhin auch dursts sterben wie man noch hungers sterben sagt Stieler 281. nu aber musz ich dursts sterben Richter 15, 18. merkwürdig zeigt sich ein alter instrumentalis. dann es trägt sich etwan zu dasz sie sich entweder ergeben oder in jämmerliche krankheit fallen oder durst sterben müssen Fronsperger Kriegsb. 3, 146a. warumb hastu uns lassen aus Egypten ziehen das du unser kinder und vieh durst sterben lieszest? 2 Mos. 17, 3. das ire fische fur wassers mangel stinken und durst sterben Jesaia 50, 2. das ich sie nicht durst sterben lasse Hosea 2, 3. ihr werdet ja nicht wollen dasz ich bei euch durst sterben soll Fuchsmundi 318.
3. hunger und durst werden zusammengestellt, wie brot und wasser: auch bei Cicero fames sitisque. also bringet die fölle (völlerei) den durst und den hunger Keisersberg Sünden des munds 10a. und du wirst deinem feinde dienen in hunger und durst 5 Mos. 28, 48. Hiskia beredet euch das er euch gebe in den tod, hunger und durst 2 Chronica 32, 11. und werden seine herrlichen hunger leiden und sein pöbel durst leiden Jesaia 5, 13. hunger nach brot, durst nach wasser Amos 8, 11. bis auf diese stund leiden wir hunger und durst 1 Corinth. 4, 11. in mühe und erbeit, in viel wachen, in hunger und durst, in viel fasten, in frost und blösze 2 Corinth. 11, 27. ich hab mit meim appetitlichen hunger und durst also ein gedingten pact getroffen dasz sie sich alzeit mit mir niderlegen und mit mir aufstehen Fischart Garg. 249b. hunger und durst vermögen gar vil bei denen die da studieren Henisch 779.

es hungert den hunger, es durstet den durst:
sie sterben von nahrung entfernt
Bürger 56b.

bleich von hunger und durst und andern strengeren buszen
Göthe 40, 12.

mich zwar reizet der hunger nicht mehr, noch der durst, noch ein anders 40, 368.

wallet nur hin, ihr hübschen schmetterlinge und genieszet die honigwoche des kleinen seins, ohne hunger, ohne durst J. Paul. so auch hungern und dürsten.
4. uneigentlich im guten und bösen sinn. durst grosze unmäszige begird Dasypod. 227a. der gnaden durst Luther 3, 25b. gott hört nichts lieber denn geschrei und durst nach seiner barmherzigkeit Henisch 779.

und die verlangte ruh der durchgeseufzten nächte
raubt euch der stäte durst nach nichtigem gewinn.
Haller Alpen str. 46.

o so kennt sie doch Gleimen
und sein feuriges herz nicht ganz:
seinen brennenden durst freunden ein freund zu sein.
Klopstock 1, 109.

du durst, du heiszes verlangen meines müden herzens 1, 147.

voll durstes war die heisze seele des jünglings
nach unsterblichkeit 2, 42.

wer glühet, der unruhvoll,
nicht hier vom durst zu wissen 7, 15.

ein kind des augenblicks war
mein beruf zu der höher
besaiteten lauten versammlung dem frühauflodernden durst
glücklich zu sein durch liebe!
Klamer Schmidt Elegien an Minna (Lemgo 1773) 18

so gieszt euer grimm
selbst in die edelsten den wilden durst
nach krieg?
J. W. v. Brawe Trauersp. 28.

sieh in mir den reuigsten
verbrecher, voller durst sich selbst vor dir
zu strafen 95.

den durst nach schmeichelein
Gökingk Ged. 1 zuschrift s. 2.

und wär ich reich, wie würd um mich
der durst nach golde rennen ders. Lieder zweier liebenden 32.

unglücklich wer, voll durst nach bardenehre,
in einer aktenkammer gähnt!
Gotter 1, 97.

der geist der in euch wohnt, der nach unsterblichkeit,
voll unstillbaren durstes, schmachtet 1, 402.

wozu verführst du nicht, verfluchter durst nach gold! 1, 422.

gerechter rache durst kann keine zeit besiegen 2, 371.

dein wilder muth ist nichts als durst nach heldenlob 2, 477.

[Bd. 2, Sp. 1749]



aber ach! schon fühl ich, bei dem besten willen,
befriedigung nicht mehr aus dem busen quillen.
aber warum musz der strom so bald versiegen
und wir wieder im durste liegen?
Göthe 12, 65.

das pergament ist das der heilge bronnen,
woraus ein trunk den durst auf ewig stillt? 12, 38.

dem heldenmuth der kaiserschaaren
soll sich der durst nach beute paaren 41, 272.

lösche nun den edlen durst nach wonne
Schiller 2a.

des wissens durst blieb ungestillt 49a.

in jedem edeln herzen brennt ein ewiger durst nach einem edlern, im schönen nach einem schönern J. Paul Titan 1, 7. 'du bist vom himmel' sagt er (Albano zu Liane) begeistert, und seine freude wurde im auge zerschmolzene perle die den durst des menschenherzens löscht 2, 241.

unglückselger durst
nach macht und schätzen und nach eitlem ruhm
Uhland 223.

s. DWB blutdurst. ehrdurst. gelddurst. golddurst. rachedurst. ruhmdurst. thatendurst. überdurst. wissensdurst.
5. sprichwörter. man hat über den durst getrunken excessit sitim potio Maaler 95c. Schönsleder L 5. was tod? töd du den durst, der ist mein gröster feind Fischart Garg. 84a. was war am ersten, durst oder trank? durst 84b. wir zu unserer unschuldigen zeit trinken nur zu vil on durst das. ich bin kein sünder on durst: ich trink ewiglich das.

trink allzeit vor dem durst,
so tringt dich kein durst, mein hanswurst 101b.

'der gelust und appetit kompt', sagt Angeston, 'allweil man iszt, aber der durst verschwind, weil man trinkt' das. es saufen sich mehr zu todt denn dursts sterben Henisch 779; vergl. Freidank 94, 25.

der hunger ist der beste koch,
der durst der beste kelner och das. vergl.
Freid. 124, 17.

trunk dreierlei, durst- freud- sawtrunk das.

wer liebt ohn lust und trinkt ohn durst
und isset ohne hunger,
der stirbt siben jar zu junger;
lebt er lenger, das nimpt mich wunder das.

wer vil trinkt musz vil durst leiden das. ubriger wein macht durst das. es ist ein bös wasser das keinen durst leschet das. wasser ist süsze, wenn mans mit einem guten durst würzet das.

frost, hunger, durst und ohne gelt
in fremden landen, das heiszt recht fünf gezelt das.

durst und hunger vertreiben hasz und unkeuschheit das.

die oft das brodt nicht zessen haben,
müssen den durst mit wasser laben,
als du und ich und unsers gleichen:
an einem haufen hans die reichen
Wolgemut Esopus 2, 402.

nach durstes zeit ist gut trinken Hoffmann Gesellschaftslieder 173. durst macht aus wasser wein Simrock 1748. man sagt vom vielen saufen aber nicht vom groszen durst 1749. Brem. wb. 1, 231. Schütze Holstein. idiot. 1, 241. ein apfel, eine birne für den durst hilfe für das nächste bedürfnis, notpfennig.
 
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durstbegier, f. begierde den durst zu löschen.

da kann ich meine durstbegier
in solchen matten für und für
zur labung unterbrechen
Arnim 19, 16.


 
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durstbirn, f. franz. coule soif Nemnich Wörterb.
 
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durstbrunnen, m.

wo sie (Melusina) aber bekomb kein man,
so sol sie verflucht umbher gahn
im waldt Calumbria an der sonnen
und kühln sich in dem durstbrunnen
bisz hin wol an den jüngsten tag,
sol werden ihr herzleid und klag
Jac. Ayrer Opus theatr. 1, 325b.


 
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durstbrünstig, adj. und adv. brennenden durst empfindend. o der guten schlucker! o der durstprünstigen kunden! Fischart Garg. 102a.
 
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dürsteblut, m.

Eisengrims vater Dürsteblut
Rollenhagen Froschm. L 7a.


 
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dürsten, audere wie durren, ein wol aus dem subst. durst f. audacia gebildeter infinitiv. er kommt selten vor.

römisch recht thut nit zsamen stan,
wider die reichstät seind die fürsten,
ein stat ist wider die ander dürsten:
kein fried noch bündnusz wirt gehalten
H. Sachs 3. 1, 251b.

[Bd. 2, Sp. 1750]



ihr seid edel und solt euch schemen
das ihr euch lieszt dunken und dürsten
solch unwarheit vor eurn fürsten
auszzugeben vor meinem man
J. Ayrer Comöd. 463b.

Stieler setzt dies dürsten 280 noch an, bemerkt aber dasz es fast ganz auszer gebrauch gekommen sei.
 
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dürsten , durst empfinden sitire, dursten ohne umlaut kommt daneben vor, immer bei partikelcomposition. goth. þaúrsjan, ahd. durstan für durstjan Graff 5, 203, mhd. dürsten dursten tursten Ben. 1, 322b, dirsten Serranus Synon. 52c, dagegen dürsten Dictionar. 22a. dürsten Dasypod. 317b. Schönsleder L 5. Stieler 280. Rädlein 209. Frisch 1, 212b. dursten Vocab. incip. teut. d 4. Nieremberger Ll 2. altsächs. thurstian, niederd. dösten Schambach 46b, niederl. dorsten, ags. þyrstan, engl. thirst, altnord. þyrsta, schwed. törsta, dän. törste. gehört zu der wurzel þaírsan dürr sein; vergl. Gramm. 2, 39. s. DWB abdursten. erdursten. verdursten, auch dürstern.
1. intransitiv.
a. er hat die ganze nacht durch gedürstet. (hast) wasser aus dem felsen lassen gehen, da sie dürstete Nehem. 9, 15. sie werden weder hungern noch dürsten Jesaia 49, 10. sihe meine knechte sollen essen, ir aber solt hungern: sihe meine knechte sollen trinken, ir aber solt dürsten 65, 13.

spricht man 'kurz predigt, lang bratwürst:
o lieber herr, hört auf, ich dürst'
Eyering 3, 149.

labet den durstenden
Klopstock.

so süsze stärkung hat kein durstender empfunden,
wenn ihn ein trunk erfrischt
Lichtwer Recht der vernunft 24.

Michel. so wirds euch auch nicht am durste fehlen? König. das versteht sich. wer den ganzen tag in der hitze gejagt hat, musz wol dursten Weisze Kom. opern 3, 89. das unsterbliche ist nicht dem sterblich lebenden zu vergleichen, und doch ist auch das blosz lebende verständig. so weisz der magen recht gut, wenn er hungert und durstet Göthe 23, 243. uneigentlich, heftiges verlangen empfinden.

ach, vermöcht ich dich, herr, wie ich dürste, zu preisen
Klopstock 1, 140. 7, 270.

wiewohl sie vor verlangen zu fragen dürsteten Wieland 11, 169. sah einem drucker (buchdrucker) durstend (sehnsüchtig) nach J. Paul Fibel 27.

einsam sitzt sie in dem all der welt,
dürstet ewig an der freudenquelle
Schiller 5b.


b. mit der präpos. nach. aber das volk daselbs dürstet nach wasser 2 Mos. 17, 3. meist uneigentlich. meine seele dürstet nach gott, nach dem lebendigen gott Psalm 42, 3. es dürstet meine seele nach dir 63, 2.

die snacken saufen menschenblut,
darnach ir herz stäts dürsten thut
Fuchs Mückenkr. 1, 862.

nach eines blut oder tod dürsten Henisch 778. dieselbige hungert und dürstet nach dir Schuppius 433. nach der barmherzigkeit gottes dürstende seele 583.

der (Neptunus) kam erst aus der flut und dürstete schon wieder
nach Amphitritens mund
Günther 1062.

wie nach der auferstehung verdorrtes gebein,
so dürstet meine seele
nach diesen augenblicken deiner erbarmungen
Klopst. 1, 129.

kannst du es anders als so, wonach du dürstest, erlangen? ders. Mess. 3, 743.

sieh, ich durste nach ruh! 8, 589.

in ihrem innersten durstet
meine seele nach ihnen 11, 399.

eines lebenden jammern, der nach dem tode dürstet 14, 965.

wer nach angenehmen empfindungen dürstet Wieland 1, 96.

sie dürsteten alle nach feldschlacht
Voss Ilias 2, 863.

ihr (der jungfrau) glaubt das volk und dürstet nach gefechten
Schiller 458a.

hier ist ein mann der in die residenz kommt und nach geist dürstet Gutzkow Ritter vom geiste 5, 476. mit zu. mein seel dürst zu gott dem lebendigen brunnen Psalm 42, 3 Bibel von 1483, wo Luther nach hat.
c. es folgt ein infinitiv oder abhängiger satz.

er dürstet zu sterben
Klopstock Mess. 11, 1480.

doch dürsten wir, dürsten
dich mit wunden die strahlen zu sehen 13, 132.

so dürsteten einige, was vor ein neues
schicksal auch hinter der nacht, die jetzt sie umgäbe, sich hätte
aus den tiefen erhoben des unerforschlichen richters 17, 151. 19, 760. 928.

wie dürst ich ihn zu strafen
Gotter 2, 108.

[Bd. 2, Sp. 1751]



d. unpersönlich.
α. mit dem acc. eigentlich. mich dürstet Rädlein 209b. Frisch 1, 212. mich hat getürstet, und ir haben mich getrenket Keisersberg Pred. 111b. desgleichen so dürstet in, so er ufstot ders. Sünden des munds 10a. gib mir ein wenig wassers zu trinken, denn mich dürstet Richter 4, 19. da in aber seer dürstet, rief er den herrn an 15, 18. und so dich dürstet, so gehe hin zu dem gefesz und trinke Ruth 2, 9. und (hast) inen brot vom himel gegeben, da sie hungerte, und wasser aus dem felsen, da sie dürstete Nehem. 9, 15. Weish. Salom. 11, 4. so nu deinen feind hungert, so speise in: dürstet in, so trenke in Römer 12, 20. sie wöllen nicht mehr trinken dann (als) sie dürst Fischart Bienenkorb 198b. den guten gesellen dürst Henisch 778.

fragen denn bien und blum einander beim nektartausche:
trankest du, tränktest du schon? — hast du? mich dürstet, o gib
Rückert Ged. 266.

uneigentlich. wer ausz disem wasser trinkt, den würt nit mer dürsten ewigklich, verstand des hungers und durstes der dich zu sünden bringt Keisersberg Sünden des munds 12a. mich dürstet, ich beger Dasypod. 227a. wer dis wassers trinket, den wird wider dürsten, wer aber des wassers trinken wird, das ich ihm gebe, der wird ewiglich nicht dürsten Joh. 4, 13. 14. wer zu mir kompt, den wird nicht hungern, und wer an mich gleubet, den wird nimer mehr dürsten 6, 35. mit der präpos. nach, eigentlich und uneigentlich.

dich hat nach sweinem fleisch gedürst,
so freu wir uns der guten würst Fastnachtsp. 818, 4.

genediger hochgeborner furst,
den ie nach eren hat gedurst 189, 17.

unser allergnedigoster und mächtigister fürst,
den hat darnach nie gedürst
das er eur römische kirchen wöll erstörn 296, 6.

sei grüszt, du groszmächtiger fürst,
nach deiner lieb mich allzeit dürst
H. Sachs 3, 190c.

wer von mir isset den hungert immer nach mir, und wer von mir trinkt, den dürstet immer nach mir Jesus Sirach 24, 28. 29.

des Cyrus haupt (die königin Tomyris) auch davon trägt,
wirfts mit irer sieghaften hand
in eimer der voll blut da stand,
und spricht auch dazu also fort
diese bitter giftige wort
'dich hat gedürst nach menschen blut,
sauf sein nu satt, kühl deinen mut'
Rollenhagen Froschm. Ss 7a.

wiewol dich mehr nach der menschen seligkeit denn nach einigem äuszerlichen trank gedürstet Schuppius 452.

nach gnade vater, dürstet mich,
die meine seele labe
Klopstock 7, 190.


β. mit dem dat. ich habe einem jeglichen gutes gethan, auszgenommen diesen miszgönnern, welchen nach meinem blute dürstet Olearius Pers. rosenthal 1, 7. als ihm dürstete ders. Lokmann 9.
γ. Hans Sachs sagt auch es ist einen dürsten.

milch gab sie Sisera, dem fürsten,
zu trinken, als in hart war dürsten 3. 1, 36c.

gnädig und durchleuchtige fürsten,
die (quos) alzeit nach wolfart ist dürsten
desz königreichs und gemeinen nutz 3. 1, 137a.


2. als transitiv erscheint dürsten in uneigentlicher bedeutung, heftig nach etwas verlangen, in der ersten hälfte des 17ten jahrhunderts, wahrscheinlich nachahmung des lateinischen sitire sanguinem, ultionem, honores. Stieler, Rädlein, Frisch und Steinbach kennen es nicht. in der mitte des 18ten taucht es wieder auf.

herr, speise mich mit dir: ich dürst, ich hunger dich.
du bist das himmelbrodt
P. Fleming 30.

doch sagt er auch nach dir herr, dürstet mich 27.

wir sahn den feind mit mordbegier,
wir dürsteten sein blut
Gleim Siegeslied nach der schl. bei Lissa.

dein rachen dürstet blut
Chr. Fel. Weisze.

erstaunt über seine so späte wahl, dacht ich nur ihn,
vergasz selbst der gedürsteten unsterblichkeit
Klopstock 2, 43.

so war es geschehen, und vergebens
dürstete wiederverwandlung der wunsch 2, 148.

der gott (Kamul)
dürstete menschenopfer 2, 164.

meine qualen dir ganz, so ganz wie ichs dürste, zu zeigen ders. Mess. 10, 105.

[Bd. 2, Sp. 1752]



(die fürsten sollen) die Deutschen lieben und ihr blut
nicht saugen, nicht blut dürsten
Claudius 1. 2, 2.

sei keck und kühn und dürste blut!
verlache deiner feinde wut!
Schiller 573a.


3. sprichwörter. wenn einen noch dürstet, so soll er aufhören zu trinken Henisch 778. etliche dürstet nur nach wein, nicht nach wasser das. je mehr einer trinket, je mehr einen dürstet das. 779. meine herren fragen mich immer warumb ich so trinke, und fragen mich nicht einmal warum mich so dürstet Schoch G v. er sieht aus wie bier und toback, wenn man ihn nur ansiehet, so dürstet einen Rädlein 2, 759a. wer nicht wasser mag, den dürstet nicht Simrock 1750. wer nicht dürstet ist dem durstigen hart 1751.
 
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dürsten, n.

doch in der liebe kommt der hunger auf die speise,
die sehnsucht auf den kusz, das dürsten auf den trank
Günther 1066.


 
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dürstend durstend, adj. uneigentlich.

viel anders breiten den flug um der eiche wipfel
die adler Wodans!
ihr auge blickt glühend herab
auf das blut das im thale raucht.
ihr schattender flügel schlägt, ihr durstendes geschrei ertönt
in dem felsenhain
Klopstock 8, 128.

er küszte mit durstenden augen das (im spiegel) flatternde bild der sängerin J. Paul Unsichtb. loge 2, 199. es begegne euch nur der rechte geist, wie ihn die dürstende liebe fordert ders. Titan 2, 113.