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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
dürpfel bis dürre (Bd. 2, Sp. 1735 bis 1741)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) dürpfel, m. thürschwelle, wie dorpel; vergl. Gramm. 3, 432. durpfel durpel schwell uberschwell an den thüren limen Henisch 776. altfries. dreppel Richthofen 692, ostfries. drüppel Frommann Mundarten 4. 128, 19. trippel Schmid Schwäb. wörterb. 139. deutschungar. türpel Schröer 48. siebenb. sächs. dirpel Frommann 5. 40, 103. bildlich, der durpel ist der höchste berg, hat man die thürschwelle überschritten, ist man aus dem haus getreten, so ist die hauptsache, das schwerste gethan, dimidium facti qui bene coepit habet Henisch 776. Schottelius 1307. die schwelle, der durpel oder sül ist der höchste berk Eyring Sprichw. 3, 538. sein haus hat hohe durpel, er ist sparsam, er gibt nichts aus Henisch 776.
 
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durpfen, schlürfen. durpfen, schlappen, stürzen inter sorbendum distillare Henisch 776.
 
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dürr dürre, adj. und adv. entsprechend dem lat. torridus. goth. þaúrsus, ahd. durri Graff 5, 200, mhd. dürre durre Ben. 1, 322b, altsächs. þurri, niederd. dörr Schambach 46a, niederl. dor dorre Kramer 71b. Teutonista 77a. ags. þyrr, altnord. þurr, schwed. torr, dän. tör. vom 15 ten jahrhundert an schwanken die formen, bis in der letzten zeit dürr fast allein gilt. dirr Keller Alte schwänke nr. 16. dur durre turre Voc. theut. 1482 hh 3b, derr f 5a, trucken dorre Eychman

[Bd. 2, Sp. 1736]


Voc. pred. Bb ij, durr Voc. incip. teut. d 4, dirr Serranus Synon. 52c, dürr Dasypod. 317b, Maaler 93b, dürre, selten durr dorre dörre Luther, durr turr dürr dürre dörre Henisch 776. dürr Schönsleder L 5, dörr H. Wolgemut, durr Comenius Orbis pictus 1, 222. dürr dürre Stieler 351, dürr Rädlein 209b. Frisch 1, 202b, dürr dirr dörre Steinbach 1, 285, dürre Nieremberger Ll 2, bair. durr Frommann Mundarten 4, 441. vergl. DWB dürren. in zusammensetzungen, beindürr, hundsdürr, klapperdürr, rippendürr, spindeldürr, winddürr, zaundürr.
1. eigentlich.
a. ausgetrockent, verdorrt, weil die natürliche feuchtigkeit geschwunden ist, aridus, exsuccus.

(der) an tregt zwei eng dirr schuch
Keller Alte schwänke nr. 25.

dirr holz, dirr machen, dirr werden Serr. Synon. 52c. nim ein dürrs prot als grosz als ein nusz Kochbuch in Haupts zeitschr. 9, 370. besser ist es essen ein stück dürres brot mit friden weder (als) haben vil hausrats in unfriden Keisersberg Sünden des munds 42b. und umgab den nestbaum (auf dem das nest stand) mit durrem holz und stupfeln und zundet die an Steinhöwel 31b (1551). durre unnutz astel oder zweig Voc. incip. teut. d 4. durr und hert werden obrigescere das. durrer prant torris, lignum adustum das. dürrn leberen jecus avidum Maaler 93c

doch sollen sie (die narren) sich des vermessen,
das sie des flächlins (mit wein) nit vergessen,
dann in ir leber und geschirr
von loufen liegen würt ganz dürr
Brant Narrensch. 80, 28.

darnach giengen auf sieben dürre ehern, dünne und versenget 1 Mos. 41, 23. wenn ir sein werdet wie eine eiche mit dürren blettern und wie ein garte on wasser Jesaia 1, 30. wie ein dürr blatt am feigenbaum 34, 4. sihe ich bin ein dürrer baum 56, 3. das ich (der herr) den dürren baum grünend gemacht habe Hesekiel 17, 24. und wil in dir ein fewr anzünden, das sol beide grüne und dürre bewme verzehren Hesek. 20, 47. denn gleich als wenn die dornen so noch in einander wachsen und im besten saft sind verbrennet werden wie ganz dürr stro Nahum 1, 10. wiltu wider ein fliegend blat so ernst sein und ein dürren halm verfolgen Hiob 13, 25. das deine bletter verwelken und deine früchte verderben und auch dermaleinst werdest wie ein dürrer bawm Sirach 6, 2. und worfen imer zu schwefel und pech und werg und dürre reiser Gebet Asariä 46. als aber die sonne aufgieng, verwelket es (die aufgegangene saat), und dieweil es nicht wurzel hatte, ward es dürre Matth. 13, 6. dann die zeit zu erndten ist komen, denn die erndte der erden ist dürre worden Offenb. Joh. 14, 15. durr werden oder trockenen Maaler 93b. Schönsleder L 5. Henisch 777. fast dürr sein arere Maaler 93b. ein dürr kraut herba arida 93c. dürr flugspän das feuwr zu machen das. fast (sehr) dürre ähere aristae aridae das. ein dürrer mund das. durst kommt vom dürr und dürresten Fischart Garg. 84b. die wurzel gibt ein gummi, wann sie dörr wird Lonicerus bl. 284.

da sie (die schlange) nun drei tag da gerast,
getrawrt, gedürstet und gefast
dasz sie die zung kaum regen kunt,
so heisz und dürr war ihr der munt
Rollenhagen Froschm. P ij.

(ich will) nur die dürr zung machen nasz (wasser trinken) Nn v.

eine dürre rauche zungen haben bei der bräune Henisch 778. das maul ist so dürr dasz ihm die zunge als ein alter pelzfleck an dem gaumen herum zappelt Chr. Weise Erznarren 305. dürrer (harter) käs Henisch 777. Stieler 351. Steinbach 1, 285. dürrer was cespes retorridus, torf Henisch 777. den dürren wasen brennen das. wir messen dürre sachen (getreide) mit dem scheffel Comenius Orbis pictus 1, 263.

an bäumen hingen dürre äst
Wolgemut Esopus 2, 369.

man musz mit schmieren
wie dürren thüren (thürangeln),
so advocaten
zum meisten rathen,
solln schweigen thüren,
sie reden führen
Logau 3. 3, 45.

der zauberer spricht zu seinem knaben

steck an die dürre hand (eines todten)!
so lang als hier vor uns die lichten finger brennen,
müsz uns kein fremdes aug erkennen
Gryphius 1, 59.

[Bd. 2, Sp. 1737]


wenn das pulver recht dürr und trocken ist Comenius Orbis pictus 2, 255. das heu ist dürr genug Rädlein 209a. Nieremberger Ll 2.

äste dürr die flackernd brennen
Göthe 41, 310.

und des lebens letzter funken
glimmt am dürren tachte kaum
Bürger.

der dürre stab
kann zweige treiben in des glaubens hand
Schiller 442b.

sprichwörter und redensarten. denn so man das thut am grünen holz, was wil am dürren werden? Lucas 23, 31. Henisch 777. es ist kein holz so dürr, es raucht, wenns ans feuer kommt Henisch 778. dürr holz unten im feuer friszt das grüne oben auf Simrock 1739. dürres und grünes (alles) versagen Henisch 777. die schrift versagt inen durres und grünes, schlegt inen ab alle gnad S. Frank Baum des wissens 139. darumb ob sie (gottes liebe) schon erzürnt, schlegt, verwundet, ja dürrs und grünes versagt ders. Paradoxa 32b. das maul ist ihm dürr er will nicht reden. ich bin ein arm mensch, sprichstu, wan ich im (dem fürsprech, advocaten) ein blaphart (blappard dreikreuzerstück Henisch 404) gib, so kan er nit reden (weil es zu wenig ist), stet da und ist im das maul dürr, er spützt aus oder zelt die paternosterkorn Keisersberg Sünden des munds 41a. wann ich bäte, so macht er mir den mund dürr läszt er mich nicht zum wort kommen Pauli 53. die dürren brüder nennt man die am galgen hangenden. 'ich hetsche (rutsche) auch mit', sprach jener wirt, färt man mit seinen gästen an galgen zun dürren brüdern in den feldorden S. Frank Sprichw. 2, 10b.

wer sich sein selber nicht kan maszen,
von böser gwonheit lassen,
den musz man in ein kloster globen
zun dürren brüdern hoch dort oben,
da man mit leitern steigt ins chor
B. Waldis Esopus 259b.

doch wo war Ludwig itzt! er sasz bei vollen fässern,
fern von des herrn geschrei den dürren hals zu wässern
Zachariä Schnupftuch 3, 70.

der begriff wird in zusammensetzungen gesteigert, beindürr, kiesdürr, klapperdürr, knochendürr, krachdürr, rappeldürr, sanddürr, scherbendürr, steindürr, stockdürr, zaundürr, zaunhageldürr, zaunmarterdürr; vergl. Frommann Mundarten 4, 441. 5, 190. Schmeller 1, 290.
b. austrocknend, dürre verbreitend. es kommt ein dürrer wind über dem gebirge her Jerem. 4, 11. als aber die sonne aufgegangen war, verschaffte gott einen dürren ostwind Jona 4, 8.

so wuchs dem krieg ein brauch (beute zu machen),
drausz, wie von einer zieg ein schädlich dürrer rauch
für kraut und bäume fuhr (eine pflanze, beim abfressen von dem athem der ziege berührt, verdorrt)
Logau 1. 3, 80.

wan oft der heisze hund (hundsstern) mit seinen dürren flammen
und Phöbus goldne glut dann feuren stark zusammen 1. 8, 99 s. 193.


c. dürr nennt man einen boden auf dem nichts wächst, weil er von natur steinig, sandig ist, weil er zu hoch liegt; vergl. dürrbrünstig. im dürren sand wächst nichts. auf dem dürren feld wachsen nur einzelne grashalme. in der wüsten, in der dürren einöde 5 Mos. 32, 10. wo ist der herr der uns aus Egyptenland füret und leitet uns in der wüsten, im wilden ungebeneten lande, im dürren finstern lande, im lande da niemand wandelt noch kein mensch wonet? Jerem. 2, 6. gepflanzt in der wüsten in einen dürren ort Hesekiel 19, 13. wie eine wüste und wie ein dörres land Hosea 2, 3. Ninive wird er öde machen, dürr wie eine wüste Zephania 2, 13. wenn der unsauber geist von dem menschen ausgefaren ist, so durchwandelt er dürre stete, suchet ruge und findet sie nicht Matth. 12, 43. dürr, trocken, mager und unfruchtbar feld Maaler 93b. das dürr sand arenae arentes das. ein dürrer und trockner boden 93c.

indesz der falsche mohr, bei raub und blut erzogen,
um dürre klippen lauscht
Opitz 1, 46.

er (der gott vertraut) geht, wann über ihm die wolken flammen speien,
getrost an deiner vaterhand,
getrost durch dürre wüsteneien
und brennend heiszen sand
Uz 1, 313.

der durchwühlt mit goldnem pfluge
mühsam einen dürren boden
Herder.

wie ein entsetzlicher brand die gewundenen thale durchwüthet,
hoch im dürren gebirg
Voss Ilias 20, 489.

[Bd. 2, Sp. 1738]



d. dürr ist der boden und unfruchtbar, weil er kein wasser hat. sihe, wenn er das wasser verschleuszt, so wird alles dürre, und wenn ers auslasset, so keret er das land umb Hiob 12, 15. in eim trocken und dürren lande, da kein wasser ist Psalm 63, 2. er öffnet den felsen, da flossen wasser aus das beche liefen in der dürren wüsten 105, 41. und er das trocken widerumb wasserreich machte und im dürren lande wasserquellen 107, 35. Jesaia 41, 18. wo es zuvor trocken ist gewesen, sollen teiche stehen und wo es dürre gewesen ist, sollen brunnequellen sein Jesaia 35, 7. denn er scheuszt auf fur im wie ein reisz und wie eine wurzel aus dürrem erdreich; er hat keine gestalt noch schöne 53, 2. ein dürrer garten den man wässern musz Henisch 777.

was dünkt dich dasz ein quell bald reich an wasser rinnt,
bald dürr und trucken ist?
Opitz 1, 46.

dürre wiesen, dürre weide Nieremberger Ll 2.
e. von der sonnenhitze ausgetrocknet, denn deine hand war tag und nacht schweer auf mir das mein saft vertrocknete, wie es im sommer dürre wird Psalm 32, 4. nun aber gibstu, gott, einen gnädigen regen und dein erbe das dürre ist, erquickestu 68, 10. meine seele dürstet nach dir wie ein dürre land 143, 6. du demütigst der frembden ungestüm, wie die hitze in einem dürren ort Jesaia 25, 5. der regen wol kompt, wenn es dürre ist Sirach 35, 26. ein vast dürrer oder heiszer sommer Maaler 93c.

der dürre aprill
ist nicht der bawren will,
sondern des prillen regen
ist ihnen gelegen Kalenderspruch aus dem 16 ten jahrhundert; s.
Gödeke Elf bücher deutscher dichtung 1, 216a.

in einem dörren sommer heisz
dasz eim jeden auszbrach der schweisz
Wolgemut Esopus 2, 358.

ein dürres jar thut in Teutschland nicht so groszen schaden als in Welschland Henisch 777. ein regen kompt wol wenn es dürre ist 778. eine dürre zeit eine regenlose Henisch 777. Schambach 46a. ein dürres jahr annus sitiens Steinbach 1, 285. Nieremberger Ll 2. dürre äcker agri sitientes Frisch 1, 202b. ir plagt euch mit dürrer zeit Amos 4, 9.

lob ihn im regen und in dürrer zeit
Ew. v. Kleist 1, 9.

die blumen welken (von der tageshitze) hin und träge
in dürren ufern schleicht der bach
Boie Götting. musenalm. 1770.

die dürrsten anger werden bunt, mit gras und blumen bedeckt
Haller.

bildlich. die sehnsucht macht dürres wetter Wiedemann März 16.
f. getrocknet zum aufbewahren; man sagt es von getrockneten früchten. apfelschnitze werden in den wärmern gegenden auszer durch feuerhitze auch durch sonnenhitze getrocknet, indem man sie geschält an einen faden reiht und vor das haus an die wand hängt. dürres obst oder gebacken obst Stieler 75. er sol weder frische noch dürre weinbeer (rosinen) essen 4 Mos. 6, 3. dürr feigen die man durch das ganze jar behalt Maaler 93b. Henisch 777. Steinbach 1, 285. dürre birn oder äpfel, hutzel Rädlein 209b. dürre weintrauben, rosinen, zibeben das.
g. geräuchert zum aufbewahren, vom fleisch. dürres fleisch Schmeller 1, 290. dürre gänse, dürre lachse (im jahr 1585) Rommel Geschichte von Hessen 4. 1, 750.

jetzt ist all frewd schir mit mir aus,
all tag zu mark gabt so vil geld
dasz ich uns mancherlei bestellt;
jetzt han wir kaum ein dorren schinken;
musz oft den sawren covent trinken
Wolgemut Esopus 2, 241.

s. dürrfleisch.
h. mager, abgemagert, zusammengeschrumpft. durr und mager Eychman Voc. pred. B iiij. Voc. incip. teut. d 4. ein dürrer hitziger mensch cholericus das. alsbald die runzeln komen und die hawt dürre und weit wirt Albr. v. Eybe 7b. alse he (Christus) selber sprichit 'ich bin durre worden alse ein grîve' Hermann v. Fritzlar s. Mystiker 1. 53, 29; vergl. Marienlieder in Haupts zeitschr. 10. 27, 29. meine gebeine sind dorre gebraten wie eine griebe Luther 1, 35a. sie haben nichts, gehen und sehen wie die dürren geister 3, 336. und nach inen (den fetten) sahe ich andere sieben dürre, seer hesliche und magere küe heraus steigen 1 Mos. 41, 19. ists (das rind oder schaf) blind oder gebrechlich oder dürre oder

[Bd. 2, Sp. 1739]


reudicht oder schebicht 3 Mos. 22, 22. er (der herr) seuget mich (den kranken) dürre aus: du machsts mit mir zu ende den tag vor abend Jesaia 38, 12. nu aber ist ir gestalt so tunkel für schwerze das man sie auf den gassen nicht kennt: ir haut henget an den beinen, und sie sind so dürr als ein scheit Klagel. Jerem. 4, 8. und da war ein mensch des rechte hand war verdorrt, und sprach (Jesus) zu dem menschen mit der dürren hand 'stehe auf und trit erfür' Lucas 6, 8. in welchen (hallen) lagen viel kranken, lamen, dürren Joh. 5, 3. dürr und mager schenkel Maaler 93b. die dürren schweine mag man aus dem land wol vertreiben und verkaufen Krenner Bair. landtagshandl. 16, 353.

so dürr, on macht und also mager
B. Waldis Esopus 186a.

ein dürres steinaltes mütterchen Musäus 1, 103. würde das alte dürre weib Heimweh mir nicht auf allen meinen wegen nachschleichen M. Hauser Wanderbuch eines östreichischen virtuosen (1859) 1, 108. s. dürrbäuchig. dürrbein.
der abgemagerte tod steht rechts, der dicke narrenfresser links, in scheuszlicher gestalt,

so ich dem dürren thu entgehn,
fall ich dem faisten in die zähn
H. Sachs 1, 535d.

sag mir, du königssohn Ammon,
was lieget dir so heftig an
das du bist so schnacket und hager,
so bleich, dünbacket, dürr und mager,
nimbst von tag zu tag also ab? 3, 91a.

der (Cartheuser) sagt 'ir lieben freund, ich han
auf erd den aller hertsten orden,
desz bin ich dürr und mager worden' 4. 3, 62b.

durr, mager, auszgemergelt Henisch 777. Schönsleder L 5.

von mir, schier dürren greisen,
nu mehr so alt und kalt
Weckherlin 653.

ein dürres pferd equus macie corruptus Steinbach 1, 285. dürre werden für liebe, für neid Nieremberger Ll 2.

ach, käm er nur, der dürre knochenmann,
er sollt ihr (der Luna) liebling sein! sie wollte mit entzücken
sein faul geripp an ihren busen drücken!
Wieland Endymion v. 573.

dürrer knochenmensch Hupel Liefl. idiot. 54.

drum trink und schmause wer nur kann:
bald schlägt der dürre sensenmann,
der keinen spasz jemals verstand,
uns glas und pfeifen aus der hand.
Chr. Fel. Weisze Komische opern 2, 152.

sie waren dazumal ein biszchen dürre und kreideweisz: itzt sehen sie so fein rothbäckicht wie ein Borstorfer äpfelchen aus und sind so hübsch quatschlicht 3, 186. Cook war ein dürrer hagerer mann Lichtenberg 4, 175. ein dürres grämliches männchen Engel Philos. für die welt.

der satyr hüpft nun hintendrein
mit ziegenfusz und dürrem bein;
ihm sollen sie mager und sehnig sein
Göthe 41, 55.

sie darf nur ihre dürre hand zum fenster hinaus strecken, so zittert der ganze hof Kotzebue Dramat. sp. 3, 232.

top top! die dürre hand werd ich zum tanze reichen 8, 125.

dürre wangen, graue locken
Uhland Ged. 293.

die lippen sind dürr und der blick ist kalt,
die bleiche wange verfallen und alt
A. Grün Ged. 383.

sprichwörter. dürre und gesund, leicht von tugend und mit geld unbeschwert ist armer gesellen spruch Petri Sprichw. S ij.

dürr und gesund
lauft hindurch wie ein jägerhund
Simrock 1741.

dürre wie eine schindel Weinhold Schles. wörterb. 16b. dürre wie ein verheiratheter sperling das. s. klapperdürre. spindeldürre.
2. uneigentlich.
a. gering, dürftig, armselig. da er auf ein wenig stro im ein dürr bettlin macht Bocc.

doch nicht fand ich die kost so dürr und mager
wie sein wort
Lenau Neu. ged. 105.

auffallend ist diese bedeutung in folgender stelle. ein reiher spricht

welch schicksal dasz ich nun blosz eine dürre schnecke
nach meiner langen wahl entdecke
J. A. Schlegel Fabeln 270.

die schnecke ist gerade fett und man sagt bildlich schneckenfett. meist in geistiger beziehung.

gerûche mîn durre herze salven
dat ich ouch engrûne allenthalven Marienlieder in
Haupts zeitschr. 10. 2, 7.

[Bd. 2, Sp. 1740]


unsere seele ist dürr Keisersberg Sünden des munds 16a. ein dürrer trostloser mensch ders. Irrig schaf. ich sprich zum dritten dasz eim sollichen dürren mönschen not ist das er sitz bei dem weg und bettel von unserm fürgonden herren Jesu das liecht der gnaden E iij. es stehet dürr genug das mit bitten krieget (erlangt) ist emere malo quam rogare Henisch 777, vergl. kahl.

du hast dir seine macht
zu dürre vorgemalet;
nun wirst du recht bezahlet.
ein feind den man verlacht,
der hat auf seiner seite
schon halben sieg und beute
Tscherning Ged. 325.

unbelebt, geistig leer, stumpf, gehaltlos, trocken, kahl.

ein schulfuchs hofft mit dürren gründen
den beifall aller welt zu finden
Hagedorn 3, 32.

dürre unfruchtbare orthodoxie Zimmermann.

er predigte so dürr und strohern
Kosegarten.

die wiederholung desselben dürren gedankens, die so manchen frischen unterdrückte J. Paul Flegeljahre 4, 9. mit kalten dürren augen, wie ein stabswundarzt, über das ganze wundenfeld der menschheit schreiten ders. Komet 1, 20. dürre geschäfte haben mich eine weile aus ihrer nähe gebannt Iffland Dramat. werke 11, 114.
b. unabänderlich, ungemildert, hilflos, hoffnungslos.

nâch Gamuretes tôde lebe ich in dürrem herzesêre Jüng. Tit. 1064, 4.

nach dir, herr, dürstet mich in diesem dürren harme,
wie ein entsaftet land das sich zum himmel neigt
und der erzürnten burg die tiefen risse zeigt
Fleming 27.

wen acker, ochse, weib hier in der welt macht sat,
der schaw dasz er nicht dort den dürren mangel hat
Logau 1. 9, 44.

erst als er (der fieberkranke) wieder besser wurde, das heiszt als seine kräfte erschöpft waren, sah Wilhelm mit entsetzen in den qualvollen abgrund eines dürren elendes hinab, wie man in den ausgebrannten hohlen becher eines vulkans hinunter blickt Göthe 18, 120.
c. ohne weiteres, ohne umstände, ohne einleitung, geradezu. Mose hebt dürr an wie gott Abraham rufet Luther 4, 73b. nimpstu mir darumb mein gut oder leib, so hast du es einem andern genomen denn mir, dem du es dürr bezalen must 6, 4b.

er hat mirs also dür abgsagt
das ich in nit me wol darf bitten Joh. der täufer trag.
L viii.

man hat mirs dürre getränket ein
Hayneccius Hans Pfriem 5, 5.

daran schlieszt sich
d. offen, klar, einfach, unverhüllt, ungeschminkt, und so gelangt das wort zu einer edlern bedeutung. die dürren natürlichen wort Luther 3, 286b. ob man inen gleich die warheit so helle und dürre fürlegt das sie es greifen möchten 3, 308. mit dürren kurzen worten das. wie doch die dürren hellen wort da stehen 3, 338. sie solten Amalek gar vertilgen, dürr und rein abe, nicht ein vieh, schaf leben lassen 4, 84b. sihe, so bawet s. Paulus auf diesen text seine predigt, füret in dürr, rein und stark 4, 91. da stehet ja die schrift dürr und klar das. Christus setzt dürr das widerspiel 5, 441a. er hat uns nicht im zweifel gelassen sondern dürr und klar abgemalet 5, 448b. darumb mus er ja rein sein von allem meinem wesen, leben und thun, und dürre beschlossen das er etwas anders ist denn unser leben aus reinem herzen und gutem gewissen für den leuten geführt 6, 41b. wir haben nicht mum mum gesagt noch unter dem hütlein gespielet, sondern da stehen unser helle durre freie wort on alles tunkeln und mausen 6, 108a. denn da stehen die hellen dürren wort die jederman vernemen und fassen kan 6, 175b. das ist abermal ein dürrer heller text von der gottheit Christi wider die Arianer, wiewol sie sich doch unterstanden haben ein loch dadurch zu boren 6, 180b. darüber ich seer gerne wolt ewr richtig und dörres urteil haben 6, 331a. und sind hie nicht tunkele noch deuteldürftige wort, sondern dürre und helle 8, 1b.

und in ein durre antwort gab Berlin. meisterlieder 23. nr. 243.

die zunge die spaziert
den weg durch lauter lob, lobt was sich nicht gebührt
und lästert was doch taug, und tauscht für fette lügen
die dürre wahrheit aus
Logau 3. zugabe s. 215.

der dürre buchstabe der gesetze Möser Patriot. phantas. 1, 51. der alte fing nun an nach den süszen geheimnissen der liebe

[Bd. 2, Sp. 1741]


mit dürren worten und in hergebrachten trocknen formeln sich zu erkundigen Göthe 18, 73. wie wohl man seine gedanken, seine worte auszulegen wisse; welches man freilich ihm nicht gerade mit dürren worten zu erkennen geben konnte 31, 153. und da das eigensinnige mädchen unbeweglich blieb, erklärte sie ihr endlich mit dürren worten dasz sie entweder gefälliger sein oder selbst für ihren unterhalt sorgen müszte Wieland 3, 260. am häufigsten ist die redensart dürr heraus sagen, reden wie frei, rein. denn er sagt durre eraus 'es sol dem ungleubigen nichts gelingen' Luther 3, 243b. er sagts dürre und frisch eraus wie es an im selbs ist 3, 342. man musz in nicht leren 'gleube den leib den Christus meint', sondern frei und dürre daher sagen ob er mit dem munde eitel brot und wein enpfahe 6, 106a. (David) spricht durre daher er müsse böse lerer und falsche regirer tilgen und ausrotten 6, 165a. wöllens inen dürr herausz sagen und kein blatt fürs maul nemen ders. Tischreden 301a. und sagt dürre heraus 'schickt mich immer unter die erden hin ins grabe' 2 Maccab. 6, 23.

eim soltus dürr mit worten sagen,
dem andern wol die haut vol schlagen
Scheit Grobianus P iij.

verzeih es was die noth mich dürr ausreden lehrt
A. Gryphius 1, 27.

und, mag ichs dürr aussagen,
was hat Cardenio nach mir und ihm zu fragen? 1, 238.

die dürre wahrheit frei heraus sagen scapham scapham appellare Nieremberger Ll 2. vergl. dürrhin.
e. keck, verwegen. sunst ist es ein stark fürschrettig (vierschrötig) verwegen volk (die Norweger), daz bald hinan gehet und dürr wagt; gibt darunder vil mörrauber Frank Weltb. 60b. si (die mohren) lassen sich ee erwürgen dann das si flüchtig werden. si entsetzen sich nit ab dem todt, und wagen es, wie das vihe das von keinem andern leben weiszt, dürr und dapfer 265a. unsere sind, mit gewaltiger hand frefenlich und dürr gewagt, zusammengelaufen, ziehen ihm (dem feind) entgegen Buch der liebe 206, 2. ei du dürrer bösewicht! Otho Melander jocorum et seriorum libri duo 2, nr. 755.
f. man sagt von dem reinen quellwasser es sei hart im gegensatz zu dem weichen fluszwasser. in jenem sinn wird auch dürr gebraucht. der Schwarzwald hat sunderlich dörr oder rösch (frisch) wasser und bäch Münster Cosm. 856.
g. im bergbau sind dürre erze solche, die kein blei enthalten Scheuchenstuel 61. Gätzschmann Bergm. ausdrücke 21. dürre kluft eine unausgefüllte, erzleere kluft das. 21.
 
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dürrach durach, n. der ort wo die bäume auf dem stamm abgestorben und dürr geworden sind. Salzb. waldord. 34. 45. 46. Schmeller 1, 391.
 
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dürrbackenschmutzig, adj. Fischart Garg. 61a.
 
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dürrband, n. zertheilendes pflaster Schmeller 1, 391. s. DWB darrband.
 
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dürrbäuchig, adj. und adv. dünnleibig, macilentus, im gegensatz zu dickbäuchig Stieler 107.
 
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dürrbein, n.
1. der ein mageres bein hat, das gleichsam nur aus haut und knochen besteht. in der Wetterau rufen die kinder dem raben spottend zu

rwe rwe, dorrbân!
die leut sân (sagen)
de häst ân (eins)
Weigand.


2. eine schwammart, agaricus caryophyllaeus Nemnich Wörterb.
 
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dürrbeinicht, adj. und adv. der keine waden hat. ob man gleich den dürrbeinigten mannspersonen mit falschen waden durch die kunst zu statten gekommen Ehe eines mannes 327.
 
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dürrbrünstig, adj. und adv. vertrockent. dürrbrünstig feld carbunculosus ager Maaler 93c; vergl. DWB dürr 2 a.
 
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dürre, f. trockenheit ariditas, siccitas, hitze die austrockent, ahd. durrî, mhd. dürre Ben. 1, 322b. dürre druckne Dasypod. 317b. dürre Frischlin Nomencl. 91. Schönsleder L 5. Stieler 351. Frisch 1, 212b. dörre Steinbach 1, 284. dorr durr m. Steinbach das. s. DWB dürde, DWB dürrheit, DWB dürrigkeit, dürrung, blutdürre.
1. bei der groszen dürre senkten die pflanzen ihre blätter. ire zweige werden für dürre brechen das die weiber komen und fewr damit machen werden Jesaia 27, 11. wie die hitze und dürre das schneewasser verzert Hiob 24, 19.

ich sehe froh des winters dürre beblühet.
Klopstock Oden 2, 109.

[Bd. 2, Sp. 1742]



2. dürre durr winddurr baum der auf dem stamm abgestorben oder dürr geworden, weil er vom blitz getroffen ist Schmeller 1, 391. Frommann Mundarten 4, 441. vergl. dürrach.
3. trockenheit des mundes.

von dürre wolt die sprach sich legen.
Rollenhagen Froschm. Cc v 2.

er kan vor dürre seiner zungen nicht reden Stieler 351.
4. trockenheit des bodens weil wasser fehlt, kein regen fällt, trockene witterung. durr auf dem land siccinium Voc. incip. teut. d 4. die barmherzigkeit gottes ist schön und wol gestalt in der zeit der widerwärtigkeit. sie ist als der regenwolk der zeit der dürre Keisersberg Seelenparad. 192c. und hat dich geleitet durch die grosze und grawsame wüsten, da fewrige schlangen und eitel dürre und kein wasser war 5 Mos. 8, 14. wenn ein thewrung oder pestilenz oder dürre oder brand oder hewschrecken oder raupen im lande sein wird 1 Könige 8, 37. denn ich wil wasser gieszen auf die durstige und ströme auf die dürre Jesaia 44. 3. es stehet kleglich auf dem lande und ist zu Jerusalem eine grosze dürre Jerem. 14, 2. darumb hat der himel uber euch den thaw verhalten und das erdreich sein gewechs. und ich habe die dürre gerufen beide uber land und berge, uber korn most ole und uber alles was aus der erden kompt, auch uber leute und viehe und uber alle arbeit der hende Haggai 1, 10. 11. denn ich plagt euch mit dürre brandkorn und hagel 2, 18. wann denn dies jahr ein harte dürre gewesen Schweinichen 3, 242. das erdreich thut sich auf und gibt kluften für dürre Henisch 777.

weiszt du, frau, wie es einst nach langer dürre geregnet?
Voss Luise 1, 315.

sprichw. nach groszer dürre regen Simrock 1740.
5. einöde, wüste. in der dürrin und in der wüstin Keisersb. der die gefangen ausführt zu rechter zeit und läszt die abtrinnigen bleiben in der dürre Psalm 68, 7. Libyen welches hernach vom staub und sande, wie es denn grosze dürren darin hat, Aphrica genandt sein soll Mathes. 12a.
6. das feste land im gegensatz zu dem meer. gott hat gemacht das mör und die dürre Keisersberg Postille 11, 19. rudern und widerkeren zu der dürre das.
7. hürde um darauf malz, obst zu dörren, s. DWB darre derre dörre. die dürre konnte auch zum sitzen dienen. der grundherr oder sein vertreter soll uf ener dürre sitzen und seinen zinsen mit gerichtsrecht dingen und fragen Weisth. 2, 253. die dürre heiszt auch der hängebalken über dem ofen, eine abtheilung im stadel oder unter dem dache zum dörren der früchte Frommann Mundarten 4, 441. ein kämmerlein das unmittelbar über einem backofen angebracht ist Schmeller 1, 391.
8. uneigentlich bedeutet es ein hinschwinden, abnehmen leiblicher und geistiger kräfte. gib mir, bat in der abmattenden dürre der krankheit Herder seinen sohn, einen groszen gedanken, damit ich mich erquicke J. Paul Herbstblumine 3, 1.
a. magerkeit Rädlein 209b.
b. schwindsucht, wie dürrsucht, darre. Henisch 777; vergl. DWB blutdürre, DWB löserdürre. die dörr Frommann Mundarten 4, 441. der herr wird dich slahen mit schwulst, fiber, hitze, brunst, durre, giftiger luft und geelsucht 5 Mos. 28, 22. strafen an ihrem leibe mit krankheit, mit franzosen, mit krätze, dürre Schuppius 507. mein mann hat die dörr Höfer Östreich. idiot. 1, 162. die dörre der vögel das.
c. geistiger mangel. die dürre und darre (an biographischem stoff) J. Paul Fibel 199.
d. gehaltlosigkeit. die dürre blosz erwerbsamer wissenschaften Wolf Museum der alterthumswissenschaft 1, vii.
e. elend, betrübnis. wie sich die bresthaftigen mönschen halten sollent in irrer durre und trostlosigkeit Keisersberg Irrig schaf Eiija. herab von der herrligkeit, du tochter, die du zu Dibon wonest, und sitz in der dürre (sede in siti hat die vulgata) Jerem. 48, 18.