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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
dürmel bis dürpfel (Bd. 2, Sp. 1733 bis 1735)
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[Bd. 2, Sp. 1733]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) dürmel, durmel, türmel, turmel, dormel, m. schwindel, taumel des weins und des schlafs, wie dusel, wirbel Schmeller 1, 456. Schmid Schwäb. wörterb. 149. Schmidt Westerwäld. idiotikon 258. durmel, schwindel vertigo Eychman Voc. pred. E e 3. im mhd. wörterb. 3, 151a ist turm angesetzt, aber nicht nachzuweisen. die etymologische erklärung bleibt dunkel, das mhd. turc ist zwar gleichbedeutend, gehört aber zu torkeln. der wein und türmel war im auszm kopf kommen er war nüchtern geworden Kirchhof Wendunm. 250a. nichts artlichers war als dasz ich nicht wuste woher ihnen der dürmmel kam, sintemal mir die würkung des weins oder die trunkenheit selbst noch allerdings unbekannt gewesen Simpliciss. 1, 101. etwas im tormel (in der trunkenheit oder im schlaf) thun Schmidt Westerwäld. Idiot. 258.
 
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dürmeler dormeler, m. taumeler Schmidt Westerwäld. idiotikon 258.
 
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dürmelkopf, m. schwindelkopf in dem die gedanken herumtaumeln. und weisz nicht ob ich mich mehr uber seim frevel oder mehr seiner ungehöblichkeit versegnen soll. seinen frevel in dem das er ohn ursach, ohn bescheid, ohn einigen grund oder schein ausz eigenem dürmelkopf hat uns seinen farbenverstand dörfen fürmalen als ob er der tyrannen einer wär Fischart Garg. 121a. s.dusselkopf.
 
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dürmeln, durmeln, türmeln dormelen tormeln dörmeln, umgestellt trümeln, taumeln, hin und her schwanken, im kreise herumwirbeln, burzeln, unsinnig sein Schmidt Westerw. idiot. 258. Schmeller 1, 450. Schmid Schwäb. wb. 149; s.umdürmeln. gleichbedeutend sind torkeln und das mhd. turren Ben. 3, 153b, gehören aber leicht zu einer andern wurzel. durmeln umb die wend Keisersberg Bilger 155d. gab der erzbischof Turpin einen harten schlag auf seinen helm das er und das pferdt umbher türmelten Aimon l iiij. schlug er Reinharten also das er türmisch ward. und da Otgier Reinharten also türmelen sah p 1. er schlug keiser Carle also kreftigklich auf seinen helm das er ine ganz türmeln macht S ij. (die schweine) begunden sich zu reiben an den ladenpfosten, so daz die pfosten trungen von dem reiben under den fenster usz, daz die drei knecht durmelten under dem fenster usz uf die gassen Eulenspiegel s. 72. da kumpt des spitals saw mit iren ferlin (ferkeln) und gat under die bar und begund sich zu jucken daz Ulenspiegel (seine leiche) von der bar dürmelte s. 136.

wir gen schier an den wenden,
der glucks der hat kein ruh:
ich dürmel wie ein gans herein
dasz mir der schedel kracht
Uhland Volksl. 600.
Frischart Garg. 93b.

wein war sein (Rabelais) weih und balsam gar,
der balsam hie noch scheint,
und nimbt mich wunder dasz ir nicht
dürmelt, weil ir hie (an seinem grab) steht,
dasz euch der wein ins haupt nicht rücht,
dann disz grab weinlet stät
Fischart Garg. 11.
Abele 4, 7.

ausz dem angster (flasche mit engem hals) musz mans (den wein) mit engen ängsten, wie die balbierer ihr spicanarden und roswasser herausz ängstigen, wirbeln, türbeln, türmeln und gleichsam betteln Garg. 100a. er schlug ihn mit einem hammer auf den kopf dasz ihm der kopf trümlet Stettler Annal. Helv. 1, 415. einer von diesen purschen der etwas verständiger sein wollen, auch deszwegen umb ein wenig den wein auszuschlafen, auf die obere kammer verkrochen hatte, nachdem er den tumult in der stuben gehöret und also halb dürmelnd sehen wolte was es wäre Philander 2, 231. es stank von taback dasz einem der kopf dürmelte 2, 232. welcher aber ausdauern und am besten saufen konte, wuste sich dessen grosz zu machen und dünkte sich kein geringer kerl zu sein, zuletzt dürmelten sie alle herum als wann sie brisen (bilsen)samen genossen hätten Simpliciss. 1, 105. wie ich nun seinen ernst spürete, schlug ich an und traf ihn dergestalt an die stirn dasz er herumdurmelte wie eine garnwinde 1, 410. ich hätte beinahe hierüber gelacht, doch enthielte ich mich noch und dürmelte erstlich zum haus und endlich zum flecken hinaus 2, 260. ich aber kehrte das rohr um und schlugs demselben strauchmörder dermaszen für den kopf dasz er dorthin dürmelte wie ein ochs der vom metzger einen streich auf die platte bekommen 2, 271.
 
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dürmelung türmelung, f. wirbelwind. solch wunderliche türmelunge war (von gewitter und sturm) dasz etliche meinten die stat Prage und andre stäte mer, da es gehört ward,

[Bd. 2, Sp. 1734]


müsten vergehen Peter Eschenloer Geschichte v. Breslau 1, 293.
 
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durmen, schlummern, dormire Schmid Schwäb. wörterb. 149.
 
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dürmig türmig, tormig, adj. und adv.
1. betäubt, taumelnd, schwindlich.
2. tobend, ungestüm, zornig, in Baiern und im mittlern Deutschland Schmidt Westerwäld. idiot. 149. Schmeller 1, 456. dürmig impetuosus Voc. 1429. dasz ein ietlicher fleischman hie im dorf kain tormich vich nit slahen sol, noch stechen kain kalp das nit 21 tag alt ist Ensdorfer gerichtsordnung etwa vom jahr 1470. ebenso dürmisch und dürmlich.
 
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dürmisch türmisch, adj. und adv.
1. schlug er Reinharten also das er türmisch ward Aimon p i.
2. damals, wie disz geschach, pflegt das volk hurnauszenweisz (wie hornisse), legionisch und belzenbubisch, dürmisch und stürmisch zusammen zu kommen an den ort so Neszle genannt Fischart Garg. 150b. wär man herr Heinrich nicht zu hülf kommen, so wäre er gefallen, denn er war ein wenig dürmisch Buch der liebe 36, 4. dürmisch obliquis trucibusque oculis spectare Schönsleder L 5. dürmisch angesicht torvitas vultus, oculis torvis tuens das. C. mit der linken hand streiche ich türmisch meinen bart: die stirn ist gerunzelt, die augen blitzen rache Favian hischaviensis.
 
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dürmlich durmlich türmlich dormlich tormlich törmelich wie duselig. durmlicht Schmidt Westerw. idiot. 258. Schmeller 1, 456. turmelicht Schmid Schwäb. wörterb. 149. in der Schweiz umgestellt trümlich. durmlechte gans Keisersberg Bilger 155d. einen trümlich machen, einem das haupt verwirren, wirt vom wein geredt, tentare caput dicitur vinum Maaler 410c. ein büchsenpulver mit dem man vögel schieszen konte, die zwar nicht darvon beschädigt, gleichwol aber so dürmlich wurden dasz man sie als todt aufhebete und hernach, wann sie wieder zu sich selbst kamen, lebendig hatte Simpliciss. 2, 441.
 
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durniz dürnitz, f. stube, geheiztes gemach. man vermutet es sei aus dem russischen gornitza gebildet, das gleiche bedeutung hat. Graff 5, 459 führt nur aus einem glossar des 11 ten jahrhunderts den pl. turniza caumata (geheizte stuben) an und fragt ob für den sing. auch turniza anzunehmen sei. Ben. 1, 406 setzt daher dürnitze starkes und schwaches fem. an. er hat kein beispiel aus dem mhd., indessen zeigt sich in einer bearbeitung vom Herzog Ernst, wahrscheinlich aus dem ende des 12 ten jh., dürnitz (Haupts zeitschr. 7, 257). es war ein zu einem besondern gebrauch bestimmtes gemach, meist eine geheizte badestube, auch ein speisezimmer; vergl. das mhd. phiesel. das wort ist in Ober- wie Niederdeutschland, auch in Dänemark verbreitet. wie die bedeutung, wechselte auch die form. durnutz dornz dornse dortze Diefenbach Gloss. lat. germ. 211a. dornitcze ader heise gadim oder stobe Voc. vrat. 1422. dornicz oder stubelein aestuarium Voc. vrat. dürnicz estuarium Voc. 1429 bl. 4b. durnitzstuben estuarium stuba Voc. theut. 1482 f 5a. turnitz estuarium, vulgariter badstuben Voc. incip. teut. y 4. dornsche, stoeve, estuarium, stuba Teutonista 77b. dirnsen hypocaustum (geheizte badstube) Alberus Lexicon. dörntze stube hypocaustum, hibernaculum Chyträus Nomenclator saxon. 390. dirnitz triclinium palatinum, aulicum, coenatio palatina seu aulica Schönsleder L 2. dörnze rathstube Braunschw. stadtrecht bei Leibnitz script. rer. brunsv. 3, 450. dirniz tirniz dürniz ein hintergebäude in welchem die dirnen oder die hausfrau mit den mägden wohnte und arbeitete, und welches kein fremder mann betreten durfte Westenrieder Gloss. germ. lat. 106. salzdörnze wo man salz trocknet Frisch 1, 203b. die dürnitz in klöstern und herschaftlichen gebäuden ein zimmer wo knechte und andere dienstleute zu essen pflegen Höfer Oestreich. wörterb. 1, 169. dörnse dornse donse winterstube die man heizen kann Brem. wörterb. 1, 185. 229. ebenso dörnsch dönnsch im holsteinischen Quickborn 320. dönsk zimmer auf Helgoland, in Jever dœhns därnz dörnsch dörnze dönsse dünnsse Frommann Mundarten 3, 30. 37. 42. friesisch, dörns dörnse dörnsk dörnst dörnset Outzen Fries. glossar 47. dänisch, dörns dörens döns darns daans familienstube der bauern Molbech Dänisches dialectlexicon 93. si trugen (den wein) in die dornczen, in die kellere Konrad Stolle Thüring. erfurt. chronik (aus der zweiten hälfte des 15 ten jh.) 166. fele lude logen (lagen) in den dornczen mit den kindern di sich nicht erwermen konden (in dem kalten winter) 167. die kowe (kühe), swin und zegen stalleten in ore dornczen 172.

[Bd. 2, Sp. 1735]


item Jacobi und Bartholomei heisten (heizten) etliche ore dornczen 174. und stunt uf von dem tisch (wo er asz) und gingk zu der dornczen usz und riff sinem knechte und sprach 'wo blibestu? wiltu nicht trinken brengen?' 177. und heisten die dornczen in bis hene Johannis baptiste 184. geschehen a. 1490 zu Amberg im schlosse, der stuben darin herzog Georg die zeit war, ob der türnitz Krenner Bair. landtagshandl. 10, 266. bei dem leichenmahl des im jahr 1508 verstorbenen herzogs Albert IV. wird in der türnitz auf 24 tische zugerichtet 14, 5. die tirnizen seien vol (von hofbedienten) Münchner landtag von 1514 s. 479.

wir wöllen in die durnitz nein
und mit dem adel frölich sein
H. Sachs 3. 2, 199c.

fürt in auch in die türnitz nein
Jac. Ayrer 159b.

kommt nur rein in die türnitz,
darin wollen wir essen ietzt 290a.

zwen brüder die sich einander gelaidigt haben zu wald in der thürnitz Hund Bair. stammbuch 1, 347. die vier jungfrauen (die bei der fronleichnamsprocession in München heilige personen vorstellen sollen) berueft man alzeit am antlasabent zum nachtmal hinein in die neufest, und sie liegen dieselbige nacht dinnen (entweder) im dirnitz- oder (im) frauenzimmer Westenrieder Beiträge 5, 126 zum jahr 1580. a. 1326 erbauten die pfalzgrafen in Amberg auch ein neues schlosz und eine grosze gewölbte türnitz welche auf fünf steinenen säulen stunde Wiltmeister 112. 121. 123. die königlichen commissarien waren 1498 versammelt im groszen türniz im bischofhof zu Regensburg Gemeiner Regensb. chronik 4, 21. landgraf Friedrich von Thüringen besserte den abgebranten thurn auf der vestung Wartburg und legte darauf eine schöne hofdornczin Menken Script. saxon. 2, 1782. ungefehr vor twintich jaren (um 1600) sind baben vier efte vif dornschen und noch weiniger köken unde schorstene im ganzen karspel Busen nicht gefunden, un is solches erstlich an der pastoren edder prediger gebuwten angefangen; denn des winters beholpen se sik an den kikern Neocorus 1, 195. im Lexicon von Baiern ist die rede von einer türnizstube mit elf betten für mehrere soldaten in einem hohen thurm von Hohensalzburg, item von der neuen türniz oder mirabellcaserne Schmeller 1, 398. auch ein theil des schlosses zu Burghausen ist unter dem namen der dürnitz bekannt 1, 399. in einer herzoglich bairischen speiseordnung vom jahr 1552 ist die dürnitz ein zimmer in welchem die hofbedienten essen Oberbair. archiv für vaterländ. geschichte 9, 10. 11. Meisen in unser durenze ist der alte burggräfliche thurm, welcher 1596 völlig abgetragen worden Ursinus handschr. geschichte des kreuzklosters s. 305. beim Münchner hofsilberkammeramt wurden ehmals unter den bedienten schneller auf dirniz, abspüler bei der dirniz angeführt (Edelknabeninstruction hs. vom jahr 1717) Schmeller 1, 398. hofdienste mit der hofpfründe aus dem zehrgaden der diernitz Landshuter wochenblatt 1815, 54. das dörren des flachses auf dornczen oder beim feuer Anton Geschichte der landwirthschaft 3, 284. die wohlverschlossenen dürnitz, abgegrenzt von andern gemächern Spindler König von Zion 1, 285.
 
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dürpfel, m. thürschwelle, wie dorpel; vergl. Gramm. 3, 432. durpfel durpel schwell uberschwell an den thüren limen Henisch 776. altfries. dreppel Richthofen 692, ostfries. drüppel Frommann Mundarten 4. 128, 19. trippel Schmid Schwäb. wörterb. 139. deutschungar. türpel Schröer 48. siebenb. sächs. dirpel Frommann 5. 40, 103. bildlich, der durpel ist der höchste berg, hat man die thürschwelle überschritten, ist man aus dem haus getreten, so ist die hauptsache, das schwerste gethan, dimidium facti qui bene coepit habet Henisch 776. Schottelius 1307. die schwelle, der durpel oder sül ist der höchste berk Eyring Sprichw. 3, 538. sein haus hat hohe durpel, er ist sparsam, er gibt nichts aus Henisch 776.