Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
durchzwingen bis dürftig (Bd. 2, Sp. 1720 bis 1731)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) durchzwingen, wie durchzwängen, vi transitum facere Henisch 776. Rädlein 209a. sich durchs volk durchzwingen Stieler 2670.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
durchzwingung, f. impetus ad perrumpendos meatus Stieler 2670.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
dürde dirde, f. ariditas wie dürre, altsächs. thuritha, Schmellers glossar zum Heljand 118a, dirde Steinbach 1, 285. weil aber die Römer bei damaliger dürde den kihnichten wald auf allen enden anzündeten Lohenstein Arminius 2, 72.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
dürenstaude, f. wachholderstaude juniperus Nemnich 2, 268.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
durf, m. mittelpunct. mit dem zirkel zeucht er den zirkelrunden kreis (den ring), dessen mittelpunct der durf (zenterpunct), der umschlusz (umbfang), der umkreis genannt wird Docemii übersetzung von des Comenius Janua linguar. reserata aurea (1648) § 758. wie ist das wort zu erklären?

[Bd. 2, Sp. 1721]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) durfehe, f. ulcera oris Frischlin Nomencl. 140. von den mundgeschwärn, curfes oder durfehe genannt, und von andern umb sich fressenden schäden (bei den pferden) Uffenbach 2, 108. welche curfes oder durfehe ohne geschwär sind, die pflegt man auf solche weise zu heilen 2, 109. also gleichbedeutend mit durchfäule; vergl.gurfeule oben (2, 640) bei curfes angeführt. auch gurfei kommt vor.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
dürfen , eins von den anomalen verbis, welche keine eigene form des praesens haben, sondern die starke des praeteritums dazu verwenden und ein eigenes schwaches praet. bilden. der infinitiv ergibt sich aus dem pl. praes., kommt aber nur vor in dem ahd. bidurfin, das sich einmal bei Notker zeigt (Graff 5, 210) und in dem mhd. bedurfen, bedürfen, das nicht selten aber blosz in der verbindung mit soln, wellen, mügen, müezen erscheint; so in den Nibel., bei Hartmann, Gottfried, Freidank, Fleck, Rudolf, Konrad v. Würzburg und andern. angesetzt wird goth. þaúrban, altsächs. thuran, altfries. thurva, nhd. neben dürfen bis in die hälfte des 18 ten jahrhundert dörfen. Serranus Synon. 52d, Schönsleder L 5, Rädlein 198b und noch Frisch stellen dörfen allein auf, Stieler 279 dürfen und dörfen neben einander, Nieremberger blosz dürfen, wie Steinbach 1, 310. selten ist darfen Schottel 1307. Henisch 652, dieser daneben auch durfen dürfen 776. därfen Weckherlin und einige andere; vergl. Schmeller 1, 395. bair. und schwäb. derfe Schmeller 1, 394. Frommann Mundarten 2, 112. tirol. törfn Frommann 3, 456. mittelniederd. durven dörven Neocorus, dorfen Kilian, dorfen Teutonista 77b, ags. þurfan þorfan, altnord. þurfa, schwed. tarfva, dän. tarve. auch der imperativ kommt nicht vor. das part. praes. nur im gothischen þaúrbands egenus und im nhd. bedürfen,

mein bedürfend unerfahren herz
Göthe 9, 180.


praes. indicat. sing. 1 te und 3 te, goth. þarf, ahd. tharf darf, mhd. darf, neuhd. darf, Weckherlin därf, Joh. Nas und Albert Ölinger (Grammatica Argent. 1574 s. 134) darfe, tirol. tarf Frommann 3, 451, bair. und schwäb. derf Schmeller 1, 394, Frommann 2, 112. altsächs. tharf, altfries. thurf thorf, niederl. derf durf, Teutonista darf, ags. þearf, altnord. þarf. 2 te, goth. þarft, ahd. tharft darft, mhd. darft, neuhd. darfst, Keisersberg darft (Postille 111, 44), Keisersberg auch darfest wie Luther und Henisch, tirol. tarfst, bair. und schwäb. derfst, altsächs. þarft, mittelniederl. dorves, ags. und altnord. þarft. pl. 1 te und 3 te, goth. þaúrbum, ahd. thurfun durfun, mhd. durfen, neuhd. dürfen dörfen, tirol. törfen, bair. und schwäb. derfe, altsächs. thurun, altfries. thurvon, ags. þurfon, altn. þurfum. 2 te, goth. þaúrbuþ, ahd. thurfut durfut, mhd. durfet durft (dürfet Engelhart 3938), neuhd. dürft, tirol. törft, bair. und schwäb. derfet derft durfet durft, altsächs. thurun. conj. sing. 1 te und 3 te, ahd. thurfi durfe, mhd. dürfe (Walther 60, 36), neuhd. dürfe dörfe, tirol. törf, schwäb. dirf, ags. þurfe þyrfe, 2 te, neuhd. dürfest, tirol. törfst, schwäb. dirfst. pl. 1 te und 3 te, goth. ist nur die erste zu belegen, þaúrbaima, neuhd. dürfen, tirol. törfen, altsächs. thurin; ags. þurfen þyrfen. 2 te, goth. þaúrbeiþ, neuhd. dürfet.
praet. indic. sing. 1 te und 3 te, goth. þaúrfta, ahd. dorfte in bedorfte, mhd. dorfte, neuhd. durfte dorfte, altsächs. thorfta dorfte, niederl. derfde durfde, ags. þorfte, altnord. þurfti. 2 te durftest. pl. 1 te und 3 te, neuhd. durften dorften. 2 te neuhd. durftet dorftet. conj. sing. 1 te und 3 te, mhd. dörfte dorfte, neuhd. dürfte dörfte, tirol. dörfet, altsächs. torfti. 2 te, neuhd. dürftest dörftest. pl. 1 te und 3 te, neuhd. dürften. 2 te, goth. þaúrbeiþ, neuhd. dorftet.
part. praet. goth. þaúrfts, mhd. dorft in bedorft (Gramm. 4, 168), neuhd. gedurft gedürft gedorft gedörft, tirol. getörft, niederl. gedurfd gederfd. schon im 16 ten jahrhundert und jetzt allgemein wird, wenn ein anderer infinitiv daneben steht, die mit dem infinitiv zufällig übereinstimmende form dürfen gebraucht, man sagt ich habe das thun dürfen, ich habe kommen dürfen, er hat es aussprechen dürfen; eben so steht können, mögen, müssen, sollen, wollen; vergl. Gramm. 4, 168.
In der geschichte der sprache 902 und in Haupts zeitschrift 7, 453 wird ausgeführt dasz darf dürfen unorganisch sei und darb dürben lauten müsse, wie dem gothischen hvarf (dies praet. wird vorausgesetzt) hvaurbum ein ahd. huarp huurpun entspreche; f für p oder b habe sich allem anschein nach

[Bd. 2, Sp. 1722]


aus dem praet. durfte und part. durft in das präsens eingeschlichen. indessen zeigt sich auszer dem gothischen und altsächsischen überall, auch in den mundarten, nur f. das gothische þaúrban heiszt lediglich bedürfen egere, und das wird auch die bedeutung des verlornen wurzelworts gewesen sein. zu dem ahd. piderban, mhd. bederben benützen, gebrauchen uti, ist anzumerken dasz brauchen nicht blosz benützen heiszt, sondern auch nötig haben; der zusammenhang beider bedeutungen ist oben 1, 317. 318 gezeigt. völlig abzutrennen von dürfen ist dürren, mhd. turren sich unterstehen, getrauen, das man als eine veraltete nebenform davon betrachtet hat. doch hat das mittelniederd. durven darf dorste gedorst und das niederl. durven darf dorst gedorst die formen beider verba gemischt. bei den schwankenden formen und den verschieden gefärbten bedeutungen sind reichliche beispiele nötig.
1. nötig haben, egere, wie bedürfen, was jetzt gewöhnlicher ist.
a. mit dem genitiv der person oder der sache.

wenn man ir darf zu solicher pflicht
Rosenplüt Nürmberger rais 467.

und ist kein sünd so schwer und scharf
als wölche widerkerung darf
Schwarzenberg 146, 2.

mein herr der apt der darf dein Fastnachtsp. 203, 14.

des glaub du, böser ditel,
ich darf nit solcher pitel (freier) 615, 25.

z dem ersten fragstu was ist liegen? es darf wenig uszlegens, jederman weiszt waz es ist Keisersberg Sünden des munds 23a. ich hab einen kant, von dem hab ich es gehöret das er sprach 'mich glust ze stelen', und stal auch und greif daruf; und dorft sein nüt (that es nicht aus not). es was allein ein mtwil, er mst gestolen haben 23b. wir dörften wol einer leiteren, sollen wir anderst im nach steigen 86a. darzu dorft er ewr hilf und stewr Theuerdank. sag ich 'ich darf keiner nieszenwurz, hab auch nicht so grosze schnuppen das ich das nicht rieche' Luther 1, 52a. die scheinenden heiligen dürfen gottes nicht 3, 24b. meine feinde die dürfen nicht dein noch deiner lere 3, 26b. das man mein nicht darf 3, 59b. man darf dazu keines geists 3, 63. das ir des äuszerlichen zeugnis nicht dürft für euch 3, 79. was dürft man denn richter und weltlicher oberkeit von gott eingesetzt? 3, 322. (werke) die der gnade und des schonens dürfen 4, 56a. die heiligen vetter (väter) dürfens nicht, denn sie sind lange tod, wir dürfens aber 4, 153a. was dürften wir eines gottes? 5, 8b. denn ich darf ir (der sacramente) nirgend zu (dazu), wenn sie mich ungewis machen oder bleiben lassen 6, 27a. so dürfte ich Christus des mittlers nicht, der mich mit gott versünete 7, 24b. da wir seiner hülfe am meisten dürften Tischreden 132a. Christus darf dein dasz du ihn helfest preisen 179a. man darf der füllsteine an einem gebew mehr denn der quadraten 184b. was darf gott eines starken, und was nutzt ihm ein kluger? Hiob 22, 2. es war inen so leicht mich zu beschedigen das sie keiner hülfe dazu durften 30, 13. man darf keiner lügen dazu, das man das gebot halte Sirach 34, 8. herr, wenn du keines dings darfest 2 Maccab. 14, 35. die gesunden dürfen des arztes nicht Luc. 5, 31. der herr darf sein 19, 34. es kan das auge nicht sagen zu der hand 'ich darf dein nicht' 1 Corinth. 12, 21.

was dürfen wir der oberkeit?
Th. Murner Luther. narr 1425.

und dörfen des keisers nit zu diser sachen 1432.

der selben dörfen wir alle gar 1632.

darumb unser glaub auch der gnade unsers herrn Christi darf J. Mathesius. dasz man der frembden glossen gar nichts darf Melanchthon Hauptart. der heil. schrift 75.

geh, Ehrenhold, mein tochter bring,
sprich 'ich dürf ir nötiger ding' (nothwendig)
H. Sachs 1, 119b.

'ich bitt lasz faren mich mit dir,
vielleicht ein beut geratet mir,
so theil ich dir mein narung mit.'
der faist man sprach 'ich darf sein nit,
ich hab selber ein guten handel' 1, 536a.

ich darf dein sunst zu keinem knecht 3. 1, 199d.

er darf glücks Petr. 218b. drauszen ruhm erlangen darf schnaufens Agricola Sprichw. 19b. dieser sein irrthum darf nicht viel widerlegens Tabernäm. 552. ich bitte dich du wöllest mich diesen dienst lassen allein versehen, ich darf keins gehülfen Buch der liebe 214.

[Bd. 2, Sp. 1723]


sie dürfen keiner ruh
Ringwald Treuer Eckhart E 1b.

so darf man ihres laufes nicht E ivb.

wann ein christ eines guten fruchtbaren regens oder schönen wetters bedörf aus einer predigt Jacobs Andreä vom jahr 1578 bei Schuppius 614. der oftermals einen schaubhut setzt, da einer wol eines guten filzhuts bedörfte das. sie dörfen keiner weitern beschreibung Forer Fischb. 167b.

ein freund des andern wider darf
Eyring 2, 105.

den ehret man wie ein got,
des man darf in der noth
Henisch 652.

der reiche darf des armen sowol als der arme des reichen das. der wolf darf keines arzts das. man darf der schwachen glieder am leib auch 653. ein jedes ampt darf eines aigen manns das. gott darf keiner statt die sein wort nicht will herbergen das. wann ein reich meint es dörf Christi nicht, so darf Christus sein noch vil weniger 733. ich darf deiner in kriegen Zinkgreff Apoph. 11, 12.

da sprach der apt 'ich darf dein nicht:
iederman hie regieren wil;
der meister hab ich viel zu viel'
Wolgemut 2, 306.

die deutung uber diese fabel
darf zwar keiner andern parabel 2, 404.

so behieltens an hosen und schuch,
so dürften si sunst keiner bruch 2, 460.

man darf der waffen nicht, wo liebe sich erreget
Opitz.

der decke darf man nicht dasz uns der herr nicht blende
P. Fleming 14.

des ankers darf er nicht 311.

ein jurist darf eines arztes der ihm sein gehirne stärke
dasz er recht was rothes wolle und was schwarzes heisze, merke:
auch der arzt darf des juristen der ihm seine sachen schmücket,
ob er etwa hat den kranken samt der krankheit fortgeschicket
Logau 1. 2, 62.

wer sich in seinem busem spiegelt darf keines andern spiegels Lehmann 135. freund sind gut, aber wehe dem der ihr darf in der noth 229. ein glückhafter narr darf keiner witz 368. es ist kein glied am leib so klein, der leib darf sein 463.

hie darf man keiner schmink, hie darf man nichts beschönen
Rompler 102.

ach, liebes herz, der seinen geist
vom himmel in die herzen geuszt
darf keines öls noch salben
P. Gerhard 29, 5.

wenn ich dein darf, so wende nicht
von mir dein aug und angesicht 56, 12.

wofern du ehre suchst, so darfst du keiner laster
Chr. Gryph. Poet. wälder 1, 691.

dazu darf er keiner tractaten Chr. Weise Isaaks opferung 108.

doch weil ein groszer geist auch groszer prüfung darf
Günther.

der hopfen darf keiner sonderbaren arbeit Hohberg 3. 2, 48a. so kann unser einer selbst auftreten, darf keines fürmunds oder souffleurs, erzählet selbst was er mit augen sah Siegfried v. Lindenberg 1, 65.

die tugend darf des ruhmes nicht
Wieland 31, 265.

nein, ich kann nicht länger, Eurypilos, darfst du auch meiner,
hier verweilen bei dir
Voss Il. 15, 399.


b. mit dem accusativ der person oder der sache, der im mhd. noch nicht vorkommt. ein armer darf voran freund, so er in der lachen gesteckt, das sie im aus der not helfen. die iungen bedörfen freuntschaft: von art so seind sie verderbt, geneigt zu bosheit, darumb dörfen sie freund die sie underweisen, ermanen und strafen und von sunden helfen Keisersberg Sünden des munds 47b. da darf man wenig salz z einer schüssel vol 53a. gleich als das ichs Vater unser lasse also stehen darf ich keine bewerungen mehr Luther 3, 66. ich hoffe aber e. w. dürfe nicht so grosze vermanung 6, 2a.

gib uns heut unser teglich brot
und was man darf zur leibes not 8, 362a.

was dürfen wir weiter zeugnis? Matth. 26, 65. was darf doch diese sache viel wort? Melanchthon Augsb. conf. 47.

gut wein darf kein zeichen vorm haus,
dan solcher rüft sich selber aus
Kirchhof Wendunm. 187a.

die magd spricht

fraw, ein ofenrohr dörft ich wol,
wenn ich das fewr aufblasen sol 4. 3, 18b.

[Bd. 2, Sp. 1724]


ich hab tuch gekauft, meine tochter wil bisz sontag hochzeit haben, ich dörft das geld sonst wol an zehen ort Buch der liebe 201.

ich hab auch ligend güter
die dörfen nicht viel mist
Fischart Garg. 89b.

hie darf das schiff kein flügel nit ders. Glückh. schiff 111.

so hab wir gnug, dörfen nicht mehr
Jac. Ayrer Opus theatr. 35a.

wastu darfst ich dir nachhin schick 334.

dann wir dörfen zu dieser rechtsachen gelehrte leut Ayrer Proc. 1, 11. die warheit darf nicht viel renke Henisch 652. man darf mehr dorfprediger dann doctores 732. zum kleinen ofen darf man wenig holz Lehmann 462.

was darf man fackeln hier?
Opitz 1, 240.

die neue welt ist fromm und frömmer als die alte:
sie darf nur acht gebot die sie im leben halte,
denn ehbruch, diebstal bleibt
Logau 1. 2, 79.

das deutsche land ist arm, die sprache kan es sagen,
die jetzt so mager ist, dasz ihr man zu musz tragen
aus Frankreich was sie darf und her vom Tiberstrom 1. 3, 57.

der mensch liebt gold so sehr
und darf die luft doch mehr 1. 4, 36.

wen Christus rechter schweisz und kostbar blut besprenget,
darf sonsten keine glut die ihn befegt und senget 1. 9, 42.

darf also dieses grab kein opfer der blumen Lohenstein Arminius 1, 25. jene (die buhlschaft) darf nur glänzende schale, diese (die gemahlin) aber musz im kerne gut sein 1, 400. gott hat weder den himmel zu seinem stule noch die erde zu seinem fuszschemel gedürft 1, 1339. die knechte dörfen gröszern lohn Hohberg 2, 20b.

gott gebe mir nur jeden tag
so viel ich darf zum leben
Claudius (1775) 3, 130.

der reichthum macht viele betreten!
Hanns, wollen arbeiten und beten,
mehr darf man zur fröhlichkeit nicht
G. W. Burmann Auswahl 29.


c. dasz folgt. denn für sich selbst hette er (Christus) gar nicht gedorft das er geboren würde Luther 3, 480. denn was darfs Abraham das mans schriebe? 4, 105b. das gesind darfs wol das man ihnen hart sei und weidlich zuspreche Tischreden 306b. und die salbung die ir von im empfangen habt bleibet bei euch, und dürfet nicht das euch jemand lere 2 Joh. 2, 27.

ei lieber lies nicht mehr, sonst wirst du gar zum kinde
und darfst dasz dir mein reim noch eine ruthe binde
Logau 1. 1, 69.

was darf ich dasz ich diene? schreibt die dienstmagd Riemer Stockfisch 84.
d. selten folgt der infinitiv mit zu. herr, gib uns das wir haben unser narung. nun sprichstu waz darf ich das zu biten, so ich doch daz on daz hab, dan ich bin reich Keisersberg Sünden des munds 84a.
e. intransitiv. wer darf der such Henisch 653. wer aufhebt der findt, wann er darf Lehmann 773.
f. unpersönlich. aber wann man im recht thut, so darf es wenig salzes, und ist ein tugent Keisersb. Sünden des munds 53b. es darf wenig auslegens: all welt weisz was es ist 69a. es darf wenig bewerens, dan es ist offenbar 81a. es darf nit gestrelter wort oder zierlicher wort 82b.

es durft (es thäte not) dasz man sich basz bedecht
Brant Narrenschiff 2, 14.

es darf das man gar eben lg
was man vor kinden red und tg (thue) 49, 29.

es darfs aber wol das der prophet diesen tag so hoch rühmet Luther 5, 68a. das nicht dürfe stehens und hin und widergehens Sacharja 9, 8.

wozu darf es 12 tausend reuter?
H. Sachs 3. 1, 102a.

es darf nit wort; tret ab ein jeder 3. 1, 102c.

doch was darfs vil wort?
Val. Bolz Terentii comedien 11a.

denn wo ich sie nit kann erwerben,
bin ich schon dot; es darf nicht wort
Mart. Montanus Spil von einem grafen C vib.

wenn gott selbst verkünt wie man ihm dient, so dörft es nit vil klauben, schrauben Fischart Ehzuchtb. 24.

was dorfts das sie vil dämm umbbauten? ders. Glückh. schiff 108.

was darfs vieler worte Henisch 652. es darf aufsehens, wenn man glauben wil 653. es gilt und darf aufsehens das. vil kosten darf es nicht Fleming Poet. wälder.

[Bd. 2, Sp. 1725]


ja alles zu zerschellen und in den grund zu fällen
ist ein schlecht wind genug, es darf des donners nicht
Lohenstein Hoffmann 35.

es darf nicht viel, so würg ich dich
Günther Ged. 167.

zum lauf nach der vollkommenheit kranz darf es keiner versammlung Herder 10, 128.

mir ward ein thränenlächeln
deiner schwester zum lohn: was darfs der kränzung!
Voss.


2. brauchen, ursache, grund haben, nötig haben, häufig in negativen sätzen. ein infinitiv steht ohne zu daneben. es solt sich einer halten, wenn er eim etwas geredt, das im jederman glauben geb, das er nit dörft schweren Keisersb. Sünden des munds 22b. wann schumacher und schneider, die da stond, urteilen sollend umb die ding, so stet es wol wan gelert leut da bei stondt. die können wol merken was die sach ist, man darf darumb nit also schreien 41a. wann du den armen leuten geben wilt und dein sel versehen, so darfest du deinen erben nit darumb fragen 60a. es seindt die die sich also neigen, und dörfent die hauben nit abziehen, sie fallen ihnen von selbst vom kopf 68a. also ein mensch der vor in eins freuntschaft ist gewesen und hat die freuntschaft in der hand gehabt; und so sie im entgot (entgeht) durch offenbarung heimlicher ding, desselben darf er nit mer warten 72b. in dem winter henkt man das fleisch hinausz daz es gefrier und mürb werd, und man darf es nit salzen 79b. also kümpt es hindennach selber das einer keusch würt. das leret der grosz lerer Origenes das einer darumb nit darf alwegen geloben keuscheit 80b. die dritt frucht ist gebet. du darfest es darumb nit eben mit dem mund thn sunder auch mit dem herzen 84a.

vor hab ichs narrenschiff gedieht (gedicht),
mit groszer arbeit ufgerieht
und das mit doren (thoren) also geladen
das man sie nit durft anders baden
Brant Narrenschiff protestation 4.

mancher durch gschwätz sich so begot,
er darf nit koufen win noch brot 19, 44.

die (alten weiber) hant ein kunst die ist so gt
das sie all presten heilen dt,
und darf kein underscheit me han
under jung, alt, kind, frowen, man 55, 13.

denn wo sie es gewis wären das sie nicht sorgen dürften ob sie recht oder unrecht geleret sind Luther 6, 107a. ist gnug das Christus thue und leide, den las auch für dich from sein und alles thun, so darfestu weder gläuben noch guts thun das. darumb durften sie ir feld nicht verkaufen 1 Mos. 47, 22, vulg. non compulsi sunt. er neme von mir seine ruten und las sein schrecken von mir, das ich müge reden und mich nicht fur im fürchten dürfe Hiob 9, 35. doch du darfest fur mir nicht erschrecken, und meine hand sol dir nicht zu schwer sein 33, 7. das du dich nicht fürchten darfest fur plötzlichem schrecken Sprüche Sal. 3, 25. wers wissen wil darf nicht weit laufen, am feiertage sihet man es wol Jerem. 2, 24. das ich ruge (ruhe) und nicht mehr zürnen dürfe Hesekiel 16, 42. was darfstu wissen woher ich bin? Tobias 5, 18. doch das du desto weniger sorgen dürfest, so wil ich dirs sagen 5, 19.

die antworten 'wärstu gerecht,
was dörft man dich denn absolviern?'
Alberus Esopus 36.

so haben sie ein groszen wald,
es darf da niemand kein holz sparn 141.

dasz er niemandt von solchem gelt rechenschaft geben durfte Kirchhof Wendunm. 137b. angesehen dasz die frücht der guten werk nicht eben so grosz sein dörfen in einem der wenig gesündigt hat als in einem der vil gesündigt hat Fischart Bienenkorb 104b. was darf man das loch stopfen, wann die hüner auszgeflogen sind? ders. Groszm. 57. gute freund darf man nicht laden Henisch 652. der nicht mit genossen hat, der darf auch nicht zahlen das. was man im hause hat, darf man nicht kaufen das. wer den schaden hat, darf für den spot nicht sorgen das. der nicht darf zu felde liegen, im krieg sein, immunis a militia das. einem dieb darf man nur die thür aufthun 653. wer mich nicht fragt, dem darf ich nicht antworten das. guter war darf man kein cranz auszhenken das. hoffnung darf man nicht kaufen das. wes man ehr hat, des darf man sich nicht schemen das. kleiner feind und schwacher wunden darf sich niemand schemen das. man darf den wolf nicht an die schaf hetzen das. man darf dem bösen keinen boten senden das. wenn mancher nicht redet was er wolt, so dürft er nicht hören was er nicht wolt 776.

[Bd. 2, Sp. 1726]


worzu ists fewer gut? was dürft ihr kerzen kriegen,
die sonsten bräuchlich sind?
Opitz 1, 240.

wer sauber ist, darf sich nicht wäschen Lehmann Blumengarten 204.

so darf er sich nicht grämen
wo er den unterhalt von kleidern her sol nehmen
P. Fleming 73.

schlägt er ihn heute todt,
so darf er morgen nicht für ihm stehn in der not 109.

als Venus wolte Mars in ihre liebe bringen,
hat sie ihn blank und blosz am besten können zwingen:
denn so sie, wie sie pflegt, in theurem schmucke blieben,
hätt er sie dürfen (ursache gehabt) mehr berauben als belieben
Logau 1. 2, 9.

gehab dich wol, o stadt, die du in deinen zinnen
hast meinen leib gehabt, nicht aber meine sinnen.
gehab dich wol! mein leib ist nun vom kerker los,
ich darf nun nicht sein mehr wo mich zu sein verdrosz 1. 3, 4.

mein trinken (bier) ist nicht falsch (verfälscht), ich darf mir nicht gedenken
es sei gebrauen zwier, vom bräuer und vom schenken das.

dasz für den geistern sie sich auch nicht dörf erschrecken
so musz sie sich gar wohl mit einem teppich decken
Dieterich v. d. Werder Ariost 3. 21, 5.

wegen gott darfstu nicht halb so sehr rufen und lesen Olearius Pers. rosenthal 4, 14. ob schon ein künstler der was rechtschaffenes gelernet, sein hab und güter verlieret, darf er sich doch deszwegen so sehr nicht kränken, dann seine kunst ist ihm reichthumbs gnug 7, 2. dessen (des weins) fürtrefflichkeit so bekant das man ihm disfalls keinen kranz erteilen darf Butschky Patmos 328. wer mit einem stücke brodt verlieb nimmt, der darf nicht für ein ganzes sorgen 329. da diese blutschänderin (Herodias) ihr hurenkind informiert hatte dasz sie Johanni den kopf abtanzen solle damit sie solcher predigten hinfüro nicht mehr hören dürfe Schuppius 14. was sie täglich sehen und hören, das können sie leicht behalten. man darf sie deszwegen nicht stäupen 50. dasz sie fremde herren täglich wol tractieren können, und dürfen doch keinen wein kaufen 121. wann ein glückseliger mensch wüste dasz er nicht sterben dörfte 132. gedenk, o mensch, wie gott der herr biszher dein guter hirt und wirt gewesen sei dasz du und dein samen nicht hast dürfen nach brodt gehen 209. salz brauchten wir wenig und vom gewürz gar nichts, dann wir dorften die lust zum trunk nicht erwecken Simpliciss. 1, 40.

ich darf nur einen blick nach deinem lager schicken,
so kehrt dein eigen schwert sich gegen deine brust
Hoffmannswaldau.

man weisz nicht in welcher absicht Horaz in dieser satyre (1. 9, 70) eben die curtos Judaeos angebracht hat, da sein freund keine jüdische feste anführen dürfen (anzuführen nötig gehabt hätte) und weit scheinbarere entschuldigungen zur ausflucht finden mögen Hagedorn 1, 66 anm.

was darf er nun in ängsten sitzen? 2, 34.

wer sich erstickt der spart
und darf für gift und strick nicht sorgen 3, 34.

was darf îch jeden thoren fragen
'wer ist der gröszte mann?'
ihr seht die thoren alle sagen
'wer mir am nächsten kommen kann'
Lessing 1, 54.

dasz ich ihn doch nimmermehr wiedersehen dürfte! ders. ich habe das unnütze nicht unnützlich gelesen, wenn es von nun an dieser oder jener nicht weiter lesen darf 6, 283. der begriff der freiheit gestattet es dasz wir nicht auszer uns hinausgehen dürfen, um zu finden Kant 4, 223. die hypothese von einem künftigen leben darf hier nicht einmal eingemischt werden 5, 333. wir dürfen das dasein der sinnlichen neigungen nicht verantworten 6, 195. es dürfen nicht immer aufopferungen sein, dadurch der mensch diesen dienst gottes zu verrichten glaubt 6, 352. handlungen die ein jeder mensch thun kann ohne dasz er eben ein guter mensch sein darf 6, 358. ich kann noch dazu thun dasz man die lebendigen kräfte gar nicht kennen darf 8, 55. Kant gebraucht das wort in dieser bedeutung nur in den ältern schriften häufig. das auge schlosz sich von selbst: es durfte nicht zugedrückt werden Hippel Lebensläufe 2, 62. die kleinen buchstaben sollen achtel vorstellen. hätte dirs auch nicht sagen dürfen, denn wenn in einem tact, wo nur zwei viertel sein sollen, vier noten vorkommen, so könnens nicht viertel sein Claudius 3, 48.

[Bd. 2, Sp. 1727]


konntest du dir was erwerben,
was durft ich für dich denn sterben?
an mir hast du keinen theil,
bist du, sunder, selber dir dein heil
Klopstock 7, 201.

wir dürfen keinem narren schmeicheln
Gökingk 1, 116.

(ich) darf nicht vor dem sirocco mich
ins innerste gemach verstecken 1, 279.

wer nichts genossen hat, darf nichts vermissen
Gotter 3, 10.

fehler (der zu verkaufenden sache) welche jeder entdecken kann dürfen nicht gesagt werden Garve Anmerkung zu Cicero de officiis 3, 107. man darf den ersten besitzer nicht anzeigen 3, 153. einige behaupten dasz der pächter dem neuen eigenthümer nicht weichen dürfe Höpfner Commentar zu den Institutionen 675. weil der beklagte diese einrede nicht beweisen dürfe Ueber verbindlichkeit zur beweisführung 267.

mich darf keine scheun;
ich werd indesz bei seite gehen
Wieland 10, 167.

was euch das innere stört
dürft ihr nicht leiden
Göthe 41, 328.

was ich nicht weisz, darf ich nicht verantworten Simrock Sprichw. 11719. um keine pflicht verletzen zu dürfen Becker Weltgesch. 9, 354. ich darf nur winken, so kommt er. du darfst es nur sagen, so wird es geschehen. er darf nur kommen, es ist alles bereit. man darf darüber nicht erstaunen.
unpersönlich. es darf für ander niemand sorgen Henisch 653. es darf keiner für den andern in die helle fahren das. es darf keiner sorgen wer ihn zu grab trage das.
3. die erlaubnis, die befugnis, das recht, die macht haben, daher können. bei der vorigen bedeutung wird die freiheit vorausgesetzt etwas zu thun oder zu unterlassen, hier wird eine berechtigung angenommen, die keine wahl gestattet. daher kann ein doppelter sinn entstehen, ihr dürft es nicht verantworten kann heiszen ihr braucht nicht, aber auch ihr habt nicht das recht. das ist wol der grund weshalb dürfen in jener bedeutung jetzt seltner gebraucht wird.
a. ich hätte lust, aber ich darf nicht hingehen. darf ich fragen? der knabe darf sich nicht vor seinem vater sehen lassen. man darf in dieser sache nachgeben. ich darf mich dem kahn nicht anvertrauen. den umständen nach darf ich es verweigern. man bleibt ihm gewogen, auch wenn man ihm nicht beistimmen darf. die thüre darf nicht unverschlossen bleiben. dieser pfad ist andern verboten, ich darf ihn betreten. dem alten fehlten die kräfte, der jüngling durfte es thun.

nun darf man sich besorgen wol
wie man zum stürmen streiten sol
J. v. Schwarzenberg 152, 2a.

liegen bringt schaden allen menschen darnach, wann niemans darf im (dem lügner) mer getruwen Keisersberg Sünden d. m. 24b. ein teil meint es si gar ein fein ding, wenn sie eines (einmal) das ins antlit dörfen sagen, und rümen sich dessen, 'ich darfs im ins antlit sagen' sprechen sie 37a. die römschen burger hetten grosze freiheit, wo sie hinkamen dorft inen niemant nichts thn 55b. das wissen die frawen wol mit ihrem geköcht, wann sie etwas seltsames gekocht haben, so verbieten sie jederman im haus daz es niemant dem mann darf sagen bisz es uf den tisch kümpt 65a. das brauchen wir z undertruckung der freiheit und der warheit die wir nit dörfen reden; das sol nit sein 69a. trutz das iemant sei, der da einem darf sagen was im ubel an stot 67b. wiederumb heiszen die nicht mehr in der welt sein, die von dem allen, so itzt erzelet, entzogen und gescheiden sind das sie nicht dürfen essen trinken gehen stehen und kurz, keiner natürlichen leiblichen werk leben Luther 6, 189a. wer dürft von Abraham sagen das Sara kinder seuget 1 Mos. 21, 7. und ewr kinder heut oder morgen nicht sagen dürfen zu unsern kindern 'ihr habt kein theil an dem herrn' Josua 22, 27. denn wo du in mit ruten hewest, so darf man ihn nicht tödten Sprüche Sal. 23, 13. und dürftest dich des trösten das hoffnung da sei Hiob 11, 18. du darfest der nacht nicht begeren 36, 20. und wenn sie giengen, durften sie sich nicht rumb lenken, sondern wo sie hin giengen, giengen sie straks für sich Hesekiel 1, 9. und hat sich niemand wider in setzen dürfen 1 Maccab. 1, 4. sie wolten im fleisch bringen, das er wol essen dürfte 2 Maccab. 6, 21.

[Bd. 2, Sp. 1728]


ein newenhauer (wein) kann man finden,
der darf den rheinschen überwinden
Eras. Alberus Esopus 140b.

gott hat den armen nichts versagt,
gott darf ein armen betteler erheben 143.

ich dörft darauf schwören Fischart Groszm. 26. er darf seinem feind wol unter die augen sehen Henisch 652. du darfest mich noch anschauen das. und darf man noch zweifeln? das. er darf nicht pep oder kuk sagen das. ein bös gewissen darf weder hinder sich noch für sich gehen das. wer wol thut darf nicht umbsehen 653. man darf sich auf jedermanns wort nicht verlassen das. es sind arme leute die nicht ehe dürfen essen bisz die herren wöllen das.

dasz ich leichtlich därf ohn grawen
(zwar frembd, jung und wenig klug)
zu den himmeln meinen flug
seiner gunst flügeln anvertrawen
Weckherlin 378.

hat deine schöne hand, o Emma, mich gebunden,
so lasz mir doch nur zu dasz ich mich regen darf
Hoffmannswaldau.

denn darf ich deinem brief und deinen worten trauen? ders.

wie er sich von dem verräther küssen und meister habe nennen lassen auf dasz wir ihn dürfen vor einen erlöser grüszen Schuppius 64. da ihnen gesichter oder larven gleich den verliebten vorkämen, die sie nicht anrühren durften 418. er darf nicht mucksen Stieler 279. du darfst wol trauen salva res est das. befreiung der könige von Böhmen nicht alle reichstage besuchen zu dürfen Hahn Teutsche historie 4, 129.

ich dürfte dich bald thörigt nennen
Günther.

wir werden an dem viehe gewahr dasz es durch verschiedene empfindungen zu verschiedenen handlungen getrieben werde, welches ganz wohl möglich ist, ohne dasz es über die übereinstimmung oder verschiedenheit urtheilen darf Kant 1, 76.

führt einst um mitternacht die reise
dich durch den wald,
so kreuze dich und horche leise,
wenns hifthorn schallt:
dann must du dich zu boden werfen;
nur nicht verzagt,
so wird sie dir nicht schaden dörfen,
die wilde jagd! Göttinger musenalmanach 1773 s. 17.

göttlich belehrt
dürft ihr vertrauen
Göthe 41, 336.

bei dem eimer der dem heiland
kühl die lippe durft berühren 41, 341.

nur Hesper, der verschwiegene, allein
darf still herblickend ihr vertrauter sein
Schiller 47a.


b. pleonastisch sagt man ich habe die erlaubnis dies thun zu dürfen für das einfache dies zu thun, wie man sagt er ist in der lage, im stand etwas dafür thun zu können statt dafür zu thun. von dieser sorge (dasz der abend einigermaszen matt werden könnte) befreite mich mein freund der sich für uns die erlaubnis erbat sogleich abschied nehmen zu dürfen Göthe 26, 5. dasz er erlauben möchte ihn mit dem titel kaiser benennen zu dürfen Becker Weltgeschichte 10, 230.
c. allein stehend, elliptisch. hier kann nur die echte form des part. praet. gebraucht werden, er ist nicht gekommen, aber er hat nicht gedurft. er möchte gerne, aber er darf nicht (kommen). der knabe darf nicht in den wald. der soldat darf ohne pasz nicht aus der festung. er gäbe gerne, wenn er nur dürfte. Thiamus ermahnet das volk dasz sie ihm beistünden und nämen das weiblein ausz dem feuwer, aber die hitz war so grosz von dem holz dasz von weitem niemands hinzu (gehen) dorfte Buch der liebe 216, 3. du darfst mir nicht viel (reden), so werf ich dich zu boden Chr. Weise Absurda comica 243. er darf nicht ins haus Stieler 279. das mägdlein darf vor der mutter nicht puellae non licet per matrem das.

so sollt er sehen,
wie viel ich darf, ob ich es schon nicht durfte
Lessing.

fräulein, weg! dörfens nicht!
ist uns scharf verboten
Fr. Müller 3, 184.

dürften wir nur so einmal an die fürsten Göthe 8, 8. der schwiegervater durfte ihm nicht wieder vor augen 24, 251. kraft dieser würde durfte er auch manches, was man von andern männern nicht mit gleicher geduld hingenommen hätte Arndts leben 39.

[Bd. 2, Sp. 1729]



4. wagen, sich erdreisten, sich erkühnen, kühn genug sein, mhd. dafür ich getar, ich tar. wer darf das behaupten? wer darf mir das ins gesicht sagen? so förchten sie sich und dörfen nüt darein reden Keisersberg Sünden des munds 30a. wie habt ir das thun dörfen? 1 Mos. 44, 15. sie fragte nicht viel nach dem Xantho, sondern dorft in noch wol darzu heszlich anfahren Erasm. Alberus Esopus 6b.

ich bin fürwar ein groszer dieb:
ich nem es wo ichs kriegen kan.
ich hab auch dörfen leut angan 37.

in dem solche abgötterei nach gott, ja neben und über gott sich einlassen und aufwerfen darfe Joh. Nas Warnungsengel 23. audeo ich bin kün, ich darfs understohn Dasypod. 15b. ja, da ihnen ein prelat einredt, geben si nichts darumb, dürfen ihnen under augen unverholen sagen si seien nicht der prelaten sondern fürstliche diener Gravamina des prelatenstandes von 4570. solches erfahren sie in der beicht, und dürfens denn wol öffentlich, voll und trunken, auch wenn sie nüchtern sind, sagen Aventin Bair. chronik 370.

wer aber nichts um rum darf wagen,
an dem mag man der ehr verzagen
Fischart Gl. schiff 781.

der spanische poet Martialis ist so unverschämbt gewesen dasz er sagen dörfen ob er schon grob im schreiben, sei er doch frumb im leben Uebersetzter Putherby, München 1581. das der so appellirt, ausz forcht vor dem richter nit erscheinen dörft Gerichtsordnung von 1588, bl. 67. dieweil du dein leben in solchen schandlichen handlungen (zaubereien) zubringest, so wirst du eines schnellen todes unversehens bald hindurch gericht werden, dieweil du nit allein und verborgen sondern in angesicht anderer leut solche heimliche sachen darfst fürnemen Buch der liebe 207, 1. leichtfertige gesellen welche öffentlich und unverschampt sagen dürfen, was frag ich darnach Ringwaldt Tr. Eckhart A via. ungeachtet das viel lose leute sagen dürfen A viiia. wers wagen darf, der hat das glück zum gefährten Henisch 613. wer unverschampt liegen darf, der darf auch wol ein land verraten 776.

die ihr so frech sein dörfen
Zinkgref Apophtheg. 13, 25.

noch blähen sie sich auf und dörfen sich erheben,
als jeder, gebe gott, müszt ihrer gnade leben
Opitz.

welche ihnen selbs mehr dan andere in dieser dichtkunst zu wissen und verstehen fälschlich einbilden und sich selbs beschreihen därfen Weckherlin in der vorrede.

und die auf vöstungen und schanzen dorften bochen 72.

und meinen gott habe dörfen beleidigen Spee Tugendbuch 34.

er verlästert alle sachen
die nicht sein gehirn gebiert,
und darf selbst darüber lachen
wie dein arm den scepter führt
Canitz.

vor das wort därfen audere wird zierlicher gebraucht sich unterziehen, erkühnen, erfrechen Parn. boicus (1723) 2, 299.

sein blut zeugt wider dich und schreit zu mir um recht.
noch darfst du gar sein weib itzt als dein weib umfassen
Hagedorn 2, 6.

das lob nährt seinen (des löwen) stolz, so wie sein grimm die noth.
mit beiden durfte nur die kühne mücke scherzen,
die ihm aus edlem hasz mit freiheitvollem herzen
des scharfen stachels spitze bot 2, 23.

ich sahe jüngst das glück und durft ihm kühnlich sagen
'bereue deinen falschen tand' ders.

was du am morgen kaum verliehen
darfst du am abend schon entziehen ders.

(die teufel) welche ihre tempel allernächst bei gottes tempel, ihren altar bei seinem altar setzen dorften Bodmer Milton 17. aber verzeihen konnten ihm (dem h. Hieronymus) doch die römischen witwen und jungfern nicht, dasz er hatte sagen dürfen, sie sollten unter sich und nicht in männergesellschaften leben Zimmermann Einsamkeit (1784) 1, 288.

(sie hätte) zugleich des lasters heimliche
entzückungen zu naschen sich erdreistet?
das durfte sie? das sollte ungerochen
der gauklerin gelungen sein?
Schiller 265a.

häufig bei J. Gotthelf, z. b.: und der pferdeknecht trat zu Uli und frug 'wollen wir etwa auch eins mit einander probieren, wenn du darfst?' Gesammelte schriften 2, 157. im Gurnigel unter den vielen leuten hätte er es nicht wagen dürfen (nicht den muth gehabt), seine erklärung zu machen. er hätte auch so (allein) fast nicht dürfen, hätte sein herz in beide hände nehmen müssen und doch erst nach dem essen und beim tanzen die jungfer Elise fragen dürfen, ob sie ihn nicht verschmähe 2, 282.

[Bd. 2, Sp. 1730]



5. es wird auch eine möglichkeit oder wahrscheinlichkeit damit ausgedrückt. es ist dann immer das praet. conj. nötig. die gesellschaft dürfte sehr zahlreich werden. die untersuchung dürfte bald zu ende sein. die reise dürfte noch eine zeitlang ausgesetzt bleiben. es dürfte sich anders verhalten. man dürfte manches einwenden. das dürfte doch wol geschehen. es dürfte jemand sagen dem sei nicht so. es dürfte ein leichtes sein das geld zusammen zu bringen. es dürfte wol so kommen wie ich gedacht habe. diese mittel dürften sich nicht bewähren. in juristischen deductionen ist dieser ausdruck beliebt, es dürfte hier ein contract vorhanden sein, eine servitut zu grunde liegen. diese beweisführung dürfte unzulänglich sein. es soll aber nur eine bescheidene form sein für eine bestimmte behauptung. diese bedeutung von dürfen kommt in der alten sprache nicht vor, sondern zeigt sich erst im 16 ten jahrhundert. (betrunkenen musz man gefährliche werkzeuge aus dem weg thun), der narr dörft so bald ein unschuldigs treffen Fischart Groszm. 20. das fewr dörft die scheubenhüt verbrennen, wann mans zu ihm nah legt 31. er dürft um eine suppe durch ein fewer laufen Henisch 652. solches wörtchen weitleuftiger zu schützen ist mein absehen nicht, dörfte aber anderwerts von dergleichen streitigen wörtern mehr wol geschehen Neumark Lustwäldchen vorr. wie denn gesagt wird dasz Mercurius unterwegens iemaln die briefe verloren, welches andern die solche gefunden wachend gemacht, das kraut versalzen dürfte Butschky Pathmos 20. weil bei diesen ungerechten leuften fast alle aufrichtigkeit und sicherheit von der welt ihren abschied genommen, so dürfte manchen ehrlichen Deutschen einige geheime schriftstellung, dabei concipist und briefträger alles verdachts und gefahr befreiet, wohl zu statten kommen das. kommen wir an einander, so dörftet ihr etwa getroffen werden an einem ort Schuppius 798.

dürft es dich auch einmal reuen
Günther.

ich dürfte bald das loos nicht verkaufen, weil die tugend darauf steht Gellert. ich dürfte es bald selbst glauben ders. ich dürfte es bald nicht annehmen ders. er erzählte sich geschichten wie sein freund Werner ihn überraschen könnte, dasz Marianne vielleicht erscheinen dürfte Göthe 19, 68. da ich hörte dasz uns das geld ausgehen dürfte, fragte ich nicht weiter was sonst noch geschehen möchte 23, 95. dasz man wohl sagen kann ein jeder, nur zehn jahr früher oder später geboren, dürfte, was seine eigene bildung und die wirkung nach auszen betrifft, ein ganz anderer geworden sein 24, 8. eine aufkeimende leidenschaft hat das schöne dasz, wie sie sich ihres ursprungs unbewuszt ist, sie auch keinen gedanken eines endes haben, und wie sie sich froh und heiter fühlt, nicht ahnen kann dasz sie wohl auch unheil stiften dürfte 25, 357. ob nun gleich zu unserer zeit gebäude dieser art nicht leicht zur wirklichkeit gelangen dürften 34, 168.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
dürfnis, f. wie bedürfnis. der moralität und durfnüsz bei manchem zu geschweigen Leibnitz 228.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
durft, f. goth. þaúrfts, ahd. durft duruft Graff 5, 208 und durftî 5, 210, mhd. durft Ben. 1, 363b und dürfte 1, 364a, altsächs. thurft thuruft, altnord. þurft, schwed. tarf n. vergl. bedarf m. und notdurft. schon zu Stielers zeit war das wort nicht mehr in gebrauch.
1. bedürfnis, was nötig ist, indigentia, wie bedurft, notdurft. dasz wir durch etliche unsre durft haben abgenommen ein closteur (d. i. klauensteuer) ab der pfaffheit gut Urkunde von 1323, s. Schmeller 1, 395. ob des durft wird, wenn es nöthig wird Frisch 1, 185c aus einer hdschr. bibelübers.
2. mangel, not, armut, inopia. wir wollen sat sein und aller ding gnug haben, ehe der hunger und die notdurft kompt, und versorgen uns mit vorrat auf zukünftigen hunger und durft Luther 1, 496a. Samuel aus not und durft des volks umbher zog 4, 333a. weil er aber von N mit XX floren abgefertigt, so andere 100 floren kriegen, wiewol er dazumal solchs bewilligt, so ist doch nu die durft und not da 6, 505b. schuld oder durft oder armut ders. Briefe 1, 426. sein grosz armut und durft 3, 77. an die durft kommen in dürftige umstände geraten. Biblische erzählungen für die jugend s. 9 bei Heynatz Antibarb. 1, 317. vergl. dürftig. bedürftig.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
durfthum, n. mangel, not. sie (die heil. Elisabeth) clagete on (ihnen) ouch was sie dorfthumes zu Isenache von iren wegen geleden (gelitten) hette Joh. Rothe Düring. chron. cap. 457. auch darfthum: darfetum leiden Menken scr. sax. 2, 1731.

[Bd. 2, Sp. 1731]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) dürftig, adj. und adv. ahd. durftig Graff 5, 213, mhd. dürftic Ben. 1, 364a, altsächs. thurftig, altnord. þurftugr. auch dorftig, mnd. droftich, s. Diefenb. Gloss. 294b.
1. wie bedürftig, einer sache benötigt, mit dem gen. oder einer praepos. sie sind nicht arm noch zu rufen oder bitten dürftig: sat und voll sind sie Luther 1, 22a. sie solten unternander wol thun, wer des dürftig wäre 4, 278b. das land ist schier ganz eben und der wasser dürftig Frank Weltb. 81. an süszem wasser seer dürftig 180b.

auch laszt die vestung allesant
wohl versehen mit viel proviant
und dürftiger (nöthiger) munition
Jac. Ayrer Opus theatr. 115b.

wer ich bin habt ihr erfahren,
weiber schönheit hab ich nicht,
frisch von augen, schwarz von haaren,
braun in meinem angesicht,
und dabei gesundes leibes,
dürftig eines jungen weibes
Georg Greflinger Seladons beständige liebe (1644).

selbst des trostes dürftig, den ich gebe, gehe ich
Wieland 26, 44.

s. deuteldürftig. notdürftig.
2. arm, in not und mangel lebend; öfter substantivisch. in der Schweiz heiszt es elend, gebrechlich, bedauernswerth, und das adv. beinahe, kaum, selten Stalder 1, 329. durftiger egenus Voc. incip. teut. d 4. durftig sein egere das. er lebt in dürftigen umständen. ist er (gott) so dürftig arm? Luther 8, 27b. ist er aber ein dürftiger, so soltu dich nicht schlafen legen uber sein pfand 5 Mos. 24, 12. du solt dem dürftigen und armen seinen lohn nicht vorenthalten, sondern solt im seinen lohn des tages geben das die sonne nicht drüber untergehe, denn er ist dürftig und erhält seine seele damit 24, 15. er (der herr) hebt auf den dürftigen aus dem staub und erhöhet den armen aus dem kot 1 Sam. 2, 8. die armen müssen inen weichen und die dürftigen im lande müssen sich verkriechen Hiob 24, 4. wenn der tag anbricht, stehet auf der mörder und erwürget den armen und dürftigen 24, 14. hab ich den dürftigen ir begirde versaget? 31, 16. helfet dem elenden und dürftigen zum recht Psalm 42, 3. wegere dich nicht dem dürftigen guts zu thun, so deine hand hat von gott solches zu thun Sprüche Sal. 3, 27. wer des dürftigen spottet, der hönet desselben schepfer 17, 5. sie (das tugendsame weib) breitet ihre hende aus zu den armen und reichet ire hand dem dürftigen 31, 20. auf das wir die armen umb geld und die dürftigen umb ein par schuch unter uns bringen und sprew für korn verkeufen Amos 8, 6. liebes kint, lasz den armen nicht not leiden und sei nicht hart gegen den dürftigen. verachte den hungrigen nicht und betrübe den dürftigen nicht in seiner armut 4, 1. 2. o tod, wie wol thustu dem dürftigen der da schwach und alt ist! Sirach 41, 3. dürftig, mangelhaft, arm Dasypod. 60c. Rädlein 209a. dürftig, blosz, elend, bresthaft, mangelhaft Henisch 776. dürftig leben tenuiter vivere Steinbach 1, 311.

schöne kinder tragt ihr und steht mit verdeckten gesichtern,
bettelt; das heiszt mit macht reden ans männliche herz.
jeder wünscht sich ein knäbchen, wie ihr das dürftige zeiget,
und ein liebchen, wie mans unter dem schleier sich denkt
Göthe 1, 355.

lieblicher als alles dieses habe
stets vor augen wie sich kleiner gabe
dürftge hand so hübsch entgegen dränget,
zierlich dankbar was du reichst empfänget 5, 68.

mit aller treue verwend ich
eure gaben, der dürftige soll sich derselben erfreuen 40, 247.

theilet den pfennig
unter die dürftigen aus, und gott vermehre die gabe 40, 298.


3. mager bedeutet es in Deutschungarn. ein dürftiger mensch Schröer 47b.
4. uneigentlich, schwach, gering, armselig, gehaltlos. ein buch mit dürftigen gedanken. dürftige kenntnisse, einsichten, nachrichten, dürftige einrichtung des hauses. dürftige geschenke. dürftige ernte. die dünne wand wehrte den winterfrost nur dürftig ab. aber got hat den leib also vermenget und dem dürftigen glied am meisten ehre gegeben 1 Cor. 12, 24. wie wendet ir euch denn umb, wider zu den schwachen und dürftigen satzungen, welchen ir von newes an dienen wolt? Galat. 4, 9.

dürftig kommst du des sinns (mentis inops Metam. 6, 37) und geschwächt vom lastenden alter!
wer zu lange gelebt, dem schadet es!
Voss Ovid nr. 26, 33.

[Bd. 2, Sp. 1732]



diese (die Plejaden), wiewol sehr klein und dürftiges glanzes, doch namhaft
früh in der dämmrung und spat
Voss Aratos 263.

in einer stube, worin man nur durch éin fenster dürftige stralen fallen lassen, weil die gemälde keine reichlichern vertragen J. Paul Teufelspapiere 1, xxiii.

also das wäre verbrechen ....
dasz nicht des lebens bedingender drang mich, den menschen verändert?
dasz ich der heuchelei dürftige maske verschmäht?
Göthe 1, 330.

wie ist, o sohn, dir die zunge gelöst, die schon dir im munde
lange jahre gestockt und nur sich dürftig hewegte! 40, 282.

auf seiner seite findet er ein dürftiges brod nebst einem wasserkrug und daneben eine schütte stroh zu seinem lager Schiller 715a.

und funfzig, zwanzig, zehn
verweigert er mit dürftgem achselzucken
Tieck 3, 26.

der zagende bettelte jetzt von jeder stunde seines daseins noch eine dürftige erquickung ders. in Ulm hieszen die dürftigen diejenigen armen welche in ein hospital aufgenommen wurden ohne etwas hinein zu bringen, entgegengesetzt den pfründnern die sich einkauften, bessere kost und wöchentliche geldzulage erhielten Schmid Schwäb. wörterb. 148. in Schwaben bedeutet dürftig auch krank, siech. in einer legende steht das maul und der fleck wirt zu ainem loch und fulet das flaisch und wird ein schad draus, den niemant hailen mag (vermag), das der mensch musz zu einem dürftig werden. ein groszes krankenzimmer im hospitale zu Ulm heiszt die dürftig stub das.