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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
durchweg bis durchweinen (Bd. 2, Sp. 1710 bis 1711)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) durchweg, adv. gänzlich, durchaus, ohne ausnahme, allemal. der ton ruht auf durch, nach Heynatz auf weg; vergl.schléchtweg. die erziehung in dieser stadt taugt durchweg nichts Heynatz 1, 316. man findet ihn durchweg in allen wochenpredigten ders. wer durchweg in allen stücken ein narr ist, der ist ein erznarr Lessing. der 'horreur' den die mutter durchweg vor der tochter empfand Gutzkow Ritter vom geiste 6, 7.
 
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durchweg, uneigentlich für aufgeregt, angegriffen. 'du bist viel zu sehr durchweg', sagte sie, 'als dasz du jetzt mit glück dich schlagen könntest Hermes 5, 349.
 
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durchwegig, adj. wie durchwegsam Stieler 2456. durchwegicht Eychmann Vocab. pred. I iiij. Diefenbach Gloss. lat. germ. 431a.
 
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durchwegsam, adj. gangbar pervius.

mir beut durchwegsamer meergrund
dunkele bahn
Voss Ovid (Metamorph. 5, 501) nr. 25, 161.


 
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durchwehen , wehend durchdringen, perflare, ahd. durchwâjan Graff 1, 622, niederl. doorwaajen. durchwehen Eychmann Voc. pred. T iiij. Diefenbach Gloss. lat. germ. 426. Henisch 772. Frisch 2, 429. Rädlein 209a. durchwäyen Maaler 95c. durchwegen Voc. incip. teut. d 4. durchweget perflatus das.
1. untrennbar. der duft der orangenblüten durchwehte den garten. die kühlen lüfte alle schöne anger und grüne bäume durchweheten Galmy 49. ein höflicher und leutseliger mensch durchwehet mit dem athem seiner lippen die ohren und das gemüte Butschky Patmos 682. was hoch ist wird durchwehet Stieler 2640.

diese (büsche) durchwehete nimmer die wuth naszhauchender winde
Voss Odyssee 5, 478.

auch langhaarige ziegen durchwehet er (boreas): nicht so die schafe,
weil ausdaurendes vliesz rings einhüllt.nicht sie durchwehet
boreas, wild wie er tobe; den greis selbst macht er zum läufer.
auch durchwehet er nicht zartblühendeglieder der jungfrau,
welche daheim im gemache verweilt bei der trautesten mutter ders. Hesiods hauslehren 48, 516—520.

[Bd. 2, Sp. 1711]



von Zeilons gedüfte
sind (im feenland) ewig die lüfte
der gärten durchweht
Matthisson 160.

der durchwehete see J. Paul Titan 1, 31. uneigentlich und bildlich.

ich muoz ein wîle rasten,
ich kan ez nit durchwehen ich kann es nicht erschöpfen
Altschwert 166, 25.

der wind der anfechtung und widerwertigkeit durchwäet all winkel deiner seelen Keisersberg Pred. 61a. 'durchwehe mich nicht so ungestüm' sagt der dichter zum dämon Klinger 10, 226.

es durchweht mich der geist dieser edeln
Körner 1, 163.


2. trennbar. thür und fenster standen offen und der wind wehte durch. dünne kleider wehet ein kalter wind bald durch Stieler 2460.
 
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durchwehen, n. perflatus. ebenso
 
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durchwehung, f. Stieler 2461.
 
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durchweich, adj. durch und durch weich. man spricht in der Wetterau und in Oberhessen nach anhaltendem regen ist das land durchweich Weigand. dort sagt man auch ein durchweicher regen für durchweichender, tief eindringender.
 
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durchweichen , niederd. und niederl. doorweiken Schambach 46a. s. erweichen.
1. untrennbar, durch und durch weich machen permadefacere Stieler 2472. Rädlein 209a. Frisch 2, 431a. der starke regen hat den boden durchweicht. die hitze hat das wachs durchweicht. ihr seht dasz mich der platzregen durchweicht hat als sei ich durch die Weser geschwommen Musäus. uneigentlich,

deine wort hand mich durchweicht Hätzlerin 291, 71.


2. trennbar, durch und durch weich werden. das brot ist von der milch durchgeweicht. uneigentlich,

gewaltig packten ihn des grafen worte;
nun stehts mit meinem Faust am rechten sprunge,
ganz durchgeweicht ist mir der arme junge
Lenau Faust 44.


 
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durchweiden, das vieh durch einen ort treiben um dort nahrung zu suchen. den wald durchweiden inquirere pastum per saltum Stieler 2452.
 
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durchweinen , eine zeit mit weinen zubringen.
1. untrennbar.

bis wir im stillen ernst des lebens rest durchweint
Cronegk.

ich müszte mein leben durchweinen,
weint ich dir, Giseke, nach!
Klopstock 1, 19.

wie wirst von ihm du denken, der edel war, so ganz dich liebte?
wie von den traurigen, trostlos durchweinten mitternächten? 1, 53.

ach so werd ich um dich mein ganzes leben durchweinen 2, 115.

ach, zu durchweinen, so dacht ich bis heut, mein übriges leben! Mess. 15, 1204.

dennoch ist erträglich noch stäts das leiden, wofern man
zwar den tag durchweinet, das herz voll nagendes kummers,
aber die nacht den schlummer beherscht
Voss Odyssee 20, 84.


2. trennbar.

ist es wahr, Elise, gatten
hinter unsers grabes nacht
dunkle schatten sich mit schatten?
hast du nur umsonst dein leben durchgeweint und durchgedacht?
L. Unzer im Göttinger musenalmanach 1773 s. 77.

ja die unsterblichkeit
wein ich froh von der liebe durch
Klopstock 1, 39.

allein die thränen, die unendlichen,
der überbliebnen, der verlasznen frau
zählt keine nachwelt, und der dichter schweigt
von tausend durchgeweinten tag und nächten
Göthe 9, 94.