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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
durchscharren bis durchscheinend (Bd. 2, Sp. 1662 bis 1665)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) durchscharren, scharrend durchgraben, durchschaufeln, reflexiv, sich durcharbeiten. ungeachtet die wegen gewohnten schnees und eises an die spitze gestellten Deutschen

[Bd. 2, Sp. 1663]


fusz für fusz mit schaufeln sich durchscharren musten Lohenstein Armin 1, 826. Opitz bildet ein starkes prät.

dieweil du uns so scharpf mit drohen angeregt,
durchschorren wir den sand in den er war gelegt,
und haben wiederumb den cörper aufgedeckt 1, 176.


 
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durchschaudern ,
1. innerlich bewegen, wie durchschauern. wie viel sich Fritze wuszte will ich nicht sagen. mich durchschauderte selbst ein kleines vergnügen, und ich empfand dasz ein wol angebrachtes lob zur besserung moralischer grundsätze oft weit wirksamer ist als immerwährender verweis und tadel Weisze Kinderfreund 4, 156.

ein dunkles vorgefühl der mütterlichen triebe
durchglüht, durchschaudert sie und heiligt ihre liebe
Wieland Oberon 7, 90.

seligkeit die mich durchschaudert
Kosegarten.


2. mit schrecken durchdringen.

graun durchschaudre das herz dir
Voss Ilias.


 
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durchschauen , perspicere, transpicere, ahd. duruhscauwôn Graff 6, 555, mhd. durchschouwen.
1. untrennbar.
a. völlig, im einzelnen, bis zu ende durchsehen. von der spitze des bergs durchschaute er das ganze land. ich habe die ganze bildersammlung durchschaut. beim durchblättern und durchschauen der reichlichen portefeuilles Göthe 48, 172.

Proteus, göttlicher macht, der Ägyptier, welcher des meeres
tiefen gesamt durchschaut
Voss Odyssee 4, 386.

köstliche terrassen und schattige lindengänge durchschaut man mit vergnügen Göthe 43, 250.

das wasser war so klar, so unbewegt
dasz man es konnte wie krystall durchschauen
Gries Bojardo 3, 1, 22.

uneigentlich.

o gegend, schrecklich und rauh, wo melancholische berge
mit starrem haupt die gewitter durchschaun;
wo um den drohenden fels die werdenden donner sich sammeln
Zachariä an den Harz.

in wäldern die kein tag durchschaut
Chr. Fel. Weisze.


b. geistig durchdringen, erkennen. sich daz soltû geistlîchen durhgân und durchschouwen Grieshaber Predigten 2, 58. denn si (die seele) ist alsô lûter daz si sich selben durschowet Wackernagel Lesebuch 1. 891, 26.

da wir die reihe der zeiten durchschauen
Klopstock.

durchschau die ganze kette der wunderbaren welt
Dusch.

wenn du mich, herr, durchschaust, geschieht mir schon genug
Göthe 41, 289.

dems vor sich selber graut
und triumphiert zugleich, wenn er sich ganz durchschaut,
wenn er auf sich und seinen stamm vertraut 41, 331.

als nun beider gesinnung er ganz durchschaut nach der wahrheit
Voss Odyssee 21, 205.

gott der euer herz durchschaut Schiller 123a.

die fürstin Eboli
durchschaute dich, kein zweifel mehr, sie drang
in deiner liebe innerstes geheimnis 269b.

nein, sire, mich hintergeht man nicht. sie sind
durchschaut, uns wollten sie entfliehen 307b.

der mann von dem ich nie geteuscht worden, mein guter vater, durchschaute ihn (meinen liebhaber) bald Kotzebue Dramat. spiele 3, 296. da mädchen den eiteln am ersten durchschauen J. Paul Siebenkäs 3, 219.
2. trennbar, durch eine öffnung schauen. es war eine öffnung in der mauer und ich schaute durch. uneigentlich. wer aber durchschawet in das volkomen gesetz der freiheit und darinnen beharrt epistel Jacobi 1, 25.

und dann sind wir unsterblichen götter viel zu geringe
bis in das innre gebäu der geheimnisse durchzuschauen
Klopstock.

mit unrecht wird von einigen das untrennbare auch als trennbar gebraucht, eine leicht durchzuschauende verheimlichung Kant 1, 292. ein blendwerk durchzuschauen Wieland. sie schauen ja doch sonst die herzen so durch Schiller 202.

der könig meint es falsch. ich schau ihn durch 667.


 
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durchschauern , wie durchschaudern.
1. innerlich bewegen, zumal freudig. das gefühl das mich beim anschauen ihrer himmlischen schönheit durchschauerte Wieland 8, 384.

als du von wonneleben
durchschauert, mich umfiengst
und fest an mir, wie reben,
am ulmenstocke hiengst
Blumauer Gedichte (Wien 1782) 54.

gottes nähe durchschauert mich
Schubart.

o gott, an meiner Mira brust
durchschauert mich die fromme lust
Bürger 12a.

[Bd. 2, Sp. 1664]



und vorgefühl des bessern lebens
durchschaur ihn, sanft herabgethaut,
wer durch die nacht voll heiszes strebens
empor zu unserm (der sterne) reigen schaut
Voss 4, 145.

ewig bräutlich keuscher kusz!
wenn jeder augenblick mich durchschauert,
was soll ich fragen wie lang es gedauert!
Göthe 5, 265.

das wetter ist recht zu mir gestimmt, und ich fange an zu glauben dasz die witterung in der ich immer lebe auch so den immediatsten einflusz auf mich hat und die grosze welt meine kleine immer mit ihrer stimmung durchschauert ders. an frau v. Stein 1, 96.

lasz bergeslüfte froh dein herz durchschauern,
und sie verwehn dein ungerechtes trauern
Lenau Faust 7.


2. mit schrecken, mit grauen erfüllen. in einzelnen stellen erstrebte sie (die schauspielerin) kraft, ja zuweilen durchschauerte sie das herz durch züge der leidenden natur Sturz 1, 95.

wenn ihr, von dem gefühl des elends noch durchschauert,
mit einem leidenden getrauert
Gotter 1, 24.

sie, bei dem anblick,
starreten auf, und alle durchschauerte bleiches entsetzen
Voss Ilias 8, 77.

jener sprachs, und den greis durchschauerte banges entsetzen 24, 358.

die glocke tönt, die fürchterliche,
durchschauert die beruszten mauern
Göthe 41, 103.

jetzt flammenroth, jetzt, vom nahenden geschick
durchschauert, bleich wie eine büste,
stürzt in den innern hof, und, wahnsinn in dem blick,
besteigt sie das entsetzliche gerüste
Schiller 45b.

geschreckt durch den zusammenlauf der menge,
durchschauert von dem gräszlichen gerücht,
stürzt Anna halb entseelt durch das gedränge 46b.

sammeln sie
erst ihre geister, dasz sie ruhiger,
nicht in so grauenvollen bildern die
mein innerstes durchschauern, mir erzählen 293a.

will mich reue nun zu spät durchschauern?
Rückert Ged. 349.

unpersönlich. es durchschauerte mich stäts so etwas von erhabenem dichter- und landstreicherfieber v. Holtei Vierzig jahre 2, 132.
 
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durchschaulich, adj. und adv. was sich durchschauen läszt. dünkt dich nicht du werdest bei jeder dieser abschälungen dir selbst durchschaulicher? Wieland 25, 282.
 
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durchschauung, f. Stieler 1744. das erste heftige verlangen der seele, welches sie nie verläszt, ist neuheit und dann durchschauung und endlich vollkommenheit oder zerstörung der dinge Heinse Ardinghello 1, 275.
 
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durchschecken, durch und durch scheckig machen.

ein kraus weisz har
von löcken dick, het ainst mein haubt bedecket;
dasselb plassnirt (blasonniert) sich schwarz und grab,
von schilden (glatzen) kal durchschöcket
Wolkensteiner 102. 2, 4.


 
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durchschein, m. das hindurchleuchten.

(die wangen) von der rôsen durchschîne
gevar alsô rubbîne Athis A*, 19.

es was durchschein luna pernox Maaler 94d. schönheit ist also immer nur durchschein, form Herder 19, 96. hecken und bäume noch ohne blat, aber wie herrlich überglänzt vom durchschein ihrer fülle, alle zweige mit hochgeschwellten knospen bedeckt Jacobi Woldemar 30.
 
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durchschein, adj. wie durchscheinend, durchscheinig, translucidus Maaler 94d. ist so gar durchschein und glänzend dasz er auch die augen verletzt Forer Fischb. 115a.
 
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durchscheinen, durchleuchten, durchstralen pellucere, Voc. incip. teut. d 4. Henisch 774. Stieler 1751, Rädlein 207b, ahd. durhskînan Graff 6, 505, mhd. durchschînen, niederd. dôrschînen Schambach 46a. 1. untrennbar. das erleuchten des herrn durchscheinet alle innere heimlichkeit Zürch. bibel Sprichw. 20.

der blitz durchscheint das feld
Opitz.

der gott so von des himmels bahn
mit seiner strahlen kraft die ganze welt durchscheinet ders.

du bist so mager dasz dich die sonne durchscheinen möchte Steinbach 2, 418. 2. trennbar, translucere.

sie (drei leoparden auf dem schilde) kunden von gesteine
durchliuhten und durchschînen
Konrad v. Würzb. Turnier von Nantes 53, 5.

[Bd. 2, Sp. 1665]


ein licht scheint zwischen den bäumen durch. es sind wolken am himmel, aber die sonne scheint durch. vast (sehr) heiter scheinen Maaler 94d. sieht man die grenzlinie der westphälischen und friesischen Sachsen durchscheinen Möser 1, 281. bei einem dünnen anstrich scheint die ursprüngliche farbe des gegenstands durch Helfft Wörterb. der landbaukunst 86b. auch wenn gegenstände undicht gearbeitet sind, scheint das tageslicht durch das. uneigentlich, ob er zwar eine religionslehre durchscheinen läszt Kant 6, 344.
 
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durchscheinend, adj. und adv. durchsichtig. durchscheinends durchscheinigs durchsichtigs transparens Voc. theut. 1482 f 4b. die gassen der stad waren lauter gold als ein durchscheinend glas Offenb. Joh. 21, 21.

die zimmer und die säl sind ganz durchscheinend weisz
Weckherlin 222.

der schweif der kometen ist durchscheinend Kant 8, 281.

mit durchscheinendem rohre (perlucenti avena) begeistert ich ländliche lieder,
ich, den Latona gebar, sohn des erhabenen Zeus
Voss Lygdamus 4, 71.

rechts ihr murmelt ein quell mit sanft durchscheinendem wasser ders.

sie (Angelica) hatte erst ein bild, nach art älterer Florentiner, grau in grau gemahlt und es bei völlig entschiedenem und fertigem helldunkel mit durchscheinender farbe überzogen Göthe 54, 289. der saft der farben, ihre durchscheinende klarheit ders. die gemälde der alten niederländischen meister werden von vielen hochgeachtet, weil ihre gesättigten, durchscheinenden farben eine ohngefähr gleiche wirkung thun ders. was gibt aquarellmalereien ihr heiteres, leichtes, den tag, als der weisze, durch die überzogenen farben durchscheinende papiergrund? ders. uneigentlich für offenbar, allis daz sie von uns schriben und geschriben han, daz sie daz felschlichen ungetruwelichin und boslichin, als dorchschinende lantkundige und offinberliche schelke ligen und gelogen han Brief des erzbischofs Johann zu Mainz vom jahr 1405 in Fichards Wetteravia 1, 208.