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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
anhau bis anhebig (Bd. 1, Sp. 369 bis 371)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) anhau, m. locus lignorum plaga signatorum: so wist der scheffen, dat die hern von Bruwilre sullen broeholz hauwen in dem aenhauwe. weisth. 2, 820. vgl. mhd. anehou (Ben. 1, 722b).
 
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anhauch, m. afflatus, anblast: von ihrem sanften anhauch glitschte eine zarte flamme von schönem unwillen aus den seelenvollen augen des mädchens. Wieland; unter dem hohen rufe der glocken und dem durchdringenden anhauch der orgel. Herder 16, 267; bildet sich in den klüften ein anhauch (anflug) von den allerkleinsten amethystkrystallen. Göthe 60, 130; silbermünzen, die weil sie lange genug in feuchter verschlossener luft aufbewahrt worden, die wolerhaltenen gepräge mit einem bläulichen anhauch darwiesen. 31, 221; der göttliche anhauch, afflatus divinus. Wolfs mus. der alterth. wiss. 1, vii;

die welt ist kalt und rauh,
ihr anhauch schnürt zusammen.
Rückert 255;

möcht er doch mit seinen treuen händen
jeden rauhen anhauch von mir wenden. 351.


 
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anhauchen, afflare, aspirare:

wie zarte schwalbenzucht, für hunger fast verschmacht,
das alte paar anhaucht, das nichts zu hause bracht.
Gryphius 1, 551;

obschon ein spiegel anlauft, wenn man ihn anhauchet. pers. baumg. 9, 19;

er sprachs und Abrahams stimme
hauchte mit leisem lispel ihn an.
Klopst. Mess. 9, 298;

[Bd. 1, Sp. 370]



vom nelken- und vom rosenstock
süsz angehauchet.
Gökingk 1, 83;

an all den wasserfällen
und von rosen angehauchten stellen. 3, 53;

ich weisz nicht was für ein böser geist mich anhauchte, so dasz ich den tollsten plan erfand. Göthe 23, 109; wodurch sie (die natur) uns bald in die düstre tiefe zieht, bald in die schwindelnde höhe auf unserm geiste angehauchten flügeln emporträgt. Klinger 12, 120; mädchen, das so mächtig von der phantasie in allen segeln angehaucht wird. Arnim 1, 24; der stahl ist röthlich angehaucht.
 
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anhauen, incipere caedere, forstmäszig, signare arbores plaga (s. DWB anhau), das gehölz, den schlag anhauen, die bäume anhauen zur bezeichnung, wie der specht den baum anhaut, anhackt; nuszbaum, da der specht angehauet hat. Fischart Garg. 238b; bei den schlächtern, den ochsen, das schwein anhauen, vom gefällten thier das erste stück hauen; bei den fischern, den fisch mit der angel anhauen, die angel schütteln, dasz sie den fisch, welcher angebissen hat, fester fasse; in der landwirtschaft, das getraide anhauen, so dasz beim fallen es an das noch stehende anlehne; im bergwerk, an frischer stelle anhauen; beim reiten, die pferde anhauen, antreiben:

gehorchend hieb Saturnia
die rosse an.
Bürger;

daher die redensart angehauen kommen (s. DWB angehauen). auch das brot, den käse anhauen. wegen der starken oder schwachen flexion s. hauen.
 
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anhäufeln, cumulos pusillos facere, die erde am kohl, an den kartoffeln häufen, die reben mit erde anhäufeln.
 
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anhäufen, accumulare, nnl. aanhoopen, haufenweise vermehren: geld und schätze anhäufen, schulden anhäufen; angehäufte knospen, wenn an einer stelle mehrere treiben. sich anhäufen, cumulari: seine kinder häufen sich an, der feind häuft sich in dieser gegend an.
 
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anheb, von dem folgenden anheben, sei es nun als erste person oder als imperativ gemeint, scheint in der schweizerischen mundart blosze partikelbedeutung zu überkommen: anheb, wenn ich im nachdächt. fastn. sp. 836, 21. wolan? doch? halt?
 
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anheben, incipere, genau das lateinische wort, da sich capere und heben, goth. hafjan, ahd. heffan entsprechen, die begriffe heben und nehmen aber aneinander rühren, denn wer eine sache aufhebt, nimmt sie auf, nimmt, faszt sie, nnl. aanheffen. vgl. franz. enlever = inde levare. Diez 2, 351. in dieser sinnlichen bedeutung wird hebenden zugerufen: hebt an! faszt an! und daraus entfaltete sich von selbst der vorherschende begrif des anfangens oder beginnens, des vorangehens:

ich heb an dem höchsten an. fastn. sp. 598, 27;

mich reut, dasz sie den tanz anhuben. 566, 13;

und er suchte und hub am gröszesten an. 1 Mos. 44, 12; von im (disem mond) solt ir die mond des jars anheben. 2, 12, 2; da hub er an seinen spruch. 4, 23, 7; so heb nu an und segene. 2 Sam. 7, 29; doch weil ir habt angehaben, sehet auf mich. Hiob 6, 28; wenn er anhebt zu geiseln. 9, 23; und Hiob fur fort und hub an seine sprüche. 27, 1; hub an zu sinken. Matth. 14, 30; da wird sich allererst die not anheben. 24, 8; da er hinaus kam, hub er an und saget vil davon. Marc. 1, 45; diser mensch hub an zu bauen. Luc. 14, 30; in anhebendes menschen weise. Luther 3, 12; das sünde mein natur, mein anhebendes wesen, meine empfengnis ist. 3, 13; wenn der mensch aufhöret, so musz er anheben. 3, 35b; ob wir gleich wollen anheben etwas ernstlichs zu bitten. 6, 171a; disem götlichen, angehabenen werk zu folgen. Luthers br. 2, 498; also haben es ire eltern und fürfaren angehaben, und also machen es die jungen hernach. Micyllus Tac. 448b; diese fisch, so sie eine zeit gelegen, anheben zu stinken. Forer 53b; hat angehaben zu stund ganz erzittern. 76b; hat der jungling auf dem kirchengewelb aber angehaben zu rumpeln. Kirchhof wendunm. 415a;

wann der neunde monat weicht,
hebet eines an zu zehlen.
Logau 1, 2, 68;

ein jedes ding der welt hebt an, geht fort, nimt zu. 1, 3, 1;

der teufel ruht sonst nicht, nur jetzund hebt er an,
weil ihn die letzte welt so wol vertreten kan. 1, 8, 18;

die welt fault in sich selbst, und ihre sitten stinken,
ihr haus steht auf dem fall und hebt schon an zu sinken. 1, 9, 69;

wilstu fremde fehler zählen, heb an deinen an zu zählen. 2, 2, 5;

wann ein geizhals ist gestorben, hebt sein schatz erst an zu leben. 2, 9, 71;

[Bd. 1, Sp. 371]



heuchler wächst in einer erde leichtlich nicht und biederman,
denn wo jener hebt zu grünen, hebet der zu dorren an. 3, 3, 36;

manchem bringt es (das glück) schone früchte, wann er noch
auf stecken reit,
manchem hebt es an zu blühen, wann er schon an krücken
schleicht. 3, 10, 76;

doch nicht, weil mein muttergeschlecht preiswürdiger anhub.
Voss;

und als die sichel zu felde gieng,
hubs an sich zu regen und strecken.
Bürger 2, 33;

wind hub an,
doch sein schnauben
half ihm nichts,
der wandersmann
zog die kleider dichter an.
Herder;

und die grabgesänge heben an.
Hölty;

sein triumph hebt an.
Gotter 3, 451;

huben sie froh den gesang an. Luise 3, 621;

anheben zu schlagen die nachtigallen.
Rückert 126;

das unbedingte, wodurch die vernunft die reihe der bedingungen anzuheben gedenkt. Kant 2, 434; sie können nur schon angehobenes fortbilden. Fichte reden an d. d. nat. 166.
Die beispiele lehren, dasz das organische praet. anhub, part. angehaben der älteren sprache später durch anhob und angehoben verdrängt wurde, wie wir auch hob und DWB gehoben, erhob und erhoben (neben erhaben) sagen. anheben hat fast ganz die abgezogne bedeutung von beginnen und anfangen, vielleicht ist es ein wenig sinnlicher geblieben als diese, neues lied anheben, wirbelnden tanz anheben klingt frischer als beginnen, von der schwere ist aber nicht dabei auszugehen, da leichtes und schweres gehoben wird. Wie bei beginnen kann auch hier unterdrückt werden die rede, den spruch, zu reden, zu sprechen. er hob an heiszt schon er hob an und sagte:

wie? hebt der städter an.
Hagedorn 1, 26;

und wie? hebt jener an. 2, 13;

was lärmst du? hub sie an. 3, 89;

wie, hub sie an, hast du mich kommen hören?
Gellert.

Gleich beginnen steht auch anheben beides transitiv oder intransitiv und es wäre überflüssig die intransition durch sich hervorzuheben, wo nicht der mediale ausdruck von ἄρχεσθαι lebendiger sein soll, das spiel hebt an = das spiel hebt sich an.

da hebt sich an
ein grosz gelächt bei jederman.
Alberus 51;

da hebt sich an
ein schöner und lustiger wald. 63b;

je mehr sie sich allererst anhebet sich zu jammern. Philand. 1, 74;

meistens alles auf der erde, drauf die leut am meisten streben,
stehet unter denen dingen, die sich auf ein G anheben:
gold, geld, gut, geschenke, gaben.
Logau 3, 1, 47;

deine glückseligkeit wird sich nicht eher anheben. Felsenburg 1, 176;

hub sich die kurzweil an.
Canitz 94;

drauf hebt sich ein gespräch von dessen wundern an.
Hagedorn 2, 11;

zwar meine zärtlichkeit hebt nicht erst jetzt sich an.
J. E. Schlegel 4, 75;

der ort, wo sich die erdbeben anheben. Kant 9, 31. Anders steht es um das einfache, stets transitive heben, welches nur durch beigefügtes sich intransitive bedeutung annimmt: hie hevet sich ein mære; da hub sich ein donnern und blitzen. 2 Mos. 19, 16.
 
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anheben, n. initium: furcht ist nicht anders, denn ein anheben des verzweiveln und hofnunge ein anheben des genesen. Luther 3, 22.
 
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anheber, m. auctor, nnl. aanheffer: es ligt, spricht man, an eim guten anheber, und ein guter anheber ist aller ehren werd. Luther 4, 254b. Beheim, Wien 5, 12 sagt anhebner.
 
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anhebig, s. anhäbig.

 

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1) abgrasen
 ... gramen depascere, das gras wegfressen. die lämmer grasen den anger, die junge saat ab.
 
2) acker
 ... meʒʒen' Parz. 174, 30. niederfallen, s. anger .
 
3) ackerumsatz
 ... zuweilen die wechselwirtschaft, wenn das feld einige jahre als anger, dann zum getraide dient.
 
4) anger
 ... anger , m. pratum, viridarium, ahd. angar ( Graff
 ... ahd. angar ( Graff 1, 350 ), mhd. anger ( Ben. 1, 45 b ), grasbewachsnes land,
 ... ), grasbewachsnes land, weidetrift, wie schon mhd. gewöhnlich grüene anger, altn. engi pratum; vielleicht dasz der alte volksname
 ... dazu gehört, einzelne dörfer heiszen Angersbach, Angersberg, Angersdorf. die anger sind vol schafen und die awen stehen dick mit korn.
 ... landes. Ez. 34, 13 ; auf einen schönen anger. Dan. 3, 1 ; die reichen zelten auf
 ... schönen grünen angern. maulaffe 276; hütten auf dem grünen anger, den ich aus meinem fenster übersehen konte. westf. Robins.
 ... westf. Robins. 122; welch ein anger, o ihr schönen, o wie dünkt er mir
 ... umschattet war mit rasen bedeckt ein weiter grünender anger vor dem dorfe. Göthe 40, 284
 ... angers. Rückert 294 ; eigentlich liegt anger hoch und trocken, aue und wiese feucht: er kommt
 ... feucht: er kommt über wiesen und auen, umgeht auf trocknem anger manchen kleinen see. Göthe 22, 151 .
 ... 22, 151 . auch pferde werden auf dem anger getummelt: sieh .... den anger
 ... anger getummelt: sieh .... den anger voll finsterer rosse. E. v. Kleist 2, 9
 ... 2094 sagt von einem niedergestochnen ritter, dasz er den anger maʒ, wie es sonst heiszt den acker meʒʒen
 
5) anger
 ... anger , enger , steht in den weisthümern für
 
6) angerblume
 ... kurzer, ich bin langer' alsô strîtents ûf dem anger bluomen unde klê. Walth. 51, 36
 
7) angerhäusler
 ... m. hintersasz, nd. brinksitter, einwohner, der auf dem anger ansäszig ist.
 
8) aue
 ... zum frischen wasser. ps. 23, 2 ; die anger sind vol schafen und die awen stehen dick
 
9) befleischen
 ... betrat an einem frühlingsmorgen der fetten anger feuchtes grün. da sah er mit erwünschten freuden
 
10) bestellen
 ... erhellt, wiederum am saum mit schînât; anger und walt bestalt sind wunneclîch. MS.
 
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