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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schwaderlapp bis schwadronenhieb (Bd. 15, Sp. 2172 bis 2175)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schwaderlapp, -lappe, m. sudliges gemisch, sudlige speise, ekler brei (s. zweites schwader): sudlens und kudlens

[Bd. 15, Sp. 2173]


einander, und machen dann schwaderlappen, dasz die säw lieber dreck fressen, dann jr geköcht. Paracelsus (1616) 1, 272 B. vgl. DWB lappen, schlürfen th. 6, 195.
 
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schwäderlein, schwederlein, n. name eines singvogels, der auch in käfigen gehalten wird: grill, gierlitz, schwäderlin, hirngrill, fädenle, serinus, chloridis species Henisch 1743, 53; schwäderlein, n., girlitz Hulsius dict. (1616) 291b; fringilla serinus Oken 7, 259 (Italien und Süddeutschland); das schwäderli Stalder 2, 358; schwederle, schwederl Höfer 2, 122. 128. zu schwadern, schwedern, schwatzen: disz (vögelchen) wirt auch in Teutschland schwäderle, z Franckfurt am Mn girlitz genennt. Gesner-Heuszlin vogelb. (1582) 67a.
 
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schwadern, schwädern, verb. (auch schwedern, schwidern, schwudern), in älterer sprache und in mundartlichem gebrauche. schwadern, strepere Diefenb. 555c, ebenso Maaler 364d. Schottel 1411. Steinbach 2, 532.
1) die ursprüngliche bedeutung des wortes scheint sich auf plätschernde bewegung von flüssigem, auf das schwanken, überschwanken von flüssigem, schwappen zu beziehen (vgl. DWB schwabbern, DWB schwabbeln u. ä.). es wird in den mundarten intransitiv und transitiv gebraucht; schwadern, schwedern, schwidern (zunächst von flüssigkeiten) überschwanken, überflieszen, plätschern Schm. 2, 624; schwudel (Allgäu), überflusz 625; schwadern, plätschern, stark regnen; g'schwader, n. starker regengusz; sehr verdünntes geistiges getränk Lexer 228 (vgl. zweites schwader); schwadern, beim baden plätschern Schmid 485; schwadern, mit geräusche sich bewegen, von flüssigkeiten, wenn sie in einem gefäsze sich bewegen und mit einem klatschenden schalle an die seiten desselben anstoszen; im oder mit dem wasser planschen. Stalder 2, 357; schwadera, von flüssigkeiten, sich plätschernd bewegen; von wasserthieren, sich unter geplätscher im wasser bewegen. Tobler 401b; schwadere, im wasser herumhantieren; öpis schwadere, etwas im wasser umrühren, um es zu reinigen. die wäsche, nachdem sie durch die lauge gegangen und mit seife gewaschen worden, wird in reinem wasser g'schwaderet. Hunziker 234; schwadere, im wasser herumfahren, mit den händen lebhaft kurze bewegungen machen, wie anfänger im schwimmen, gänse und enten mit schnäbeln und flügeln, wäscherinnen mit der wäsche. Seiler 266a. schwadern, schwudern, im wasser klatschen, plätschern; die wäsche ausschwemmen, schweifen. Weinhold 88b; schwaddern, überschwanken, überflieszen, vergieszen; stark regnen. Frischbier 2, 326a; der wein schwadert im glase. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 694a; schwadern, profundere aquam, strepitum facere movendo aquam; schwadern, im nassen koth, turbare aquas, in aqua coenosa versari Frisch 2, 239c; sich schwadern: so kotzen sie (die kuttelfische) viel der dinten herausz, schwaderen sich darin. Geszner-Forer fischb. (1598) 112a; überschwanken lassen, vergieszen: wenn sie aus unvorsichtigkeit aus dem kelch schwadern. Simpl. 3 (1684), 882; geschwädert voll, zum überlaufen voll Frisch 2, 239c; geschwadert, geschwidert voll Schmeller 2, 624; vom regen:

der wolken nasses schwadern
tett mich im wasser pfladern. Friz von Zolre, her. v. Laszberg. s. 35, 23.

von weicher, schwankender, schwappender masse: der mensch, das gras etc. ist so fett, dasz 's all'n schwadert. Schmeller a. a. o. von schwankendem gange: schweddern, kraftlos einhergehen, z. b. von einem kränklichen, schwachen greise. Frommanns zeitschr. 6, 482 (Lippe).
2) aus dem angeführten erklärt sich die anwendung von schwadern, schwedern im sinne von ingurgitare, schlemmen, prassen, saufen: schwedern, et schwadern, potare, helluari, pergrœcari, popinari Stieler 1979, vgl. 1962; nacht und tag schwadern ò schwedern Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 694a; vom früen morgen bisz inn die sinckende nacht, und offt uber die halbe mitternacht in sich geschwedert. Mathesius Sar. (1571) 11b; schweddert und geuszet in sich, wie in einen laugensack. Syrach (1586) 1, 116a; so war doch des sauffens, schwederns, und uberflusz nicht so vil. hochzeitpred. (1579) 25a; schwedert in sich wie ein laugensack. Fischart Garg. 165a;

es würde nun viel tag' anander weidlich müssen
gepanketiret seyn, geschwadert und gezecht.
W. Scherffer ged. 60 (und öfters, s.
Drechsler W. Scherffer 239).


3) übergehend in die bedeutung schwatzen; in diesem sinne schwadern und schwedern bei Stieler 1979, vgl. Frisch 2, 239c; schwadern, schwedern, schwidern Schm. 2, 624, schwedern Höfer 3, 122, schwdern Hügel 145b, schwadern, schwudern, schwatzen; geschwader, geschwuder, geschwätz Weinhold 88b;

[Bd. 15, Sp. 2174]


schwaddern Schemionek Elbingsche mundart 37. Frischbier 2, 326a. Wander sprichw.-lex. 4, 410; er mag nit betten, er hat ein blöd haupt und ein enge brust, ia zebetten. aber nitt sunst zesuaderen unnd zeclapperen. Keisersberg narrensch. (1520) 172a; obnen hyn schwadren. postille (1522) 2, 7b; vil schwetzen und klappern. als da ein mensch msz geschwadert haben, und tadert und tadert on underlasz. sünden des mundes (1518) 74a; das man nit reden sol, so ist des schwadern zevil. 76c; vil schwetzen unnd schwadern, daʒ im daʒ maul alwegen uff und z gang, wie der schwantz einer wassersteltzen. 81b; schwaddert nit leichtlich herus. brösaml. 2, 73a (1517); so sie es selbs nit hören noch verstnd, eben dann wann sie es mit dem mund schwaderen. Franck mor. enc. 59; dann so schwadert der pfaff ein vigilg hereyn, die weder er selbs, gott, noch die menschen verstehn. weltb. 134a; daher geschwadert und geschnadert. Simpl. (1685) 1, 9 (1, 1, 2); schwadert man ohne auffhören daher. 271 (1, 3, 6);

komm, eil und lasz uns nit lang schwedern.
Sachs fastn. sp. 3, 23, 242 neudruck;

keine, die getreulich schwadert,
gutten schwestern sich vergadert.
W. Scherffer ged. 558.

von schnatternden enten:

im schilfe schwadert eine entenschaar
und kündet frühen winter diesem jahr.
K. F. Meyer Huttens letzte tage (1872) 119.


4) die regelrechte hochd. form würde schwattern sein, s. Lexer mhd. handwb. 2, 1345; vgl. DWB schwatteln, überschwanken, plätschern. Schm. 2, 652 aus Schmid 485; schwetten, pferde schwemmen Stalder 2, 363; vielleicht auch schwette, piscina, abusive bei Dasypodius; schwättig, schwattig, feucht-schwankend (sumpfboden, weichere fleischtheile), schwammig, feucht, faulig (vom holze). Schmeller a. a. o. s. auch N. von Reuenthal her. v. Haupt 110. verwandt ist schwatzen; ferner nld. zwadder, geifer, schaum; zwadderig, schmutzig (Franck et. woordenb. 1225; zwadderen, geifern, geifernd sprechen. ferner mundartlich im sinne von plätschern, verschütten, schlampen, schwanken u. ä.). den nd. mundarten scheint swaddern fremd zu sein. Woeste 265a bezeugt swatertrine, schwätzerin; vgl.:

mit deins gleichen schwader greden.
Sachs fastn. sp. 2, 67, 266 neudruck.


 
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schwaderwerk, n. geschwätz: dasz ich nit ein schnipff auff dich, und dein unnütz schwaderwerck gebe. Ayrer proc. jur. (1600) 2, 12 (s. 721).
 
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schwadicht, mit anderer ableitung schwadig,adj.
1) zu schwade, schwaden 2, giftiger dampf (in bergwerken): da doch nicht bösz und schwadicht wetter gewesen, welches sonst auch die liechter auszleschet. Mathesius Sar. (1571) 32b.
2) schwadig, schwedig, in regelrechter hochd. form schwattig, schwettig; schwäb. schwättig, schwankend, dem druck nicht widerstehend vor feuchtigkeit, weichheit, wie sumpfboden, moorgrund, auch wol wie weichere fleischtheile des leibes. schwadig von einer frau mit stark entwickelter brust. schwattiges, schwadiges holz, durchfeuchtetes, schwammiges, leicht faulendes Schmeller 2, 652, ebenda schwättigkeit, f. in entsprechender anwendung, vgl. Lexer mhd. handwb. 2, 1369: ein ketzerisch buch ist wie ein schwadichter sumpf. Mathesius Syrach 2, 60b randglosse (1586); feucht-kalt: denn in den heiszen landen, sind die schlangen rot und kupfferfarb, und haben jr hitzig gifft, wie unsere schlangen jr kalt und schwadicht gifft haben. Sar. (1591) 70b. vgl. schwadern.
3) zu schwade 3, ein masz angebend: schwadig, schwattig adj. 'einen schwat breit'. Frischbier 2, 326b.
 
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schwadmen, schwademen, verb. von schwadem, m. abgeleitet (s. DWB schwad 2). vaporare, swademen, schwademen, schwadmen, schwadinen Diefenbach 606c; vaporare, usz swedmen nov. gl. 376b; bradmen, dmpffen, dimpffen, schwadmen, riechen, uber sich brademen, als von wasser, vaporare, exhalare Henisch 473, 21; der schwadem schwademet von denen erwärmten ländern aus. Stieler 1950; schwademen, schwädemen, von zu stark brennendem und darum qualmenden licht gesagt Kehrein 1, 371, vgl. Pfister erg. 1, 24;

Hells hellheit schwademt.
H. Heine suppl. 16 (1869);

transitiv, räuchern: de langhe holwort sere gesoden in water unde dat wyff under geswademet effte gherokert. quelle bei Schiller-Lübben 4, 482a. schwâmen, gelind dampfen, aber auch fein regnen (im nebel) Frommanns zeitschr. 6, 482 (Lippe).
 
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schwadmicht, schwademicht, adj. humorem crassum exhalans, fumans, vapores excitans Stieler 1950; schwademichte luft, aer humidus et caliginosus ebenda; vgl. DWB schwadicht 1.

[Bd. 15, Sp. 2175]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schwadmung, schwademung, f., von schwadmen abgeleitet: die schwademung aus der erde verursachet eine feuchte und dicke luft. Stieler 1950.
 
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schwadrangel, m. scherzhafte verdrehung aus quadrangel: ordnet den hausraht auff alle Euclidische ecke nach dem schwadrangel. Fischart Garg. 74a.
 
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schwadron, f. in älterer form squadron, aus ital. squadrone, m. (eigentlich viereckiger haufen, vgl. schwader); wie es scheint, erst im 17. jh. aufgenommen, neben dem in gleichem sinne gebrauchten escadron. schwadronenweisz aus einander gehen, turmatim se explicare Apin. gl. (1728) 489; schwadron, f. wird heut zu tage mehr als schwader oder geschwader gebraucht, turma equitum Frisch 2, 239c; escadron, schwadrone, geschwader, ein troupp in schlachtordnung gestellter reuter, welches aus 100 bis 150 und 200 mann besteht. Eggers kriegsl. (1757) 1, 791. auch Adelung bringt das wort in der form die schwadrone und fügt hinzu: indessen ist das wort in den gemeinen sprecharten am gangbarsten, in der anständigern braucht man lieber das franz. esquadron. die schwadron entspricht bei der reiterei der compagnie der fusztruppen; die bezeichnung hat das ältere schwader, geschwader verdrängt:

Fridericus Rex, unser könig und herr,
der rief seine soldaten allesammt ins gewehr:
zwei hundert bataillons und an die tausend schwadron'n.
W. Alexis (
Böhme volksth. lieder s. 69);

ganze schwadronen von pferden. Grillparzer 15, 180.
in der neueren heeressprache bezeichnet man mit schwadron die unter einem rittmeister stehende reiterabtheilung von etwa 100 pferden; fünf schwadronen bilden ein regiment; in dem an die schwadron gerichteten commando braucht man indesz das wort escadron (escadron trab, halt). in Fronspergers kriegsb. befehligt der rittmeister ein geschwader 1, 93b (1578). A. Troupitzen kriegskunst (1638) theilt die schwedische compagnie (fusztruppen) in drei squadronen ein (zu corporalschafften, also entspricht squadron unserm zug); er braucht squadron als m., z. b. 13: den ersten squadron oder flügel. Stieler dagegen braucht es als f. von einer reiterabtheilung: hinc (von schwader) Galli habent suum esquadre, et esquadron, quod nos, Gallorum simiae, non contenti nostro schwader, et geschwader etiam dicimus eine schwadron. 1950.
 
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schwadronenhieb, m. in der studentensprache ein irregulärer hieb. Kluge studentenspr. 124b.

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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