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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schwächung bis schwadenmehl (Bd. 15, Sp. 2166 bis 2171)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schwächung, f. zu schwächen gebildet und dessen gebrauche folgend: schwechung der frawen, flagitium, proprie stuprum Dasypod.; fälschung, schwechung, verderbung, adulteratio, medicatio Henisch 991, 58; jungfrawen-, ehren-, gesundheits-, rechts-schwächung; schwächung des kriegesvolkes Stieler 1949; schwächung der mittel. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 693c; die schwächung des gemüthes, der freyheit; die schwächung von der wollust mercken, voluptatis enervationem observare Steinbach 2, 532; schwächung der sinne, hebetatio Frisch 2, 239b; mit schwechung der junkfrauen, schendung der wittibn und eeweiber. Aventin chron. 2, 464, 13. der gebrauch im sinne von stupratio ist veraltet (s.schwächen); sonst in neuer sprache in ausgedehntester anwendung: schwächung

[Bd. 15, Sp. 2167]


der gesundheit, der energie, des verstandes, der macht, eines reiches, des eindrucks, des lichts, des tons u. s. w. grammatisch: schwächung der unbetonten endsilben. als neubildungen führt Campe an: schwächungsmittel, n. mittel, den hohen grad eines zustandes, z. b. eines fiebers zu schwächen; schwächungsweise, f. 'bei den neuern ärzten, eine weise oder art zu heilen, da man in fällen, welche nach ihrer meinung von zu groszer stärke oder reiz (hypersthenie) herrühren, schwächende mittel anwendet'.
 
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schwack, m., schwacke,f. der ansatz an der peitschenschnur, der das knallende geräusch hervorbringt Vilmar 359 (von der waldeckischen grenze). vgl.schwacken, schwackeln, wackeln, schwanken unter schwächen zu anfange.
 
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schwad, schwade, schwaden, schwadem, subst.
1) schwade, f. redeflusz, mundwerk (in schlimmem sinne) mit anlehnung an schwadern aus suade, suada gebildet; nd. he hett'n swad as'n orlogschip. Frommanns zeitschr. 5, 430, 538 mit der anm. auf s. 432, vgl. Albrecht 208b. Spiesz 229; oberd. schwada: N. had a tüchtigi schwada. Hügel 145b, vgl. Schöpf 655. umgebildet zu schwarte: die frau hat eine gar böse schwart am kopfe, ist eine arge schwätzerin. Andresen volksetym.4 109, 2 (aus Böhmen). mit anlehnung an schwert: die hot e maul, wie e schlachtschwart. ebenda.
2) schwaden, m. (daneben schwade, verkürzt schwad), dampf, dunst; mhd. swadem, m. mhd. wb. 2, 2, 784b. Lexer mhd. handwb. 2, 1332. Grimm gramm. 2, 150; vgl. ahd. suuedan, cremare Graff 6, 871; swedunga, fomentum, suuetho, nidore (küchengeruch) ebenda; ags. swaðul, qualm; verwandt ist auch altn. svíða, sengen Noreen urgerm. lautl. 213. zeitschr. f. d. alterthum 5, 215 ff.; vapor, swadem, schwade, schwadem Diefenb. 606c, swademe, swaden nov. gl. 376b; swad, vapor voc. von 1409 bei Schmeller 2, 624; swadem, vapor, maditas Gerard van der Schueren 387a Verdam. dampff, dunst, schwaden. Henisch 638, 51; schwadem, dampff, dunst. Hulsius dict. (1616) 291b; schwadem, m. vapor, exhalatio, dampf. Schottel 1411; schwad, schwadem, et schwaden, der, plur. car. (der neueren sprache ist der pl. geläufig), vapor, exhalatio Stieler 1950; schwaden, m. (in folge eines druckfehlers als n. bezeichnet) Kramer deutschital. dict. (1702) 2, 694; schwaden, m. vapor, exhalatio Steinbach 2, 532; schwaden, schwadem, m. Frisch 2, 239b; Adelung und Campe verzeichnen die form schwadem nicht mehr, mnd. swadem, swaden, m. vapor Schiller-Lübben 4, 481b, neund. swâm Woeste 264b. im übrigen vgl. zur mundartlichen verbreitung des wortes schwadem, m. Klein 2, 147 (aus niederrh. geb.), schwade, m. Vilmar 376, schwaddem, schwadm, schwarrem, schwarm, schworm Kehrein 1, 371, schwede Hertel thür. sprachsch. 225. den hochd. mundarten scheint das wort fremd zu sein.
a) am häufigsten wird schwaden gebraucht für dünste, die sich im innern der erde bilden, besonders von solchen, die in den bergwerken auftreten und gefahr bringen (wetter): schwaden, schwadem, 'gifftige ausdämpfung in den bergwerken, und dadurch gemachte tödliche lufft' Frisch 2, 239b. 'schwaden, giftige sehr schädliche und öfters tödtende unterirdische dämpfe, welche aus den gängen und flötzen herauskommen, und aus den wassern aufsteigen' Jacobsson 4, 74a; schwefelige, arsenikalische schwaden. Adelung; schwaden, bergschwaden, stinkende wetter. feuer-, feurige schwaden, schlagende wetter, nachschwaden, die nach einer explosion schlagender wetter stark mit kohlensäure gemengte luft. Veith bergwörterb. 437: wie fromme bergkleut einer dem andern in nöten zuspringt, rettet oder löset, da er vom schwaden ubereilet, oder eine wand jhn ergriffen, und gefangen hat. Mathesius Sar. 23b; ehe wir aber von diesem trost reden, müssen wir des schwadens und gifftigen dunstes, und bösen wetters auch gedencken. 139b; derhalben geschehen schwaden gleich dem nebell, die nicht anders riechen als der unflat eines schnecken oder eines kellers, der tieff under der erden lang verschlossen ist geblieben. Agricola bergwerkb. übers. von Bechius (1621) 85; derhalben fare keiner in ein sölche grben, oder so er darinn ist, so fahre er schnell widerumb auff, ehe jn der schwaden begreiffe. 180; dasz aber im gebirge unter der erden, biszweilen ein gifftiger dampff oder schwad entstehet. Rollenhagen ind. reisen 259;

wie ein liecht, das der dicke schwad,
im finstern berg umbgeben hat,
das es kein freye lufft kan finden,
endlich mit zittern mus verschwinden.
Rollenhagen froschm. (1595) Mm 1b;

[Bd. 15, Sp. 2168]



(vom bergmanne)
glücklich! wenn ihn nur nicht die bösen wetter ersticken,
oder der giftige schwaden frühzeitig die schwindsucht ihm einhaucht.
Zachariä tagesz. (1757) 84;

vulkanischer rusz ..., abgesetzt aus den heiszen schwaden. Göthe 28, 68; mit reichhaltigen schwaden taubes gestein zu beschwängern. Musäus volksm. 1, 5 Hempel;

da steigt ein dampf, dort ziehen schwaden. 12, 205;

als gift'ger schwaden zieh' ich durch die spalten
des erdenbaus.
Rückert ges. ged. 1, 117;

golden brichst du durch des schachtes dumpfe schwaden, ew'ges licht. 2, 463;

der schwaden drängt
giftiges gas am risse hinaus.
Droste-Hülshoff 1, 191 Schücking.

in bildlicher anwendung: der qualm und schwaden eines aufbrausenden nervengeistes. J. Paul Quintus Fixlein 218; dieser satirische hüttenrauch und schwaden. Hesp. 3, 10; zündeten gar den ganzen schwaden seiner vollen seele an. 4, 94; der alte berg-schwaden Deutschlands muszte durch anzünden in reinere luft verwandelt werden. friedenpred. vorrede.
b) dunst, dampf, nebel über der erde, in der luft: die luft entstehet aus dem schwaden des wassers, aër oritur ex respiratione aquarum Stieler 1950; schon hatte sich der haarrauch herbeigemacht, der bald alles in seine nebel hüllte. die bauern waren über den alten bekannten durchaus nicht verdrieszlich, vielmehr steigerte der schwaden, qualm und geruch ihre lust. Immermann Münchh. (1841) 4, 20; von dem gewitterdunste:

im tiefen west der schwaden grollte,
es stand die luft, ein siedend meer.
Droste-Hülshoff 1, 186 Schücking;

dunst, der vor dem lichte vergeht:

das ist, vernehmt, die selige betrachtung,
vor der hinweg der öde schwaden rauchet,
der uns geschieden von der dinge achtung.
Immermann 13, 251 Boxberger.

in ähnlicher anwendung: ein solcher schwaden und sturmwind ist schon am vorigen freitag über das neue schlosz gesauset. J. Paul uns. loge 2, 175.
c) brodem, dunst, verdorbene luft, übermäszige hitze in verschlossenem raume, stubendunst Kehrein 1, 371: (als) der wind von osten blätternd durch die akten und kühlend durch den stubenschwaden strich. J. Paul Titan 1, 84; gerade ein solcher müffiger dunst und schwaden (in einer stube) sei der rechte geisterbrodem. Immermann Münchh. 2, 134 (1841).
d) küchendunst, dampf wie er von speisen, siedenden flüssigkeiten u. ä. aufsteigt: suuetho, nidore Graff 6, 871; schwade, m. dampf, zumal fettig riechender Vilmar 376; vgl. Kehrein 1, 371: we de emorroides heft .. de sede wullene in wyne in eynen erden gropen unde late den swademe van neddene up gan. quelle bei Schiller-Lübben 4, 482a; der dunst warmen roggenbrotes: nimb ein warm rockenbrot, zerbrich das entzzwey, und empfahe den warmen dampff oder schwadem darvon in den halsz. Tabernaemontanus kräuterb. 593 C (1664).
e) in swâme sîn (wie sonst im dampfe sein) heiszt betrunken sein Woeste 264b; schwede, m. betrunkenheit Hertel thür. sprachschatz 225.
3) das schwad, die schwade, der schwade, der schwad, reihe abgemähten grases oder getreides, der leere raum, soweit beim mähen die sense abgereicht hat (Weigand4 2, 656). das wort ist nord- und mitteldeutsch und erscheint erst spät im gebrauche der schriftsprache: schwad, et schwaden etiam est fœni striga, eine zeile oder reihe des abgehauenen heues. Stieler 1950; einen schwaden abmähen Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 694a; schwade, f. eine reihe mit der sense abgemähtes grasz, so allezeit zur linken hand des mäders zusammen geschoben liegen bleibt. Frisch 2, 239b; schwad, so viel gras, als ein mäher in seinem ordentlichen schritt mit der sense abhaut; ebenso bei gerste und hafer; bei gutem wetter werden gleich hinter den mähern her die schwaden zerschlagen, d. h. mit verkehrtem rechen gelockert und auseinander geworfen; bei regen bleiben die schwaden liegen. ökon. lex. (1744) 2655; Adelung bevorzugt die form der schwaden, bezeugt aber aus 'obersächsischen gegenden' der schwad, auch das schwad aus dem niederd. gebiete. seit dem vorigen jahrhundert begegnet das wort häufiger in gehobener sprache, besonders bei norddeutschen schriftstellern; in der älteren nhd. sprache findet sich das wort selten:

auff ein warmen tag,
als der gersten im schwaden lag.
Rollenhagen froschm. (1595) Aa 4b;

[Bd. 15, Sp. 2169]


das du das schwat den andern gleich hawest. Waissel chron. (1599) 258b; (haberstroh wird) etwann zwey oder drey tage also im schwaden liegen gelassen. Hohberg landl. 3, 2, 35b;

leg ab die sense
hier in die schwade.
Herder 25, 145 Suphan;

ein jäger schlief im haberschwaden.
Lichtwer (1828) 122;

Voss gebraucht das wort mehrfach, in den anmerkungen zur 'heumad' (id. 17) giebt er eine erklärung: das schwad mehrheit die schwade, die reihe des gemäheten grases oder getreides; auch der raum, den der schwung der sense durchmiszt. die schwade ist die grütze aus dem samen des schwadengrases (ged. 2, 384), darnach würden wir Luise 1, 596 welligen statt wellige erwarten (Hamb. musenalmanach von 1784: durch die wellichten schwade des tauumschimmerten heues):

durch die geschorene wies' und wellige schwade des heues. Luise 1, 596;

(regen) welcher die schwade durchströmt'. ged. 2, 296 (id. 17, 19);

wie unsre sense blinket,
rauscht hohes gras, und sinket
in schwade, lang und schön. 2, 303 (id. 17, 76);

wir mähn in schwade das heu!
juchhei! 4, 111;

liebe sonn', uns schienst du trocken
unser korn in schwad und hocken. 5, 168;

gemetzelt liegt die ganze schaar
der halme lang und schwer,
in dicken schwadten, paar bey paar,
im wellenzug umher.
Overbeck ged. 105;

von ihrer sichel sank das güldne schwad.
Kosegarten der dorfkirchhof (nach Gray);

ich begleitete gern die schwade der mäher im heumond,
nähme selber sogar öfters die sense zur hand.
Salis-Seewis elegie an die ruhe;

wann schon der schnitter fleisz in vollen schwaden
des sommers goldnen segen hingebreitet.
Uhland ged. (1864) 435;

die männer sanken auf dem weg dahin,
nicht einzeln, nein, in schwaden hingemäht. Ernst von Schwaben 4, 1;

wann die heisere cicade
zu der heiszen arbeit mahnt,
heimst der sommer seine schwade,
weil er schon den winter ahnt.
Rückert ged. (1841) 242;

links und rechts standen noch die kornfelder in voller reife oder waren von den regenschauern in der verflossenen woche nur in langen schwaden niedergedrückt. Gutzkow 1, 35. der plur. die schwaden ist in der schriftsprache eingebürgert, weniger der sing. (der schwaden, die schwade), das schwad, von Voss nach nd. dat swad eingeführt, klingt uns fremd.
gebrauch der niederd. und md. mundarten: swad, swatt, die reihe, worin das abgemähete gras oder getreide, an der linken seite des schnitters, zu liegen kommt; it. der kahle streif, den der schnitter hinter sich läszt; die breite, die ein schnitter im mähen mit der sense erreichen kann; dat gras ligt in't swatt, in reihen, wie es die sense hingeworfen hat; enem in't swatt hauen, einem zu nahe kommen, in seinem rechte beeinträchtigen; aver't swatt hauen, über die schnur hauen, aus übereilung im reden zu weit gehen. brem. wb. 4, 1107. swad, gesprochen swar Mi 90a; swad, swed, n., pl. swëe, soviel gras (oder getreide), wie mit einem hiebe der sense gemäht wird Schambach 220a; form und geschlecht schwanken im einzelnen: hê mei't 'n brêd'n swadd Danneil 217a (er bezeugt sward neben swadd, in seiner erklärung braucht er swatt als fem.); de gasten liggt all upp'n swad, der gersten ist schon gemähet Dähnert 476a; swne, f. schwaden Woeste 264b; schwatt, reihe abgemähten grases, auch der strich heuland zwischen den schwaden Stürenburg 241a; vgl. ten Doornkaat Koolman 3, 368b. auch in md. mundarten finden wir das wort: schwade, f., das durch die mähder in eine reihe hingelegte gras Spiesz 229; schwade, m. ('wenig üblich') Vilmar 376; schwade, f. gemähte strecke, in gleichem sinne schmâden, m. Hertel thür. sprachsch. 223; schwât, n., pl. schwâde Liesenberg 211; schwâd, n. Kleemann 20c; schwad, schwat m. und n. Frischbier 2, 326a; schwade Sallmann mundart in Estland 27. in älteren nd. quellen wird das wort auch als landmasz gebraucht Schiller-Lübben 4, 487; vgl. brem. wb. 4, 1108. Dähnert 476a.
ob unser wort pass. 164, 95 vorliegt, wie der herausgeber Köpke annimmt, ist sehr zweifelhaft. für mnd. swat erweist Schiller-Lübben 4, 487b neben der jetzt im nd. üblichen bedeutung: sulcus, en swat, dat me myd den ploghen maket. die grundbedeutung scheint darnach zu sein: durch schnitt gezogene spur; in den

[Bd. 15, Sp. 2170]


mundarten wird ja zum theil noch heute mit dem worte der durch das mähen geschaffene pfadartige raum, strich bezeichnet; ags. swaðu, f., swæþ, n. bedeutet track, trace, footstep, vestige (Bosworth-Toller); engl. swath ist mit nd. swad gleichbedeutend. ebenso nld. zwad. etymologisch gehört wol in diesen zusammenhang nd. nld. swade, f. sense Schiller-Lübben 4, 481b:

it is beschoren mit ener scheren
beide ane segede unde ane swaden.
G. v. Minden 28, 21 (vgl. nd. korrespondenzbl. 5, 61).

s. brem. wb. 4, 1107; swâr, f. Woeste 264b; schwâ'e, f. (Lippe) Frommann zeitschr. 6, 482; schwaa, die altfriesische sense, breiter als die später eingebürgerte seisse. Stürenburg 239b. ten Doornkaat Koolman 3, 369b; nld. zwaa; swade, swate bei Kilian. der bedeutung nach stehen isl. sveðja, gleiten, ab-, ausgleiten, svað, n., svaði, m. stelle, an der man ausgleitet, etwas abseit; sveðja, f. messer ist nur unsicher bezeugt. der sinn des einreiszens, einschneidens eines striches, einer spur liegt vielleicht auch bei fries. swethe, swithe zu grunde. J. Grimm kl. schr. 2, 37; swethe, swithe Richthofen 1061a; swette Schiller-Lübben 4, 495a. brem. wb. 4, 1118; swette, sweth ten Doornkaat Koolman 3, 380a; nld. swede, vetus. fland. j. winckelhaeck, norma, regula, quadra, gnomon (Kilian) ist entlehnt, vgl. franz. équerre.
4) schwaden, pflanzenname, besonders name einer grasart und deren eszbarer samen (vgl. mhd. wb. 2, 2, 759b. Lexer mhd. handwb. 2, 1332): capparis, swaden Diefenbach gl. 98a; conchis, swadem, swade 140a; oriza minor, schwaden 401a; schwaden, oriza minor Maaler 364d; der schwaden (eine frucht), oryza minor Steinbach 2, 532; schwade, schwaden, m. eszbarer same des schwadengrases (gramen oryzae minoris); 'die einfältigen meinen, er falle im tau vom himmel, wie das manna in der wüste. er heiszt daher auch manna polonicum, weil man ihn anfänglich aus Pohlen gebracht, jetzt aber auch anderswo sammlet'. der same musz in der frühe gesammelt werden, so lange das gras noch bethaut ist Frisch 2, 239b; himmelsthau, schwaden (wächst in Polen, längst der Oder und sonst in wasserreichen orten, die körner mit milch angerichtet geben eine gute speise) ök. lex. (1744) 1171a; schwaden, manna, himmelsthau, milthau, schwadengrütze, same des grases. Jacobsson 4, 74b; Nemnich: panicum, hirsegras, schwaden; panicum crus corvi, bartschwaden; panicum crus galli, schlesischer grauer schwaden; panicum dactylon, zahmes mannagras, himmelschwaden, weiszer böhmischer schwaden; panicum viride, schwadengras, wilde schwaden; unter dem 'rechten schwaden' (s. die bemerkung zu panicum italicum) versteht er festuca fluitans und deren frucht, unter den deutschen namen führt er an mannagras, -grütze, himmelsthau, schwaden, schwadengrütze, wilder, gemeiner, Frankfurter schwaden, schwadengras (in Polen wird selbige scil. grütze dem reis vorgezogen, und so vorzüglich zubereitet, dasz sie weit und breit versendet wird); swade, eine lange und weiche grasart mit einem ziemlich groben und eszbaren samen; das gras nennt man swaden- oder swaen-graes: und die feine aus dem samen gemachte grütze swaden-gorte, manna polonicum, oryza minor brem. wb. 4, 1108; das einsammeln, swaden-slaan wird beschrieben nachtr. 356; schwaden, zunft der gräser, himmelsschwaden Oken 3, 382. 396. glyceria fluitans, swaden, schwaden, weiszer, böhmischer, Frankfurter, polnischer, preuszischer schwaden, swaen-, swaje-, swojegras; cynodon dactylon, himmelsschweden Pritzel-Jessen; vgl. noch Frischbier 2, 326b; lauch, sâmen und swaden; swaden fail haben. quelle bei Lexer mhd. handwb. 2, 1332;

ich esz (spricht der mäusekönig) was die menschen gern schmecken,
die murben dreygebacken wecken,
schleyrküchlein mit schwaden gemengt.
Rollenhagen froschm. (1595) Ll 6b;

ich halts gewisz bei mir dafur und gläube, dasz schwaden himmelbrot sei; so eckel ists, wenn man mit einem finger davon nascht, so ists verdorben. schwaden sammlet man frühe, wenn der thau fällt, in einem siebe, wächset nicht, sondern kömmt vom thau; alsbald aber die sonne aufgegangen ist, zerschmelzts und zergehet. die ärzte heiszens manna. Luther tischr. 3, 15; schwaden in milch gekocht ist gut. A. Gryphius 1, 791; die schwade ist die grüze aus dem samen des schwadengrases. Voss 2, 384. die etymologie des wortes ist dunkel, es scheint von osten her eingeführt zu sein.
5) der schwaden, das wundpflaster Boediker bei Campe; hierzu vgl. thür. schwede, m. pflaster Hertel thür. sprachsch. 225; nd. swäden, heilpflaster (Hiddensee) Dähnert 476a; swede Schiller-Lübben 4, 488a; ebenso mhd. swede Lexer mhd. handwb. 2, 1349; ursprünglich wol ein wärmendes pflaster (s. oben unter 2), vgl.

[Bd. 15, Sp. 2171]


ahd. suuedile, malagma Graff 6, 871; suuedunga, fomenta ebenda, ags. sweðung, swoðung.
6) schwaden, schwanz des hirsches Nemnich; hirschschwaden, bürzel, feder, galle, sturz, wedel. Jacobsson 3, 265b; auch das wedele, federle Adelung; liegt der sinn von wedel zu grunde, so könnte zur vergleichung auf ahd. suidel, flabrum (Graff 6, 871) verwiesen werden.
7) schwade, interj., als zuruf an zugthiere und adv., links; in mitteld. gegenden: schwade, schwude Weinhold 88b. 37a (hot, rechts); schwode Steinbach 2, 548; schwudde Albrecht 210b (gewöhnlicher wiste); schwûte (gewöhnlicher hî) Jecht 103a; schwodder, schwodde, schwod, schwudde, schodder Frischbier 2, 333a (vgl. niederd. korresp. bl. 3, 90), schwoide Anton 12, 26. zusammenstellung hierher gehöriger ausdrücke in Frommanns zeitschr. 5, 449 ff. Höfer 2, 68 (unter hott). gramm. 3, 310. eine deutung von schwade ist schwierig, der ausdruck ist besonders im osten heimisch, was auf slav. ursprung weist.
8) schwade, f. turma, dict. Bresl. 1620; turma, die schwade reuter. Frommanns zeitschr. 4, 185; das wort ist entlehnt: ital. squadra, span. esquadra, eigentlich von soldaten gebildetes viereck (vgl. schwader und geschwader), nd. plur. schwade: twe swade ruter. quelle bei Schiller-Lübben 4, 487b; schwade als n. oder m.: mit einem schwade ruter. quelle a. a. o.
9) schwade, m. (oberhess.) der schatten Vilmar 376; schwate Pfister ergänz. 1, 24; nicht sicher zu erklären.
 
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schwädel, n. der antheil speise, den die hochzeitsgäste mit nach hause nehmen. quelle bei Vilmar 376.
 
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schwaden, verb.
1) in schwaden legen, reihen: nd. to samen swaden, das gemähte heu in lange haufen zusammenwerfen. brem. wb. nachtr. 356; dagegen: von een ander swaden, die haufen auseinander werfen, ebenda; swân, gras, klee mähen Woeste 264b; thür. schwäden (schmäden) heu wenden Hertel thür. sprachsch. 223; s. DWB schwad 3.
2) dampfen (s. DWB schwad 2), hessisch: die lampe, das licht schwadet; nd. utswaden, vaporare Dief. 606c; s. schwadmen.
3) schwaden, mundartlich hier und da für schwätzen, vgl. schwadern und schwade 1.
 
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schwadenfang, m. brodemfang, dunstfang, dampfmantel, vorrichtung zum auffangen und zur abfuhr von dämpfen. Karmarsch-Heeren technol. wb.3 2, 55; s. DWB schwad 2.
 
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schwadengerste, f. eine art des dinkelweizens, die der gerste gleicht und in jedem balge nur ein korn hat (triticum monococcum); schwabenweizen, einkorn, peterskorn. die benennung scheint aus schwabengerste entstellt zu sein und nichts mit schwad 4 zu thun zu haben.
 
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schwadengift, n. giftmehl, wie es sich in arsenikhütten sammelt und gegen fliegen, mäuse und ratten angewandt wird. Jacobsson 1, 746b (als schwatengift); schwad 2.
 
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schwadengras, n. gramen oryzae minoris Frisch 2, 239b; bei Nemnich a) festuca fluitans, b) panicum sanguinale, s. DWB schwad 4; schwaden- oder schadengras Karmarsch-Heeren3 5, 744.
 
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schwadengrütze, f. die körner von festuca fluitans (siehe schwad 4) und der daraus bereitete brei, auch wol für die pflanze selbst. schwadengrütze, mannagrütze, die im thau von den wiesen geschöpft wird. Schemionek Elbingsche mundart 37; über die zubereitung, wie sie früher in Preuszen beliebt war, s. Frischbier 2, 326b; die schwadengrütze kommt 'meist über Danzig, Elbing und Königsberg in den handel'. Karmarsch-Heeren techn. wb.3 5, 745; das preuszische manna, die schwadengrütze. Hippel lebensl. 2, 451.
 
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schwadenmehl, n.: inzwischen wird in Slesien und Böhmen ein sehr feines mehl daraus (aus panicum italicum) gezogen, das u. d. n. schwadenmehl bekannt ist; durch die benennung schwaden musz man sich nicht verleiten lassen, den rechten schwaden (festuca fluitans, s. DWB schwad 4) damit zu verwechseln. Nemnich s. v. panicum italicum.

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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