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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schwach bis schwächen (Bd. 15, Sp. 2148 bis 2157)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schwach, adj. , mhd. swach mhd. wb. 2, 2, 779a. Lexer mhd. handwb. 2, 1330, mnd. swack Schiller-Lübben 4, 481b, ebenso neund. (zum theil mit langer silbe gesprochen), vgl. brem. wb. 4, 1108. Dähnert 476b. Schütze 4, 231. Danneil 217a. Mi 90a. Schambach 220a. Woeste 264a. ten Doornkaat Koolman 3, 370a, nld. swack, debilis, imbecillis, infirmus Kilian, jetzt zwak. im ahd. ist das wort nicht belegt, es fehlt den übrigen germanischen sprachen. J. Grimm stellte das wort zusammen mit ahd. suehhan, olere, fragrare, foetere, mhd. swecher, foetidus, alts. swek, geruch, ags. sväc, odor. zeitschr. f. deutsches alterthum 6, 5 (kl. schriften 7, 199). gramm. 2, 27, vgl. Graff 6, 863. J. Grimm meint (kl. schrift. 6, 318. gr. 2, 80), schwach habe zunächst die bedeutung von inodorus, insipidus gehabt (ebenso Weigand4 2, 656. Schade altd. wb.2 2, 900b, das sich auflösende, verwesende Schm. 2, 623). besser ist eine verschlimmerung des begriffes zu 'stinkend' für schwach anzunehmen (so im mhd. wb. a. a. o., vergl. noch mhd. swecher), die spurweise im mhd. noch nachzuwirken scheint:

(das schwein) wüelet doch mit unde grebt
in den swachen fûlen mist.
K. v. Würzburg Parthenopier 8473.

von hier aus läszt sich der übergang zur bedeutung 'erbärmlich, elend, social niedrig stehend' begreifen. anders leitet Kluge etym. wb.5 339b das wort ab, vgl. auch Franck etym. woordenb. 1226. Noreen urgerm. lautl. 88, 102; die bedeutung von 'niedrig, elend, schlecht' tritt in neuerer sprache völlig zurück vor der vorstellung 'kraftlos, das zu erwartende masz nicht ausfüllend, nicht wirkend' u. ähnl.; Dasypodius glossiert schwach, unfest, infirmus, imbecillus, debilus, languidus, invalidus, enervus, elumbis, mancus, effoetus, defoetus, semivirus; schwach, kleiner krefften, tenuis viribus, infirmus Maaler 364c; schwach, was die gehörige stärke nicht hat. Frisch 2, 239a. im Aargau ist nach Hunziker 234 der begriff von schwach enger als im schriftdeutschen (beschränkt auf: entkräftet von kranken personen, gering an alkoholgehalt, unmerklich von geruch, kraftlos im physischen und moralischen sinne); baslerisch im sinne von unkundig, nachlässig: er isch schwach inn alle bigäbehaite. Seiler 266a; in anderen mundarten tritt besonders die bedeutung 'durch krankheit entkräftet, schwer darniederliegend' hervor, vgl. Spiesz 229; seer swakk, tödlich krank Dähnert 476b.
1) in älterer sprache, social niedrig stehend, arm, dürftig, elend, gering, schlecht; von personen:

daʒ ûʒ frömden ellende
ein sô swacher man wære komen. Servat. 753;

diu swacheste drunder,swaʒ ir diu gebôt,
daʒ muose si leisten. Gudrun 1010 (vgl. Erec 8289);

daʒ dehein wîp sô swach
den gürtel in ir hant genam. Wigalois 139, 13;

nu enwas dâ nieman sô swach (so niedriger geburt). Amis 703;

man hât des swachen mannes kint
für den edelen hôchgeborn. Meier Helmbrecht 500;

er diuhte sicher si ze swach
unde lîhte gar ze nider. Engelhard 1954;

ûʒ einem swachen knehte
hât ir gemachet einen voget. 3530.

im gegensatz zu rîche (vgl. Scherz-Oberlin 1605):

du machest rîche in kurzer vrist
einen alsô swachen man. Iwein 3551;

jâ müget ir michel gerner sîn
in vremde ein rîchiu künegîn
dann in der künde arm unde swach. Trist. 292, 1;

ich enbin nie sô swach,
mîn vater sî ein künic rîche. Flore 4100;

[Bd. 15, Sp. 2149]


freier: daʒ dritte gesläht ist vil swah (tertium monachorum genus deterrimum est); aller niderist und swachist (omnibus inferior et vilior); ob du sunderst daʒ edel von dem swachen. quelle bei Schm. 2, 622; wie swach ein yeglicher wær, er möcht doch mit frmchait z einer slichen er chomen. gesta Rom. 23 Keller. der esel wird bei Boner im gegensatze zum löwen und zum rosz als swach, als ein unedles thier bezeichnet. edelst. 14, 16. 51, 9. 15. auf unpersönliches bezogen, niedrig, elend, dürftig; swacher name, niedriger, dürftiger stand:

daʒ er mich aber enterbet
und nimt mir guot und êre,
sô muoʒ ich iemer mêre
unwert und swaches namen sîn. Tristan 39, 3.

leben:

davon sich nicht gelîchen mag
dîn swacheʒ leben und daʒ mîn.
Boner edelst. 41, 15 (die fliege spricht zur ameise);

irdisches im verhältnisse zum himmlischen: aus diesem schwachen leben in die ewige kirchen. Melanchthon vorr. zum 7. theil von Luthers schriften;

weil mich die gestirne dulden
in der schwachen unter-welt. geh. Venus 11 neudruck;

haus und gerät, gewand, speise u. s. w.:

daʒ was niht ein palas,
eʒ was ein swachiu herberge
bî einem velse an einem berge.
L. v. Regensburg s. Franc. leben 279;

do lieszen sie das hoch adel (das Jesuskind)
ligen in dem schwachen stadel. quelle bei
Schmeller 2, 622;

manege maget guot,
die mit strûbendem hâreunde in swachen kleiden
hin ze hove giengen. Gudrun 1299, 3;

mir ist lieber, kumt sî her (schön geputzt)
danne ob er
sî dâ heime in swacher wæte vinde.
Neithart 37, 18;

ich mir bereiten bat
ûʒsetzen nepfe und swachiu kleit.
U. v. Lichtenstein frauendienst 329, 19;

si kunden swacher niht gesîn. 22;

uff erden soltu nymant
verschen in swachem gewant.
Muskatblut 86, 23;

der swechest balc wær wol ze lobe (der geringste pelz war immer noch kostbar genug). Parz. 231, 6;

do sach er an dem bette
wie er nicht enhette,
den ein swarz swacheʒ tuch. pass. 144, 39 Köpke;

daʒ nâch sô werder spîse guot
in mich kein swachiu trahte gê. herzemœre 497;

du vichtes vruo und spâte,
wie dich got berâte
der swachen spîse, der du lebest.
Boner edelstein 41, 9;

swer swach korn under guoteʒ schütet. quelle bei Lexer mhd. handwb. 2, 1330; swacher lîp, unansehnliche gestalt:

(der frosch spricht:) got hêr, waʒ sol ich dir
dar umbe danken, daʒ du mir
hâst ein als swachen lîp gegeben?
Boner edelst. 46, 7.

in entsprechender anwendung wird in älterer sprache das adv. viel gebraucht:

si bat, daʒ man sie legete swach
uf aschen an die erden. pass. 338, 76 Köpke;

vgl. mhd. wb. 2, 2, 780a. Lexer mhd. handwb. 2, 1331.
verschärft zu schimpflich, kläglich und auf tod, lebensende bezogen:

ich wil nâch swachem tôde streben,
und wil für wâr niht langer leben.
U. v. Lichtenstein frauendienst 366, 27;

Îsôt die küniginne,
swie die in sîner minne bran
und in ir minne her Tristan,
eʒ nam doch swacheʒ ende.
H. v. Freiberg Tristan 6854;

er wart durch zouberlîchiu dinc
erhenket an ein criuce dô:
mit dirre marter und alsô
nam er ein swacheʒ ende.
K. v. Würzburg Silvester 2499;

oder eʒ ginge ir an ir leben
mit eime tode harte swach. pass. 27, 79 Köpke;

bei der übertragung auf das sittliche gebiet ist der unterschied gegen den gebrauch der neueren sprache zu beachten, die von der vorstellung des kraftlosen ausgeht; von personen:

muoter, ûʒ iuwerm munde
sô sint alle manne swach.
Neidhart liii, 7;

swaʒ ir swaches gesindes hât,
daʒ zuo den unêren phlît.
L. von Regensburg tochter Syon 3824;

[Bd. 15, Sp. 2150]



di snode an di furstinne,
di freche an di geduldegen,
di swache an di unschuldegen
sturmete alse sere. Elisabeth 5098;

sanc ich hiure niht von guoten wîben,
sô singe aber ich nu von den swachen. minnes. 2, 262a Hagen;

hier ergibt sich leicht die beziehung auf geschlechtliche unreinheit: nym der swachen frawen war, agnosce meretricem. quelle bei Schm. 2, 623. auf unpersönliches bezogen:

wen spricht, eʒ sî nicht halbs verlorn,
wan allʒ, daʒ man ze dienste tuot
dem argen: wan sîn swacher muot
alle zît ûf bôsheit stât.
Boner edelst. 11, 58;

milder:

er wære in swachem muote (zeigte verächtliche, thörichte
gesinnung),der ir (der schönen frauen) deheiner wære gram. Nib. 533, 4;

sin:

ein swach sin half dir unde riet:
von schildes ambet man dich schiet
und sagte dich gar rehtlôs. Parz. 524, 23.

ding: und wart des swachen dinges gezigen (des diebstahls). quelle bei Schm. 2, 623; gewonheit:

eʒ ist ein bœs gewonheit swach,
dâ mit mans tiuvels willen tuot.
Teichner 211 Karajan;

gehässig: swacher wort und gespottes. 48; swacher gruoʒ, üble begrüszung, gezeigte miszachtung, kalter grusz; nach dem zusammenhange ergibt sich die schärfere oder mildere meinung:

leget, mîne vriunde,die schilde für den fuoʒ,
und geltet, ob iu iemenbiete swachen gruoʒ,
mit tiefen verchwunden. Nib. 1796, 2;

der bœse dicke dulten muoʒ
unwirde unde swachen gruoʒ.
Freid. 89, 10 (vergl.
Haupt zu minnesangs frühling 80, 22);

die verschlimmerte bedeutung des wortes liegt auch in wendungen vor wie die folgende:

man hôhgemâc, an friunden kranc,
daʒ ist ein swacher habedanc.
Walther 79, 18.


2) entkräftet, kraftlos, elend. krankheit, besondere körperliche zustände: schwach seyn, kranck seyn, estre malade Hulsius dict. (1616) 291b; schwach, kranck, unpäszlich ebenda; schwach, aegrotus, languidus Schottel 1411; die neuere sprache faszt schwach wesentlich als begleitzustand, als zeichen, wirkung der krankheit, die ältere braucht es bisweilen völlig im sinne von krank:

wen spricht, daʒ überig gemach
gesunde liute machet swach.
Boner edelst. 48, 150;

soll man die armen schwachen
durch einen starken trunk noch duppelt schwächer machen.
Fleming 1, 144, 15 Lappenberg;

Laurencius de Compagnia was immer schwach. d. städtechr. 15, 122, 10; herzog Hainrich, nachdem er swach was, blib zu Regensburg. Aventin chron. 2, 273, 23; und ich Daniel ward schwach, und lag etliche tage kranck. Dan. 8, 27; ruffet den schwachen umb gesundheit an, bittet den todten umbs leben. weish. Sal. 13, 18; sein gemachel were im schwach. d. städtechron. 25, 385, 28; besondere wendung: et is nu en swakke tied, ungesunde zeit, witterung, es gibt viele kranke. Schütze 4, 231. ohnmächtig (vgl. cimbr. wb. 225b): ob ich etwo schwach wurd, das mir der stab entfiel. Salzburger taid. 182, 20; nach starkem aderlasz:

rhu, weyl du bist so vol schwachs.
H. Sachs 17, 64, 25 Keller-Götze.

ähnlich in neuerer sprache von plötzlichen zufällen: mir wird schwach, mir ists, wirds schwach im magen;

den pferden wars so schwach im magen.
Uhland ged. (1864) 329.

verwundung:

swie mir sî daʒ leben swach. Barl. u. Jos. 13, 12:

verbunden mit krank und andern sinnverwandten ausdrücken:

an leib und seel bald abgemerglet, schwach.
Weckherlin ged. (1648) 245;

das röszlein war so krank und schwach:
er zog es nur am zaume nach.
Uhland ged. (1864) 324.

verschlimmerte zustände bei krankheit: es steht schwach mit ihm; der kranke wird schwächer und schwächer; nd. 'tis swack wark mit em. brem. wb. 4, 1108, vergl. Dähnert 476b; pullus formicans, ein schwacher pulsz. Corvinus fons latin. (1660) 275b; der puls geht schwach u. ähnl. athmen: mein odem ist schwach, und meine tage sind abgekürtzt, das grab ist da. Hiob 17, 1; das schwach geynen, wenn einer von kranckheit das maul kaum mag aufbringen zegeynen, hiatus aeger. Maaler 364c.

[Bd. 15, Sp. 2151]



ermüdung: schwach von arbeit, labore fractus Stieler 1948; die streitenden soldaten werden schwach, .. viribus debilitantur et franguntur Steinbach 2, 530; meine knie sind schwach von fasten. ps. 109, 24.
allgemein zur bezeichnung, dasz das erforderliche masz von kraft und gesundheit nicht vorhanden ist: er hat einen schwachen athem (als anlage); eine schwache brust, schwache lunge, schwache augen (aber nicht ohren, nase) haben und ähnl.; languenti esse stomacho, einen schwachen magen haben. Corvinus fons latin. (1660) 715a; schwacher leib, corpus infirmum, debilitatum, effoetum; schwache natur, valetudo debilis Stieler 1948; schwach genaturet, imbecillis, fragilis natura 38; arme und schwache gesundheit. Maaler 364c; schwache gesundheit, schwaches gesicht. Kramer deutsch-it. dict. (1702) 2, 692b; von schwachen gliedmaszen seyn, infirmis esse membris Steinbach 2, 530; ein schwaches gehör, aures hebetes. ebenda;

der blinde, der die finsternisz,
die ihn umwölkte, kaum zerrisz,
wagt nicht an hellen sommertagen
sein schwaches, blinzendes gesicht
verwegen in das volle licht.
Gotter 1, 229 (1787);

denn stark und schwach war sein gesicht;
wie war es stark und schwach?
schwach war es vor den nachbarsfraun,
wo er vorüber bog,
stark aber feinde zu erschaun,
wo er zum kampfe zog.
Rückert (1882) 4, 89;

die groszmutter sah mir, so weit ihre schwachen augen reichten, etwas wehmütig nach. Keller werke 1, 200. die wendung auf schwachen füszen stehen wird gern in übertragenem sinne gebraucht (unter einwirkung von Daniel cap. 2): die religion, der stat stehet auf schwachen füszen. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 692b. im eigentlichen sinne dagegen schwach auf den beinen sein. (Simson spricht:) so würde ich schwach, und were wie ein ander mensch. richter 16, 7; macht aus ewren pflugscharen schwerter, und aus ewren sicheln spiesze. der schwache spreche, ich bin starck. Joel 3, 15; der schwächeste musz das creutz tragen. Henisch 622, 29; das schwach ist auch beysamen starck. Franck sprichw. (1541) 1, 63b; wer schwach ist, der lasse sich mit keinem starcken ein. Kramer deutsch-ital. dict. 2, 692c;

darin, ihr götter, macht ihr schwache stark. Shakesp. Julius Cäsar 1, 3.

in verbindung mit sinnesgleichen oder ähnlichen adjectiven: die schwachen und armen ligen allzeit unten, die reichen und starcken oben. Petri (1605) 2, R 3b; schwach, matt, unkräfftig. Hulsius dict. (1616) 291b; schwach unnd blöd, debilis, imbecillis Maaler 364c; schwache und blöde gesundheit. Comenius sprachenthür übers. von Docemius 293 (1658); wer schwach und blöd geboren, den kan kein medicin starck und lebhafft machen. quelle bei Wander sprichw.-lex. 4, 409;

unbehülflich, schwach und duldend
wie ein kind am mutterbusen.
Grillparzer4 3, 17 (ahnfrau 1).

gegenüber einer aufgabe: ich bin dem ze schwach das ichs trage. Maaler 364c; du bist dem dinge zu schwach. Steinbach 2, 530;

und wenn ich, freund, der schwere
der bürde, die die ehre
vom staate auf sich nahm.
zu schwach, zu kraftlos wäre.
Göckingk (1781) 2, 106;

die krafft der treger ist zu schwach, und des staubs ist zu viel. Nehem. 4, 10; die eigne kraft wird gegenüber einer aufgabe herabgesetzt: mein arm ist zu schwach, euch zu schützen;

ach, wie ist mein arm so schwach!
was ich hebe, was ich trage,
was ich schneide, was ich schlage,
jeder knappe thut es nach.
W. Müller ged. 1, 13 (1837);

in gottes nahmen denn! gieb her den kahn,
ich wills mit meiner schwachen kraft versuchen.
Schiller Wilh. Tell 1, 1.

im plural völlig verblaszt: so weit es in meinen schwachen kräften steht, will ich dir helfen.
alter und kindheit heiszen schwach im verhältnis zur kraft und gesundheit der reifen jahre: ein schwaches kind miszhandeln; ein schwaches kind dagegen auch im gegensatze zu anderen kindern, ein in der ausbildung des körperlichen organismus zurückgebliebenes; er ist schwach von alter, senectute languescit, confectus est. Stieler 1948; das schwache alter, l'età cadente, caduca, rotta Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 692b; schwach und alt wird ungestalt. Wander sprichw.-lex. 4, 408;

[Bd. 15, Sp. 2152]


ich hab dir nahrung und kleider gegeben, und dein schwaches alter in allen geschäften geschonet. Schiller räub. 4, 2 schauspiel;

dem alter nah, und schwach an kräften,
entschlägt sich Sanktulus der welt.
Ludwig 1, 8;

rennt dem scheuen glücke nach!
freunde, rennt euch alt und schwach! 65.


die frauen sind das schwache oder schwächere geschlecht; oft wird die bezeichnung im uneigentlichen sinne besonders mit beziehung auf die charaktereigenschaften der frauen gebraucht: ein schwaches weibsbild, das schwache frauenvolck. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 692b; belogene lügner! von einem schwachen weib überlistet. Schiller kab. u. liebe 2, 1;

das schwache geschlecht, sowie es gewöhnlich genannt wird,
zeigte sich tapfer und mächtig, und gegenwärtigen geistes.
Göthe 40, 294.


in besonderer anwendung beim wilde, noch nicht ausgewachsen: schwacher bock, schwache sauen u. ähnl. im verhältnis zu andern thiergattungen: die eimmeisen ein schwach volck ... caninichen ein schwach volck. spr. Sal. 30, 25. 26.
3) in freierer anwendung; den mangel an actionsfähigkeit, das unvermögen gegenüber den umständen und verhältnissen, den machtmitteln anderer u. s. w.: dasz obrigkeiten seyn, ist männiglichen angelegen, damit nicht der mächtigere den schwachen unterdrücke. Comenius sprachenth. übers v. Docemius (1657) 673;

ich bin die schwache, sie die mächt'ge — wohl,
sie brauche die gewalt, sie tödte mich.
Schiller M. Stuart 1, 7;

in diesem zarten punkt,
den ich jetzt eurer treu preisz geben soll,
bin ich der schwächste mann an diesem hof. 2, 8;

und ob er schwach ist, dir schaden zu thun. Sir. 19, 25; zum teil ein starck, und zum teil ein schwach reich. Dan. 2, 42. im wirtschaftlichen sinne, unbemittelt: datô sî öck to schwach, das geht über mein vermögen. Frischbier 2, 326a; es steht schwach mit ihm, er ist dem bankrott nahe. menschliche hülflosigkeit, gebrechlichkeit bezeichnend besonders im verhältnis zur göttlichen macht:

und bleibet in tieffer demut
und befilcht sich in gottes hut,
weyl er sich befindt voller schwachs.
H. Sachs 15, 350, 14 Keller-Götze;

ich geschweig desz letzten abscheiden,
ein leiden sonst ob allem leiden,
das seel und leibe macht vil schwachs. 21, 290, 17;

so stärcket seine hand den leib und geist der schwachen.
Weckherlin (1648) 246;

fahr im fried! ich kans nicht wenden,
bin zu schwach desz herren händen.
Logau 1, 183, 69;

ich bin dein (gottes) knecht, und deiner magd son, ein schwacher mensch und kurtzes lebens. weish. Sal. 9, 5; wir seynd schwache menschen, schwache creaturen. Kramer deutsch-ital. dict. 2, 692c.
übertragen auf die willensthätigkeit, das sittliche gebiet, unfähigkeit versuchungen zu widerstehen, anlage, die eine ernstere probe nicht besteht: der geist ist willig, aber das fleisch ist schwach. Matth. 26, 41; wenn jr aber also sündiget an den brüdern, und schlahet jr schwaches gewissen, so sündiget jr an Christo. 1 Cor. 8, 12; ein schwach, blöd gewissen, ist ein grosze kranckheit. Henisch 422, 41 (die verbindung wird von Campe für ungewöhnlich erklärt); schwache treue, fides sublesta Stieler 1949; schwacher augenblick, schwache stunde, augenblick, stunde, da man besonders geneigt ist, versuchungen zu unterliegen: in einem schwachen augenblicke liesz ich mich bereden; jeder mensch hat seine schwachen stunden u. ä.; bedenke, dasz dem besten die schwache stunde schlagen kann, dasz diese schwache stunde sich selbst nur zu bitter straft. Ludwig 2, 598;

Elisabeth! sie haben
in schwachen stunden (stunden weicher hingabe) mich gesehen.
Schiller don Carlos 4, 9.

ohne strenge, ohne energie: ein schwacher vater, schwach gegen seine umgebung u. ähnl.; eine schwache regierung, die keinen festen willen zeigt, ein schwaches regiment führen. ein schwach unnd arbeitsälig regiment, umb wölches es vast übel stadt, aegrota res publica Maaler 364c; studium languidum, schwacher fleisz. Corvinus fons lat. (1660) 348b; schwach gemüt, animus impotens, infirmus Stieler 1948; dasz er zu einem sehr schwachen herzen einen noch schwächern kopf (vgl. weiter unten) gehabt haben müsse. Wieland 6, 204; sobald unser

[Bd. 15, Sp. 2153]


herz weich ist, ist es schwach. Göthe briefe 1, 236 Weim. ausgabe;

ach, welch ein schwaches ding
das herz des weibes ist! Shakesp. Jul. Cäsar 2, 4.


religiöses leben, der festigkeit und freudigkeit des glaubens gegenübergestellt, oft in der bibel mit beziehung auf bestimmte satzungen: den schwachen im glauben nemet auff, und verwirret die gewissen nicht. Röm. 14, 1; einer gleubet, er möge allerley essen, welcher aber schwach ist, der isset kraut. 14, 2 (hiernach mit scherzhafter verdrehung des sinnes: die zwak is, ete moeskruiden. Wander sprichw.-lex. 4, 408); es ist viel besser, du essest kein fleisch, und trinckest keinen wein, oder das, dar an sich dein bruder stöszet, oder ergert oder schwach wird. 14, 21; den schwachen bin ich worden als ein schwacher, auff das ich die schwachen gewinne. 1 Cor. 9, 22; meine krafft ist in den schwachen mechtig. 2 Cor. 12, 9; tröstet die kleinmütigen, traget die schwachen. 1 Thess. 5, 14; schwacher glaube, fede debole Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 692b; im sinne von aberglauben:

keins swachen glouben er phlac. Erec 8123.


verstandesleben, phantasie, geistige, künstlerische production, gedächtnis u. s. w.: die schwache (begreiffung). Comenius sprachenthür übers. von Docemius (1657) 357; schwach gedächtnüsz, memoria hebes, sive labilis Stieler 1948; schwaches hirn, schwache vernunft Kramer deutsch-it. dict. (1702) 2, 692b; sein verstand wird schwach, mentis acies hebescit Frisch 2, 239a; ein schwacher kopf, schwach von begriffen, ein schwaches verständnis, die phantasie ist zu schwach u. ä.; wie ich mich dann solches auszführlich gnugsam darzuthun zu schwach befinde. Kirchhof discipl. milit. 2;

selbst Pope war dem kühnen schwung zu schwach.
Gotter 3, lxx;

klar und überzeugend, wie mir däucht,
dem schwachen kopf, wie dem verständigsten.
Schiller 6, 141 (Phöniz. 2, 4);

in besonderer wendung: die feder, der pinsel ist zu schwach, dies darzustellen; bezogen auf die äuszerungen und schöpfungen des geistes: das kommt schwach heraus, o plumbeum pugionem Stieler 1949; ein schwaches buch, das ist schwaches zeug, schwache darlegung, eine recht schwache dichtung, schwaches stück u. s. w.: die sogenannten texte der sonntägigen kirchenmusiken .. waren freilich sehr schwach. Göthe 24, 226. ebenso in beziehung auf die bildenden künste und die musik: ein schwaches gemälde, relief, lied; schwache komposition, linien-, pinsel-, stimmführung u. s. w.
4) weitere ausbildung des begriffes; besondere anwendung.
a) unwirksam in sinnlicher und unsinnlicher bedeutung: schwacher grund, beweis, trost, hülfe u. ähnl., schwaches werkzeug, besonders in übertragenem sinne: gebt dem weibischen, als dem schwechsten werckzeuge, seine ehre. 1 Petri 3, 7; gering: einen schwachen eindruck machen, das stück hatte nur einen schwachen erfolg, schwaches lob: das niedergedrückte weib willigte mit schwacher hoffnung eines glücklichen erfolges in diesen vorschlag. Musäus volksmärchen 1, 35 Hempel; liebesleben:

du guter jüngling, halt mich nicht für hart,
weil ich nur schwach erwiedre deine meinung.
Grillparzer4 6, 53.

nd. swaken lân krîgen, geringen lohn bekommen; de verdeinst is te swak. Schambach 220a; (er) nehme von mir als schwaches andenken. J. Paul flegelj. 1, 16; im mhd. mit negierender wirkung:

ich muoʒ verdienen swachen haʒ:
ich wil die hêrren lêren daʒ,
wies iegeslîchen rât wol mügen erkennen.
Walther 83, 27;

er vant dar inne swachen rât,
weder strô noch bettewât. Gregor 2867;

sin leit was ime nu worden swach,
er stunt uf vroliche. pass. 226, 41 Hahn;

mundartlich: ja aber schwach, keineswegs Hügel 145b.
b) dünn, biegsam, gebrechlich, leicht zerreiszend: gebrechlich, schwach, fragilis Henisch 1395, 12; schwach, nicht dick, tenuis Frisch 2, 239a; ein schwacher stängel, gracilis caulis, ein schwacher faden, tenue filum Steinbach 2, 530 (im bilde: sein leben, schicksal hängt an einem schwachen faden); schwaches reis, reif, rohr u. ähnl.:

wer on verdienst, will han den lon
und uff eym schwachen ror will ston.
Brant narrenschiff 57;

bewegt's euch nicht, wenn dieses erdballs veste
wankt, wie ein schwaches rohr? Shakesp. Julius Cäsar 1, 3;

wer eilig will ein mächtig feuer machen,
nimmt schwaches stroh zuerst. ebenda;

[Bd. 15, Sp. 2154]


schwache äste, sind die, so nach den fruchtästen stehen, aber nicht so viel saft als diese haben, daher sie schwächer, und an der spitze des holzes schwarz werden. Jacobsson 7, 283a. schwaches bret, dünnes bret; schwaches hölzernes kreuz (im gegensatz zu einem eisernen). Göthe 17, 202; schwacher bart, dünner bart; schwache leiber, corpora gracilia Steinbach 2, 530;

er erwischt in bei der mitte
da er am schwechsten was.
Uhland volksl.2 252;

er nahm sie in der mitten,
da sie am schwächsten was. wunderhorn 1, 70 Boxberger;

zwar meiner ersten klag ursach
war eine schönheit zart und schwach.
Weckherlin vorr. zu den psalmen.

schwacher spalt, risz, ritz u. ähnl.: wenn ich in ein dunkles zimmer allerlei farben bringe, und durch einen schwachen riz auf eine derselben .. licht einlasze. Schiller 1, 88. zerbrechlich: das schwache gefäsz, vaso fragile Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 692b.
c) von getränken, gehaltlos, dünn: schwache weyn, vina languidiora Maaler 364d; swakk beer, gemeines hausbier Dähnert 476b; (wein) gefror und ward schwach. d. städtechr. 3, 97, 27; schwache bouillon, schwacher arzneitrank u. ä. in chemischem sinne: eine schwache lösung.
d) die zahlmäszig bestimmte grösze nicht erreichend, nicht vollzählig, in bezug auf die menge nicht zureichend: kleine, sive schwache meile, milliare exiguum, arctum Stieler 1219. ein schwaches capital, capital debole cioè piccolo Kramer deutschital. dict. (1702) 2, 692b; die vorstellung war schwach besucht, ein schwach besetztes orchester; sie waren schwach beysammen, pauci aderant Steinbach 2, 530. militärische stärkeverhältnisse: ein schwaches bataillon, das die volle zahl nicht erreicht; allgemeiner: der könich war am volcke schwächer, gegen den feynd zu schwach seyn, eine schwache flotte. Steinbach a. a. o.; schwache besatzung, artillerie u. s. w.; dann weil diese one waffen und an zahl dem feindt zu schwach. Fronsperger kriegsb. 3, 137a;

ein einz'ger ritter nur, hört ich erzählen,
hab' eine schwache mannschaft aufgebracht.
Schiller jungfrau von Orl., prolog 3.


e) befestigungen: schwacher ort, ungenügend befestigter Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 692b; schwache erdwerke; die stadt ist nur schwach befestigt.
f) von einem einzelnen, wenig dauer oder widerstand versprechenden gebäude: ein schwaches gebäude, imbecille aedificium Steinbach 2, 530; von bautheilen: schwaches gewölbe und ähnliches.
g) die vielgebrauchte verbindung schwache seite bezieht sich ursprünglich auf militärische verhältnisse: die schwache seite der festung ist die fluszseite, ist nach norden. die schwache seite (auch stelle, punct) der aufstellung ist die linke flanke. gewöhnlich in übertragener anwendung von charakteristischen mängeln: diese leztern betrachtungen griffen Jaffier bei seiner schwachen seite an. Schiller 4, 169; sie verstand .. mit groszer vorsicht aufzupassen, wo des andern schwache seite seyn möchte. Göthe 18, 169; alle dilettanten greifen die kunst von der schwachen seite an (vom schwachen ende). 44, 268. ähnliche wendungen: wissen, wo einer schwach, am schwächsten ist. Kramer deutsch-ital. diction. (1702) 2, 692c; hierin ist er schwach. Adelung;

ihr glaubtet mich beym schwachen theil zu fassen.
Wieland 10, 186 (urtheil des Paris).

damit ist es schwach bestellt u. ähnl.
h) vom ton, geräusch, im gegensatz zu laut: mit einer schwachen stimme, con una voce debole Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 692b; die geige hat einen schwachen ton, nur schwache töne dringen zu mir herüber; der ritter mit trauriger und schwacher stimm antwurt gab. Galmy (1540) 70a; er .. hat eine schwache, leise stimme. Hebel 2, 171;

in überirdischer höhle,
von krausen büschen gezeugt, sitzt zwischen blumen der geishirt,
bläst auf der hellen schallmey, hält ein, und höret die lieder
hier laut in buchen ertönen, dort schwach, und endlich verloren.
E. v. Kleist 2, 26;

schwaches lauts antwortetest du, gaultummler Patroklos.
Voss Ilias 16, 842.

freier:

lobt' ich tausend jahr,
reine weiberschaar,
eurer schönheit blüthe,
eures herzens güte,
wäre doch mein sang,
nur ein schwacher klang.
Hölty 148 Halm.

[Bd. 15, Sp. 2155]


von licht, farbe, zeichnung, umrisz: schwaches licht, ein schwacher lichtstrahl, schwacher schimmer, schwach erhellt u. ähnl.: so weit ich bei'm schwachen mondlicht darüber klar werden konnte. Hebbel 9, 28. etwas erscheint nur in schwachen umrissen, nicht scharf abgegrenzt; ein schwaches abbild, das den gegenstand nur undeutlich wiedergibt; auch freier: er ist nur ein schwaches abbild seiner einstigen kraft. schwaches grün, roth, ein mattes; schwache reste einstiger färbung sind sichtbar. von wind und wasser: ein schwacher luftzug, ein schwacher nordost; schwache strömung u. ähnl.: 'ein quell flieszt nebenbei über steine herab', erklärte Ilse. 'jetzt ist er schwach, aber im frühjahr strömt vieles wasser von dem berge zusammen'. Freytag handschr. 1, 101.
i) schwache kammern (artillerie), die im boden spitzig und enge, oben aber weiter sind. Jacobsson 7, 283b; schwacher schrot, eine art des beileisens. 2, 167a.
 
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schwachatmend, part.:

jetzt hört er schwachatmend, der mannkraft beraubt,
den fittig der Aisa schon flattern ums haupt.
Leuthold ged.4 799.


 
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schwächaules, in der gaunersprache wirtshaus, kneipe Avé-Lallemant gaunerth. 4, 608; s. DWB schwäche und DWB schwächen. auch aules bezeichnet die kneipe (zu aul theil 1, sp. 817?).
 
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schwächbecher, m. trinkbecher (gaunersprache) Avé-Lallemant gaunerth. 4, 608; s. das vorhergehende.
 
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schwachbestellt, part. (vgl. DWB schwach 4, g):

er darf euch nicht finden schwachbestellt,
führt er gegen euch seine künst' ins feld.
Rückert Firdosi 1, 79 (1890).


 
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schwachbrüstig, adj. mit schlecht entwickelter brust.
 
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schwachdenkend, part. (s. DWB schwach 3): ihre vorgänger, mein freund, haben das volk blosz und allein für den schwachdenkendsten theil des geschlechts genommen. Lessing 12, 352.
 
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schwäche, f., gebildet zum adj. schwach, und dessen bedeutungen folgend; die verbreitung des wortes neben schwachheit fällt wesentlich erst in die nhd. periode; im mhd. ist bezeugt ein unumgelautetes swache, unehre, schmach mhd. wb. 2, 2, 780b. zu den beiden dort angeführten belegen für swache vgl. noch:

war um si dulten dise swache. kreuziger 8766.

zur bedeutung dieses swache vgl. DWB schwach im sinne von dürftig, schimpflich, kläglich (schwach 1). der gebrauch des nhd. schwäche folgt der bedeutung des adject. (s. DWB schwach 2 u. folg.): schwäche, infirmitas, debilitas, fragilitas Dasypodius; schweche, die, fragilitas, debilitatio Maaler 366c; die schwäche, vis fracta, defectio virium Stieler 1949, vgl. Schmeller 2, 623. Schöpf 655. Hunziker 234. in bezug auf den körper: die schwäche des leibes, der gesundheit, der schienbeine, der stimme, des gesichtes, der kräfte. Steinbach 2, 531; der sinne, des pulses Frisch 2, 239b; eine schwäche in den gliedern empfinden. Adelung; schwäche des alters, altersschwäche Campe. von krankheitsanfällen, besonderen zuständen, bei denen man sich plötzlich schwindlicht, elend fühlt, ohnmachten (hier tritt auch der plural auf): mit schwächen, zittern und schwindel behaftet seyn. Adelung; dasz zwar ihre erste ohnmacht vorüber wäre, aber noch immer schwächen auf schwächen folgten. Schiller 3, 570; mir fehlt's im herzen, und so eine schwäche hab' ich in mir. Raimund 2, 16 Glossy-Sauer; dasz ihn eine plötzliche schwäche .. angewandelt habe. Immermann Münchh. 4, 39 (1841). allgemeine menschliche gebrechlichkeit und hülflosigkeit: der menschlichen schwäche vergiszt man bey guten tagen. Steinbach 2, 531. mit beziehung auf die geistige natur in dem charakter: schwäche des verstandes, der auffassung, moralische schwäche u. s. w.: genug Henriette, ich empfand bei diesem anblik die ganze schwäche unsers geschlechts. Hermes Sophiens reise 6, 504 (1776). besonders von einzelnen, charakteristischen zügen des charakters, der lebenshaltung, die nach einer strengeren auffassung zu tadeln sind; der ausdruck ist gewöhnlich milde gemeint, kann sich aber nach dem zusammenhange verschärfen: das ist eine liebenswürdige schwäche an ihm; im gegensatz zu stärke auch von anderen seiten der menschlichen natur, sowie von der höheren menschlichen production: das colorit ist seine schwäche, gelingt ihm nicht u. ä.; eines seine stärcke und seine schwäche wissen. Kramer deutsch-ital. dict. 2, 693a; viele schwächen haben, jemanden bey seiner schwäche fassen. Adelung; nenn es schwäche dasz ich meinen vater ehre. Schiller räuber 1, 4 trauerspiel; an diesen starken schmiegten sich wollüstig alle meine weiblichen schwächen. Fiesko 3, 3; einen einzigen muszte sie lieben, und dieser einzige ihre

[Bd. 15, Sp. 2156]


schwäche verlachen. 4, 10 bühnenbearbeitung; sein herz gegen schwächen zu schüzen. schriften 3, 517; die schaubühne allein kann unsre schwächen belachen, weil sie unsrer empfindlichkeit schont. 518; wenn ich ihm eine schwäche ablauren könnte. parasit 4, 9; so angelegentlich, wie irgend einer, der ein günstling werden will, launen und schwächen seines herrn, hat er (der macher eines theaterstücks) launen und schwächen des groszen publikums studiert, und weisz, dasz auf einen geglückten, auf die stärken der menschen angelegten plan immer drei durch benutzung ihrer schwächen gelungene kommen. Ludwig 5, 50;

(die) über kleine schwächen mild
der liebe mantel breitet.
Gotter 1, 91;

(sie) trauten, von empfindung warm,
sich ihres herzens tiefste schwäche. 222;

gott ist heut, wer gestern mensch noch war,
jezt hat er keine schwächen mehr.
Schiller dom Karlos 2, 9;

und meine schwäche hab' ich ihr verrathen. don Karlos 2, 9;

fürchten wir
die ganze rache dieser stillen feindin,
wenn Philipp schwächen sich erlaubt. 2, 10;

was bis zu schwächen mich
gebracht, kann auch zu raserey mich führen. 4, 9;

nicht zeit ist's jetzt, der schwäche nachzugeben. Wallensteins tod 3, 12;

dem sel'gen geiste folgen nicht die schwächen
der sterblichkeit in die verklärung nach. M. Stuart 5, 7;

der liebe widersteht sein herz. lasz sehn,
ob wir's bei einer andern schwäche fassen. Phädra 3, 1;

dasz meine neider tausend schwächen finden.
Göthe 9, 240;

ich kenne dich, ich kenne deine schwächen,
ich weisz was gutes in dir lebt und glimmt. 1, 7;

tausend schwächen wimmern, tausend schmerzen
um der ehrsucht eitlen flitterthron.
Hölderlin 1, 14 Köstlin.

weitere beispiele für den gebrauch des wortes, der sich der bedeutungsentfaltung von schwach anschlieszt: schwäche eines fadens (Steinbach 2, 531), eines reises, bleches ( Adelung), brettes, eisens u. s. w.; schwäche des lichtes, tons, eines aufgusses, einer lösung u. ähnl.; hitzschwäche, jähe verdorrung der beume Stieler 1949; in der pflanzenlehre nennt man schwäche (debilitas s. deliquium) denjenigen krankhaften zustand der pflanzen, da alle theile derselben, als stengel, blätter, blumen etc. schlaff herunterhangen. Campe; schwäche einer armee, einer festung u. ähnl.: einer von euch wird die stadt visitieren, und mir von der stärke und schwäche der vesten pläze rapport machen. Schiller Fiesko 3, 6;

die schwäche macht versöhnlich.
Grillparzer4 5, 86.

in besonderer anwendung: an der klinge ist die schwäche der theil von der spitze bis zur mitte, der übrige heiszt die stärke, vgl. Schm. 2, 623; die schweche gehet von der mitten bisz an das ort oder ende desz schwerts. Sutorius fechtb. (1612) 3; vgl. Kramer deutsch-ital. diction. (1702) 2, 693a. Frisch 2, 239b; schwäche des rappiers Jacobsson 7, 283b. in der gaunersprache ist schwäche (auch schwächaules, schwächkitt) die kneipe Avé-Lallemant 4, 608; er leitet das wort aus dem hebräischen ab (sewach, opfer).
 
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schwächeln, verb. schwach, kränklich werden: nach dieser ehrenbegebenheit, welche sie zu stark empfunden hatte, schwächelte sie mehr als jemals. Karschin ged. (1797), lebenslauf herausg. von v. Klenke 121.
 
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schwachen, verb., erst im mhd. bezeugt, im sinne von schwach werden und von schwach machen mhd. wb. 2, 2, 780b. 781a. Lexer mhd. handwb. 2, 1331. Schm. 2, 623; mnd. swaken mit der gleichen doppelten bedeutung Schiller-Lübben 4, 483a (s. unten schwächen); nld. swacken, debilitare et debilitari Kilian, neund. swakken, schwach machen, schwächen ten Doornkaat Koolman 3, 370b. auch auf dem oberd. gebiete ist das wort erhalten; schweizerisch in der bedeutung von schwach werden, s. Stalder 2, 357. Hunziker 234; dorsbachen, schwach, ohnmächtig werden, schwächen, indebolire, conquidere, abbattere, contristare. cimbr. wb. 225b. im alemannischen gebiete lebt das wort auch in der schriftsprache der nhd. periode fort: das sie zu schwachen angefangen und zu geschwellen, das sie zu bet sich legen müeszen. Zimm. chron.2 2, 547, 12; der glaube an die mutter schwachet und wanket. Pestalozzi 8, 354;

[Bd. 15, Sp. 2157]


trunkenheit, davon man schwacht,
die oft ein'n mann zum narren macht.
Eschenburg denkm. 420;

dglieder schwachen von tag zu tag.
Rebmann 416;

unpersönlich: aber hie schwacht uns nicht (hier gehts uns nicht schlimm, hier sind wir wol versehen). Fischart bienenk. 66a.
 
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schwächen, verb. debilitare, mhd. swechen mhd. wb. 2, 2, 782b. Lexer mhd. handwb. 2, 1348; mnd. sweken Schiller-Lübben 4, 483a; nnd. swäkken, entkräften brem. wb. 4, 1108; swäken, sweken Dähnert 476a. 477a; nld. sweken, infirmare, labefactare, deficere Kilian. die schreibung schwechen hält sich lange im nhd. neben schwächen: schwächen, fälschen, adultero; schwechen, verunreynigen, violare, viciare Dasyp.; schwächen, schwach unnd blöd oder kranck machen, die krafft oder stercke entziehen, infirmare. Maaler 364d; schwechen, die stercke nemmen, krafftlosz machen. 366c; beschlaffen, schwächen, condormire, concumbere Henisch 305, 32; mit abbruch anfallen, schwechen, allidere, attenuare. 984, 9; gering machen, schwechen, comminuere 1517, 48; schwechen, matt und schwach machen Hulsius diction. (1616) 292b; schwächen, schwechen, violare virginem Schottel 1411. 1412; der index von Comenius sprachenthür übersetzt von Docemius hat schwechen (1657).
die neuere sprache geht beim gebrauche von schwächen von schwach im sinne von kraftlos aus; dagegen ist in der älteren sprache die grundbedeutung des verbums verächtlich, niedrig, elend machen, an werth herabsetzen; der sinn des wortes ist daher in älterer zeit meist energischer; daneben findet es sich aber auch in der uns geläufigen anwendung.
1) schimpflich, verächtlich machen, beschimpfen, erniedrigen, herabsetzen:

sô brichstû sicherlîch
an mir dîne triuweund diu êre dîn,
und muost vor allen reckenimmermêr geswechet (geswachet Martin) sîn. Alpharts tod 8, 4;

diu wænet tiuren sich dâ mite,
nein, siu swechet sich vil sêre. Lanzelet 6013;

wê im, swer swechet vrouwen namen
mit arger rede. minnes. 1, 340b Hagen;

waʒ habe ich ir getân? si swechet sich. 2, 308b;

wolt widerbringen dütsches landes ere, die do sere geswechet waʒ von des flihendes wegen. d. städtechr. 8, 51, 17; formelhaft: schwechen jemand an seinen ehren, rodere famam alicuius Dasypodius;

und wolt euch iemant swechen an eurn eern,
dem wolt wir selber sein haut vol pern. fastn. sp. 627, 17;

mit besonderer beziehung auf die weibliche ehre (s. unter 2):

gerechtigkeit ist weg! wohin! sie ist in himmel.
...... sie wäre von der welt
schon längst an jhren ehrn geschwächet und gefält.
Angelus Silesius 103 neudruck.

sinnlich:

und schwecht im seiner eren schilt,
das er zu stücken musz prechen. fastn. sp. 710, 11.

mit sinnverwandten verben verbunden: wurden gar sêre gesmêhet und geswecht. quelle im mhd. wb. 2, 2, 782b; die heilge kirche und cristenheit von dinen bösen nuwen sünden ist vil geswechet und beswert. d. städtechron. 8, 434, 1; damit sie ansehnlicher bey dieser stadt wohlverdienter regiments personen, getreuer officianten und anderer in ehren bekanter leute guten namen, leumund und glimpff dieblicher weis calumniren, schwächen. Schuppius 677.
2) sehr gewöhnlich (erst in neuerer zeit veraltend, s. Adelung unter diesem wort) in prägnanter anwendung, ein frauenzimmer schwächen, d. h. schänden, entehren: eyn jungfraw schwechen mit gewalt, rapere virginem Dasypodius; schwechen, verfellen, den blmen nemmen; das schwechen unnd geschenden der weyberen unnd der töchteren. Maaler 366c; beschwächen Henisch 310, 10; schwechen, ein jungfraw schenden und beschlaffen. Hulsius 292b; mit gewalt schwächen, puellae vim afferre Stieler 1949; eine geschwächte, ungeschwächte jungfrau. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 693c, vgl. Steinbach 2, 531. Frisch 2, 239b; die frawen vor geschweht, ee siesz ertötten. d. städtechron. 10, 200, 10; verstund die iungfrowen vom Enuchum geschwecht. Terenz (1499) 36b; sie haben die weiber zu Zion geschwecht, und die jungfrawen in den stedten Juda. kl. Jer. 5, 11; der sy mit gwalt schwechen wolt. Morgant der riese 158, 12 Bachmann; (Romulus) welcher .. der Sabiner, seiner nachbauren frauen und jungfrauen ... raubt und schwächte. Fischart bienenk. 230a; ein kranz ist nur das zeichen reiner zucht, welchen auch geschwächte weibsbilder ... tragen. pol. stockfisch 349;

[Bd. 15, Sp. 2158]


er schwecht auch frawen und junckfrauwen:
H. Sachs 16, 230, 18 Keller-Götze;

der ein jungfraw darff schwechen,
darff auch in ein capell brechen.
Fischart Garg. 63a;

ach wehe! wie wird der könig than,
zu mal wenn man jhm zeiget an,
dasz Areadnea gschwecht sey.
Ayrer 1277, 18;

du klagst, du seyst sehr schwach, ich glaub es. unser knecht,
hat in den stalle dich geschwächt ohn red' und recht.
A. Gryphius 2, 466 (1698);

Blandinen, dein gleiszendes töchterlein, schwächt,
zur stunde jetzt schwächt sie ein schändlicher knecht.
Bürger 33b;

Laodameen schwächte vater Zeus. 171b;

bring ich mein frauen here,
so wird sie mir geschwächt. wunderhorn 1, 361 Boxberger.

veräuszerlicht: Messalina plach zo goen in die huys, da man die gemeyne vrouwen inne plach zo suecken. niederrh. quelle bei Schm. 2, 623; die ehe, das ehebett schwächen: herzog Ludwig gedacht, dasz die fraw hett mit dem ritter die ehe geschwöcht. quelle bei Schm. a. a. o.; von denen, so die ehe brechen unnd schwechen. Höniger narrensch. 121b;

der mann hat müssen sehn sein ehebette schwächen.
Opitz 3, 268.


3) in allgemeiner anwendung (der begriff der verringerten kraft, actionsfähigkeit, wirksamkeit tritt besonders in neuerer sprache in den vordergrund), im sinne von im werth herabsetzen, verringern u. ä.; mit beziehung auf ansehen, äuszeren wolstand, lebenshaltung und ähnliche verhältnisse, mit persönlichem objecte: dat de bischop dar na arbeide se to swekende und in beswernisse to bringen. d. städtechron. 7, 363, 23; und die bösen leute sollen es (Israel) nicht mehr schwechen. 1 chron. 18, 9; gewaltsame mag man mit gewalt schwächen und hindern. Kirchhof milit. disc. 5; dasz man sich erst bis auf das gut und blut schwekket und aussauget. Reinh. fuchs (1650) 407; er schwächt die unterthanen, subditos debiles facit Steinbach 2, 531. mit unpersönlichem object, auf geld-, vermögensverhältnisse bezogen: die mittel, das vermögen, das capital schwächen; die cassa ist geschwächt. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 693b; sô soltû nieman sînen kouf swechen noch verlützeln (den preis herabdrücken). B. von Regensburg 1, 149, 30; (güter, die) durch sein faul und nachlessigkeit und unersettige trunckenheit dermaszen geschwecht und geschmelert worden. Kirchhof wendunm. 1, 203 Österley; dadurch (wir) unsere gantze nahrung umbs halb schwächen müsten. Simpl. 3, 319, 6 Kurz; dasz dardurch den anderen erben die legitima oder pflicht-theil geschwächet würde. Mainzer landrecht 1755 xvii, § 1; er lernte klein schreiben um das porto zu schwächen. J. Paul bei Campe; das geld seiner kinder in händen haben und es nicht angreifen und um keinen heller schwächen. Pestalozzi 12, 26. in anderer wendung, wobei die vorstellung des krank, entkräftet sein zu grunde liegt: ich machte dem prinzen begreiflich, dasz sein längeres bleiben in Venedig mit dem geschwächten zustand seiner kasse durchaus nicht bestehen könne. Schiller 4, 323. mit beziehung auf macht, gewalt, militärische stärke (in letzterer anwendung zum theil wieder mit persönlichem objecte): die armee, das regiment schwächen, eine stadt mit langer belägerung schwächen, eines macht, gewalt schwächen. Kramer deutsch-ital. diction. (1702) 2, 693b; die mannschaft durch die schlachten schwächen. Steinbach 2, 531; die besatzung schwächte sich durch viele detaschements. Adelung; und es begab sich darnach, das David die Philister schlug, und schwechet sie. 2 Sam. 8, 1; das feste stedte zustöret werden zu steinhauffen? und jre einwoner geschwecht und zaghafft werden. Jes. 37, 27; eilte, den um die hälfte geschwächten feind mit seiner ganzen macht anzufallen. Schiller 8, 284;

du kannst des kaisers
begehren nicht erfüllen — kaunst das heer
nicht schwächen lassen. Piccol. 2, 6.

ansehen, ehre, pracht, wolstand, friede u. ähnl.: eines ansehen schwächen Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 693b; in schönem bilde:

und schwecht im seiner eren schilt,
das er zu stucken musz prechen. fastn. sp. 710, 11;

und wolt seins vatters lob nit schwechen.
Waldis Esop 4, 88, 35;

auff das er schwechte alle pracht der lustigen stad. Jes. 23, 9; von natur geartet den seligen und blüenden stand des gemeinen nutzen zu schwächen. Schuppius 742;

gemeinen frid und ru im lant,
er hat zurütt geschwecht geschant. sat. u. pasqu. 1, 130, 138 Schade;

[Bd. 15, Sp. 2159]


nd. dat mene beste wert sweket. Dähnert 477b; die warheit schwächen und undertrucken, hinderstellig machen. Maaler 364d; (der segen,) der um desto heiliger, unmittelbarer vom himmel zu kommen scheint, weil ihn das irdische werkzeug nicht einmal durch sündhaftes, ja lasterhaftes wesen schwächen oder gar entkräften könnte. Göthe 25, 122; häufige wendungen der neueren sprache: die wirkung, den eindruck schwächen u. ä.; nicht in der absicht, meines mannes befehle zu schwächen (ihre schärfe zu mildern). Gotter 3 (1802), 16.
verstärkung des begriffes: swechen, verderben, adulterare Maaler 366c;

lat sehen, wer wolt uns den raien schwechen?
an dem selben wir uns rechen. fastn. sp. 399, 29.

in schärferem sinne auch in folgender stelle:

diejenge, die dein recht geschwächt
und freventlich vergessen.
P. Gerhardt 257, 59 Gödeke;

milder:

denn kein verhältnisz schwächt
die rechte der natur.
Wieland Idris u. Zenide 3, 72.

das recht schwächen, jus imminuere Steinbach 2, 531. in älterer sprache vielfach im sinne von ungiltig machen, auszer kraft setzen, nicht halten, fälschen: fälschen, falsch machen, schwechen, verunreinigen, verfälschen, vitiare, depravare, corrumpere Henisch 991; schwechet jn ir sigil (setzte es auszer kraft), dasz niemant darauf hielt. d. städtechr. 3, 148, 7. besonders in beziehung auf eid, gelübde, vertrag, gesetz u. ähnl.: ee dasz sie den aid schwechen wolten, den sie dem vatter, kaiser Hainrich, hetten gethan. d. städtechr. 3, 85, 11; stede vest und unvirbrochlichen gehalten sal werden, auch numer me geswechet. 17, 44, 22; das nicht seine meinung sey, das gesetz auffzulösen, sondern sey darumb da, das ers recht lere und bestettige, wider die, so es mit jrer lere schwechten. Luther 5, 371b; wenn jemand dem herrn ein gelübde thut, oder einen eid schweret .. der sol sein wort nicht schwechen, sondern alles thun, wie es zu seinem munde ist ausgegangen. 4 Mos. 30, 3; alle gelübd (des gesindes) und eide zu verbinden den leib zu casteien, mag der hausherr krefftigen oder schwechen (bestätigen oder auszer kraft setzen). 14; das dem gesetz unmüglich war (sintemal es durch das fleisch geschwechet ward). Röm. 8, 3;

betet, männer! — denn ein jüngling kniet
und er hat den höchsten schwur geschworen.
hier und dort sei ihm das heil verloren,
wenn er diese worte jemals schwächt!
Arndt ged. 232.


4) in bezug auf körperliche kraft, gesundheit u. ähnl.: das nachtstudiren schwächt den leib. Corvinus fons lat. (1660) 665b; seine natur schwächen, vim naturae suae inferre, vires suas debilitare Stieler 1949; das viele und stäte lesen schwächet das gesicht; das huren schwächet die kräften; eines mannheit schwächen; durch arbeit, kranckheit, durch viel reisen, durch alterthum etc. geschwächt. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 693bc; die grosze hitze schwächt die leute; das alter hat mich nicht gäntzlich geschwächt; durch den weiten marsch die soldaten schwächen; die augen schwächen Steinbach 2, 531; (schwächen,) stumpfer machen, hebetare, als augen und die sinnen. Frisch 2, 239b; des hertzen trawrigkeit schwechet die kreffte. Sir. 38, 19; durch sorg willen ewerer glieder darmit zuschwechen. Aimon o 6b; unter dem vorwande ihrer geschwächten gesundheit. Gotter 3 (1802), 39; ruhe schwächt, auch die verdiente ruhe schwächt, nur die anstrengung stärkt. Pestalozzi 6, 127; füllte für jedes der geschwächten eheleute ein kelchglas. Keller 8, 281;

ich merck wol, dasz sie küchlein bächt,
auff dasz mir mein gsicht werd geschwecht.
H. Sachs 17, 192, 23 Keller-Götze;

durch trawren wird der mensch geschwächt,
die kräffte fallen nieder. Königsb. dichterkr. 216;

wenn mir geschwächt sind alle sinn
und die umstehnden sagen:
jetzt scheidet er, jetzt ist er hin. wunderhorn 1, 210 Boxberger.


5) bezogen auf kräfte des geistes: geschwächtes gedächtnis, sein auffassungsvermögen ist geschwächt u. ä.; sie thet als ob sie der sinne geschwecht (unsinnig) wäre. Fierabras c 5b (1533). frei auf das vom geiste hervorgebrachte bezogen: den wahren und echten gedanken des schriftstellers, nicht vergröszert, nicht verkleinert, nicht gestärkt, nicht geschwächt. Bürger 137b. zustände, kräfte des gemüts, willensthätigkeit: einem den mt schwechen, ungehertzt und kleinmtig machen. Maaler 366c; den muth mit grillen schwächen, animum vanis curis debilitare Steinbach 2, 531; die liebe, den glauben, die zuversicht, den hasz, die erbitterung u. ähnl. schwächen;

[Bd. 15, Sp. 2160]


man sagt, dein eifer läszt sich schwächen;
dich rühret schmeicheln und gewinn.
Hagedorn 2, 56,

doch dieser hasz, den sie dir sonst geschworen,
ist sehr geschwächt.
Schiller Phädra 1, 1.

selten das gemüt schwächen, einen betrüben oder verstimmen:

kein unmuth schwächte dir dein redliches gemüthe.
Günther 602.


6) allgemein in dem sinne, die volle wirkung, leistung herabsetzen: geschwächte wärme, geschwächte urfeuchtigkeit. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 693c; die kugel schwächen, ammortire la palla, einem die klinge schwächen, legare, stringere la lamma ad uno. 693b; die gewohnheit schwächt das gift. Steinbach 2, 531; den ton, das licht schwächen u. ä.; die widerlagen waren durch unterspülungen geschwächt. geschwächte platten, durch gebrauch abgenützte, die keine kräftigen abdrücke mehr geben: aus der Gottschedischen quartausgabe, wozu man die schon geschwächten platten benutzte. Göthe 39, 226. ein bret schwächen, es dünner machen; schwächen, dünner machen, attenuare Frisch 2, 239b.
7) besonderes.
a) das wasser schwächen, durch vieles fischen der fisch-zucht berauben. Brandenburger fischerordn. von 1574 bei Frisch 2, 239b.
b) in der gaunersprache bezeichnet schwächen speise und trank zu sich nehmen, besonders aber trinken, zechen, saufen Avé-Lallemant gaunerth. 4, 608; verschwächen, verzechen, durchbringen. das wirtshaus heiszt schwäche, schwachaules, schwächkitt, der wirt schwächer, das trinkglas schwächfinchen, schwächbecher ebenda; der etymologische zusammenhang ist dunkel, Avé-Lallemant versucht eine ableitung aus dem hebräischen; das wort begegnet auch bei ehrlichen leuten:

vergiesz nicht deinen stab, der dich, o wakkel-fusz,
wenn du zuviel geschwächt, gleich unterstützen musz.
W. Scherffer ged. (1652) 395 (vgl.
Drechsler W. Scherffer 239);

darauff wann jederman den wanst recht vollgesackte
ward gantze nächte durch auff deutsch herum geschwecht.
Opitz 1, 104 (1690).


c) bemerkenswert ist das vorkommen von schwächen im sinne von schwach werden:

wo sind wir! sind wir nicht fast in der löwen rachen?
schwächt nicht die freyheit selbst in mehr den ehrnen band!
A. Gryphius (1698) 2, 371;

Stichus hat ein böses weib; wil sie willig nur vertragen,
meint jhr grimm werd endlich schwäch- und sich müden von dem plagen.
Logau 3, 44, 27;

mnd. sweken bezeichnet schwanken, wankend gehen, vergl. Schiller-Lübben 4, 483a; ebenso neund.: schwæken, schwach einherschleichen Frommanns zeitschrift 2, 228; he geet nig, he swäket man. Dähnert 476a; swäk'n, schwanken, wie ein betrunkener Danneil 217b; swäken Frischbier 2, 327a; vgl. nd. korr.-bl. 13, 86. ob dieses sweken, swæken mit hochd. schwach zusammenhängt, ist zweifelhaft. eine lautmalende bildung ist nd. swacken, schwappen, in schwankende bewegung setzen, schwanken Schambach 220a, vergl.swacken, swicken, vibrare Kilian; swacken, swackeln, schwanken, wackeln Woeste 264a; ebenso hess. schwacken, schwappen Vilmar 373, vgl. Pfister 171; schweiz. schwackeln, wackeln Stalder 2, 527; kärntisch schwaggeln, eine flüssigkeit in bewegung setzen Lexer 228.

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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