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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schutzempfohlen bis schützeneinung (Bd. 15, Sp. 2128 bis 2131)
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schutzen, verb.
1) transitiv, mit plötzlichem stosze schwingen, scharf stoszen (vgl. DWB schutz, nebenform zu schusz 1, sp. 2122); als neckisches spiel, einen in die höhe werfen, prellen, schnellen, wippen: da macheten dy jungen pürger am aschermittwochen ein haut zuegericht zum schuzen, darauff sy alle schreiber, leviten, so sy anchomen mochten, auch einen briester, drey leviten hetten geschuzt, darob ir ein tails hetten gemurt. d. städtechr. 15, 45, 11; jeglicher nam ein zipfel in die hand und schutzten mich in die höhe, allermaszen wie die metzger in der fasznacht den Jäckel oder ein hund zu schutzen pflegen. Albertinus landstörzer 1615 94; auch schaukeln: oscillum, ritschuff, daran man sich schutzt. Dief. nov. gl. 274b; wie oft hat euch die mutter in ihren armben als in einer lebendigen wiegen hin und her geschutzet. Abr. a S. Clara 1, 113; und sonst von stoszenden und werfenden bewegungen, mannigfach mundartlich, namentlich im bairischen sprachgebiete: den huet, die kappen, beim tanzen s' derndel in die höh schutzen. Schm. 2, 494; sich aufs rosz, in den flusz schutzen. ebenda; als alte polizeistrafe becken schutzen, strafbare bäcker in der wippe ins wasser werfen, u. a. ebenda; in Tirol schutzen, durch einen schwung oder stosz in schnelle bewegung, besonders nach oben setzen, auf den knieen ein kind schutzen, schaukeln Schöpf 654; ähnlich in Kärnthen Lexer 228; im bayrischen wald schutzen schwingen Frommann 5, 381, u. s. w.
2) intransitives schutzen, auf der Eifel, rasch von statten gehen Frommann 6, 18 (vgl. dazu schutz für eile, oben sp. 2122); in der Schweiz es schutzt, wenn bald die sonne scheint, bald wieder ein regen herabstürzt. Stalder 2, 357.
3) technisches schutzen, an das müllerwort schutz (sp. 2122) angelehnt, das wasser stauen:

damit (mit kasteien) er doch nit mehr verschafft,
und jm vorwar auch nit mehr nutzt,
denn wenn der müller das wasser schutzt
ein tag, zwen, drey auff einen hauffen,
und leszts denn auff ein mal ablauffen.
B. Waldis Esop 4, 30, 58.

nebenform schützen, vgl. das folgende.
 
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schützen, verb.
1) tueri, defendere, arcere; intensivbildung zu dem starken verbum schieszen, ahd. nicht bezeugt, im ags. als scyttan, riegel vorstoszen, sperren, engl. shut, altfries. sketta verschlieszen, mnd., mnl. schutten, einschlieszen, einfriedigen, hindern, wehren, vorhanden, mhd. als schützen seltener und

[Bd. 15, Sp. 2129]


nur in mitteldeutschen quellen auftretend, während im oberdeutschen ein anderes in der form ähnliches verbum beschüten, beschütten, zu schutt wall (sp. 2104) gehörig, den begriff des schirmens ausdrückt (vgl. th. 1, 1599, wo aber die beziehung dieses wortes zu schützen, beschützen anders dargestellt ist). schützen und sein verbalsubstantiv schutz (oben sp. 2120) haben die bedeutung des schirmens und wehrens aus der des absperrens durch riegel und balken bei der vertheidigung des eigenen engeren hauswesens herausgebildet, indesz oberdeutsches beschütten hierbei von wall und landwehr um eine stadt ausgegangen ist. seit dem beginn des nhd. ist das letztere vor dem nach süden dringenden schützen gewichen, doch ist dieses bis zur eigentlichen einbürgerung in oberdeutsche mundarten nicht gediehen.
2) in der bedeutung von schützen liegt die der abhaltung, abwehr, die in der formel schützen und schirmen noch besonders betont ist (vgl. dazu unter schirmen, sp. 216 fg.): weltlich oberkeit sol inen die ere unser lieben frauen, der lieben heiligen und christlich ordnung helfen schützen und bschirmen. Schade sat. u. pasqu. 3, 185, 19; schützen und schirmen defendere Maaler 362d; ähnlich mitteldeutsch schützen unde schûren: her schuzte und schûrte getrûwelich clôstir unde gotishûser. Ködiz 19, 23; schuzt unde schûrt klöster unde arme lüte. 25, 20; mnd.: or lîf unde or gût schutten, schren unde vordedinghen. Schiller - Lübben 4, 156b (von 1395); bisweilen hat sich der begriff der ausflucht ergeben: mein herr mitsampt den andern herren und graffen, die legten faste viel bete an die von innungen und gemeinheit, aber sie schutzten sich faste und sprachen, was in den dingen geschehen were, das hetten innungen und gemeinheit mite verwilliget, darumb musten sie das an die ihren bringen. Spittendorff 152 Opel; wardt Caspar Beyer und ich Marcus Spittendorff mit Zoberts kindern uff die burg geheischet von den thumherren, und die kinder solten ihre gutter auch verlassen. wir schutzten sich, solchs stunde uns hinder der kinder mutter und freunden nicht zu thune. 412; was in schützung (s. d. unten) und in vorschützen (s. d.) geblieben ist. gewöhnlich aber ist schützen wie bewahren, vertheidigen vor einem angriffe oder übel, mit persönlichem und sächlichem subject, transitiv und reflexiv.
a) mit acc.: der könig schützt seine unterthanen; her half und schutzte dî dî vorweisit wâren. Ködiz 17, 14; er kennet meinen namen, darumb wil ich jn schützen. ps. 91, 14; er zoge in seinem harnisch, wie ein helt, und schützet sein heer mit seinem schwert. 1 Macc. 3, 3; Simon eröbert die burg, und leget Jüden darein, die stad Jerusalem und das land zu schützen. 14, 37; einen mit worten schützen, causae patronum existere, patrocinium alicujus suscipere, gerechtigkeit schützen, jus defendere, jus tutari, pro aequitate pugnare, das vaterland schützen, laboranti patriae subvenire, vindicare patriam Stieler 1946;

sus schutzte her den brûdir sîn.
Jeroschin 9791;

gott schütze Frankreich und den könig.
Schiller 13, 186 (jungfrau, prolog 3);

dazu mit persönlichem dativ:

trompeter. ei, da werden wir bald aufsitzen.
wachtm. wohl gar! um dem Baier sein land zu schützen? 12, 19 (Wallenst. lager 4);

mit sächlichem subject: der name des gottes Jacob schütze dich. ps. 20, 2; deine hand schütze das volk deiner rechten. 80, 18;

bis jetzt
war es mein stolz, der meine tugend schützte.
Schiller 5, 2, 236 (Carlos 2, 8);

der baum schützt das haus; warme kleidung schützte den reisenden;

ein denkmal noch, das die gebeine schützt.
Gotter 1, 140;

mit unterdrücktem object: der mantel schützt; namentlich im part.: schützende kleidung; schützende maszregeln ergreifen.
b) dazu mit näheren bestimmungen; ungewöhnlich mit genitiv: das ich s. Petro nicht den primat uber die apostel gebe, und er dem und mehr stücken, drawet widerstand zu thun, helff jm got, er darffs gar wol, .. wir wollen sehen, durch gottes gnaden, wie wir uns des widerstands schützen. Luther 1, 154a;

si lernen sich des wole schutze. ritterspieg. 3839 Bartsch;

gewöhnlich mit präpositionen, einen, sich, etwas vor, wider, gegen einen oder etwas schützen: schütze mich fur denen, so sich wider mich setzen. ps. 59, 2; und er den armen schützete fur elende. 107, 41; weil sie sich selber weder fur krieg noch anderm unglück schützen können. Baruch 6, 49; zücke den spies, und schütze mich wider meine verfolger. ps. 35, 3; der

[Bd. 15, Sp. 2130]


wurdet sich fur fill schadens schutzen. Dürer befest. B 4a; seine landmarcken vor dem feynd schützen unnd schirmen, fines suos ab excursionibus hostium tueri Maaler 363a; gesetz und gewissen schüzen uns oft für verbrechen und lastern. Schiller 3, 518; wer schützte den unmündigen gegen den betrug, der ihn umspann, eh' noch seine sinne geöffnet waren? Klinger 1, 20; ein vor winden, gegen winde geschützter ort;

könt uns schützen für dem sterben
tugend und ein gut geschlecht,
ei so dürfte nicht verderben
diser leib.
Rist Parnasz 184;

schütze mich vor eitlem stolze.
Hagedorn 1, 3;

dasz sogar
die freundschaft meines königs vor dem zorne
der schönheit mich nicht schützen kann.
Schiller 5, 1, 181;

ihr seid ein mann — schützt mich vor diesem priester. 189;

vermeiden sies, in diesen ersten stunden
sich öffentlich zu zeigen, schwerlich möchte sie
der goldne schlüssel vor miszhandlung schützen. 12, 126 (Piccol. 2, 7);

selten von etwas schützen:

dasz du waffen bereitest, vom tode zu schützen die menschen.
Göthe 40, 345;

einen in seinen rechten, bei seinen rechten schützen: Ptolemeus Macron, der die Jüden gern bei recht geschützt hette. 2 Macc. 10, 12; für beide nordische könige war es von gleicher wichtigkeit, Stralsund bey seiner unabhängigkeit zu schützen. Schiller 8, 130; den kaiser ersuchte er in einem demüthigen schreiben, ihn seiner gunst nicht zu berauben und bey den erworbenen würden zu schützen. 143; auch einen über etwas schützen:

bürger wollen oben an, für den edelleuten, sitzen,
geld und perlen, seid und sammt kan sie billich drüber schützen.
Logau 2, 138, 99;

mit abhängigem satze: da solt jr sie schützen, das sie sich an jenen rechen mögen. stücke in Esther 6, 14; ohne object im sprichwort alter schützt vor thorheit nicht.
c) schützen mit dativ:

diu (gnade) schützet wol dem tamme.
Frauenlop 95, 19;

für christen bindet Rom jetzt ketzer an den pfahl.
ihm schützt geweihtes wachs, statt lorbeers, vor dem blitze,
und heidnisch fabelwerk weicht frommer mönche witze.
Lichtwer 227.


3) anderes schützen, nebenform zu schutzen.
a) wie schutzen 1, stoszen, schnellen:

secht wie sie von des berges spitzen
die grösten stein auf uns rab schützen.
H. Sachs 3, 2, 232a.


b) wie schutzen 2, von statten gehen, ergiebig, nachhaltig sein; fränkisch schützen, schutzen, ausgeben, nachhalten, ausdauern Frommann 6, 469; vgl. dazu schützig und schützlich.
c) wie schutzen 3, als müllerwort: schützen, mit dem schutzbrett oder dem schieber, der zwischen den grieszsäulen eines wassermühlengerinnes steht, den lauf des wassers in dem gerinne hemmen, dasz solches nicht auf die wasserräder fallen kann. Jacobsson 4, 72b; danach auch schützen der windmühlen 73a; das wasser schützen Adelung; auch: ein rad, eine mühle wird geschützt; los schützen, die hemmung aufheben:

(die welt) ist trotzig auszgerissen,
wie eine wilde bach, thut was ihr selbst behagt,
lacht, wenn man ihr von gott, und gottes eyffer sagt.
und darumb läst er sich an seiner kirchen sehen,
schützt losz des zornes strom.
Opitz 3, 271.


d) schützen, als rechtswort, dem niederd. schütten, hindern, wehren, pfänden (sp. 2115) entsprechend, vgl. dazu einschützen theil 3, 287; so im westerwäldischen schützen auf feldfrevel ertappen, angeben, pfänden Kehrein 371 (vom sprachgefühl an schütze 2, oben sp. 2126, und flurschütze, feldschütze angelehnt); in Düringen heiszt schützen abpfänden durch den flurhüter, aber auch bei hochzeiten dem brautpaare mit bändern den weg versperren, wofür es sich mit geld lösen musz.
 
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schützenbecher, m. becher einer schützengesellschaft, auch als preis bei einem schieszen gegeben. Keller 8, 174.
 
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schützenbrätlein, n. kleiner schöpsenbraten, vgl. DWB schütz für schöps oben sp. 2123: castraunenfleysch, schützenprätlin. Garg. (1590) 96.
 
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schützenbrauch, m.:

herr, es ist schützenbrauch,
zugleich zwey pfeile.
V. Weber Tell 121.


 
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schützenbruder, m. mitglied einer schützengesellschaft.
 
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schützenbrüderschaft, f. societas jaculatorum. Frisch 2, 238a.

[Bd. 15, Sp. 2131]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schützenbund, m. vereinigung von schützengesellschaften bestimmter landschaften oder länder.
 
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schützenbursche, m.:

da kommen die schutzenbursch an, wollen schieszen. wunderhorn 2, 354 Boxberger.


 
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schützeneinung, f. einung, gesellschaft der schützen, vgl. DWB einung 1, th. 3, sp. 333.

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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