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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schutzdamm bis schützenbecher (Bd. 15, Sp. 2125 bis 2130)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schutzdamm, m. damm zum schutze errichtet, namentlich zur stauung oder abhaltung von höher her zuflieszenden wassers. als obersächsischer ausdruck Jacobsson 7, 282b.
 
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schutzdecke, f. decke zum schutze: so erbaute er ein schirmdach von solcher festigkeit, dasz weder ungeheure mühlsteine die .. seiten verletzten, noch andere darauf geworfene brennbare gegenstände .. die künstlichen schutzdecken entzündeten. Raumer2 1, 104.
 
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schütze, schütz, m. jaculator, sagittarius; ableitung von der in schieszen enthaltenen germanischen wurzel skut, ags. scytta (aus skutja hervorgegangen), altnord. skyt (gen. skytja), dän. skytte, schwed. skytt; ahd. scuzzo, bei den Langobarden auch schon als eigenname verwendet (vgl. Bruckner sprache der Langobarden 212. 306), mhd. schütze; die bedeutung ist überall eingeengt auf den entsender von geschossen: jaculator schutz mit dem bogen, pfyl o. lantzen Dief. 282c; sagittarius schutze, schotze, schitze, schutz, schitz, niederd. schutte und schutter. 507b; der schütz, sagittarius, jaculator, arcitenens Maaler 362d.
1) schütze in eigentlicher bedeutung, der das entsenden von geschossen (ursprünglich pfeil und speer, nach erfindung der feuerwaffen kugel) übt, im gegensatz zu schieszer (sp. 48), in welchem worte der begriff des wiederholten, übungsgemäszen von anfang nicht liegt.
a) allgemein: als der pfeil fürfart das armbrost und ein zeichen gibt, das der schütz nach (nahe) ist. Keisersberg pred. 113a; mit so etwas läszt sonst nicht jedes gespenst sich schrecken, denn wenn man auch schieszen will, so gehts nicht los, oder die kugel fährt zurück, und trifft nicht den geist, sondern den schütz. Hebel 2, 99;

zwêne schützen sach ich spannen unde schieʒen. minnes. 2, 386b Hagen;

sô manchen schutzen er ûʒ las,
als vil der armbruste was. livländ. reimchron. 8645;

der pfeil weiszt ausz desz schützens ziel. wendunm. 1, 239 Österley;

mit dem pfeil, dem bogen
durch gebirg und thal
kommt der schütz gezogen.
Schiller 14, 337 (Tell 3, 1);

ein thörichter schütze ist der mord,
schieszt seinen pfeil ab ins dunkle dickicht,
gewinnsüchtig, beutegierig.
Grillparzer 4, 41;

in formelhaften, sprichwörtlichen wendungen: eh soll die kugel in ihren lauf zurückkehren, und in dem eingeweid ihres schützen wüten. Schiller 2, 64 (räuber 2, 1);

gewisse dienste königen zu leisten,
ist miszlich, herzog, ein gewagter wurf,
der, fehlt er seine beute, auf den schützen
zurücke prallt. 5, 2, 248 (Carlos 2, 10);

ein gott verwirre sie und wende rückwärts
auf ihrer eignen schützen brust die pfeile,
die gegen meine königin gesandt sind. 12, 461 (M. Stuart 2, 4),

sie (die lüge) kehrt,
ein losgedruckter pfeil, von einem gotte
gewendet und versagend, sich zurück
und trifft den schützen.
Göthe 9, 63;

dichterisch vom liebesgott der blinde, kleine schütze: der blinde schütze, Amor, Cupido, Veneris filius Stieler 1772;

[Bd. 15, Sp. 2126]


des kleinen schützen heisze polzen,
die stecken allzu tief in mir.
P. Fleming 1, 404 Lappenberg;

aber blinder schütze im groben scherze auch anders: liesze derowegen einen starcken leibsdunst, oder blinden schützen ... fein sachte fortschleichen. Simpl. (1684) 2, 231.
b) mit betonung der kunstfertigkeit: und gott war mit dem knaben, der wuchs und ward ein guter schütze. 1 Mos. 21, 20; ein gewisser schütze, arcu pollens, sagittarum usu peritus, ungewisser schütze, jaculator tremulus, incertus. Stieler 1772; meister- sive kunstschütze, jaculandi artifex, certos ictus iterans, lumpenschütze, jaculator inexpertus, ignobilis, inglorius. ebenda; ein guter, ein schlechter schütze sein. Adelung; denn es nicht not, das ein guter schütz allwegen den pflock oder nagel treffe. Luther 5, 246a;

dehein schütze hat den list,
daʒ er treffe alle frist.
Lampr. v. Regensburg tochter Syon 3714;

zû hant der meister gebôt,
daʒ man die gûten schutzen
solde dâ benutzen. livl. reimchron. 6221;

wan er kunde schieʒen wol
als ein guot schütze kunnen sol.
Heinr. v. Neustadt Apollon. 5414;

du bist ein meister auf der armbrust, Tell,
man sagt, du nehmst es auf mit jedem schützen?
Schiller 14, 356 (Tell 3, 3);

jezt schütze triff, und fehle nicht des zieles! 358;

hier gilt es, schütze, deine kunst zu zeigen,
das ziel ist würdig und der preisz ist grosz! 359;

ein rechter schütze hilft sich selbst. 338 (3, 1);

sprichwörtlich: es ist ein schlechter schütz, der kein auszred weiszt. Dentzler 2, 257b; übler schütze, der zu früh losdrückt. Simrock sprichw. 502; die besten schützen sind so da fehlen. ebenda. in weidmännischer sprache heiszt schütze ein jäger, der mit einem schieszgewehr fertig umzugehen weisz, auch ein jagdbedienter, der an der grenze eines reviers das überwechselnde wildbret abschieszt. Jacobsson 7, 281b; vgl. auch federschütze th. 3, 1406.
c) als mitglied einer berufsgenossenschaft, gilde, und theilnehmer des von solcher veranstalteten schieszens: armbrust-, bogen-, büchsen-, scheibenschützen u. a.;

wolt es die schützen nit vertryeszen,
ich richt ouch z eyn narrenschyeszen.
Brant narrenschiff 75, 1;

dasz man sölt kommen gehn Zürich,
auf dises schieszen, grosz und herrlich,
auf obbestimpte tag und zeyt:
desz kamen von stett und landen weyt,
der schützen eine grosze anzal,
von allen orten, vast uberal.
Grob ausreden der schützen bei Haupt 3, 243;

noch jetzt vielfach: die schützen im festzuge, schützen ziehen ein, aus; viel schützen — nur einer wird könig. Simrock sprichw. 502.
d) als glied der streitbaren macht: die schützen schossen von den mauren. 2 Sam. 11, 24; (er) rüstete das volck zum kriege .. hundert und zwentzig tausend zu fusze, und zwelff tausent schützen zu rosse. Judith 2, 7; so mag under 10 (spieszträgern) ain schützen sein. d. städtechr. 25, 124, 34; (es soll) den schützen, deren unter jedem fähnlein hundert und fünff und zwantzig sein werden, auch andern doppelsöldnern, jedem nach seiner geschicklichkeit, jhr gebührende ubersöld gegeben werden. abschied des reichstags zu Speyer 1542 § 35;

strîtes man mit in began.
die Rûʒen hatten schutzen vil. livl. reimchr. 2241;

aber dort seh ich die drey scharfe schützen
linker hand um ein feuer sitzen.
Schiller 12, 15 (Wallensteins lager 1), vgl. scharfschütze;

in der sprache des deutschen heeres heiszt jetzt schütze der soldat in einem zum gefechte aufgelösten zuge.
2) schütze, gewendet auf den für die sicherheit einer stadt angestellten umhergehenden (patrouillierenden) obrigkeitlichen wächter, der mit schieszgewehr ausgerüstet ist, in dessen übung er sich zu halten hat: daʒ man den gênden schutzen gibt, daʒ sie alle suntag schiessen, 3  3 β hl. d. städtechr. 1, 276, 27 (Nürnberg); genossen der stadtknechte: man vieng in (einen verbrecher) .. und verhört in untz verr nach mittag, mit den geschworen schützen und statknechten. 10, 308, 2 (ebenda, als polizeidiener bis ins 18. jahrh. gekannt, vgl. Frisch 2, 238b); hüter eines dorfes, der feldflur, von dem sprachbewusztsein, das die alte bewaffnung vergessen hat, an das verbum schützen angelehnt, in dorf-,

[Bd. 15, Sp. 2127]


feld-, flurschütze (s. d.); geschworene schützen, in städten, flecken und dörfern, wegen feld- und garten - dieberey. Frisch a. a. o.; solche schützen als quacksalber genannt: (ärzte) wissen fürwar manchmal nicht wie ein oder das andere, was sie verschreiben, aussihet, vil weniger ist ihnen bekandt .. was der artzeney rechte würckung sei, daher kombts, dasz hernach ein schütze, bauer, hencker und alte weiber mit denen simplicibus, die sie ihnen aus dem Colero, Gabelhofer und dem allwissenden Cardilucio bekandt gemacht, mehr als jene ausrichten, und der zulauff zu jhnen gröszer als zu denen hochgelehrten doctorn ist. unwürd. doct. 795.
3) schütze in der schülersprache seit dem 15. jahrh. für den anfänger, jungen schüler: tirones schützen Dief. nov. gl. 366a (von 1418); zogen also unser mit einandren 8 oder 9, dry klein schützen, die andren grosz bacchanten, wie man sy d nampt, under welchen ich der aller kleinst schütz was und jungst. Th. Platter 15 Boos; da kam der schlmeister mit der gantzen procesz siner schützen und bacchanten. 19; scheltende bezeichnung eines anfängers und stümpers: dieser vers ist wol besser, dann des Witzels vers sind, dan der esel wil vers machen und kan nit quantitates syllabarum .. mann solt den schützen mit gerten streichen, das er so bös vers macht. Alberus widder Witzeln D 1b; wolt jr mich uberdisputiren, und wisset die simplicia nicht? müssets also von den apotekern erfaren? was ist das? wie heiszt das? wolt jr ehr einlegen und seid noch apoteker schützen? Bodenstein das buch paragranum Paracelsi (1565) 13b; darumb so höret auff blerren, dann jr und ewer hohe schlen seind lauter schützen, dann jr tht nichts dann lesen, das ist in dem, und das ist in dem. 73b; gleichwie ein treuer verständiger schulmeister thut, wann seine schüler in dem examine übel bestehen, so setzet er sie von der obersten auff die unterste banck, schilt ihnen die haut voll und sagt: du esel, du schütz, du bärenheuter. Schuppius 654;

ein alter mensch, doch ähnlich einem jungen,
ein abc schütz von gereiften jahren.
Platen 295a;

bei Stieler auch in die sächliche bedeutung des stümperhaften fehlers übergegangen: schütze in scholis etiam dicitur vitium, erratum in exercitiis scholasticis, soloecismus, spalma, menda 1772.
4) schütze, nach studentischem schieszen, wegnehmen, stehlen (vgl. oben sp. 46), der dieb; s. DWB löffelschütz th. 6, 1126.
5) schütze, das sternbild, nach lat. sagittarius: der schütz, unter den zwölf zeichen am himmel, sagittarius Frisch 2, 238b;

zbîling, visch und schütz.
O. v. Wolkenstein 17, 1, 30;

als die sonn' hinterm vorhang erwacht,
vom haus des schützens hervor gieng in pracht.
Rückert Firdosi 3, 314;

im scherzenden spiel mit schütze für liebesgott (vgl. oben 1, a):

dem schützen, doch dem alten nicht,
zu dem die sonne flieht,
der uns ihr fernes angesicht
mit wolken überzieht;
dem knaben sey diesz lied geweiht,
der zwischen rosen spielt,
uns höret und zur rechten zeit
nach schönen herzen zielt.
Göthe 1, 60.


6) figur im schachspiel: der schütz, heiszt auch ein stein im schachspiel, den andere den läuffer heiszen, sagittarius vel cursor in ludo latrunculorum. Frisch 2, 238b.
7) schütze, name des fisches chaetodon rostratus, rüsselfisch, spritzfisch, der wassertropfen auf seine beute, insecten, spritzt. Nemnich 2, 990.
8) schütze, schieszendes webergerät, schieszspule, schiffchen: der schütze Adelung; die weber heiszen ihren schieszspuhlen, schütz, vom durchschieszen. Frisch 2, 238c; das garn zum einschlage wird auf kleinen spuhlen von rohr, wefelspuhlen, gespuhlt. diese werden mit einer spindel (seele) in den kasten des schützens oder schifgens, zwischen den schnellern gesetzt. Beckmann anleit. zur technologie (1777) s. 19; schützen schieben heiszt, wenn die würker weben, weil sie den schützen durch die werft hin und wieder schieszen. Jacobsson 7, 282b. nebenform die schütze, s. d.
9) anderes schütze, vorrichtung zur hemmung und stauung des wassers, schutz (s. d. 5) oder schutzbrett bei einem mühlgerinne; nebenform das schütz und die schütze, s. d.
 
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schütze, f.
1) nebenform zum masc. schütze 8, als webergerät: trama schutzen Dief. 592b; alle schützen sind zwar der gestalt nach gleich, nur eine gröszer als die andere, so wie sie zu den verschiedenen webereyen gebraucht werden.

[Bd. 15, Sp. 2128]


Jacobsson 4, 72a; schützen der bandmühlen. 72b; schützen des bortenwirkers. 73a; auch siebmacher brauchen beim weben des siebes aus pferdehaar oder draht eine schütze 72a;

ein weber solt (sollst du, ein knabe) werden nach jarn ..
darzu hab dir die webers schützen!
die solt du all dein lebtag nützen.
H. Sachs fastn. sp. 5, 26, 313;

wird, die euch soll unterrichten (die braut namens Weber)
können recht die werffte schlichten,
wird die schütz euch läuffig seyn,
tragt ihr saubre faden ein.
A. Gryphius 1698 2, 73.


2) schütze im wasserbau und bei müllern, nebenform zum masc. schütze 9: mit der schütze .. den lauf des wassers in dem gerinne hemmen. Jacobsson 4, 72b.
 
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schutzeisen, n. eisen zum schutz; am degen oder säbel, stichblatt oder bügel. Campe.
 
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schützekraft, f.: das erste dienet dazu, das ich nicht uberwunden werde, das ander, das ich den feind uberwinde und siege, jenes ist ein schützekrafft, aber dies heisset eine wehrekrafft oder siegekrafft. Luther 5, 512b. vgl. DWB schutzkraft.
 
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schützel, m. n. werkzeug zum schutz in verschiedener bedeutung.
1) brustlatz:

under den armen in kützel
und lasz offen deinen schützel
baidenthalb by der seitten. Hätzlerin 2, 85, 174.


2) schützel, klinkel, öffnung, die man in einer schleusenthür zum zu- und ablassen des wassers macht, und mit einem schutzbrett verschlieszt. Jacobsson 4, 72b; auch kleine wassersperre: einen flusz kann man bey dem uhrsprünge mit einem kleinen damm oder schützel hemmen. pers. rosenth. 1, 5.
3) schützel, in Hamburg ein schirm, z. b. vor einem bett, ofen, herde u. s. w. Campe; bei Schütze schüttsel, schirm, den man um ein bett oder den herd stellt, um den zug des windes abzuhalten. 4, 86.
4) als interjection: auf und nyder, hin und wider, kritzel kretzel, schützel schmetzel. Katzip. 30.
 
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schutzempfohlen, part.: der schutzempfohlene, client. Campe.
 
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schutzen, verb.
1) transitiv, mit plötzlichem stosze schwingen, scharf stoszen (vgl. DWB schutz, nebenform zu schusz 1, sp. 2122); als neckisches spiel, einen in die höhe werfen, prellen, schnellen, wippen: da macheten dy jungen pürger am aschermittwochen ein haut zuegericht zum schuzen, darauff sy alle schreiber, leviten, so sy anchomen mochten, auch einen briester, drey leviten hetten geschuzt, darob ir ein tails hetten gemurt. d. städtechr. 15, 45, 11; jeglicher nam ein zipfel in die hand und schutzten mich in die höhe, allermaszen wie die metzger in der fasznacht den Jäckel oder ein hund zu schutzen pflegen. Albertinus landstörzer 1615 94; auch schaukeln: oscillum, ritschuff, daran man sich schutzt. Dief. nov. gl. 274b; wie oft hat euch die mutter in ihren armben als in einer lebendigen wiegen hin und her geschutzet. Abr. a S. Clara 1, 113; und sonst von stoszenden und werfenden bewegungen, mannigfach mundartlich, namentlich im bairischen sprachgebiete: den huet, die kappen, beim tanzen s' derndel in die höh schutzen. Schm. 2, 494; sich aufs rosz, in den flusz schutzen. ebenda; als alte polizeistrafe becken schutzen, strafbare bäcker in der wippe ins wasser werfen, u. a. ebenda; in Tirol schutzen, durch einen schwung oder stosz in schnelle bewegung, besonders nach oben setzen, auf den knieen ein kind schutzen, schaukeln Schöpf 654; ähnlich in Kärnthen Lexer 228; im bayrischen wald schutzen schwingen Frommann 5, 381, u. s. w.
2) intransitives schutzen, auf der Eifel, rasch von statten gehen Frommann 6, 18 (vgl. dazu schutz für eile, oben sp. 2122); in der Schweiz es schutzt, wenn bald die sonne scheint, bald wieder ein regen herabstürzt. Stalder 2, 357.
3) technisches schutzen, an das müllerwort schutz (sp. 2122) angelehnt, das wasser stauen:

damit (mit kasteien) er doch nit mehr verschafft,
und jm vorwar auch nit mehr nutzt,
denn wenn der müller das wasser schutzt
ein tag, zwen, drey auff einen hauffen,
und leszts denn auff ein mal ablauffen.
B. Waldis Esop 4, 30, 58.

nebenform schützen, vgl. das folgende.
 
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schützen, verb.
1) tueri, defendere, arcere; intensivbildung zu dem starken verbum schieszen, ahd. nicht bezeugt, im ags. als scyttan, riegel vorstoszen, sperren, engl. shut, altfries. sketta verschlieszen, mnd., mnl. schutten, einschlieszen, einfriedigen, hindern, wehren, vorhanden, mhd. als schützen seltener und

[Bd. 15, Sp. 2129]


nur in mitteldeutschen quellen auftretend, während im oberdeutschen ein anderes in der form ähnliches verbum beschüten, beschütten, zu schutt wall (sp. 2104) gehörig, den begriff des schirmens ausdrückt (vgl. th. 1, 1599, wo aber die beziehung dieses wortes zu schützen, beschützen anders dargestellt ist). schützen und sein verbalsubstantiv schutz (oben sp. 2120) haben die bedeutung des schirmens und wehrens aus der des absperrens durch riegel und balken bei der vertheidigung des eigenen engeren hauswesens herausgebildet, indesz oberdeutsches beschütten hierbei von wall und landwehr um eine stadt ausgegangen ist. seit dem beginn des nhd. ist das letztere vor dem nach süden dringenden schützen gewichen, doch ist dieses bis zur eigentlichen einbürgerung in oberdeutsche mundarten nicht gediehen.
2) in der bedeutung von schützen liegt die der abhaltung, abwehr, die in der formel schützen und schirmen noch besonders betont ist (vgl. dazu unter schirmen, sp. 216 fg.): weltlich oberkeit sol inen die ere unser lieben frauen, der lieben heiligen und christlich ordnung helfen schützen und bschirmen. Schade sat. u. pasqu. 3, 185, 19; schützen und schirmen defendere Maaler 362d; ähnlich mitteldeutsch schützen unde schûren: her schuzte und schûrte getrûwelich clôstir unde gotishûser. Ködiz 19, 23; schuzt unde schûrt klöster unde arme lüte. 25, 20; mnd.: or lîf unde or gût schutten, schren unde vordedinghen. Schiller - Lübben 4, 156b (von 1395); bisweilen hat sich der begriff der ausflucht ergeben: mein herr mitsampt den andern herren und graffen, die legten faste viel bete an die von innungen und gemeinheit, aber sie schutzten sich faste und sprachen, was in den dingen geschehen were, das hetten innungen und gemeinheit mite verwilliget, darumb musten sie das an die ihren bringen. Spittendorff 152 Opel; wardt Caspar Beyer und ich Marcus Spittendorff mit Zoberts kindern uff die burg geheischet von den thumherren, und die kinder solten ihre gutter auch verlassen. wir schutzten sich, solchs stunde uns hinder der kinder mutter und freunden nicht zu thune. 412; was in schützung (s. d. unten) und in vorschützen (s. d.) geblieben ist. gewöhnlich aber ist schützen wie bewahren, vertheidigen vor einem angriffe oder übel, mit persönlichem und sächlichem subject, transitiv und reflexiv.
a) mit acc.: der könig schützt seine unterthanen; her half und schutzte dî dî vorweisit wâren. Ködiz 17, 14; er kennet meinen namen, darumb wil ich jn schützen. ps. 91, 14; er zoge in seinem harnisch, wie ein helt, und schützet sein heer mit seinem schwert. 1 Macc. 3, 3; Simon eröbert die burg, und leget Jüden darein, die stad Jerusalem und das land zu schützen. 14, 37; einen mit worten schützen, causae patronum existere, patrocinium alicujus suscipere, gerechtigkeit schützen, jus defendere, jus tutari, pro aequitate pugnare, das vaterland schützen, laboranti patriae subvenire, vindicare patriam Stieler 1946;

sus schutzte her den brûdir sîn.
Jeroschin 9791;

gott schütze Frankreich und den könig.
Schiller 13, 186 (jungfrau, prolog 3);

dazu mit persönlichem dativ:

trompeter. ei, da werden wir bald aufsitzen.
wachtm. wohl gar! um dem Baier sein land zu schützen? 12, 19 (Wallenst. lager 4);

mit sächlichem subject: der name des gottes Jacob schütze dich. ps. 20, 2; deine hand schütze das volk deiner rechten. 80, 18;

bis jetzt
war es mein stolz, der meine tugend schützte.
Schiller 5, 2, 236 (Carlos 2, 8);

der baum schützt das haus; warme kleidung schützte den reisenden;

ein denkmal noch, das die gebeine schützt.
Gotter 1, 140;

mit unterdrücktem object: der mantel schützt; namentlich im part.: schützende kleidung; schützende maszregeln ergreifen.
b) dazu mit näheren bestimmungen; ungewöhnlich mit genitiv: das ich s. Petro nicht den primat uber die apostel gebe, und er dem und mehr stücken, drawet widerstand zu thun, helff jm got, er darffs gar wol, .. wir wollen sehen, durch gottes gnaden, wie wir uns des widerstands schützen. Luther 1, 154a;

si lernen sich des wole schutze. ritterspieg. 3839 Bartsch;

gewöhnlich mit präpositionen, einen, sich, etwas vor, wider, gegen einen oder etwas schützen: schütze mich fur denen, so sich wider mich setzen. ps. 59, 2; und er den armen schützete fur elende. 107, 41; weil sie sich selber weder fur krieg noch anderm unglück schützen können. Baruch 6, 49; zücke den spies, und schütze mich wider meine verfolger. ps. 35, 3; der

[Bd. 15, Sp. 2130]


wurdet sich fur fill schadens schutzen. Dürer befest. B 4a; seine landmarcken vor dem feynd schützen unnd schirmen, fines suos ab excursionibus hostium tueri Maaler 363a; gesetz und gewissen schüzen uns oft für verbrechen und lastern. Schiller 3, 518; wer schützte den unmündigen gegen den betrug, der ihn umspann, eh' noch seine sinne geöffnet waren? Klinger 1, 20; ein vor winden, gegen winde geschützter ort;

könt uns schützen für dem sterben
tugend und ein gut geschlecht,
ei so dürfte nicht verderben
diser leib.
Rist Parnasz 184;

schütze mich vor eitlem stolze.
Hagedorn 1, 3;

dasz sogar
die freundschaft meines königs vor dem zorne
der schönheit mich nicht schützen kann.
Schiller 5, 1, 181;

ihr seid ein mann — schützt mich vor diesem priester. 189;

vermeiden sies, in diesen ersten stunden
sich öffentlich zu zeigen, schwerlich möchte sie
der goldne schlüssel vor miszhandlung schützen. 12, 126 (Piccol. 2, 7);

selten von etwas schützen:

dasz du waffen bereitest, vom tode zu schützen die menschen.
Göthe 40, 345;

einen in seinen rechten, bei seinen rechten schützen: Ptolemeus Macron, der die Jüden gern bei recht geschützt hette. 2 Macc. 10, 12; für beide nordische könige war es von gleicher wichtigkeit, Stralsund bey seiner unabhängigkeit zu schützen. Schiller 8, 130; den kaiser ersuchte er in einem demüthigen schreiben, ihn seiner gunst nicht zu berauben und bey den erworbenen würden zu schützen. 143; auch einen über etwas schützen:

bürger wollen oben an, für den edelleuten, sitzen,
geld und perlen, seid und sammt kan sie billich drüber schützen.
Logau 2, 138, 99;

mit abhängigem satze: da solt jr sie schützen, das sie sich an jenen rechen mögen. stücke in Esther 6, 14; ohne object im sprichwort alter schützt vor thorheit nicht.
c) schützen mit dativ:

diu (gnade) schützet wol dem tamme.
Frauenlop 95, 19;

für christen bindet Rom jetzt ketzer an den pfahl.
ihm schützt geweihtes wachs, statt lorbeers, vor dem blitze,
und heidnisch fabelwerk weicht frommer mönche witze.
Lichtwer 227.


3) anderes schützen, nebenform zu schutzen.
a) wie schutzen 1, stoszen, schnellen:

secht wie sie von des berges spitzen
die grösten stein auf uns rab schützen.
H. Sachs 3, 2, 232a.


b) wie schutzen 2, von statten gehen, ergiebig, nachhaltig sein; fränkisch schützen, schutzen, ausgeben, nachhalten, ausdauern Frommann 6, 469; vgl. dazu schützig und schützlich.
c) wie schutzen 3, als müllerwort: schützen, mit dem schutzbrett oder dem schieber, der zwischen den grieszsäulen eines wassermühlengerinnes steht, den lauf des wassers in dem gerinne hemmen, dasz solches nicht auf die wasserräder fallen kann. Jacobsson 4, 72b; danach auch schützen der windmühlen 73a; das wasser schützen Adelung; auch: ein rad, eine mühle wird geschützt; los schützen, die hemmung aufheben:

(die welt) ist trotzig auszgerissen,
wie eine wilde bach, thut was ihr selbst behagt,
lacht, wenn man ihr von gott, und gottes eyffer sagt.
und darumb läst er sich an seiner kirchen sehen,
schützt losz des zornes strom.
Opitz 3, 271.


d) schützen, als rechtswort, dem niederd. schütten, hindern, wehren, pfänden (sp. 2115) entsprechend, vgl. dazu einschützen theil 3, 287; so im westerwäldischen schützen auf feldfrevel ertappen, angeben, pfänden Kehrein 371 (vom sprachgefühl an schütze 2, oben sp. 2126, und flurschütze, feldschütze angelehnt); in Düringen heiszt schützen abpfänden durch den flurhüter, aber auch bei hochzeiten dem brautpaare mit bändern den weg versperren, wofür es sich mit geld lösen musz.
 
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schützenbecher, m. becher einer schützengesellschaft, auch als preis bei einem schieszen gegeben. Keller 8, 174.

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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