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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schutterde bis schüttgut (Bd. 15, Sp. 2115 bis 2118)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schutterde, f. beim wasserbau aus einem graben ausgeworfene erde Jacobsson 4, 39a, umdeutung von schotterde, oben sp. 1613.
 
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schütterfisch, m. name des zitteraals Nemnich.
 
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schütterkopf, m. bezeichnung eines dessen kopf schüttert, wackelt (vgl. dazu schüttelkopf):

wofür siehst du mich an, du tropf?
für einen welken schütterkopf?
Immermann 13, 86.


 
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schüttern, verb. quassare, tremere; erst nhd. begegnende, aber im 16. jahrh. landschaftlich schon verbreitete iterativbildung zu schütten (s. dort), in der bedeutung an das älter bezeugte schütteln rührend, aber doch gegen dieses im allgemeinen stärkeren sinnes, welcher in erschüttern (theil 3, 976) besonders deutlich hervortritt; eigentlich transitives verb neben dem intransitiven schottern (sp. 1613), wie schütteln (oben sp. 2107) neben schotteln, hat es dieses schottern zurückgedrängt und sich selbst neben wahrung seiner transitiven fügung an seine stelle gesetzt. niederdeutsch entspricht schuddern brem. wb. 4, 702, niederl. schudden, schudderen, beven, tremere, horrescere, inhorrere Kilian, aus

[Bd. 15, Sp. 2116]


dem sich unser schaudern hervorgebildet hat, vgl. th. 8, 2306 fg. in älterer hochdeutscher form ist der umlaut auch aufgehalten: schuttern et schüttern, geschuttert et geschüttert, tremere, inhorrescere, quati, concuti, quassari, agitari Stieler 1767; es hat ihm der bauch geschuttert vor lachen, motum cachinni venter indicavit Frisch 2, 237c.
1) schüttern, transitiv, in der bedeutung an schütteln rührend:

(der vogel) schüttert die federn und strecket den leib. wunderhorn 1, 194 Boxberger;

er schüttert mit der hand
die waffen.
Opitz 1, 232;

ihr antlitz schüttert blitz, ihr arm wirft glut auf mich.
Lohenstein Sophonisbe 94, 547;

wie, wann der süd sein schwarz gefieder schüttert,
und auf der see sich als tyrann erhebt,
der ocean bis an den grund erzittert.
Uz 1, 86;

gewöhnlich aber, besonders in neuerer sprache, den stärkeren begriff 'heftig bewegen' deutlich hervorhebend:

um uns waffen
zu verschaffen
schüttert er des berges wipfel.
Göthe 2, 28;

stürzt sie bleich den boden schütternd nieder. 54;

sein schütteln schüttert rittersitze. 13, 54;

ich mag es (das tonwerkzeug) streicheln, schüttern, schlagen, nichts
gewinn ich als ein mürrisches gekreisch.
Uhland ged. 166;

weinendes klagen, freudengekicher
schüttern im schroffen wechsel die luft.
Lenau ged. (1865) 454;

von einer gewaltsamen bewegung des menschlichen inneren:

die gründe zuvor her viel seufftzer von sich geben,
und schüttern ihre brust.
Opitz 1, 44;

selbst den busen des verehrers
schüttert das gewaltge nahen.
Göthe 2, 30;

und in dieser ernsten zeit
schüttert nichts mir so den busen.
Uhland ged. 80;

von fieber, frost, glut: ein feber schuttert sie. Lonicerus von unholden und zaubergeisten (1598) 372; als ... furchtbare aufregung uns allen die glieder schütterte. Freytag ges. aufsätze 1, 78;

doch zittr' ich nicht vor frost; mich schüttert gluth.
Grillparzer 6, 52;

älter auch von lichtbewegungen des metalls, der edelsteine, thautropfen u. ähnl. (vgl. dazu intransitives schüttern 3):

das schimmernde gewehr
gläntzt schrecklicher bey licht und schüttert hin und her
den schnellen widerglantz.
A. Gryphius 1698 1, 93;

das part. schütternd vielfach mit nur verstandenem object: wenn .. der donner schütternd über die berggipfel rollte. Scheffel Ekkeh. 278;

mich daucht ich hört ein schütterndes gebrausz!
A. Gryphius 1, 556;

noch mehr. ich weisz nicht, was die nacht
in meiner tochter kammer
das schütternde getöse macht.
Lessing 1, 50, ältere lesart;

doch eh er aus der schütternden verwirrung
sich sammeln konnte, war Melind' entflohen.
Wieland 2. suppl.-band, s. 172;

in eurem tempel haften wird sein speer:
da schlagen ihn die feldherrn schütternd an.
Uhland ged. 383;

der glocke wonnevoller klang
ertönte schütternd in dem thurme. 399.


2) schüttern, reflexiv: wie sie sich mehr rumpffen, krummen und schuttern würden. Luther 1, 566;

wie würden wir erzittern
und für der straff uns schüttern!
Logau 3, 177, 21;

es schüttert sich der grund, auf dem wir feste stehen.
Haugwitz Maria Stuarda 5, 268.


3) am häufigsten seit dem 16. jahrh. intransitiv, heftig bewegt werden; von grund und boden, geräten, dingen: ein bösz weib schmeiszt wohl die stubenthür zu, dasz die fenster schüttern. Creidius hochzeitspred. 2, 60; es kam gantz plötzlich eine carosse dergestallt schnell die gasze herunter gefahren, dasz die fenster in allen häusern schütterten. cav. im irrgarten 38; stunden auff, und tantzten, dasz das haus schütterte. ehe eines mannes 139; drey meilen im umkreis schütterte die erde. Schiller 9, 60; der tempel schütterte wie ein schiff das unvermuthet ans land stöszt. Göthe 15, 249; der saal schütterte (vom gesange). 23, 7; der wind schnob, pfiff, die wände schütterten. Immermann Münchh. 3, 183; der da bauet auf dem fels, der da ist der glaube, der schüttert nicht und splittert nicht und stehet fest ohne wanken. Auerbach dorfgesch. 3, 149;

[Bd. 15, Sp. 2117]


der grüffte feste mauren zittern,
der frommen leib und gräber schüttern
und gehn hervor.
Mühlpfort 52;

es schüttert, es freut sich dein doppeltes bette.
Günther 926;

die erde bebt, der boden schüttert.
Brockes 7, 375;

dasz von dem donnernden rade
in den schütternden fenstern die scheiben erbeben sollen.
Zachariä 1, 253;

geh, du überschweppender pokal,
löse nun die zungen, bis der saal
von gesang und scherz und lachen schüttert!
Göckingk 3, 66;

als schütterte der boden.
Göthe 9, 244;

sie treten auf, die erde schüttert,
sie schreiten fort, es donnert nach. 41, 221;

diesz sagend, treibt er den gewaltgen speer
mit starken kräften in des rosses hüfte,
es schüttert durch und durch.
Schiller 6, 349 (zerstörung Trojas 9);

und locker schüttert unterm tritt der stein.
J. F. Kind gedichte;

sie luden ihn auf, da schütterte
gleichsam der berg und zitterte.
Rückert Firdosi 3, 300;

der wagen schüttert, beim fahren auf schlechter strasze; ein kahn schüttert;

dann brüllt es an den klippen
und felsen hinan,
dann schüttern die rippen
dem taumelnden kahn.
Overbeck verm. ged. 24;

der nachen schüttert. haltet ein, ich falle.
Grillparzer 8, 185;

im schwanken zweifel dahin getragen
auf dem rastlos schütternden wagen.
Rückert 12, 97;

infinitiv als subst.: das schüttern der erde, terrae motus Steinbach 2, 526;

ei gott bewahr, das gab ein grausam schüttern,
dasz ich es hier bis unterm hintern spürte.
Tieck 1, 270;

da legt er seiner lyra goldne saiten
auf einen mauerstein mit leisem schüttern.
Uhland ged. 126;

da ward an thor und thüren gethan ein harter sturm;
das schüttern konnte spüren die braut auf ihrem thurm.
Rückert 12, 331;

schüttern von einem fallenden:

der wütend plumpe bär
ist für den dünnen ast zu schwer;
der bricht, und er fällt schütternd schnell zu boden.
Lessing 1, 125;

von menschen in seelenbewegung (im Basler neuen testament wird schüttert durch betriebt sich erklärt Frommann 6, 44a, doch kommt das wort hier nicht vor); in angst, schreck, grausen: wen got will angefochten laszen werden, den macht er für (vorher) zappeln, schuttern und streulen. er musz fuer schwach werden und erschrecken, sunst wer es kein anfechtung nicht. Luther krit. ausg. 9, 590, 29;

ist plötzlich schrecken und zittern
ihn ankommen mit viel schüttern.
Glaser phasma 4, 4;

die ergriffne
schwankende seele schütterte dreimal noch, als ihm das herz brach.
Klopstock 4, 56 (Mess. 7, 211);

du schütterst? feiger mann!
Lessing 3, 340;

da, schütternd, wacht ich auf.
Grillparzer 4, 19;

bei jedem schlucke sieht er ihn schüttern.
A. v. Droste-Hülshoff ged. 206;

auch in fröhlichkeit, lachen, wie niederd. schudderen, cachinnari, von Kilian als sicambrisch, d. h. in Geldern, Cleve und Jülich gebräuchlich bezeichnet: wenn er so in unhemmbarem schüttern sich ergosz (Lachmann in froher laune). J. Grimm kl. schriften 1, 161; lachte der strenge conrector Kiesewetter, dasz er schütterte. Freytag erinn. 104; von körpertheilen: es schuttert jm die haut für dem bloszen schwert. Luther 1, 373b; da entferbet sich der könig, und seine gedancken erschreckten jn, das jm die lenden schutterten, und die beine zitterten. Daniel 5, 6; er konnte lachen, dasz ihm der bauch schütterte. Nicolai Seb. Nothanker 1, 14; sie stürzte mit heftiger zärtlichkeit wider seine brust, dasz die locken schütterten. Immermann Münchh. 3, 58; den gewaltsam schütternden, angegrauten kopf (im weinkrampfe). Keller 8, 193;

gleichwie das sprichwort laut:
dem schüldigen schüttert stets die haut.
B. Waldis Esop 4, 98, 138;

mir schüttert haar und haut,
wann, dasz ich denken wil, was ich nur angeschaut.
Opitz 3, 266;

[Bd. 15, Sp. 2118]



wie bebst du, wie schüttern dir
die lenden!
Stolberg 4, 111;

von seelenregungen selbst und dem was sie hervorruft: er hörte ein jammern, das ihm durch die seele schütterte. Auerbach dorfgesch. 1, 170;

wie allmächtige schauer
durch den sterbenden schütterten!
Klopstock 4, 118 (Mess. 8, 293);

ein druck der hand, der durch das leben schüttert.
Hölty 200;

schüttern, bei dichtern des 17. und 18. jahrh. von dem zitterglanze des metalls und edler steine (vgl. dazu oben unter 1): seine augen von dem schimmer der schütternden diamanten und rubine abziehen. Lohenstein Arm. 1, 139a; purper voll schütternden diamanten und brennender rubinen. 241b; der an der seite hängende köcher, und der über der achsel liegende bogen ward allein mit schütternden diamanten .. bedeckt. 1194b;

mein weiszes kleid schaut ich von diamanten schüttern.
A. Gryphius 1698 1, 106;

nichts von schütternden gesteinen. 176;

ein schütternd strahlenheer, desz licht erschrecklich hell
mit zackigter bewegung, liefe.
Brockes 1, 153;

schütternde rubinen
in röhtlich-reger gluht. 197;

ja wenn an den schwanken spitzen
oft ein groszer tropfen hängt,
der den sonnenstrahl empfängt,
strahlt aus ihm ein buntes blitzen.
denn indem die blätter zittern,
zittert auch der strahl zugleich,
dasz sie, blitz und farben-reich,
recht wie zitternadeln, schüttern. 2, 296;

kein schütternder brillant
an einer stoltzen hand. 4, 251;

es sind (in der frühlingsnacht) an den sapphirnen höhen
viel tausend schütternde brillanten im hellen sternenheer zu sehen. 7, 188.


 
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schütterstein, n. art adlerstein, inwendig wasser enthaltend, welches bei bewegung schüttert, aetites enhydros. Nemnich.
 
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schütterung, f. handlung und zustand des schütterns, nach den verschiedenen bedeutungen des verbums: die schütterung, das schüttern, quassatio, concussio, motus violentus, agitatio, commotus Stieler 1767; die löwen machen durch schütterung ihrer mähnen .. sich ansehnlicher. Lohenstein Arm. 2, 87b; eine enge brust nebst dem sogenannten holländischen pipp, der in einer immerwährenden schütterung oder schleichenden frost bestehet. Möser patr. phant. 1, 95;

starke schüttrungen rauschten noch durch die nerven der harfe
weit herunter.
Klopstock 6, 339 (Mess. 15, 366);

es kommt ein wind mit schütterung.
Rückert Firdosi 1, 207.


 
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schüttgabel, f., s. DWB schüttegabel.
 
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schüttgelb, n. besonderer gelber farbenteig aus dem saft der beere des kreuzbeerstrauchs und schiefer- oder bleiweisz; verhüllende umdeutschung aus dem niederl. schijt-gheel, buxeus color, color dilutior luteo Kilian; das englische schüttgelb ist dunkelgelb. Jacobsson 4, 71a; älterer oder violetter zweig mit schüttgelb (in einem stammbaume). Immermann Münchh. 1, 51.
 
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schüttgeld, n., s. DWB schüttegeld.
 
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schüttgraben, m. graben zum fortschütten des unrats: der eegraben oder schüttgraben dardurch man allen wst und unflat fergket, cloaca, latrina. Maaler 96d.
 
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schüttgut, n. in der seefahrt gut oder waare, die in das schiff gestürzt oder geschüttet wird, im gegensatz zum stückgut. Campe.

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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