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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schütten bis schütterung (Bd. 15, Sp. 2111 bis 2118)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schütten, verb. quatere, fundere.
1) formelles. schütten ist eine westgermanische causativbildung zu dem starken verbum ags. scûdan, erschüttert werden, zittern (Adame and Evan ... scomum scûdende, in schmach erschauernd. Guthlac 828), zu dem auch engl. scud geschüttelt werden, fliehen, fällt: ahd. scuttan, scutan, mhd. schütten, schüten, altsächs. scuddian, fries. skedda, schedda, ags. nicht bezeugt, mit den iterativen weiterbildungen schütteln und schüttern (s. d.); zum letzteren gehört auch das ursprünglich niederdeutsche schaudern, aus schuddern entstanden (vgl. theil 8, 2306). ob schütten urverwandt zu lat. quatere ist, wie Noreen urgerm. lautlehre 206 annimmt, musz dahin gestellt bleiben. das umlautlose prät., mhd. schutte, part. geschut, dauert noch im 16. jh., belege im folgenden verstreut.
2) die ursprüngliche bedeutung 'heftig bewegen', wie sie im ahd. fast einzig, im mhd. überwiegend hervortritt, hält sich auch im älteren nhd. noch, wird aber von dem inzwischen ausgebreiteten schütteln bedrängt, in neuerer schriftsprache ganz verdrängt: quassare, quassitare schutten, nd. schudden Dief. 478a; quatere schutten ebenda; quassare schothen, schiten nov. gloss. 311a; bis ins 17. jahrh. vielfach; schüttelnd bewegen (vgl. DWB schütteln 1): zu deme war in dem maderatzen, umb ein gutes weniger wollen, als es die notturft erforderte. wir streckten, schitteten, und bogen jhne, damit er weich werden solte, aber vergebens. Laz. de Tormes (1617) 103;

dô stuont der arme priester und schutte sîne wât. Nibel. 1520, 1;

dar umb ein dor ist, wer all tag
flücht, dem er nit entrynnen mag,
und meynt, wann er syn schellen schütt,
das jnn der dott dar umb säh nitt.
Brant narrenschiff 85, 47;

schwert, schild, speer schütten, in kriegesmute: etlich Teutschen mit einem greulichen gesang (ir art nach), nackend und plosz, ân harnisch, schütten die pafesen auf der achseln, warfens herumb, erschreckten die feind. Aventin chron. 1, 822, 18;

[Bd. 15, Sp. 2112]


Hasenruoʒ der schutt' sîn swert, daʒ eʒ alsô lûte erklanc. minnes. 3, 241a, 7 Hagen;

hui wie schutten sie die sper
dô sie einander sâhen! livländ. reimchron. 1098;

ein befestigungsthurm zu Neuburg an der Donau hiesz schütt den helm:

der turn der haiszet schütt den helm.
Uhland volksl. 303;

mit entsprechenden zusätzen, schüttelnd entfernen, wegbringen (vgl. DWB schütteln 2): die hirten versuochent, welhiu schâf geleben mügen über den winter, und sprengent eiskalteʒ waʒʒer auf ir aller sterz. welheʒ dann daʒ waʒʒer vast von im schütt, daʒ ist stark. Megenberg 154, 21; wie mir iedes wort in sin komen, also hab ichs ungeschliffen durch die federn herausz geschütt. d. städtechron. 11, 804, 5; das joch der eigenschafft ab jm schütten und von jm werffen, jugum servile a cervicibus dejicere Maaler 362d; sich ausz den schulden schütten, seine schulden bezalen, liberare se aere alieno. ebenda; sich ausz der unrw schütten, sich der sorg und my entschlahen, laxare sese molestiis. ebenda, vgl. dazu auch entschütten theil 3, 613 fg.;

schüt recht den teuffel von dem rügk.
Schwarzenberg 139a;

als liebesspiel in der rockenstube:

ich wil dir schütten die agen ab (knecht zur magd).
H. Sachs fastn. sp. 1, 124, 14;

in besonderen festen verbindungen (vergl. dazu schütteln 3): quatere rutteln o. schütten die öpffel. Dief. 478a; der augspurgisch spinnenstecher, welcher der bettlerin den pflaumenbaum schütt. Garg. (1590) 45;

eirpletz tut man von birken schitten (im schlauraffenland).
H. Sachs dicht. 2, 31, 22 Tittmann;

den kopf, das haupt schütten, verneinend, zweifelnd, spöttisch, höhnisch: den kopf schitten, renuere Aventin werke 1, 429, 7;

Neptunus, der gwaltig meer got
der schütt sein kopff in zoren rot.
H. Sachs (1558) 1, 149d;

verachten mich und spoten mein,
spern das maul auff und den kopff schüten. 5, 18c;

du schütst den kopff und drest den bart,
gehst verwegen, dückischer art. fastn. sp. 1, 64, 360;

all die uns sehn, schreien uns nach,
zur straff und schmach,
ir häupt gar hönisch schütten.
B. Waldis psalter 75a (ps. 44, 7);

er schüt den kopff und sprach: nit weysz. Esop 4, 4, 99;

einen schüttet das fieber: andere trinken pfeffer mit wein wider das schütten der fieber. Tabernaemont. 1322; schüttend kalt feber, und mit groszem zitteren durch den gantzen leyb, febris quercera Maaler 362d; das fieber schüttet ihn, aestu febrili jactatur, febri quatitur Stieler 1945; wir liegen jetzt im paroxismo und das fieber schütt uns. Luther tischr. 347b; von da in dem alten häufigen fluche: dasz dich der ritt schütte!, vgl. zahlreiche beispiele unter ritte theil 8, 1052;

das dich der rit schuten müsz! fastn. sp. 35, 13;

du leugst, solt dich der rit schuten! 55, 32;

du pub, des schüt dich der hertzrit.
H. Sachs 2, 4, 12d;

ja, das dich schütte der jarritt! fastn. sp. 2, 96, 86;

das unglück schütte mein maul, dasz es so geneschig ist gewest. Luther tischr. 44b; schütten, reflexiv (vgl. DWB schütteln 4): als jn (den wein) der Nürnberger gekostet, schüttet er sich darvor und sprach, o, der ist gar viel zu starck. Kirchhof wendunm. 149a; wenn ein kühler wind zur frühzeit durch einen garten wehet, so bewegen und schütten sich die jungen bäume. pers. baumg. 9, 2;

sus zôch mîn hêr Gâwân
daʒ ors hin ûʒ ûf den plân.
eʒ schutte sich. Parz. 603, 17,

dô schütte sich der vierte ast.
H. v. Neustadt Apollonius 13298;

vor rechter forcht min lyb sich schütt. trag. Joh. O 8;

bei einem erdbeben:

sich scutita iogilîchothiu erda kraftlîcho.
Otfrid 5, 4, 23;

im haushalt: die milch hat sich geschüttet, lac concretum, coactum, densatum, coagulatum est Stieler 1943; noch jetzt gesagt, vgl. dazu auch das subst. schotten oben sp. 1611; schütten intransitiv (vgl. DWB schütteln 5): ein ertzbefung (erdbeben), dat de huse schutten und de duppen an der want rasselden. d. städtechron. 13, 82, 10. mundartlich hat sich schütten für schütteln weithin erhalten, so alemannisch schütten, abschütten,

[Bd. 15, Sp. 2113]


abschütteln Stalder 2, 356; de chopf schüte, als zeichen der verneinung, miszbilligung, de boum schüte, d' bire schüte, es schütet mi, es schüttelt mich (im fieberfrost) Hunziker 233; bair. den kopf, einen baum, birn, äpfel schütten, es schüttet mich, vor frost Schm. 2, 488; in Kärnthen schütten, rütteln, schütteln Lexer 228; niederd. appel un beren schudden brem. wb. 4, 702; als drohung: ik will di schudden, as een waterhund, dich zerzausen und übel zurichten. ebenda; schüdden schütteln ten Doornkaat Koolman 3, 152b.
3) übergang in die heutige bedeutung zeigt sich zufrühest in ahd. ûʒ scutten refundere Graff 6, 427, breitet sich mhd. aus und gewinnt nach und nach im nhd. die oberhand; den übergang des sinnes vermittelt die vorstellung der schwingenden bewegung, wodurch der inhalt eines gefäszes abwärts gelangt; gewöhnlich sind dem verbum nähere richtungsbestimmungen beigefügt: fundito ich geusz oder schütt herausz embsigklich, confundo ich schütte zusamen, defundere abschütten, in eyn geschirr schütten, diffundo ich geusz oder schütt hin und wider Dasyp.; mit dem acc. einer menge oder flüssigkeit: waʒ man aber zu den parfuszen puch, daʒ schütt man in ein kammern in der pfistrei. d. städtechron. 2, 305, 25; wa sie (die Hussiten) monstrantzen ankamen die namen sie und schutten gots leichnam darausz und lieszens also ligen. 5, 92, 11; sie schutten auch das sacrament ausz an die erden. 25, 320, 10; es sollen auch die müllner ... kainem sein trait oder mell unter des andern trait oder mell schidten. tirol. weisth. 1, 26, 16; und solt nemen das salböle, und auff sein heubt schütten, und jn salben. 2 Mos. 29, 7; und solt .. alles ander blut an des altars hörner schütten. 12; (der priester) sol die asschen aufheben .. und sol sie neben den altar schütten. 3 Mos. 6, 10; sie schütten das gold aus dem beutel. Jes. 46, 6; sie haben das geld zu hauff geschut, das im hause des hern funden ist. 2 chron. 34, 17; er schüttet den reiffen auff die erden wie saltz. Sir. 43, 21; da ward der tröscher erzürnet, erwüscht die milch, vermeint, die seinem gesellen in das angesicht z schütten und schut sy der beürin in den hindern. Wickram rollw. 113, 13 Kurz; wasser in das fheür schütten, das ze löschen, aquam addere flammae Maaler 362d; (soldaten die) ein paar handvoll erbsen auf die erden schütten, die ich auflesen muste. Simpl. 3, 60, 1 Kurz; wasser in den wein schütten, vinum aqua miscere, sive diluere Stieler 1943; das getreide auf den boden schütten, frumentum in tabulato fundere, erde zu den bäumen schütten, aggerare arbores, er schüttet gerste und weizen zusammen, hordeum cum tritico confundit, er schüttet einen haufen hülsenfrüchte darauf, huic leguminum acervos superingerit, koth an eine wand schütten, lutum circa murum adaggerare Steinbach 2, 527; das korn oder ander getreyde, so gemahlen oder geschroten werden soll, in den rump schütten. öconom. lex. 150; plötzlich liesz sich eine hellerleuchtete wolke nieder, und schüttete einen wohlriechenden regen über die gluth. Klinger 10, 194; federn in betten schütten, einschütten, vgl. unten unter schüttung 1; was von dem korne nasz geworden, schütteten wir auf bretter. Keller 4, 29;

(er) schutte im (dem esel) haberen dar in (in das buch)
zwischen ieslîcheʒ blat. pfaffe Amis 234;

und schütte ouf ir gepeine
erden unde steine.
H. v. Neustadt Apollon. 11237;

auf den stapel schüttet die ärndten der erde der kaufmann.
Schiller 11, 87 (spaziergang 118);

schütte die blumen nur her, zu meinen füszen und deinen!
Göthe 1, 304;

schütte die blumen nun doch fort, aus dem schosze den rest. 313;

ein gefäsz leer schütten, voll schütten;

ob wir voll bis oben schütten
alle mulden, körb und bütten.
Voss 5, 28;

in redensarten und sprichwörtern: bier, wein in sich schütten, stark oder hastig trinken: die beym bier erzogen, der hitzigen wein ungewohnet, doch sie wie das bier in sich schütten. Kirchhof mil. discipl. 117; gleich wie die trunckene leute nicht fühlen, was sie leyden, und nicht schmecken, was sie in sich schütten. J. M. Meyfart himml. Jerusalem (1630) 2, 348; wasser in Rheyn schütten oder in see tragen, prov. wort und arbeit verlieren, dicta in dolium pertusum ingerere Maaler 362d; in flammam flammas, in mare fundis aquas, du schüttest, wo es vorhin nasz ist. Dentzler 1, 275a; wer einem geitzigen undankbahren menschen guttes tuht, der schüttet wasser in sand. Butschky Patm. 319; öl in die stürmenden wogen schütten,

[Bd. 15, Sp. 2114]


zur glättung; einem etwas in die schuhe schütten, vgl. oben sp. 1849;

der htt der hewschreck an der sunn
und schüttet wasser jn eyn brunn,
wer httet das syn frow blib frum.
Brant narrensch. 32 überschr.;

bildlich oder unsinnlicher: er hat meine gallen auf die erden geschut. Hiob 16, 13; da verachtung auff die fürsten geschüttet war. ps. 107, 40; er wird stralen uber sie schütten. 140, 11; nun wil ich bald meinen grim uber dich schutten. Hes. 7, 8; diese lere und weisheit hat in dis buch geschrieben, Jesus der son Syrach von Jerusalem, und aus seinem hertzen solche lere geschüttet. Sir. 50, 29; nuen ist das nichs anders gesagt, dan dasz ich meyn sund nemhe und trage sie auff Christum. er schut sie von ersten auff mich. szo musz ich widerumb kummen und die sund wider auff yn schutten. Luther krit. ausg. 9, 655, 14; darumb hatt gott mancherley gaben unter die leut geschüttet. 12, 379, 20; das amt ist gottes, was man aufs amt schüttet, schüttet man auf gott. H. Müller erquickst. 292; ich soll diesen engel würgen? die hölle soll ich in diesen himmlischen busen schütten? Schiller 3, 411 (kab. 2, 5); der mond schüttete seinen fremden tag in die fenster. J. Paul flegelj. 3, 30;

wenn Martial vertraut, selbst mit dem käyser spricht,
und dreusten spott auf hoh und niedre schüttet.
Göckingk 3, 273;

dicht wie hagelschläge
kam post auf post, jedwede schwer beladen
mit deiner thaten ruhm und schüttete
dein lob in sein erstauntes ohr.
Schiller 13, 18 (Macbeth 1, 6);

ja, stünds in meiner macht, ich schüttete
die süsze milch der eintracht in die hölle. 13, 119 (4, 6);

er (Cupido) schüttet die pfeile
zum feuer hinein,
sie herzten und drückten
und wiegten ihn ein.
Göthe 8, 53;

wenn ich des glückes füllhorn dir auf einmal,
nach langem hoffen, vor die füsze schütte. 9, 279;

seltener ohne die erwähnten richtungsbestimmungen: einen schütten, beschütten: (sie) schutten in mit wüster spület. Keisersberg bilg. 76c; einem etwas schütten, schüttend darbringen: den selbigen (götzen) schüttestu dein tranckopffer. Jes. 57, 6; den pferden futter schütten, in die krippe; etwas schütten, schüttend überdecken:

ach welcher wolkenbruch wird nicht dein auge schütten,
wenn es den süszen rest des leeren kleides sieht!
Günther 620;

doch es schütteten speere die Troer,
blinkend und scharfgespitzt.
Voss Ilias 5, 618;

korn schütten, auf den speicher, und so zur verpflegung aufbewahren: item ein jor vor dem krieg do setzet man den leuten korn, daʒ ein ieder, der 200 gulden wert het, 1 sümer korns solt schüten auf sein poden, und welcher 400 gulden wert hat, solt 2 sumer schütten. d. städtechr. 2, 299, 27. 300, 1; item 1448 jar da pot man korn zu Nürmberg zu schüten: wer het 200 gulden, der schütet ein sümer. 10, 169, 1; ehemals in Hessen korn schütten, das ausgedroschene getreide auf dem fruchtboden verwahren Vilmar 375.
4) einen wall schütten, als technisches wort, vgl. dazu schutt 1, a, schütte 2: (sie) schutten eine schut umb die stad. 2 Sam. 20, 15; darumb spricht der herr vom könige zu Assyrien also, er sol nicht in diese stad komen, .. und sol keinen wal drumb schütten. 2 kön. 19, 32; sie suchten ein bollwerk zu schütten und zu häufen. Hippel lebensl. 2, 310; ähnlich:

nicht ist erlaubt, dasz eher ein bad mir rühre die scheitel,
eh ich Patroklus aufs feuer gelegt und geschüttet das grabmal.
Voss Ilias 23, 45;

im heutigen bau- und eisenbahnwesen einen deich, damm, eine rampe, strasze schütten; auch steine schütten, eine steinschüttung machen; als noch gar keine geschüttete straszen hier waren. Arndt leben 222; bair. schütten, erdreich anhäufen, aufhäufen überhaupt, eindämmen, aufdämmen Schm. 2, 489.
5) malz schütten, bei den brauern, zu einem gebräude nehmen: der brauer darf nicht mehr malz schütten, als nöthig ist. Adelung. vgl. dazu schutt 1, c.
6) reflexives schütten: er stach jn damit in den wanst, das sein eingeweide sich auff die erden schüttet. 2 Sam. 20, 10; von thieren sich schütten, junge werfen; hennebergisch-fränkisch di kû schött sich Frommann 4, 308.
7) schütten, ohne object, in verschiedener sprechweise.
a) vom reichlichen regen, unpersönlich es schüttet (vgl. dazu schutt 3, schütte 5); so bairisch es schüttet, regnet stark Schm.

[Bd. 15, Sp. 2115]


2, 489; alemannisch schütte, heftig, in strömen regnen Seiler 265b; ebenso rheinisch Kehrein 370; sie werden warten .. bis es nimmer so arg schüttet. Hebel 3, 88.
b) im forstwesen: der baum schüttet, wenn er reichlich blätter fallen läszt; bei köhlern der meiler schüttet, platzt vom dampfe des inneren feuers Jacobsson 4, 70b.
c) bei den jägern: wölfe, hunde schütten, werfen junge; vgl. dazu reflexives schütten oben 5.
d) in der landwirtschaft: getreide schüttet gut, schlecht, gibt reichlich oder wenig körner; schlecht schüttender rocken. Weserzeitung 1853 3035; auch mit acc. des ertrags: drey schock garben schütteten drey scheffel. Adelung.
e) im bergbau, reichlichen ertrag geben: bergwerck können nicht alle jar schütten. Mathes. Sar. 62a; Erbarsdorff, Geyer, Altenberg haben auch bei mans gedencken trefflich geschüt. 99a; das bergwerk schüttet, die zeche schüttet, wenn viele und reiche anbrüche in der grube vorhanden Jacobsson 7, 282a.
f) schütten, von der abgabe des zins- oder lohngetreides; bair. heut müssen die bauern wider schütten, dienstgetreide entrichten Schm. 2, 489; dem hirten schütten, ihm sein bestimmtes getreide geben Adelung; mit accusativ: in Obersachsen musz ein jeder dem huthmanne das lohngetreide nach der hufe schütten. ebenda.
g) bairisch von flüssen schütten, anschütten, erdreich anschwemmen, aufschwemmen Schm. 2, 489. vgl. dazu schütte 1.
 
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schütten, verb. übernahme des (dem hochdeutschen schützen entsprechenden) niederl. niederd. schutten.
1) im wasserbau, das wasser stauen oder aufhalten; nach niederl. schutten, ophouden, sistere, remorari, impedire, obstare Kilian; ohne umlaut schutten Jacobsson 4, 70b, vgl. dazu aber schüttung 2.
2) durch eine fallthüre zurück halten, fremdes vieh in den pfandstall setzen (brem. wb. 4, 723), mnd. schutten, schützen, einschlieszen, einfriedigen, um etwas vor angriffen oder gegen entweichen zu bewahren, hindern, wehren (Schiller - Lübben 4, 156b); in der besonderen rechtlichen bedeutung des pfändens (ebenda 157a): dasz nach uralter observanz zu mastzeiten das mastvieh im Nortrupper bruche ungehütet gehe, und wann solches auszerhalb dem bruche verstreichet, .. solches keineswegs geschüttet werden dürfe. Möser patr. phant. 3, 213. vgl. dazu schüttegeld, schüttrecht, -stall.
 
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schüttenstroh, s. DWB schüttstroh.
 
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schütter, m.
1) der da schüttet oder schüttelt; als forstknecht für das schütteln der eicheln von den bäumen: und swenne ecker wirt, so sol der vorstmaister niwer ainen schütter haben. Nürnb. pol. 302; auch in entschütter (s. d.).
2) einmaliges schütteln: der panzaun soll so vest und starkh gemacht sein, wann der ambtman darauf steht und drey schitter thuet, und ine derselbe panzaun ane alles mittel erhalten khan, so stark soll er seyn. weisth. 3, 681 (Wilzhut in Östreich); auch anfall von schüttelfrost; bei Stieler 1945 ohne umlaut schutter, horror, tremor, trepidatio; bair. schütter, starker regengusz Schm. 2, 489.
3) nach dem zweiten schütten, niederd., der da einschlieszt und pfändet: teichschütter, custos aggerum, qui pecora oberrantia includit, inclusor Frisch 2, 237b.
 
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schütter, adj. für schitter, vgl. oben sp. 228: zwischen den obersten, schwanken, schütteren zweigen der hecke. Anzengruber 2, 179.
 
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schutterde, f. beim wasserbau aus einem graben ausgeworfene erde Jacobsson 4, 39a, umdeutung von schotterde, oben sp. 1613.
 
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schütterfisch, m. name des zitteraals Nemnich.
 
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schütterkopf, m. bezeichnung eines dessen kopf schüttert, wackelt (vgl. dazu schüttelkopf):

wofür siehst du mich an, du tropf?
für einen welken schütterkopf?
Immermann 13, 86.


 
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schüttern, verb. quassare, tremere; erst nhd. begegnende, aber im 16. jahrh. landschaftlich schon verbreitete iterativbildung zu schütten (s. dort), in der bedeutung an das älter bezeugte schütteln rührend, aber doch gegen dieses im allgemeinen stärkeren sinnes, welcher in erschüttern (theil 3, 976) besonders deutlich hervortritt; eigentlich transitives verb neben dem intransitiven schottern (sp. 1613), wie schütteln (oben sp. 2107) neben schotteln, hat es dieses schottern zurückgedrängt und sich selbst neben wahrung seiner transitiven fügung an seine stelle gesetzt. niederdeutsch entspricht schuddern brem. wb. 4, 702, niederl. schudden, schudderen, beven, tremere, horrescere, inhorrere Kilian, aus

[Bd. 15, Sp. 2116]


dem sich unser schaudern hervorgebildet hat, vgl. th. 8, 2306 fg. in älterer hochdeutscher form ist der umlaut auch aufgehalten: schuttern et schüttern, geschuttert et geschüttert, tremere, inhorrescere, quati, concuti, quassari, agitari Stieler 1767; es hat ihm der bauch geschuttert vor lachen, motum cachinni venter indicavit Frisch 2, 237c.
1) schüttern, transitiv, in der bedeutung an schütteln rührend:

(der vogel) schüttert die federn und strecket den leib. wunderhorn 1, 194 Boxberger;

er schüttert mit der hand
die waffen.
Opitz 1, 232;

ihr antlitz schüttert blitz, ihr arm wirft glut auf mich.
Lohenstein Sophonisbe 94, 547;

wie, wann der süd sein schwarz gefieder schüttert,
und auf der see sich als tyrann erhebt,
der ocean bis an den grund erzittert.
Uz 1, 86;

gewöhnlich aber, besonders in neuerer sprache, den stärkeren begriff 'heftig bewegen' deutlich hervorhebend:

um uns waffen
zu verschaffen
schüttert er des berges wipfel.
Göthe 2, 28;

stürzt sie bleich den boden schütternd nieder. 54;

sein schütteln schüttert rittersitze. 13, 54;

ich mag es (das tonwerkzeug) streicheln, schüttern, schlagen, nichts
gewinn ich als ein mürrisches gekreisch.
Uhland ged. 166;

weinendes klagen, freudengekicher
schüttern im schroffen wechsel die luft.
Lenau ged. (1865) 454;

von einer gewaltsamen bewegung des menschlichen inneren:

die gründe zuvor her viel seufftzer von sich geben,
und schüttern ihre brust.
Opitz 1, 44;

selbst den busen des verehrers
schüttert das gewaltge nahen.
Göthe 2, 30;

und in dieser ernsten zeit
schüttert nichts mir so den busen.
Uhland ged. 80;

von fieber, frost, glut: ein feber schuttert sie. Lonicerus von unholden und zaubergeisten (1598) 372; als ... furchtbare aufregung uns allen die glieder schütterte. Freytag ges. aufsätze 1, 78;

doch zittr' ich nicht vor frost; mich schüttert gluth.
Grillparzer 6, 52;

älter auch von lichtbewegungen des metalls, der edelsteine, thautropfen u. ähnl. (vgl. dazu intransitives schüttern 3):

das schimmernde gewehr
gläntzt schrecklicher bey licht und schüttert hin und her
den schnellen widerglantz.
A. Gryphius 1698 1, 93;

das part. schütternd vielfach mit nur verstandenem object: wenn .. der donner schütternd über die berggipfel rollte. Scheffel Ekkeh. 278;

mich daucht ich hört ein schütterndes gebrausz!
A. Gryphius 1, 556;

noch mehr. ich weisz nicht, was die nacht
in meiner tochter kammer
das schütternde getöse macht.
Lessing 1, 50, ältere lesart;

doch eh er aus der schütternden verwirrung
sich sammeln konnte, war Melind' entflohen.
Wieland 2. suppl.-band, s. 172;

in eurem tempel haften wird sein speer:
da schlagen ihn die feldherrn schütternd an.
Uhland ged. 383;

der glocke wonnevoller klang
ertönte schütternd in dem thurme. 399.


2) schüttern, reflexiv: wie sie sich mehr rumpffen, krummen und schuttern würden. Luther 1, 566;

wie würden wir erzittern
und für der straff uns schüttern!
Logau 3, 177, 21;

es schüttert sich der grund, auf dem wir feste stehen.
Haugwitz Maria Stuarda 5, 268.


3) am häufigsten seit dem 16. jahrh. intransitiv, heftig bewegt werden; von grund und boden, geräten, dingen: ein bösz weib schmeiszt wohl die stubenthür zu, dasz die fenster schüttern. Creidius hochzeitspred. 2, 60; es kam gantz plötzlich eine carosse dergestallt schnell die gasze herunter gefahren, dasz die fenster in allen häusern schütterten. cav. im irrgarten 38; stunden auff, und tantzten, dasz das haus schütterte. ehe eines mannes 139; drey meilen im umkreis schütterte die erde. Schiller 9, 60; der tempel schütterte wie ein schiff das unvermuthet ans land stöszt. Göthe 15, 249; der saal schütterte (vom gesange). 23, 7; der wind schnob, pfiff, die wände schütterten. Immermann Münchh. 3, 183; der da bauet auf dem fels, der da ist der glaube, der schüttert nicht und splittert nicht und stehet fest ohne wanken. Auerbach dorfgesch. 3, 149;

[Bd. 15, Sp. 2117]


der grüffte feste mauren zittern,
der frommen leib und gräber schüttern
und gehn hervor.
Mühlpfort 52;

es schüttert, es freut sich dein doppeltes bette.
Günther 926;

die erde bebt, der boden schüttert.
Brockes 7, 375;

dasz von dem donnernden rade
in den schütternden fenstern die scheiben erbeben sollen.
Zachariä 1, 253;

geh, du überschweppender pokal,
löse nun die zungen, bis der saal
von gesang und scherz und lachen schüttert!
Göckingk 3, 66;

als schütterte der boden.
Göthe 9, 244;

sie treten auf, die erde schüttert,
sie schreiten fort, es donnert nach. 41, 221;

diesz sagend, treibt er den gewaltgen speer
mit starken kräften in des rosses hüfte,
es schüttert durch und durch.
Schiller 6, 349 (zerstörung Trojas 9);

und locker schüttert unterm tritt der stein.
J. F. Kind gedichte;

sie luden ihn auf, da schütterte
gleichsam der berg und zitterte.
Rückert Firdosi 3, 300;

der wagen schüttert, beim fahren auf schlechter strasze; ein kahn schüttert;

dann brüllt es an den klippen
und felsen hinan,
dann schüttern die rippen
dem taumelnden kahn.
Overbeck verm. ged. 24;

der nachen schüttert. haltet ein, ich falle.
Grillparzer 8, 185;

im schwanken zweifel dahin getragen
auf dem rastlos schütternden wagen.
Rückert 12, 97;

infinitiv als subst.: das schüttern der erde, terrae motus Steinbach 2, 526;

ei gott bewahr, das gab ein grausam schüttern,
dasz ich es hier bis unterm hintern spürte.
Tieck 1, 270;

da legt er seiner lyra goldne saiten
auf einen mauerstein mit leisem schüttern.
Uhland ged. 126;

da ward an thor und thüren gethan ein harter sturm;
das schüttern konnte spüren die braut auf ihrem thurm.
Rückert 12, 331;

schüttern von einem fallenden:

der wütend plumpe bär
ist für den dünnen ast zu schwer;
der bricht, und er fällt schütternd schnell zu boden.
Lessing 1, 125;

von menschen in seelenbewegung (im Basler neuen testament wird schüttert durch betriebt sich erklärt Frommann 6, 44a, doch kommt das wort hier nicht vor); in angst, schreck, grausen: wen got will angefochten laszen werden, den macht er für (vorher) zappeln, schuttern und streulen. er musz fuer schwach werden und erschrecken, sunst wer es kein anfechtung nicht. Luther krit. ausg. 9, 590, 29;

ist plötzlich schrecken und zittern
ihn ankommen mit viel schüttern.
Glaser phasma 4, 4;

die ergriffne
schwankende seele schütterte dreimal noch, als ihm das herz brach.
Klopstock 4, 56 (Mess. 7, 211);

du schütterst? feiger mann!
Lessing 3, 340;

da, schütternd, wacht ich auf.
Grillparzer 4, 19;

bei jedem schlucke sieht er ihn schüttern.
A. v. Droste-Hülshoff ged. 206;

auch in fröhlichkeit, lachen, wie niederd. schudderen, cachinnari, von Kilian als sicambrisch, d. h. in Geldern, Cleve und Jülich gebräuchlich bezeichnet: wenn er so in unhemmbarem schüttern sich ergosz (Lachmann in froher laune). J. Grimm kl. schriften 1, 161; lachte der strenge conrector Kiesewetter, dasz er schütterte. Freytag erinn. 104; von körpertheilen: es schuttert jm die haut für dem bloszen schwert. Luther 1, 373b; da entferbet sich der könig, und seine gedancken erschreckten jn, das jm die lenden schutterten, und die beine zitterten. Daniel 5, 6; er konnte lachen, dasz ihm der bauch schütterte. Nicolai Seb. Nothanker 1, 14; sie stürzte mit heftiger zärtlichkeit wider seine brust, dasz die locken schütterten. Immermann Münchh. 3, 58; den gewaltsam schütternden, angegrauten kopf (im weinkrampfe). Keller 8, 193;

gleichwie das sprichwort laut:
dem schüldigen schüttert stets die haut.
B. Waldis Esop 4, 98, 138;

mir schüttert haar und haut,
wann, dasz ich denken wil, was ich nur angeschaut.
Opitz 3, 266;

[Bd. 15, Sp. 2118]



wie bebst du, wie schüttern dir
die lenden!
Stolberg 4, 111;

von seelenregungen selbst und dem was sie hervorruft: er hörte ein jammern, das ihm durch die seele schütterte. Auerbach dorfgesch. 1, 170;

wie allmächtige schauer
durch den sterbenden schütterten!
Klopstock 4, 118 (Mess. 8, 293);

ein druck der hand, der durch das leben schüttert.
Hölty 200;

schüttern, bei dichtern des 17. und 18. jahrh. von dem zitterglanze des metalls und edler steine (vgl. dazu oben unter 1): seine augen von dem schimmer der schütternden diamanten und rubine abziehen. Lohenstein Arm. 1, 139a; purper voll schütternden diamanten und brennender rubinen. 241b; der an der seite hängende köcher, und der über der achsel liegende bogen ward allein mit schütternden diamanten .. bedeckt. 1194b;

mein weiszes kleid schaut ich von diamanten schüttern.
A. Gryphius 1698 1, 106;

nichts von schütternden gesteinen. 176;

ein schütternd strahlenheer, desz licht erschrecklich hell
mit zackigter bewegung, liefe.
Brockes 1, 153;

schütternde rubinen
in röhtlich-reger gluht. 197;

ja wenn an den schwanken spitzen
oft ein groszer tropfen hängt,
der den sonnenstrahl empfängt,
strahlt aus ihm ein buntes blitzen.
denn indem die blätter zittern,
zittert auch der strahl zugleich,
dasz sie, blitz und farben-reich,
recht wie zitternadeln, schüttern. 2, 296;

kein schütternder brillant
an einer stoltzen hand. 4, 251;

es sind (in der frühlingsnacht) an den sapphirnen höhen
viel tausend schütternde brillanten im hellen sternenheer zu sehen. 7, 188.


 
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schütterstein, n. art adlerstein, inwendig wasser enthaltend, welches bei bewegung schüttert, aetites enhydros. Nemnich.
 
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schütterung, f. handlung und zustand des schütterns, nach den verschiedenen bedeutungen des verbums: die schütterung, das schüttern, quassatio, concussio, motus violentus, agitatio, commotus Stieler 1767; die löwen machen durch schütterung ihrer mähnen .. sich ansehnlicher. Lohenstein Arm. 2, 87b; eine enge brust nebst dem sogenannten holländischen pipp, der in einer immerwährenden schütterung oder schleichenden frost bestehet. Möser patr. phant. 1, 95;

starke schüttrungen rauschten noch durch die nerven der harfe
weit herunter.
Klopstock 6, 339 (Mess. 15, 366);

es kommt ein wind mit schütterung.
Rückert Firdosi 1, 207.

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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