Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schüttelmann bis schütter (Bd. 15, Sp. 2107 bis 2115)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schüttelmann, m.: persönlichkeiten, die seit jahren ein geschäft daraus machten, die rüttel- und schüttelmänner an den staatlichen und kirchlichen einrichtungen zu sein. Frankfurter journal vom 1. märz 1872.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schütteln, verb. heftig hin- und her bewegen, ahd. scutilôn, mhd. schütelen, schütteln, iterativbildung zu schütten (s. d.); in activer bedeutung neben dem passiven schotteln (das aber auch bairisch bisweilen für schütteln steht), vgl. oben sp. 1611.
1) transitives schütteln: quatere schutteln, schuttlen Dief. 478a; quassare scuttelen nov. gloss. 311a; schüttlen, unden auffschupfen, succutere Maaler 362d; schüttelen, quassare, quatere, bransler Schottel 1411; reimende formel rütteln und schütteln, vergl. theil 8, 1570; blosz im sinne des wiederholten hastigen bewegens: einen, etwas schütteln; eine fackel schütteln, lampada quassare Stieler 1945; eine säule schütteln, columnam succutere Steinbach 2, 526; sô nu die dünst lang gevehtent in den höhn, sô wirt ir stôzen ze letst sô stark, daʒ si auʒ prechent mit gewalt und werfent ainen perg auf den andern. mügent aber si niht auʒ geprechen, zehant so schütelnt si doch daʒ ertreich vast. daʒ schüteln ist zwairlai. daʒ ain ist, daʒ daʒ ertreich gêt wackelnd sam ein schef lanksam .. daʒ ander pidem ist, daʒ diu erd schotelt snell, sam dâ ainr den andern mit den henden schütelt. Megenberg 108, 5. 14; wen man ein stücklin fleisch in ein senf stoszet und wirft es einer katzen oder einem hund dar, so isset sie es nit gleich, sie schüttels mit den dopen (pfoten) als lang, bis der senf darvon kumpt, dann isset sie es. Keisersberg herr künig 84a; federn, betten schütteln; sprichwörtlich: man kann die streu nicht schütteln, so lang man im bett liegt. Auerbach dorfgesch. 3, 237; der gefangene schüttelt seine ketten; die knechtschaft, die ihre ketten schüttelt und dem urheber ihres elends flucht. Schiller 9, 177; körnerfrucht in einem siebe, sacke schütteln;

den dreck rütlen
und im syp herumher schütlen.
Murner schelmenzunft 11, 18;

eine wiege schütteln, bewegen, um das kind einzuschläfern:

reiche worte, breite tittel,
sind des hofes süszer brey,
und die wiege, die man schüttel,
bisz das kind entschlafen sey.
Logau 3, 208;

kleider, röcke schütteln; schüttelt den sack, so steht er strack. Garg. (1590) 75;

schüttel den kittel,
das hembd geht für. Ambras. liederb. 236, 11;

würfel, lose, den lostopf schütteln: würdest du dreust genug sein, die würfel zu schütteln, und die freche wette mit gott einzugehen? Schiller 3, 130 (Fiesko 4, 14);

jezt aber
ruft das geschick mich fort, das auf dem schlachtfeld
noch richtend sitzt und seine loose schüttelt. 13, 272 (jungfrau 3, 6);

(als das alte weib) mit dürrer hand
den loosztopf schüttelte, griff, mein verhängnis fand (wahrsagend).
Hagedorn 1, 63;

etwas zusammen, durcheinander schütteln; die sämmtlichen nationen, in den fürchterlichsten kriegen durcheinander geschüttelt, sodann wieder auf sich selbst einzeln zurückgeführt. Göthe 46, 241;

[Bd. 15, Sp. 2108]


lasz das chaos diese welt umrütteln,
durch einander die atomen schütteln.
Schiller 1, 286;

der wind schüttelt die bäume;

wie wirbelwind schüttelt das röhrich im moor.
Bürger 60a;

mich schüttelt's jetzt, doch so nur, wie der wind
den schierling schüttelt, der in blüte steht.
Hebbel 1, 239;

den kopf schütteln, vor alter denselben nicht steif halten können, caput non immotum tenere posse Frisch 2, 237b (verschieden unten 3, c);

so haben Tantals enkel fluch auf fluch
mit vollen wilden händen ausgesät!
und gleich dem unkraut, wüste häupter schüttelnd
und tausendfältgen samen um sich streuend,
den kindeskindern nahverwandte mörder
zur ewgen wechselwuth erzeugt!
Göthe 9, 45;

mit besonderem nebensinne: den speer, spiesz schütteln, in kampfmute:

räckt iergend dan der Mars den stutzkopff auch embor,
und schüttelte den spiesz, wie damals oft geschehen,
so lies insonderheit auch der sich tapffer sehen,
der herr von Rappoltstein.
Rompler 106;

einen schütteln, in zorn, oder um ihn der unbeweglichkeit oder trägheit zu entreiszen (vgl. auch einen aufschütteln th. 1, 732): nur du kleiner hauf hieltest mir den rücken frei: ich hatte mit den kerls vor mir genug zu thun. der fall ihres hauptmanns half mir sie schütteln, und sie flohen. Göthe 8, 100; wenn es wahr ist .. dasz ihr nur meine person geliebt, so zeigt es dadurch, dasz ihr das ebenbild derselben recht schüttelt, .. und ordentlich, obwol christlich, chikaniert und vexirt. J. Paul flegelj. 1, 15; er schüttelt ihn (einen anderen gewaffneten). Keller 9, 255; einen schlafenden schütteln, um ihn zu wecken;

die welt hats schütteln hoch vonnöthen,
sie ist so wunderwinzig klein.
Schubart (1825) 3, 9;

einem den säckel schütteln, verhüllend für plündern: er ... hat auff der straszen etlichen kauffleuten den säckel geschüttelt. Pauli schimpf 156a; den bauch schütteln, beim lachen: indessen bin ich doch entschlossen, diesen brief mit zu übersetzen, wollen doch einige gern ihre bäuche schütteln, nachdem sie ein wenig ernsthaft ausgesehen haben. M. Mendelssohn bei Lessing 13, 8; des teufels groszmutter aber schüttelt beim lachen die runzeln:

last mich auch schütteln die alten runzeln (Lillis spricht). fastn. sp. 902, 16;

schütteln mit unterdrücktem object: der wagen schüttelt, gewährt beim fahren keinen ruhigen sitz; das pferd schüttelt, wenn es hart trabt; das schütteln der pferde, succussus equorum Stieler 1945, vgl. dazu schüttler; ich schüttele, aber es fällt nichts aus dem sack; damit hauen sie nach dem gerechten, ob sie in fellen möchten und schlachten, das ist nicht allein tödten sondern nach ihrem mutwillen in im wülen und schüdlen. Luther 1, 531a; auf geistiges bezogen: kommt ein solcher in eine gesellschaft, so ist er ein krümchen sauerteig, der das ganze hebt .. er schüttelt, er bewegt, bringt lob oder tadel zur sprache. Göthe 36, 6; im inf. oder particip: wie mancher kan durch wagendes schüttelens (schüttelndes) lachen einen ungeraden, magenrumpeligen, därmspenstigen und bauchängistigen furtz vertreiben. Garg. (1590) 14; so lieszen wir doch nit nach .. sie mit schüttlen zu bewegen, bis sie sich endlich von selbst regte und portugesisch anfieng zu reden. Simpl. 2, 226, 35 Kurz; ein schüttelnder sturmwind. J. Paul uns. loge 1, 8;

wurgen unde rütteln,
ziehen und schütteln
mit zwangen und mit hemeren
muosten sie dô pflegen vil.
die nagel wâren über zil
getriben in des creuzes pogen (bei Christi abnahme).
H. v. Neustadt gotes zuokunft 3273.


2) aber auch, mit entsprechenden präpositionalen oder adverbialen beisätzen, durch schütteln lösen, treiben, entfernen, eigentlich und übertragen: etwas fort, weg, von sich schütteln, vgl. auch abschütteln, ausschütteln; den meidlein die agen (spreu) schütteln (ein spiel, vgl. unten schütten 1). Garg. (1590) 442; fein weit, wie unserer frantzösischen hofleut stiffel die man von füszen schüttelt. 471; die faulheit ab ihm schütteln, excutere pigritiam Dentzler 2, 257b; ich schüttle euren segen von mir. nehmt ihn zurück. Klinger 1, 26; er .. schüttelte etwas aus dem auge. J. Paul gesp. 1, 125;

eben hatte der weichende winter von stürmischen schwingen
seine letzten schaure von rieselndem hagel geschüttelt.
Zachariä Murner in d. hölle (1757) s. 5;

[Bd. 15, Sp. 2109]



er. schütte die blumen nun doch fort, aus dem schoose den rest!
sie. nun, ich schüttle sie weg, die schönen.
Göthe 1, 313;

einer wird in der welt herum geschüttelt;

heute da, herr vetter, und morgen dort —
wie einen der rauhe kriegesbesen
fegt und schüttelt von ort zu ort.
Schiller 12, 20 (Wallenst. lager 5);

einen aus den federn schütteln, aus dem schlafe empor jagen: haben wir sie aus den federn geschüttelt? Schiller 2, 97 (räub. 2, 3);

er aber kann, wie er auch stürmt und flieht,
den bangen ruf nicht schütteln aus den ohren.
Lenau Faust 94;

ein joch, dienstbarkeit, die knechtschaft von sich schütteln; den staub von seinen füszen schütteln, sinnbildlich beim entfernen: und wo euch jemand nicht annemen wird, noch ewer rede hören, so gehet eraus, von demselben hause oder stad, und schüttelt den staub von ewren füszen. Matth. 10, 14; (die juden) erweckten eine verfolgunge uber Saulum und Barnaban, und stieszen sie zu jren grentzen hinaus. sie aber schüttelten den staub von jren füszen uber sie und kamen gen Iconion. ap. gesch. 13, 51;

wie leicht der jüngling schwere lasten trägt
und fehler wie den staub vom kleide schüttelt.
Göthe 9, 163.


3) transitives schütteln in besonderen festen oder formelhaften verbindungen.
a) bäume schütteln, um die frucht davon zu gewinnen, mit anlehnung an die bedeutung oben 1: einen baum schütteln, agitare arborem manibus et corporis pondere, ut fructus decidant qui maturi sunt Frisch 2, 237b; wenn du deinen olebaum hast geschüttelt, so soltu nicht nach schütteln, es sol des frembdlingen, des waisen und der widwen sein. 5 Mos. 24, 20; als wenn man einen olbaum schüttelt, das zwo oder drey beer blieben oben in dem wipffe. Jes. 17, 6; ohne object:

du süsze pomeranze,
ich schüttle, fühl, ich schüttle,
o fall in meinen schoos!
Göthe 2, 99;

anders, und angelehnt an 2, die frucht vom baume schütteln; obst, äpfel, birnen schütteln; pflaumen schütteln Adelung; freier:

aber vollen blüthenregen
schüttelt schon der laue west.
Göthe 1, 132;

bildlich:

weil das leben reif und voll,
eine frucht man brechen soll,
und die andre schütteln.
Brentano ges. schr. 2, 593;

dann Syrier, sitz fest auf deinem thron,
sonst schüttelt Juda dich wie reifes obst.
Ludwig 3, 393;

es wäre doch immer hübscher, sagte Philine, wenn man die kinder von den bäumen schüttelte. Göthe 19, 4.
b) etwas aus dem ärmel schütteln, ohne mühe und vorbereitung hervorbringen, zufrühest auf eine predigt bezogen, und mit anspielung auf die weiten ärmel eines geistlichen, wie solche beim vortrage bewegt werden; eine predigt aus dem ärmel schütteln, sine praemeditatione, subito atque ex tempore concionem habere Stieler 1945;

das wer ein schlimmer socius,
ein grober rültz und knollius,
der nicht solt aus dem ermel fort
ein predigt schütteln.
Hollonius somnium 28, 465 neudruck;

nachher auf worte überhaupt bezogen: eine rede aus dem ermel schütteln, sine praemeditatione sermonem facere Frisch 2, 237b (der eine andere erklärung gibt: wie die markschreyer eyer in einen sack bringen, darinnen vorher keine gewesen, die sie aus dem ermel schütteln); auf jede frage, so unerwartet und unbequem sie ihm seyn mag, eine antwort aus dem ärmel zu schütteln. Wieland 6, 45; konnte ich ihm manches gedicht aufsagen, das der alte in früheren jahren aus dem ärmel geschüttelt hatte. Freytag erinn. 91; selbst von begebenheiten: darüber stiesz ich — ehre sei dem freundlichen zufalle! auf die launigste begebenheit, die er je aus seinem weiten ärmel geschüttelt hat. Thümmel 3, 182. wol angelehnt daran etwas aus dem munde schütteln:

könig. man musz sie (gesandte) wohl bewirthen
und jedem eine goldne kette reichen.
worüber lachst du? Dunois. dasz du goldne ketten
aus deinem munde schüttelst.
Schiller 13, 191 (jungfrau 1, 2).


c) den kopf, das haupt schütteln, dafür auch mit dem kopfe, dem haupte schütteln, zeichen der verweigerung, verneinung: den kopf schütteln zu etwas, quassando caput abnuere Frisch 2, 237b; darum winseln auch die geister des abgrunds,

[Bd. 15, Sp. 2110]


aber der im himmel schüttelt das haupt. Schiller 2, 185 (räuber 5, 1); sie aber schüttelte den kopf und sagte, man solle sie ruhig lassen. J. Gotthelf Uli d. knecht 322;

merkst du nicht des satans list? ...
schüttle deinen kopf und sprich:
fleuch, du alte schlange!
P. Gerhardt 136, 9;

schüttelnd drauf sein kleines häuptlein
sprach der held zu Tulifäntchen.
Immermann 12, 70;

frei, in bezug auf einen wirtlichen baum:

nun fragt ich nach der schuldigkeit,
da schüttelt er den wipfel.
Uhland ged. 61;

zeichen des zweifels, der ungläubigen verwunderung, miszbilligung auch spöttisch, höhnend gebraucht, vgl. dazu kopfschütteln und kopfschüttelnd th. 5, 1779, auch die locken schütteln th. 6, 1104: es wil ihnen nicht schmecken, schütteln die köpffe. Schoch stud. leben 60, 31 Fabricius; Spiegelberg schüttelt den kopf. nein! nein! nein! das kann nicht sein. Schiller 2, 33 (räub. 1, 2); sie sagen mir, der herr major habe immer den kopf zu ihrer regierung geschüttelt. 3, 421 (kabale 3, 1); der vater schüttelte hierüber den kopf, der oberamtmann nickte. Göthe 21, 130; der dicke ritter Wibod, der bei den versen den groszen kopf schüttelte und finster darein sah. Freytag bild. 1, 334; mochten die philister den kopf schütteln, wenn das fünfzigjährige kind im tollen übermuth des Brentanobluts manchmal ein rad schlug. Treitschke 4, 418;

sie dürfen vielmehr mich
in meiner bittern angst mit bitterm hon verlachen,
und schütlend jhren kopf mit spot
auch krumme mäuler machen.
Weckherlin 87;

du kannst nicht sagen, ich wars! schüttle
die blutgen locken nicht so gegen mich! (Macbeth zum geiste).
Schiller 13, 85;

so sasz der dumpfe forscher manche stunde,
von seinen zweifelqualen stets betäubter;
bedenklich schütteln über ihm die häupter
die alten eichen in verschwiegner runde.
Lenau Faust 20;

dafür nur schütteln: weil in der bis ins einzelne durchgeführten fabel manche widersprüche hie und da hervortreten und selbst den gläubigsten hörer schütteln und irre machen. Göthe 45, 201; die schüttelte traurig und sagte nein. Ludwig 1, 116;

denn wahrlich hab
ich sehr auf euch gerechnet ... dasz
ich allzeit offne kasse bei euch hätte.
ihr schüttelt?
Lessing 2, 209 (Nathan 1, 3);

den kopf schütteln, von mutigen, ungeduldigen rossen:

(der hengst) duldet kaum
am schüttelenden kopff das nasband und den zaum.
Rompler 127;

die ohren schütteln, vom esel:

(wir) lassen ihn als ledgen esel laufen,
dasz er die ohren schütteln mög' und grasen
auf offner weide. Shakesp. Julius Cäsar 4, 13.


d) einem die hand, sich die hände schütteln, bei grusz, im einverständnis: die hände schütteln, zum zeichen der treuherzigkeit Adelung;

traulich kam die mutter herbei und küszte sie herzlich,
schüttelte hand in hand.
Göthe 40, 334;

da schüttelt, froh des noch erlebten tags,
dem heimgekehrten sohn der greis die hände.
Schiller 12, 89 (Piccolom. 1, 4);

sei mir gegrüszt und lasz die hand dir schütteln!
Geibel 7, 48.


e) einen schütteln, vom fieber, schauer, grausen, frost: das fieber schüttelt mich Adelung; schon das wort Doria schüttelt sie wie ein fieberfrost. Schiller 3, 49; (Karl Moor) von schauer geschüttelt. 2, 162;

ein schütteln, wie vor frost, in allen bäumen.
Hebbel 1, 77;

unpersönlich: mich schüttelts; schüttelts dich? 133.
4) schütteln, reflexiv: der hund schüttelt sich, um aus seinem fell die wassertropfen los zu werden; ich fühlte meinen zustand, und er lag schwer auf mir; ich schüttelte mich vergebens. Wieland 20, 314; die nahen bäume schüttelten sich wie tauben süszschauernd in seinem (des nordostwinds) bade. J. Paul Tit. 2, 219; die junge nachtigall wetzte den abgefütterten schnabel am zweige und schüttelte sich lustig. 3, 41; das springt, bockt, bäumt, stöszt, rennt um mich her, das schüttelt sich, rüttelt sich, tänzelt, schwänzelt, hänselt (vor ausgelassener freude). Immermann 2, 72;

schon schüttelt sich der gaul am leichten schlitten,
sein schütteln ist musik.
Schubart 2 (1787), 276;

[Bd. 15, Sp. 2111]



da nannt ich sie alle bei namen laut:
was willst du, Anne? was willst du, Beth?
da rüttelten sie sich, da schüttelten sie sich
und liefen und heulten davon.
Göthe 1, 173;

und wie in einer nacht ergraut
ein unglückselig haupt,
hat sich heut nacht das vaterland
geschüttelt und entlaubt.
Keller 9, 279;

sich schütteln, vor ekel, grauen: pfui, pfui! mir eckelt. nase, augen, ohren schütteln sich. Schiller 2, 52 (räuber 1, 3); vor einer spinne schütteln wir uns. 3, 474 (kab. 5, 1).
5) schütteln, intransitiv, geschüttelt werden, statt des alten schotteln (oben sp. 1611), selten, in alten quellen, später nicht mehr: die frau .. lachet doch das sie schüttelt. d. städtechron. 11, 694, 24; stnd er und lacht, das er schüttlet. Wickram rollw. 55, 11 Kurz.
6) schütteln statt schütten: hier wurde er erbittert, und schüttelte auf einmal das kind mit sammt dem bade aus, und fiel in meine rede. Heinse schriften (1838) 1, 253.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schütteler, schüttler, m. einer der schüttelt: schütteler, schüttelerinn, mas et fœmina agitans, jactans, commovens, succutiens, quassans Stieler 1945; eine feindliche hand schüttelte den loostopf .. der schüttler der urne schrie. Klinger 1, 59; schütteler von harttrabenden pferden, succussores, succussatores. ebenda; plötzlicher regengusz, wie schütter (s. d.), im Schwarzwald: man horchte still hinaus, ob das wetter noch nicht nachlasse, das wütete aber immer toller, wie aus riesigen wurfeln schüttete es immer wieder, und jeder letzte 'schüttler' schien der gewaltigste. Auerbach dorfgesch. 3, 131; bezeichnung eines frostanfalles im fieber: schüttler, febris, quae frigore corpus concutit Frisch 2, 236b als vulgär; vergl. dazu schüttel 1; fluchend:

ey das geh dich der schütler ahn.
H. Sachs 3, 3, 8b;

flucht aber ubel in dem hoff
den schüttler, trüsz und auch die beuln. 4, 3, 11d.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schüttelreiter, m. beim seiler ein siebartiger rahmen, auf dem das hanfwerg durch schütteln von den schaben gereinigt wird: schüttelreuter Jacobsson 4, 70b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schüttelstock, m. langer stock zum schütteln des hanfwergs auf dem schüttelreiter. ebenda.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schüttelung, schüttlung, f. handlung des schüttelns: schüttelung, succussio, agitatio Steinbach 2, 526; schüttelung von kälte, horror ex frigore, tremor ex algore Stieler 1945; eine bebung, die die schüttelung der ganzen erdkugel hätte nach sich ziehen müssen. Kant 9, 36.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schütten, verb. quatere, fundere.
1) formelles. schütten ist eine westgermanische causativbildung zu dem starken verbum ags. scûdan, erschüttert werden, zittern (Adame and Evan ... scomum scûdende, in schmach erschauernd. Guthlac 828), zu dem auch engl. scud geschüttelt werden, fliehen, fällt: ahd. scuttan, scutan, mhd. schütten, schüten, altsächs. scuddian, fries. skedda, schedda, ags. nicht bezeugt, mit den iterativen weiterbildungen schütteln und schüttern (s. d.); zum letzteren gehört auch das ursprünglich niederdeutsche schaudern, aus schuddern entstanden (vgl. theil 8, 2306). ob schütten urverwandt zu lat. quatere ist, wie Noreen urgerm. lautlehre 206 annimmt, musz dahin gestellt bleiben. das umlautlose prät., mhd. schutte, part. geschut, dauert noch im 16. jh., belege im folgenden verstreut.
2) die ursprüngliche bedeutung 'heftig bewegen', wie sie im ahd. fast einzig, im mhd. überwiegend hervortritt, hält sich auch im älteren nhd. noch, wird aber von dem inzwischen ausgebreiteten schütteln bedrängt, in neuerer schriftsprache ganz verdrängt: quassare, quassitare schutten, nd. schudden Dief. 478a; quatere schutten ebenda; quassare schothen, schiten nov. gloss. 311a; bis ins 17. jahrh. vielfach; schüttelnd bewegen (vgl. DWB schütteln 1): zu deme war in dem maderatzen, umb ein gutes weniger wollen, als es die notturft erforderte. wir streckten, schitteten, und bogen jhne, damit er weich werden solte, aber vergebens. Laz. de Tormes (1617) 103;

dô stuont der arme priester und schutte sîne wât. Nibel. 1520, 1;

dar umb ein dor ist, wer all tag
flücht, dem er nit entrynnen mag,
und meynt, wann er syn schellen schütt,
das jnn der dott dar umb säh nitt.
Brant narrenschiff 85, 47;

schwert, schild, speer schütten, in kriegesmute: etlich Teutschen mit einem greulichen gesang (ir art nach), nackend und plosz, ân harnisch, schütten die pafesen auf der achseln, warfens herumb, erschreckten die feind. Aventin chron. 1, 822, 18;

[Bd. 15, Sp. 2112]


Hasenruoʒ der schutt' sîn swert, daʒ eʒ alsô lûte erklanc. minnes. 3, 241a, 7 Hagen;

hui wie schutten sie die sper
dô sie einander sâhen! livländ. reimchron. 1098;

ein befestigungsthurm zu Neuburg an der Donau hiesz schütt den helm:

der turn der haiszet schütt den helm.
Uhland volksl. 303;

mit entsprechenden zusätzen, schüttelnd entfernen, wegbringen (vgl. DWB schütteln 2): die hirten versuochent, welhiu schâf geleben mügen über den winter, und sprengent eiskalteʒ waʒʒer auf ir aller sterz. welheʒ dann daʒ waʒʒer vast von im schütt, daʒ ist stark. Megenberg 154, 21; wie mir iedes wort in sin komen, also hab ichs ungeschliffen durch die federn herausz geschütt. d. städtechron. 11, 804, 5; das joch der eigenschafft ab jm schütten und von jm werffen, jugum servile a cervicibus dejicere Maaler 362d; sich ausz den schulden schütten, seine schulden bezalen, liberare se aere alieno. ebenda; sich ausz der unrw schütten, sich der sorg und my entschlahen, laxare sese molestiis. ebenda, vgl. dazu auch entschütten theil 3, 613 fg.;

schüt recht den teuffel von dem rügk.
Schwarzenberg 139a;

als liebesspiel in der rockenstube:

ich wil dir schütten die agen ab (knecht zur magd).
H. Sachs fastn. sp. 1, 124, 14;

in besonderen festen verbindungen (vergl. dazu schütteln 3): quatere rutteln o. schütten die öpffel. Dief. 478a; der augspurgisch spinnenstecher, welcher der bettlerin den pflaumenbaum schütt. Garg. (1590) 45;

eirpletz tut man von birken schitten (im schlauraffenland).
H. Sachs dicht. 2, 31, 22 Tittmann;

den kopf, das haupt schütten, verneinend, zweifelnd, spöttisch, höhnisch: den kopf schitten, renuere Aventin werke 1, 429, 7;

Neptunus, der gwaltig meer got
der schütt sein kopff in zoren rot.
H. Sachs (1558) 1, 149d;

verachten mich und spoten mein,
spern das maul auff und den kopff schüten. 5, 18c;

du schütst den kopff und drest den bart,
gehst verwegen, dückischer art. fastn. sp. 1, 64, 360;

all die uns sehn, schreien uns nach,
zur straff und schmach,
ir häupt gar hönisch schütten.
B. Waldis psalter 75a (ps. 44, 7);

er schüt den kopff und sprach: nit weysz. Esop 4, 4, 99;

einen schüttet das fieber: andere trinken pfeffer mit wein wider das schütten der fieber. Tabernaemont. 1322; schüttend kalt feber, und mit groszem zitteren durch den gantzen leyb, febris quercera Maaler 362d; das fieber schüttet ihn, aestu febrili jactatur, febri quatitur Stieler 1945; wir liegen jetzt im paroxismo und das fieber schütt uns. Luther tischr. 347b; von da in dem alten häufigen fluche: dasz dich der ritt schütte!, vgl. zahlreiche beispiele unter ritte theil 8, 1052;

das dich der rit schuten müsz! fastn. sp. 35, 13;

du leugst, solt dich der rit schuten! 55, 32;

du pub, des schüt dich der hertzrit.
H. Sachs 2, 4, 12d;

ja, das dich schütte der jarritt! fastn. sp. 2, 96, 86;

das unglück schütte mein maul, dasz es so geneschig ist gewest. Luther tischr. 44b; schütten, reflexiv (vgl. DWB schütteln 4): als jn (den wein) der Nürnberger gekostet, schüttet er sich darvor und sprach, o, der ist gar viel zu starck. Kirchhof wendunm. 149a; wenn ein kühler wind zur frühzeit durch einen garten wehet, so bewegen und schütten sich die jungen bäume. pers. baumg. 9, 2;

sus zôch mîn hêr Gâwân
daʒ ors hin ûʒ ûf den plân.
eʒ schutte sich. Parz. 603, 17,

dô schütte sich der vierte ast.
H. v. Neustadt Apollonius 13298;

vor rechter forcht min lyb sich schütt. trag. Joh. O 8;

bei einem erdbeben:

sich scutita iogilîchothiu erda kraftlîcho.
Otfrid 5, 4, 23;

im haushalt: die milch hat sich geschüttet, lac concretum, coactum, densatum, coagulatum est Stieler 1943; noch jetzt gesagt, vgl. dazu auch das subst. schotten oben sp. 1611; schütten intransitiv (vgl. DWB schütteln 5): ein ertzbefung (erdbeben), dat de huse schutten und de duppen an der want rasselden. d. städtechron. 13, 82, 10. mundartlich hat sich schütten für schütteln weithin erhalten, so alemannisch schütten, abschütten,

[Bd. 15, Sp. 2113]


abschütteln Stalder 2, 356; de chopf schüte, als zeichen der verneinung, miszbilligung, de boum schüte, d' bire schüte, es schütet mi, es schüttelt mich (im fieberfrost) Hunziker 233; bair. den kopf, einen baum, birn, äpfel schütten, es schüttet mich, vor frost Schm. 2, 488; in Kärnthen schütten, rütteln, schütteln Lexer 228; niederd. appel un beren schudden brem. wb. 4, 702; als drohung: ik will di schudden, as een waterhund, dich zerzausen und übel zurichten. ebenda; schüdden schütteln ten Doornkaat Koolman 3, 152b.
3) übergang in die heutige bedeutung zeigt sich zufrühest in ahd. ûʒ scutten refundere Graff 6, 427, breitet sich mhd. aus und gewinnt nach und nach im nhd. die oberhand; den übergang des sinnes vermittelt die vorstellung der schwingenden bewegung, wodurch der inhalt eines gefäszes abwärts gelangt; gewöhnlich sind dem verbum nähere richtungsbestimmungen beigefügt: fundito ich geusz oder schütt herausz embsigklich, confundo ich schütte zusamen, defundere abschütten, in eyn geschirr schütten, diffundo ich geusz oder schütt hin und wider Dasyp.; mit dem acc. einer menge oder flüssigkeit: waʒ man aber zu den parfuszen puch, daʒ schütt man in ein kammern in der pfistrei. d. städtechron. 2, 305, 25; wa sie (die Hussiten) monstrantzen ankamen die namen sie und schutten gots leichnam darausz und lieszens also ligen. 5, 92, 11; sie schutten auch das sacrament ausz an die erden. 25, 320, 10; es sollen auch die müllner ... kainem sein trait oder mell unter des andern trait oder mell schidten. tirol. weisth. 1, 26, 16; und solt nemen das salböle, und auff sein heubt schütten, und jn salben. 2 Mos. 29, 7; und solt .. alles ander blut an des altars hörner schütten. 12; (der priester) sol die asschen aufheben .. und sol sie neben den altar schütten. 3 Mos. 6, 10; sie schütten das gold aus dem beutel. Jes. 46, 6; sie haben das geld zu hauff geschut, das im hause des hern funden ist. 2 chron. 34, 17; er schüttet den reiffen auff die erden wie saltz. Sir. 43, 21; da ward der tröscher erzürnet, erwüscht die milch, vermeint, die seinem gesellen in das angesicht z schütten und schut sy der beürin in den hindern. Wickram rollw. 113, 13 Kurz; wasser in das fheür schütten, das ze löschen, aquam addere flammae Maaler 362d; (soldaten die) ein paar handvoll erbsen auf die erden schütten, die ich auflesen muste. Simpl. 3, 60, 1 Kurz; wasser in den wein schütten, vinum aqua miscere, sive diluere Stieler 1943; das getreide auf den boden schütten, frumentum in tabulato fundere, erde zu den bäumen schütten, aggerare arbores, er schüttet gerste und weizen zusammen, hordeum cum tritico confundit, er schüttet einen haufen hülsenfrüchte darauf, huic leguminum acervos superingerit, koth an eine wand schütten, lutum circa murum adaggerare Steinbach 2, 527; das korn oder ander getreyde, so gemahlen oder geschroten werden soll, in den rump schütten. öconom. lex. 150; plötzlich liesz sich eine hellerleuchtete wolke nieder, und schüttete einen wohlriechenden regen über die gluth. Klinger 10, 194; federn in betten schütten, einschütten, vgl. unten unter schüttung 1; was von dem korne nasz geworden, schütteten wir auf bretter. Keller 4, 29;

(er) schutte im (dem esel) haberen dar in (in das buch)
zwischen ieslîcheʒ blat. pfaffe Amis 234;

und schütte ouf ir gepeine
erden unde steine.
H. v. Neustadt Apollon. 11237;

auf den stapel schüttet die ärndten der erde der kaufmann.
Schiller 11, 87 (spaziergang 118);

schütte die blumen nur her, zu meinen füszen und deinen!
Göthe 1, 304;

schütte die blumen nun doch fort, aus dem schosze den rest. 313;

ein gefäsz leer schütten, voll schütten;

ob wir voll bis oben schütten
alle mulden, körb und bütten.
Voss 5, 28;

in redensarten und sprichwörtern: bier, wein in sich schütten, stark oder hastig trinken: die beym bier erzogen, der hitzigen wein ungewohnet, doch sie wie das bier in sich schütten. Kirchhof mil. discipl. 117; gleich wie die trunckene leute nicht fühlen, was sie leyden, und nicht schmecken, was sie in sich schütten. J. M. Meyfart himml. Jerusalem (1630) 2, 348; wasser in Rheyn schütten oder in see tragen, prov. wort und arbeit verlieren, dicta in dolium pertusum ingerere Maaler 362d; in flammam flammas, in mare fundis aquas, du schüttest, wo es vorhin nasz ist. Dentzler 1, 275a; wer einem geitzigen undankbahren menschen guttes tuht, der schüttet wasser in sand. Butschky Patm. 319; öl in die stürmenden wogen schütten,

[Bd. 15, Sp. 2114]


zur glättung; einem etwas in die schuhe schütten, vgl. oben sp. 1849;

der htt der hewschreck an der sunn
und schüttet wasser jn eyn brunn,
wer httet das syn frow blib frum.
Brant narrensch. 32 überschr.;

bildlich oder unsinnlicher: er hat meine gallen auf die erden geschut. Hiob 16, 13; da verachtung auff die fürsten geschüttet war. ps. 107, 40; er wird stralen uber sie schütten. 140, 11; nun wil ich bald meinen grim uber dich schutten. Hes. 7, 8; diese lere und weisheit hat in dis buch geschrieben, Jesus der son Syrach von Jerusalem, und aus seinem hertzen solche lere geschüttet. Sir. 50, 29; nuen ist das nichs anders gesagt, dan dasz ich meyn sund nemhe und trage sie auff Christum. er schut sie von ersten auff mich. szo musz ich widerumb kummen und die sund wider auff yn schutten. Luther krit. ausg. 9, 655, 14; darumb hatt gott mancherley gaben unter die leut geschüttet. 12, 379, 20; das amt ist gottes, was man aufs amt schüttet, schüttet man auf gott. H. Müller erquickst. 292; ich soll diesen engel würgen? die hölle soll ich in diesen himmlischen busen schütten? Schiller 3, 411 (kab. 2, 5); der mond schüttete seinen fremden tag in die fenster. J. Paul flegelj. 3, 30;

wenn Martial vertraut, selbst mit dem käyser spricht,
und dreusten spott auf hoh und niedre schüttet.
Göckingk 3, 273;

dicht wie hagelschläge
kam post auf post, jedwede schwer beladen
mit deiner thaten ruhm und schüttete
dein lob in sein erstauntes ohr.
Schiller 13, 18 (Macbeth 1, 6);

ja, stünds in meiner macht, ich schüttete
die süsze milch der eintracht in die hölle. 13, 119 (4, 6);

er (Cupido) schüttet die pfeile
zum feuer hinein,
sie herzten und drückten
und wiegten ihn ein.
Göthe 8, 53;

wenn ich des glückes füllhorn dir auf einmal,
nach langem hoffen, vor die füsze schütte. 9, 279;

seltener ohne die erwähnten richtungsbestimmungen: einen schütten, beschütten: (sie) schutten in mit wüster spület. Keisersberg bilg. 76c; einem etwas schütten, schüttend darbringen: den selbigen (götzen) schüttestu dein tranckopffer. Jes. 57, 6; den pferden futter schütten, in die krippe; etwas schütten, schüttend überdecken:

ach welcher wolkenbruch wird nicht dein auge schütten,
wenn es den süszen rest des leeren kleides sieht!
Günther 620;

doch es schütteten speere die Troer,
blinkend und scharfgespitzt.
Voss Ilias 5, 618;

korn schütten, auf den speicher, und so zur verpflegung aufbewahren: item ein jor vor dem krieg do setzet man den leuten korn, daʒ ein ieder, der 200 gulden wert het, 1 sümer korns solt schüten auf sein poden, und welcher 400 gulden wert hat, solt 2 sumer schütten. d. städtechr. 2, 299, 27. 300, 1; item 1448 jar da pot man korn zu Nürmberg zu schüten: wer het 200 gulden, der schütet ein sümer. 10, 169, 1; ehemals in Hessen korn schütten, das ausgedroschene getreide auf dem fruchtboden verwahren Vilmar 375.
4) einen wall schütten, als technisches wort, vgl. dazu schutt 1, a, schütte 2: (sie) schutten eine schut umb die stad. 2 Sam. 20, 15; darumb spricht der herr vom könige zu Assyrien also, er sol nicht in diese stad komen, .. und sol keinen wal drumb schütten. 2 kön. 19, 32; sie suchten ein bollwerk zu schütten und zu häufen. Hippel lebensl. 2, 310; ähnlich:

nicht ist erlaubt, dasz eher ein bad mir rühre die scheitel,
eh ich Patroklus aufs feuer gelegt und geschüttet das grabmal.
Voss Ilias 23, 45;

im heutigen bau- und eisenbahnwesen einen deich, damm, eine rampe, strasze schütten; auch steine schütten, eine steinschüttung machen; als noch gar keine geschüttete straszen hier waren. Arndt leben 222; bair. schütten, erdreich anhäufen, aufhäufen überhaupt, eindämmen, aufdämmen Schm. 2, 489.
5) malz schütten, bei den brauern, zu einem gebräude nehmen: der brauer darf nicht mehr malz schütten, als nöthig ist. Adelung. vgl. dazu schutt 1, c.
6) reflexives schütten: er stach jn damit in den wanst, das sein eingeweide sich auff die erden schüttet. 2 Sam. 20, 10; von thieren sich schütten, junge werfen; hennebergisch-fränkisch di kû schött sich Frommann 4, 308.
7) schütten, ohne object, in verschiedener sprechweise.
a) vom reichlichen regen, unpersönlich es schüttet (vgl. dazu schutt 3, schütte 5); so bairisch es schüttet, regnet stark Schm.

[Bd. 15, Sp. 2115]


2, 489; alemannisch schütte, heftig, in strömen regnen Seiler 265b; ebenso rheinisch Kehrein 370; sie werden warten .. bis es nimmer so arg schüttet. Hebel 3, 88.
b) im forstwesen: der baum schüttet, wenn er reichlich blätter fallen läszt; bei köhlern der meiler schüttet, platzt vom dampfe des inneren feuers Jacobsson 4, 70b.
c) bei den jägern: wölfe, hunde schütten, werfen junge; vgl. dazu reflexives schütten oben 5.
d) in der landwirtschaft: getreide schüttet gut, schlecht, gibt reichlich oder wenig körner; schlecht schüttender rocken. Weserzeitung 1853 3035; auch mit acc. des ertrags: drey schock garben schütteten drey scheffel. Adelung.
e) im bergbau, reichlichen ertrag geben: bergwerck können nicht alle jar schütten. Mathes. Sar. 62a; Erbarsdorff, Geyer, Altenberg haben auch bei mans gedencken trefflich geschüt. 99a; das bergwerk schüttet, die zeche schüttet, wenn viele und reiche anbrüche in der grube vorhanden Jacobsson 7, 282a.
f) schütten, von der abgabe des zins- oder lohngetreides; bair. heut müssen die bauern wider schütten, dienstgetreide entrichten Schm. 2, 489; dem hirten schütten, ihm sein bestimmtes getreide geben Adelung; mit accusativ: in Obersachsen musz ein jeder dem huthmanne das lohngetreide nach der hufe schütten. ebenda.
g) bairisch von flüssen schütten, anschütten, erdreich anschwemmen, aufschwemmen Schm. 2, 489. vgl. dazu schütte 1.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schütten, verb. übernahme des (dem hochdeutschen schützen entsprechenden) niederl. niederd. schutten.
1) im wasserbau, das wasser stauen oder aufhalten; nach niederl. schutten, ophouden, sistere, remorari, impedire, obstare Kilian; ohne umlaut schutten Jacobsson 4, 70b, vgl. dazu aber schüttung 2.
2) durch eine fallthüre zurück halten, fremdes vieh in den pfandstall setzen (brem. wb. 4, 723), mnd. schutten, schützen, einschlieszen, einfriedigen, um etwas vor angriffen oder gegen entweichen zu bewahren, hindern, wehren (Schiller - Lübben 4, 156b); in der besonderen rechtlichen bedeutung des pfändens (ebenda 157a): dasz nach uralter observanz zu mastzeiten das mastvieh im Nortrupper bruche ungehütet gehe, und wann solches auszerhalb dem bruche verstreichet, .. solches keineswegs geschüttet werden dürfe. Möser patr. phant. 3, 213. vgl. dazu schüttegeld, schüttrecht, -stall.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schüttenstroh, s. DWB schüttstroh.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schütter, m.
1) der da schüttet oder schüttelt; als forstknecht für das schütteln der eicheln von den bäumen: und swenne ecker wirt, so sol der vorstmaister niwer ainen schütter haben. Nürnb. pol. 302; auch in entschütter (s. d.).
2) einmaliges schütteln: der panzaun soll so vest und starkh gemacht sein, wann der ambtman darauf steht und drey schitter thuet, und ine derselbe panzaun ane alles mittel erhalten khan, so stark soll er seyn. weisth. 3, 681 (Wilzhut in Östreich); auch anfall von schüttelfrost; bei Stieler 1945 ohne umlaut schutter, horror, tremor, trepidatio; bair. schütter, starker regengusz Schm. 2, 489.
3) nach dem zweiten schütten, niederd., der da einschlieszt und pfändet: teichschütter, custos aggerum, qui pecora oberrantia includit, inclusor Frisch 2, 237b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schütter, adj. für schitter, vgl. oben sp. 228: zwischen den obersten, schwanken, schütteren zweigen der hecke. Anzengruber 2, 179.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

Artikel 11 bis 20 von 41 Nächste Treffer Vorherige Treffer
11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
Artikel 11 bis 20 von 41 Nächste Treffer Vorherige Treffer