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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schusterzange bis schuszbrett (Bd. 15, Sp. 2085 bis 2097)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schusterzange, f. zange, deren sich die schuster bedienen. Campe.

[Bd. 15, Sp. 2086]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schusterzeug, m. n. das sämmtliche handwerksgerät eines schusters Campe; stromenti da calzolaio. der gantze schusterzeug, bündel eines schuhknechts. Kramer diction. 2, 674b. so schon im 15. jh.: item ain ganzen schusterzeug und v stückl leder. Germ. 16, 77. jetzt gewöhnlich als neutr., vgl. DWB zeug.
 
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schusterzwecke, f. zwecke, kurzer nagel, womit der schuster das leder auf den leisten befestigt Jacobsson 4, 70a, auch schusterzweck, m. Hügel 144b und schusterstift, ferner schuhzweck(e), vgl. daselbst sp. 1867: ballennägel sind im grunde nicht mehr und nicht weniger als — ehrliche schusterzwecken, womit der schuhmacher das leder auf dem leisten befestiget. Siegfr. von Lindenb.4 1, 165; spillbaum, spindelbaum, zweckholz, heiszt der euonymus Europaeus, weil sein hartes, gelbliches holz zu spindeln oder spillen und zu schusterzwecken gebraucht wird. Voss 4, 309.
 
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schusz, m. handlung des schieszens, den verschiedenen bedeutungen des verbs entsprechend. nominalbildung zu schieszen, vergl. daselbst über urverwandtschaft, in dieser form nur westgermanisch nachweisbar. goth. ganz unbezeugt, altn. nur als neutraler a - stamm skot vorhanden (vergl. schosz sp. 1595 ff.). dagegen im westgermanischen als i-stamm (*skutiz), so ags. scyte Bosworth-Toller 848a, mnl. scote, bei Kilian scheut, schote und scheute, jetzt holl. scheut, s. Franck 846, mnd. schote, masc., daneben schote, schete, f. Schiller-Lübben 4, 124b, ahd. scuʒ, jactus, jaculum, plur. scuʒʒi Graff 6, 562, mhd. schuʒ, plur. schüʒʒe, daneben schutz, schütze Lexer handwb. 2, 837. vgl. ferner Fick3 3, 337. Weigand 2, 653. Kluge5 339a. im nhd. bietet die form wenig abweichungen. zuweilen begegnet schosz für schusz, s. DWB schosz 3, b (sp. 1597), ferner: von newen tzeittung ist nichtz sunders, dan das die keyserlich maiestat am elfften tag des monatz septembris hat angefangen zu schyessen inn Padua, und hat geschossen bis auff den tzwelfften tag, und hat hondert und viertzig schösz mit grossen puxssen darangetan. Weller d. ersten d. zeitungen s. 12; und z erst traff er Rulanden mit dem gere ... aber der schosz berort jm die haut nit. Fierabras F 5a;

mit den si quamen zo den porten,
die schos, slaich noch worp envorten.
G. Hagen boich von Colne 2465.

umgekehrt schusz für schosz, geschosz: iaculum schosze ... schusz Dief. gl. 282c; sagitta ... schoisz, schusz 507b. wichtiger und häufiger ist die nebenform schutz. sie läszt sich kaum aus dem j erklären, das in einigen formen (gen. pl.) in der flexion der i - stämme erscheinen muszte; vielleicht ist anlehnung an schütze, geschütz anzunehmen. sie ist besonders im 15. und 16. jahrh. sehr häufig (s. die belege unter schutz) und herrscht noch heute in Schweizer mundarten (schuz, plur. schüz), siehe Hunziker 234. Seiler 265b. Bühler Davos 1, 128. sonst weichen die hochd. mundarten nicht von der sprachform der schriftsprache ab. die nd. setzen meist die mnd. form fort als schöte brem. wb. 4, 647. Dähnert 410b, schȫt, schȫte ten Doornkaat Koolman 3, 139b, schöt Richey 239, westfäl. schüet Woeste 233b, schött, schötte Strodtmann 204, schott (= schosz) Danneil 186b. andere gegenden haben das wort aufgegeben.der plural ist schüsse. vereinzelt findet sich nach zahlwörtern auch unverändertes schusz: da sich gedachtes schiff etwas besser zu uns nahete, geschahen aus demselbigen zween schusz. Simpl. 2, 282, 22 Kurz; so holt noch einige, und wenn der Joseph gefunden ist, geben wir 3 schusz nach einander. Auerbach Joseph 127; zehn schusz pfeil bei Rückert Firdosi 2, 114, s. II, 2, e.
die bedeutung gliedert sich entsprechend der des verbums.
I. zum intransitiven schieszen,
1) im eigentlichen sinne, 'eine schnelle unaufhaltsame bewegung, wie wenn z. b. ein wagen ohne hemmschuh einen berg hinabrollt' Sartorius 114; einen schusz thun auf etwas, far' un lancio, uno sguizzo, it. lanciarsi, auventarsi, scagliarsi sù qualche cosa. mit einem schusz auf etwas fallen, idem Kramer dict. 2, 521b.
a) so von menschen: einen schusz auf einen machen, auf ihn zustürzen Schöpf 653; anlauf: er tuet e schuz und stot denn wider still. Hunziker 234; in der gaunersprache einen schusz nehmen, davonlaufen Avé-Lallemant 4, 606; heftigkeit der bewegung, hast: er sei nämlich, wie eine in unaufhaltsamem fluge begriffene kugel über das ziel, .. hinausgeschossen .. habe freilich, sobald er des irrthums inne geworden sei, kehrt gemacht, indessen doch durch seinen übermäszigen schusz zeit und weg verloren. Immermann Münchhausen 2, 168. bildlich: das schelmen - duplikat wurde in seinem schusse

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und flusse blos durch einen floszrechen aufgehalten, der ihnen den raub aus den hechtzähnen zu ziehen drohte. J. Paul Titan 3, 146. so auch:

der leckermunde zunge ist snel:
swâ man si gerne hœret,dâ sint si kündic unde hel
zem bœsten, niht zem besten,ûf argiu dinc ze schuʒʒe vil bereit.
Reinmar v. Zweter 157 Roethe —?


b) von thieren: schusz, geschwinde bewegung, in gerader linie auf etwas zufahren, als die schlangen, als die stoszvögel von oben herab, in modum jaculi Frisch 2, 235b;

der valke wider sich mit schuʒʒe gein der hœhe zôch. Lohengr. 3415;

der pfeilgerade schusz der schlangen.
Schiller 6, 356 (zerstör. Trojas 36).


c) von andern dingen, besonders vom wasser: schusz, des wassers, aquae per declivem locum vehemens defluxus, o. abschusz. Frisch 2, 235b;

und zuo der rehten sîte
vlôʒ in dem berge ein breiter flûme,
daʒ man ze tal vil harte kûme
mohte ersehen sînen vluʒ
und vil gelîche eben schuʒ.
Heinr. v. d. Türlin krone 26366;

wenn man dann also vertig ist, so lest man den pach wider lauffen .. so treibt der erst schusz alles das, das in der zeit in pach komen ist, .. vor im hinweck. Tucher baumeisterb. 236, 14 Lexer; der ... wasserfallgleich über die felswände stürzende, hochaufrauchende strom .. ein wallendes, fluthendes, glänzendes meer in pfeilschnellem schusse .. gewährt ein unaussprechlich groszartiges bild. Tschudi thierleben der alpenwelt 217; so der Schuz in Binningen, ein künstlich ausgebauter wasserfall Seiler 266a. vom blitz: doner und auch plitz schüss. quelle bei Schm. 2, 480;

und ouch des blizzen schuʒ. minnes. 3, 168a Hagen.

von der sonne:

het unser herre des waʒʒers fluʒ,
des luftes kraft, der sunnen schuʒ ...
niht geben, welch rat solde unser werden? renner 7927.

vgl. die zusammensetzungen regenschusz (theil 8, 523), regenschusz, wolcken-schusz, scroscio di pioggia, acquazzone. sternenschusz, sguizzo, cascata di fuoco stellare, stella cascante Kramer dict. 2, 521b; wasser-schusz, cascata d' acqua, wetter-schusz, blitz-schusz, lancio di saetta 521c (zum theil auch zu 2 gehörig).
d) besonders gern steht schusz in diesem sinne in präpositionellen fügungen.
α) mit schusz:

die schöne reit'rin ...
ritt ohne zaum und zügel
mit solchem schuss,
als hätt' ihr maulthier flügel
wie Pegasus.
Wieland 18, 301.


β) gleichbedeutend in aim schuz, hastig Seiler 265b, im schuz, übereilt Hunziker 234.
γ) so besonders in schusz kommen, sowol von menschen wie von dingen: da kommt es den weg herab, ein in schusz geratener lediger zweirädriger karren. Auerbach dorfgesch. 4, 21; zuletzt kam es (das blatt) in schusz und schwamm flott dahin. Keller 1, 285. meist in freierem sinne: wenn solche leute einmal in den schusz kommen etwas der würde eines groszen gegenstandes gemäszes zu thun, so vergessen sie darüber ihre eigne würde. Göthe an Zelter 1, 179; Stein geht immer in schusz, von der zuversichtlichsten erwartung zur verzweiflung, und in seinem urtheil über männer überspringt er oft alle beobachtung. Niebuhr leben 1, 399 (br. vom 13. sept. 1808); was treibt uns so von extrem zu extrem, als diese athemlose begier, ein leben so wie es nun einmal, ich möchte sagen in schusz gekommen, zu ende zu bringen? Gutzkow ritter vom geist 7, 57;

nun, däucht mir, komm' ich fast von neuen in den schusz.
Bürger 64a;

kinder, der kaffee wird kalt; ihr prediget immer und ewig!
schon herr Walter bedarf der ermahnerin, gleich dem papa dort,
kommt er in schusz.
Voss 1, 20 Hempel (Luise 1, 520).


δ) ebenso in schusz sein: das wasser ist im schusse, flieszt unaufhaltsam schnell; der vogel ist im schusse. Adelung; meist abgeblaszter: noch in Göttingen kostete es nicht wenig überredung, wenn er seinen bestäubten flausrock ablegen .. sollte. doch war er einmal so sehr im schuss, dasz er schon ziemlich ernsthaft von den vorzügen eines tressenhutes .. zu reden anfing. Voss bei Hölty ged. s. vii. oft noch weiter

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abgeschwächt, im zuge, im gange, in der richtigen bahn sein, 'in ordnung sein' Hertel sprachsch. 223; auch vom baum in bezug auf das wachsen, vom bienenstock u. s. w., s. 4 und 5, b.
ε) in (den) schusz helfen: der satyr sprach: spiel', hilf mir ein wenig in schusz .. singen soll ich, singen, und doch ist der schlauch leer. Fr. Müller 1, 180.
ζ) schusz auf schusz:

die schollen rollten, schusz auf schusz.
Bürger 36b.


2) zuweilen wird schusz auch von der in bewegung befindlichen masse gesagt (ähnlich schon in einigen der angeführten stellen), besonders von flüssigkeiten, so von dem aus der kelter strömenden weine: den guten zitwer - wein nun zu machen: nimmt man den ersten schusz vom räfel oder andern edlen süszen trauben, gleich von der presz. Hohberg 1, 356a. eben so in zusammensetzungen, wie vorschusz: vorschusz des weins, protropum, mustum sponte defluens antequam premantur uvae, der vorlauf, da immer einer edler als der andre. Frisch 2, 236a; kärntisch vourschuss der erste starke branntwein Lexer 228; ähnlich nd. tôschöt(e) zuflusz der milch; dat kind kann den toschöt(e) nich vernylen oder verhaten, kann nicht so viel milch wegsaugen, wie zuflieszt Richey 239. brem. wb. 4, 647 f.westf. en schüet regen, gusz Woeste 233b. von einem strome, im bilde (vgl. die unter 1, b angezogene stelle aus Tucher): zündet nur räucherkerzen im gastzimmer an und fangt die ersten schüsse des anverwandten stromes (die zuerst ankommenden verwandten) höflich in meinem namen auf. J. Paul komet 2, 91. — auch von kleinen quantitäten einer flüssigkeit, die man wohineingieszt: eenen schöt (noch etwas) togeeten. Richey 372. so sagt man auch eine weisze (weiszbier) mit schusz, nämlich von himbeer- oder sonstigem fruchtsaft (dies wäre wol richtiger unter II, 4 zu stellen).
3) man sagt schusz von heftigen, reiszenden oder stechenden schmerzen (vergl. schieszen I, 2); ein schusz ò schüsse in gliedern, in nerven, uno sguizzo ò sguizzi nella membra Kramer dict. 2, 521b; rheumatischer schmerz, der einem plötzlich in die glieder oder den rücken fährt (hexenschusz, s. unten) ten Doornkaat Koolman 3, 139b. so schon mhd., s. Lexer handwb. 2, 837: die laugen von haselwurzblättern ist gut für die schüss und wehtagen. Toxites horn des heils (1576) 20; baldrianbletter gesotten und uber das haupt gelegt, vertreibt alle schüss und wehthum. 61; darausz folget nun geschwulst, weite erfeulung, wundsucht; hitzig geschwulst, brennen, schüsz in gliedern, ohn andere ergere zeichen. Paracelsus opus chir. (1565) 11. — im einzelnen, in den schenkeln: wider die kalte gegiht und schüsz in den schenckeln. Tabernaemontanus 349 C. — eine art heftiges kopfweh, das besonders am scheitel sitzt Schmeller 2, 479; stiche im gehirn: swenne deme menschen dehein siehtuom wirret in dem houbet, daʒ merch bei disen ceichen .. in duncht im gên die schüʒ in daʒ hirn. Pfeiffer arzneib. 156, 18; welchen das haupt wehe thut, oder nit schlafen mögen, die nemen wermut und sieden die wol in wasser und denn soll man das kraut darin wol zerknirschen und um das haupt mit einem tuch sanft binden, es legt die schüss und macht dich ruhig schlafen. apothek für den gemeinen mann (1534) 1; geel veiel wasser legt allen wehetagen und schüss des hauptes. 18. — heftiger anfall von zahnweh Schm. a. a. o., westf. zahnkrampf Woeste 233b (citiert die schüss der hohlen zän aus einem alten kräuterbuch), een schöte in de kusen, ein plötzlich auftretender schmerz in den backenzähnen. brem. wb. 4, 647; swem aver die grôʒen schuʒe gên in die zende oder zuo den ougen, der neme phefer unde wîroch. Pfeiffer arzneib. s. 139, 16; wem die grossen schüssen get (lies gent?) unter die augen oder unter den zenden, der sol nemen pfeffer wyrach und geprant ponen .. so sihestu ein michel wunder: wann da kompt kein schusz nymmermer für. Ortolff v. Bayrlandt 23a. — in den augen (vgl. die beiden zuletzt angezogenen stellen): sô diu ougen sêr sint, chumet der siehtuom von dem bluote, sô sint diu ougen rôt unde heiʒ unde griekech unde gênt die schüʒe vaste dar în. Pfeiffer arzneib. 145, 34; genserichwasser ist ein sonderlich kräfftig und gut augenwasser .. leget das stechen und die schüsz der augen. Tabernaemont. 345 D. — von den zusammensetzungen zeigt hexenschusz übergang in die bedeutung II (1), s. dasselbe (theil 4, 2, 1303) und Schöpf 653. ferner: augenschusz, oculi morsicantes, vivido igne flagrantes Stieler 1771 (theil 1, 811), blutschüsse in adern, sguizzi del sangue nelle vene Kramer dict. 2, 521b, wundenschusz, schmertzenschusz, sguizzo doloroso che fà una ferita ò altro male ô doglia corporale 521c, sonnenschusz,

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caligo ex intuitu solis Stieler 1772, hitzschusz, eine krankheit der kühe vor dem kalben, in Kärnten und im Lesachthale. Schöpf 653. Lexer 228; nd. bost-schöt 'ein zufall in den brüsten der säugerinnen, wovon sich in denselben harte knoten legen' Richey 239; westf. schüet ant nür, euterentzündung Woeste 233b.
4) ferner vom aufschieszen der pflanzen und jungen triebe und von den aufschieszenden sprossen selbst; trieb, wachsthum: schusz, was schnell und gerade wächset, an pflanzen und bäumen, surculus, omnis propulsio naturalis, s. DWB anschusz, DWB wo die gränzen anschieszen und an die andern stossen Frisch 2, 235b; 'schusz der bäume heiszt der jahrestrieb' Behlen 5, 558; dat kôrn is in schȫt kamen, de bôm oder auch de junge, dâr sitt gên schȫtt in ten Doonkaat Koolman 3, 139b; trieb, was wächst und in die höhe geht: de bôm hed fan't jâr 'n schȫt mâkt, de wol drê fôt lank is. ebenda; trieb eines baumes Castelli 251, junger holzwuchs Hunziker 234, junger baum Schm. 2, 481. abstracte und concrete bedeutung lassen sich nicht streng sondern; erstere liegt z. b. vor: im frühling, wenn neuer schusz und trieb in baum und strauch waltete. Scheffel Ekkeh. 100, ferner in der wendung im schusse sein (vgl. 1, d, δ): der salat ist im schusse; ein junger mann ist im schusse, wenn er schnell in die höhe wächst Campe. so auch: ich wollte, ich könnte diesem undankbaren könig .. seyn, was ein fruchtbarer regen einem dürren, von der hitze gespaltetem lande ist. und wenn ich mich ganz ausgösz, bey gott! ich wollte auf das lezte saamenkörnchen mein augenwasser schütten, um es zum schusz zu bringen. Klinger theater 4, 206; einen schusz thun: heute thut jede korn-ähre einen doppelten schusz und jede mohnblume wird noch einmal so roth. Hebbel2 2, 120 (Maria Magd. 2, 5); wird ein baum, wie dieser hier, nicht vielleicht, wenn ich ihn dünge, noch einen letzten schusz thun, so übermüthig-keck, dasz die himmelsdecke erschrocken um tausend meilen weiter zurückweicht. 187 (Julia 1, 5); ganz concret in folgenden stellen: 12 dn. für einen wagen schüsz von 14 bis 17 schuhe lang. qu. vom jahre 1784 bei Schm. 2, 481; dasz .. beyde flöthen gleich sind in der dicke, da doch nach angeführtem orte des Plinius die linke stärker gewesen seyn musz, weil dieselbe aus dem unteren schafte des rohrs geschnitten wurde, zu der rechten flöthe hingegen nahm man den oberen schusz. Winckelmann 5, 178; brich du einer pflanze das herz aus, sie mag hernach treiben und treiben unzählige nebenschöszlinge; es gibt vielleicht einen starken busch, aber der stolze königliche wuchs des ersten schusses ist dahin. Göthe 10, 98 (Clavigo 4);

ein fruchtbarer baum, der hoch wuchs empor, ...
wenn seinen ort er nun räumen musz,
macht er platz einem jungen schusz.
Rückert Firdosi 1, 312.

collectiv: junger schusz von stauden und brombeer und dornigem gestrüpp hielt den abhang dicht besetzt. Scheffel Ekkeh. 230. — auf menschliches wachsthum übertragen: in keiner weiblichen statue ... erscheint, so wie hier, die jugendliche blüthe unbefleckter jahre ... noch in einem so edlen geschlanken gewächse eingekleidet, welches über den schusz des keims solcher jahre erhaben ist. Winckelmann 6, 313. so auch zu verstehen (?): ich ... wurde gewahr, dasz der major zwei mal so lang war wie mein arm und der lieutenant etwan einen schusz länger als meine badine. J. Paul 40 (holzschn.), 82. daher auch bildlich für spröszling, abkömmling: falls der erbprinz Luigi, der letzte hohlröhrige schusz und fechser des Hohenflieszer mannstammes, verdorrte. Titan 1, 76. — diese bedeutung im wortspiel mit II, 1: jetzt aber regt und drängt es sich wieder in meiner brust, und hörst du plötzlich den schusz — mädchen, erschrick nicht! ich hab' mich nicht totgeschossen, sondern meine liebe sprengt ihre knospe und schieszt empor in strahlenden liedern. Heine 3, 78 Elster.
5) andere übertragungen.
a) in der Schweiz bisweilen für stuz, jäher abhang Hunziker 234.
b) ein bienenstock ist oder steht im schusse, wenn er nach dem schnitte von den bienen wieder zugebaut wird. Adelung (vgl. 1, d, δ und 4).
c) schusz heiszt auch der vordere theil am hufe der pferde. Campe. Nemnich: nimb ein aytereysen, schneid ihm (dem rosz) am schusz hinein, bisz blut von adern herauszgehet. Seutter roszarzn. 130; wann einem rosz der kern schwindet, das erkenne also: wann du jhm schneiden last vornen an

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dem stral beym schusz, unnd das leben nachend findest, so ist es ein zeichen, dasz der kern anfangt zu schwinden. 355.
d) anderes hierher gehörige s. unter II, 3, e. f.
II. zum transitiven schieszen.
1) eigentlich, das fortschleudern eines geschosses: schusz, m. ... schüsse, plur. tiro, sparo, sparata etc. it. lancio, sguizzo, lanciata, scaglio Kramer dict. 2, 521a; schusz, et nonnunquam etiam, sed minus recte, schosz, der, plur. die schüsze, id. quod geschosz, teli jactus Stieler 1771; schusz, der (transit in vocem schutz, quam suo loco cum derivatis vide) ictus, explosio tormenti Steinbach 2, 497.
a) in den ältern zeiten schieszt man meist pfeile mit dem bogen: schusz eines pfeils vom bogen, jactus jaculi vel sagittae Frisch 2, 235b; er spannte in der verzweiflung den bogen .. doch der wolf entzog sich dem schusz. Freytag bilder 1, 168;

do man mit herten schüʒʒen sach
von seniben manik hundert pheil.
Suchenwirt 9, 184;

im schusz der pfeile naht er schon heran!
H. v. Kleist Penthesilea 9;

er naht, du hörst, im pfeilschusz. ebenda;

auch vom werfen der lanze:

des starken gêres snîdeal durch den schilt gebrach,
daʒ man daʒ fiwer lougenûʒ den ringen sach.
des schuʒʒes beide strûchtendie kreftige man. Nib. 431, 3.

seit erfindung der feuerwaffen besonders von diesen: schusz, mit pulver, explosio bombardae Frisch 2, 235b;

auʒ püchssen schieʒʒen manigen schuʒ.
Suchenwirt 9, 207.

oft mit besonderer beziehung auf den knall, das explosionsgeräusch: schusz, ist .. 2) der knall, so von dem pulver entstehet; denn, wenn der jäger einen knall höret, so sagt er: es ist ein schusz gefallen. Heppe wohlr. jäger 271; horch! ein schusz. Schiller räuber 2, 3 schausp.; man hört noch einen schusz. 4, 5. — vgl. auch zusammensetzungen wie bogenschusz (th. 2, 221), propr. teli jactus, et sagittae missus, seu ictus Stieler 1771; pfeilschusz (s. th. 7, 1663 und oben), lanzenschusz. — büchsenschusz (th. 2, 478), ictus sclopi Stieler 1771; musketenschusz, fistulae ferreae majoris. ebenda; pistolenschusz (th. 7, 1871 f.), minoris; kartaunenschusz (th. 5, 234), tormentorum 1772; musqueten-, flintenschusz (th. 3, 1803), tiro di moschetto, di fucile etc. Kramer dict. 2, 521b; racketen-schusz, sguizzo, volo di raggio, di fuoco artificiale. ebenda; stückschusz, tiro di cannone, sparo d'artigleria, una cannonata. ebenda. vgl. auch unten 2, d.
b) neben synonymen schusz und schlag, schusz und stich und ähnl.:

er lief im hin enkegnemit schüʒʒen unde slegen. Nibel. 1998, 2;

eʒ wære wurf oder schuʒ,
tarand oder mangen,
daʒ mohte niht dar gelangen.
Reinbot v. Durne Georg 5756 Vetter;

want sis mit schuʒʒen und mit slegen
den Bêheim jeiten hin enkegen.
Ottokar reimchron. 15407;

die beren wolt ich stellen an
zum schusz stich wie dus woltest han.
Schade sat. u. pasqu. 1, 149, 143;

ein wurff ausz der hang, ist ins teuffels hand: die schüsz und würff seind miszlich, wie die griff bey nacht. Garg. 251b. — schusz auf schusz:

was hör' ich? — schusz auf schusz in schnellem lauf —
der sieg ist unser! — donnert laut, ihr schlünde!
Kind 2, 61 (in anderm sinne oben I, 1, d, δ).


c) mit attributiver bestimmung; blinder schusz: ohne kugel heiszt es ein blinder schusz, explosio sine globo missili in bombarda vel tormento bellico Frisch 2, 235b; so sprengten wir ... früh genug zum orte hinaus, um nicht mehr zu erleiden, als einige steinwürfe und blinde schüsse. Brentano 4, 234; laut knallten die blinden schüsse in den wald. Freytag soll 2, 153; das gegentheil ist ein scharfer schusz Bobrik 615a. ein tauber schusz, prellschusz. ein wagerechter, geneigter schusz, s. ebenda und Campe. sonst sina dafür zusammensetzungen üblich. — schusz ins schwarze (ins ziel beim scheibenschieszen); auch oft bildlich: der sonntagsteufel mit den weiszen bäffchen, oder ein schusz ins schwarze, von Adalbert Reihenmaier. Auerbach dorfgesch. 3, 112. das gegentheil ist ein schusz ins blaue, d. h. in die luft, ohne ziel oder am ziel vorbei: glauben sie, gnädiger herr, jeder entschlusz ist doch nur ein schusz ins blaue. Immermann 8, 21 Hempel.

[Bd. 15, Sp. 2091]



d) verbale fügungen mit schusz als subject, ein schusz fällt u. ähnl.: da fällt ein schusz, sie bricht mir in den armen zusammen. Ludwig 3, 115;

'es ist ein schusz gefallen!
mein! sagt, wer schosz dadrausz?'
Göthe 2, 277;

da fällt ein schusz.
Grillparzer5 2, 139;

anderes:

swer verre schieʒens hât gelust,
der ziuht die senewen an die brust
mit der rehten hende,
ê sich der schuʒ verende.
Lampr. v. Regensburg Syon 3681;

ha! wenn aus metall'nem lauf
krachend sich der schusz entladet.
Raimund 2, 212;

der platz ist leer, das volk hat sich verlaufen,
der dampf verflog, die schüsse sind verhallt.
Freiligrath glaubensbekenntn.2 (1849) s. 5.

ein schusz trifft: der schusz hat getroffen, il tiro portò, colpi, feri Kramer dict. 2, 521a; es wäre nicht gut, wenn alle schüsse treffen sollten. Stieler 1771; es treffen nicht alle schüsse, non semper scopus tangitur Frisch 2, 235b; den zaun über des gauls nacken geworfen zielten sie, der schusz traf. Scheffel Ekkeh. 210; ähnlich: was? wir bestehen für all tausent teuffel, es hafft kein schusz an uns, wie an wollsäcken. Garg. 204b. das gegentheil: der schusz hat versagt, il tiro mancò, it. fallò, andò in fallo Kramer dict. 2, 521a (ebenso bergmännisch der schuss versagt, schlägt ab, hebt nicht. Veith 436. Jacobsson 7, 281a); das wuszte ich, dasz mein schusz seinen mann nicht fehlte. Schiller 4, 71.
e) schusz als object; mhd. gewöhnlich einen schuʒ schieʒen: die soltent z beden siten in die Franzosen schiessen, ir ieglicher nüt me denne drige schütze. d. städtechron. 9, 916, 26; dafür auch:

er kunde wol rehter schüʒʒe pflegen.
Heinr. v. Neustadt Apollon. 35476.

auch schüʒʒe tuon:

nû wart ein schuʒ kluoc
nâch fram und nâch wân
her ûʒ der stat getân.
Ottokar reimchron. 12212.

und so nhd. zumeist: einen schusz thun, far' un tiro, sparo di schioppo Kramer dict. 2, 521a; ictum jaculari Steinbach 2, 497; ob der herr oder die damen einen weiten schusz zu thun, oder gar nahe zu schieszen belieben. Döbel 3, 174a; — einen schusz abschieszen, abgeben u. a.:

der schusz, den erst sie schossen ab,
wohl vierzehn Schotten er schlug.
Herder 25, 484 Suphan;

einen schusz setzt er auf Mongomri,
der war wohl scharf und schwer. 486;

ich ... ging gedankenlos vorwärts, ruhig und melancholisch meine schüsse abgebend. Keller 1, 156; so auch: dasz er seinen schusz selbst lade und ihn abgebe auf sein eigenes mannesgewissen. nachl. 286; die sehne treibt den schusz:

swer den bogen gespannen siht,
der senewen er der slehte giht,
man welle si zer biuge erdenen
sô si den schuʒ muoʒ menen. Parz. 241, 20.

einen schusz auffangen, mhd. vâhen: wenn er (der adler) der schützen lâg fürht, sô tregt er seineu kint auf dem ruck und setzt alsô seinen leib zwischen den kinden und dem schützen, ob sein nôt gescheh, daʒ er den schuʒ vâhe sam ain schilt vor den kinden. Megenberg 167, 25; einen schusz aushalten, sostener un tiro, una schioppettata Kramer dict. 2, 521a; einem einen schusz auszhalten, periculo jactûs se exponere, sub ictum se dare Stieler 1771; einen schusz aushalten, non penetrari globo bombardae plumbeo Frisch 2, 235b;

sine mohte mit ir kreftedes schuʒes niht gestân. Nibel. 433, 3;

niht wildes mîde sînen schuʒ.
Walther v. d. Vogelweide 18, 26;

(im bilde:) Salomon war ein gutter schütze, aber der teufel legte ihm den spiegel der menschlichen glükseligkeit und wohllüste in den weg: verhinderte ihm seinen schus und lauff. Butschky Pathm. s. 468;
f) nach präpositionen, auf den ersten schusz treffen:

doch will ich rathen, ziele gut, dasz du
den apfel treffest auf den ersten schusz.
Schiller Tell 3, 3.

mit, in einem schusz:

der junge künec von Asîâ
wart mit einem schuʒʒe dâ
gevellet tôter in daʒ wal. Wigal. 11139;

wenn die signoria versammelt ist, werden die zwölf auf das signal eines schnupftuchs mit einem plözlichen schusz gestrekt.

[Bd. 15, Sp. 2092]


Schiller Fiesko 2, 14; der vater .. sprach zum jäger 'du schieszest mir mit einem schusz die fünf eier in der mitte entzwei'. der jäger legte seine büchse an und schosz die eier ... alle fünfe, und zwar in einem schusz. Grimm märchen 499. — vom schusse fallen u. a.:

zwey spatzen und ein schneider
die fielen von dem schusz.
Göthe 2, 277.

zum schusse sich anschicken, bereit sein, die büchse spannen u. ähnl.:

nu was zem schuʒʒe ûf gezogn
fünf hundert armbrust ode mêr. Parz. 569, 4;

wenn sich dein arm zum schusz anstemmt,
dein pfeil geht nicht durch sein panzerhemd.
Rückert Firdosi 2, 305.

sich gegen den schusz decken u. ähnl.: Mores hatte also auf meinem eigenen dudelsack geblasen, und war von ihm gegen meinen schusz gedeckt worden. Brentano 4, 234;

und für den schuʒ und für den stich
muoʒ ich alsus wâpen mich. Parz. 124, 9.


g) besonders üblich sind gewisse feste verbindungen, meist als jagdausdrücke, so besonders zum schusse kommen, von dem schieszenden:

swie guot meister einer sî,
er schiuʒet dick iedoch dâbî ...
die zuo dem schuʒʒe ie kâmen,
die wiʒʒen daʒ ich hân geseit
dâran eine wârheit.
Lampr. v. Regensburg Syon 3721;

nun aber erfuhren die Seldwyler den eigenen unstern, dasz sie bei ihren auszügen immerdar entweder zu früh oder zu spät und am unrechten orte eintrafen und garnicht zum schusse kamen. Keller 4, 188. häufiger indesz (und so technisch) vom wilde, dem jäger so kommen, dasz er es schieszen kann: bis sie (die hirsche) mit gewalt wieder heraus forciret werden, und also ihnen zu schusse kommen. Döbel 3, 174a; wie jener hase so herrlich zum schusz gekommen. Eichendorff2 2, 91. dafür auch einem vor, in, unter den schusz kommen, laufen und ähnl.: so eyn schütz inn eyner gewonlichen zilstatt steht, oder sitzt, und z dem gewonlichen blatt scheust, und es laufft jm eyner under den schusz. Carolina 146; auch müssen alle hunde los, und in ihre glieder gehezt werden, dasz sie sich trennen, zerstreuen, und euch in den schusz rennen. Schiller räuber 2, 3 schausp.; sie sah mich auf ihn zielen und lief absichtlich in meinen schusz. Ludwig 3, 115; meist in freierem sinne, einem in den weg laufen, begegnen, gelegen kommen, vgl. Borchart2 s. 430: aber soll mir der dintenklekser einmal in den schusz laufen? Schiller kab. u. l. 2, 4; endlich kam mir der anhang s. 156 in den wurf oder vor den schusz. J. Paul palingenes. 2, 98; so auch (?):

er machte eʒ ir sô süeʒe,
daʒ sie eʒ gerne nuʒʒe,
kæme eʒ ir iht ze schuʒʒe.
Heinr. v. d. Türlin krone 24597.

ferner unter dem schusse gehen, in schuszweite oder in der linie des schusses:

swer sô zuo einem zil
mit einem bogen schieʒen wil,
der sol den bogen ê ûf ziehen
und sol die liute heiʒen fliehen,
die under dem schuʒʒe gên,
daʒ sie den schuʒ iht understên.
Lamprecht v. Regensburg Syon 3638.

auf den schusz gehen: der hund gehet auf den schusz, andar dietro al tiro Kramer dict. 2, 521a; ein hund der auf den schusz geht, canis, qui petit et affert ea quae globo plumbeo petuntur, et necantur Frisch 2, 235b.
h) sprichwörter und redensarten; so besonders weit davon ist gut vorm schusz. Simrock sprichw. 9285; wit hintan ist guot für die schüsz'. Eiselein 557. auch in der litteratur auszerordentlich häufig: darumm ist nur fliehen hie der sig, unnd weyt hindan, gt für die schüsz. Franck parad. 132b; weit davon ist gut vor den schusz. Andr. Senftleben notae philol. in Phaselus Catulli (Lips. 1642) s. 42, s. ferner Jucundiss. 167. Lessing 1, 399 (freig. 1, 5);

Phormion die best kriegszkunst wust,
nämlich, das gut sey, weit vom schusz.
Fischart podagr. trostbüchl. B 2a;

vgl. auch:

ihm war, zwar etwas spät, zu sinne
gestiegen, dasz es ihm nicht allzu rühmlich sey,
wenn Hüon seine braut dem recken abgewinne,
indessen, weit vom schusz, mit seiner reiterey
er, ihr gemahl, im schatten, frank und frey,
sein zärtlich blut mit palmenwein verdünne.
Wieland 22, 123 (Oberon 3, 47).

[Bd. 15, Sp. 2093]


vgl. Wander 4, 394, 11 f. weiteres: viel schüsze gehen nicht fehl, es trifft doch wohl einer darunter. Simrock sprichw. 9286; der ein ungefehrden schusz thut, trifft auch. Lehmann bei Wander 4, 393; es fällt nicht auf jeden schusz ein vogel. ebenda; wenn der schusz ist aus der hand (oder ist versandt), ist er in teufels hand. ebenda.preusz. schusz und los, mache dasz du endlich zustande kommst! Frischbier 2, 324b.
2) daran schlieszen sich andre verwendungen:
a) zuweilen steht schusz prägnant für einen treffer: item das pest gewan ain ratsmid, genant Mangolt, aber da er 7 schüsz het, da verkauft er die umb 2 gld., ... er het noch 4 schüsz zu tun und gewan noch 3 schusz und damit das pest. d. städtechron. 10, 367, 12—15 (vgl. anmerk. 4); so bes. DWB sichere, DWB gewisse schüsse, die sicher treffen (durch zauber): einen gewissen schusz haben, haver il tiro sicuro, certo, infallibile [per arte magica, ò d'indrizzo del diavolo] Kramer dict. 2, 521a; er hat alle tag seine drey gewisze schüsze, quolibet die terno certo et nunquam ementiente ictu tutus est Stieler 1771; welcher ... (um verbother kunst im schüssen zu erlangen, täglich 3 gewisse schüze zu haben) sich soweit hat verführen lassen, das er 3 samstage abends ... nach dem bildnisz Christi am kreuz geschossen. Birlinger volksthüml. 1, s. 424.
b) schusz, das recht zu schieszen; den ersten schusz haben, beim zweikampfe: einer von uns darf nicht lebend diese stätte verlassen. nehmen sie; sie haben den ersten schusz. Ludwig 3, 748.
c) vielfach steht schusz für die durch den schusz verursachte wunde (vgl. schuszwunde), so besonders in der verbindung einen schusz bekommen, einen schusz bekommen haben, haver ricevuto, esserci toccata una schioppettata etc. Kramer 2, 521a; er hat einen schusz bekommen, saucius, vulneratus est globo plumbeo Stieler 1771; er hat in dem recognosciren einen schusz bekommen (globo petitus est) Corvinus fons latin. 437a; schusz .. 2) die verwundung von einem schusse, plaga, vulneratio explosione facta. je stärcker der schusz, je gefährlicher ist es. Steinbach 2, 497 f.; schusz, die wunde vom schusz, vulnus quod sagitta vel globus sclopeti facit Frisch 2, 235b; einen schusz bekommen, laedi, vulnerari jaculo vel globo plumbeo. ebenda; habe derowegen nicht unterlassen wollen, folgenden wundtranck hie anzuzeigen, der zu allen wunden, stichen und schüssen, fast heylsam und dienstlich ist. Tabernaem. 133 H; dieses pflaster dienet nicht allein zu den obgemeldten schäden, sondern es heylet auch ein jeden schuss und stich. 234 K; es (nuszöl) ist sonderlich gut zu den schüssen .. und heylet den schaden ohn andere artzney. 1384 H; sie ist zu ihrem glück an dem schusz, den sie im leibe hatte, gestorben. Brentano 4, 233; vgl. auch unter 3, b. ebenso bei den jägern: schusz, ... 3) wird auch der fleck, wo ein thier durch den schusz verwundet worden, schusz genennet. Heppe wohlred. jäger 271b. vgl. Behlen 1, 79 (anschusz).
d) schusz, soweit ein schusz reicht, trifft (vgl. schuszweite), als ungefähre angabe der entfernung: so schut dar en reff over van der Schellinge an dat Bornereff ... unde dat en is boven 3 schote (andere handschrift: dre bogenschote) nicht, den so vinde gy [dat] dep 7 vadem. seebuch 11, 18 Koppm.;

dô Ruolant von den sînen
und von den Sarrazînen
gegie wol eines schuʒʒes lanc.
Stricker Karl 8097;

eʒ lac drî schüʒʒe vor der stat.
Heinr. v. Neustadt Apollon. 18249;

von sîner herberg unverre,
kûm aht schuʒʒe lanc,
dâ huop sich daʒ gedranc.
Ottokar reimchr. 16069.

nd. geradezu een, twee schött weges Strodtmann 204, een schöte weges, eine strecke weges, soweit ein schusz reicht. brem. wb. 4, 647. Richey 372. ten Doornkaat Koolman 3, 139b. Woeste 233b. meist mit bestimmter angabe der schieszwaffe: so auch einen bogen-schusz weit, lontano un tiro d'arco Kramer dict. 2, 521b; einen büchsenschusz weit, spatium, quod globus explosus emetitur Frisch 2, 235b; vgl. th. 2, 478: es ist nur ein büchsen-schusz vor der stadt, non è discosto ch'un tiro di schioppo dalle porte della città Kramer dict. 2, 521b; wo das thal so eng wird, dasz es kaum einige büchsenschüsse breit ist. Göthe 16, 276; ich war wohl den schusz einer armbrust weit vor meinen gesellen hergeritten. 35, 140; zu seiner majorschaft gehörte der genusz von einem groszen austerfelsen, der hinter einem lustwäldchen einen halben büchsenschusz weit vom ufer in der see lag. Brentano 4, 239; ferner: nordosten

[Bd. 15, Sp. 2094]


auf derselben banck lieget ein stein, und dar norden vor einen musqueten schusz ist ein steinöhr. Manson seeb. 32; von klein Karlsön im nord-nordost zwo meil liegt Westergarns holm einen göttlings-schusz von Gottland. 49.
e) schusz für das geschosz (vergl. die einleitung) und das schieszmaterial, besonders die zu einem schusse erforderliche menge pulver: schüsze, lat. farturae ballistarum; hinc farturas ballistarum militibus dispertire, denen soldaten die schüsze austheilen. Apin. gloss. 488; schusz, ist: 1) pulver und bley, so in das gewehr kommt. Heppe wohlr. jäger 271a; den schusz aus der flinte, aus der kanone herausziehen. der schusz ist stecken geblieben Adelung (II, 4); es wird hart halten, den schusz herauszubringen (aus dem laufe des gewehres), und er darf doch nicht darin bleiben. Immermann Münchh. 1, 161; jauchzend risz der junge mann das gewehr von der schulter, rief: da werde ich ja gleich der schüsse quitt. ebenda;

an dem tisch, auf dem ein paar pistolen liegen,
die er vom schusz noch gestern selbst befreyt.
Gellert 1, 267.

so ein schusz pulver, un tiro cioè una carica di polvere Kramer dict. 2, 521b; tantum pulveris pyrii, quantum ad unam explosionem sufficit Frisch 2, 235b; besonders in der redensart er ist keinen schusz pulver wert. Eiselein 557; er ist keinen schusz pulvers werth. Kramer a. a. o.; er ist nicht einen schusz pulver werth, vir dignus est bombarda occidi Steinbach 2, 497; du bist kan schusz pulver werth. Hügel 145a; denn kein groszer mann sucht eine ehre in neuerungen, die in absicht des nutzens nicht einen schusz pulver werth sind. Lichtenberg 4, 275; 's geht dir nichts über ein alt lied, so recht aus der alten zeit her; die neuen taugen dir doch keinen schusz pulver. Fr. Müller 1, 229. ähnlich auch: pfuy, Angelo! so ein knicker zu seyn! einen zweyten schusz wäre er ja wohl noch werth gewesen. Lessing 2, 151 (Em. Galotti 2, 3). — selten in bezug auf pfeile:

so schosz er alle die zehn schusz pfeil.
Rückert Firdosi 2, 114.


3) freiere verwendungen.
a) nicht selten steht schusz bildlich: da that mir zum verdrusz — sogleich mein nachbar rechts den ersten schusz (bei einem wettstreit in reimkünsten). Rückert (1882) 11, 326 (14. mak.). — auf einen schusz (vgl. 1, f): wie ihr, liebster Münchhausen, uns dahergeschleudert wurdet, just, als wir .. nach einem manne, wie ihr seid, das allerlebhafteste verlangen empfanden, und auf einen schusz den dicken sehnsuchtsseufzer hervorstieszen. Immermann Münchh. 1, 104.
b) besonders in gewissen festen verbindungen: schusz ins schwarze, ins blaue, s. 1, c (vergl. schieszen II, 1, e). auch schusz allein kann einen fehlschusz bezeichnen: obelo notare einem einen schusz oder schützen ins argument machen, i. e. zu verstehen geben, dasz er gefehlet. Corvinus fons latin. 724b;

dan glaub mir, dasz ich glaub, es wär ein grober schusz,
dasz wan dein nam wär Lang, ich sagen solt Longus.
Weckherlin 826.

weiteres: einen schusz mit silber leicht aushalten, ictus argenteos facile pati Steinbach 2, 497; alle menschen wollten gerne selig werden .. so verfehlen sie dennoch dabey, und treffen das fürgesäzte ziel, oder das kleinod der follkommenheit .. gar nicht .. tuhn also Jonathæ schüsse, und tragen die sau anheim. Butschky Pathm. s. 468; einen schusz in den himmel thun, von unnützen bestrebungen Wander 4, 394; nd. schöte under water 'verdeckte stichelworte, spitzige reden'. brem. wb. 4, 647, vgl. Wander a. a. o. — einem in den schusz reden, sein vorhaben vereiteln Schm. 2, 480.
c) man redet vom schusz der liebe, der Venus, um das plötzliche entstehen der liebe zu versinnbildlichen:

alsô spricht er ouch zer Minne,
sô er des schuʒʒes wirdet inne:
'hât mich troffen ieman?'
Lampr. v. Regensburg Syon 3624;

ach weh mir, du edle Venus,
wie weh thut mir dein herter schusz!
H. Sachs fastn. sp. 1, 17, 112 neudruck;

vgl. auch:

allein, dasz just am Sankt-Kathrinenfest
ein unbekannter in der mette
ihr gegenüber stehn, und auf den ersten schusz
ihr unbesorgtes herz so tief verwunden musz.
Wieland 21, 206 (Klelia 2, 217).

vgl. ferner liebsschusz, capriccio, gricciolo d'amore ò amoroso Kramer dict. 2, 521b, vulnus amoris Stieler 1772. aber auch

[Bd. 15, Sp. 2095]


schusz allein wird im sinne von verliebtheit gebraucht, vergl. geschossen (schieszen II, 4, sp. 44), einen schusz haben, verliebt sein, vgl. Albrecht 207b. Frischbier 2, 324b: er nahm die tochter mit, und das war sehr gut; denn ich glaube, dasz ich schon vom vorigen jahr einen schus weghatte. Hermes Sophiens reise 12, 645.
d) besonders aber gebraucht man schusz, um ein anormales geistiges verhalten, schrullenhaftigkeit oder einen gelinden grad von verrücktheit zu bezeichnen: gewisse schüsse des hirns, certi capricci, griccioli pazzi del cervello. gall. boutades Kramer dict. 2, 521a; hirn-schusz, grillen-schusz, narren-schusz, capriccio u. s. w. einen schusz haben: er ist ein schuszbartel, haver certi accessi griccioli di pazzia .. v. sparr. narr. 521b; schusz, figürlich, rationis corruptio. einen schusz haben, sagt man von einem albern menschen, mente captum esse Frisch 2, 235b. vgl. Adelung (II, 1, 2). Wander 4, 394. Kluge studentensprache 124b: wär' ich nur an ihrer stelle, ich wollte wahrlich tausend mal einfältiger erscheinen, als sie .. ich wollte oft so einen kleinen schusz haben, und nicht einmal den zunamen meines vaters oder meines kindes wissen. J. Paul leb. Fibels 197; alle unteroffizianten des theaters haben, wie man so zu sprechen pflegt, um den anflug von einiger toll- und narrheit zu bezeichnen, einen schusz. Hoffmann leiden eines theaterdirectors (Berlin 1819) 29; in milderem sinne: bin doch begierig, zu hören, was der junge guts gemacht hat; hatte immer so einen eignen schusz. Fr. Müller 1, 324. im wortspiel mit der gewöhnlichen bedeutung: sie sind der mann dazu, einen in den ruf zu bringen, dasz man geschossen sei, denn sie haben selbst einen schusz! Brentano 4, 236. auch folgende stelle ist wol hierher zu ziehen: diesze gräffin von Sintzendorf ist vielleicht von denen, so mitt einem schusz verstandt haben. Elisabeth Charlotte briefe 3, 14 Holland (oder ist zu lesen: nitt einen schusz?). — so auch namentlich in mundarten, vgl. Schmid 483. Schmeller 2, 479. Höfer 3, 119. Castelli 252 (schus anfall von laune). Hügel 145a (spleen). Spiesz 228 (narrheit, verrücktheit, überspanntheit). Vilmar 374. Kehrein 1, 370. Albrecht 207b. Frischbier 2, 324b. Woeste 233b.
e) aber schusz bezeichnet auch einen närrischen, verrückten menschen selbst, so dasz man anstatt er hat einen schusz auch sagt er ist ein schusz, s. Schmid 483. Höfer 3, 119 (halbnarr). Reinwald 1, 150 (geck, hasenfusz):

du darffst kein solcher schus und sauber unflat sein.
Scherffer Grob. 36, s.
Frommann 4, 184;

der, sprach der schusz, will könig sein?
Pfeffel poet. vers. 4, 31 ('der narr').

meist gibt indes schusz eine andere nüance, indem es von einem schnell zufahrenden, aufbrausenden oder gewöhnlich voreiligen, hastig und unbedachtsam handelnden, unvorsichtigen, leichtsinnigen menschen gilt, und hier liegt die beziehung auf schusz I, 2 näher, ohne dasz sich beides streng trennen liesze, vgl. auszer den angegebenen stellen Seiler 265b. Schm. 2, 480. Schöpf 653. Lexer 228. Frommann 5, 460 und schuszbarthel.
f) ebenso steht es in der mitte zwischen der hier zu grunde gelegten bedeutung und I, 1, wenn schusz zuweilen einen hang, eine sucht nach etwas, ein heftiges, vorübergehendes verlangen oder eine dauernde neigung (einen 'raps') bezeichnet: denn neben dem erzgecken ist er zugleich ein erzkrakeeler, und hätt' er nicht die gab' eines zagmazes (feiglings), die ihm den schusz zum krakeelen dämpft, so meinen die vernünftigen, er gewänne sich schnell die gab' einer gruft. Voss Shakesp. 2, 280 (was ihr wollt 1, 3); mein schauspiel-schusz ist seinem ende nahe — weder an meinem sonst so lieben fenster im schauspiel hausz weder unter den spielenden noch unter den stummen sehe ich was ich sonst sahe. frau rath Göthe an Unzelmann am 9. mai 1788 bei Dorow reminisc. 145.
g) ferner sagt man schusz für rausch, betrunkenheit Frischbier 2, 324b. Wander 4, 394, 28. besonders in der studentensprache, einen schusz haben, im schusz sein. Kluge stud.-spr. 124b: er hat einen schusz. er ist angeschossen. Lichtenberg 3, 73 (unter den 'redensarten, womit die Deutschen die trunkenheit einer person andeuten'):

hat der gastwirth einen hieb,
einen stich sein wein,
mag man seinen gästen schon
einen schusz verzeih'n.
Hoffmann v. Fallersleben mein leben 6, 324.


h) in andrer übertragung steht schusz auch für aufschneiderei, prahlerei: ein graf erzehlte einen seltzamen schusz, den er

[Bd. 15, Sp. 2096]


auff einer jagt gethan, welcher nicht wol gläublich seyn kont, und fragt die zuhörer: ob das nicht ein guter schusz gewesen? deren einer antwortet jhm: fürwar ja, gnädiger herr, ein gewaltiger schusz! Zinkgref apophthegm. 1, 363; (der märlügner:)

ich hab gethon ein guten schusz.
auff das man mirs gelauben musz,
nenn ich ein dapffere person,
von der ich es gehöret hon.
H. Sachs 1, 541c.

vgl. auch:

die lügen haben schier sanct Velten,
dasz sie von diesem Valten melden.
wann ich sie solt erzehlen hie,
man solt ein schusz mir malen fr,
dann ich bin nicht darbey gewesen.
Fischart dicht. 1, 67 Kurz (nachtr. 2548).

lüge, verleumdung oder ähnl.: als denn wil ich e. ch. f. g. anzeigen, wie der doctor Ludder die warheit gespart hat .. bitte ich e. ch. f. g. wölle gnediglich vernemen, wie sich d. Ludder so gar keines schuss schemet. Eck bei Luther 1, 160a.
4) wie schieszen vielfach in die allgemeinere bedeutung des fortbewegens, werfens übergeht (vgl. daselbst II, 5, sp. 45 ff.), entsprechend auch schusz: 'so fern schieszen oft für werfen gebraucht wird, ist schusz zuweilen so viel als ein wurf, zuweilen auch so viel als auf einmal geworfen, geschoben u. s. f. wird'. Adelung (II, 2). so besonders in bezug auf geld (vgl. schieszen II, 6, b): schusz, der, plur. schüsse, numeratio, praebitio. sed in compositis frequentius auditur Stieler 1788; schusz, im zehlen des kleinen geldes, allzeit 5. kayser - grosch. für 4. meisznisch, oder 4. sechspfenniger für 2. groschen, s. wurf, jactus certi nummorum numeri Frisch 2, 235b. vgl. besonders beischusz, vorschusz und zuschusz. — in der studentensprache schusz von der wegnahme geringfügiger sachen, einen schusz wagen u. a. Kluge stud.-spr. 124a.
5) daran schlieszen sich technische verwendungen.
a) bei den bäckern ein schusz brot so viel auf einmal in den ofen geschoben wird, ein ofen voll, ein gebäck Adelung (II, 2). so schon mhd., s. Lexer handwb. 2, 837, schweizerisch e schutz, schuz brot. Seiler 265b. Bühler Davos 1, 128; item der pekch sol den schus pachen in dem ofen, halben umb ainen pfenning, und halben umb zwen pfenning, daʒ sei semel oder rokken. d. städtechron. 15, 395, 22; zum vierden sol am sonnabendt und mittwoch, ein jeder becker .. einen grossen oder kleinen schusz semmeln backen .. jm fall aber jrrgends mangel auff einer oder der anderen gassen gespüret .. würde, mag .. einer oder mehr, auff derselben gassen .. widerumb backen, so der gassen schusz genennet wird. Breslauer bäcker - ordnung vom jahre 1626 A 2b.
b) bei den webern das einmalige durchschieszen des schiffchens durch den zettel Hunziker 234; auch freier für die thätigkeit des webers überhaupt: wann ein solcher knappe (der guten montag macht) zum drittenmal betreten würde, solle ihm als dann der schusz (das handwerk) in dieser stadt ein ganzes jar darniedergelegt und verboten werden. Birlinger 404b aus einer weberordnung des 17. — 18. jahrh. — schusz steht auch für den einschlag, vgl. DWB schuszfaden. Karmarsch-Heeren3 10, 454.
c) im bergwesen sagt man schusz im gewöhnlichen sinne von den schüssen mit pulver, wodurch man gestein lossprengt. schusz bezeichnet im einzelnen das (mit pulver gefüllte) bohrloch, ferner die aus pulver, sprengöl, dynamit u. a. bestehende ladung desselben, das schieszen selbst und die wirkungen desselben, besonders das dadurch losgesprengte gestein. die gewöhnlichen ausdrücke sind den schusz laden, den schusz anstecken (das bohren beginnen); einen schusz fertig machen oder stellen; den schusz abbrennen, abschieszen, wegschieszen, anstecken, anzünden, abthun, wegthun, hinwegthun; ferner der schusz hebt, reiszt, schlägt, wenn er die gewünschte wirkung thut; der schusz hebt nicht rein ab, stöszt ab, wirft ab, wenn ein theil des bohrloches stehen bleibt (meist der untere, der sog. pulversack), der schusz schlägt auf, wenn er nur eine spalte aufreiszt, ohne das gestein loszureiszen oder zu lockern; der schusz hat das gestein, gebirge geschreckt oder angeschreckt, gelockert; der schusz bläst aus, pfeift aus, schlägt aus, wenn die gase aus dem zündkanal entweichen; der schusz verschlägt (sich), ist ohne wirkung u. a. m., s. Veith s. 434—36. Scheuchenstuel 219 f. Jacobsson 4, 66b f. — schusz für das gestein: die schüsse klein machen. Veith 436. vgl. dazu eisenschusz (th. 3, 373), eine art tauben minerals (ohne metallgehalt), 'eine bergart, welche dem eisenerze ähnlich ist, aber kein eisen enthält' Adelung (I, 3): wir nennen solche taube oder lehre arten in unserm silberbergwerck,

[Bd. 15, Sp. 2097]


glantz oder marchasit .. letten, eisenschusz, bleyschweiff u. s. w. Mathesius Sar. 28a.
d) eine andre bedeutung musz schusz in folgender stelle haben: wenn die zwitter also mit allem fleisz geerbet, bringet man dreyerley zinstein ausz, der gerinstein ist der gröbste, unnd gibt mehr zihn denn der kleine schlamstein .. zihnstein der gleiches schusz ist, schmeltzet man allein, denn wenn man groben und kleinen unter einander setzet, arbeit man zu schaden. Mathesius Sar. 100b.
6) folgende gebrauchsweisen lassen sich nicht mit sicherheit erklären und in die entwicklungsreihe einordnen:
a) aber wenn das ist, das die tagloner bei den maurrern oder an andere arbeit geschickt werden, dann do sie slechtz mit der schauffel am schusz arbeitten. Tucher baumeisterb. 45, 8 Lexer; wann man rechent und zelt denselben taglonern alleweg in ir buchslein den minsten lon zu ieder zeit gleich durchausz, als ob sie alle allein mit der schauffel am schusz arbeitten. 68, 15 (im glossar erklärt als 'mit der wurfschaufel arbeiten, erde auswerfen' —?).
b) wann mir dann nun obliget, sein in gott ruhendes selenkleid, den verblichenen körper, christ - adelichem gebrauch und dem schus nach, .. alhir beysäzzen lassen. Butschky hochd. kanzl. s. 907 (art und weise, vgl. 5, d?).
c) in der gaunersprache der gulden Avé - Lallemant 4, 606 (zu 4?).
 
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schuszangel, f., vgl. schieszangel (sp. 30), mnd. schotangel Schiller-Lübben 4, 124a; schotangel, schlepangel scholen verboden sin. Grimm weisth. 3, 232.
 
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schuszbarthel, m. ein hastig und lebhaft zufahrender, voreilig und ohne überlegung handelnder, unbesonnener, oder auch närrischer mensch; gleichbedeutend mit schusz II, 3, e; vgl. das. und I, 1, d, eine jener zahlreichen zusammensetzungen, die als zweiten theil einen appellativ gebrauchten eigennamen (Barthel aus Bartholomäus) enthalten; in mundartlicher und volksthümlicher redeweise weit verbreitet, s. Campe. Weigand 2, 654. Wander 4, 395. Castelli 252. Hügel 145a. Schöpf 653 Sartorius 114. Reinwald 1, 150. Spiesz 228. Vilmar 374. Kehrein 1, 365. Bernd 279. Frommann 4, 184: ich hatte nie geglaubt, dasz er etwas bedeutendes auf wissenschaftlichem gebiete leisten würde. in Breslau war er allerdings recht fleiszig, aber flüchtig und wühlig, so dasz ich auf ihn das schlesische wort 'schuszbartel' anwenden konnte. Hoffmann v. Fallersleben mein leben 4, 198.
 
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schuszbaum, m.: schusz - bäume, hölzer so über den schacht gelegt (werden), dasz, wann etwas hinab schiesset, niemand schaden nehme, tigna, quibus puteus fodinae tegitur, ne quid decidat Frisch 2, 236a; billots pour mettre les mineurs en sureté Jacobsson 4, 66b; vgl. Adelung. Veith 436.
 
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schuszbereich, m. bereich eines schusses, soweit ein schusz fliegt oder trifft.
 
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schuszblech, n. beim sprengen eisen, die zwischen die spreizen und schieszpflöcke gelegt werden, um das spalten der ersteren zu verhindern, auch schuszstücke. Jacobsson 7, 280. Veith 436, vgl. schieszblech (sp. 30).
 
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schuszbolzen, m. in münzstätten der bolzen, worin der hohe stählerne kegel oder drücker der maschine zum ausschneiden der münzschrote steckt. Adelung. Jacobsson 4, 66b.
 
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schuszbrett, n., an einer schleuse, vgl. DWB schutzbrett; so schon mhd. schoʒ-, schotz-, schuʒ-, schutzbret, s. Lexer hwb. 2, 781; catarrhacta ... schuszbret, schoszbret Dief. gloss. 106b; schusz-brett, n. chiusa, chiuda, chiave, cateratte di stagno Kramer dict. 2, 521c; die saw furet in (den wolf) zu einem schutzbrett, dardurch das wasser auf die müllen lauffet ... der wolf stellet sich zu öberest an das schuszbrett. Steinhöwel (1569) 65b; sie (die kirche) macht ausz höll und fefeur uberall ein loch, ein grub und pful darausz: wie solchs aber zugangen ob vileicht die dilene scheidwand oder das schuszbrett dazwischen verbrunnen, und das fegfeur mit seych erlöscht worden, ist uns hie vil zuhoch zu ergründen. Fischart bienenk. 116b.

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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