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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schuschen bis schüsselbletz (Bd. 15, Sp. 2071 bis 2074)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schuschen, verb., kinderwort in den östlichen gegenden. 1) in Preuszen schûschen und schüschen für schlafen, auch schuschchen machen, schuschu machen. als zuruf, wenn das kind nicht schlafen will: schûsch, de br kömmt! einschûschen einschläfern, in den schlaf singen. Frischbier 2, 324a. 549a. 2) in Posen für pissen, auch schuschu machen Bernd 279.
 
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schuschen, präp., nebenform für zwischen in der ältern sprache und mundartlich, s. daselbst Lexer hwb. 3, 1220. Kehrein 1, 457. cimbr. wb. 229b.
 
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schusel, f. eine hastig und obenhin verfahrende, nachlässige, auch eine flatterhafte, leichtsinnige (weibliche) person, in den östlichen gegenden, s. Campe. Frischbier 2, 312b. Bernd 279, wo ableitung von schusz angenommen wird. ebenso österreichisch schuserl Hügel 145a, s. auch schussel. dazu schuselig, adj. (auch in böhm. Friedland a öss a schuslich Wander 4, 393) und schuseln, verb., an denselben stellen, schûsln, hin und her rennen, übereilt handeln, auch in Kärnten Lexer 228 (Schm. 2, 480 unter schoszeln). — schwäb. schusen vom tosen und blasen des windes Schmid 484 gehört wol nicht hierher.
 
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schuske, f. 'ein kasten, gleich dem vordertheile eines kleinen dielenschiffes, womit man über den schlamm und morast fährt. gemeiniglich ist ein schuske nichts anders, als die eine hälfte eines dielenschiffs, so in der mitte von einander gesägt ist'. brem. wb. 4, 722. Campe. Jacobsson 7, 280a, nach letzterem besonders in Oldenburg üblich.
 
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schüssel, m., nebenform zu schössel sp. 1599, bäckerschaufel: infurnibulum, pala, der schüssel, das bret damit man das brot in ofen scheust. Alberus.
 
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schüssel, f. scutula, scutella, patina: ahd. scuzzila, scuzzula Graff 6, 564, mhd. schüʒʒel, schüʒʒele (md. schuʒʒel, schuʒʒele) Lexer mhd. handwb. 2, 838. mhd. wb. 2, 2, 231, mnd. schottel, schotel, schuttel Schiller - Lübben 4, 127a, nnd. schottel, schotel, scotel, schötel, schöttel, schöttl, die seltsame form schortel bei Schütze 4, 66; mnl. scotele, nnl. schotel, m., fries. schöttel, ags. scutel; vgl. engl. scuttle, altcorn. scudel, kymr. ysgudell, frz. écuelle, ital. scodella. in den

[Bd. 15, Sp. 2072]


nordischen sprachen ist das wort in der bedeutung schüssel nicht vorhanden, altnord. scutill, m. bedeutet tisch, tischblatt. die entnahme aus lat. scutula, die vor dem 8. jahrh. erfolgt ist, zeigt nähere bekanntschaft mit römischen küchen- und speiseeinrichtungen, wol durch die frühesten klöster vermittelt. das geschlecht ist überall fem., nur das mnl. schotel und das altnord. scutill ist masc. der plur. schüsseln, in älterer sprache auch schüssel:

von sulzen auch ain hundert schüssel. fastn. sp. 787, 16;

er sprach, wann man zwo schüssel hat.
H. Sachs (1558) 1, 440a;

selbst aus dem gesichte des Mavors hatten die goldenen schüssel den krieg verscheucht. M. Claudius tändeleyen und erzählungen (Jena 1763) s. 13. schüssel steht
1) in eigentlicher bedeutung als hohles behältnis; in engerem und gewöhnlichem sinne als rundes oder langrundes gefäsz mit flachem boden und rande: zm achten so ist in dem schiff ain schüssel oder ain schöpff, damit man das wasser mag ausz den löcheren schöpffen. Keisersberg schiff d. penit. 6c; gib mir her auff eine schüssel das heubt Johannis des teuffers. Matth. 14, 8; sie setzen ihre schüsseln in ringe um das bad auf die mauer. Freytag bilder (1860) 2, 320;

Thobias pracht ain schüssel dar,
er kam so snelliglichen gegangen,
und hat das plut darin gefangen.
Liliencron volksl. 2, 128, 132;

nach form bezeichnet: die tieffen schüsseln (näpffe) und flachen schüsseln. Comenius 434; platte schüssel, patina, grosze, runde schüssel, tiefe schüssel, gabata, scutra Stieler 1946; eine flache schüssel, patina, lanx, mit einem breiten rand. Frisch 2, 236a, breite schüssel, discus Dentzler 2, 257a; nach stoff: die speisen wurden in schüsseln verschiedener grösze aufgetragen. irdene und hölzerne dienten für den gewöhnlichen gebrauch und im ärmeren hause; metallene, mannigfach verzierte, im reichen. Weinhold d. frauen2 2, 105; (ein meier) soll auch allweil es regnet, vilerlei zeug, der zubrauchen, von holtz schnitzeln, und trähen, als schüsseln, teller, spindeln, zuber. Sebiz feldb. 61; schüssel, ist ein von silber, zinn oder thon rund verfertigtes behältnis mit einem tiefen boden und platten rand umgeben, worin die speisen aufgetragen werden. Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 1787 (in der 3. auflage 1773: von silber, zinn, thon, ächtem oder unächtem porcellan. 3179); und seine gabe war, eine silberne schüssel, hundert und dreiszig sekel werd. 4 Mos. 7, 13; diese zwelff silberne schüssel. 84; du solt auch seine (des altars) schüsseln, becher, kannen, schalen, aus feinem golde machen. 2 Mos. 25, 29; vgl. auch blech-, zinn-schüssel;

(sie) giengen, wenn das abendroth
durch ihre laube blinkte,
zum pallast, wo das abendbrodt
in goldnen schüsseln winkte.
Hölty 27 Halm.

nach inhalt: eine schüssel fische, oder mit fischen, patina piscibus plena Frisch 2, 236a; ein schüsseln sülzen. Bocc. 1, 131b; (die tochter) trug eine schüssel schmerlen auf den tisch. unw. doctor 726; die braut (im Riesengebirge) erhält eine schüssel mit weizen, damit sie fruchtbar werde, eine mit asche und hirse. quellen u. forschungen 51, s. 359; volle, leere schüsseln; die reichhaltigsten schüsseln von der landgräflichen tafel für hungrige bettler. Musäus volksm. 1, 78 Hempel;

ganze schüssel voll sind uns bereit. wunderhorn 1, 336 Boxberger;

sie hungern bey den vollen schüsseln
nach ruhiger zufriedenheit.
Günther 203;

es heiszt aus der schüssel schöpfen, essen, in die schüssel fahren, tauchen, brocken, etwas liegt, schwimmt in der schüssel; (ich) wil Jerusalem ausschütten, wie man schüssel ausschüttet, und wil sie umbstürtzen. 2 kön. 21, 13; nim nicht, das fur jm (deinem nachbar) in der schüssel ligt. Sir. 31, 17; der hatte .. brot eingebrocket in eine tieffe schüssel. drache zu Babel 32; der mit der hand mit mir in die schüssel tauchet. Matth. 26, 23;

in éinem bette haben wir geschlafen,
éin kleid ward brüderlich, éin loos uns beiden;
so lass' uns auch aus éiner schüssel essen.
H. v. Kleist 1, 258 (Amphitr. 3, 8).


2) in übertragener bedeutung für die speise in oder auf der schüssel: bin ich doch beinahe erstickt von dem dufte ihrer groben schüsseln! Möser patr. phant. 1, 161; die maccaroni .. werden meistens nur in wasser abgekocht und der geriebene käse schmälzt und würzt zugleich die schüssel. Göthe 28, 273;

[Bd. 15, Sp. 2073]


(knoblauch,) durch welchen jene schüsseln erst recht schmackhaft werden. 30, 48; den appetit für schüssel und bouteille. Kant 10, 311; leute, die sich mit dem degen an der seite den weg bahnen zur schüssel. J. Paul kom. anhang zum Tit. 2, 14;

schluogen mich zuo einr guoten schüssel. fastn. sp. 339, 4;

bis er ein mahl zu stande brachte,
wovon ein wohlbetagtes huhn ...
die beste schüssel machte.
Wieland 9, 59;

als eine art maszbestimmung, mit beziehung auf eine anzahl durch solche schüssel zu sättigende personen: we bruetlacht doen wil an deme lande, de mach syne frunde dar wol to bidden, mer he en schal nicht meer den 24 schottelen geven, twe lude to der schottelen. Billwärder recht im nd. korrespondenzbl. 4, 42; es soll auch niemand zu einer hochzeit nit mehr leut laden, noch haben, denn zu sechs schüsseln und je drei personen über eine schüssel. Ravensberger hochzeitordn. bei Birlinger volksth. aus Schwaben 2, nr. 345 (s. 399); bei den schiffsleuten bedeutet schüssel eine zahl von sieben rationen oder portionen. Jacobsson 7, 280b.
3) als technische bezeichnung: bei der mühle, dasselbe was kumm oder pfanne beim mühlenbau Jacobsson 4, 67a; bei den jägern schüsseln provincielle benennung der ohren von rot-, dam- und elenwild Behlen 5, 561; an der sichel:

an welchem schafft (der sichel) ein viereckt holtz, das platt,
und welches man die schüssel heiszt,
ganz unten eine stelle hat,
nicht nur zu einem gleich-gewicht,
nein auch dazu, damit es nicht,
der hand so wenig, als dem bein
im hauen dürft' im wege seyn.
Brockes 7 (1746), 213.


4) schüssel, hohlpfennig, bracteat: von einer wiese in Eiterhagen versprechen die beständer jährlich auf St. Jacobstag zu geben und bezalin dryhundert schusseln. urk. vom Erasmustag 1418 bei Vilmar 375; goldene schüsseln, sogenannte regenbogenpfennige, bis 1830 in Hessen häufig gefunden. ebenda. vgl. DWB schüsselpfennig.
5) schüsseln, eine art schalthiere mit einer ungewundenen konoidischen schale, auch napfmuschel, schalmuschel genannt. Adelung, vgl. DWB schüsselmuschel; allgemeiner heiszt überhaupt in naturwissenschaftlicher sprache ein runder dünner körper mit einem rande schüssel. Campe.
6) schüsseln, die schalen der wage: ein wag hat zwo schüsseln, auff jeglicher seiten eine und hat oben ein zunglein. Pauli schimpf und ernst 31b; ein rotzig mönchsnasz ... hat zwey löcher wie die waag zwey schüsseln. Fischart groszm. (kloster 8, 551);

nam Jupiter ein schüsselwag
von gold gemachet, in sein hand.
in die ein schüssel leget er
das ungelück der Griechen.
Spreng Ilias 96a.


7) schüssel, im bilde: man nimmt dieses büchlein wie andre, für speise, da es eigentlich die schüssel ist. wer nichts hinein zu legen hat, findet sie leer. Göthe 29, 115; sprichwörtlich und in redensarten: denn wo ers (herzog Friedrich das regiment) hette aus den henden gegeben, und sich lassen regirn, solt wol sein glück und weisheit sich umbgekeret haben, und er durch seine kluge rehte dahin komen sein, das er hette einen leffel müssen auffheben, und eine schüssel zutretten. Luther 6, 140a; er ist der erste in der schüssel, wann es der vornehmste an tisch thut, ist es ein kennzeichen seines guten appetits, ist es ein anderer, so bedeutet es seine grobheit. Frisch 2, 236a; wen't brij regnet, sunt mine schotteln umme keret. brem. wb. 4, 684 (vgl.wennt geld regnet, heff ik min schötteln to huus. Schütze 4, 65); das glück speist uns nicht alle mahl aus vollen schüsseln. Steinbach 2, 525; ungleiche schüsseln machen schielende brüder. Simrock 502; für die schüssel die flasche. ebenda; der erste in der schüssel, der letzte heraus. ebenda; drei schüsseln leer und in der vierten nichts. ebenda; lieber eine schüssel mehr und bequem sitzen. 516;

wer protzt (mault) bei der schüssel,
dem schadets am rüssel. 502;

einen von der schüssel bringen (von der kost). Frommann 3, 330; auff d' schüssl schlagen, liberius tractare Schm. 2, 481; einen auf der schüssel haben, ihn verköstigen; etwas auf der schüssel haben, es sich vorgeworfen sehen (hören) müssen. ebenda; der mann zerbricht die häfen und das weib die schüsseln (die ganze haushaltung geht dem verderben zu). Schmid 622; en schöttel utsetten, damit vom heil. christ zu weihnachten etwas darauf gelegt werde. holstein. weihnachtsgebrauch bei Schütze

[Bd. 15, Sp. 2074]


4, 65; enen to'r watrigen schottel setten, einen an den bettelstab bringen. brem. wb. 4, 684; die gedancken immer in schüsseln haben (ans essen denken), haver i pensieri ne' piatti, non pensar ch' al ventre. Kramer deutsch-ital. dict. 2, 685c.
 
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schüsselalaun, m. alumen catinum Nemnich.
 
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schüsselbank, f., ostfries. schöttelbank, ein dem anricht ähnliches küchengerät zum aufstellen von schüsseln. ten Doornkaat Koolman 3, 140a.
 
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schüsselblatt, n. an der wage, lanx Dief.-Wülcker 847a.
 
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schüsselblech, n. weiszblech Karmarsch-Heeren3 8, 50.
 
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schüsselbletz, m. bletz (vgl. theil 2, 109), lappen zum reinigen der schüsseln (s. auch schüsselfleck):

du stost do wie ein kuchemätz,
dir fgt nun wol ein schüsselblätz.
P. Gengenbach gouchmat 737.

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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