Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schurzeit bis schürzensaum (Bd. 15, Sp. 2063 bis 2068)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schurzeit, f., sprichwörtlich: zur schurzeit bin ich immer bei meiner heerde, sagte der pfaff, als man ihm sagte, er sei ein untreuer hirt, der sie vernachlässige. Wander 4, 393.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schürzel, n.
1) vgl. DWB schürze und DWB schürzlein: schürze, die .. dicitur etiam schürzel Stieler 1942; in Aachen der schozel, schürze, schurz Müller-Weitz 222.
2) schürzel, aufschürzel, nd. schörtel, upschörtel, ein breites band zum aufschürzen der röcke bei den landmädchen und frauen, besonders in Niedersachsen. Jacobsson 1, 86b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schürzen, verb. kürzer machen, ein kleid in die höhe gürten, einen knoten schlingen. eine causativbildung zu dem adj. scurz, vgl. DWB schurz, m. nachdem für dieses fremder ursprung abgelehnt ist, wird man ihn um so weniger für schürzen annehmen wollen, wie bei Kluge5 339a und in den mém. de la soc. de linguistique 9, 93 ff. vorgeschlagen wird. das altlat. kennt nur curtare, das

[Bd. 15, Sp. 2064]


in span. port. cortar fortlebt; im mittellat. dazu die zusammensetzung excurtare, s. Du Cange 3, 353b, davon ital. scortare, prov. escortar, franz. écourter. die meisten roman. sprachen weisen auf eine weiterbildung *excurtiare zurück, so it. scorciare, span. escorzar, altfranz. escorcer, escoursser, wallon. horsî, s. Diez4 287 f. Körting lat.-roman. wb. 296. es wäre denkbar, dasz diese bildung hinsichtlich des eingeschobenen i durch das deutsche *skurtjan beeinfluszt wäre, doch ist auch diese annahme unnötig, da hausser zu haut eine genaue analogie bietet. daher nimmt Diez a. a. o. zufälliges zusammentreffen beider sprachen an. — das wort ist auf das deutsche sprachgebiet beschränkt: mhd. schürzen, schurzen, mitteld. ganz vereinzelt schurten Lexer handwb. 2, 831 f., mnd. schorten Schiller-Lübben 4, 121b. 256a, mnl. scorten und scorsen (nach dem franz.): schorssen, schorten, suspendere, subducere, attollere, succingere, accingere, adstringere, contrahere Kilian; schorten vel schorssen, succingere, suspendere. ebenda. daneben auch schorten, holl. sicamb. fris. deesse, deficere. ebenda, vgl. altn. skorta mangeln (zustandsbildung zu skurt-). die form bietet keine wesentlichen abweichungen: succingere hd. schurtzen, schrtzen, schirtzen, schortzen, under-, auff-, uffschurczen .. nd. schorten Dief. gloss. 563c; vgl. auch Weigand 2, 653. mundartlich besonders im niederd. schorten brem. wb. 4, 677 f., schörten Richey 238. Schütze 4, 62. Dähnert 410b. Danneil 186b. Mi 76b. Schambach 184b. Stürenburg 232a. ten Doornkaat Koolman 3, 138, vgl. 137 (in den beiden letzteren daneben schorten, fehlen, mangeln, gebrechen). über schürzen, scherzen im mitteldeutschen s. unten. sonst auf hochd. boden nur nordfränkisch ânschorze, mit einer schlinge befestigen, s. Hertel sprachsch. 223.
1) in der allgemeinen bedeutung 'kürzen' nur in der ältern sprache; so das leben schürzen u. a.:

und wâren niht geschiurzit
die tage noch gekiurzit,
die der endecrist sol lebin ...
so wurde nieman danne behalten.
Hugo v. Langenstein Martina 196, 71;

ähnliches:

de overge (übermäszige) torne kan dat levent korten,
de aderen roren, de senen schorten. quelle bei
Schiller-Lübben 4, 121b;

se (luxuria) kortet de dage unde lenget de nacht,
dat levent se kortet, dat gut se schortet. s. ebenda.

die rede:

dâ von wil ich eʒ kurtzin
und mîne rede schurtzin. Martina (s. oben) 51, 28 (ähnlich 47, 60).

wie man sieht, ist es fast immer der reim auf kürzen, der die wahl des wortes bestimmt. unter diesem schutze begegnet es auch noch vereinzelt im nhd.:

ich möchte dieses buch wohl gern zusammen schürzen,
dasz es den andern wäre gleich geschnürt.
allein wie willst du wort und blatt verkürzen,
wenn liebeswahnsinn dich ins weite führt.
Göthe 5, 173.

belege aus der prosa fehlen. folgende verwendung ist erst aus der bedeutung 2 abgeleitet:

im reden vor dem volk
war jener (Menelaus) aufgeschürzt und kurz, doch scharf.
Bürger 153b (Il. 3, 271).


2) gewöhnlich eingeschränkt auf eine spezielle verwendung: die kleider, besonders die langen frauenröcke, kürzer machen, indem man sie in die höhe nimmt und um die hüften mit einem bande festgürtet oder sonst befestigt; dafür auch aufschürzen (theil 1, 731): auff schürtzen, gürten, accingere Dasypodius; schurtzen, se retrousser Hulsius 291a; schürtzen, succingere Schottel 1411; alzare, cigner' alto, succignere, raccogliere, accignere i panni v. aufschürtzen etc. gürten. Kramer dict. 2, 684b; cingere, in-, praecingere Stieler 1942; ich schürtze, succinctorio cingo Steinbach 2, 525; schürzen, heiszt das lange niederkleid, oder auch das ober-kleid etwas zur bequemlichkeit in die höhe gürten, colligere diffluentem vestem et cingulo breviorem facere Frisch 2, 235a.
a) das kleid, den rock schürzen:

mit rîchin rockin wol gesnitin,
nâch den franzischin sitin
vil ebin an sich gescurzt
und zuo der erdin gekurzt. Athis C*, 63 (
W. Grimm kl. schr. 3, 325a);

sî het geschürzet ir gewant
mit ir hant.
Neidhart v. Reuental lv, 8 Haupt;

schürzt das röckchen, tanzet reigen.
Hölty 132 Halm;

und die goldene last zog das geschürzte gewand.
Göthe 1, 299;

[Bd. 15, Sp. 2065]


sie hatte den rock bis über die knie hinauf geschürzet. Jucundiss. 126; da dieser pfad öfter feucht war und von wasserpflanzen und gesträuchen beengt, schürzte sie das hellgrüne, mit roten punkten besetzte kleid. Keller 1, 247. seltenere, zum theil nicht ganz klare verbindungen: dann meine geschürtzte page hosen taugten nichts zum handel. Simpl. 1, 126, 9 Kurz; sofort schürzte er seine kutte. Scheffel Ekkeh. 15;

sin kutt was wol geschurtzt.
Altswert 235, 23.

mit angabe des zweckes (vgl. b):

und sie schürzt das kleid zum tanze.
Keller 10, 223;

wenn du dazu nicht schürzest den gurt,
so geht hier land und leben uns fort.
Rückert Firdosi 1, 316.


b) die ursprüngliche bedeutung ist ganz verblaszt in der sehr gewöhnlichen abgekürzten wendung sich schürzen: sich schürzen, alzarsi i panni con una cintola; succignerseli, cignerseli alto, it. cignersi un lenzuolo ò un grembiale, met. apprestarsi al viaggio, al ballo, ò à far qualche faccenda, sucida e imbrattante, it. à servire in genere. das mägdlein hat sich artig geschürtzet. Kramer dict. 2, 684b; sich sehr lose schürzen, fluxiore cinctura cingi. sich hoch, sive bis an die knie schürzen, alte cingi, tunicam super suras colligere Stieler 1943; schürtze dich, und diene mir. Luc. 17, 8; da schürtzet sich die fraw, knyet zum kübel. Garg. 73b; dann schürze dich hurtig und schreite rüstig zu, dasz du gelangest in's gebirge. Musäus volksm. 1, 30 Hempel; komm! schürz' und schwinge dich! H. v. Kleist Käthchen 4, 1;

Floridelîse gurte und schurzte sich.
Heinr. v. Neustadt Apoll. 20506;

recht als ein dirne, dî begurt
und wol ebene geschurt
hette sich in ire cleit
und zu wandirne gereit.
Nic. v. Jeroschin 6482;

schürtz dich, Gretlin, schürtz dich,
du must mit mir darvon. Garg. 92a (vgl. wunderhorn 1, 89 Boxberger.
Uhland volksl. 256, 1);

wie dasz sich unten schürtzt und oben Bonna deckt?
weil jhr das schön ums knie, und nicht in augen steckt.
Logau 1, 116, 93;

munter schürzt sich die dirne.
Zachariä tageszeiten 69;

schön liebchen schürzte, sprang und schwang
sich auf das rosz behende.
Bürger 14b;

als er auf das schlosz gekommen,
müssen sich die köche schürzen,
müssen gleich den hirsch bereiten
und ein seltnes herze würzen.
Uhland ged. 274.

man schürzt sich meistens, um es sich bei einer thätigkeit leicht und bequem zu machen, nimmt das kleid hoch, damit es einem nicht behinderlich sei oder auch damit es nicht beschmutzt oder beschädigt werde. daher heiszt sich schürzen manchmal geradezu: sich zu etwas bereit machen, rüsten, anschicken, vgl.: sich schürtzen unnd rüsten, praecingere Maaler 362d. mit ausdrücklicher angabe sich zu einer arbeit, einem gange schürzen: wie sich ein diener auffschürtzet oder geschickt macht seinem herrn auffzuwarten, oder etwas zu tragen. Kirchhof milit. discipl. 114;

den rât müeʒt ir kürzen
und ûf die vart iuch schürzen. Reinfried von Braunschweig 7620;

sô sach man disen schürzen
sich ûf ritterlîchen guft. 11350;

ich möchte mich sogleich zur arbeit schürzen,
du bist gewandt die wege mir zu kürzen.
Göthe 41, 106 (Faust II, 2);

vom thron er stieg, auf den sattel sich schwang,
und schürzte sich dienstbar zu diesem gang.
Rückert Firdosi 1, 96;

mit infinitiv:

drauf schürzen sich die andern beiden
ihn auszukleiden.
Wieland 18, 338.

im bilde:

swar der sin sich schürzet,
dâ jagent die gedenke nâch. Reinfried von Braunschweig 2410;

wie eilt die stränge zeit (einer epidemie), das alter abzukürtzen! ..
drum sollen wir zur fahrt uns unverzüglich schürtzen.
Rompler v. Löwenhalt 74;

kühne, trikolore dirne (Freiheit),
schürze wieder dich zum tanze!
Keller 10, 44.


c) ähnlich ist den arm schürzen oder aufschürzen (s. das.), ihn entblöszen, indem man den ärmel des kleides zurückstreift (diese bedeutung ist vielleicht auch in einigen der unter b angeführten stellen anzunehmen):

[Bd. 15, Sp. 2066]


oft schürzt sie, ohne mindsten harm,
dasz ihre zarte haut den schönen schmelz verliere,
beym wassertrog, vor ihrer hüttenthüre,
den schlanken schwanenweiszen arm.
Wieland 23, 97 (Ober. 8, 45).


d) selten sagt man einen (andern) schürzen, — bildlich etwa im sinne von gängeln:

nur kinder mag also ihr (der Regula) laufzaum schürzen!
Bürger 28b.


e) sehr gewöhnlich ist das particip geschürzt,
α) vom gewande, vgl. a: ich ... hatte nun auch das neunte röslein erobert und in meinem geschürzten vortuche bewahrt. Brentano 4, 132;

du brachst nun die früchte geschäftig,
und die goldene last zog das geschürzte gewand.
Göthe 1, 299;

so auch:

durch der wünsche dornenland
wandle leicht geschürzten saumes.
Rückert ged. 1, 303.


β) auf den menschen übertragen: geschürtzte nymphen und waldgöttinnen mit bloszen armen, nimfe e hamedriade succinte ȧ braccia nude Kramer dict. 2, 684b; aufblickend sah er eine reihe geschürzter mägde, welche die vollen milcheimer nach dem gewölbe trugen. Freytag handschr. 1, 114;

wolgevalten sost er in dem rocke,
vil ebene geschürzet.
Neithart v. Reuental xxiv, 11 Haupt;

es hiesz ...
sie (Venus) sey auf Ida oft zu ihm herab gestiegen,
und hab' ihm da, nach nymfenart geschürzt,
als jägerin die zeit verkürzt.
Wieland 10, 170;

sie tanzen nymfenhaft geschürzet. 9, 328;

der tanz geschürzter horen.
Rückert ged. 10;

im aufzug einer sinnberaubten ...
mit dem gewand geschürzet. werke 12, 57 (Nal 14).


γ) mit adverbialem zusatz, wie hoch geschürzt, auch als ein wort geschrieben, s. das. (th. 4, 2, 1620): hoch geschürtzt, bis an die knie geschürtzt, alzati, succinti i panni fin' alle ginocchia Kramer dict. 2, 684b; ihre sehr schönen arme waren in weiten, hoch aufgeschürzten ärmeln fast ganz zu sehen. Wieland 2, 43 (Agath. 7, 6);

der sahl eröffnet sich, und eine nymfe tritt
herein, das haupt mit einem korb beladen ...
so hoch geschürzt, dasz jeder schnelle schritt
den schlanken fusz bis an die feinsten waden,
und oft sogar ein knie von wachs entdeckt. 9, 72 (Musarion 2);

da sie (Atalante) ums jawort, hoch geschürzt,
mit ihren freiern wetterannte.
Bürger 19a;

die hochgeschürzte tunika
umschlieszt die schlanken leiber.
H. Heine 1, 349 Elster.

leicht geschürzt, vgl. theil 6, 645: ein derber .. junger mann, leicht geschürzt. Göthe 21, 5;

hier geht
der sorgenvolle kaufmann und der leicht
geschürzte pilger.
Schiller Tell 4, 3.


δ) zuweilen steht geschürzt auch in der freiern bedeutung 'gerüstet, bereit zu etwas':

sam die zuo der flühte sint geschürzet.
Konrad v. Würzburg lieder 31, 31;

der könig, wie er dies vernahm, war er geschürzt,
dasz nicht ein solcher gast an ehren sei verkürzt.
da zogen auf's gebot des königs alle degen,
die edlen all des hofs, dem edelsten entgegen.
Rückert werke (1882) 12, 130 (Rostem 1, 4);

immer den schahen zu dienst geschürzt. Firdosi 1, 226.


3) in freierer verwendung von gewissen theilen des menschlichen leibes oder der haut, sie zusammenziehen, in falten legen oder ähnliches, so die stirne:

wo man nur flämisch sieht, die stirne schürtzt und faltet,
wo blasse traurigkeit im hertzen schalt: und waltet.
Scherffer ged. 545.

besonders aber die lippen: seine lippen schürzte ein erhabener unmuth. Immermann Münchh. 3, 42;

ja, schürze nur die stolze lippe, runzle nur
die brauen, wölfin!
Geibel 6, 62 (Brunhild 3, 7).

so auch:

dann schwebte ein taubenmildes lächeln
um die hochgeschürzten, stolzen lippen,
und die hochgeschürzten, stolzen lippen
hauchten worte, süsz wie mondlicht.
H. Heine 1, 182 Elster (nordsee 2, 3).

ähnlich die nase schürzen, rümpfen, als ausdruck des spottes oder der verachtung: de nse schorten efte bespotten, narire, hor. Belg. 7, 33b (gemma); schorssen oft schorten den neuse, corrugare nares Kilian. auch in anderm sinne: die nase aufschürtzen ò schürtzen (den rotz auffziehen). Kramer dict.

[Bd. 15, Sp. 2067]


2, 685a; daneben: eine aufgeschürzte nase, vulg. die wegen des über sich stehens kurz ist, nasus resimus Frisch 2, 235a.
4) anders gewendet ist die ursprüngliche bedeutung in folgenden verbindungen.
a) einen mantel u. a. um die schultern schürzen, schlagen, winden, von 2, a ausgehend, doch ist der begriff des verkürzens und aufnehmens ganz aufgegeben:

doch werd' ich ihn (den leun) stürzen
mit dem speer in der hand,
um die schultern mir schürzen
sein goldgewand.
Uhland ged. (1864) 386.

ähnlich:

flicht dir ein satteldeck, und schürtz sie ubert lend.
H. Sachs 4, 3, 77b.

auch ein seil um etwas schürzen, schlingen, winden:

ein seil man ouch dô schurtzte
umbe sînen hals im durch leit. pass. 218, 94 Hahn.


b) daher auch einen knoten schürzen, schlingen, knüpfen; zunächst eigentlich:

so kömpstu in des henckers macht,
der hinderm nacken knoten schürtzt,
den cörper lengt, den athem kürtzt.
B. Ringwaldt lauter warh. 51;

edler Philötios, dir sei des hofthors sorge vertrauet;
schleusz mit dem riegel es fest und schürz' ihm behende den knoten.
Voss Odyssee 21, 241;

häufiger im bilde, besonders von der entwicklung eines dramas, eines romans u. ähnl.: was das stück selbst (Jon) betrifft, so läszt sich von demselben ... sagen, dasz es sich sehr gut exponire, ... dasz höchst interessante situationen entstehen und den knoten schürzen, der theils durch vernunft und überredung, theils durch die wundervolle erscheinung zuletzt gelös't wird. Göthe 45, 9; der philosoph schürzt einen knoten nach dem andern bei dingen, wo der einfache sinn durchaus keine schwierigkeit wahrnimmt. Schlosser weltgesch. 8, 227;

du hast den knoten
geschürzt, du hast ihn auch gelöst. tritt ab!
H. v. Kleist Schroffenstein 5, ende;

da stets das schicksal tückisch ist, sobald es seine knoten schürzt.
Platen 296b.


c) für knoten können auch andere ausdrücke eintreten, theils in ähnlichem bilde, theils unbildlich gewendet: da wuszte er (Arminius) die fäden einer verschwörung so fein und so geheim zu schürzen, dasz der Römer ... obschon gewarnt, doch in sein netz ging. Giesebrecht gesch. d. d. kaiserzeit 15, 20; mit je festerer hand der junge könig die zügel des regiments führte, desto enger schürzten sich die bande der deutschen stämme. 277;

Sudabe blickt' und war bestürzt,
manche list in gedanken sie schürzt'.
Rückert Firdosi 2, 164;

bis du dich nah'st, in meinen arm zu stürzen,
und fester nur mit deinem süszen flüstern
des eig'nen lebens räthsel mir zu schürzen.
Leuthold ged. 177.


d) zusammenschürzen, schürzen bedeutet manchmal geradezu 'zusammenbinden, verbinden, verknüpfen', so besonders mnd.: de konink hadde gemaket en vlot van groten bomen to hope schortet. quelle bei Schiller-Lübben 4, 121b; up dat ik in dem utersten lesten dage mit dy und an dy geschortet mote werden. s. ebenda; dat hovet (kapitell) und de sulen weren to hope schortet mit ener keden. bücher d. könige 135 Merzd.; so auch:

en bessen, gheschortetvan nyen riseren. nd. jahrb. 3, 72.


5) zuweilen geht schürzen über in die bedeutung 'mit einem schurz (oder einer schürze) versehen': ich weis wol, wie böse gewissen thun, wenn sie sich mit feigenblettern beginnen zu schürtzen und wollen sich bergen. Luther 3, 342a; geschürzte mädchen. Campe. in folgender stelle erscheint diese bedeutung neben 4, a (umbinden), wie es scheint, lautlich differenziert und also wol als eigenes wort empfunden: he (Christus) schortede vor sik en lynnen laken ... laken, dar he mede schurtet was. qu. bei Schiller-Lübben 4, 121b.
6) eigen ist die übertragene wendung einen termin, eine sache schürzen, aufschieben, verschieben, wofür öfter aufschürzen (s. th. 1, 731, ferner mnd. upschorten Schiller-Lübben 5, 127b) eigentlich in die höhe gürten, daher dann weiter hinausschieben (vgl. auf schieben), wo also der sinn der ursprünglichen grundbedeutung genau entgegengesetzt ist. die wendung findet sich im nd.-nl. und mitteld. (fränk.) der ältern zeit: schorssen het werck, suspendere opus, sistere, intermittere opus Kilian; dat de sake schall berouwen von desseme dage, so dat dar

[Bd. 15, Sp. 2068]


nichtes ynne werde gefordert ofte vorgenamen, sunder alles werde geschortedt unde upgehanghen, so wy de tegenwardich uppschorten unde uphangen. urk. v. 1498 bei Schiller-Lübben 4, 121b; ir wollent den genanten tag schurczen und erstrecken bisz uff mantag adder dinstag. Friedberger urk. von 1483 bei Dief.-Wülcker 847; sunder sie erkennen, dasz sie pflichtig sint, unsern gnedigsten herrn von Mentze solichen dinglichen tag zu halten; und den habe nyemant macht uffzuschurtzen. Grimm weisth. 1, 550 (aus Berstadt im Rheingau vom jahre 1489).
7) technisches und besonderheiten.
a) bei den webern, einen faden durch eine schleife oder einen knoten zusammenbinden. Jacobsson 4, 66b; schürzen der ketten, wenn ein zerrissener faden nicht wieder sorgfältig angeknüpft, sondern nur lose um den gang geschlungen wird. ebenda, vgl. 4, b. d.
b) in fränk.-obersächs. mundarten schürzen und scherzen, den dienst verlassen, vom gesinde, s. Schm. 2, 473 (Nordfranken). Vilmar 374. Pfister 270 f. Anton 4, 9. vgl. zweites scherzen, theil 8, 2599 f. es gehört wol zu scherzen, jocari; will man es zu schürzen stellen, so nimmt man dies am besten in der bedeutung 'sein bündel schnüren, packen' (vgl. 4, d).
c) ein ganz andres wort ist vielleicht das bair. schürzen, auslesen, absondern: die koler sollen alles holz, wie es ihnen verwiesen, gutes und böses, ohne ausgeschürtzt, aufarbeiten und abkolen. Neuburger forstordn. von 1690 bei Schm. 2, 474; bei Schaffhausen schorzen, ausjäten, s. ebenda.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schürzenamt, n. amt, wozu einer durch eine schürze (vgl. daselbst 2), eine frau, die er heiratet oder die ihn begünstigt, gekommen ist (vgl. schürzenpfarrei). Campe.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schürzenband, n., band, womit die schürze vorgebunden wird. Campe: Lorle stand da mit zitterndem atem; sie wand das festangezogene schürzenband um einen finger, dasz es tief einschnitt. Auerbach dorfgesch. 2, 23; Maredore wurde noch etwas röter als sonst und spielte halb schmollend mit ihrem schürzenband. Ludwig 2, 482; sprichwörtlich sagt man von kindern, die immer bei der mutter sein wollen, sie hängen an ihrem schürzenbande, s. Wander 4, 393; ähnlich auch: du wardst woll en beten stramm an ehren schörtenband anbunnen warden, un wo lütt de achterflicken (absätze) an ehr pantüffeln sünd, ward ein' di nahsten woll von den pelz lesen kænen. Reuter 3, 219.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schürzenfreund, m.: er ist en schürzefreund, ein freund des schönen geschlechts. Wander 4, 393 (vgl. DWB schürze 2). ähnlich auch schürzenjäger, m. ebenda.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schürzenkandidat, m. kandidat der frauen, s. Kluge studentensprache 124a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schürzenleinen, -leinwand, f. leinen zu schürzen. schürzenleinwandballen. Jacobsson 1, 296a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schürzenpfarrei, f., die man der heirat mit der tochter oder witwe des vorgängers verdankt, vgl. DWB schürze 2 und schürzenamt: sogen. 'schürzenpfarreien', wie sie einst Thümmel in seiner ... 'Wilhelmine' schilderte, sind bis auf den heutigen tag in Altengland nicht ganz unbekannt. Augsburger allgem. zeitung 1869, s. 2093b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schürzenrand, m.: ohne die hände, die an den schürzenrändern zerrten, zu erheben, sank sie an seine brust. Anzengruber3 2, 272.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schürzensaum, m.: das weib (sasz da) mit dem schürzensaume spielend. Anzengruber3 1, 216.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

Artikel 11 bis 20 von 41 Nächste Treffer Vorherige Treffer
11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
Artikel 11 bis 20 von 41 Nächste Treffer Vorherige Treffer