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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schürze bis schürzenrand (Bd. 15, Sp. 2060 bis 2068)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schürze, f. ein stück zeug zur bedeckung des unterleibes und der schenkel, ähnlich wie schurz, m., nur meist als frauentracht. es steht in engster beziehung zu schurz, woselbst über die etymologie gehandelt ist, ist aber ein gemeingermanisches wort (grundform *skurtjô), vgl. altn. isländ. skyrta, norw. skjørta, skjurta, sjorta Aasen 697a, dän. skjorte; mittelengl. schirte, sherte, shurte, engl. shirt, vgl. Skeat 548b, überall in der bedeutung hemd, besonders mannshemd; ferner mnl. schorte, supparus, supparum, et succinctorium, praecinctorium, castula Kilian; holländ. schort, vgl. Franck 859, mnd. schorte (? vgl. DWB schurz 1, e) Schiller-Lübben 4, 121a. vgl. zum ganzen Weigand 2, 652 f. Kluge5 339a. J. Grimm gramm. 13, 435. 3, 447. kl. schr. 6, 332. dem ältern hochd. ist das wort vollkommen fremd; in der nhd. schriftsprache begegnet es erst in der 2. hälfte des 17. jh. (zuerst bei Comenius, 1657). mundartlich ist schürze besonders im nd. allgemein verbreitet in der form schörte, schört, schorte; doch ist zu beachten, dasz es hier auszer der im nhd. herrschenden bedeutung, die sich überall findet (nur in Hamburg dafür plate oder vörschoot Richey 238, in Bremen schorte und vörschorte brem. wb. 4, 677), auch andre verwendungen aufweist, nämlich 1) frauenrock (der ursprünglichen bedeutung näher stehend), so in Blankenese schöt nd. korrespondenzbl. 8, 45; ein 'dünner weiblicher rock, der um den halben leib geschürzt wird, und bis auf die füsze hinab geht' brem. wb. 4, 677. Richey 238, in Hamburg auch regen - schörte, schwarzer überrock der erwachsenen. ebenda, s. auch Schütze 4, 62; ostfries. (over-)schört, überwurf, blouse Stürenburg 232a. 2) schleife, knoten Richey 238. brem. wb. 4, 677. Schütze 4, 62, vielleicht erst aus dem verb. schürzen gebildet. die bedeutung 'schürze' ist bezeugt bei Strodtmann 374b. brem. wb. a. a. o. Schütze 4, 62. Dähnert 410b (auch mannsschurz). Mi 76b. Stürenburg 232a. ten Doornkaat Koolman 3, 136b. Schambach 184b. Woeste 230b. auf hochd. gebiete ist das wort nur ganz vereinzelt bei Hertel sprachsch. 223 für das thür. Winterstein (in der form schyrzen) bezeugt. man kann demnach annehmen, dasz das gemein - germanische schürze dem hochd. sprachstamme früh verloren gegangen und durch die neubildung schurz, m. ersetzt, und dann erst im 17. jahrh. wieder aus dem nd. eingeführt ist. auffällig ist dabei nur, dasz schorte auch im mnd. nur so schwach bezeugt ist; ist es vielleicht auch ins nd. erst von auswärts (etwa aus dem nl.) eingedrungen?
1) semicinctium, ein fürtuch, ein schürtze. Corvinus fons lat. 152b; ventrale ein fürtuch, eine schürtze. 715b; schürtze, f. schürtzel, n. it. schürtztuch, n. schürtz- ò schurtzfleck, m

[Bd. 15, Sp. 2061]


vor-schürtze, f. grembiale ... v. fleck, vortuch etc. Kramer dict. 2, 684b; die schürze, succinctorium, succinctium, supparum Stieler 1942; schürtze (die) succinctorium foemineum, perizonium Steinbach 2, 525; schürze, der weibs - persohnen, sonderlich der bürgerlichen, praecinctorium foeminarum Frisch 2, 235a; weiber kleidung sind: das leibichen ... die schürtzen. Comenius sprachenth. 513; schürtze ist ein von weiszer leinwand, scheyer, schwäbisch, coton, nesseltuch, glatt und gestreift, cammertuch, falten-tuch, terletenk oder andern klaren gewebe und zeug, langes und in falten gebrachtes, auch oben in einem bund zusammen gereyhetes tuch, so die weibes-bilder fürzubinden pflegen; sind von vielerley arten: als schlecht oder mit mahler-nahd (musterstickerei) durchnehet und gezogen, mit spitzen, canten, zäcklein frisiret und umstochen, bogenweise ausgeschlungen, mit oder ohne saum, auch öffters blinden saum, mit bündlein auffgesetzet oder nur mit einem bande durchzogen, weisz, blau oder bunt, mit oder ohne latz, lang oder kurtz, deren letztere tändel - schürtzen genennet ... sind; das schwäbische frauenzimmer machet die langen schürtzen von schwartzen stoff, damast, atlas, taffet, cammelot und andern zeugen so um und um mit schwartzen breiten spitzen starck frisiret seynd. in Ulm und Augspurg heiszen die schürtzen fürflecke, in Straszburg und Saltzburg für-tücher, in Nürnberg fleck oder schurtz. Schultz alltagsleben 49. auch sonst finden sich namentlich im hochd., wo das wort der volkssprache ja fremd ist, vielfach andre ausdrücke dafür verwendet. so führt Adelung auszer den genannten an fürsteck (Augsburg), fürling, fürbrettling (rotwelsch). am verbreitetsten ist im hochd. fürtuch, s. theil 4, 1, 920 ff. man unterscheidet die schürzen nach dem, der sie trägt, in frauen-, weiber-, kinder-, auch manns-schürze Kramer dict. 2, 684c (vgl. unten 3), nach ihrer bestimmung in arbeits-, haus-, küchen-, gesellschafts-, tändelschürze, bei Kramer auch bad-, spül-, reib-, feg-, wasch-, abwaschschürze, badeschürze castula Stieler 1942 (vgl. DWB schurz), ferner staub-, unterschürze, nach dem stoff in leinwand-, seiden-, taft-, flor-, damast-, spitzenschürze, nach der farbe lohschürze, flammeum Stieler 1942, nach form und schnitt in latz-, falten-, blousen-, haftel-, reif-, brust-, knieschürze (Göckingk pros. schr. 257), achsel- oder ärmelschürze (mit armlöchern, besonders für kinder), bei Kramer sack- oder schubsack- und schlapp-, schleppschürze, s. Kramer a. a. o. Stieler 1942 und die einzelnen zusammensetzungen.
a) belege aus der litteratur: eine röthe, dasz ich denke, ihre schürze wird angehen, flammt über ihr antlitz empor. H. v. Kleist Käthchen 1, 1;

sieh das blut auf meiner schürze,
meiner jüngsten taube blut.
Herder 28, 410 Suphan (Cid 7);

zum chorrock, der uns wohlgefiel,
gaben die schwestern ihre schürzen.
Göthe 2, 222.


b) mit adjectivischer bestimmung: eine saubere, neugewaschene schürtze, eine schmutzige .. schürtze, grobe schürtze, klare schürtze, weisze, blaue, grüne, schwartze schürtze. Kramer dict. 2, 684c; blaue, weisze schürze; grobe schürze, supparum ex tela trilice, stupea, cannabina, klare, sive leinwadschürze, ex bysso, sindone; gebleichte schürze, ex linteo fole curato, ungebleichte schürze; faltichte schürze, sinubus ordinatum Stieler 1942; ich schenkte ihr neulich eine abgelegte weisze schürze; aber sie liesz sie aus hochmuth in der stadt ponso färben. J. Paul kom. anh. zum Titan 1, 23; ein dickes weibsbild ... reinigte die durch gartenarbeit beschmutzten hände an der blauen schürze. Amzengruber3 4, 194;

hol mir aus meiner commode,
wo cornetten und hemder und schürzen bey dutzenden liegen,
eine häusliche schürze.
Zachariä s. 295 (Phaeton 1, 35).


c) verbale fügungen: eine schürtze anthun, anlegen, ein schürtzel umbinden, eine schürtze vorbinden, vor sich binden; eine schürtze tragen, in der schürtze gehen, ein schürtzel an- oder umhaben; ohne schürtze gehen. Kramer dict. 2, 684c;

so kömmt ietzt alles hoch, ietzt ist es an den tagen,
dasz unser jungfern-volk will nicht mehr schürtzen tragen. jungfern-anat. bei
Schultz alltagsleb. s. 48.


d) der schwangern wird die schürze zu kurz: eer ward de schörte so kort. Dähnert 410b;

heuboden, gartenwald, ihr wiszt, warum die schürze
sich so zur ungebühr dem armen Lenchen kürze.
Voss 6, 174.

dafür sie trägt etwas unter ihrer schürze. Wander 4, 393.

[Bd. 15, Sp. 2062]



e) man trägt gegenstände in der schürze, daher die schürtze voll, eine schürtze voll äpfel, una grembiata di mele Kramer dict. 2, 684c; dann kam der leutpriester aus der küche zurück, hielt sein gewand wie eine gefüllte schürze und schüttete einen platzregen von geräucherten gangfischen vor seinen gast. Scheffel Ekkeh. 79;

wenn Sylvia der magd, dasz sie mit vollen schürtzen
vom wasser und vom marckt, was in der stadt passirt,
nach hause bringen soll, befiehlt.
Günther 405.

freier:

Lisette, dann sollst du mich, und Belinden segnen,
wenn schönheit, gold und glück in deine schürze regnen.
Zachariä s. 287 (schnupft. 5, 234).

bildlich sagt man auch in der schürze von dem, was die frau dem manne als mitgift zubringt:

siehe, der wackre student, der mich bildete, nimt zur belohnung
dann die ergiebige pfarr' in deiner schürze, du jungfrau.
Voss 2, 135.


f) man bedeckt oder verhüllt mit der schürze das gesicht: Marinina .. legte sich gleich, mit dem gesicht, über das sie noch ihre schürze deckte, gegen die wand gekehrt, nieder. Brentano 4, 247; die tochter barg das gesicht hinter der schürze und schluchzte. Anzengruber3 3, 328; trocknet die thränen damit u. ähnl.:

sie verhüllen — o die guten mütter! —
oft die feuchten augen
in die schürze, wenn sie wider willen
diese hügel sehn.
Hölty 51 Halm;

sein mädchen trocknet ihm die thränen
mit ihrer schürz'.
Schubart 2, 47;

doch die andre fing urplötzlich
bitterlich laut an zu weinen,
und die regenschwere schürze
drückt' sie schluchzend an die augen.
Keller 10, 154.


g) man hält etwas unter die schürze, um es zu verbergen, zu schützen u. ähnl.:

(sie) stieg auf den taubenschlag, und pustete, rieb sich die hände (vor kälte),
stekte sie unter die schürz'.
Voss 2, 285.

ähnlich: er kömmt, so rief der (vor furcht) aufgeregte bube, und drängte sich unter die schürze der alten. Gotthelf Käthi cap. 12; so sprichwörtlich: das wäre lustig, wenn jetzt ein jeder heim wollte, unter der mutter schürze sich verbergen. Uli d. knecht (1846) 54. — einer under die schürze greifen, scrutari ventrale Stieler 1942.
h) an jemandes schürze hangen, übertragen, einem frauenzimmer nachlaufen, von ihr nicht lassen können, vom liebhaber; in milderem sinne: ich vertraue gern auf die bitten meiner frommen schwester und hänge mich an ihre schürze. Freytag ahnen 5, 32. im bilde:

da und dort erblinkt die Seine,
diese magd, die ewig wandert,
aber nie den herr'n entrinnet,
die ihr an der schürze hangen.
Keller 10, 216.


i) die schürze küssen:

sie ruft dem koch, voll erstaunen
sieht er die gräfinn vor sich stehn, und sinkt ihr zu füszen,
hört ihr verlangen hierauf, und küszt ihr zitternd die schürze.
Zachariä s. 297 (Phaeton 1, 76).

bildlich, einer die schürze streichen, schmeicheln, den hof machen: der Franzose Marchand ist nach Dresden gekommen, hat sich hinter die Dehnhof gesteckt und ihr die schürze gestrichen, und so ist er zu einem concert bei hofe gekommen. Brachvogel Friedem. Bach 1, 18.
2,
a) da die schürze für gewöhnlich nur von frauenspersonen getragen wird, so dient sie als abzeichen und symbol des weiblichen geschlechts, vgl.: ein lust- oder trauerspiel in dem sich beinkleid und schürze präsentiren, und zwar ein, so bald es sich präsentirt, gebietendes beinkleid, dem alle schürzen unvermeidlich gehorchen, und gegentheils eine eben so mächtige schürze, die, nachdem man sie einmal gesehen, alles erlaubt macht. Herder 23, 398 Suphan; und zuletzt wird die fremde einen andern kerl aus dir machen, der mit der art, die schürzen trägt, besser umzuspringen weisz. Ludwig 1, 156. als abzeichen der weiblichen thätigkeit:

den eersten morgen (nach der hochzeit) heet et: fix!
nim du de schört, gif mi de büx!
Voss 2, 161.


b) daher auch schürze metaphorisch geradezu für frauenzimmer, vgl. Kluge studentensprache 124a: freylich könnte ich dann parthien thun, die mich mit den gröszten familien im lande in verbindung brächten: aber, man dächte dann doch wohl, dasz ich einer schürze mein glück verdankte. Weisze

[Bd. 15, Sp. 2063]


lustsp. 2, 222; Buchen ist ein leichtsinniger mensch, der jeder schürze den hof macht. Zedlitz dram. werke 4, 3; aber die schürzen bei hofe finden es schön. Brachvogel Friedem. Bach 1, 18; damit ich wenigstens einen freien menschen habe, an den ich mich halten kann, einen menschen, der nicht in den fesseln der schürzen steckt. Benedix dram. werke 9, 188 (lustsp. 3, 8); fünf jahr is's, dasz ich nach keiner schürze frag'. Anzengruber3 2, 180. so in sprichwörtern wie: er ist in jede schürze verliebt; wer jeder schürze nachläuft, bringt keine unter die haube; die schürzen sind hier klüger als die hosen. Wander 4, 393.
3) zuweilen tragen auch männer schürzen, doch sagt man dafür lieber schurz (bez. schurzfell, s. daselbst): um die lenden hatte er (der geisterseher) eine weisze schürze geschlagen, die mit geheimen chiffern und symbolischen figuren bezeichnet war. Schiller 4, 214. so besonders gewisse handwerker (vergl. DWB schurz 1, d): bader erkennt man an der schürze. Göthe 8, 38 (Götz 1); wie schürzen die handwerker (unterscheiden), die gelbe den gärber, die grüne den glaser, die braune den tuchmacher, die weisze mit einem rothen ochsen den fleischer. J. Paul 31, 2 (nach Campe tragen tuchmacher und weber gewöhnlich grüne tuchschürzen, färber blaue leinwandschürzen). vergl. auch die zusammensetzungen bader-, frisier-, glaser-, lauferschürze (theil 6, 329) u. a. m.: ein knabe, der eine frisirschürze umgegürtet und ein weiszes jäckchen anhatte. Göthe 18, 142; der kellner kam und brachte ein gesicht mit, das der hoffnung, deren farbe seine glaserschürze trug, auf der stelle das leben nahm. J. Paul palingenes. 1, 93.
4) technisches und besonderheiten.
a) in der jägersprache die langen haare an den äuszern geschlechtstheilen des weiblichen rehes, s. Jacobsson 4, 66a, 'am feuchtblatte des roth-, damm- und elenwildes' Behlen 5, 558. Thüngen weidm. pract. 309, vgl. DWB schurz 4, d: bei dem rehwildpret aber welches an statt der ruthen hinten einen zopf lange weisze und starke spiszhaare hat, wird solcher genennet die schürze, anderswo der spiegel, die scheibe; eben so heiszet auch das weiszgilbige haar, das dem rothwildpret hinten um die keulen her sitzet. Heppe leithund 205; auch die ricke hat keine blume, sondern das waidloch sowohl als das feigenblat unter demselben, liegt frey, aber aus dem leztern hängt ein langer zopf haare, den man die schürze nennet, und woran man von hinten gleich, in einiger entfernung, eine ricke von einem bock unterscheiden kann. jagdl. 1, 186.
b) 'bei gänsen, enten, putern u. s. w. der theil der haut vom brustknochen bis zum steisze, welcher aufgeschnitten wird, wenn man das thier ausnimmt und durch welche man die füsze des thieres zu stecken pflegt' Campe.
c) ausdruck des lederhandels, eine art schaffelle (?): braune schaffelle (lohgare), sehr begehrt, wurden je nach qualität und grösze und zwar grosze waare mit 60—63 thlr. per 100 stück bezahlt, mittelgrosze 35—40 thlr. per 100 stück. schürzen je nach schwere bis 11 thlr. per decher (10 stück). meszber. aus Leipzig im Frankf. journ. vom 27. april 1873, 2. beil. 2b.
d) im bergwesen schürzen, fangschürzen, 'an dem wassergöpel kurze ketten, woran die schachtstangen gehangen werden, und die nur so lang sind, dasz das zeug damit ohne hindernis auf- und abgehen kann' Jacobsson 2, 66b; vgl. DWB schurz 4, b.
e) eine schaar von menschen. so gebraucht man auch schürze in der bei schurz 5, c erklärten bedeutung.ferner früher in Königsberg eine vereinigung von malzbräuern, die einander bei ausgegangenem biervorrat aushalfen Frischbier 2, 323c.
f) im bergwesen auch schürzen, n. (?), eine schwebende strecke Scheuchenstuel 219. Veith 434.
 
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schurzeit, f., sprichwörtlich: zur schurzeit bin ich immer bei meiner heerde, sagte der pfaff, als man ihm sagte, er sei ein untreuer hirt, der sie vernachlässige. Wander 4, 393.
 
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schürzel, n.
1) vgl. DWB schürze und DWB schürzlein: schürze, die .. dicitur etiam schürzel Stieler 1942; in Aachen der schozel, schürze, schurz Müller-Weitz 222.
2) schürzel, aufschürzel, nd. schörtel, upschörtel, ein breites band zum aufschürzen der röcke bei den landmädchen und frauen, besonders in Niedersachsen. Jacobsson 1, 86b.
 
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schürzen, verb. kürzer machen, ein kleid in die höhe gürten, einen knoten schlingen. eine causativbildung zu dem adj. scurz, vgl. DWB schurz, m. nachdem für dieses fremder ursprung abgelehnt ist, wird man ihn um so weniger für schürzen annehmen wollen, wie bei Kluge5 339a und in den mém. de la soc. de linguistique 9, 93 ff. vorgeschlagen wird. das altlat. kennt nur curtare, das

[Bd. 15, Sp. 2064]


in span. port. cortar fortlebt; im mittellat. dazu die zusammensetzung excurtare, s. Du Cange 3, 353b, davon ital. scortare, prov. escortar, franz. écourter. die meisten roman. sprachen weisen auf eine weiterbildung *excurtiare zurück, so it. scorciare, span. escorzar, altfranz. escorcer, escoursser, wallon. horsî, s. Diez4 287 f. Körting lat.-roman. wb. 296. es wäre denkbar, dasz diese bildung hinsichtlich des eingeschobenen i durch das deutsche *skurtjan beeinfluszt wäre, doch ist auch diese annahme unnötig, da hausser zu haut eine genaue analogie bietet. daher nimmt Diez a. a. o. zufälliges zusammentreffen beider sprachen an. — das wort ist auf das deutsche sprachgebiet beschränkt: mhd. schürzen, schurzen, mitteld. ganz vereinzelt schurten Lexer handwb. 2, 831 f., mnd. schorten Schiller-Lübben 4, 121b. 256a, mnl. scorten und scorsen (nach dem franz.): schorssen, schorten, suspendere, subducere, attollere, succingere, accingere, adstringere, contrahere Kilian; schorten vel schorssen, succingere, suspendere. ebenda. daneben auch schorten, holl. sicamb. fris. deesse, deficere. ebenda, vgl. altn. skorta mangeln (zustandsbildung zu skurt-). die form bietet keine wesentlichen abweichungen: succingere hd. schurtzen, schrtzen, schirtzen, schortzen, under-, auff-, uffschurczen .. nd. schorten Dief. gloss. 563c; vgl. auch Weigand 2, 653. mundartlich besonders im niederd. schorten brem. wb. 4, 677 f., schörten Richey 238. Schütze 4, 62. Dähnert 410b. Danneil 186b. Mi 76b. Schambach 184b. Stürenburg 232a. ten Doornkaat Koolman 3, 138, vgl. 137 (in den beiden letzteren daneben schorten, fehlen, mangeln, gebrechen). über schürzen, scherzen im mitteldeutschen s. unten. sonst auf hochd. boden nur nordfränkisch ânschorze, mit einer schlinge befestigen, s. Hertel sprachsch. 223.
1) in der allgemeinen bedeutung 'kürzen' nur in der ältern sprache; so das leben schürzen u. a.:

und wâren niht geschiurzit
die tage noch gekiurzit,
die der endecrist sol lebin ...
so wurde nieman danne behalten.
Hugo v. Langenstein Martina 196, 71;

ähnliches:

de overge (übermäszige) torne kan dat levent korten,
de aderen roren, de senen schorten. quelle bei
Schiller-Lübben 4, 121b;

se (luxuria) kortet de dage unde lenget de nacht,
dat levent se kortet, dat gut se schortet. s. ebenda.

die rede:

dâ von wil ich eʒ kurtzin
und mîne rede schurtzin. Martina (s. oben) 51, 28 (ähnlich 47, 60).

wie man sieht, ist es fast immer der reim auf kürzen, der die wahl des wortes bestimmt. unter diesem schutze begegnet es auch noch vereinzelt im nhd.:

ich möchte dieses buch wohl gern zusammen schürzen,
dasz es den andern wäre gleich geschnürt.
allein wie willst du wort und blatt verkürzen,
wenn liebeswahnsinn dich ins weite führt.
Göthe 5, 173.

belege aus der prosa fehlen. folgende verwendung ist erst aus der bedeutung 2 abgeleitet:

im reden vor dem volk
war jener (Menelaus) aufgeschürzt und kurz, doch scharf.
Bürger 153b (Il. 3, 271).


2) gewöhnlich eingeschränkt auf eine spezielle verwendung: die kleider, besonders die langen frauenröcke, kürzer machen, indem man sie in die höhe nimmt und um die hüften mit einem bande festgürtet oder sonst befestigt; dafür auch aufschürzen (theil 1, 731): auff schürtzen, gürten, accingere Dasypodius; schurtzen, se retrousser Hulsius 291a; schürtzen, succingere Schottel 1411; alzare, cigner' alto, succignere, raccogliere, accignere i panni v. aufschürtzen etc. gürten. Kramer dict. 2, 684b; cingere, in-, praecingere Stieler 1942; ich schürtze, succinctorio cingo Steinbach 2, 525; schürzen, heiszt das lange niederkleid, oder auch das ober-kleid etwas zur bequemlichkeit in die höhe gürten, colligere diffluentem vestem et cingulo breviorem facere Frisch 2, 235a.
a) das kleid, den rock schürzen:

mit rîchin rockin wol gesnitin,
nâch den franzischin sitin
vil ebin an sich gescurzt
und zuo der erdin gekurzt. Athis C*, 63 (
W. Grimm kl. schr. 3, 325a);

sî het geschürzet ir gewant
mit ir hant.
Neidhart v. Reuental lv, 8 Haupt;

schürzt das röckchen, tanzet reigen.
Hölty 132 Halm;

und die goldene last zog das geschürzte gewand.
Göthe 1, 299;

[Bd. 15, Sp. 2065]


sie hatte den rock bis über die knie hinauf geschürzet. Jucundiss. 126; da dieser pfad öfter feucht war und von wasserpflanzen und gesträuchen beengt, schürzte sie das hellgrüne, mit roten punkten besetzte kleid. Keller 1, 247. seltenere, zum theil nicht ganz klare verbindungen: dann meine geschürtzte page hosen taugten nichts zum handel. Simpl. 1, 126, 9 Kurz; sofort schürzte er seine kutte. Scheffel Ekkeh. 15;

sin kutt was wol geschurtzt.
Altswert 235, 23.

mit angabe des zweckes (vgl. b):

und sie schürzt das kleid zum tanze.
Keller 10, 223;

wenn du dazu nicht schürzest den gurt,
so geht hier land und leben uns fort.
Rückert Firdosi 1, 316.


b) die ursprüngliche bedeutung ist ganz verblaszt in der sehr gewöhnlichen abgekürzten wendung sich schürzen: sich schürzen, alzarsi i panni con una cintola; succignerseli, cignerseli alto, it. cignersi un lenzuolo ò un grembiale, met. apprestarsi al viaggio, al ballo, ò à far qualche faccenda, sucida e imbrattante, it. à servire in genere. das mägdlein hat sich artig geschürtzet. Kramer dict. 2, 684b; sich sehr lose schürzen, fluxiore cinctura cingi. sich hoch, sive bis an die knie schürzen, alte cingi, tunicam super suras colligere Stieler 1943; schürtze dich, und diene mir. Luc. 17, 8; da schürtzet sich die fraw, knyet zum kübel. Garg. 73b; dann schürze dich hurtig und schreite rüstig zu, dasz du gelangest in's gebirge. Musäus volksm. 1, 30 Hempel; komm! schürz' und schwinge dich! H. v. Kleist Käthchen 4, 1;

Floridelîse gurte und schurzte sich.
Heinr. v. Neustadt Apoll. 20506;

recht als ein dirne, dî begurt
und wol ebene geschurt
hette sich in ire cleit
und zu wandirne gereit.
Nic. v. Jeroschin 6482;

schürtz dich, Gretlin, schürtz dich,
du must mit mir darvon. Garg. 92a (vgl. wunderhorn 1, 89 Boxberger.
Uhland volksl. 256, 1);

wie dasz sich unten schürtzt und oben Bonna deckt?
weil jhr das schön ums knie, und nicht in augen steckt.
Logau 1, 116, 93;

munter schürzt sich die dirne.
Zachariä tageszeiten 69;

schön liebchen schürzte, sprang und schwang
sich auf das rosz behende.
Bürger 14b;

als er auf das schlosz gekommen,
müssen sich die köche schürzen,
müssen gleich den hirsch bereiten
und ein seltnes herze würzen.
Uhland ged. 274.

man schürzt sich meistens, um es sich bei einer thätigkeit leicht und bequem zu machen, nimmt das kleid hoch, damit es einem nicht behinderlich sei oder auch damit es nicht beschmutzt oder beschädigt werde. daher heiszt sich schürzen manchmal geradezu: sich zu etwas bereit machen, rüsten, anschicken, vgl.: sich schürtzen unnd rüsten, praecingere Maaler 362d. mit ausdrücklicher angabe sich zu einer arbeit, einem gange schürzen: wie sich ein diener auffschürtzet oder geschickt macht seinem herrn auffzuwarten, oder etwas zu tragen. Kirchhof milit. discipl. 114;

den rât müeʒt ir kürzen
und ûf die vart iuch schürzen. Reinfried von Braunschweig 7620;

sô sach man disen schürzen
sich ûf ritterlîchen guft. 11350;

ich möchte mich sogleich zur arbeit schürzen,
du bist gewandt die wege mir zu kürzen.
Göthe 41, 106 (Faust II, 2);

vom thron er stieg, auf den sattel sich schwang,
und schürzte sich dienstbar zu diesem gang.
Rückert Firdosi 1, 96;

mit infinitiv:

drauf schürzen sich die andern beiden
ihn auszukleiden.
Wieland 18, 338.

im bilde:

swar der sin sich schürzet,
dâ jagent die gedenke nâch. Reinfried von Braunschweig 2410;

wie eilt die stränge zeit (einer epidemie), das alter abzukürtzen! ..
drum sollen wir zur fahrt uns unverzüglich schürtzen.
Rompler v. Löwenhalt 74;

kühne, trikolore dirne (Freiheit),
schürze wieder dich zum tanze!
Keller 10, 44.


c) ähnlich ist den arm schürzen oder aufschürzen (s. das.), ihn entblöszen, indem man den ärmel des kleides zurückstreift (diese bedeutung ist vielleicht auch in einigen der unter b angeführten stellen anzunehmen):

[Bd. 15, Sp. 2066]


oft schürzt sie, ohne mindsten harm,
dasz ihre zarte haut den schönen schmelz verliere,
beym wassertrog, vor ihrer hüttenthüre,
den schlanken schwanenweiszen arm.
Wieland 23, 97 (Ober. 8, 45).


d) selten sagt man einen (andern) schürzen, — bildlich etwa im sinne von gängeln:

nur kinder mag also ihr (der Regula) laufzaum schürzen!
Bürger 28b.


e) sehr gewöhnlich ist das particip geschürzt,
α) vom gewande, vgl. a: ich ... hatte nun auch das neunte röslein erobert und in meinem geschürzten vortuche bewahrt. Brentano 4, 132;

du brachst nun die früchte geschäftig,
und die goldene last zog das geschürzte gewand.
Göthe 1, 299;

so auch:

durch der wünsche dornenland
wandle leicht geschürzten saumes.
Rückert ged. 1, 303.


β) auf den menschen übertragen: geschürtzte nymphen und waldgöttinnen mit bloszen armen, nimfe e hamedriade succinte ȧ braccia nude Kramer dict. 2, 684b; aufblickend sah er eine reihe geschürzter mägde, welche die vollen milcheimer nach dem gewölbe trugen. Freytag handschr. 1, 114;

wolgevalten sost er in dem rocke,
vil ebene geschürzet.
Neithart v. Reuental xxiv, 11 Haupt;

es hiesz ...
sie (Venus) sey auf Ida oft zu ihm herab gestiegen,
und hab' ihm da, nach nymfenart geschürzt,
als jägerin die zeit verkürzt.
Wieland 10, 170;

sie tanzen nymfenhaft geschürzet. 9, 328;

der tanz geschürzter horen.
Rückert ged. 10;

im aufzug einer sinnberaubten ...
mit dem gewand geschürzet. werke 12, 57 (Nal 14).


γ) mit adverbialem zusatz, wie hoch geschürzt, auch als ein wort geschrieben, s. das. (th. 4, 2, 1620): hoch geschürtzt, bis an die knie geschürtzt, alzati, succinti i panni fin' alle ginocchia Kramer dict. 2, 684b; ihre sehr schönen arme waren in weiten, hoch aufgeschürzten ärmeln fast ganz zu sehen. Wieland 2, 43 (Agath. 7, 6);

der sahl eröffnet sich, und eine nymfe tritt
herein, das haupt mit einem korb beladen ...
so hoch geschürzt, dasz jeder schnelle schritt
den schlanken fusz bis an die feinsten waden,
und oft sogar ein knie von wachs entdeckt. 9, 72 (Musarion 2);

da sie (Atalante) ums jawort, hoch geschürzt,
mit ihren freiern wetterannte.
Bürger 19a;

die hochgeschürzte tunika
umschlieszt die schlanken leiber.
H. Heine 1, 349 Elster.

leicht geschürzt, vgl. theil 6, 645: ein derber .. junger mann, leicht geschürzt. Göthe 21, 5;

hier geht
der sorgenvolle kaufmann und der leicht
geschürzte pilger.
Schiller Tell 4, 3.


δ) zuweilen steht geschürzt auch in der freiern bedeutung 'gerüstet, bereit zu etwas':

sam die zuo der flühte sint geschürzet.
Konrad v. Würzburg lieder 31, 31;

der könig, wie er dies vernahm, war er geschürzt,
dasz nicht ein solcher gast an ehren sei verkürzt.
da zogen auf's gebot des königs alle degen,
die edlen all des hofs, dem edelsten entgegen.
Rückert werke (1882) 12, 130 (Rostem 1, 4);

immer den schahen zu dienst geschürzt. Firdosi 1, 226.


3) in freierer verwendung von gewissen theilen des menschlichen leibes oder der haut, sie zusammenziehen, in falten legen oder ähnliches, so die stirne:

wo man nur flämisch sieht, die stirne schürtzt und faltet,
wo blasse traurigkeit im hertzen schalt: und waltet.
Scherffer ged. 545.

besonders aber die lippen: seine lippen schürzte ein erhabener unmuth. Immermann Münchh. 3, 42;

ja, schürze nur die stolze lippe, runzle nur
die brauen, wölfin!
Geibel 6, 62 (Brunhild 3, 7).

so auch:

dann schwebte ein taubenmildes lächeln
um die hochgeschürzten, stolzen lippen,
und die hochgeschürzten, stolzen lippen
hauchten worte, süsz wie mondlicht.
H. Heine 1, 182 Elster (nordsee 2, 3).

ähnlich die nase schürzen, rümpfen, als ausdruck des spottes oder der verachtung: de nse schorten efte bespotten, narire, hor. Belg. 7, 33b (gemma); schorssen oft schorten den neuse, corrugare nares Kilian. auch in anderm sinne: die nase aufschürtzen ò schürtzen (den rotz auffziehen). Kramer dict.

[Bd. 15, Sp. 2067]


2, 685a; daneben: eine aufgeschürzte nase, vulg. die wegen des über sich stehens kurz ist, nasus resimus Frisch 2, 235a.
4) anders gewendet ist die ursprüngliche bedeutung in folgenden verbindungen.
a) einen mantel u. a. um die schultern schürzen, schlagen, winden, von 2, a ausgehend, doch ist der begriff des verkürzens und aufnehmens ganz aufgegeben:

doch werd' ich ihn (den leun) stürzen
mit dem speer in der hand,
um die schultern mir schürzen
sein goldgewand.
Uhland ged. (1864) 386.

ähnlich:

flicht dir ein satteldeck, und schürtz sie ubert lend.
H. Sachs 4, 3, 77b.

auch ein seil um etwas schürzen, schlingen, winden:

ein seil man ouch dô schurtzte
umbe sînen hals im durch leit. pass. 218, 94 Hahn.


b) daher auch einen knoten schürzen, schlingen, knüpfen; zunächst eigentlich:

so kömpstu in des henckers macht,
der hinderm nacken knoten schürtzt,
den cörper lengt, den athem kürtzt.
B. Ringwaldt lauter warh. 51;

edler Philötios, dir sei des hofthors sorge vertrauet;
schleusz mit dem riegel es fest und schürz' ihm behende den knoten.
Voss Odyssee 21, 241;

häufiger im bilde, besonders von der entwicklung eines dramas, eines romans u. ähnl.: was das stück selbst (Jon) betrifft, so läszt sich von demselben ... sagen, dasz es sich sehr gut exponire, ... dasz höchst interessante situationen entstehen und den knoten schürzen, der theils durch vernunft und überredung, theils durch die wundervolle erscheinung zuletzt gelös't wird. Göthe 45, 9; der philosoph schürzt einen knoten nach dem andern bei dingen, wo der einfache sinn durchaus keine schwierigkeit wahrnimmt. Schlosser weltgesch. 8, 227;

du hast den knoten
geschürzt, du hast ihn auch gelöst. tritt ab!
H. v. Kleist Schroffenstein 5, ende;

da stets das schicksal tückisch ist, sobald es seine knoten schürzt.
Platen 296b.


c) für knoten können auch andere ausdrücke eintreten, theils in ähnlichem bilde, theils unbildlich gewendet: da wuszte er (Arminius) die fäden einer verschwörung so fein und so geheim zu schürzen, dasz der Römer ... obschon gewarnt, doch in sein netz ging. Giesebrecht gesch. d. d. kaiserzeit 15, 20; mit je festerer hand der junge könig die zügel des regiments führte, desto enger schürzten sich die bande der deutschen stämme. 277;

Sudabe blickt' und war bestürzt,
manche list in gedanken sie schürzt'.
Rückert Firdosi 2, 164;

bis du dich nah'st, in meinen arm zu stürzen,
und fester nur mit deinem süszen flüstern
des eig'nen lebens räthsel mir zu schürzen.
Leuthold ged. 177.


d) zusammenschürzen, schürzen bedeutet manchmal geradezu 'zusammenbinden, verbinden, verknüpfen', so besonders mnd.: de konink hadde gemaket en vlot van groten bomen to hope schortet. quelle bei Schiller-Lübben 4, 121b; up dat ik in dem utersten lesten dage mit dy und an dy geschortet mote werden. s. ebenda; dat hovet (kapitell) und de sulen weren to hope schortet mit ener keden. bücher d. könige 135 Merzd.; so auch:

en bessen, gheschortetvan nyen riseren. nd. jahrb. 3, 72.


5) zuweilen geht schürzen über in die bedeutung 'mit einem schurz (oder einer schürze) versehen': ich weis wol, wie böse gewissen thun, wenn sie sich mit feigenblettern beginnen zu schürtzen und wollen sich bergen. Luther 3, 342a; geschürzte mädchen. Campe. in folgender stelle erscheint diese bedeutung neben 4, a (umbinden), wie es scheint, lautlich differenziert und also wol als eigenes wort empfunden: he (Christus) schortede vor sik en lynnen laken ... laken, dar he mede schurtet was. qu. bei Schiller-Lübben 4, 121b.
6) eigen ist die übertragene wendung einen termin, eine sache schürzen, aufschieben, verschieben, wofür öfter aufschürzen (s. th. 1, 731, ferner mnd. upschorten Schiller-Lübben 5, 127b) eigentlich in die höhe gürten, daher dann weiter hinausschieben (vgl. auf schieben), wo also der sinn der ursprünglichen grundbedeutung genau entgegengesetzt ist. die wendung findet sich im nd.-nl. und mitteld. (fränk.) der ältern zeit: schorssen het werck, suspendere opus, sistere, intermittere opus Kilian; dat de sake schall berouwen von desseme dage, so dat dar

[Bd. 15, Sp. 2068]


nichtes ynne werde gefordert ofte vorgenamen, sunder alles werde geschortedt unde upgehanghen, so wy de tegenwardich uppschorten unde uphangen. urk. v. 1498 bei Schiller-Lübben 4, 121b; ir wollent den genanten tag schurczen und erstrecken bisz uff mantag adder dinstag. Friedberger urk. von 1483 bei Dief.-Wülcker 847; sunder sie erkennen, dasz sie pflichtig sint, unsern gnedigsten herrn von Mentze solichen dinglichen tag zu halten; und den habe nyemant macht uffzuschurtzen. Grimm weisth. 1, 550 (aus Berstadt im Rheingau vom jahre 1489).
7) technisches und besonderheiten.
a) bei den webern, einen faden durch eine schleife oder einen knoten zusammenbinden. Jacobsson 4, 66b; schürzen der ketten, wenn ein zerrissener faden nicht wieder sorgfältig angeknüpft, sondern nur lose um den gang geschlungen wird. ebenda, vgl. 4, b. d.
b) in fränk.-obersächs. mundarten schürzen und scherzen, den dienst verlassen, vom gesinde, s. Schm. 2, 473 (Nordfranken). Vilmar 374. Pfister 270 f. Anton 4, 9. vgl. zweites scherzen, theil 8, 2599 f. es gehört wol zu scherzen, jocari; will man es zu schürzen stellen, so nimmt man dies am besten in der bedeutung 'sein bündel schnüren, packen' (vgl. 4, d).
c) ein ganz andres wort ist vielleicht das bair. schürzen, auslesen, absondern: die koler sollen alles holz, wie es ihnen verwiesen, gutes und böses, ohne ausgeschürtzt, aufarbeiten und abkolen. Neuburger forstordn. von 1690 bei Schm. 2, 474; bei Schaffhausen schorzen, ausjäten, s. ebenda.
 
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schürzenamt, n. amt, wozu einer durch eine schürze (vgl. daselbst 2), eine frau, die er heiratet oder die ihn begünstigt, gekommen ist (vgl. schürzenpfarrei). Campe.
 
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schürzenband, n., band, womit die schürze vorgebunden wird. Campe: Lorle stand da mit zitterndem atem; sie wand das festangezogene schürzenband um einen finger, dasz es tief einschnitt. Auerbach dorfgesch. 2, 23; Maredore wurde noch etwas röter als sonst und spielte halb schmollend mit ihrem schürzenband. Ludwig 2, 482; sprichwörtlich sagt man von kindern, die immer bei der mutter sein wollen, sie hängen an ihrem schürzenbande, s. Wander 4, 393; ähnlich auch: du wardst woll en beten stramm an ehren schörtenband anbunnen warden, un wo lütt de achterflicken (absätze) an ehr pantüffeln sünd, ward ein' di nahsten woll von den pelz lesen kænen. Reuter 3, 219.
 
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schürzenfreund, m.: er ist en schürzefreund, ein freund des schönen geschlechts. Wander 4, 393 (vgl. DWB schürze 2). ähnlich auch schürzenjäger, m. ebenda.
 
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schürzenkandidat, m. kandidat der frauen, s. Kluge studentensprache 124a.
 
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schürzenleinen, -leinwand, f. leinen zu schürzen. schürzenleinwandballen. Jacobsson 1, 296a.
 
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schürzenpfarrei, f., die man der heirat mit der tochter oder witwe des vorgängers verdankt, vgl. DWB schürze 2 und schürzenamt: sogen. 'schürzenpfarreien', wie sie einst Thümmel in seiner ... 'Wilhelmine' schilderte, sind bis auf den heutigen tag in Altengland nicht ganz unbekannt. Augsburger allgem. zeitung 1869, s. 2093b.
 
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schürzenrand, m.: ohne die hände, die an den schürzenrändern zerrten, zu erheben, sank sie an seine brust. Anzengruber3 2, 272.

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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