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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schurre bis schürstecken (Bd. 15, Sp. 2053 bis 2055)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schurre, f.
1) gleitbahn auf dem eise, eisbahn, vgl. DWB schurrbahn Campe, s. besonders thür., s. Hertel sprachsch. 223. Kleemann 20b. Jecht 100b. in gebirgsgegenden die bahn, die sich herabgleitendes gerölle macht, wie auch dieses selbst.
2) in Tirol und Kärnten schurra, f. was sich beim backen oder kochen in der pfanne ansetzt, s. Schm. 2, 448. Frommann 6, 205. Lexer 227.
3) ein name des hahnenkammes, alectorolophus crista galli Pritzel-Jessen, rhinanthus crista galli Nemnich.
4) ostfries. schurr(e) für und neben schudde, ausgestochener rasen Frischbier 2, 164b. Stürenburg 238b.
 
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schürre, f. becher, pokal, vgl. (viertes) schauer und (zweites) scheuer, theil 8, 2330 und 2618 f.: er (der könig von Portugal) schankt mir ain schürren voller portingallischer gulden; die selben scheürren hab ich mit mir in min vatterland gebracht. Ehingen 25.
 
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schurren, verb. mit geräusch gleiten. ein lautmalendes wort, im ablaut zu scharren und scherren gebildet, vgl. diese (th. 8, 2214 ff. 2591 ff.). es ist zufrühest im mnd. bezeugt (zuerst in der Braunschweiger reimchronik, ende des 13. jh.) und auch jetzt namentlich in nd. mundarten weitverbreitet, doch auch im oberd. (bair.) und mitteld. (hess.-thür.). in der nhd. schriftsprache ist es seit anfang des 17. jh. nachweisbar (frühster beleg bei Sommer, 1605, s. unten).
1) zunächst als bloszes schallwort, vgl. Campe: unde de beckenslegere snurden unde schurden myt den becken, dat belderde de stad dorch dat neymet horen konde. d. städtechr. 16, 336, 32.
2) meist indes eine geräuschvolle bewegung bezeichnend, von gegenständen: mühlsteine schurren, laufen schurrend. Frischbier 2, 312a; besonders mit reibungsgeräusch herabrutschen: die erde schurrt vom rande in den graben, etwas aus der hand schurren lassen. Campe; niederd. dat glas is vonnen disch eschurret. Frommann 5, 292 (Fallersleben); der schnee schorrt vom dache. Frischbier a. a. o., vgl. Bernd 279. Liesenberg 211 (schurn); ein schurren des gesteins. didaskalia 1868, nr. 241;

wey, welches strites men dha plach
an hurte und widherhurte,
daz daz ysen scurte
von dhem kni unz uf dhen vz. Braunschweiger reimchronik 7010.

über eine fläche gleiten: oft war die Weser so voll eis, dasz man das schurren und rutschen der mächtigen eisblöcke auf dem grunde des bodens hörte. Oppermann hundert jahre 1, 264. — von menschen, mit den füszen, dem stuhle schurren, auf dem erdboden geräuschvoll hin und her fahren, so besonders nd. mit den föten, mit'n stool schurren Dähnert 418b, s. ferner Richey 248. brem. wb. 4, 721. Mi 78a; ostfries. in den formen schûren, schurren, schûrsen: du must nêt so mit de stôl up de déle schûren u. a. ten Doornkaat Koolman 3, 163b; auch in transitiver fügung schurr (schieb) 'n disch 'n bt'n ran. Danneil 190b. geräuschvoll gehen, indem man mit den füszen auf dem boden schleift, rutschen, voort schurren Richey 248. Strodtmann 376a. brem. wb. 4, 721. Schütze 4, 86. Mi 78b. ten Doornkaat Koolman 3, 163b: ich sprang, glitt und schurrte über stock und stein. Eichendorff (1864) 3, 206.
3) andrerseits auch vom gleiten über eine glatte fläche, wobei der begriff des geräuschvollen mehr zurücktritt; dies ist in den mundarten die gewöhnlichste und allgemeinste bedeutung, s. Schm. 2, 462. Vilmar 374. Hertel sprachsch. 223. Kleemann 20b. Jecht 100b. Frischbier 2, 312a. Sallmann 32. Richey 248. Danneil 190b. Schambach 188a: schurren, ein lautwort, glitzschen auf dem eise. Schottel 1410; in einer stadt-hannov. polizeiordnung vom jahre 1769 wird das schurren auf dem eise verboten; der bediente ..

[Bd. 15, Sp. 2054]


hatte es vorgezogen, einer hübschen viehmagd im park, da, wo er überschwemmt gewesen und jetzt übergefroren war, unterricht im schurren* (glitschen) zu ertheilen, wobei er sie überzuschurren und zum fallen zu bringen versuchte. dazu die anmerk.: *) schurren ist eben provinzialismus in Norddeutschland, wo man unter glitschen schon schlittschuhlaufen versteht. Oppermann hundert jahre 1, 345. — auch sonst, auf glattem boden ausgleiten: am gedachten sonntage gegen abend gieng ich unten an der seite des hügels nach dem groszen see zu, .. schurte von ohngefähr auf dem glatten grase, und fiel in einen mit dünnen sträuchern verdeckten graben über 4 ellen tieff hinunter. Felsenb. 1, 173.
4) daran schlieszen sich freiere verwendungen, in denen nur die vorstellung des gleitens enthalten ist.
a) schurren als bezeichnung eines langsamen, schleppenden ganges. brem. wb. 4, 721, daher afschurren, sich wegmachen, beschämt abziehen. ebenda, sich wegschleichen:

hinweg schurrt Robert, und lacht und lacht.
Voss 4, 203.

aber meist als euphemismus für 'sterben' (wie auch abrutschen), als verächtlicher ausdruck, s. brem. wb. 4, 721. Schütze 4, 86. Dähnert 418b. Danneil 190b, hochd. abschorren, -schurren Frischbier 2, 312a:

'ihr vater, herr baron!' — ist endlich abgeschurrt? —
'am schlag!' — nun gute nacht! so hat er ausgeknurrt.
Voss 6, 177,

dazu die anmerk.: in Niedersachsen wird abschurren, mit scharrendem geräusch abgehn, und in die grube fahren, spottweise gesagt. s. 372.
b) südhannov. auch von der sonne, de sunne schurret, sinkt, neigt sich Schambach 187b.
c) bildlich von einer speise, die nicht mundet: sie will nicht recht schorren (gleiten, rutschen, nämlich in den magen) Frischbier 2, 312a; 't t'n will nich schurr'n, ich habe keinen appetit, es schmeckt mir nicht Danneil 190b.
5) weitere besonderheiten.
a) manchmal findet sich schorren, schürren auch für scharren, s. Bernd 279. Adelung. Campe verweist dafür auf folgende stelle aus Kosegarten:

nieder die enge gruft
sinkt schon der sarg, die ängstliche schaufel schurrt.


b) daraus erklärt sich wol folgende stelle, wo es als umschreibung für 'essen' steht:

herr wirth, weil mir der bauch thut murrn,
so wil ich weidlich darein schurrn.
Sommer Cornelius releg. E 4b (3, 4).


c) cimbr. schurren, schorren, scegliere, scerre, auswählen. cimbr. wb. 229b.
 
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schürren, verb. ein wort dieser form begegnet vereinzelt in verschiedenem sinne, ohne dasz es sich bei der spärlichkeit der belege mit sicherheit an andre wörter anordnen liesze.
1) für schüren (?): ich hatte vorausgesetzt, er werde .. seinen affekt nach der menge der anwesenden auskultanten steigern, und ihn mit jedem neuen kopf, der nachkam, schürren. J. Paul jubels. 144.
2) die mühle in stand setzen (? wol für schirren); im bilde:

wo aber falschheit mählt ...
wo man nur tag und nacht die gäste zu betrügen
und zu bezwacken tracht, ist nicht recht zugeschürrt,
da ist die mühle falsch und giebet kein gedeyen.
Wiedemann gefangensch. juli 15.


3) in Mecklenburg für schlagen, s. nd. korrespondenzbl. 12, 73.
 
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schurrimurri, schurrmurr, m. , mundartliches wort.
1) im bair.-österreichischen bezeichnung eines heftigen, aufbrausenden, leicht auffahrenden oder eines übereilt und unüberlegt handelnden menschen, schurimuri Schm. 2, 461. Hügel 145a. Schöpf 652, schurimurri idiot. Austr. 109, schuarimuri 'spottname für einen menschen, der überall an ist und nirgends aus weisz' Castelli 251, vgl. schürig 2 und tirol. schurm Hintner 217. schon im 17. jh. bezeugt: schurimuri, turbulentus, homo inquies, turbator. voc. von 1618 bei Schm. 2, 461; schurimuri, à scheren et murren, notatque hominem turbulentum, et confusionem rerum Stieler 1247; schuri muri, homo inquies, turbulentus Dentzler 2, 257a.
2) ein anderes wort findet sich auf niederdeutschem gebiete in der bedeutung 'altes gerümpel, durcheinander geworfenes allerlei, ausrangierte geräte u. ä.', schurr-murr Mi 78a, auch schorrmorr Frischbier 2, 312a; da (im speicher) war die finsternisz, der schurrmurr, das handwerkszeug, das gerümpel .. aufeinandergehäuft. Bog. Goltz ein jugendleb. 2, 165; hier ist nicht viel zu sehen, als ein bischen getreide und schurrmurr. 168; in

[Bd. 15, Sp. 2055]


freierm sinne: dieser löbliche findet sich überhaupt .. mit den naturschönheiten, den menschen, den empfindungen .. ganz in der weise ab, wie mit bloszen förmlichkeiten und eitel schurrmurr. 308. — nl. schorremorrie und ostfries. schurremurr(e), -murt, schurjemurje bedeuten gesindel, gemeines volk, pöbel, janhagel, s. Stürenburg 238b. ten Doornkaat Koolman 3, 165a. man hat das wort aus dem judendeutschen hergeleitet und aus hebr. (5 Mos. 21, 18, der 'eigenwillige und ungehorsame sohn') erklärt, s. z. b. Sem. u. Japheth (Leipzig 1882). tijdschr. voor nederl. taal- en letterk. 8, 318, doch hat das nur geringe wahrscheinlichkeit Franck 859. annehmbarer ist die von ten Doornkaat Koolman vorgeschlagene ableitung von schurren = scharren, also 'zusammengescharrter dreck, kehricht'. der zweite theil ist wol ohne etymologische bedeutung.
 
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schürschaufel, f. feuerschaufel Schröer 289a, besonders im hüttenwesen eine breite schaufel damit die ofen - brüche aus dem ofen genommen werden Frisch 2, 234c, vgl. Adelung. Jacobsson 4, 66a.
 
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schürschotte, f., mundartliche bezeichnung der wasserjungfer, libellula Nemnich, ein friesisches wort, wol von dem geräusch der flügel hergenommen (vgl. DWB schurren), ostfries. schurschott(e) ten Doornkaat Koolman 3, 165a, helgoländ. skürkot Frommann 3, 33. nordfriesisch skirskaat bedeutet heuschrecke Johansen 140.
 
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schürstab, m. stab zum schüren des feuers Campe, mhd. schürstap Lexer handwb. 2, 830: ustarius ... schurstab Dief. gloss. 630c.
 
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schürstachel, m. in hüttenwerken ein eiserner stab mit einer spitze an einem und einem hölzernen hefte am andern ende, den die schürer zum schüren gebrauchen Jacobsson 4, 66a.
 
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schürstange, f., vergl. DWB schürstab, -stock: ustarius ... schorstange, -stacke Dief. gl. 630c; ustorium schurstange nov. gl. 386b (voc. von 1420); auf diesen ruf erschien alsbald eine gestalt gleich einem ruszigen köhler .. mit einer schürstange bewaffnet, gleich einem weberbaum. Musäus volksm. 1, 36 Hempel.
 
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schürstecken, m.: ustile shurstecke Dief. gloss. 631a; schürstecken, rutabulum Dasypod.; sprichwörtlich: er nimt zu — wie ein schrsteken. Eiselein 557. Simrock sprichw. 9284.

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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