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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
sefler bis segelation (Bd. 16, Sp. 81 bis 89)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sefler, m. juniperus sabina. Schmeller2 2, 231. vgl. DWB sefelbaum.
 
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sege, segen, f. schleppnetz, groszes zugnetz, s. DWB säge oben th. 8, 1648, als sege auch verzeichnet bei Jacobsson 4, 119b. Höfer 3, 134, als segen bei Schöpf 665. nachträge zu den belegen: auch brochten die unsern .. etlich wagen mit fischen, die die feind gefangen hetten, und die segen und schaff brachten sie auch. d. städtechron. 2, 209, 10 (Nürnberg, von 1450); erstlichen soll und mag ain ieder haubtman und burggraf in namen des landfürsten mit seinen schefvischern auf der Etsch .. mit der segen, reust, garn, vachern, rachnetz und allen zeug vischn. tirol. weisth. 4, 7, 24 (von 1505); obberüerte verordnete mugn auch am hinabfaren dieselbe zeit durch ab und herauf mit iren segn vischn. 14, 7 (dieselbe quelle); die neben-bäche und wasser, so in den fischreichen flusz einrinnen, und in welche zu gewissen zeiten die fisch aus dem flusz austretten, die sollen mit seegen, schrot- und setzgarnen nicht versetzt werden. Hohberg 2, 468b; (die schiede) sind zum braten wolgeschmackte fische, werden auch im Atter-see in setzgärnen, reuschen und in seegenen zu 300 und 400 auf einen zug gefangen. 511a; es mag auch ein pfleger zu Täxenpach auf gemelter Salzach mit der segen und schnuer neben des brobsts zu Zell in der Fusch vischen auf beeden seiten. Salzb. taid. 276, 2 (18. jahrh.).

[Bd. 16, Sp. 82]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sege, subst., bezeichnung eines kleidungsstücks? vgl. sagana, edelfuterklaydt. Dief. 507a und mhd. sei, sein, feiner wollenstoff, aus frz. saie, ital. saja vom lat. saga, sagum. Lexer mhd. hdwb. 2, 845. 853: die weiber tragen nur ein seeg umb den leib. Frankfurter quelle von 1590 bei Dief.-Wülcker 851;

waʒ feien sach Alânus ûf der glanzen gruo,
unt wie gebrîset was ir ordenlîcher zesem,
ir wât und ouch ir artlich sege,
weiʒt duʒ?
Frauenlob minneleich 4, 4.


 
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segde, subst. sagena (rete). Dief. 507a. vgl. DWB sege, DWB segen, f.
 
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segede, f. 'eine hauende sense': eine mark z. e. worin der boden steinigt ist, verstattet die plaggen zu schaufeln. in andern aber müssen sie mit der segede (einer hauenden sense) gemähet werden, weil dadurch mindere narbe verschwendet wird. Möser osnabr. gesch. 1 (1780), 89, brem. seged, segd, seed, seid, eine art sichel, querhacke, womit man die 'plaggen', d. i. die moosigen dünnen rasenstücke, die unter den dung gemischt werden, von der oberfläche eines angers abhaut, heidsegd, auf den geesten zum abhauen der heidplaggen gebraucht. brem. wb. 733, hannöv. auch segete, sichte, kurze sense. Jacobsson 4, 119b, westfäl. siəged, m., sichte, sense zum roggenmähen. Woeste 236a. 235b, in Ostfriesland sichte, sicht, sigte, sigt, schlagsichel zum schneiden von halmfrüchten, bohnen, heidekraut u. s. f. ten Doornkaat Koolman 3, 179a, mit übergang des spirantischen umlautenden consonanten in f sift, bielefeld. plaggensift, plaggensense Woeste 235b, osnabr. plaggensyvt Strodtmann 162, mnd. segede, sichte, sichel. Schiller-Lübben 4, 166b. 203a (vgl. auch side, grabscheit oder worfschaufel? 204a); in gleichem sinne: mndl. sichte, zichte, nndl. zicht; ags. sigðe, sîþe, engl. sithe; anord. sigðr, m., als m. noch im östl. Island erhalten, daneben isl. sigð, f. Cleasby-Vigfusson 527a, norw. dän. sigd, schwed. (dial.) sigd, segd Rietz 563a. wol in denselben etymologischen zusammenhang gehörig wie sech, n., s. dies oben theil 9, 2773.
 
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segegarn, n., dasselbe wie sege, segen, f. Jacobsson 4, 119b.
 
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segeisen, subst., s. DWB sense.
 
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segel, n. velum.
I. formales. ahd. segal, segil, segel, m. Graff 6, 144, mhd. segel, selten sigel, m. Lexer mhd. hdwb. 2, 845; as. segel. Hel. 2238 (die stelle s. unter II, 1, e, θ), mnd. segel, zusammengezogen seil, n. Schiller-Lübben 4, 167a, nnd. (mit langem stammvocal) segel. brem. wb. 4, 734. Schütze 4, 92, sägel Mi 73b. Danneil 178b, seil brem. wb. 4, 734. Schütze 4, 92. ten Doornkaat-Koolman 3, 170a, stets n.; mndl. seghel, seil, nndl. zeil, n.; ags. segl, segel, m. n. Bosworth-Toller 856b, engl. sail; anord. segl, n. Fritzner2 3, 197b, schwed. segel, n., dän. seil, n. auszerhalb des germ. entspricht nach Fick vgl. wb.4 1, 560 irisch séol, kymr. hwyl, segel. altfranz. sigle, gleicher bedeutung, ist aus dem deutschen entlehnt. Diez4 295, ebenso litauisch źeglas, poln. źagiel, segel. Hehn kulturpfl. u. hausthiere5 152. — Adelung vermutet, dasz das wort in etymologischer beziehung stehe zu lat. sagum, zeug, kleid, und W. Wackernagel kl. schr. 3, 307 hält segel geradezu für eine umdeutschung der weiterbildung zu sagum : sagulum (sagum, sagulum sind nach Stokes und Bezzenberger in Ficks vgl. wb.4 2, 289 latinisierungen von kelt. sagon, sagos, sagulon). Hehn kulturpfl. u. hausth.5 152 vermutet entlehnung aus dem keltischen. Much stellt in Haupts ztschr. 36, 50 segel zu griech. ὅπλον, ἕπομαι und setzt als grundbedeutung an: was man mit sich führt, ausrüstung. nach Fick vgl. wb.4 1, 560 gehört es zu segho, aushalten, auf das skr. sah, sáhate, bewältigen, besiegen, griech. ἔχω, ἴσχω und das deutsche sieg zurückgehen.der kurze stammvocal ist nhd. gelängt (auf länge deutet wohl die in älterer sprache begegnende schreibung sägel. Maaler 340b, neben der auch seegel erscheint. Frisch 2, 255a), nur mundartlich hat sich die kürze erhalten. Hunziker 238. — die mhd. seltene nebenform sigel, die von dem zugehörigen verb. sigelen, nhd. segeln beeinfluszt ist:

sige(l)s unt stiure [der] habt ir niht, ir vlieʒet âne ruote. minnes. 2, 364a Hagen;

in dem tempel reiʒ der sigel von oben[e] ze tal. 3, 95b,

setzt sich vereinzelt auch im älteren nhd. fort: das siegel. Schütze beschr. der lande Preuszen (1599) 70a (die stelle s. unter II, 1, e, μ). Comenius sprachenthür (1657) 463 (s. unten II, 1, c); wechsel-sigel, velo di cambio ò di muta. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 733b (sonst dort nur segel). vereinzelt dringt die nd. form seil ins hd.:

er bgibt am segelbaum das seyl,
unnd sucht alleyn beym ruder heil.
Eyering 1 (1601), 612.

[Bd. 16, Sp. 83]


im älteren hd. ist segel durchaus m., im 16. jahrh. scheint dies geschlecht noch vorzuwiegen, es begegnet aber auch später, immer seltener werdend, so noch bei H. v. Kleist in einer stelle, die das wort im sinne von schiff zeigt: der segel im schiff, velum Dief. 609c (15. jahrh.); segel der hinder sich gespannen wird, epidromon. Dasypodius; sägel (der), velum, cadurcum, sinus. Maaler 340b; segel, m. voile de navire. Hulsius (1616) 295a; der grosze segel, artemon, acatium. Stieler 1990. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 733b (beide setzen das n. als das regelmäszige an);

der seinen segel hin nach Engeland gewendet,
ist manchmal durch den wind in Holland angeländet.
Logau 1, 24, 82;

sehr beschäftigt mich
dort jener segel — siehst du ihn? er schwankt
gefährlich, übel ist sein stand, er kann
das ufer nicht erreichen.
H. v. Kleist fam. Schroffenstein 4, 2.

das heute durchaus herrschende neutrale geschlecht, das durch nd. einflusz aufgekommen ist, verzeichnen die lexicographen von der mitte des 17. jahrh. ab als das regelmäszige: das segel, velum Corvinus fons latinit. 1 (1660), 708b. Schottel 1414. Stieler 1990. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 733a (daneben bei den beiden letzten als m. begegnend, s. oben). Steinbach 2, 558. Frisch 2, 255a. Adelung. Campe.
II. bedeutung und gebrauch.
1) in gewöhnlichem sinne stück zeug oder dergl., das ausgespannt zum forttreiben eines schiffs durch den wind dient, nach Tacitus Germ. 44 den nordischen Suionen zu seiner zeit noch unbekannt, nach Plinius 19, 8 damals erst seit kurzem in Deutschland verfertigt, wahrscheinlich vom westen oder süden her bekannt geworden. Hehn kulturpflanzen u. hausth.5 152.
a) neben den allgemein üblichen, aus segeltuch von hanf oder flachs bestehenden segeln werden in älteren quellen solche aus kostbarerem stoffe, seide genannt:

einn sîdîn segel saher roten.
Wolfram Parz. 58, 5;

dô worhte man die segelespâte unde vruo.
der künic hieʒ des îlen.dô welte man dar zuo
von Agabî der sîdendie besten, die si vunden. Kudrun 267, 1.

vergl.: dein segel (o Tyrus) war von gestickter seiden aus Egypten, das es dein panir were. Hes. 27, 7. segel aus atlas als unzweckmäszig bezeichnet:

solt sich ein herr ausz höchstem stoltz,
als welcher dem betrug gern trawet,
in einem schif von ceder-holtz
und helffenbein reich auszgebawet,
da voll schnütz-kunst ein jedes theil,
von reichem atlesz jeder seegel, ...
auff das welt-weitte meer begeben?
Weckherlin 568.


b) die farbe der segel ist meist weisz oder braun, doch werden auch andersgefärbte erwähnt:

zwêne segele brûne
die kôs man von der wer hin abe.
Wolfram Parz. 200, 10;

ein segel swarz, der ander blanc
schein ûf dem tobenden wilden sê,
der dritte grüene alsam ein clê
vil wunneclîche erlûhte,
der vierde rœter dûhte
denne ein vrischiu rôse rôt,
vil gelwen schîn der fünfte bôt
und gap der sehste blâwen schîn.
si wâren alle pfellelîn
unde ûʒ sîden wol geweben.
Konrad v. Würzburg troj. krieg 25146.

wie in der antiken Theseussage, so erscheint in der mittelalterlichen erzählung von Tristan und Isolde ein weiszes segel als freude kündend, ein schwarzes in entgegengesetztem sinne:

ist daʒ die bêle blunde Îsôt
wenden wil mîns tôdes nôt ..,
sô schaffe daʒ mit dem marner
unde schicke eʒ sô, daʒ er
einen wiʒen segel an binde, ..
ist aber, daʒ sie kumet nicht,
so sol der segel swarz sîn.
Heinrich v. Freiberg Trist. 6345;

so secht auch auff der zinnen umben,
wenn sein (des Theseus) schiff zu uns fehrt herwartz,
ob es hab einen segel schwartz!
denn der schwartz segel, der bedeut,
das er ist umbkommen im streit;
hat er aber ein segel weisz,
so hat er erhalten den preisz
und kommt mit ehr und triumph her.
Ayrer 1275, 35 Keller.

in den nordischen ländern liebte man blaugestreifte segel und rote mit grünen streifen. Weinhold altnord. leben 129. mit den

[Bd. 16, Sp. 84]


wappen des schiffsherrn geschmückte segel werden erwähnt (Konr. v. Würzburg troj. 25158). pilger führen kreuze an ihren segeln:

dô sach der marnæreûf den ünden wagen
ein schif mit rîchen segelen.dem künege hieʒ erʒ sagen.
dô daʒ gesach her Hartmuotund ouch al die sine
(in den segelen wâren kriuze),si jâhen eʒ wæren pilgerîne. Kudrun 853, 4.

es ist eins der schiffe, die Hetel auf Wates rat pilgern genommen hat.
c) besondere arten von segeln, nach ihrer gestalt, ihrem platz auf dem schiffe verschieden, bezeichnen die folgenden verbindungen: dreyeckichter segel, velo latino, orecchia di lepre. Kramer deutsch-it. dict. 2 (1702), 733b, auch lateinisch segel genannt. Jacobsson 2, 562a; viereckichtes segel. Eggers kriegslex. 2 (1757), 881; englisch seegel, von rhomboidischer form. Jacobsson 4, 115a; das grosse siegel, acatium. Comenius sprachenthür (1657) 463; das grosze segel, mitten im schiff, artemon, acatium. Corvinus fons lat. 1 (1660), 4b, das grosse segel, unten am groszen, mittleren maste. Eggers kriegslex. 2 (1757, 881 (als m. bei Stieler und Kramer, s. das formale); kleiner segel, segelfusz, dalum. Dief. 165b (von 1482), kleinste segel, alias die focke, minimum velum, alias ad proram. Stieler 1990; segel am vordertheil desz schiffs, petite voile. Hulsius (1616) 295a, segel im vordern teil des schiffs, dolon. Stieler 1990; segel im hindern teil des schiffs, epidromus. ebenda; segel am mastbaum, thoraceum. ebenda. die stelle auf dem schiff bezeichnen heute gewöhnlich zusammensetzungen wie: vorsegel, hinter-, achtersegel, obersegel, untersegel, groszsegel, schönfahrsegel, marssegel, bramsegel, focksegel, besahnsegel, kreuzsegel, blindesegel, klüversegel, andere kennzeichnen die art der zurüstung, so: raasegel, lugger-, ewersegel, topsegel, rutensegel, gaffelsegel, baumsegel, gieksegel, schunersegel, spriet-, emmersegel, stagsegel, leesegel. vgl. Bobrik 626 ff.
d) segel mit andern schiffsgeräten zusammengestellt:

die wîle man würketdaʒ man haben sol,
segele unde riemen. Kudrun 261, 2;

segel, anker oder seil
und swaʒ ze schiffung gehôrt,
des wâren si unbetôrt,
si berihtenʒ alleʒ eben.
Ottokar 34137 Seemüller;

mit segeln und rudern fahren, bildlich, allen fleisz und mühe anwenden. Eggers kriegslex. 2 (1757), 883.
e) verbale fügungen, in denen segel subject oder object ist.
α) segel führen:

weiʒ ieman wer di sint
die ich dort sihe flieʒensô verre ûf dem sê?
si füerent segel wîʒe. Nib. 477, 4;

alle segel führen. Eggers kriegslex. 2 (1757), 883; wenig segel führen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 733b. Eggers a. a. o.; grosze, kleine segel führen, bildlich. Wander 4, 898, 23; ähnlich: denn, da Wartislaus IX. vom rhate und der gemeine selbiger stadt (Stralsund) gebührliche huldigunge forderte, weigerte sich dessen burgermeister Otto Fuege ein vermögener vom adel, der woll sechs dörffer unter sich hette, und deszwegen ein gar zu grosz segel führete. Micrälius altes Pomm. 3, 423.
β) die segel aufziehen, tendere. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 733a, ziehen:

die segele wurden ûf gezogen. pass. 330, 70 Hahn;

der marnære zôch den segel
nâch des besten windes regel.
Heinrich v. Neustadt Apoll. 2441;

bald man nun zog den segel auff,
trieb sie der wind mit schnellem lauff
inn das königreich Cicilia.
H. Sachs 1 (1558), 166c;

(im bilde:)

nu dunket mich in trûwen gût,
daʒ wir verlân des stades grîn
und den segel wider ziehen hin
hôch ûf in des windes blâch. erlösung 926.


γ) die segel aufwinden, vgl. anord. vinda upp segl. Fritzner2 3, 197: want hee zyn zeghel up unde zeghelde. quelle bei Schiller-Lübben 4, 167a;

(im bilde:) ich han minen sigel ufgewunden.
Brun v. Schonebeck 10484 Fischer.


δ) den sägel aufrichten, mit aufgerichtem sägel faren, dare vela. Maaler 340b: kumet schifluiten eteswenne widerwertic wint, die entladen ir schif darumbe nicht; sie enthalden sich uf des waʒʒers unden mit bescheidenlicher wer, uncz in beʒʒer weter kumt, so richten sie denne ir segel uf und varn dar sie wollen. der veter buch 59, 13;

ûf rihten unde ûf ziehen
hieʒ er die segele sâ zehant.
Konrad v. Würzburg troj. krieg 25276.

[Bd. 16, Sp. 85]


ähnlich im bilde: man gab kusz und gieng in die minne mit ufgeregten segeln. Niclas v. Wyle transl. 59, 26 Keller.
ε) die segel hissen, auch bildlich. Eiselein 565.
ζ) die segel aufspannen, pandere vela Steinbach 2, 558. Frisch 2, 255a. Adelung, auszspannen Dasypodius, spannen, dare vela Maaler 340b, hausser la voile Hulsius dict. (1616) 295a, explicatum velum tendere Stieler 1990:

ach gott, die schuldt ist selber mein,
dasz ich nicht thet vom schiff herab
den schwartzen segel und darfür hab
gespannet auff den segel weisz.
Ayrer 1281, 13 Keller.

sprichwörtlich: bei aufgespannten segeln ist gut rudern. Wander 4, 498, 1; man musz das segel nicht zu hoch spannen. 5. bildlich auch: alle segel aufspannen. Eiselein 565. nd.: mit 'n upspand (oder upgeblasen, upstreken, uptrukken) seil kamen, eifrig, zornig auf jemanden einfahren. ten Doornkaat Koolman 3, 170a. in obscöner übertragung, de erectione penis:

ist Urania der himmel? ja; ihr buhler, glaubt es gerne;
dann die milchstrasz ist vorhanden, und die zwey geschwistersterne,
die den segel spannen auff, und jhn heissen pflügen fort
durch das tieffe nasse saltz, in en fürgehabten port.
Logau 2, 58, 20.


η) nd. seil uppsetten. ten Doornkaat Koolman 3, 170a, mehr segel beysetzen, forces de voiles. Eggers kriegslex. 2 (1757), 883, auch blosz: segel beisetzen, plura pandere vela. Frisch 2, 255a, alle segel beysetzen, dar tutte le vele à vento. Kramer deutschital. dict. 2 (1702), 733b. Jacobsson 4, 115b, auch bildlich, alles einsetzen für die erreichung eines zwecks, in nd. fassung. brem. wb. 4, 735, hd. Wander 499, 32. vgl. ags. seglas sendon geseted. Bosworth-Toller 856b.
θ) alts. segel up dôn,

segel upp dâdun
weder-wîsa werôs. Heliand 2238 Heyne.


ι) das segel aufmachen, aufspannen, bildlich: nach etwas trachten. Wander 4, 499, 31, ebenso segel machen. Frisch 2, 255a. Adelung; auf etwas segel machen, auf etwas zusegeln. Bobrik 633b.
κ) ein segel steht gerade oder vierkant, wenn es mit dem kiel des schiffs rechte winkel macht, es steht schief, wenn die winkel schief sind. Bobrik 626a. stehendes segel, bildlich nd.: mit 't staand 'seil, hoffnungsvoll, kühn. Stürenburg 243b.
λ) die segel fliegen lassen, pandere vela, vela ventis dare, committere. Henisch 1148, 60, vela facere Corvinus fons latinit. 1 (1660), 708a. Stieler 1990, die segel flatteren lassen, mettere il vento sotto le vele, barbottare le vele. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 733b.
μ) die segel dem winde überlassen. Eggers kriegslex. 2 (1757), 883. bildlich, eine sache, sein geschick dem zufall überlassen. Wander 4, 498, 17. ähnlich: darüber (bei dem ungeordneten angriff) der marschalch auch balde dem winde das siegel liesz, unnd befahl in allen örten auffzublasen. Schütze beschreib. d. lande Preuszen 70a. vgl. ahd.: lâʒ dînen segal dem winde ze gewalt. Notker bei Eiselein 565. allem winde segel geben. bildlich:

alles loben, alles tragen,
allen heucheln, stets behagen,
allem winde segel geben:
bös und guten dienstbar leben.
Logau 1, 210, 71.


ν) die segel richten, nachdem der wind stark oder schwach ist. Eggers kriegslex. 2 (1757), 883, die segel nach dem winde richten, vela explicare, utcumque in alto ventus est. Steinbach 2, 558. Adelung, bildlich sich in die zeit schicken. Eggers a. a. o., in allen fällen sich zu helfen, seine zwecke zu erreichen wissen. Wander 4, 498, 20, selten: an den wind richten. Jacobsson 4, 115a.
ξ) die segel entschlagen, richten, wenn man abfahren will. Jacobsson 4, 115a.
ο) die segel nach dem wind kehren, drizzare, tirare le vele secondo il vento, met.(onymice) accomodarsi al tempo. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 733b, den segel kêren z ainem, bildlich, sich an ihn wenden, anschlieszen. Oswald v. Wolkenstein (wortbuch) 423, den, die segel wenden:

als er die stat an sach,
zuo den marnæren er do sprach
daʒ si dar wanten
die segele unde lanten.
Hartmann v. Aue Greg. 1678.

bildlich:

do mit habe die rede ein ende,
nu sul wir aber den segel wenden.
Hugo v. Trimberg Renner 12355;

wo die alten weib die segel wenden (das geschäft leiten).
Oswald v. Wolkenstein (wortbuch) 423;

die segel wenden, seine ansicht ändern. Wander 4, 498, 22.

[Bd. 16, Sp. 86]



π) ein segel ist vollgebraszt, wenn es mit seiner leeseite dem hintertheile des schiffes näher ist, es ist baakgebraszt, wenn es mit seiner luvseite dem hintertheile des schiffs näher ist. Bobrik 626a.
ρ) die segel benetzen, damit sie desto besser anziehen. Eggers kriegslex. 2 (1757), 883, seegel nässen, die segel mit wasser begieszen, damit sie der wind besser fassen kann. Jacobsson 4, 115b.
σ) segel streichen, deprimere vela, inclinare malum. Stieler 1990, die segel streichen, vela demittere. Steinbach 2, 558, die segel mit den raaen vom mast fallen lassen. Jacobsson 4, 115b, die segel vollständig fallen lassen, wie es beim sturm und als zeichen der ergebung geschieht, dann auch: das mittlere obere segel zum zeichen der ehrerbietung, begrüszung bis zur hälfte des masts herunterlassen. Eggers kriegslex. 2 (1757), 883, schlieszlich auch auf das gleichem zwecke dienende senken der flagge bezogen. Apini gloss. 492: diese anstalten waren kaum gemacht, als wir bereits schon von den beyden schiffen, so Algierer waren, eingehohlet worden, und uns zugeruffen wurde: die seegel zu streichen und uns zu ergeben. Plesse 3, 352. bildlich, sich überwunden geben: gelingt aber ein solches unternehmen nicht ganz, fühlt sich der verstand nicht durchaus genöthigt die segel zu streichen, erlangen die arbeiten nur eine solche stufe, wo er ihnen noch etwas anhaben kann; so entsteht sogleich ein loben und tadeln des einzelnen. Göthe 36, 166; konsulent. ich bin bevollmächtigt — sie will. hofrath. wer — und was? konsulent. die Sternberg, dich zum manne. es mag sie gereuet, sie mag gedacht haben, dasz denn doch — genug sie streicht die segel. Iffland hagest. 5, 10; sie luden mich in der reihe zu gast, wo ich denn bemerken konnte, dasz wenn man auch tagtäglich in Berlin frugaler lebe als in Wien, bei gastmählern dagegen Wien offenbar die segel streichen müsse. Grillparzer 15 (1887), 139;

herr könig, ich bekenne frey, (so sagt
der inquisit, und streicht die segel).
Ramler fabellese 3, 81;

die kön'gin hatte zwar noch manches 'hum'
und 'aber, zwar, wenn nur', und mehr dergleichen,
womit die mütter um das ja herum
sich drehen, ehe sie die segel streichen.
Immermann 13, 176 Boxberger.

die segel streichen vor dem wind, bildlich:

vielleicht find't sich dort noch manch williges kind,
das streichet die segel vor fränkischem wind. fliegendes blatt von 1813;

wir rathen dir nicht, so viel unser sind,
die segel zu streichen vor jedem wind.
Rückert Firdosi 1 (1890), 76.

die seegel streichen vor einem, demittendo vela honorem alicui exhibere. Frisch 2, 255a, bildlich, einem weichen, nachgeben. Eggers kriegslex. 2 (1757), 883 u. ähnl.: oder kommst du etwa blosz auf meinen groszen ruf von freyen stücken zu mir, da du gehört hast was für erstaunliche wirkungen meine reden thun, wie mein lob von aller welt gesungen wird, und wie mich alles anstaunt und die segel vor mir streicht? Wieland Lucian 6, 17; wie ich dich auf der wilden schecke sah, die keiner sonst bändigen konnte, und ihr stolz vor dem deinigen die segel streichen muszte. Ludwig 3 (1891), 485;

ich steh zwar ietzt nicht hier zu loben; doch wär es mir so süsz als leicht,
noch manch verdienst (des weiblichen geschlechts) heraus zu
bringen, vor dem das mannsvolck seegel streicht.
Günther 425;

Parisz und seines gleichen
musz in der schau-spiel-kunst vor uns die seegel streichen. 1097;

ein weibchen, die der turteltaube
an sanftheit und an treue, gleicht;
die, anspruchslos, in schlichter alltagshaube,
die niedern seegel gern vor stolzen flaggen streicht.
Gotter 1 (1787), 254.


τ) den sägel abhinlassen, deducere carbasa. Maaler 340b, abgelassen sägel, und yetz zsamen gelegt oder gebunden, subducta vela. ebenda, segel niderlassen, ablassen, caler la voile. Hulsius (1616) 295a, die segel fallen lassen, niderlassen, calare le vela. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 733b: da befahl der patron des schiffs, man solt die segel ablassen. wir forscheten, warumb er die segel fallen liesz. buch der liebe 200d; bildlich:

nu will ich thes giflîʒan,then segal nitharlâʒan,
thaʒ in thes stades festemîn ruader nu gireste.
Otfrid 5, 25, 5;

sint ich was an land gefarn
und ich den segel wolte sparn,
den ich durch rûe nider lieʒ. erlösung 895;

[Bd. 16, Sp. 87]


ich vertieff mich zu ferr in dieser materi, wiewol ichs zu anfang nit im sinn gehabt. derhalben lasz ich hie mein segel nider, und spar das ubrig in unser vollendal. Fischart groszm. in Scheibles kloster 8, 1, 232. die segel fällen, mnd.: dar vellede he syne seghele. quelle bei Schiller-Lübben 4, 167a.
υ) segel einziehen, abbassar la vela. Hulsius (1616) 295a, contrahere Stieler 1990. Steinbach 2, 558a, herunterlassen, dasz der wind sie nicht mehr fassen kann. Jacobsson 1, 555b, auch bildlich gebraucht. Eiselein 565, die segel einlegen, einziehen, raccogliere, contrarre, mettre dentro le vela, met. finir' un oratione publica; farne l'epilogo. Kramer dict. 2 (1733), 733b, die seegel einnehmen, contrahere vela Frisch 2, 255a, beynehmen Adelung.
φ) die segel aufgeien, unter die raaen zusammenziehen. Bobrik 62b. die segel schürtzen, aufbinden, scorciare le vela. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 733b. seegel einbinden, einrollen und an die raaen binden. Jacobsson 4, 115a. die segel schlagen, ferler les voiles, wenn man nicht weiter segeln will. Eggers kriegslex. 2 (1757), 883. die seegel beschlagen, vela contrahere Frisch 2, 255a, in ein bündel zusammenrollen und an die raaen binden. Jacobsson 4, 115a. die segel abschlagen, von den raaen losmachen und abnehmen. Bobrik 6b.
χ) im vergleich, der wind wehet den segel, in älterer sprache: dann ursach in den dingen allen, sie wissen nichts darumb, so musz es ein fürgang nemen, wie der windt den segel wehet. Paracelsus 1 (1616), 226 B. der wind schwellt die segel, bläht die segel auf, bildlich mit anderm subject: der gedanke, .. das werk seiner eignen freyen wahl zu seyn, das leere der wissenschaften eingesehen zu haben, schwellte auf einmal von neuem seine segel. Klinger 3, 259; sogar hier zwischen den vier wänden zogen ihn noch die segel fort, die der grosze morgen aufgebläht. J. Paul Titan 2, 221. der sturm zerrisse die segel. Kramer deutsch-it. dict. 2 (1702), 733b;

aber die segel,
knitternd sofort und knatternd, zerrisz sie die wuth des orkanes.
Voss Odyssee 9, 71.

entsprechend passivisch: der sägel ist zerzert unnd zerrissen, zerschrētzt von ungestümen winden. Maaler 340b; bildlich:

zersliʒʒen ist des segels kraft,
ich wæn', die marner mit uns wen ertrinken. minnes. 2, 397b Hagen.

intransitiv: und schlg das ungewytter das schyff an einen berge das der segel und die massen zerbrachen. Pontus (1498) a 6b.
f) verbale fügungen, in denen das wort mit präpositionen verbunden erscheint.
α) unter segel gehen, faire voile. Eggers kriegslex. 2 (1757), 883, mit dem (segel-)schiffe abfahren. Adelung, absegeln Bobrik 663b: meine landsleute .. vergröszerten sich selbst das übel so sehr, dasz ich genöthiget wurde unter segel zu gehen, ehe die zurüstungen noch zur hälfte fertig waren. Wieland 2, 124; der überwinder seiner selbst gieng mit holländischen kauffahrern unter seegel, und kam glücklich in Batavia an. Schiller 2, 390; dat schip is under seil gân. ten Doornkaat Koolman 3, 170a. in allgemeinerem sinne wie 'abreisen' Wander 4, 499, 25. auch mit weiterer übertragung, nd. wie 'untergehn, verloren gehn'. ten Doornkaat Koolman 3, 170a.
β) in gleichem sinne zu segel gehn, nd. to segel gaan. brem. wb. 4, 735: ghinck to seghele. quelle bei Schiller-Lübben 4, 167a; den abend umb 9 uhr, als der wind aus süd-west uns gewünschet kam, giengen wir im namen gottes zu seegel, und kamen selbige nacht 20 meilen fort. Olearius pers. reise 1, 3b;

das edele Kasan liesz thor und mauren stehn,
wolt', als wir aus Detusch mit uns zu segel gehn.
Fleming 203.

übertragen, nd.: hê geid to seil, geht zur ruhe, legt sich schlafen. ten Doornkaat Koolman 3, 170a; mit näherer bestimmung: up ener sake vast to segel gaan, auf einem gewissen grunde etwas zuversichtlich unternehmen. brem. wb. 4, 735; he geit d'r mit to seil, geht mit der absicht um. ten Doornkaat Koolman 3, 170a.
γ) unter segel stehen, star vela vela, segelfertig. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 733b. sich unter segel halten. Eggers kriegslex. 2 (1757), 883. unter segel sein. ebenda; übertragen, nd. (bremisch): unner seils sîn, unterwegs sein.
δ) mit segeln fahren, veleggiare, andare con vela al vento. Kramer a. a. o. mit vollen segeln (fahren u. ähnl.), turgidis velis. Stieler 1990, plena velificatione Frisch 2, 255a, mit vollen segeln daherfahren, alle segel führen Kramer a. a. o., mit vollen segeln fahren, velis plenissimis navigare. Steinbach 2, 558.

[Bd. 16, Sp. 88]


Adelung, mit vollem segel fahren. Steinbach 2, 558: mit vulleme seghele. quelle bei Schiller-Lübben 4, 167a; solten wir mit vollem segel fahren (vorher sind die segel abgelassen, fallen gelassen, vgl. oben e, τ), so weren wir zu nacht der ersten finstere am vorberg desz ports. buch der liebe 200d; ähnlich:

heut frühe sah man es (das schiff) in hoher see
mit voller segel kraft das weite suchen.
Schiller braut von Mess. 1595;

in ausgeführtem bilde:

mein schiff, das wind und meer an manchen fels getrieben,
laufft den vergnügungs-port mit vollen segeln ein;
und meine hoffnung kan sich schon im geiste freun,
nachdem dein (der geliebten) freyes ja den zweiffel auffgerieben,
Günther 562.

aber auch sonst oft bildlich: ehemahls, da sie (die christlichen priester) noch von almosen lebten, war ihnen die wohlhabenheit und anständige lebensart unsrer priester (der heidnischen) ein greuel: nun, da sie mit vollen segeln fahren, sind die mässigen einkünfte unsrer tempel, deren sie sich bemächtigen, viel zu wenig, die bedürfnisse ihres stolzes und ihrer eitelkeit zu befriedigen. Wieland 25, 10; bedeutender ist die folgende periode, hier geht der sophist schon mit vollen segeln. Göthe 36, 222. mit erklärendem genitivischen zusatz: ach die lage eines hofmanns, der nicht mit den vollen segeln der gunst schiffet, oder der in seiner stolzen fahrt auf eine klippe stösst, ist gar zu traurig. Klinger 6, 6. mit allen segeln fahren, bildlich: da der genie und der unternehmende geist — in sofern er nur die öffentliche ruhe ungestört liesz — in diesen staaten mit allen segeln fahren konnte: so vervollkommneten sich die bewohner derselben zusehens. Wieland 8, 149. vergl.: stöbert mein springinsfeld erst noch dieses kapitel aus — heh da! geht ihm ein licht auf, ... und nun müssen alle segel dran, und drauf los. Schiller kabale 1, 1.
ε) den wind in die segel fassen, guadagnare il vento, serrare le vela. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 733b.
ζ) der wind fällt in die segel, il vento gonfia, intorgida le vela. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 733b. sprichwörtlich: in die gröszten segel fällt der meiste wind. Wander 4, 498, 4.
g) sprichwörtliche redensarten sind zum theil an die unter e und f erwähnten wendungen erwachsen, s. dort. andrer art sind die folgenden: unterm segel ist gut rudern. Simrock 446, 9448; ohne segel kommt das schiff nicht weit. Wander 4, 498, 8; wohin segel nicht führen, dahin führen ruder. 13; man mut 't oge, 'n oge mit in't seil holden. ten Doornkaat Koolman 3, 170a.
h) auch sonst wird das wort bildlich gebraucht, so dasz der vergleichspunkt auf unsinnlichem gebiete liegt: sich und (nu?) daʒ schef daʒ dâ haiʒet diu hailige cristenhait diu hât ainen segel der haiʒʒet diu hailige minne. deutsche pred. des 13. jh. 1, 67 Grieshaber; also valle eteswenne in gotes dienste in bekorunge oder in ander arbeite, so sulle wir mit geduldikeit und mit bescheidenheit beʒʒerunge warten und sullen unsers herren krucze zeime segele vor unsers herczen ougen richten, das vueret uns von dirre werlde arbeiten. d. veter buch 59, 16; der segel unsers schiffs (des heils) ist der fry wille, der ist wanckel und beweglich in mancher gestalt (vertibilis) darumb dan er billich würt ein segel genempt. Keisersberg schiff des heils (1512) 17b; mit deinem geiste, der so viele segel nebst einem paar stürmen hinter drein hat. Tit. 2, 146; in solchem mädchen, das so mächtig von der phantasie in allen segeln angehaucht wird. Arnim 1, 24;

disiu werlt elliu ist daʒ meri,
mîn trehtîn segel unde vere, ...
der segel, der wâre geloubo,
der hilfet uns der wole zuo. denkm.3 1, 92 (nr. 31) Müllenhoff-Scherer;

mit erklärendem genitiv: eben dieses begegnet auch dem geilen, wenn das schiff seines willens, zum port der concubin kömmt; damit er die ewigen gütter, gegen eine kleine wohllust verhandeln und vertauschen könne: denn alsdenn benimt sie jhme seinen verstand, und die segel der vernunfft. Butschky Pathm. 477; sogar der steilrechte klimax des barometers und das wagrechte strömen des ostwindes faszten die segel seiner hoffnung an, und zogen ihn in das stille meer der pfingst-zukunft. J. Paul Hesp. 3, 173;

trûren mit gewalt(e) hât
gankert in mîns herzen grunt,
dâ von hôher muot mir wildet;
vröuden segel von mir gât. minnes. 1, 205b Hagen.


i) es wird aber auch auf körperliches übertragen, das in sinnlicher beziehung einem segel gleicht, wie ein segel wirkt:

[Bd. 16, Sp. 89]


sieh, er (der schwan) schifft,
zieht rothe furchen in die flut,
und spannt des fittlgs segel auf.
E. v. Kleist 1 (1771), 77;

was sollen diese leidigen vögel?
sie richten ihre schwarzen segel
hierher vom heiszen felsgefecht.
Göthe 41, 279.

vgl.: wenne eʒ (das eichhorn) daʒ lant raumen wil umb sein narung und eʒ über ain waʒʒer muoʒ, sô nimt eʒ ain leihteʒ holz und tregt daʒ auf daʒ waʒʒer, dar auf setzet eʒ sich und recket den sterz gegen perg als ainen segel, sô treibt eʒ der wint über. Megenberg 158, 17.
2) an die zuletzt erwähnte anwendung schlieszt sich segel in folgenden technischen gebrauchsweisen:
a) als bezeichnung verschiedener schneckenarten der gattung strombus, das volle aufgeblasene segel, strombus canarium. Nemnich 2, 1384, das ausgespannte besahnssegel, strombus epidromis 1385, das schmale segel, das aufgerollte lange besahnssegel, strombus vittatus 1388.
b) als name der flügel einer schmetterlingsblüte.
c) in gaumensegel, velum palatinum, der weiche gaumen, s. dies oben theil 4, 1, 1, 1582.
d) vielleicht gehört hierher auch tirol. sêgele, sögele, n. als bezeichnung des im wasser lebenden saitenwurms, gordius aquaticus. Schöpf 665, was als demin. zu segel aufgefaszt werden könnte, etwa, weil das thier sich bewegt wie ein segel.
3) übertragung von 1 aus mag auch bei dem gebrauch des worts für andere tücher vorliegen, die ausgespannt, ausgebreitet werden, doch kann darin auch erhaltung einer älteren umfassenderen bedeutung gesehen werden. so erscheint im älteren hd. die nebenform sigel zur bezeichnung des vorhangs im tempel zu Jerusalem. minnes. 3, 95b Hagen (die stelle s. oben unter dem formalen), wobei vielleicht das lat. velum mitwirkt, und nd. bezeichnet segel, seil, rappseil, râpsâdseil, sâdseil ein groszes tuch, segeltuch, worauf rappsaat gedroschen wird. Schütze 4, 92. Stürenburg 243b. ten Doornkaat Koolman 3, 170b. dazu seilbâs, eigenthümer eines solchen tuchs, der mit seinen leuten darauf das rappsaat in accord drischt. ebenda.
4) eine erweiterung der gewöhnlichen anwendung, die ihre entsprechung, vielleicht ihr vorbild im lat. hat, ist segel für schiff, leicht daraus erklärlich, dasz man von fernen schiffen nur die segel sieht: der admiral ist mit hundert segeln, mit einer flotte von hundert segeln in see gelauffen. Kramer deutschital. dict. 2 (1702), 733b; die flotte ist so viel segel starck, classis tot navium est. Steinbach 2, 558; eine flotte von 50 segeln, classis quinquaginta navium. Frisch 2, 255a. Adelung; wir entdeckten ein segel, ein schiff. Bobrik 633b;

es war so bald nicht morgen,
wir eilten auff den wall. wier freuten uns mit sorgen,
wenn auff verdachter see ein falscher seegel kam.
Fleming 81;

manch segel rettet sich in diese buchten
vor des orkanes wut.
Schiller braut von Mess. 1592;

H. Kleist fam. Schroffenstein 4, 2, als m. (die stelle s. oben unter dem formalen). im bilde: er wolte, wenn andere beregneten, keinen tropfen auf sich fallen lassen, und bey allgemeinem schiffbruche nur sein segel in hafen bringen. Lohenstein Armin. 1, 438a.
 
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segel, m., oberpfälz. geschwulst, beule, geschwür, auch sigel. Schmeller2 2, 238. zusammenhang mit dem vorigen scheint ausgeschlossen, eher läszt es sich als übertragung von siegel, sigillum erklären. dabei bleibt allerdings das geschlecht auffällig. doch begegnet siegel auch als m., s. dies.
 
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segelage, -asche, f. mit roman. endung gebildet, wol eigentlich nd., auch seilasche (ndl. zeilage), seemännischer zusammenfassender ausdruck für die sämmtlichen segel eines schiffs. man sagt aber auch: die seilasche eines mastes; achter-, vorseilasche; ober-, unterseilasche. Bobrik 634a.
 
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segelation, segelatie, f. mit romanischer endung gebildet, wol eigentlich nd., veralteter seemännischer ausdruck für segelung. in vollerer form: nachdem wir uns vorgenommen hatten, unsere segelation in Arabien nach Mocca ... zu nehmen. Andersen orient. reise 48a; die segelation von der stadt Malacca bisz zum grossen königreiche Japon. 84, daneben der alten form des verbs entsprechend (s. dies) sigilation: sich des sommers der sigilation gebrauchen, des winters auf den dörfern liegen und kauf schlagen. preusz. landesordn. von 1577 bei Frisch 2, 255b. in kürzerer form segelatie, navigatio Chytraeus nomenclat. saxonicus (1597) bei Frisch 2, 255a. Comenius (1657) register zu 464 (im text segelung), im brem. wb.

[Bd. 16, Sp. 90]


4, 735, bei Schütze 4, 92 und Dähnert 420b als veraltet bezeichnet: weret, dat jenich schipman (matrose) .. nicht queme to schepe, wan sin schipher zeghelen wolde unde hinderde ene an siner zeghelacze edder entginghe. quelle von 1380 bei Schiller-Lübben 4, 167a; etlich irrung zwischen den Lubischen und Hollanderen der schiffung und segelacien halben. quelle von 1535 ebenda; am dingstdage na conversionis Pauli was de gantze wittheit tho samende up den rhathuse, dat men handelen wolde, van der segelatie durch de hovede (durch den kanal), und in de eilande. Renner z. j. 1532 im brem. wb. 4, 735; ein thurm wornach sich die seefahrende in der seegelatie zu richten pflegen. Hammelmann oldenb. chron. bei Frisch 2, 255a.

 

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21) sturmgesträubt
 ... sturmgesträubt , adj. : ein sturmgesträubter tann R. Dehmel ges. w. 2, 248 .
 
22) tann
 ... tann , s. tanne .
 
23) tann
 ... tann , m. ein weiter wald ( vgl.
 ... die jeger jagten in dem tann. Rebmann 186 ;
 ... das kriegend hölden - volk, dasz in dem tann gewohnt, hat in abgötterei seins bluts auch nicht
 ... eingeführt: wer suchen will im wilden tann, manch waffenstück noch finden kann. Uhland
 ... im felde oder im tiefen tann. Simrock volksb. 1, 211 ; der
 ... volksb. 1, 211 ; der hauste im dunkeln tann Scheffel Ekkeh. 324 ;
 ... 324 ; selbst wenn den höchsten tann zersplittert der wetterstrahl in meinem schosz
 
24) tann
 ... tann , m. spätmhd. und frühnhd. tan, boden
 
25) tannast
 ... tannast , m. tannenast schweiz. idiot. 1, 575, tann - , tannenast Wander sprichw. 4,
 
26) tännchen
 ... tännchen , n. dim. zu tann und tanne, vgl. tännlein.
 
27) tanne
 ... f. abies, eigentlich der waldbaum ( s. tann und tannbaum 1), ahd.
 ... roth - , schwarztanne u. a.: abies haiʒt ain tann und ist ze latein vil gesprochen sam ain aufgängel,
 ... dem gemainen namen abies; aber sie sprechent, daʒ diu reht tann under den drein die alleredelst sei, wan diu hât daʒ
 ... diu hât daʒ allerweiʒist und daʒ allerlüftigst holz. 314, 12; tann ist ein groszer baum; ... sie werden nit gearbeitet und
 ... 7 § 1. 5) tannenwald ( s. tann): ich pflege meinen gang nach der tanne zu haben, weisz
 ... 6) die zusammensetzungen bilden sich eigentlich mit tann - , tanne - , uneigentlich mit tannen -
 
28) tannenbaum
 ... plattd. dannebôm. 1) waldbaum ( s. tann): ein eichen, ein tennen tanpaum Tucher baumeisterb.
 
29) tännlein
 ... tännlein , n. , demin. zu tann und tanne, vgl. tännchen : da
 
30) tannmark
 ... tannmark , n. , schweiz. tann - , tannenmark, valeriana offic. Campe. Pritzel
 
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