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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
seiden bis seidenbinse (Bd. 16, Sp. 178 bis 180)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) seiden, adj. , von seide gemacht, ihr gleichend; ahd. sîdîn, mhd. sîdîn und sîden, mnd. sîden; das ältere nhd. bewahrt in den landschaftlichen formen seidein und seidin (belege unten) erinnerungen an die vollere mhd. form. seiden steht
1) eigentlich: seidene stoffe; der seiden damasc. Mathesius Sarepta 7b; ganz-, halbseidene gewebe, mit angabe der farbe schwarz-, grau-, weisz-, grün-, rot-, blauseidenes zeug u. ähnl.; sîdîn hemidi, holosericum Graff 6, 164; seidein gepend und seidein gewant. Megenberg 297, 6; der bischof in sime syden wambesche. d. städtechr. 9, 664, 17; serica, sericea syden kleid, sidin claid, siden cleit Dief. 529c. zusammengerückt auch seydinkleid. serica vestis Maaler 371d; ein seidenes kleid, vestis bombycina Steinbach 2, 573;

daʒ was ein hemde sîdîn.
H. v. Freiberg 735;

ein wâfenhemde sîdînleite an diu meit,
daʒ in deheime strîtewâfen nie versneit,
von pfelle ûʒer Libiâ. Nibel. 408, 1;

ouch tuon ich iu vollen rât
von guoter sîdîner wât.
Ottokar 3698;

(er) gab im harte rîchen solt.
diz was sîdîn gewête. pass. 484, 65 Köpke;

rot scharlatin und sidin gewand. teuf. netz 3195;

sie vergnügt sich mit einem zarten klaid,
so seydin und meergrün.
Weckherlin 726;

wo lieszest du dein seiden kleid,
wo gold und edelsteine?
Uhland ged. 206;

einen rothen mantel seiden,
eine goldne kron er trug. 224;

(der papst) wihete do die kirche zm jungen sant Peter und gap groszen aplos dohin und sine bebestliche sydin kappe die noch do ist. d. städtechron. 9, 558, 16; das men die alterdcher solt lynin machen und nut sydin. 509, 8; ich gab dir feine leinen kleider, und seidene schleier. Hes. 16, 10; die haben alle mit dir gehandelt, mit köstlichem gewand, mit seidenen und gestickten tüchern. 27, 24; (die nonnen) namen den brüef und drugen ihn in einem seüten duechlin mit einer loblichen procession .. herumb. Villinger chron. 69;

dô stuonden sîdîn hüttenund manic guot gezelt. Nibel. 551, 1;

einn sîdîn segel sah er roten (rot glänzen). Parz. 58, 5;

(der hund) ist auff unser betth gesprungen,
hat darauff gewelfft seine jungen,
hat die weisz seidin teck beschissen.
H. Sachs 17, 58, 11 Keller-Götze;

[Bd. 16, Sp. 179]



so, wie ein weiser arzt, der auf der bühne steht,
und seine künste rühmt, bald vor, bald rückwärts geht,
sein seidnes schnupftuch nimmt, sich räuspert, und dann spricht.
Gellert 1, 20;

die seiden fransen. Garg. 126b; seidene fanen, so gesticket, signa auro sericisque vexillis vibrantia Stieler 1999; seidene strümpfe, tibialia serica Steinbach 2, 573; den arm .. bedeckte (auf der mensur) ein aus alten seidenen strümpfen verfertigtes rüstzeug, handschuh genannt. Hauff 7, 41; seidenes band. ein seidener geldbeutel. seidene schuhe. Campe; seidene handschuhe tragen; er trug weite schlappstiefeln mit seidenen troddeln vorn. Immermann Münchh. 2, 59;

sît sach ich den valken schône fliegen:
er fuorte an sînem fuoʒe sîdîne riemen. minnes. frühl. 9, 8;

die goltvarwen zoumefuortens an der hant,
sîdîniu vürbüege. Nib. 75, 2;

daʒ zoch er ûʒem buosem sîn
an einer snüere sîdîn. Parz. 51, 16;

so bringet des lieben kindes muoter
röcke, mentel und vehe fuoter,
sidene borten mit golde beslagen,
und was ein töhterlin sol tragen. heil. namenb. 23;

do sticket mir mein pul ain seidene pinden. fastn. sp. 756, 18;

ein hanenfeder mus er han,
ein hembd mit seiden neten. bergreihen 80, 26;

seidene schnur bei den Türken zum erdrosseln: von dieser seidenen schnur, womit der groszherr seine günstlinge von oben dividiert, aber in brüche. J. Paul Hesp. 1, 193; seidener faden zum nähen, stricken, sticken:

fäden zieht sie, seidne fäden.
Immermann 12, 26 Boxberger;

in bildern:

sein lichtes haar ..
wie seidene fäden so weich und klar.
A. v. Droste-Hülshoff (1873) s. 95;

sein leben hängt an einem seidenen faden, von einem schwerkranken oder in gefahr stehenden, vgl. dazu unter faden 6, a oben theil 3, 1233; da wird seyne seele an eim seiden faden uber der hellen und ewigem verdamnis gehangen haben. Luther krit. ausgabe 19, 218, 16; als rechtsbrauch und sinnbild der begrenzung:

(Laurin hat) im erzogen zarte
einen rôsengarten.
daʒ diu mûre solde sîn,
daʒ ist ein vadem sîdin. könig Laurin 70;

mit ainem seidein faden (wird ein gefangener an einen stecken gebunden, sinnbildliche fesselung). Salzb. taid. 45, 22; ob denn ain paur umb ain frevel gestraft wird und wolt sich den zu geben sperren, mag des abts anwalt demselben pauren ain seidin faden umb sein waichi spannen, den soll er nit brechen, auch weder under oder über den faden herauszgeen, bisz er bezalt. Birlinger volksthüml. 2, 176 (16. jahrh.).
2) übertragen, in mehrfachem sinne.
a) von dingen, die der seide gleichen, sich wie seide anfühlen: seidenes haar; seidene hände, manus delicatae, molliusculae Stieler 1999; eine seidene haut Campe; mir ziehen sie unbarmherzig ihre seidne hand zurück. Klinger theater (1786) 1, 182;

wie die blume stolziert, und ihr seidenes kleid
in vergoldeten purpur taucht!
Hölty 66 Halm;

eine sehnsuchtsthräne träufelt
über die seidenen purpurblumen. 105;

sanft hingeschmiegt auf seidne frühlingsrasen. 200;

wer liesz vom nacken blond und schön
der holden seidne locken wehn?
Bürger 37b;

des nackens silber, gleich des schwans gefieder,
vom reichen, seidnen lockenhaar umweht.
Grillparzer 24, 55;

gelagerte ziegen und seidene schäfchen (schäfchen mit seidenartiger
wolle).
Voss 2, 217;

zwar stattlich von gliedern
ist sie dir, aber zu faul, und die seidenen händchen zu vornehm. 1, 66 (Luise 1, 550);

wenn den hingestreckt erbleichten mann
süsz gelinde pflege hat umfahn
einer holden frauen, seidne hände
dar ihm reichen frommer dienste spende.
Immermann 13, 154;

die erd' ist seiden, gewürzt die luft,
die flut wie rosenwasserduft.
Rückert Firdosi 3, 24;

wie seine seidnen wimpel regt
der zweig, so jüngst voll reifes hing.
A. v. Droste-Hülshoff ged. (1873) s. 77.


b) von menschen in seidenen, vornehmen kleidern, daher von äuszerlicher feinheit, mit dem spöttischen beisinne der weichlichkeit: wohl kam ich, und muszt im vorsaal stehn, lang, lang.

[Bd. 16, Sp. 180]


und die seidnen buben beguckten mich von vorn und hinten. Göthe 8, 70 (Götz 2); als ihn ein kurzer blaszgelber reichgekleideter mensch mit eingeschrumpftem gesichte erblickte und mit dem seidnen arm auf den weg zur kaskade zeigte. J. Paul Titan 4, 189;

wie kommts, o Vosz, dasz jeder seichte narr
in Deutschland deutsche dichter richten will,
und richten darf? dasz ihm, so oft ers thut,
ein seidner pöbel lächelt?
Stolberg 3, 3.


c) auf innerliches bezogen, fein, weich, lind: der einen seidenen magen hat, der lasse es lieber bleiben. Coler hausb. (1640) 345; seidene worte, verba byssina Stieler 1999; aber dasz in diesem marklosen jahrhunderte mich ja keiner miszverstehe, so wisse jedes seidene männchen, das mir vielleicht zu früh süszen beifall zulächelte, dasz fülle des herzens mehr ist als eine blos leidende reitzbarkeit. Stolberg 10, 356; anfangs gingen sie mit ihnen um, wie mit göttinnen, ganz sanft und seiden. Lenz 1, 176; sie wuszten, je seidener und zufriedener sie thäten, desto weniger nehme man sich vor ihnen in acht. J. Gotthelf Hans Joggeli (1894) s. 58; soll das ein seiden leben werden! juchhe! (sagt einer der als gast zur hochzeit geht). Ludwig 2, 481;

dann macht der mann bei seidnen schmeichelein
der gattin, ein gesicht als wolt er hülfe! schrein.
Göckingk 1, 183;

liebe, scherze, von verdrusz entladen,
weil die parze deiner tage faden
seiden spinnet und dein morgen scheint.
Gotter 1, 84;

mich quält ein sonderbar verlangen
nach sorg und müh, gefahr und streit,
es ist mir stets zu gut gegangen
in dieser seidnen friedenszeit.
Strachwitz ged. 19;

mit bezug auf den ausdruck des innern: so gibts auch seidne, baumwollne gesichter und gesichter von garn. Hippel lebensl. 1, 486.
 
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seidenarbeit, f. arbeit in seidenem zeuge oder faden; arbeit von seide verfertigt.
 
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seidenarbeiter, m. sericarius, plumarius. Stieler 48.
 
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seidenartig, adj. die art der seide habend: seidenartige baumwolle. Jacobsson 7, 321a; seidenartiges blatt, sericeum, nennt der gärtner dasjenige blatt, welches mit angedrückten, sehr weichen haaren bedeckt ist. ebenda.
 
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seidenband, n. band von seide, seidenes band (erst in neuerer sprache an stelle der freien verbindung ein seiden band, mit verändertem haupttone getreten): das seidenband Campe; indem er mit einem rosenfarbenen seidenband meinen fusz masz. Hauff 9, 86; er führte schon mit dem doppelhobel die letzten stösze über die bretter, feine späne lösten sich gleich zarten glänzenden seidenbändern. Keller 2, 80.
 
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seidenbast, m. eine art bastes, aus baumwolle gewebten zeuges, welches dem seidenen zeuge nahe kommt. Adelung.
 
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seidenbau, m. bau, gewinnung der seide aus den seidenraupen; ein von Frisch 2, 258c und 259a zuerst aufgeführtes und als erdichtet und ungeschickt aufgebracht bemängeltes wort, das sich aber schon als titel eines tractats findet, der ohne verfassernamen Berlin 1714 in quart erschien: der seidenbau in seiner nöthigen vorbereitung, gehörigen bestellung und endlichen gewinnung, und sich später schnell eingebürgert hat: das vorzüglichste, welches man bey dem seidenbau zu beobachten hat, ist, dasz man für gutes und hinlängliches futter sorget. deswegen denn derjenige, welcher einen seidenbau treiben will, vor allen dingen eine maulbeerplantage anlegen musz. Jacobsson 4, 121b; der seidenbau ist uns aus Persien durch Konstantinopel zugekommen. Herder zur phil. 7, 95.
 
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seidenbaumwolle, f. baumwolle von dem seidenwollbaume, bombax pentandrum in Ostindien, die seidenartig ist. Jacobsson 7, 322a.
 
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seidenbereiter, m. der die seide zur verarbeitung zubereitet. Campe.
 
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seidenbinde, f. binde aus seide gewebt: eʒ ritten (zu fastnacht) auch vil in Raitzen weis ein grosze rott, heten all grosz seidepinten umb die ht. d. städtechron. 11, 698, 15.
 
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seidenbinse, f. eriophorum polystachion, wolltragendes binsengras, binsenseide. Nemnich.

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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