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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
sehwinkel bis seichbrunnen (Bd. 16, Sp. 166 bis 167)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sehwinkel, m.: sehewinkel, angulus opticus, ist ein winkel, welchen die beyden strahlen in dem mittelpunkte des auges machen, so von den äuszersten punkten einer sache ausflieszen (der also mit der entfernung des objects abnimmt). Jacobsson 7, 319b; stärke und schwäche unsrer augen ist eine gabe der natur; aber zu welchen aussichten, zu welcher nähe, zu welchem sehwinkel wir uns gewöhnen ... wollen; dies kommt auf die frühe bildung an. Herder 2, 271 Suphan; stellt er den kopf schief, verändert hiemit den sehwinkel. Vischer auch einer 2, 292.
 
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sehziel, n.: seheziel, 'das ziel nach welchem man siehet und nach welchem man etwas richtet (point de vue)'. Campe; hierzu sehezielsfläche, f. Jacobsson 4, 119b.
 
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seibeiuns, für gottseibeiuns (s. d.), name des teufels: würde nicht mons. Callot dem teufel geantwortet haben: aber, freund Seibeiuns, gegerbt ist doch deine haut noch nicht. J. Paul grönl. proz. 47.
 
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seich, m.
1) handlung des seichens (s. d.), das wasserlassen, nur hochdeutsche ableitung zum verbum seichen (s. d.), ahd. mhd. seich: minctura seych Dief. nov. gloss. 253b; als krankheit der kalte seich, vgl. dazu die zusammensetzung kaltseich theil 5, 93, und unter kalt 2, c, ebd. 77; stranguria kalter seich, der kalte seich Dief. 555a; wer kaufft disen fuchsbalg? leg du in uber: er stellt den kalten seich. Garg. 100a; wann sie den kalten seich und die pferd die streng haben. 223b; dasz er sie inn seiner newen auffgerichten truckerey an die pressen stellt, dapffer am bengel zu ziehen, und den lauffkarren zu treiben unnd zu bemühen, dasz sie den kalten seich möchten kriegen. 270b; für den kalten seich .. sollen gut sein cypressenblätter in wein gesotten. Hohberg 1, 294a;

die hosen anfiengen zu stincken,
die bein zu zittern und zu sincken,
als hetten sie den kalten seich. froschmäus. Dd 3a;

in einem fluche:

das dich botz seich als narren schend! spil, wie man die narren von einem beschweeren soll (1554) E 4a.


2) geseichtes, harn, urin: der seich, brüntzel, urina Maaler 369a; welcher frawen ir stund vergangen ist, die sol trincken den saich von ainer gais. quelle bei Schm. 22, 212; also kein priester sol keim artznei geben, wan er es schon wol künte, wan er ist zegt darzů, dan das er mit dem seich und mit dem kack umgang. Keisersberg emeis 24c; ein kachelen domit

[Bd. 16, Sp. 167]


man den seych uszschüttet. post. 3, 70c; wann man auch die fruchtbäum oder räben mit altem seich under hundsdreck vermischet, begeuszt, so bleiben alle frücht von den thieren unverseert. Herr feldb. 22b; ob vileicht .. das fegfeur mit seych erlöscht worden. Fischart bienk. 116b; (er) stürtzt den dreck und saich alles über den kopff ab. Frey gartengesellsch. 106, 20 Bolte; (die ärzte) mit iren faulen pillulen, dreck und seych besehen. 115, 24; dann da ihm kein wein gt geng was, da hat er mit saich, für malvasier z trincken, beschlieszen müssen. 140, 30;

greift an und laszt in (den kranken) auszhin tragen,
und laszt in sein saich in das glas vahen. fastn. sp. 1, 62;

wil dir wol den seich beschawen,
ob dir sey wie den krancken frawen.
B. Waldis Esop 4, 19, 103;

den andern er (Reinecke) mit seich und schwantz,
fast die augen verblendet gantz. froschmäus. Q 8a.

das wort ist, im gegensatz zu dem gleichbedeutenden fem. seiche und dem verbum seichen, nur noch im oberdeutschen (bairischen, alemannischen) sprachgebiete lebendig, wo es auch als verächtlicher ausdruck für schlechtes getränk dient; bair. saich, schlechtes, nicht hinlänglich frisches getränk Schm. 22, 212; im Elsasz saich, schlechter wein Frommann 3, 13; in Basel aber saich bildlich fades, seichtes geschwätz Seiler 247b.
 
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seich, adj. für seicht (s. d.): es pricht dem gaul die gürte: wann er im seychen wasser schwimmen soll. Garg. 100a. vgl. auch seig.
 
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seichameise, f. formica rufa, name einer roten ameisenart, die im stechen einen ätzenden saft ausspritzt Adelung. volksmäszig in Düringen sêchemse, im Erzgebirge sêgumsze, in Nordböhmen sêchomsze Frommann 2, 238; im luxenburgischen sêchomes, anderwärts seichmotze, seichamse, vgl. unter ameise oben th. 1, 277; hessisch seichammel, seichhammel, oberhessisch sêchummelsche Vilmar 381; bergisch sêkammelte Frommann 6, 228. vgl. auch seichmiere.
 
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seichbad, n. bad das aus seich, harn besteht: nachdem nun gedachtes seichbad vergangen (Gargantua hatte die Pariser von dem thurm der notre dame beseicht). Garg. 149b;

sprach sie: o du schwarz teuflisch herd (ihr flöhe),
du bist nicht raines wassers werd,
ich musz dich in ain seichbad schicken,
darin du must vor hitz ersticken:
beutelt demnach, was an thet henken,
in dseichkachel, sie zu ertrenken.
Fischart flöhhaz 1577.


 
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seichbecken, n. harnbecken, nachttopf: das seichbecke, seichkachel, matula Maaler 369b.
 
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seichblase, f. harnblase: saychblosz H. v. Gersdorf bei Hyrtl kunstworte der anatomie (1884) s. 133.
 
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seichblume, f. name des löwenzahns, leontodon taraxacum. Nemnich 3, 365; in Baiern das saichblüemlein. Schm. 22, 212, wegen der harnbefördernden eigenschaft der pflanze.
 
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seichbrunnen, m. harn; ein harnbeschauender arzt sagt:

pfei, ir rotzigen pauren,
sol ich euch eur krankheit beschauren,
und hab mich des saichprunnens ser gefliszen,
so habt ir mir in das glas geschiszen. fastn. sp. 63, 24.

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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