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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
segger bis segnerin (Bd. 16, Sp. 117 bis 127)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) segger, subst., s. das vorige.
 
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seggern, verb. hess. sägend, mit stumpfer klinge schneiden. Pfister 273, zu sägen gehörig.
 
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segler, m. , auch (heute seltener) segeler.
1) der segelt, mhd. sigelære, nd. segeler.
a) der mit einem segel, mit segeln fährt und allgemeiner: schiffer, segeler, nauta, navigans. Stieler 1990. patronen, segeler, stürmenner, vischer. anzeiger f. deutsche vorzeit 3, 303;

dô die sigelære
hinz Akers brâhten diu mære,
daʒ si der soldan
het heiʒen varn von dan.
Ottokar 45217 Seemüller;

niemals rühmte sich noch ein segeler (ναῦται), frei des verderbens
dort (bei der Skylla) vorüberzusteuern.
Voss Od. 12, 98;

steure muthiger segler! (Columbus).
Schiller 11, 46.

hierher oder nach b gehört die sprichwörtliche wendung:

am gewäsche (erkennt man) den gimpel,
den segler am wimpel.
Simrock 446, 9449.


b) ein schiff hinsichtlich seiner art zu segeln. Adelung, allgemeiner auch: zu fahren überhaupt: ein guter segler, ein schnell segelndes schiff. ebenda. Bobrik 635b: der capitän ist ein junger, munterer mann, das schiff gar zierlich und nett, in Amerika gebaut, ein guter segler. Göthe 28, 78. ein schlechter oder stumpfer segler als gegensatz dazu. Bobrik 635b. segelschiff, schiff überhaupt: auch eine hinreichende anzahl geübter ruderer fehlte, nicht dasz die italischen seestädte keine handelsschiffe gehabt, aber diese waren nicht als galeeren, sondern als segler gebaut. Niebuhr 3, 676; in ausgeführtem bilde:

alle sie (die wogen) spiele des sturms,
in die nacht hinab der staatsumfassung! die segler
schwebeten, schwankten, krachten einher,
kühn gesteuert einher, und ohne steuer.
Klopstock 2, 192.


c) in freierem gebrauch:

eilende wolken! segler der lüfte!
wer mit euch wanderte, mit euch schiffte!
grüszet mir freundlich mein jugendland!
Schiller M. Stuart 3, 1.


d) so auch als bezeichnung von thieren, die eine dem segeln ähnliche bewegungsart haben.

[Bd. 16, Sp. 118]



α) eine muschelart, der papiernautilus, die schiffkuttel, seenympfe, argonauta. Nemnich 1, 435.
β) der auch segelfalter genannte schmetterling, papilio podalirius.
γ) eine alpine schwalbenart, der bergspyr, grosze spyr, cypselus alpinus heiszt auch alpensegler. Tschudi thierleben der alpenwelt (1853) 285.
δ) bezeichnung drehkranker schafe. Adelung, nd. sêgelär Schambach 189a, sêgeler korrespondenzbl. d. vereins f. nd. sprachforschung 10, 43, nach Nemnich wb. 1, 276 besonders wenn sie sich geradeaus bewegen.
e) von der vorigen anwendung (d, γ) aus übertragen götting. gedankenloser mensch, der nicht weisz was er thut, als schelte: sêgelär und swêre nâd! Schambach 189a, auch einfach: sêgelär!, olle sêgelär!, wie: 'schaf! hammel! dummkopf!' hildesheim. eigensinniger mensch. korrespondenzbl. d. vereins für nd. sprachforschung 10, 43.
2) nonnumquam etiam pro opifice velorum, seu linteario, segelmacher, sumitur. Stieler 1990. vgl. DWB segeln 2.
 
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sfglerin, f. zum vorigen, seglerinn, foemina vela pandens. Stieler 1990, freier:

senke nieder
adlergedank (der die welt ermessen wollte) dein gefieder,
kühne seeglerin, fantasie,
wirf ein muthloses anker hie.
Schiller 1, 275.


 
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segmüntz, subst. frühnhd. als pflanzenname begegnend, marrubium (von 1530) Dief. 350a. Dasypodius, daneben sigmüntze, f. (15. jahrh.), sigmintz (1521) Dief. a. a. o., semüncze, nepica. nov. gloss. 263a. sigminz erscheint auch bei Megenberg: marrubium haiʒt marobel oder sigminz und haiʒt auch ze latin prassium. 408, 34. älter sind die glossen sigiminze, simiza, nepeta, nepita, sigiminza, siminza, simiza, saminza, sisimbrium. Graff 2, 819, simeza, simzo, nepeta. Dief. 378b. vgl. auch mnd. seminte, siminte, nepeta, ags. sæminte, nereta 378c. der zweite bestandtheil des worts ist augenscheinlich münze, minze, mentha (s. dies oben theil 6, 2247).
 
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segnen , benedicere.
I. formales. das wort geht zurück auf lat. signare (cruce), und ist wahrscheinlich älter als das zugehörige subst., vgl. dies. es lautet ahd. seganôn, segonôn, seginôn, segenôn. Graff 6, 146. 147, mhd. in der regel segenen, so auch noch im früheren nhd. Hulsius 295b. Schottel 1414. Stieler 1668 (neben segnen, das aber schon früher auftritt, so verzeichnet es Dasypodius): du solt jm weder fluchen noch segenen. 4 Mos. 23, 25, mundartlich bis heute. cimbr. wb. 230a, daneben md. früh contrahiert zu seinen: do er lach an sime totbette und in und sine brdere seinete. pred. 99, 10 Leyser;

als die botschaft was getân,
die gûte im (dem verlocker) wol begeinte,
wand si zuhant sich seinte. pass. 324, 36 Köpke;

ach got seine dich, du liebes kint min! Alsf. pass. 6491 Grein,

auch zu sênen:

dô sênten im die wundendie vrouwen al zehant. roseng. 1997,

ebenso saenen im köln. des 15. jahrh. Frommanns ztschr. 2, 450b, und heute noch mundartlich sehnen. Schmidt 216, verkürzt mhd. und frühnhd. segen: dîn brder kam schelgliche und het dînen segen genomen und wurt geseget blîben. d. städtechron. 8, 255, 1 (Straszburg, Königshofen); den sun wirde ich segen. 4. bibelübersetzung (um 1470) bei Kehrein gramm. d. 15.—17. jahrh. 3, 168; nu hebe an (o gott) zu segen das haus deines knechts, das es ewiglich sey fur dir. 1 chron. 18, 27; welcher sich segen wird auff erden, der wird sich in dem rechten gott segenen. Jes. 65, 16;

eyn narr ist, der eyn artzet scht
des wort, und ler, er nit gercht
und volget altter wiber rott
und loszt sich segen in den dott
mitt kracter und mitt narren wurtz.
Brant narrensch. 38, 34 Zarncke.

mundartlich bis heute so. cimbr. wb. 230a, in früheren nhd. auch geschrieben mit ä. Haim. 39, 9 Bachmann (die stelle s. unter 1) und ee. Schiller räuber schausp. 1, 1 (unter 5); ags. seginôn, bezeugt segnôda Heliand 2042, mnd. segenen, segen Schiller-Lübben 4, 169a, nnd. segenen. brem. wb. 4, 735. ten Doornkaat Koolman 3, 168b, segnen Dähnert 420b. ten Doornkaat Koolman 3, 168b, säg'n Danneil 118b; mndl. seghenen, nndl. zegenen; ags. segnian, sênian Bosworth - Toller 856, engl. ersetzt durch bless; anord. sgna, auch von der weihung durch ein Thors hammer andeutendes zeichen. Cleasby-Vigfusson 527b, schwed. signa, dän. signe.

[Bd. 16, Sp. 119]



II. bedeutung und gebrauch.
1) entsprechend dem unter segen II, 1 ausgeführten geht das wort zunächst auf das bezeichnen mit dem kreuz, und zwar wohl in der regel auf das mit der hand unter anrufung gottes gemachte schützende, weihende kreuzeszeichen. besonders deutlich tritt das hervor bei sich segnen, segnarsi, munirsi si col segno della croce. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 734c, das bis heute im sinne von 'sich bekreuzigen' gebraucht wird: ob er (einer der nachher gespenster sieht) sich nun in seinem ufstehen gesegnet oder nit, ist nit wissent. Zimm. chron.2 4, 111, 33;

der wirt zer messe in lêrte
daʒ noch die sælde mêrte,
opfern unde segenen sich.
Wolfram Parz. 169, 19;

heten sich die christen wol gesegent,
des dorften sie (in der schlacht). Ludwigs kreuzfahrt 6721;

di frau di sprach: du solt dich segen,
daʒ dich der teufel betrieg icht mer.
Vintler blum. der tugent 3327;

vor entsetzen, abscheu, schrecken, verwunderung:

so wolt ich (ein sauhirt) morgen wie ein apt
vor dem fürsten von ewrentwegen
antwort geben, er solt sich segnen (so doch wol statt segnen des drucks).
B. Waldis Esop 3, 92, 114 Kurz;

wie schien mir's (das vergehen der andern) schwarz, und schwärtzt's noch gar,
mir's immer doch nicht schwarz g'nug war,
und segnet' mich und that so grosz,
und bin nun selbst der sünde blosz!
Göthe 12, 188;

daher der folgende boshafte scherz: freylich saget jener recht, da man jn fraget, weszhalben die leut das heilige creutz für sich schlügen, wenn man das evangelion lasz. die leute creutzigen, segnen, und verwundern sich schier zu tode, das im bapstumb noch so viel von der heiligen schrifft in der kirchen blieben ist. Mathesius Sar. 67b. mit instrumentalen oder modalen zusätzen:

mit fiuru sie nan (Jesus) brantin,mit waʒaru ouh irquâltin,
odo ouh mit steinonne:mit wiu segenôtis thu thih thanne?
Otfrid 5, 1, 12;

er segente sich krûzewîs
in unsers lieben herren namen. pass. 73, 94 Köpke;

unde segheden syck myt dem teyken des h. cruces. quelle bei Schiller-Lübben 4, 169a; so er (S. Benedictus) in dem wald was, da flog syn amsell vor ym hin, und er gedocht was ist das, das hestu vor nie gesehen, und er seget sich mit der hand, da verswand sy, do merckt er das es ein gespenst was. Keisersberg bilg. 58b; scherzhaft übertreibend:

wenn du (eine spinne in der fabel) den armut sehest an,
darinn da lebt der arme man,
bey dem ich (das podagra) bin die nacht gelegen,
soltst dich mit hend und füssen segen.
B. Waldis Esop 2, 31, 92.

mit zusätzen causaler art und ähnl.: do Karly die gros manheytten ersach, so Rengnold und sine bruoder begiengend, do sägnet er sich von wander. Haim. 39, 9 Bachmann; mit gen., vor etwas:

er segente sich unbildes. jüng. Titurel 5536, 2;

vor etwas, vor einem:

vor sîm anblicke
segent er sich vil dicke,
daʒ got so ungehiure
deheine crêatiure
geschepfen ie geruohte.
Hartmann v. Aue Iwein 984;

vil drâte ich mich des beriet,
daʒ ich im (dem teufel) wol begeinte
und mich vor im seinte.
er weich besîten alzuhant. pass. 284, 24 Köpke;

da thet sie wol sechs creutz für sich. der priester sprach zu dem weib: warumb segnet ir auch also vor mir? Pauli schimpf und ernst 133b; allgemeiner, wie sich verwahren gegen, vor etwas: ob durch des bösen feinds eingeben, du solch mein erbieten itzt würdest verachten, verlachen, und dich dafür segnen. Luther 1, 364a; das man die (den papst und seine umgebung) erst sol priester heissen, dazu die öbersten priester, da lasst uns für segenen. 4, 87b; ich hab solchen teufel und anfechtung bey mir selbs offt gefület, ich kan mich noch heutigen tages kaum genugsam dafür hüten, und segenen. 5, 125b; können sie (die diener des teufels) nicht mehr, so stopffen sie die ohren und segnen sich dafur (vor dem evangelium) als für dem ergsten teufel. 6, 188b. sich kreutzen und segnen über etwas, eigentlich und wie 'erstaunt sein'. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 735a, ebenso nd. daar moot man sik vor krützigen und segenen. brem. wb. 4, 736. Dähnert 420b. Danneil 178b. sprichwörtlich: vor dem teuffel kan

[Bd. 16, Sp. 120]


man sich segnen, aber nicht vor einem bösen weib. Pauli schimpf und ernst 155a. he segent sik êrsten als de papen, more sacerdotum sibi fit benedictio prima. Tunnicius 608, hd.: er segnet sich zu ersten wie die pfaffen. Frank sprichw. 2, 180, zuerst. Schottel 1143a. Simrock 446, 9447. in gleichem sinne: wer das creutz in der hand hat, der segnet sich am ersten damit, charitas incipit ab ego. Kramer deutsch-it. dict. 2 (1702), 735a. das erinnert an das bibelwort: der geitzige segenet sich, und lestert den herrn. ps. 10, 3, wo das wort eigentlich im sinne von 4 steht. an solche wendungen schlieszt sich ein freierer gebrauch der reflexverbindung: he het sik good segnet, hat sich gut versorgt. brem. wb. 4, 736. Danneil 178b, hat gut gegessen und getrunken. ten Doornkaat Koolman 3, 168b. ähnlich: er ist gut gesegnet, betrunken. Lichtenberg 3, 75.
2) das feierliche schlagen des kreuzes unter anrufung gottes zum schutze, zur weihe anderer, wofür das wort ebenso gilt, ist vor allem sache des dieners der kirche, des priesters.absolut: swenne ein priester ein kint toufen wil, sô stêt er unde liset und liset unde beswert und beswert unde segent und segent. Berthold v. Regensburg 1, 32, 37. mit persönlichem object: de peweler (paulinermönche) segenden se (die beginen) in de convente. d. städtechron. 7, 187, 15 (Magdeburg, von 1319);

den helden er (der bischof) er dô allen gap
beide taschen unde stap
und segent sie vlîʒiclîche. Mai u. Beaflor 202, 39;

hetet yuwen prester, dat he my seghe,
dat ik under de benedygynge
de pelegrymacye vullenbrynge. Reinke de Vos 2708;

sie (die verlobten bei der vermählung) segnet der priester am heiligen ort.
Göthe 3, 5.

es wird dann auch gebraucht von den entsprechenden handlungen der protestantischen priester, wenn sie auch nicht das kreuz schlagen, sowie der alttestan entarischen, von denen überhaupt die sitte des weihens, schutz, gedeihen verheiszens oder erbittens unter anrufung gottes hergenommen ist: Mose und Aaron giengen in die hütten des stiffts, und da sie witer eraus giengen, segneten sie das volck. 3 Mos. 9, 23; Aaron aber ward abgesondert, .. zu dienen und zu segenen in dem namen des herrn ewiglich. 1 chron. 24, 13; die priester und die leviten stunden auff, und segeneten das volck, und jre stimme ward erhöret. 2 chron. 30, 27. mit näheren bestimmungen, instrumentalsociativer art:

eʒ salbt der edel priester mich (einen sterbenden)
und segent mich mit worten. minnes. 3, 346a Hagen;

wie die tollen papisten pflegen,
die uns mît todten beyn (reliquien) wölln segen.
B. Waldis Esop 2, 50, 70 Kurz.

localer art: vor dem sie aus dem kindbett gesegnet wäre (den segen nach beendigung des kindbetts erhalten hätte). Bebel facet. übers. (1589) 137b;

al die eʒ sâhen unde hôrten,
wi si der bâbst mit sîner hende
segent in daʒ ellende (vor einer fahrt ins ausland segnete).
Ottokar 13502 Seemüller.

einen zu dem schwert segnen, ihm die ritterliche schwertweihe ertheilen (vgl. unten das schwert segnen):

gesegnet zu dem swerte
bin ich noch leyder nicht (bin noch kein ritter). Altswert 225, 8;

wer z dem (schwert) gesegnet ist,
das recht und den gelauben mêrt.
Wolkenstein 21, 3, 2.

einen in einen keiser, zu ritter segnen, weihen, auch nur in älterer sprache, heute zum: dusse konnig (Rudolf I.) gerne sik hedde gesegnet laten in einen keiser, sunder he ne hadde darto nein lucke. d. chron. 2, 597, 27 Weiland; dornach liess her sich an dem andirn tage under der messe zu ritter seynen. Rothe dür. chron. 553 nr. 656. auch mit unpersönlichem object, dem kirchlichen brauch entsprechend: das brod und wein beim h. nachtmal segnen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 734c: der gesegnete kelch, welchen wir segenen, ist der nicht die gemeinschafft des bluts Christi? 1 Cor. 10, 16; mit beziehung auf gott, Jesus:

enker got, Jesus.
dat hât alsô geschaffen,
daʒ eʒ tôroht phaffen
im segent ein brôt.
Ottokar 52049 Seemüller.

anderes, was kirchlichen zwecken dient, segnen: der (pabst) satte uff, daʒ man an dem osterobend den osterstog (osterkerze) sol segen. d. städtechron. 8, 19, 9 (Straszburg, Closener); der (pabst) satte uf das wihewasser und das saltz das men am sunnentage segent. 9, 509, 1 (Straszburg, Königshofen); er (ein pabst) satte uf, das men alle jor am grünen dunrestage

[Bd. 16, Sp. 121]


sol den crisemen segen. 514, 21; daselbins vr unse vrowe z himele an deme ostirlichen abinde umme die zit, als man in die kirchen die ostirkerzen seine sol. d. chron. 2, 298, 39 Weiland; als he selfs (der bischof) stonde ind sainde den heilige oilich in den doim ind den kresem. d. städtechron. 13, 532, 28 (Köln, v. 1799); eine gesegnete kertze, geweihte. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 735b;

der keiser des mit bite ermant
den pâbest daʒ er mit im vüer in diutschiu lant
unt Babenberc sîn stift mit wihe segenet. Lohengr. 7593;

ein bischoff, der eins solchen leben
wer, das er gute lehr künd geben,
und nit, wie sie sonst gemeinlich pflegen,
mit kinder firmen, kirchhoff segen,
mit glocken tauffen, wende schmieren.
B. Waldis Esop 4, 90, 82 Kurz.

das osterfeuer wird gesegnet: item in demselben jar was der kunig bey den vinstermetten alle gancz, und an dem osterobent da furt man in umb das fewer auf dem kirchof, als man es segent. d. städtechron. 1, 379, 19 (Nürnberg, von 1431). äcker werden im frühjahr vom priester gesegnet, im herbst die ernte: der (pabst) sate uf, daʒ man winbere, bonen und korn sol segnen, so es zitig würt. 8, 18, 7 (Straszb., Closener); das schwert des neuen ritters wird in der kirche gesegnet: swâʒ der bâbest mit dem banne gerihten mac, daʒ sol der keiser und ander werltlîche rihter mit dem swerte rihten. unde dar umbe segent man iu daʒ swert, sô ir von êrste ritterschaft enpfâhet. Berthold v. Regensburg 1, 363, 29;

'sich', sprach er (Marke), 'neve Tristan,
sît dir nu swert gesegenet ist
und sît du ritter worden bist,
nu bedenke ritterlîchen prîs'.
Gottfried v. Straszburg Trist. 5020;

beschirme d' armen, daʒ ist ritterschaft:
sprich ir wort, daʒ ist tugenthaft:
sô bistû vor gote wert:
dar umbe seinet man dir daʒ swert. quelle in den altd. blättern 1, 90, 38.

das schwert ist in der folgenden stelle gemeint:

sie zucten von der sîten,
daʒ in dar an gesegent was.
Heinr. v. Freiberg Trist. 1781.

auch in bezug auf gegenstände nicht blosz von einem weihen in der art der katholischen kirche:

mit des lambes blte
ir tr si (die juden) segenoten. deutsche ged. des 12. jh. 41, 5 Diemer.


3) aber auch von laien wird andern gegenüber der brauch des kreuzschlagens unter anrufung gottes geübt. auch dafür gilt natürlich das wort:

die wagen vuoren alle vor,
die ritter nâch in ûf der spor.
si segenten dô die vrouwen.
si machten in manc kriuze nâch. Virginal 1076, 3,

wird dann auf entsprechendes im alten testament übertragen und gewinnt so den allgemeinen sinn des heilwünschens unter anrufung gottes, wobei bisweilen dem segnenden eine besondere weihende kraft ähnlich dem priester eigen erscheint, bisweilen aber auch die beziehung auf gott und damit zur handlung des priesters zurücktritt. in verbindung mit gegentheiligen ausdrücken: verflucht sey, wer dir flucht, gesegnet sey, wer dich segnet. 1 Mos. 27, 29; liebet eure feinde, segenet die euch fluchen. Matth. 5, 44; segenet die euch verfolgen, segenet und fluchet nicht. Röm. 12, 14; vergeltet nicht böses mit bösem, oder scheltwort mit scheltwort, sondern da gegen segenet. 1 Petr. 3, 9;

ir (der pabst) sprâchent, swer dich segene, sî
gesegent: swer dir fluoche, sî verfluochet.
Walther 11, 13.

beim abschied gebräuchlich, bei priestern und laien: sie segneten Rebeca und sprachen zu jr, du bist unser schwester, wachse in viel tausent mal tausent, und dein same besitze die thor seiner feinde. 1 Mos. 24, 60; also segnet sie Josua, und liess sie gehen. Jos. 22, 6; und da alles volck uber den Jordan war gegangen, und der könig auch, küsset der könig den Barsillai und segenet jn, und er keret wider an seinen ort. 2 Sam. 19, 39; da nu die die empörunge auffgehöret, rieff Paulus die jünger zu sich, und segenet sie, und gieng aus zu reisen in Macedonia. apostelgesch. 20, 1;

Ruolant vuor gegen Berne hin,
er segente dô die künegin. Virginal 1075, 2.

daher in den allgemeineren sinn von 'sich verabschieden' übergehend, segenen, gute nacht geben, dire à dieu. Hulsius 295b: da macht sich gedachter vicarius davon, segnet seinen wirt nicht. Luther 1, 125b. auch mit unpersönlichem object, wie 'verlassen':

[Bd. 16, Sp. 122]


was ist dir begegnet — dasz du die heimath hast gesegnet. Rückert 11 (1882), 397;

so geht es gleichfalls dem, der seine vaterstadt
aus lust, die welt zu sehn, nunmehr gesegnet hat.
Hoffmannswaldau getr. schäfer 145

in besonders emphatischer art beim abschied aus der welt, vor dem tode: zehant leit er (Rudolf I.) sich z bette und wüste wol, daʒ er kürtzelichen sterben müste, und besorgete die sinen und segenete sine rittere und sine dienere mit weinenden ougen. d. städtechron. 8, 56, 2 (Straszburg, Closener); dis ist der segen, da mit Mose der man gottes die kinder Israel, vor seinem tod segenet. 5 Mose 33, 1; habe mich also mit hohem schmerzen und herzbrechendem leid mit ihr (der sterbenden gattin) gesegnet. Schweinichen 3, 253. daher die welt segnen. Adelung, das zeitliche segnen, die welt verlassen, sterben: er regierte das königreich viel jahr mit ehre und gelindigkeit, bisz dasz er endlich mit nachlassung eines guten nahmens, die welt gesegnet (part. prät. zu segnen oder prät. zu gesegnen). pers. baumg. 1, 7b; das ganze ist, dasz meine schwiegermutter, gegen all mein vermuthen und hoffen, dasz zeitliche gesegnet und mich aus der sorglosen unbefangenheit eines poetischen legenden - schreibers auf einmal in den ganzen embarras des richesses des ehrlichen Johann des seifensieders geworfen hat. Wieland in Mercks briefs. 2, 217. in gleichem sinne: der liebe man m. Georg Helt, in Christo entschlaffen, hat uns gesegnet, gnediger fürst und herr, mit unserm grossen schmertzen und verlangen nach jm. Luther 8, 204b;

kein schmerz erbitter
euch, die ihr hinter mir noch auff der teuffen schwebt,
gequält von angst und furcht, und sonder leben lebt;
um, dasz ich so geschwind und früh hab euch gesegnet.
A. Gryphius (1698) 2, 50.

ebenso absolut:

der mensch stirbt zeitlich oder spat,
sobald er nur gesegnet hat,
so wird er in den sand versencket.
Opitz 2, 207.

seine kinder segnen, ihnen den elterlichen segen geben. Kramer deutsch-it. dict. 2 (1702), 834c, auch, wenigstens im alten testament, vor dem tode oder örtlicher trennung im leben: mach mir (sagt Jacob zu Esau) ein essen, wie ichs gern habe, und bring mirs erein das ich esse, das dich meine seele segene, ehe ich sterbe. 1 Mos. 27, 4; bringe mir ein wildbret, und mach mir ein essen, das ich esse, und dich segene fur dem herrn ehe ich sterbe. 7; des morgens aber stund Laban früe auff, küsset seine kinder und töchter, und segenete sie, und zoch hin, und kam wider an seinen ort. 31, 55. wie beim abschied auch einem kommenden gegenüber, als begrüszung: Joseph bracht auch seinen vater Jacob hin ein, und stellet jn fur Pharao, und Jacob segenet den Pharao. 1 Mos. 47, 7; da gieng Saul hinaus im entgegen jn zu segenen. 1 Sam. 13, 10; David hat boten gesand aus der wüsten unsern herrn zu segenen, er aber schnaubet sie an. 25, 14. als dank: ist er (der ein pfand für eine schuld gegeben hat) aber ein dürfftiger, so soltu dich nicht schlaffen legen uber seinem pfand, sondern solt jm sein pfand widergeben, wenn die sonne untergehet, das er in seinem kleide schlaffe, und segene dich. 5 Mos. 24, 13; da aber Thoi der könig zu Hemath höret, dasz David hatte alle macht des HadadEsers geschlagen; sandte er Joram seinen son, zu David, jn freundlich zu grüssen, und jn zu segenen, das er wider Hadad Eser gestritten. 2 Sam. 8, 10; daher auch im weiteren sinne von danken, preisen, so auf gott bezogen: thaʒ thû uns quedês oba thû sîs Crist, gotes sun giseganôten? Tat. 190, 1; sein weib sprach zu jm, heltestu noch fest an deiner frömkeit? ja, segene gott und stirb. Hiob 2, 9; o got, gesegnet sigest du. nunn gsich ich wol, daʒ alle die, so inn dich hoffend, nüt verlăssen werdend. Haim. 221, 37 Bachmann;

ja segnen will ich got, und loben ohn ablasz.
Weckherlin 73 (ps. 18, 86);

auf tote:

sie segneten den guten mann
in seiner kühlen gruft dafür.
Hölty 38, 21 Halm.

in solcher anwendung wie 'danken' vereinzelt auch mit dativ der person verbunden: haben mir nicht gesegenet seine (des armen) seiten, da er von den fellen meiner lemmer erwermet ward? Hiob 31, 20. doch tritt bisweilen lediglich der begriff des preisens, nicht des dankens hervor:

er schläft! ich segnet' ihn, als ich ihn sah,
bewusztlos, auf dem pfühle ruhig athmen.
Göthe 9, 303.

mit unpersönlichem object, in bezug auf gott:

lob hab du, höchster got, mein hayl, mein schirm und hort,
gesegnet sey dein will, der niemand zu vermeyden.
Weckherlin 72 (ps. 18, 81);

[Bd. 16, Sp. 123]


auf tote: die derwischen und die katzen sind die einzigen geschöpfe in der welt, welche ursache haben, sein andenken zu segnen. Wieland 6, 3;

noch segnen stille thränen seinen staub.
Gotter 2, 200.

auf anderes: lasz uns das glück segnen, welches uns mit den empfindungen der tugend bekannter macht. Dusch bei Adelung; wir wissen nicht, ob er seinen zustand segnete oder tadelte, der ihm ruhe und mäszigung zur pflicht machte. Göthe 19, 61; wie er alle seine leiden und verirrungen segnete, weil sie ihn von allen frauen bis dahin entfernt gehalten. 20, 265. dem eigentlichen sinne näher mit unpersönlichem object: den tisch segnen, das tischgebet sprechen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 734c.
4) verwendung des kirchlichen segnens durch laien zu heilzwecken und in verwandter mystischer art, von der kirche mehr und mehr eingeschränkt und schlieszlich ganz verboten, und ähnliches formelhaftes besprechen ist im folgenden gemeint: segnen, lustrare, incantamentis curare. Dasypodius, incantare, ammaliare, affatucchiare con incantesimi, con arte diabolica. Kramer deutschital. dict. 2 (1702) 735b, incantare, sich mit segnen der artzney an menschen und vieh anmassen. Frisch 2, 255c: das segnen, dabey gottes name miszbraucht wird, ist verbotten. Heinr. Jul. v. Braunschweig 26 Holland;

so kans (ein altes weib, die kurpfuscherei treibt) denn mer arzin,
denn ander maister drî
und segnen und och sprechen. d. teufels netz 10313.

mit persönlichem object: menschen segnen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 735b;

ich hân in gesegent, er was entsehen.
im sol arges niht geschehen,
ich wil in gesunt machen. Eraclius 3239;

passivisch: ob du je gelöbetost an hesce unn an lachenerin, unn an segenerin, unn ob du tete das sie dir rieten, unn ob du je gesegent, unn gelachent wurde. quelle bei Scherz-Oberlin 860. das viche segnen oder ansprechen fur die wolf, carminare. voc. von 1482 bei Lexer mhd. handwb. 2, 849, vieh segnen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702) 735b. Adelung: dat vee to seghende mit der hilligen schrift is verboden. quelle bei Schiller-Lübben 4, 169a. das fieber segnen. Adelung, wunden:

Lucîna deu kunigîn
und Tarsîâ der sælden schrîn
gesegenten im die wunden.
Heinrich v. Neustadt Apollonius 20036.

das feuer segnen, besprechen. Adelung. im sinne eines anhexens von krankheit: der mensch ist auszer zweifel gesegnet, huic homini nescio quid mali mala objectum manu. Stieler 1668. von wirklichem vergiften?: das kind ist gesegnet, veneficium huic infanti factum est. Stieler 1668.
5) das kirchliche segnen geschieht im namen gottes. gott segnet durch seine priester: denn jr solt meinen namen auf die kinder Israel legen, das ich sie segene. 4 Mos. 6, 27;

so sage, wer seynete den bronnen (bei der taufe)?
das det, der der sonnen
tzeüget irn stig und irn gang
in irme tzirkel den ummswang.
Reinbot v. Dorn heil. Georg 2838.

gottes segen ist schöpferisch und hat auch ohne vermittlung des priesters statt. gott segnet bedeutet daher: er schafft, sichert gedeihen, erfolg, glück, heil: fone diû segenôta dih got in êuua. Notker ps. 44, 3; da gott den menschen schuff, machet er jn nach dem gleichnis gottes, und schuff sie ein menlin und frewlin, und segenet sie. 1 Mos. 5, 2; gott segenet Noah und seine söne, und sprach, seid fruchtbar und mehret euch, und erfüllet die erde. 9, 1; ich (gott) wil dich (Abraham) zum grossen volck machen, und will dich segenen, und dir einen grossen namen machen, und solt ein segen sein, ich wil segenen die dich segenen, und verfluchen die dich verfluchen. und in dir sollen gesegenet werden alle geschlecht auff erden. 12, 2. 3; ich (gott) wil sie (Sara) segenen. und von jr wil ich dir einen son geben. 17, 16; der herr hat meinen herrn (Abraham) reichlich gesegnet, und ist gros worden, und hat jm schaf und ochsen, silber und gold, knecht und megde, kamel und esel gegeben. 24, 35; ich (gott) wil mit dir (Isaac) sein, und dich segenen, denn dir und deinem samen wil ich alle diese lender geben. 26, 3; Isaac seete in dem lande, und kriegt desselben jahrs hundertfeltig, denn der herr segenet jn. 12; ich (Laban) spüre, das mich der herr segenet umb deinen (Jacobs) willen. 30, 27; an welchem ort ich (gott)

[Bd. 16, Sp. 124]


meines namens gedechtnis stifften werde, da wil ich zu dir komen, und dich segenen. 2 Mos. 20, 24; es soll aller dinge kein bettler unter euch sein, denn der herr wird dich segenen im lande, das dir der herr dein gott geben wird. 5 Mos. 15, 4; der knabe (Simson) wuchs, und der herr segenet jn. richt. 13, 24; wo du (gott) mich segenen wirst, und meine grentze mehren. 1 chron. 4, 10; der herr segenet hernach Hiob mehr denn vorhin, das er kreig vierzehen tausent schaf, und sechs tausent kamel, und tausent joch rinder, und tausent esel. Hiob 42, 12; du herr segenest die gerechten, du krönest sie mit gnaden, wie mit einem schilde. ps. 5, 13.
als wunsch: got der himel unde erda teta der segenoe dih sînen liût. Notker ps. 133, 3; der allmechtige gott segene dich, und mache dich fruchtbar. 1 Mos. 28, 3; also solt jr (Aaron und seine söhne) sagen zu den kindern Israel, wenn jr sie segenet. der segene dich, und behüte dich. 4 Mos. 6, 24; es segene dich der gott Israel. Tob. 9, 9; also bitte ich den höchsten von hertzen, dasz er dieselben (ratsherrn von Breslau) der stadt, die stadt dem gantzen vaterlande zum besten, und den künfftigen zeiten zum exempel, auch ferner segenen, und mit allem gewündschten zustande beschencken wolle. Opitz 4, 283; gott wolle das vertraute ehepaar segnen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 735a; (der alte Moor zu Franz:) gott seegne dich für das was du mir warst und seyn wirst! Schiller räuber schauspiel 1, 1. als begrüszung: Boas kam eben von Bethlehem, und sprach zu den schnittern, der herr mit euch, sie antworten, der herr segene dich. Ruth 2, 4. mit näheren bestimmungen:

also herr, nach diesem flehen,
segne mich zu deinem kinde.
Göthe 3, 9;

Abraham war alt, und wohl betaget, und der herr hatte jn gesegnet allenthalben. 1 Mos. 24, 1; auff das dich der herr dein gott segene, in allen wercken deiner hand die du thust. 5 Mos. 14, 29; der herr dein gott wird dich segenen in alle deinem einkomen, und in allen wercken deiner hende. 16, 15; an dem frembden magstu wuchern, aber nicht an deinem bruder, auff das dich der herr dein gott segene, in allem das du furnimpst. 23, 20; der herr wird sein volck segenen mit frieden. ps. 29, 11; gelobet sey gott und der vater unsers herrn Jhesu Christi, der uns gesegenet hat mit allerley geistlichem segen, in himlischen gütern durch Christum. Ephes. 1, 3; segnen an etwas, mit etwas, fortunare, fortuna, felicitate aut bonis augere. Frisch 2, 255c (in der regel so, von gott und auf personen bezogen).
mit unpersönlichem object, in verbindung mit persönlichem: segene (gott) dein volck Israel, und das land, das du uns gegeben hast. 5 Mos. 26, 15; aber auch allein: gott segenet sie (die thiere), und sprach, seid fruchtbar und mehret euch. 1 Mos. 1, 22; der geruch meines sons ist wie ein geruch des feldes, das der herr gesegnet hat. 27, 27; dem herrn ewrm gott solt jr dienen, so wird er dein brot und dein wasser segenen. 2 Mos. 23, 25; herr segene sein (Levis) vermügen, und las dir gefallen die werk seiner hende. 5 Mos. 33, 11; du (gott) hast das werck seiner hende gesegenet, und sein gut hat sich ausgebreitet im lande. Hiob 1, 10; du (gott) .. segenest sein (des landes) gewechse. ps. 65, 11; gott wolle deinen ehestand segnen. Stieler 1668; der herr wolle die artzneymittel segnen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 735a; gott segne ihr bemühen. Adelung. mit unpersönlichem obj. und dat. der person: gott segnet den fromen jre güter, und wenn die zeit kompt, gedeien sie balde. Syr. 11, 23; gott segne euch das essen, den schlaf. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 735a;

got segene im sîn rîche.
Hartmann v. Aue Erec 10072.

in solcher verbindung auch vereinzelt geradezu wie spenden, schenken, von gott: das du gebest (dem hebräischen freigelassenen) von dem, das dir der herr dein gott gesegenet hat. 5 Mos. 15, 14. dann auch so absolut, von menschen: die seele die da reichlich segenet, wird fett, und wer truncken macht, der wird auch truncken werden. spr. Sal. 11, 25. andererseits von gott in bezug auf unpersönliches auch wie 'weihen, heiligen': (gott) segnete den siebenden tag und heiliget jn. 1 Mos. 2, 3.
formelhaft: g'sägn-echs, für 'gott segne euch es'. Seiler 247b; gott segne't, lasse es euch wohl bekommen. br. wb. 4, 736, gott sägns, gebraucht, wenn einer ein säugendes kind anredet, auch zum niesenden. Danneil 179a, séng gott für 'segne es gott', bei der mahlzeit. Vilmar 380, segen gott, contrahiert sün gott, beim zutrinken, zu einem niesenden. Schütze 4, 92. als ausruf der verwunderung: gott segne es! Kramer deutsch-it. dict. 2 (1702), 735c; gott segn' uns. Dähnert 420b; absolut:

[Bd. 16, Sp. 125]


'got segene', sprach diu künegîn,
'durch welhe nôt sprechet ir daʒ?'.
Gottfried v. Straszburg Trist. 13694.

ebenso oder ähnlich wie von gott von Christus: (gott) hat jn (Jesus) zu euch gesand, euch zu segenen, das ein jglicher sich bekere von seiner bosheit. apostelgesch. 3, 26. ähnlich auch von andern göttlichen, göttlich gedachten wesen:

wunderseliger mann, welcher der stadt entfloh!
engel segneten ihn, als er geboren ward.
Hölty 114, 34 Halm;

lächelnd segnet sie (Ceres) die erde.
Schiller 11, 295.

freier:

bei meinem saitenspiele
segnet der sterne heer
die ewigen gefühle.
Göthe 1, 98;

wenn der uralte
heilige vater
mit gelassener hand
aus rollenden wolken
segnende blitze
über die erde sä't. 2, 84.


6) an die vorige oder an die unter 3 erwähnte gebrauchsart lassen sich passivisch-optativische wendungen wie die folgenden anschlieszen, je nachdem gott oder der redende (vgl. sei gegrüszt) als subject des verbalbegriffs gemeint ist: gisegonôt sî ther dâr quimit cuning in trohtînes namen. Tat. 116, 4; gesegnet sey unter den weibern Jael, das weib Heber des Keniters. richt. 5, 24; gesegenet sey der dich erkennet hat. Ruth 2, 19; gesegenet seiestu, das du mir heute erweret hast das ich nicht wider blut komen bin. 1 Sam. 25, 33; gesegenet seistu mein son David. 26, 25; Raguel neiget sich gegen jm, weinet und fiel jm umb den hals, und küsset jn, und sprach, o mein lieber son, gesegnet seiestu, denn du bist eines rechten fromen mannes son. Tob. 7, 7;

gesegnet sei er, der dir hülfreich war!
Schiller braut von Mess. 1329.

deutlicher wird die beziehung durch einen dativischen zusatz, der einem von mit dat. nahe oder gleichkommt: Melchisedech ... segnet jn (Abraham) und sprach, gesegnet seistu Abram dem höhesten gott. 1 Mos. 14, 19; gesegnet sey mein son dem herrn. richt. 17, 2;

seid mir gesegnet, thränen!
Hölty 105, 17 Halm;

gesegnet mir, mein vaterland,
wo ich so viele tugend fand,
gesegnet mir, mein vaterland! 158.

unzweifelhaft nach 5 gehören die folgenden passivisch-indicativischen fügungen: von deines vaters gott, ist dir geholffen, und von dem allmechtigen bistu gesegnet. 1 Mos. 49, 25; so lange die sonne weret wird sein (gottes) name auff die nachkomen reichen, und werden durch denselben gesegenet sein. ps. 72, 17; gesegnet bistu tochter, vom herrn dem höhesten gott, fur allen weibern auff erden. 13, 23; gesegnet bistu von deinem gott. 31. daher ein gesegneter gottes, der von gott gesegnet ist: quemet, ir gisegenôton mînes fater. Tat. 152, 3; ir seid die gesegneten des herrn. ps. 115, 15;

'quemet', quît er thara zi in, 'thie giwîhte mînes fater sîn,
gisegenôte sîne, joh liabun drûta mîne.
Otfrid 5, 20, 68;

sei mir gegrüszt, gesegneter des herrn.
Kind freischütz.

ebenso gesegneter der götter:

(zu einem schönen kinde:)
sei mir gegrüszt, gesegnete der götter!
denn, wahrlich, schönheit ist der götter segen.
Grillparzer5 1, 170.

ähnlich wie von, durch gott gesegnet werden heiszt es biblisch auch in gott: die heiden werden in jm gesegenet werden. Jer. 4, 2. auch ohne den ausdruck der beziehung zu gott als subject des segnens ist diese in passivischen wendungen gleich den folgenden deutlich: gesegnet wirst du (Israel) sein uber allen völckern, es wird niemand unter dir unfruchtbar sein noch unter deinem vieh. 5 Mos. 7, 14; sein (des gerechten) same wird gesegnet sein. ps. 37, 26; das geschlecht der fromen wird gesegenet sein. 112, 2; also wird gesegenet der man, der den herrn fürchtet. 128, 4; ein trewer man wird viel gesegenet. spr. Sal. 28, 20; gesegnet werden sein alle die dich (gott) bawen. Tob. 13, 15; wer den herrn fürchtet, dem wirds wol gehen, und wenn er trosts bedarff, wird er gesegnet sein. Jes. Syr. 1, 19; seitdem sie (Iphigenie) in Tauris wohne und des gastrechts da geniesze, sey er (Thoas) sichtbar gesegnet worden. Schiller 6, 255. die beziehung auf gott tritt aber in solchen passivischen wendungen auch zurück, so besonders in den oft gebrauchten verbindungen mit näheren modalen bestimmungen: er ist mit zeitlichen gütern reichlich gesegnet, plurimum valet opibus, multum ei fortuna largita est. Stieler 1668; mit gesundheit,

[Bd. 16, Sp. 126]


mit zeitlichen gütern, mit kindern gesegnet sein. Adelung; an ärzten war dieszmal Carlsbad gleichfalls gesegnet. Göthe 32, 18. scherzend bezieht man es so wohl auf dinge, die nicht wünschenswert sind (vergl. 7 und segen 12): mit fehlern gesegnet seyn, viel fehler haben. Adelung. gesegnet wird dann auch attributiv gebraucht, wobei auch die ursprüngliche beziehung auf gott als subject des verbalbegriffs zum theil zurücktritt, von personen wie 'beglückt, glücklich': ein gesegneter mann, homo fortunatus. Stieler 1668. Steinbach 2, 559, ein von gott beglückter mann. Adelung; eine gesegnete seel, benedicta. Kramer deutschital. dict. 2 (1702), 735b. mit modalen zusätzen: alle welt nimmt theil an diesem zärtlichen mit kindern reich gesegneten ehepaar. Göthe 24, 309. dem subst. nachgestellt:

denn es war ein Elpenor, der jüngste mir, weder besonders
herzhaft gegen den feind, noch sehr an verstande gesegnet (φρεσὶν σιν ἀρηρώς).
Voss Od. 10, 553.

häufiger von unpersönlichem, so von sinnlichen begriffen, wie 'gedeihlich': gesegnete mahlzeit! als wunsch vorm oder nach dem essen; einem gesegnete mahlzeit wünschen, auch eine gesegnete mahlzeit; gesegnete mahlzeit sagen: wir sind eben von tisch aufgestanden und mir fällt ein euch eine gesegnete mahlzeit zu wünschen. Göthe br. 2, 56 Weim. ausg.; und so sag ich euch nun geseegnete mahlzeit. 61, auch ironisch, vgl. 7; wie 'ertragreich': wer kann der flamme befehlen, dasz sie nicht auch durch die gesegneten saaten wüte, wenn sie das genist der hornissel zerstören soll? Schiller räuber 2, 3; eine gesegnete ernte. Campe; von unsinnlichen wie 'gedeihlich', seelisch: der zeitpunkt .., in welchem unser oberhofprediger, dieser grosze widersacher der herrnhuthischen gemeinde, zu seiner gesegneten demüthigung entdecken sollte, dasz seine besten .. zuhörer sich sämtlich auf die seite der gemeinde neigten. Göthe 19, 331; allgemeiner: gesegneten ausgang haben, prospere evenire. Frisch 2, 255c, einen gesegneten ausgang haben, einen von gott veranstalteten guten. Adelung. entsprechend adverbial gesegnet, fortunate. Stieler 1668: gesegnet fortgehen, prospere evenire. Frisch 2, 255c. brachylogisch:

trieben mich umher doch alle winde!
sucht' ich ehr' und geld auf jede weise!
doch gesegnet, wenn am schlusz der reise
ich das edle bildnisz wieder finde.
Göthe 1, 219.

gesegnet in besonderem sinne, verhüllend für 'schwanger' (vgl. 1 Mos. 17, 16): erst nach einigen prüfungsjahren wird Rebecca gesegnet. Göthe 24, 217; bald aber hätte er drohende briefe von seiner verführerin erhalten: sie fühle sich gesegnet. Arnim 1, 282. mit einem kinde gesegnet sein:

vor zwanzig jahren, da, als ich mit dir
gesegnet, las ich einst im Jesaias.
Ludwig 3 (1891), 306.

von einem manne gesegnet sein: ich weisz Milka, meine gemahlin, die sultanin, ist von mir gesegnet. Klinger 6, 179. substantivisch: belehrt mich nicht, ... dasz die Griechen schöne bilder in die zimmer der gesegneten gehängt. J. Paul Levana 1, 77. entsprechend: sie ist gesegneten leibes, in utero gerit. Steinbach 2, 559. Adelung;

auch mir ward eines traumes seltsames
orakel, als mein schosz mit dieser tochter
gesegnet war.
Schiller braut von Mess. 1335.

in gesegneten umständen sein: Maria Theresia selbst, obgleich in gesegneten umständen, kommt, um die endlich durchgesetzte krönung ihres gemahls in person zu sehen. Göthe 24, 308; mit wortspiel: Engeltrut kam in gesegnete umstände, Siegwart dadurch fast in verfluchte. J. Paul leb. Fib. 20.
7) segnen im sinne des gegentheils, euphemistisch oder ironisch, mit dat. oder acc. der person: meine söne möchten gesündigt, und gott gesegenet haben, in jrem hertzen. Hiob 1, 5; recke dein hand aus (gott), und taste an alles was er hat, was gilts, er wird dich ins angesicht segenen? 11; stellet zween loser buben fur jn, die da zeugen, und sprechen, du hast gott und dem könig gesegenet, und füret jn hin aus und steiniget jn. 1 kön. 21, 10. ebenso mit anderem object: darauf gieng ich im völligen calopp gegen dem schlosz zu und liesse dem nachfolgenden junckern sein unschuldig pferd mit hals und bein brechen segnen (ihm hals- und beinbruch anfluchen) so lang er wolte. Simpl. 3, 292, 10 Kurz. in bezug auf unsinnliches, milder: ich segne alle die gelehrte eintheilungen und vergleichungen der satyren, da man neue gattungen setzte, wo blos ein neuer name. Herder 2, 298 Suphan. einem etwas segnen, ihn dafür büszen lassen, es ihm eintränken: man hat jms gsengt, male re magna multatus est. voc. von 1618 bei Schm.2 2, 239; ähnlich:

[Bd. 16, Sp. 127]


und er (gott) wird noch des feinds gemästen haut
durch einen sturm und brennende windsbraut
seiner herd blut, so sie gesoffen, segnen.
Weckherlin 42 (ps. 11, 6);

vergleichend: es wurde ihnen gesegnet, wie dem hund das gras (bekam ihnen ebenso schlecht). Simpl. 3, 32, 15 Kurz. einem das bad segnen: ich wolt ihm (einem aus dem bade kommenden) das bad geseegnet und ihne ausgrieben haben. Götz v. Berlichingen 103; danach bei Göthe: wollt er ihm das bad gesegnet und ihn ausgerieben haben. 8, 6;

mit der axt hab' ich ihm's bad gesegnet (dem vogte, der ein bad begehrte).
Schiller Tell 1, 1.

in diesen stellen ist wirklich eine beziehung zu einem bade vorhanden. die wendung wird aber auch freier gebraucht. in der folgenden stelle, wo auch beziehung zu einem bade vorliegt, ist sie nicht ironisch gemeint, setzt aber auch da wohl scherzend die ironische anwendung voraus:

denn bis zu uns nach Engelhaus
erschallet lang deim ruhm heraus,
dasz deine freundlichkeit und gnad'
allen dreyfach gesegnet das bad.
Göthe 56, 43.

vgl. DWB bad 4 oben theil 1, 1070. euphemistisch aufzufassen ist auch das landschaftliche gesegnet, n. als krankheitsbezeichnung. Schm.2 2, 240, wo belege aus älterer sprache gegeben sind.
 
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segner, m., dasselbe wie segenvischer, aus älteren bair.-östr. quellen bezeugt Frommanns zeitschr. 7, 109, als segener Lexer mhd. hdwb. 2, 849.
 
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segner, m. ein kleineres frachtschiff auf dem Bodensee. Schmid 358. Schm.2 2, 241, 180 fasz ladung fassend. Stalder 2, 368. auch segener. Schm. a. a. o. vielleicht mit dem vorigen zusammenhängend (eigentlich schiff eines segenfischers?).
 
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segner, m. der segnet, mhd. segener (s. unten), benedicens, fortunans, gratulabundus. Stieler 1669: von kind auf huldigte man ehrfurchtsvoll den gütigen segnern (göttern) den leicht befreundbaren nothhelfern. Voss antisymb. 1, 192;

die allgerechten
götter schlagen den mann nun,
der zum verderben den seegner zwang.
Heinr. Füssli im Gött. musenalm. auf 1770 s. 57.

meist nach segnen 4 incantator. Frisch 2, 255c. Campe: zauberer, segener, wârsager sollen sich entschuldigen mit einem glüenden eisen und brenhaisen wasser. Aventin 2, 143, 10 Lexer; sich bey segnern raths erhohlen. quelle bei Frisch 2, 255c;

wer nu ein segener wolle werden,
der lerne den segen vlîʒeclich,
den si sprach.
Hugo v. Trimberg Renner 12187.


 
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segnerei, f., segensprechen der zauberer. Frisch 2, 255c, mnd. segenerie Schiller - Lübben 4, 169a. vgl. das vorige: er treibe zauberwerck, segnerey und ohnhulde künste. anmuth. weish. lustg. 113. in der hebammenordnung im Memminger stadtrecht sind die segnereien strenge verboten. Birlinger 385a.
 
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segnerin, f. zu segner, segnerinn, piatrix, foemina vota pro salute alicujus nuncupans, faciens, etiam sepulcralis magistra (leichenfrau?) et incantatrix, venefica, saga. Stieler 1669, mhd. segenerin, besprecherin: ob du je gelöbtetost an hecse unn an lachenerin, unn an segenerin. quelle bei Scherz-Oberlin 2, 860.

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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