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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
seelisch bis seelmännlein (Bd. 16, Sp. 48 bis 50)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) seelisch, adj. auf die seele bezüglich. die gewöhnlichste, jetzt allein gebräuchliche adjectivbildung zu seele (vgl. DWB seelhaft, DWB seelich 2, seelig). obwol schon im 16. jahrh. zahlreich belegt (s. unten), wird sie in den wörterbüchern bis auf Campe einschlieszlich consequent ignoriert. seelisches wesen und ähnl.: das berürte psychicon oder sälisch wesen wird verdampt. Melanchthon hauptartikel der heil. schrift verdeutscht 24; das dreyerley principia rerum, dreyerley elementen, und dreyerley species der purgationen sind, nemlich ein leibliche, ein geistliche, und ein seelische. Thurneisser von wassern (1612) 108; so auch der seelische mensch (in der ältern sprache): etlich machen einen dryfaltigen menschen, einen gaystlichen, in dem der heylig gayst regirt, einen seelischen menschen, so ferne er nach den krefften der natur lebt, einen flaischlichen menschen. Melanchthon annotat. Römer verdeutscht (1522?) 27b; der seelisch mensch vernimpt nicht das gottes ist. S. Franck chron. 7a. — seelische kräfte, thätigkeiten, empfindungen, zustände u. anderes: die unsichtigen geistlichen creffte und seelischen würckungen. Thurneisser von probierung der harnen (1576) 2; ich sprach .. mit einer nur halb erdrükten entzükung von der vernünftigen, oder wie ich es dann und wann nannte, von der selischen liebe. Hermes Soph. reise 1, 489; wie unser seelischer zustand auf den irdischen wirkt. Tieck novellenkr. 4, 12; alle gifte im thierreiche, die durch vermischung mit dem blute der wunde tödten und blutgifte heiszen, sind nur diese beiden, zorngift und angstgift, und als solche mithin incarnirte entsetzliche affecte, die leider wie mit der muttermilch an andere wesen übertragen und dem blute derselben eingeimpft werden können, dasz sie unter den beängstigungen eines besessenseyns von fremden seelischen gewalten ihr

[Bd. 16, Sp. 49]


elendes leben aushauchen. Minerva 1847, 1, 419; untersuchungen über die seelischen regungen in der thierwelt. Gutzkow ritter vom geist 3, 455. — worin sich seele ausdrückt: wenn die katholiken solche herrliche bilder, so etwas seelisches, über die menschliche natur weit erhabenes (wie die madonna von Guido) in ihren kirchen sehen, kann man ihnen die abgötterei leichter als sonst verzeihen. Forster briefw. 1, 169. — adverbial: seelisch schön; sich seelisch beengt fühlen u. ä.in bezug auf die seele von thieren, pflanzen, dingen (sehr selten): das ein jedes bleyertz, so bald es von der sonnen nur drey tag beschienen wird ... das es fürhin zu alchymistischen künsten ... (als ein todtes ding, welches seines seelischen und geistlichen wesens beraubt) nichts mehr dienstlich ist ... die ursach ist der gar leichtfertig, unfixe, volatilische schwache geist, welcher dem bley von natur eingeleibt ist, ... abgehet. Thurneisser magna alchym. (1583) 134; s. auch unter seelverloren.
 
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seeljäger, m., vergl. DWB seelenjäger: darüber haben die Mainzischen tempelknecht und seeljäger den streit uber euch angehaben. Luther briefe 2, 482.
 
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seelknecht, m.: seel - knecht, leute die dem strassenvogt im bistum Augspurg in seinem beruf dienen, ac praediola illa quae ipsis pro laboribus ad utendum conceduntur, seellehen, vocantur, wohnungen der seel-knechte. Frisch 2, 254c. vgl. Scherz-Oberlin 1479.
 
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seelkraft, f., zuweilen, besonders in der ältern sprache, für seelenkraft, vgl. daselbst, mhd. sêlkraft. Lexer handwb. 2, 866: mens .. i. voluntas hoche selkrafft. Dief. nov. gl. 250b; nhd. bei Fischart s. unter seelhaft.
 
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seelkrank, adj., gewöhnlich seelenkrank, s. daselbst. Nas 17 predig 314b.
 
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seelkundlich, adj., als übersetzung von psychologisch, vgl. seelenkunde: der zweck Jesu geschichtlich und seelkundlich dargestellt. titel einer (anonymen) schrift bei Planck gesch. des christenth. u. s. w. 1, 249.
 
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seellehen, n., s. DWB seelknecht.
 
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seellein, n., s. seelelein.
 
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seellos, adj.
1) dasselbe wie seelenlos, vgl. daselbst, ohne seele, entseelt: seellosz, ohn eyn seel, inanimis. Dasypodius; seelosz, on seel oder on lben, inanimus, exanimus. Maaler 369a; seellosz, ohne seel, o. sans ame. Hulsius 295a; seel-los, adj. innanimato. o. leblos. seellose dinge, cose innanimate. Kramer dict. 2, 732b; seellos, ohne seel, inanimus, exanimis. Dentzler 2, 261a; vgl. nl. siel-loos, inanimus, inanimatus. Kilian. entseelt, tot:

jetzo erwog im geiste der herrliche dulder Odysseus,
ob er ihn schlüge mit macht, dasz er gleich hintaumelte seellos.
Voss Od. 18, 91

(ἢ ἐλάσει' ὥς μιν ψυχὴ λίποι αὖθι πεσόντα).

gewöhnlich milder, bewusztlos, betäubt, ohnmächtig:

betäubet, seellos, legte sie sein blitz
ums grab zerstreuet vor sich hin.
Zachariä 2, 365;

finsternisz deckte des seellosen blick.
Stolberg 12, 282 (θυμοῦ δευόμενον Il. 20, 472);

und auf den boden schleudert ihn der hehre,
gewalt'ge paladin so rauh und wild,
dasz tod und leben nicht sich läszt erkunden.
so liegt er, seellos, mehr als sieben stunden.
Gries Bojardo 1, 2, 46.

so auch, um einen hohen grad von angst und furcht zu bezeichnen:

seellos, der letzten hoffnung beraubt, der flehenden weiber
und des gegebnen worts uneingedenk, fliehn die Assyrer
taumelnd zurück.
Wieland 16, 185 (Cyrus 5, 281).


2) eine andre entwicklung der bedeutung in geistlichem sinne 'gottlos, ruchlos, gewissenlos' scheint dem oberdeutschen sprachgebiete eigenthümlich zu sein; sie findet sich schriftsprachlich besonders im 15.—16. jahrh., doch vereinzelt bis in die gegenwart: sellos, selos, seeloss, sellasz, impius. Scherz-Oberlin 1479; absque anima, vel potius absque conscientia. 1480; seellos, verrucht, atheus. Dentzler 2, 261a; gewöhnlich von menschen: du selloser, du übeltäter, warum hast du den tempel Appollinis schmahend beroubet? Steinhöwel Esop. s. 73 Österley; ye elter sy werden, ye gottloszer unnd seeloszer sy werden. Keisersberg seelenpar. 195a; einer der sin lebtag ist sellosz gewesen, z dem ist sich nit z versehen dz er do usz im bring ein nüwen myszfall. bilg. 47d; die selloszen priester, laien, eebrecher, unkeuschen u. s. w. schiff d. pen. 11c; also warlich geschicht es, das die zungen kremer wüssentlich

[Bd. 16, Sp. 50]


fa[l]sch sachen beschirmen, z beiden parten, seellosz, sorglich und schedlich volck allen mönschen. irrig schaf A 2b; torecht seellosz regenten, die brechen die gten ordenung die von den alten auffgesetzt sind. hellisch löw. a 7a; dise dörn seint die geitigen und die unkeuschen und sellosz leut die gott nit förchten. narrensch. 221a; und begibt sich dick, das ander lüt ein grosz verwunderung habend, ab eim sollichen seelosen menschen der sich also hefftiglich der welt abtht, und sich z gott kert. post. 1, 31b; die seellosen menschen, die uff den stuben sitzen, unnd lyederlich von gott reden. 2, 56b; es ist gewesen ein richter in einer statt derselb forcht weder gott, noch entsassz den menschen, als denn der seellosen richter noch hütbeytag vil uff erdtrich seind. 3, 70b; die trewloszen, ehrloszen und seellosen bauren. schwäb. brief v. 1525 bei Schmid 492; die unglaubigen fuern zue, durchachten die christen als sêllos menschen und gotlos pöswicht. Aventin chr. 1, 814, 29; des sy .. des volcks gotlos leben schelten, dz sy so rohe seellosz christen seind, und dem lieben heiligen .. nit dapffer ztragen. S. Franck weltb. 135a; zu seinen (Maximilians) zeytenn ist erwachsenn eyn neuwer ordenn der seelosenn leut, genanndt die landsknecht. kriegb. des friedes 191a; das unser hochgedachter und hochgeachter Grandgurgler bey seiner lebzeit ein mächtig seelos gut gesell gewesen ist, unnd ein zimlicher rollart und ramler. Garg. 43b; die sein dermaszen unverschamt, vermessen und seellosz. Albertini hofschul (1610) 94a; ich war gleichfals eben ein solcher erbarer und seelloser wirth, und brauchte allerhand schöne wirthische stückel, reich zu werden. Gusman v. Alfarche (1615) 424; nun sah er wohl, er sei betrogen, kehrte den seellosen schelmen den rücken. Mörike 2, 221;

ich bin nicht gut, und seellos bin ich auch.
Hölderlin 1, 96 Köstlin (nierner?).

seltner von abstracten: ein sêllôs leben, s. Lexer hdwb. 2, 864; alleyn der seelosz krieg ist beyde wider seel, ehr, leib unnd gut. kriegb. des friedes 26a.
 
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seellösung, f. (er)lösung der seele und was dazu dient, vgl. DWB seelgerät: ahd. sellôsunga elemosine Notker ps. 83, 4, vgl. Scherz-Oberlin 1480; nhd.: Adelg. trug er dir nicht auf, mich zu bitten, seellösungen für ihn —? G. v. Asp. nein. Adelg. vielleicht war seine zunge schon gelähmt. Veit Weber sagen 6, 82.
 
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seelmännlein, n., als deminutiv zu seele: inn erwegung, dasz Sanct Patricius fegfeurloch im mör im Irrland am Heckelberg (Hekla auf Island) ligt, so glaubet unser liebe muter die h. kirch festiglich, dasz die arme seelmänlin daselbs so wol in eisz als anderswo im fegfeuer gepeinigt werden. Fischart bienenk. 111a.

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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