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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
seelenleid bis seelenmädchen (Bd. 16, Sp. 21 bis 23)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) seelenleid, n.: überall ist bei Klinger der tiefe innige zug der theilnahme am seelenleid. bl. für lit. unterhaltung 1846, s. 975a; er hatte diesen zug wohl leiden mögen, der ihm jetzt das seelenleid verdoppelte. Keller 7, 122;

das innre seelenleid. Shakespeare Julius Cäsar 2, 1.

dafür gewöhnlicher seelenleiden: ach meine leiden sind viel grausamer! es sind seelenleiden. Göthe 14, 91; innig verschmolzen mit musik heilt sie (die dichtkunst) alle seelenleiden aus dem grunde. 22, 91; jetzt, da sich seine natur wieder etwas erholt hatte, gieng erst sein seelenleiden an. Siegw. 3, 298; wie oft glaubte ich rührenden kummer, tiefe seelenleiden, resignation in den augen, in den mienen einer frau zu lesen. Hauff bettlerin 12; nachdem ich so seinen leib getröstet, klagte er mir sein seelenleiden. Gotthelf 1, 120 Vetter; dann richtete er sich plötzlich mit geschlossenen augen und einem ausdrucke stumpfen seelenleidens auf. C. F. Meyer Jürg Jenatsch 29;

wann find ich, wann, nach tausend seelenleiden,
die ruh in dir?
Hölty 171 Halm.


 
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seelenleim, m.:

du bist mein's mundes honigseim,
und mein gewünschter seelenleim,
der mich mit gott auch in den flammen
vereiniget und fügt zusammen.
Scheffler 1, 154 Rosenthal.


 
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seelenleistung, f.: in den hirnzellen, die sich zur höchsten aller seelenleistungen, zum klaren bewusztsein erheben. Häckel pop. vortr. 1, 181.
 
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seelenlicht, n. luce (lume) dell' anima. Kramer dict. 2, 732a; lumen animae. Stieler 1152. vom auge:

witz des cörpers, seelen-licht.
Brockes 2, 271.

in ausgeführterem bilde:

warum willst du
dein himmlisch erbtheil an die nacht verkaufen,
und jenseits dein unsterblich seelenlicht
in martervoller finsternisz ersticken?
Körner Hedwig 3, 3;

und es störte nicht der windhauch leidenschaft
ihrer seelenlichter ruh' im gleichgewicht.
Rückert (1882) 7, 277 (tibet. mythus 1).

[Bd. 16, Sp. 22]


von allem, was die seele erfreut:

euer lieb' ist mein seelenlicht. Firdosi 2, 530.

als kosewort bei liebenden:

jedoch dein geist verspricht,
dasz dich, mein seelen-licht,
nichts könne mehr von mir, nichts mich von dir abtrennen.
Gryphius verl. gespenst 4, 30 (s. 96 Palm);

ach, hätt ich früher dich geliebt,
du reines seelenlicht.
Joh. Ambrosius ged 48;

so auch in die geistliche dichtung übernommen:

ei nun, goldnes seelen-licht,
komm herein und säum dich nicht.
Scheffler 1, 64 Rosenthal;

o du sel'ges seelenlicht (der heilige geist). 315.

vgl. nd. selelicht, seellicht 'opferlicht, zu seelmessen für einen verstorbenen.' Dähnert 420a. Schiller-Lübben 4, 182a.
 
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seelenlieb, adj.: es ist mir fürwar recht seelenlieb, dich im leben zu wissen, und vor meinem ende mich mit dir zu letzen. Ettner ungewissenh. apotheker 874.
 
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seelenliebe, f. liebe, die aus der seele kommt und auf die seele geht, im gegensatze zur sinnlichen liebe. vgl. DWB seele II, 5, f (besonders γ) und Campe: von seelenliebe wuszt er nichts. er glaubte, wenn man seine frau in gesellschaft bringe und ihr unterhalt verschaffe, seys genug. Siegw. 3, 206;

denn morgen wirst, in allen ehren,
das arme Gretchen nicht bethören
und alle seelenlieb' ihr schwören?
Göthe 12, 158;

seelenliebe, die glut des herrn,
schmelzt' uns beid' und vereinigt' uns!
Voss s. 72 Sauer;

uns, zur liebe geweiht, ach! zu der innigsten
seelenliebe geweiht. 191, 14.

selten von andrer als geschlechtlicher liebe: ich möchte gern heisze seelenliebe auf dem gesicht eines seelenhirten lesen. Bräker d. arme mann im Tockenb. 188 Reclam.
 
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seelenlos, adj. ohne seele, vgl. auch seellos 1: leb- sive seelenlos, exanimus, inanis. Stieler 1178. zunächst von der leblosen natur: es ist doch eine so göttliche harmonie in der seelenlosen natur, warum sollte dieser miszklang in der vernünfftigen seyn? Schiller 2, 162 (räuber 4, 5 schausp.);

wo jetzt nur, wie unsre weisen sagen,
seelenlos ein feuerball sich dreht. 11, 3;

da lebte mir der baum, die rose,
mir sang der quellen silberfall,
es fühlte selbst das seelenlose
von meines lebens wiederhall. 28 (die ideale).

von thieren, insofern sie keine vernünftige seele haben:

als wie ein seelenloses thier hat er
sein langes menschenleben durchgelebt!
Gleim 6, 180;

auch das würmchen mit golde bedeckt, merkt auf!
ist es vielleicht nicht seelenlos? ist es unsterblich?
Klopstock 1, 140.

in verschiedenem sinne von menschen, zunächst von der leiche: wie dies abstoszende kalte gefühl meinen ganzen körper durchrieselte, liesz es mir nun auch plötzlich das gesicht der leiche seelenlos und abwesend erscheinen. Keller 2, 77;

die leichname
stumm und seelenlos ausgestreckt.
Klopstock hei
Kinderling 425.

betäubt, bewusztlos:

Selma, Selma, nur wenig bewölkte trübe minuten,
bring' ich, seh' ich dich todt, neben dir seelenlos zu!
Klopstock 2, 116.

als dauernde eigenschaften von solchen, die tieferer empfindungen unfähig sind: auch die kalte seelenlose welt der höheren stände musz ich fassen, die welt des sprechens ohne denkkraft, des freudenleeren scherzes, der formen inhaltleere form. Arnim Hollins liebel. s. 58 Minor. vgl. noch: man mache den versuch sich in einem hohlspiegel zu beschauen, und ihr werdet erschrecken vor der seelenlosen, rohen unform die euch medusenhaft entgegen tritt. Göthe 39, 121. — mannigfach nuanciert von abstracten: es gibt also .. rationale psychologie ... nur als disciplin, welche der speculativen vernunft in diesem felde unüberschreitbare grenzen setzt, .. um sich nicht dem seelenlosen materialismus in den schoosz zu werfen. Kant 2, 322—3; bei kaum noch angefangener cultur aber seelenlose üppigkeit in verworfenster sklaverei. 4, 354; weil .. ein seelenloser despotismus .. zuletzt doch in anarchie verfällt. 5, 442; was Luther an die stelle setzen konnte, das wort der schrift, das löste von einem wust seelenloser verbildungen. Freytag bilder 2, 2, 107; ihr anerkennt das recht

[Bd. 16, Sp. 23]


des stärkeren in seiner rohesten seelenlosesten gestalt. C. F. Meyer Jürg Jenatsch10 130. adverbial: nun ward mir auch das griechische eben so zuwider, wie die meisten dinge, welche auf eine so seelenlose art gelehrt wurden. Fr. Nicolai bei Göckingk Nicolais leb. s. 7; oft aber miszbrauchte er (H. Heine) sein virtuoses formtalent um seelenlos das anempfundene nachzudichten. Treitschke d. gesch. 3, 711. — dazu seelenlosigkeit, f.: trotz der flachen und schwächlichen malerei machte sich die ehemalige schönheit geltend; es war dabei nicht zu erkennen, ob eine gewisse seelenlosigkeit mehr von dem ungeschick des malers oder dem wesen der frau herrührte. Keller 2, 171.
 
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seelenlust, f. vergnügen der seele:

itz werden eüch die weiden
des himmels auffgethan, es endet sich eür leiden,
die seelen-lust bricht an.
Rist Parnasz s. 598;

welch eine seelen-lust musz sel'ge geister rühren,
wenn sie mit geistigen verkläreten gesichtern ...
den stralen-reichen morgen-glantz
von so viel tausend sonnen-lichtern,
in hundert tausend welten, spüren!
Brockes 1, 148;

der zustand der grösten seelenlust ist ja der zustand des grösten körperlichen wohls. Schiller 1, 174; hing es (das katechisieren) doch mit den kinderlehren zusammen, der herzensangst der angehenden schulmeister, der seelenlust der ältern. Gotthelf 2, 165 Vetter (schulm. 1, cap. 13). so auch als titel: heilige seelen-lust oder geistliche hirten-lieder der in ihren Jesus verliebten Psyche. Scheffler 1, 25 Rosenth.als masc., zugleich persönlich verwendet:

dasz du, o frommer seelen-lust,
so trew und redlich bey mir thust. Königsberger dichterkreis s. 12 neudr.


 
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seelenlustig, adj.: die herren waren alle seelenlustig. Laukhard 1, 206.
 
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seelenmacht, f. animae facultas. Stieler 1205.
 
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seelenmädchen, n.: und Tirza, Adams jüngste, .. ganz die hohe, feuertrunkne seele, die oft in wonnevoller phantasie in eine andere welt hinüberschwärmt .. sie ist das seelenmädchen, das oft in einsamer nacht von der seite ihrer schlummernden schwester aufsteht, im mondschein unter dunkeln buchen .. empfindungsdrang von ihrem wunden herzen loszuweinen. Fr. Müller 1, 8.

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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