Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
seigerlinie bis seigerscharte (Bd. 16, Sp. 201 bis 203)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) seigerlinie, f. senkrechte, dem bleiloth folgende linie. Jacobsson 4, 132a; s. seiger, adj. 4.

[Bd. 16, Sp. 202]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) seigern, verb.
1) zu seiger, m. 2, mit der münzwage münzen, prüfen, vergl. oben seige, f. seigern entspricht dem mlat. sagiare, ital. saggiare: dar hebben de muntemester van desse veer stede to hope gewesen unde hebben sagered der Rosteker gheld. quelle bei Schiller-Lübben 4, 11a; mhd. seigern, seigen, erseigern, erseigen, prüfend, wägend sondern. mhd. wb. 2, 2, 268b. 269a. Lexer mhd. handwb. 2, 855. 856. saigerte, gesaigerte münze, bei der die stücke gleichmäsziges gewicht haben. Schm. 2, 237. diese verba bezeichnen dann aber besonders eine immer aufs neue verbotene manipulation im geldverkehr, nicht das anwenden einer falschen münzwage ( Campe), sondern das aussondern vollwichtiger stücke, die man dem verkehr entzog und nur gegen aufgeld weggab (es ist yetzt der müntz halber solcher betrug, dasz ein armer man, wo er wil gute müntze haben, etwas vil an seiner narung verlieren musz, und auffgeldt geben. daher es kompt, dasz eyttel böse müntze geng und gebe ist, aber die gute müntz bleybt dahynden, und kompt nicht herfür, denn allein mit wucher. Agricola sprichw. 226 [1534]): wer die vorgenanten muntz der herren oder stet, eʒ wern pfenning oder haller, also palde die uffgeworffen werden, furbaʒ saygert (soll als fälscher gerichtet werden). d. städtechr. 1, 242, 5 (vgl. Lexers bemerkung im wörterverzeichnis); das hinfür nyemantz, er sey burger oder gast einich gemüntzt geldt, es sey hie gannckhafft oder nit, nicht beschneiden, erseigen, oder mit wasser oder anndern dingen abziehen oder vermyndern solle. Nürnberger polizeiordn. 145, erseigern 149. vgl. besonders Schmeller 2, 237.
2) sickern, tröpfelnd sinken, und transitiv 'durch etwas sickern lassen, machen' (vgl. seihen): böse flüssige schenkel, die da immer seigern und siepern. Coler hausb. (1640) 32; seigern, herabfallen in hängenden tropfen oder in fäden Stalder 2, 368; das moor ist leicht, und aller sand seigert durch. Möser osnabr. gesch. 1, 94 (1780). vgl. seikere, langsam herabflieszen, sickern Kleemann 21a; sîkern, tropfend durch etwas flieszen Kramer Bistritzer dialect 123. transitiv: dieses thut aber das wasser, wenn es sich durch die klüfte der berge hindurch geseigert hat. Kant 9, 53;

denn alles ist gefäsz, das immer feiner seigert,
wodurch sich nahrungssaft zum nervengeiste steigert.
Rückert weish. d. brahm. 4, 69.

vgl. seihern. erseigern, versiegen und versiegen machen, erseigen, erschöpfen, erschöpft werden, s. oben th. 3, sp. 982, vgl. Schmeller 2, 236. schlesisch seikern, sēkern, durchseihen Weinhold 90a.
3) durch schmelzen metalle sondern (ausschmelzen und abtröpfeln lassen, zu seihen gehörig, vgl. altn. sía, f. glühende, schmelzende metallmasse): seigeren, secernere metalla Agricola bergwerkb (1571), register; seigern, in den bergwerken, das silber von dem kupfer scheiden; das kupfer wird in platten geschmelzt, und bley dazu gethan, darnach geseigert, da das bley samt dem silber aus den platten heraustropft. Frisch 2, 260c; es geschieht im seigerofen, dessen hitze hinreicht das zusatzblei mit dem im kupfer enthaltenen silber zu schmelzen, das kupfer aber (die sogenannten kienstöcke) zurückläszt, s. Jacobsson 3, 485b. 7, 145b. Karmarsch-Heeren technol. wb.3 8, 241. 1, 593 (saigern des bleies); saigern, absaigern .. trennung schwerer schmelzbarer körper von leichter schmelzbaren gemengtheilen durch ausschmelzung der letzteren. 7, 512; es wird auch aus dem Malachia noch ein spruch angezogen, und er wird seigern die söne Levi, wie gold und wie silber. Jonas bei Luther 6, 460b (reinigen und leutern. Mal. 3, 3); ich musz .. vom kupffer rösten, schmeltzen, seigern, derren, gar machen und schleiszen, ein wenig stamlen. Mathesius Sar. (1571) 71b; (ausdeutend durch intransitiven gebrauch:) alda (in der seigerhütte) schlegt man den kupffern, so jr silber bey sich halten, den vierdten teil pley zu, unnd setzt da ein 24. stück in einer schicht auff den seigerherd, da seigert, seiget, oder treufft das pley mit dem silber von den kupfferstücken. 71b; gott hat durch disen mann und seine mitgehülffen, die selige lere zu Wittenberg seigern, treiben, rein und superfein brennen und durchfeuren lassen. Luther 193b (1580); vgl. auch oben unter seigerherr.
4) zu seiger, adj. 4 (bergmännische sprache): seigern, nach der bleiwage untersuchen, mit dem bleiloth messen. Jacobsson 4, 132a; man seigert einen schacht, seigert ihn ab, miszt seine teufe. dann auch unter vermessung in die tiefe graben ( Adelung); seigern, et saigern, ersaigern, emetiri, dimetiri Stieler 1661.
5) zu seiger, m. 3, seigern, die uhr stellen, regulieren Weinhold 90a; von der uhr, ihrem gehen, schlagen, zeigen: es segert

[Bd. 16, Sp. 203]


uf zwelfe. Weinhold 90a; wsz het's gesaijert? (was hats geschlagen?) Liesenberg 189.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
seigerofen, m. (vergl. seigerheerd), vorrichtung, leichter schmelzbare metalle aus schwerer schmelzbaren auszuziehen, besonders silber aus kupfer. seigerofen, fornax in qua argentum et plumbum ab aere secernuntur. Agricola bergwerkb. (1571), register; der hütterauch vom seigerofen ist gelbe. Mathesius Sar. (1571) 71b. seigerofenbrüche, 'dasjenige, was sich beim saigern am ofen anlegt und zu scheiben gearbeitet wird'. Jacobsson 3, 486b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
seigerpfanne, f. eine von eisen gegossene pfanne, 'worinnen die stücke, so vom silberhaltigen kupfer und bley zusammengeschmolzen (die ausgeseigerte masse), gestochen werden' Jacobsson 3, 486b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
seigerrecht, adj. in bergmännischer sprache, senkrecht, lothrecht. Adelung; s. oben seiger, adj. 4, seiger, subst. 5. Mathesius hat seigergericht, seigerricht: damit der baw schnurrecht und seygerricht angelegt, und auffgebawet werde. Sar. (1571) 97b; darnach lesset er den seiger oder das bley schieszen, der gibt die seigergericht linien. 143a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
seigerrichte, f. senkrechte linie, wie sie das loth weist (seiger, m. 5).
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
seigerrisz, m. profilzeichnung einer grube der erzlagerungen u. s. w., im gegensatze zum grund-, gruben-, sohlenrisz. Jacobsson 4, 133a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
seigerritze, f. spalt zwischen den mauerbänken des seigerheerdes, durch die das ausschmelzende silberhaltige blei in die seigergasse tropft.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
seigerrostdorn, m. bei der seigerung rückständig bleibendes stück, vgl. oben DWB seigerdorn.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
seigerschacht, m. senkrecht hinabgehender schacht (seigerer schacht) Adelung. Scheuchenstuel 224. vgl. seiger, m. 5, seiger, adj. 4.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
seigerscharte, f.: seiger-scharten, eisene platten, darauf man das eisen setzt, davon man kupfer sondern will. Frisch 2, 260a. Jacobsson 7, 145a (beschreibung des seigerheerdes). 3, 486b. bei Karmarsch-Heeren technol. wb.3 8, 241 heiszen diese eisenplatten, die auf den seigerbänken liegend sich nach der seigergasse hin zusammenneigen, seigerschwarten.