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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
seiger bis seigerdorn (Bd. 16, Sp. 199 bis 200)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) seiger, adj.
1) von flüssigkeiten, abgestanden, unklar, matt, schal, mhd. seiger mhd. wb. 2, 2, 269a. Lexer mhd. handwb. 2, 856. Schmeller 2, 236; mnd. seiger, seger mnd. wb. 4, 169b. trinkwasser:

mit kalten küelen brunnen
sach man die getriuwen
erfrischen und erniuwen
ir waʒʒer seiger unde mat.
Konr. v. Würzburg troj. krieg 8923;

zäh:

sô dent es sich in seiger beches wîs her nâch.
Reinmar v. Zweter 282, 3 Roethe.

vom harn, unklar, trübe: si urina est proprie seygher et ibi sunt strymelen, hic homo est infirmus per totum corpus. quelle bei Schiller-Lübben a. a. o. faulig, stockig: tinea haiʒt ain schab .. wechset von faulem luft und von saiger fäuchten in der gewantwollen. Megenberg 309, 16.
besonders vom umgeschlagenen, schlecht gewordenen weine, vgl. mhd. wb., Lexer, Schiller - Lübben a. a. o. pendulus, vinum pendulum, seyger, seger, seuger o. weicher wein, seyer, saiger Diefenbach gloss. 422b, vgl. 620c, nov. gloss. 285b. 382b. Scherz-Oberlin 1471. Frisch 2, 260a; seiger, seigeren weyn, der lind ist worden und zäch, vinum pendulum Maaler 369b; sāger, von abstehenden flüssigkeiten, z. b. vom wein, dicker werdend und faden ziehend. Tobler 375a:

guot wîn mac ie sô lange ligen daʒ man in seiger siht.
Walther von der Vogelweide 106, 23;

noch herbeste der win daʒ mereteil krang und seyger wart und fulezete, das men lieber virnen win drang denne den nuwen. d. städtechron. 9, 774, 18; (der wein) wart süsse und seyger unde ungesunt z trinkende. 819, 27; der wein den du verkauffest ist seiger, gebrochner wein, essichet. Keisersberg narrensch. 69b (1520); seigern wein, den gibt man z meszwein. Pauli schimpf u. ernst 203 Österley; (die bischöfe) besorgen, dem armen dorfpfaffen werd der wein (des er doch wenig im keller hat) seiger. Schade sat. u. pasqu. 3, 181, 23; die wein verkeren sich gern, oder schlagen umb, werden weych und seyger, wann die pleiades undergehend. Herr feldbau (1656) 70a; ich hab in meinem keller keyn seygern brochen wein. Fischart Garg. 89b; also verderbet sich mancher ... im trincken mit seigerem wein, zu starckem wein, saurem bier. Würtz pract. d. wundarzn. (1612) 294; wein, der seyger worden ist. Tabernaemontanus kräuterb. (1664) 753 A; wann ein wein zähe oder seyger worden sey. 1197 E; brandwein in einen seygern wein gegossen, macht ihn wieder gerecht. Hohberg adl. landleben 2, 97a; saigern und trüben wein zurecht zu bringen. 3, 1, 291a;

er (der wein) ist saiger und unrain. fastnachtsp. 449, 14;

ein alter seiger wein on kam,
ein süsze sommermilch on ram.
B. Waldis Esop 4, 93, 163 Kurz;

rostig. schimlig, seyger, kamig,
unfletig, schwartz, rssig und ramig. 100, 167.

vergl. unten seigwein. rosenessig: rosenessig der nicht zech oder seiger sey. Thurneisser beschr. influent. wirk. aller erdgewächse (1578) 61. verwandt mit seiger scheint das altn. adj. seigr (r ist endung) zu sein, das zäh bedeutet (z. b. von lehm), dann 'sich dehnend, aber nicht reiszend'.
2) die iungen genszlin die nit fliehen künnen, die noch seiger (?) sint, die döttet er (der hund). Keisersberg bilgerschaft 140c (1512).
3) saïgar, adj. fluente, scorrevole, flüssig. cimbr. wb. 224b.
4) seiger in bergmännischer sprache, senkrecht, dem loth gemäsz (s. oben seiger, m. 5, unten seigern): seigere first, seigeres

[Bd. 16, Sp. 200]


loch; seiger fallender gang; seigerer schacht, senkrecht in die erde gehender; seigeres über sich brechen, wenn von einem punkt in der erde senkrecht nach oben durchgebrochen wird. Jacobsson 4, 132. ebenso seigerrecht; felt der gang seiger, und gewint drauff ein danleg. Mathesius Sarepta (1571) 37a; durch diese ganze masse nun schneiden stehende, seigere gänge durch. Göthe 51, 109; weil aber diese ablösung ganz seiger ist. 118.
 
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seigerabtreiber, m. 'der arbeiter, welcher das von absaigerung der kupfer erhaltene werk auf dem treibherde abtreibet' (das silber ausscheidet). Jacobsson 3, 485a.
 
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seigeranrichter, seigerhüttenanrichter, m. 'der bestellte diener, welcher die beschickung zur saigerarbeit macht'. Jacobsson 3, 485a.
 
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seigerarbeit, f. das ausscheiden des im kupfererz vorhandenen silbers durch zusetzung von blei. Jacobsson 3, 485a.
 
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seigerbank, f. so heiszen die beiden gegeneinander geneigten mauerbänke des seigerheerdes. Karmarsch-Heeren techn. wb.3 8, 241 (abbildung 4256).
 
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seigerbätzler, -bösler, m. ein arbeiter, dem aushilfsarbeiten beim seigern übertragen sind. Jacobsson 3, 485a (vergl. DWB bosseln theil 2, sp. 265).
 
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seigerblech, n. 'ein starkes groszes mit schienen befestigtes blech, welches neben den in den saigerofen aufrecht gestellten saigerstücken gestellet wird, die kolen zusammen zu halten. es wird auf jeder seite eins gesetzt'. Jacobsson 3, 485a.
 
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seigerblei, n. das blei, das bei der silbergewinnung aus kupfererzen diesen zugesetzt wird. Jacobsson 3, 485a.
 
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seigerdarndeln, plur. 'die abgänge, so von der saigerarbeit übrig bleiben'. Jacobsson 3, 485a; wol entstellt aus seigerdorn, s. dies.
 
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seigerdarrofen, m. ein ofen, in dem das in den kienstöcken (kupferstücken, die schon eine seigerung durchgemacht haben) zurückgebliebene silber herausgezogen wird. Jacobsson 3, 485a.
 
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seigerdorn, m.: saigerdörner, 'die kupfer von kienstöcken (s. das vorhergehende wort), daraus das silber mittelst des zugesetzten bleyes ausgesaigert worden'. Jacobsson 3, 485a. 'die beim saigerungsprocesz rückständig bleibende masse des strengflüssigen gemengtheiles bezeichnet man mit dem namen saigerdörner'. Karmarsch-Heeren technol. wb.3 7, 512. hierzu vergl. aus Jacobsson 7, 144b: saigerdörnlein, saigerdörnerskühnstücke, saigerdörnerstücke, saigerdörners silber-, kupferprobe.