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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
seifern bis seigel (Bd. 16, Sp. 195 bis 197)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) seifern, verb. geifer, speichel lassen, mnd. severen geifern Schiller-Lübben 4, 202a; holsteinisch seevern, geifern Schütze 4, 91; hamburgisch seevern, geifern, salivam defluentem habere Richey 250; im göttingischen seiwern, den speichel aus dem munde flieszen lassen, wie dies namentlich die kleinen kinder thun. Schambach 189b; pommerisch sewern Dähnert 423a; hessisch seibern und sebbern Vilmar 380; bairisch saifern, geifern, auch, in verächtlicher rede, sprechen, in Nürnberg langsam herab- oder durchsickern und flieszen Schm. 22, 230; kärntnisch sâfern geifern, durchsickern, tröpfeln Lexer 230, ebenso tirolisch Schöpf 574; schweizerisch seifern, geifern, uneigentlich heftig zürnen, auch feuchtigkeit von sich geben, triefen, z. b. von ungeschlossenen wunden Stalder 2, 368; die letztere bedeutung auch literarisch bezeugt: (darum das geschwür) ein klein löchlin hat und seifert. Paracelsus opus chirurg. (1565) 161; ob es aber were, dasz die wunden nicht mehr bluten thete oder nur ein wenig seifferte. Würtz pract. der wundarzn. 85; darüber gelegt ein pflaster, und etliche tüchlein oben darauf, die .. verhüten, dasz der harn, und anderer unflat, nicht dahinein seiffere. Mauriceau (1681) 462.
 
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seificht, seifig, adj. mit seife versetzt, der seife gleich oder ähnlich; ältere form seificht: seificht et seifenhaft, saponarius, smegmaticus, seifichtes wasser, aqua saponaria Stieler 1999; übertragen, seifichte kartoffeln, schliffige Campe; jüngere form: seifig, sapone illitum, tactu levigatum et pingue ut sapo Frisch 2, 259a; seifig, mit seife bestrichen oder beschmutzt, ingleichen der seife ähnlich, seifenartig Campe.
 
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seifnen, verb., s. unter den beiden verben seifen.
 
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seifner, m., wie seifer, s. d.: seiffner sind diejenigen, welche beym oder in seiffenwercken arbeiten. min.-lex. 516b.
 
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seifläppchen, n., seifstein,m., vgl. seifenläppchen, seifenstein.
 
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seifwein, m. tropfwein (vgl. mhd. sîfen tröpfeln, unter seife 1, sp. 189): seiffwein, treiffwein, tropffwein. Garg. (1590) 106.
 
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seig, seige, adj. im sinne von seicht (s. dieses sp. 170 und 171 unter 2, sowie seich, adj. sp. 167): wo aber mêrgedacht wasserflüs seicht (die beiden ältesten drucke seig) und clain waren. Aventinus bair. chron. 1, 637, 13; nach Tarentini meinung soll man korn und weitzen sien inn die tieffste und ebene gründ: die gersten aber in mittelmäszige: das zugemüsz

[Bd. 16, Sp. 196]


als linsen, erbsen, bonen, kleekräuter inn den allersaigesten boden. Sebiz feldbau (1576) 23; in den aller seychisten boden. Herr feldbau (1556) 19a; es bricht dem gaul die gürte: wann er im seychen wasser schwimmen soll. und wer im seygen wein bad zerstoszet die zung. Fischart Garg. 100a.
 
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seige, f. senkung, neigung, gesenkte rinne u. ä., zu sîgen, sinken, fallen: mhd. seige mhd. wb. 2, 2, 268a. Lexer mhd. handwb. 2, 855, vgl. Graff 6, 131:

daʒ leben ist ûf der neige,
diu werlt ist ûf daʒ herbest komen ...
diu sunne ist ûf der seige.
Frauenlob 272, 7;

hinsaige, f. inedia cimbr. wb. 224b. das zielen (zunächst bei wurf oder schusz, das bemessen der senkung, des falles bis zum ziele):

einen wurf und einen swanc (der eisenstange)
der was grôʒ unde lanc:
dem hæte er sîne mâʒe
an der seige und an dem lâʒe
rehte in der merke gegeben,
daʒ er Tristande an sîn leben
solte sîn gegangen. Tristan 402, 24;

der selben pfeil schussens menglich
gestrags in dy häh, uber sich.
sy hielten sy in solcher naig,
daʒ sy geleich nach rechter saig
von den lüfften herwider
in dy purg vielen nider.
M. Beheim buch von den Wienern 85, 1.

kampf:

die triben spâte unde fruo
die von Arrogûn ze seige.
Ottokar reimchr. 4381;

vgl. unten seigen 2, zielen. seige, seihe, seie erscheint wie geseige theil 4, 1, 2, sp. 4023 in der bedeutung: eichung, eichmasz, geeichtes masz. s. die belege im mhd. wb. a. a. o. seige für münzgewicht: bii solker vorscrevenen wichte unde witte willen desulven stede bliven upper zaygen to holdende. d. städtechron. 16, 548, 32. mhd. seigen, wägen, prüfen, messen (s. Germ. 7, 294). ob seigen, seige, geseige (in diesem sinne) von seigen, sinken aus zu erklären ist, scheint sehr zweifelhaft, wenn man romanische und mittellateinische wörter beachtet wie ital. saggio, assaggio, versuch, probe, prüfung eines metalls, einer legierung u. ähnl., saggiare, assaggiare, proben, franz. essai, essayer, stammend von lat. exagium, gewichtsbestimmung, zeichen der gewichtsbestimmung, s. Ducange unter exagium; saga, saiga bladi, vermessung des korns (Ducange unter saga 4); sagiator, approbator monetae; saggiatore, goldwäger, sagiator, ponderator, examinator, officium in moneta Florentina (14. jh.) Ducange; sais, silberprobe. d. städtechr. 1, 495b; sagium, festgesetztes münzgewicht. an eine entlehnung aus dem deutschen ist schon wegen des exagium nicht zu denken (vgl. Diez etym. wb.4 279), das umgekehrte verhältnis ist wahrscheinlicher. mhd. seigære, die wage zum sortieren und prüfen der münzen, kann von dem deutschen verb. sîgen, sinken aus nur gezwungen erklärt werden; sagiator, der münzprüfer, ital. saggiatore spricht für entlehnung.
vertiefte stelle, rinne, wo sich das wasser sammelt, wasserscheide u. ä., gegen tag geneigte stollensohle zum ablaufen der grubenwasser, s. waʒʒerseige mhd. wb. 2, 2, 268a. Lexer mhd. handwb. 3, 713; die seigen, vertiefte stelle auf dem felde, wo sich das regenwasser zu sammeln und später als anderswo zu versiegen pflegt, dann überhaupt vertiefung im terrain Schm. 2, 242, vgl. Bayerns mundarten 2, 257; die seichen, sega, söga, senkung des bodens, sumpf Frommanns zeitschr. 3, 328 (Tirol); saigh, seigh, f. senkung, neigung, vertiefung im terrain. wassaseigh, f. neigung des bodens, welcher der abflusz des wassers folgt. Neubauer Egerländer mundart 91a, vgl. auch Kehrein 374. Pfister 274; sâg, wassersâg, f. wasserscheide, bergrücken Lexer 230; söige, f. vertiefung im terrain Hintner 204; seichrinne, dachtraufe, die das wasser von zwei zusammenlaufenden dachseiten aufnimmt; seichrinnige schindeln, schindeln mit rinnenförmigen vertiefungen Schm. 2, 242, vgl. auch 249; das gesig, bergrinne, wohin die gewässer ablaufen. 242, vgl. auch oben seiche, senkung, neigung, abzugsbahn, senkröhre (sp. 168), ferner seiger 4.
seige als bergmannsausdruck, gewöhnlich in der composition wasserseige bezeichnet die gesenkte sohle des stollens, auf der das grubenwasser abläuft; darüber befindet sich das tragewerk, die holzbahn zur fahrung und förderung. Veith bergwb. 561.
wurzelverwandt sind isländ. sík, síki, n. graben, ags. síc, n. wasserlauf; nd. sīk, sīke, niederung, senke, niedrige sumpfige, seichte stelle, pfütze, pfuhl, sumpf. vgl. auch Prien, über den flurnamen sēgen im nd. correspondenzbl. 15, 81 ff. Vilmar 383.
 
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seige, f. eine art fischerboot (Preuszen) Frischbier 2, 249a; wol entstellt aus nd. söge, sau, da in aufzeichnungen, die Frischbier a. a. o. anführt, dafür sau gebraucht wird.

[Bd. 16, Sp. 197]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) seigebrühe, -fasz, -korb, s. seihbrühe u. s. w.
 
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seigel, m. schweiz., sprosse einer leiter Stalder 2, 368. Hunziker 238. Seiler 247b: stiesz ihn von der leiter vom seigel herunter. Hebel 2, 139 (1853); der henker stand einige augenblicke wie versteinert oben auf dem seigel. 265; seigel, der. die seigel an der leiter oder stögen. Maaler 369b; mhd. seigel mhd. wb. 2, 2, 269a. Lexer mhd. handwb. 2, 855; vgl. Germania 7, 295. vielleicht ist ags. ságol, m. knüppel zu vergleichen.