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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
seife bis seifenartig (Bd. 16, Sp. 190 bis 191)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) seife, m.
1) sickerwasser und dünner, von solchem herrührender wasserfaden, bergschlucht oder sumpfiges gelände mit bächlein, mhd. sîfe, zu dem unter dem ersten seife oben sp. 189 aufgeführten verbum sîfen, tröpfeln, sickern gehörig, schon mhd. ein nicht häufig vorkommendes wort:

der bluomen sie genuʒʒen
und der sîfen die dâ vluʒʒen
sô sie wolden trinken. herzog Ernst 3520;

als schmaler wasserlauf auch in einer grenzbeschreibung: van deme nyedersten acker bis an dye breyde wese und alle den syfin uʒ, item van deme syfin uʒ bis an die Wirspach. weisth. 2, 523 (Fleringen östlich von Prüm, von 1345); im niederl. als sijpe übergegangen in die bedeutung eines abzuggrabens: sijpe, cloaca Kilian; im mnd. aber als sipe, sippe (mit geschlechtswechsel ins fem.) feuchtes land, niederung Schiller - Lübben 4, 215; mundartlich in mittel- und niederdeutschen gegenden geblieben: schlesisch der seifen, name mehrerer bäche im Riesengebirge. Weinhold 89b, vgl. dazu Frommann 5, 477; in Westfalen sipen, neutr. und masc., quellenreiches engthal mit einem bächlein Woeste 237; in der Eifel der seifen, sumpfige stelle Frommann 6, 19; auf dem Westerwalde und im nassauischen der seif, der seife, ausflusz einer quelle, die einen sumpf oder sogenannte rinne bildet, sumpfartiges gelände, das von abflieszendem quellwasser oder andauernder nässe durchzogen wird, auch besonderer theil der gemarkung, wo nun ackerfeld ist, früher wirklicher seif war; endlich als theil von ortsnamen. Kehrein 374; in Hessen als masc. seife, seif, ganz in die bedeutung wiese übergegangen, ebenfalls als ortsname. Vilmar 381.
2) die schon mhd. erfolgte aufnahme des worts in die bergmannssprache hat eine besonders verengte bedeutung, gewöhnlich mit geschlechtswechsel in das fem., hervorgebracht: seife, saife, eine ablagerung von mineralien auf der gebirgsoberfläche, welche aus der zerstörung anstehender gebirgsmassen und lagerstätten, durch verwitterung, ab- und zusammenschwemmung entstanden ist Veith 440; neben die seife veraltet bisweilen auch der seifen. ebenda; seifen, eine ablagerung von durch die natur zusammengeschwemmten oder ausgewaschenen bruchstücken, geröllen nützlicher mineralien mit sand, erde u. s. w. auf der erdoberfläche. Gätzschmann 69; seife, der ort, wo man ehemals löcher gemacht, und steine und metallerde daraus genommen und gewaschen, als schurfen und seifen, darinnen offt dreyjähriger schnee liegt, fossa ob terram metallicam lavandam facta. Frisch 2, 259b; die bedeutung solcher anschwemmung geht von den erz führenden wasserläufen in engen gebirgsthälern aus: dise bergcreaturen und gaben .. damit unser gott berg und thal, flusz und seiffen zieret und das gantze jar krönet Mathesius Sar. 5b; wie denn auch an manchem orte in seiffen allerhand edelgesteine, lasur - flötze, wolfrum, marcasit und dergl. gefunden werden. mineral - lex. 515b; schon mhd. sîfe: daʒ golt siht man vallen unde slîfen von dem gebirge in die sîfen, da waschentʒ die liute und habent groʒ gewinne. Wiener handschrift des Seifriedschen Alex. bei Lexer handwb. 2, 912. vgl. dazu unten seifenbach, seifengebirge, seifenwerk und anderes.
3) seife, auch die anstalt, in der solche ablagerungen auf metall hin gewaschen werden: seife, metallwäsche. Frisch 2, 259b.
 
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seifeballen, m. seifenkugel: von den tyriackskrämern, seiffeballen- oder läuszsalbe-verkäuffern. Simpl. 4, 271 Kurz.
 
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seifel, m. tropfender speichel: seifel ascedo. voc. bei Lexer handwb. 2, 854; im Elsasz verächtliche bezeichnung eines schlechten weins Frommann 3, 13. vgl. seifer. bei Fischart aber name eines blasinstrumentes: nach den lustigen schalmeyen, seyffelen (tanzten sie). Garg. 82b.
 
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seifen, m. bach, wasserrinne, vgl. das zweite seife 1 und 2.
 
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seifen, verb.
1) mit seife behandeln, bestreichen, waschen: seiffen, sapone linire Schottel 1414; seifen, sapone abluere,

[Bd. 16, Sp. 191]


smegmate ungere Frisch 2, 259a; nebenform seifenen, sapone linire, oblinere smegmate Stieler 1999; davon die zwei würst gemacht sind, das waʒ ein todte suw, und waʒ bei vier tages tod, darum must ich daʒ fleisch sauber seifen. Ulensp. 37, s. 54; die wäsche seifen Adelung; das seifen der karten. die oberflächen der zusammen gepappten kartenblätter müssen etwas mit seife überstrichen werden. Jacobsson 4, 130a;

weil nu der luft ganz ungestüm
mit schnee und regen sich vermischet
und nu der wind mit nichten stum
das erdreich gleichsam seifend waschet.
Weckherlin 530;

vgl.ab-, DWB einseifen.
2) zu seife werden lassen; in verseifen, s. d.
 
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seifen, verb. bergmännisches kunstwort, im seifen (s. d. 2 und 3) arbeiten, metall aus geröll auswaschen, ebenfalls mit der nebenform seifnen: seifen, auch seifnen, die in seifen vorkommenden nutzbaren mineralien unter hülfe von flieszendem wasser gewinnen. Veith 440; seifen in bergwerken oder seifnen, gold oder zien in der obern erde eines gebirges suchen oder waschen, terram metallicam in superiore terrae sive montis parte quaerere, eamque lavando purgare. Frisch 2, 259b; seifen, seufen, eine bergmännische arbeit über tage, da in der obern rinde der erdkugel unter der dammerde des gesteins, bey darauf geleiteten wassern, zinnstein oder auch gold und allerhand edelgesteine gesucht und bisweilen gefunden werden. Jacobsson 4, 129a; abgang nehmen, wenn man bei den seifen schicht macht, d. i. wenn ein bergmann unter der dammerde allerley minern, oder edelsteine sucht, und davon wieder abgehet. 5, 7a;

etlich musten hütten weltzen,
die andern fegen und schmeltzen,
am haspel ziehen und seiffen,
etlich musten koln zuschleiffen.
A. Schubarth Sieman oder hausteufel D 7a.


 
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seifenaloe, f. aloe saponaria, die grosze seifenaloe. Nemnich 1, 197.
 
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seifenapfel, m. die frucht des seifenbaumes.
 
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seifenarbeit, f. arbeit des bergmännischen seifens.
 
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seifenarbeiter, m. arbeiter der das bergmännische seifen verrichtet. Campe.
 
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seifenartig, adj. nach art der seife: seifenartige salbe, seifenartige substanzen. Jacobsson 7, 330a.