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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
seierlein bis seifenarbeit (Bd. 16, Sp. 188 bis 191)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) seierlein, seiern, s. seuerlein, seuern.
 
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seife, f. sapo.
1) das wort erscheint ahd. in den formen seifa, seiffa, seipha (Graff 6, 172), denen im mhd. nur seife, seiffe entspricht, ags. als sâpe, von dem wieder das altnord. sâpa entlehnt ist; engl. soap; mnd. sepe, mnl. seepe. die romanischen sprachen haben ihre bezeichnungen, franz. savon, ital. sapone, savone, aus dem deutschen entlehnt. zuerst wird das wort in der form sapo erwähnt von Plinius in der bekannten stelle der hist. nat. 28, 12, 51: prodest et sapo. Galliarum hoc inventum rutilandis capillis. fit ex sebo et cinere, optimus fagino et caprino, spissus ac liquidus, uterque apud Germanos majore in usu viris quam feminis. danach wäre die seife, in der wesentlichen zusammensetzung wie auch heute noch, als erzeugnis von fett und aus asche gewonnener lauge, eine gallische erfindung, aber in Germanien verwendet; da aber der von Plinius überlieferte name nicht ein gallischer ist, sondern als altgermanischer aufgewiesen werden kann, so wird auch die sache zunächst deutsch, nicht gallisch, und nur über Gallien den Römern bekannt geworden sein; wie denn auch Martial 8, 33, 20 die seife als spuma batava bezeichnet. für die frühere deutschheit des

[Bd. 16, Sp. 189]


wortes spricht das finnische gleichbedeutende saipio, saippio, saipua, saippua und das lappische saipo (Thomsen einflusz der germ. sprachen auf die finnisch-lappischen, übersetzt von Sievers, s. 57. 168), von welchen formen, die ja sicher germanischen lauteinflusz zeigen, die erst angegebene auf ein altgermanisches saipjô neben saipo zurückgeht und damit das ahd. seipfa neben seifa erklären hilft. herangezogen zur erklärung des ursprünglichen sinnes wird das germanische verbum ags. sîpan, mnl. mnd. sîpen, mhd. sîfen, tröpfeln, abtropfen, sickern (vgl. J. Grimm in Haupts zeitschrift 7, 460 f.), und sowol auf ahd. seifar spuma (Graff 6, 172), mhd. seifer, speichel, geifer, schaum als auch darauf aufmerksam gemacht, dasz ahd. seifa sowie ags. sâp auch das harz bezeichnet, so dasz von der vorstellung einer zähen, fetten, tropfenden masse ausgegangen sei. indessen ist die möglichkeit, dasz seife gar kein deutsches, sondern nur ein sehr früh aufgenommenes und umgedeutschtes lehnwort sei, nicht von der hand zu weisen, wenn man die bei Thomsen a. a. o. aufgeführten formen der finnischen und tatarischen sprachen (mordwin. sapyn, sapoń, tscheremiss. šovun, šâvań, tatar., türk. sabun, ungar. szappan u. s. w.) erwägt. danach würde eher in der sache die vorgeschichtliche einführung eines beizmittels aus dem osten mit dem entsprechenden namen anzunehmen sein, das sich nach Germanien und Gallien verbreitet hat und von da aus den Römern bekannt geworden ist; und die angenommene urverwandtschaft mit lat. sêbum talg wäre hinfällig.
2) seife, als massenbegriff ohne plural, reinigungs-, ätz- und heilmittel: nitrum seyfe, saif, seuff Dief. 381b; sapo, sapona, sapena, seipha, seiffa, seiffe, seif, saiffe, saiff, seuff, nd. sêpe 511c; smigma saifa, seifen, seiffe, seyff, seipha, sayff, saiffen, zeiff, seuff, seuffe 539b; die seipffen, sapo Maaler 369c; wolriechende seife, sapo odoratus, moschatus, venedische seife, smegma Venetum, schwarze seife, smegma impurum, atrum, pinguius Stieler 1999; seife so flüssig, liquor saponarius, sapo liquidus Frisch 2, 259b; seyff wirt gemacht von unschlit, saltz und laugen. Lonicerus kräuterb. 356 D; mit seyffe geschmiert die grindige haut, dorret fast, und benimpt den grindt. ebenda; seyff reiniget wunden, zeucht eyter ausz, weychet harte geschwer. ebenda; seyffen, heiszet griechisch und lateinisch smegma, sapo, und bey dem Martiali Mattiaca pila .. zu der artzney aber wird fürnemlich die schwartze seyffen gelobt, wie die im Niderland bereytet wirdt. zu der wolriechenden küglein aber braucht man die venedische seyffen. Wirsung arzneib. 1597 register; wohlriechende seiffe zu den händen zu machen. öcon. lex. 2274; schöne venedische oder andere wohlriechende seiffe. ebenda; dafür geruchseife, vgl. theil 4, 1, 3751; weisze, gelbe, grüne seife; die seiffe der wesscher. Maleachi 3, 2; ein bischen saife, in wasser aufgelöszt, hübsch durch ein strohhälmchen drein geblasen, treibt bläsgen auf. Schiller 2, 377;

die sêle ne phlegent ce bade seiffen noh louge. himelriche 285, Haupts zeitschr. 8, 153;

bringt mit euch die salbn und öl,
seif und was ich haben söl (zum bade).
Rebhun Susanna 3, 1;

die nach grüner seife riechen.
H. Heine 17, 34 (Atta Troll 8);

in zusammensetzungen, die die art der bereitung oder verwendung bezeichnen: bartseife, globuli smegmitici Stieler 1999; kopfseife, sapo viridis. ebenda; barbierseife, bartseife, sapo tonsoris Frisch 2, 259a; schöne gemeine hausseiffe. öconom. lex. 2273; zur mandelseiffe nimmt man schöne pulverisierte venedische seiffe. ebenda; waschseife, putzseife, fleckseife u. s. w.; es heiszt seife sieden, kochen, formen, gieszen, schneiden, mit seife waschen; seife sieden, coquere saponem Stieler 1999; seife machen oder kochen, saponem coquere, mit seife waschen, sapone purgare, viel seifen verschmieren, propter sordes multum saporis in unguendo consumere Frisch 2, 259a; und wenn du dich gleich mit laugen wüschest, und nemest viel seiffen dazu. Jer. 2, 22; nimmt man die seiffe aus dem trog, und schneidet sie mit einem gespannten messingenen draht zu tafeln, und folgends in selbst beliebige grosze oder kleine stücke. öconom. lex. 2272; der draht hatte zwei querhölzchen an den enden zum bequemen anfassen und durchschneiden der weichen seife. Keller 4, 230; etwas mit seife bestreichen, schmieren, zur erreichung gröszerer glätte, daher im bilde: uber diesen hatte des baumes stamm einen absatz oder unterscheid, welches ein glattes stück war, mit wunderbarlichen materialien und seltzamer saiffen des miszgunsts geschmieret, also dasz kein kerl, er sey dann vom adel,

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weder durch mannheit, geschickligkeit noch wissenschaft hinauff steigen konte. Simplic. 1, 56 Kurz; die seife schäumt, gischtet, vergl. seifenschaum, seifengischt. der plur. erst in neuerer sprache zur bezeichnung verschiedener seifenarten: kalte seifen, die nicht gesotten werden; gefüllte seifen, die überschüssiges salzwasser enthalten; weiche, harte, durchsichtige, undurchsichtige seifen; natron-, kaliseifen u. s. w.
3) seife, uneigentlich in der älteren chemie, jedes mit einem fette vermischte salz, und in noch weiterem verstande, jede substanz, welche das öl mit dem wasser mischbar macht: der zucker ist eine sauere seife. Adelung; von einer fettigen thonart, vgl. bergseife oben theil 1, 1518.
 
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seife, m.
1) sickerwasser und dünner, von solchem herrührender wasserfaden, bergschlucht oder sumpfiges gelände mit bächlein, mhd. sîfe, zu dem unter dem ersten seife oben sp. 189 aufgeführten verbum sîfen, tröpfeln, sickern gehörig, schon mhd. ein nicht häufig vorkommendes wort:

der bluomen sie genuʒʒen
und der sîfen die dâ vluʒʒen
sô sie wolden trinken. herzog Ernst 3520;

als schmaler wasserlauf auch in einer grenzbeschreibung: van deme nyedersten acker bis an dye breyde wese und alle den syfin uʒ, item van deme syfin uʒ bis an die Wirspach. weisth. 2, 523 (Fleringen östlich von Prüm, von 1345); im niederl. als sijpe übergegangen in die bedeutung eines abzuggrabens: sijpe, cloaca Kilian; im mnd. aber als sipe, sippe (mit geschlechtswechsel ins fem.) feuchtes land, niederung Schiller - Lübben 4, 215; mundartlich in mittel- und niederdeutschen gegenden geblieben: schlesisch der seifen, name mehrerer bäche im Riesengebirge. Weinhold 89b, vgl. dazu Frommann 5, 477; in Westfalen sipen, neutr. und masc., quellenreiches engthal mit einem bächlein Woeste 237; in der Eifel der seifen, sumpfige stelle Frommann 6, 19; auf dem Westerwalde und im nassauischen der seif, der seife, ausflusz einer quelle, die einen sumpf oder sogenannte rinne bildet, sumpfartiges gelände, das von abflieszendem quellwasser oder andauernder nässe durchzogen wird, auch besonderer theil der gemarkung, wo nun ackerfeld ist, früher wirklicher seif war; endlich als theil von ortsnamen. Kehrein 374; in Hessen als masc. seife, seif, ganz in die bedeutung wiese übergegangen, ebenfalls als ortsname. Vilmar 381.
2) die schon mhd. erfolgte aufnahme des worts in die bergmannssprache hat eine besonders verengte bedeutung, gewöhnlich mit geschlechtswechsel in das fem., hervorgebracht: seife, saife, eine ablagerung von mineralien auf der gebirgsoberfläche, welche aus der zerstörung anstehender gebirgsmassen und lagerstätten, durch verwitterung, ab- und zusammenschwemmung entstanden ist Veith 440; neben die seife veraltet bisweilen auch der seifen. ebenda; seifen, eine ablagerung von durch die natur zusammengeschwemmten oder ausgewaschenen bruchstücken, geröllen nützlicher mineralien mit sand, erde u. s. w. auf der erdoberfläche. Gätzschmann 69; seife, der ort, wo man ehemals löcher gemacht, und steine und metallerde daraus genommen und gewaschen, als schurfen und seifen, darinnen offt dreyjähriger schnee liegt, fossa ob terram metallicam lavandam facta. Frisch 2, 259b; die bedeutung solcher anschwemmung geht von den erz führenden wasserläufen in engen gebirgsthälern aus: dise bergcreaturen und gaben .. damit unser gott berg und thal, flusz und seiffen zieret und das gantze jar krönet Mathesius Sar. 5b; wie denn auch an manchem orte in seiffen allerhand edelgesteine, lasur - flötze, wolfrum, marcasit und dergl. gefunden werden. mineral - lex. 515b; schon mhd. sîfe: daʒ golt siht man vallen unde slîfen von dem gebirge in die sîfen, da waschentʒ die liute und habent groʒ gewinne. Wiener handschrift des Seifriedschen Alex. bei Lexer handwb. 2, 912. vgl. dazu unten seifenbach, seifengebirge, seifenwerk und anderes.
3) seife, auch die anstalt, in der solche ablagerungen auf metall hin gewaschen werden: seife, metallwäsche. Frisch 2, 259b.
 
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seifeballen, m. seifenkugel: von den tyriackskrämern, seiffeballen- oder läuszsalbe-verkäuffern. Simpl. 4, 271 Kurz.
 
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seifel, m. tropfender speichel: seifel ascedo. voc. bei Lexer handwb. 2, 854; im Elsasz verächtliche bezeichnung eines schlechten weins Frommann 3, 13. vgl. seifer. bei Fischart aber name eines blasinstrumentes: nach den lustigen schalmeyen, seyffelen (tanzten sie). Garg. 82b.
 
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seifen, m. bach, wasserrinne, vgl. das zweite seife 1 und 2.
 
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seifen, verb.
1) mit seife behandeln, bestreichen, waschen: seiffen, sapone linire Schottel 1414; seifen, sapone abluere,

[Bd. 16, Sp. 191]


smegmate ungere Frisch 2, 259a; nebenform seifenen, sapone linire, oblinere smegmate Stieler 1999; davon die zwei würst gemacht sind, das waʒ ein todte suw, und waʒ bei vier tages tod, darum must ich daʒ fleisch sauber seifen. Ulensp. 37, s. 54; die wäsche seifen Adelung; das seifen der karten. die oberflächen der zusammen gepappten kartenblätter müssen etwas mit seife überstrichen werden. Jacobsson 4, 130a;

weil nu der luft ganz ungestüm
mit schnee und regen sich vermischet
und nu der wind mit nichten stum
das erdreich gleichsam seifend waschet.
Weckherlin 530;

vgl.ab-, DWB einseifen.
2) zu seife werden lassen; in verseifen, s. d.
 
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seifen, verb. bergmännisches kunstwort, im seifen (s. d. 2 und 3) arbeiten, metall aus geröll auswaschen, ebenfalls mit der nebenform seifnen: seifen, auch seifnen, die in seifen vorkommenden nutzbaren mineralien unter hülfe von flieszendem wasser gewinnen. Veith 440; seifen in bergwerken oder seifnen, gold oder zien in der obern erde eines gebirges suchen oder waschen, terram metallicam in superiore terrae sive montis parte quaerere, eamque lavando purgare. Frisch 2, 259b; seifen, seufen, eine bergmännische arbeit über tage, da in der obern rinde der erdkugel unter der dammerde des gesteins, bey darauf geleiteten wassern, zinnstein oder auch gold und allerhand edelgesteine gesucht und bisweilen gefunden werden. Jacobsson 4, 129a; abgang nehmen, wenn man bei den seifen schicht macht, d. i. wenn ein bergmann unter der dammerde allerley minern, oder edelsteine sucht, und davon wieder abgehet. 5, 7a;

etlich musten hütten weltzen,
die andern fegen und schmeltzen,
am haspel ziehen und seiffen,
etlich musten koln zuschleiffen.
A. Schubarth Sieman oder hausteufel D 7a.


 
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seifenaloe, f. aloe saponaria, die grosze seifenaloe. Nemnich 1, 197.
 
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seifenapfel, m. die frucht des seifenbaumes.
 
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seifenarbeit, f. arbeit des bergmännischen seifens.