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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
seidenzeug bis seife (Bd. 16, Sp. 187 bis 188)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) seidenzeug, m. n. tela serica Stieler 2626: hierauf nimmt man sie (die alraunwurzel) auf, .. wickelt sie in weisz und rothes seidenzeug. Grimm sagen nr. 84; die bücher der minnesinger .. zwischen zwei dünne holzdeckel gelegt, die mit seidenzeug bezogen waren. Keller 6, 81;

[Bd. 16, Sp. 188]


sie nähten ein kind aus seidenzeuch ..
stopften es aus mit zobelhaar.
Rückert Firdosi 1, 221;

frei: gegenwärtiges schauamt (die bücherschau) hingegen wies allerdings auf mängel der arbeiten hin — z. b. bei den seidenzeugen der frau von Stael auf fehlende fäden in der kette. J. Paul kl. bücherschau 1, 4.
 
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seidenzucht, f. zucht der seidenraupen, seidenbau. Frisch 2, 259a, von ihm als unschickliche neuere bildung getadelt, man hätte sagen sollen seidenwurmzucht, ratio alendi bombyces; das wort hat sich trotz seines und seiner nachfolger widerspruchs gehalten: die sich in der seidenzucht auszeichnen. Gutzkow ritter v. geist 3, 238.
 
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seidenzüchter, m. der seidenzucht betreibt: er soll seidenzüchter werden, wie andre pfarrer thun. ebenda.
 
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seidenzurichter, m. der seidene zeuge zurichtet, ihnen glanz und schönheit gibt, appreteur. Jacobsson 7, 328a.
 
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seidenzwirner, m. der seide zwirnt. Jacobsson 4, 123a.
 
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seider, adv., s. seit und seither.
 
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seidig, adj.
1) für seiden: hab er im (sich) .. im bet an die hamen greifen kinden, und als er befonden, das die selbigen nit an eim seidigen faden hangen, sonder noch zimlich geschurzt, do habe er ein gewisse hoffnung seiner wolfart gehapt. Zimm. chron. 4, 256, 21; schweizerisch sîdig, seidig, übertragen von personen, verzärtelt Hunziker 241; auch fein geputzt: die töchter habe er lieber sidig als bauelig. J. Gotthelf Uli der knecht 372, 96 Vetter.
2) seidenhaft, seidenartig:

zarte, niedliche geschöpfe
deren pelz von rosenrother
farbe war und an den schultern
seidig flockte wie zwei flüglein.
H. Heine 17, 99 (Atta Troll 23).


 
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seidlein, n. erweiterte und als diminutiv gefühlte form zu seidel aus lat. situlus, vgl. oben sp. 177: sericium sidlin et est mensura Dief. 529c; als masz für flüssige gegenstände: (der burggraf) hât ouch daʒ reht, swer ein fuoder wîns verschenkt, der sol im ein trinken wîns geben; ist aber daʒ vaʒ halpfüederec, sô sol man im ein sîdlîn wîns geben. Augsburger stadtrecht 116;

und trinkt vier oder funf seidlin weins ausz. fastn. sp. 1, 55 (durch druckfehler steht seidein);

das ich ein seidlein weins thu zechen.
H. Sachs fastn. sp. 3, 88, 76;

hab truncken ein bar seidlein wein. 4, 134, 291;

nun hab ich gleich ein seidlein wein,
ein sueppen und zway semelein. 7, 81, 218;

umb ein seydlîn weine. Ambras. liederb. 216, 27, s. 279;

und drunken aus funff seidle wein. meisterl. fol. 23, nr. 213;

und trinckst darzu ein seidla wein.
J. Ayrer fastn. sp. 58c (2630, 6 Keller);

so strafft mich umb ein seidlein wein,
und trinckts von meinetwegen ausz! 60b (2639, 10);

masz für feste gegenstände:

pfaff. mein margret, was hab wir heut essen?
kellerin. hab etwan auf ein seidlein kressen,
die wil ich halb sieden und halb pachen.
H. Sachs fastn. sp. 5, 86, 70.


 
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seidlinger, m. eine birnenart. Tabernaem. (1664) 1424 D.
 
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seierlein, seiern, s. seuerlein, seuern.
 
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seife, f. sapo.
1) das wort erscheint ahd. in den formen seifa, seiffa, seipha (Graff 6, 172), denen im mhd. nur seife, seiffe entspricht, ags. als sâpe, von dem wieder das altnord. sâpa entlehnt ist; engl. soap; mnd. sepe, mnl. seepe. die romanischen sprachen haben ihre bezeichnungen, franz. savon, ital. sapone, savone, aus dem deutschen entlehnt. zuerst wird das wort in der form sapo erwähnt von Plinius in der bekannten stelle der hist. nat. 28, 12, 51: prodest et sapo. Galliarum hoc inventum rutilandis capillis. fit ex sebo et cinere, optimus fagino et caprino, spissus ac liquidus, uterque apud Germanos majore in usu viris quam feminis. danach wäre die seife, in der wesentlichen zusammensetzung wie auch heute noch, als erzeugnis von fett und aus asche gewonnener lauge, eine gallische erfindung, aber in Germanien verwendet; da aber der von Plinius überlieferte name nicht ein gallischer ist, sondern als altgermanischer aufgewiesen werden kann, so wird auch die sache zunächst deutsch, nicht gallisch, und nur über Gallien den Römern bekannt geworden sein; wie denn auch Martial 8, 33, 20 die seife als spuma batava bezeichnet. für die frühere deutschheit des

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wortes spricht das finnische gleichbedeutende saipio, saippio, saipua, saippua und das lappische saipo (Thomsen einflusz der germ. sprachen auf die finnisch-lappischen, übersetzt von Sievers, s. 57. 168), von welchen formen, die ja sicher germanischen lauteinflusz zeigen, die erst angegebene auf ein altgermanisches saipjô neben saipo zurückgeht und damit das ahd. seipfa neben seifa erklären hilft. herangezogen zur erklärung des ursprünglichen sinnes wird das germanische verbum ags. sîpan, mnl. mnd. sîpen, mhd. sîfen, tröpfeln, abtropfen, sickern (vgl. J. Grimm in Haupts zeitschrift 7, 460 f.), und sowol auf ahd. seifar spuma (Graff 6, 172), mhd. seifer, speichel, geifer, schaum als auch darauf aufmerksam gemacht, dasz ahd. seifa sowie ags. sâp auch das harz bezeichnet, so dasz von der vorstellung einer zähen, fetten, tropfenden masse ausgegangen sei. indessen ist die möglichkeit, dasz seife gar kein deutsches, sondern nur ein sehr früh aufgenommenes und umgedeutschtes lehnwort sei, nicht von der hand zu weisen, wenn man die bei Thomsen a. a. o. aufgeführten formen der finnischen und tatarischen sprachen (mordwin. sapyn, sapoń, tscheremiss. šovun, šâvań, tatar., türk. sabun, ungar. szappan u. s. w.) erwägt. danach würde eher in der sache die vorgeschichtliche einführung eines beizmittels aus dem osten mit dem entsprechenden namen anzunehmen sein, das sich nach Germanien und Gallien verbreitet hat und von da aus den Römern bekannt geworden ist; und die angenommene urverwandtschaft mit lat. sêbum talg wäre hinfällig.
2) seife, als massenbegriff ohne plural, reinigungs-, ätz- und heilmittel: nitrum seyfe, saif, seuff Dief. 381b; sapo, sapona, sapena, seipha, seiffa, seiffe, seif, saiffe, saiff, seuff, nd. sêpe 511c; smigma saifa, seifen, seiffe, seyff, seipha, sayff, saiffen, zeiff, seuff, seuffe 539b; die seipffen, sapo Maaler 369c; wolriechende seife, sapo odoratus, moschatus, venedische seife, smegma Venetum, schwarze seife, smegma impurum, atrum, pinguius Stieler 1999; seife so flüssig, liquor saponarius, sapo liquidus Frisch 2, 259b; seyff wirt gemacht von unschlit, saltz und laugen. Lonicerus kräuterb. 356 D; mit seyffe geschmiert die grindige haut, dorret fast, und benimpt den grindt. ebenda; seyff reiniget wunden, zeucht eyter ausz, weychet harte geschwer. ebenda; seyffen, heiszet griechisch und lateinisch smegma, sapo, und bey dem Martiali Mattiaca pila .. zu der artzney aber wird fürnemlich die schwartze seyffen gelobt, wie die im Niderland bereytet wirdt. zu der wolriechenden küglein aber braucht man die venedische seyffen. Wirsung arzneib. 1597 register; wohlriechende seiffe zu den händen zu machen. öcon. lex. 2274; schöne venedische oder andere wohlriechende seiffe. ebenda; dafür geruchseife, vgl. theil 4, 1, 3751; weisze, gelbe, grüne seife; die seiffe der wesscher. Maleachi 3, 2; ein bischen saife, in wasser aufgelöszt, hübsch durch ein strohhälmchen drein geblasen, treibt bläsgen auf. Schiller 2, 377;

die sêle ne phlegent ce bade seiffen noh louge. himelriche 285, Haupts zeitschr. 8, 153;

bringt mit euch die salbn und öl,
seif und was ich haben söl (zum bade).
Rebhun Susanna 3, 1;

die nach grüner seife riechen.
H. Heine 17, 34 (Atta Troll 8);

in zusammensetzungen, die die art der bereitung oder verwendung bezeichnen: bartseife, globuli smegmitici Stieler 1999; kopfseife, sapo viridis. ebenda; barbierseife, bartseife, sapo tonsoris Frisch 2, 259a; schöne gemeine hausseiffe. öconom. lex. 2273; zur mandelseiffe nimmt man schöne pulverisierte venedische seiffe. ebenda; waschseife, putzseife, fleckseife u. s. w.; es heiszt seife sieden, kochen, formen, gieszen, schneiden, mit seife waschen; seife sieden, coquere saponem Stieler 1999; seife machen oder kochen, saponem coquere, mit seife waschen, sapone purgare, viel seifen verschmieren, propter sordes multum saporis in unguendo consumere Frisch 2, 259a; und wenn du dich gleich mit laugen wüschest, und nemest viel seiffen dazu. Jer. 2, 22; nimmt man die seiffe aus dem trog, und schneidet sie mit einem gespannten messingenen draht zu tafeln, und folgends in selbst beliebige grosze oder kleine stücke. öconom. lex. 2272; der draht hatte zwei querhölzchen an den enden zum bequemen anfassen und durchschneiden der weichen seife. Keller 4, 230; etwas mit seife bestreichen, schmieren, zur erreichung gröszerer glätte, daher im bilde: uber diesen hatte des baumes stamm einen absatz oder unterscheid, welches ein glattes stück war, mit wunderbarlichen materialien und seltzamer saiffen des miszgunsts geschmieret, also dasz kein kerl, er sey dann vom adel,

[Bd. 16, Sp. 190]


weder durch mannheit, geschickligkeit noch wissenschaft hinauff steigen konte. Simplic. 1, 56 Kurz; die seife schäumt, gischtet, vergl. seifenschaum, seifengischt. der plur. erst in neuerer sprache zur bezeichnung verschiedener seifenarten: kalte seifen, die nicht gesotten werden; gefüllte seifen, die überschüssiges salzwasser enthalten; weiche, harte, durchsichtige, undurchsichtige seifen; natron-, kaliseifen u. s. w.
3) seife, uneigentlich in der älteren chemie, jedes mit einem fette vermischte salz, und in noch weiterem verstande, jede substanz, welche das öl mit dem wasser mischbar macht: der zucker ist eine sauere seife. Adelung; von einer fettigen thonart, vgl. bergseife oben theil 1, 1518.