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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
seidebeflügelt bis seidenbast (Bd. 16, Sp. 177 bis 180)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) seidebeflügelt, part. mit seidenem flügel versehen, von den bienen:

rein und seidebeflügelt, wie die götter. Göttinger musenalm. 1773, 16.


 
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seidegespinnst, n.:

spaltet ein lichtmeer
nicht das seidegespinnst?
Herder zur litt. 1, 195.


 
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seidel , n. masz für flüssiges und trockenes; lehnwort aus situlus, der nebenform zu lat. situla, womit im mittelalter ein kleineres gemäsz namentlich für wein bezeichnet wurde; vgl. du Cange 7, 499a; aus der kloster- und urkundensprache spät ins mhd. übergegangen, als sîdel, erweitert auch als sîdelîn, sîdlîn aufgenommen (vgl. unten seidlein), das geschlecht etwa nach masz oder glas ins neutrale gewendet. das wort ist zunächst auf das ober- und mitteldeutsche sprachgebiet eingeschränkt: nösel, .. hält ein halb maasz .. in Oberdeutschland, besonders in Oesterreich, heiszt es auch ein seidel, seidlein, und in der Schweitz etc. ein schoppen. Jacobsson 3, 143b.
1) masz für flüssigkeiten: den selben wein gab man krancken und kintpeterin und wunten und gefangen, alltag eim ein moʒ umb 6 D, aber zuletzt gab man eim neur ein seidel umb 3 D. d. städtechron. 10, 177, 4; ein seidel milch. 7; da risz und schält man (beim gelage) den wein ausz potten, ausz pinten, ausz kelchen, napfen .. kufen, nüsseln, seydeln. Garg. 83b; nimb guten weinessig, geusz bei einem seydel, welcher fast ein pfundt wigt, in die leuterung in kessel. Ercker erzt- und bergkwerck (1580) 130b; eine kannen geiszmilch daran gieszen, ein seidel lassen einsieden, und morgens und abends ein halbes seidel davon trincken. Hohberg 1, 294b; flores solsequii, sieds in einem seidel wein halb ein. 318a; allda lasse ich mir um 2 kreutzer ein hartes geselchtes fleisch geben, .. hierzu ein seidel wein. Abele künstl. unordn. (1670), vorrede s. 10; drittehalb seidel brandtwein nehme ich auffs hertze. Chr. Weise komöd. 315; seidel, für seidlein, ist an vielen orten ein halb masz oder ein halb quart tranck, wein oder bier, u. d. g., sextarius Frisch 2, 259a; ich frühstückte (in Budapest) ein schweinshaxerl mit einem seidel Erlauer. Keller 8, 246;

denn kaum trinkt man vierzehn seitel,
hat man schon kein geld im beutel.
Raimund 3, 246;

in norddeutschen gegenden ist das wort jung und nur in bezug auf bier, vom bairischen bier her (a sei'l bier Schm. 22, 224), als wort des wirtshauses, üblich geworden; für das alte neutrale geschlecht ist vielfach masculines eingetreten: einen seidel bier trinken.
2) masz für feste gegenstände: so gab man denn allen trabanten, die nach demselben raub gewesen waren, ainmal

[Bd. 16, Sp. 178]


ausz der stat kuchen zu essen: iedem ain stück flaisch von pfund und auf ain seidel gekochts hirs und 2 brot. d. städtechron. 2, 311, 8; so richten unser hern vom rate ein kuchen auf auf der Schutt pei dem wilpad und lieszen dorinn kochen hirsz, gesmalczen und gesalczen, und gaben derselben kochten hirsz ein seidel umb ein haller. 351, 13; ein seidel hirsz. 10, 174, 16. in Rothenburg an der Tauber, Herrieden und andern fränkischen orten ist seidel getreidemasz, geringer als der metzen und das viertel. Schm. 22, 225.
3) masz für erze: seidel, ein ärzt-maasz. Lori bergrecht (1764) 645b; seidel in Baiern ein erzmasz von 5 bis 6 kubikfusz, in Böhmen ein masz für eisensteine von 4 kubikfusz (etwa 4 bis 5 centner). Veith 440; in dem bergbaue einiger gegenden, z. b. in den eisenwerken zu Burg im Vogtlande, ist das seidel, oder wie man es daselbst schreibt und spricht, das seitel, ein groszes masz für die eisensteine, kohlen u. s. f., welches 4 kübel hält. Adelung; masz für erz in der Oberpfalz Schm. 22, 225.
 
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seidelbast, m. name der pflanzen daphne laureola und mezereum, kellerhals Nemnich 2, 1375; umformung von zeidelbast (s. d.), mhd. zîdelbast, wol mit anlehnung an seide (vgl. Andresen volksetym. [1889] s. 255); seidelbast oder leüszkraut, mezereon. Bock kräuterb. (1546) 3, 8a; seidelbast, chamelæa tricoccos, .. hat länglichte blätter, wie die oliven. Hohberg 1, 627a; die seidelbast-wurtzel, oder radix thimeleae. 3, 1, 545; in den gehölzen blühte schon der seidelbast. Keller 3, 209. als neutr.: seidelbast, welches auch leüszkraut genennet wird. Lonicerus (1604) 54.
 
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seideln, verb.
1) gern ein seidel trinken; erst neues, nach schöppeln (theil 9, 1564) gebildetes wort: in der kneipe liegen und seideln.
2) bair. seideln, die milch ausseideln, seihen Schm. 22, 248; vielleicht aus seihelen entstanden.
3) in der Lausitz pferde seideln, sie mit gefesselten füszen weiden lassen, nach Adelung zu slav. sidlo strick, sidlicz, mit stricken binden gehörig.
 
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seiden, adj. , von seide gemacht, ihr gleichend; ahd. sîdîn, mhd. sîdîn und sîden, mnd. sîden; das ältere nhd. bewahrt in den landschaftlichen formen seidein und seidin (belege unten) erinnerungen an die vollere mhd. form. seiden steht
1) eigentlich: seidene stoffe; der seiden damasc. Mathesius Sarepta 7b; ganz-, halbseidene gewebe, mit angabe der farbe schwarz-, grau-, weisz-, grün-, rot-, blauseidenes zeug u. ähnl.; sîdîn hemidi, holosericum Graff 6, 164; seidein gepend und seidein gewant. Megenberg 297, 6; der bischof in sime syden wambesche. d. städtechr. 9, 664, 17; serica, sericea syden kleid, sidin claid, siden cleit Dief. 529c. zusammengerückt auch seydinkleid. serica vestis Maaler 371d; ein seidenes kleid, vestis bombycina Steinbach 2, 573;

daʒ was ein hemde sîdîn.
H. v. Freiberg 735;

ein wâfenhemde sîdînleite an diu meit,
daʒ in deheime strîtewâfen nie versneit,
von pfelle ûʒer Libiâ. Nibel. 408, 1;

ouch tuon ich iu vollen rât
von guoter sîdîner wât.
Ottokar 3698;

(er) gab im harte rîchen solt.
diz was sîdîn gewête. pass. 484, 65 Köpke;

rot scharlatin und sidin gewand. teuf. netz 3195;

sie vergnügt sich mit einem zarten klaid,
so seydin und meergrün.
Weckherlin 726;

wo lieszest du dein seiden kleid,
wo gold und edelsteine?
Uhland ged. 206;

einen rothen mantel seiden,
eine goldne kron er trug. 224;

(der papst) wihete do die kirche zm jungen sant Peter und gap groszen aplos dohin und sine bebestliche sydin kappe die noch do ist. d. städtechron. 9, 558, 16; das men die alterdcher solt lynin machen und nut sydin. 509, 8; ich gab dir feine leinen kleider, und seidene schleier. Hes. 16, 10; die haben alle mit dir gehandelt, mit köstlichem gewand, mit seidenen und gestickten tüchern. 27, 24; (die nonnen) namen den brüef und drugen ihn in einem seüten duechlin mit einer loblichen procession .. herumb. Villinger chron. 69;

dô stuonden sîdîn hüttenund manic guot gezelt. Nibel. 551, 1;

einn sîdîn segel sah er roten (rot glänzen). Parz. 58, 5;

(der hund) ist auff unser betth gesprungen,
hat darauff gewelfft seine jungen,
hat die weisz seidin teck beschissen.
H. Sachs 17, 58, 11 Keller-Götze;

[Bd. 16, Sp. 179]



so, wie ein weiser arzt, der auf der bühne steht,
und seine künste rühmt, bald vor, bald rückwärts geht,
sein seidnes schnupftuch nimmt, sich räuspert, und dann spricht.
Gellert 1, 20;

die seiden fransen. Garg. 126b; seidene fanen, so gesticket, signa auro sericisque vexillis vibrantia Stieler 1999; seidene strümpfe, tibialia serica Steinbach 2, 573; den arm .. bedeckte (auf der mensur) ein aus alten seidenen strümpfen verfertigtes rüstzeug, handschuh genannt. Hauff 7, 41; seidenes band. ein seidener geldbeutel. seidene schuhe. Campe; seidene handschuhe tragen; er trug weite schlappstiefeln mit seidenen troddeln vorn. Immermann Münchh. 2, 59;

sît sach ich den valken schône fliegen:
er fuorte an sînem fuoʒe sîdîne riemen. minnes. frühl. 9, 8;

die goltvarwen zoumefuortens an der hant,
sîdîniu vürbüege. Nib. 75, 2;

daʒ zoch er ûʒem buosem sîn
an einer snüere sîdîn. Parz. 51, 16;

so bringet des lieben kindes muoter
röcke, mentel und vehe fuoter,
sidene borten mit golde beslagen,
und was ein töhterlin sol tragen. heil. namenb. 23;

do sticket mir mein pul ain seidene pinden. fastn. sp. 756, 18;

ein hanenfeder mus er han,
ein hembd mit seiden neten. bergreihen 80, 26;

seidene schnur bei den Türken zum erdrosseln: von dieser seidenen schnur, womit der groszherr seine günstlinge von oben dividiert, aber in brüche. J. Paul Hesp. 1, 193; seidener faden zum nähen, stricken, sticken:

fäden zieht sie, seidne fäden.
Immermann 12, 26 Boxberger;

in bildern:

sein lichtes haar ..
wie seidene fäden so weich und klar.
A. v. Droste-Hülshoff (1873) s. 95;

sein leben hängt an einem seidenen faden, von einem schwerkranken oder in gefahr stehenden, vgl. dazu unter faden 6, a oben theil 3, 1233; da wird seyne seele an eim seiden faden uber der hellen und ewigem verdamnis gehangen haben. Luther krit. ausgabe 19, 218, 16; als rechtsbrauch und sinnbild der begrenzung:

(Laurin hat) im erzogen zarte
einen rôsengarten.
daʒ diu mûre solde sîn,
daʒ ist ein vadem sîdin. könig Laurin 70;

mit ainem seidein faden (wird ein gefangener an einen stecken gebunden, sinnbildliche fesselung). Salzb. taid. 45, 22; ob denn ain paur umb ain frevel gestraft wird und wolt sich den zu geben sperren, mag des abts anwalt demselben pauren ain seidin faden umb sein waichi spannen, den soll er nit brechen, auch weder under oder über den faden herauszgeen, bisz er bezalt. Birlinger volksthüml. 2, 176 (16. jahrh.).
2) übertragen, in mehrfachem sinne.
a) von dingen, die der seide gleichen, sich wie seide anfühlen: seidenes haar; seidene hände, manus delicatae, molliusculae Stieler 1999; eine seidene haut Campe; mir ziehen sie unbarmherzig ihre seidne hand zurück. Klinger theater (1786) 1, 182;

wie die blume stolziert, und ihr seidenes kleid
in vergoldeten purpur taucht!
Hölty 66 Halm;

eine sehnsuchtsthräne träufelt
über die seidenen purpurblumen. 105;

sanft hingeschmiegt auf seidne frühlingsrasen. 200;

wer liesz vom nacken blond und schön
der holden seidne locken wehn?
Bürger 37b;

des nackens silber, gleich des schwans gefieder,
vom reichen, seidnen lockenhaar umweht.
Grillparzer 24, 55;

gelagerte ziegen und seidene schäfchen (schäfchen mit seidenartiger
wolle).
Voss 2, 217;

zwar stattlich von gliedern
ist sie dir, aber zu faul, und die seidenen händchen zu vornehm. 1, 66 (Luise 1, 550);

wenn den hingestreckt erbleichten mann
süsz gelinde pflege hat umfahn
einer holden frauen, seidne hände
dar ihm reichen frommer dienste spende.
Immermann 13, 154;

die erd' ist seiden, gewürzt die luft,
die flut wie rosenwasserduft.
Rückert Firdosi 3, 24;

wie seine seidnen wimpel regt
der zweig, so jüngst voll reifes hing.
A. v. Droste-Hülshoff ged. (1873) s. 77.


b) von menschen in seidenen, vornehmen kleidern, daher von äuszerlicher feinheit, mit dem spöttischen beisinne der weichlichkeit: wohl kam ich, und muszt im vorsaal stehn, lang, lang.

[Bd. 16, Sp. 180]


und die seidnen buben beguckten mich von vorn und hinten. Göthe 8, 70 (Götz 2); als ihn ein kurzer blaszgelber reichgekleideter mensch mit eingeschrumpftem gesichte erblickte und mit dem seidnen arm auf den weg zur kaskade zeigte. J. Paul Titan 4, 189;

wie kommts, o Vosz, dasz jeder seichte narr
in Deutschland deutsche dichter richten will,
und richten darf? dasz ihm, so oft ers thut,
ein seidner pöbel lächelt?
Stolberg 3, 3.


c) auf innerliches bezogen, fein, weich, lind: der einen seidenen magen hat, der lasse es lieber bleiben. Coler hausb. (1640) 345; seidene worte, verba byssina Stieler 1999; aber dasz in diesem marklosen jahrhunderte mich ja keiner miszverstehe, so wisse jedes seidene männchen, das mir vielleicht zu früh süszen beifall zulächelte, dasz fülle des herzens mehr ist als eine blos leidende reitzbarkeit. Stolberg 10, 356; anfangs gingen sie mit ihnen um, wie mit göttinnen, ganz sanft und seiden. Lenz 1, 176; sie wuszten, je seidener und zufriedener sie thäten, desto weniger nehme man sich vor ihnen in acht. J. Gotthelf Hans Joggeli (1894) s. 58; soll das ein seiden leben werden! juchhe! (sagt einer der als gast zur hochzeit geht). Ludwig 2, 481;

dann macht der mann bei seidnen schmeichelein
der gattin, ein gesicht als wolt er hülfe! schrein.
Göckingk 1, 183;

liebe, scherze, von verdrusz entladen,
weil die parze deiner tage faden
seiden spinnet und dein morgen scheint.
Gotter 1, 84;

mich quält ein sonderbar verlangen
nach sorg und müh, gefahr und streit,
es ist mir stets zu gut gegangen
in dieser seidnen friedenszeit.
Strachwitz ged. 19;

mit bezug auf den ausdruck des innern: so gibts auch seidne, baumwollne gesichter und gesichter von garn. Hippel lebensl. 1, 486.
 
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seidenarbeit, f. arbeit in seidenem zeuge oder faden; arbeit von seide verfertigt.
 
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seidenarbeiter, m. sericarius, plumarius. Stieler 48.
 
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seidenartig, adj. die art der seide habend: seidenartige baumwolle. Jacobsson 7, 321a; seidenartiges blatt, sericeum, nennt der gärtner dasjenige blatt, welches mit angedrückten, sehr weichen haaren bedeckt ist. ebenda.
 
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seidenband, n. band von seide, seidenes band (erst in neuerer sprache an stelle der freien verbindung ein seiden band, mit verändertem haupttone getreten): das seidenband Campe; indem er mit einem rosenfarbenen seidenband meinen fusz masz. Hauff 9, 86; er führte schon mit dem doppelhobel die letzten stösze über die bretter, feine späne lösten sich gleich zarten glänzenden seidenbändern. Keller 2, 80.
 
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seidenbast, m. eine art bastes, aus baumwolle gewebten zeuges, welches dem seidenen zeuge nahe kommt. Adelung.