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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
sehrigen bis sehstudien (Bd. 16, Sp. 165 bis 166)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sehrigen, verb. verletzen, wund machen, mhd. sêrigen mhd. wb. 2, 2, 255a. Lexer mhd. handwb. 2, 891; ahd. sêragôn Graff 6, 270; mnd. serigen Schiller-Lübben 4, 193b; das brem. wb. bezeichnet sērigen, verletzen als noch üblich 4, 756; den heutigen nd. mundarten scheint es fremd zu sein; intrans.: sērigen, leiden, kränkeln Pfister 275 (Westerwald).
 
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sehrigkeit, f. zu sehrig, wund (s. dieses): von der serigkeit oder frätte der kinder, so ihn die haut abgehet. Ryffius schwangerer frauen rosengarten (1569) 333b; heylen damit die fäule, und allerhand seerigkeit im mund. Tabernaemontanus kräuterb. (1664) 1490 A.
 
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sehrkerl, m. ganzer kerl, tüchtiger kerl (s. oben sehr, adv. vor 1): so ein sehrkerl bin ich nun wohl nicht, dasz ich der würdigste mann heiszen könte. Hermes Sophiens reise 3, 23 (1776); es gehört ganz gewisz das herz eines sehrkerls dazu, mit einer schwiegermutter es zu wagen. 383, s. DWB sehrmann.
 
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sehrle, f.: seerlen, die, langer trmel so man überzwärch an die häg legt, langurius (für longurius) Maaler 369b; gehört es vielleicht zu saren, sarren, m. riegel eines thürschlosses bei Stalder 2, 300, vgl. Graff 6, 271.
 
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sehrlein, n., s. DWB sehr, subst.
 
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sehrmann, m. (s. DWB sehrkerl und DWB sehr, adv. vor 1): was man auf der insel Rügen einen sehr-mann, nämlich einen vortrefflichen nennt. J. Paul dämmerungen 25. vgl. Büchmann gefl. worte12 155; der süddeutsche Mörike gibt dem worte einen üblen sinn, der ihm eigentlich nicht zukommt:

was sich mit selbstgefälligkeit bedeutung gibt,
amtliches air, vornehm ablehnende manier,
dies und noch manches andere bedeutet es.
Mörike an Longus.


 
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sehrohr, n., seherohr Kramer deutsch-it. dict. (1702) 2, 739c. Jacobsson 7, 319b; seherohr, sehrohr Campe; verdrängt durch fernrohr, fernglas:

er blieb steif vor dem sehrohr stehn,
und sah begierig nach den sternen.
Gellert 1, 211 (1775);

wie wenn der grosze stern Orions schnell verschwindet,
ihn kein geschärfter blick, kein sehrohr wieder findet.
Zachariä renommist 2, 14;

sieht mich die mitternacht bey meinem sehrohr wach.
Hagedorn 1, 17 (1771);

in unsrer zeit,
wo reger eifer weit und breit,
vom sehrohr an, bis tief zur nadel,
den schatz der wissenschaften mehrt.
Gotter 1, 445 (1787);

dort an der Schnat hat Halberstadt gestanden,
mit seinem sehrohr streifend durch die banden.
A. v. Droste-Hülshoff 1, 104 Schücking;

die durch das seherohr sichtbaren kleinen sternchen. Kant 7, 236 anm. (gleich darauf fernglas); vier personen hatten jetzt auf einmal vier sehröhre auf seine seele gerichtet. J. Paul Hesp. 1, 70; die blumigen lichten stunden rücken vor dem auge des menschen vorüber wie die sterne vor dem sehrohre des himmelmessers. 3, 171.
 
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sehschärfe, f. in der neueren ophthalmologie das vermögen, auf der netzhaut entstandne, scharf begrenzte bilder von einer gewissen grösze zu erkennen.
 
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sehstrahl, m. sehestral, raggio visivo, visuale ò ottico Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 739c.

[Bd. 16, Sp. 166]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sehstreifen, m.: dasz die sehnerven .. aus der gemeinschaftlichen von beiden sehstreifen (tractus optici) gebildeten substanz entstehen. Meckel anatomie 3, 449 (1817).
 
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sehstudien, plur.: der freude an der schönheit der natur empfindet, sollte, wenn es ihm möglich ist, im freien und von einem tüchtigen landschafter geleitet — wenn ich so sagen darf — sehstudien machen. Ludwig 2, 636 (1891).