Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
sehren bis sehstrahl (Bd. 16, Sp. 164 bis 165)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sehren, verb.
1) verwunden, verletzen mhd. sêren (aus sērian, sērōn) mhd. wb. 2, 2, 255a. Lexer mhd. handwb. 2, 890; vgl. Graff 6, 271. mnd. sēren Schiller-Lübben 4, 192a. die nhd. schriftsprache hat das wort früh eingebüszt, erhalten in der composition versehren, vgl. auch oben besehren theil 1, 1612. Schm. 2, 322; und das hirn also geseeret wird. quelle von 1512 bei Birlinger 386. verletzen in übertragenem sinne:

niemand verachten noch unehrn,
noch was mit stichelworten sehrn.
Ringwaldt laut. wahrh. (1597) 139;

ein mensch der da den ehstand sehrt. 169;

doch solt jr nicht jhr leges ehrn,
wofern sie das gewissen sehrn. 300;

sehren, sähren, laedere Schottel 1414. mundartlich ist das wort erhalten: si' searn, sich wund reiben oder liegen. Lexer 232; nd. seren, versehren, verletzen, beschädigen, die haut abreiben, schmerzen erwecken; ik hebbe mi seret, ich habe mich verletzt, mir wehe gethan brem. wb. 4, 755; sären Stürenburg 209a (häufiger aber als dieses wird besären gebraucht); dat serd

[Bd. 16, Sp. 165]


mî; hê hed sük serd oder beserd. ten Doornkaat Koolman 3, 176a.
2) intrans. mhd. sêren (ahd. sêrên, dolere Graff 6, 271) setzt sich fort in searn, wund werden Lexer 232; serende krankheit Schm. 2, 322; wol auch in sich abseren, sich durch sorge und krankheit zu grund richten. ebenda; vgl. Bayerns mundarten 2, 257.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sehrig, adj., mhd. sêrec, wund, betrübt, schmerzhaft mhd. wb. 2, 2, 255a. Lexer mhd. handwb. 2, 889; ahd. sêrag Graff 6, 270; mnd. serich Schiller-Lübben 4, 193a; nur in mundarten erhalten: sirig, schmerzhaft, empfindlich, aufgebracht, unwillig, heftig, begierig. Schm. 2, 323; vgl. Schöpf 676. Bayerns mundarten 2, 257; sērich, schmerzhaft Kramer Bistritzer dialect 123. Frischbier 2, 338b; nd. sêrig, grindig Frommanns zeitschr. 4, 277, 30. brem. wb. 4, 756; kleensērig, empfindlich beim geringsten schmerz ebenda (aus Richey). Schütze 4, 91; särig, grindig Stürenburg 209b; säärkellig, empfindlich, weichlich ebenda; serig, sêrig, versehrt, wund, krank, schwärig, grindig; ser-, sêrkellig, ser-, sêrkrênig, gegen schmerz empfindlich und scheu ten Doornkaat Koolman 3, 176a; in besonderer bedeutung: sêrig, schnell Schambach 190b (vgl. DWB sehr, adv. vor 1). s. unten sehrigkeit.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sehrigen, verb. verletzen, wund machen, mhd. sêrigen mhd. wb. 2, 2, 255a. Lexer mhd. handwb. 2, 891; ahd. sêragôn Graff 6, 270; mnd. serigen Schiller-Lübben 4, 193b; das brem. wb. bezeichnet sērigen, verletzen als noch üblich 4, 756; den heutigen nd. mundarten scheint es fremd zu sein; intrans.: sērigen, leiden, kränkeln Pfister 275 (Westerwald).
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sehrigkeit, f. zu sehrig, wund (s. dieses): von der serigkeit oder frätte der kinder, so ihn die haut abgehet. Ryffius schwangerer frauen rosengarten (1569) 333b; heylen damit die fäule, und allerhand seerigkeit im mund. Tabernaemontanus kräuterb. (1664) 1490 A.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sehrkerl, m. ganzer kerl, tüchtiger kerl (s. oben sehr, adv. vor 1): so ein sehrkerl bin ich nun wohl nicht, dasz ich der würdigste mann heiszen könte. Hermes Sophiens reise 3, 23 (1776); es gehört ganz gewisz das herz eines sehrkerls dazu, mit einer schwiegermutter es zu wagen. 383, s. DWB sehrmann.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sehrle, f.: seerlen, die, langer trmel so man überzwärch an die häg legt, langurius (für longurius) Maaler 369b; gehört es vielleicht zu saren, sarren, m. riegel eines thürschlosses bei Stalder 2, 300, vgl. Graff 6, 271.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sehrlein, n., s. DWB sehr, subst.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sehrmann, m. (s. DWB sehrkerl und DWB sehr, adv. vor 1): was man auf der insel Rügen einen sehr-mann, nämlich einen vortrefflichen nennt. J. Paul dämmerungen 25. vgl. Büchmann gefl. worte12 155; der süddeutsche Mörike gibt dem worte einen üblen sinn, der ihm eigentlich nicht zukommt:

was sich mit selbstgefälligkeit bedeutung gibt,
amtliches air, vornehm ablehnende manier,
dies und noch manches andere bedeutet es.
Mörike an Longus.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sehrohr, n., seherohr Kramer deutsch-it. dict. (1702) 2, 739c. Jacobsson 7, 319b; seherohr, sehrohr Campe; verdrängt durch fernrohr, fernglas:

er blieb steif vor dem sehrohr stehn,
und sah begierig nach den sternen.
Gellert 1, 211 (1775);

wie wenn der grosze stern Orions schnell verschwindet,
ihn kein geschärfter blick, kein sehrohr wieder findet.
Zachariä renommist 2, 14;

sieht mich die mitternacht bey meinem sehrohr wach.
Hagedorn 1, 17 (1771);

in unsrer zeit,
wo reger eifer weit und breit,
vom sehrohr an, bis tief zur nadel,
den schatz der wissenschaften mehrt.
Gotter 1, 445 (1787);

dort an der Schnat hat Halberstadt gestanden,
mit seinem sehrohr streifend durch die banden.
A. v. Droste-Hülshoff 1, 104 Schücking;

die durch das seherohr sichtbaren kleinen sternchen. Kant 7, 236 anm. (gleich darauf fernglas); vier personen hatten jetzt auf einmal vier sehröhre auf seine seele gerichtet. J. Paul Hesp. 1, 70; die blumigen lichten stunden rücken vor dem auge des menschen vorüber wie die sterne vor dem sehrohre des himmelmessers. 3, 171.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sehschärfe, f. in der neueren ophthalmologie das vermögen, auf der netzhaut entstandne, scharf begrenzte bilder von einer gewissen grösze zu erkennen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sehstrahl, m. sehestral, raggio visivo, visuale ò ottico Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 739c.