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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
sehnsucht bis sehnsuchtsach (Bd. 16, Sp. 157 bis 158)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sehnsucht, f. schmachtendes verlangen; mhd. sensuht, krankheit des schmerzlichen verlangens, liebeskrankheit, liebesbegierde. mhd. wb. 2, 2, 359b. Lexer mhd. handwb. 2, 886: der den siechtum hat von der sensuchte, der sol reden mit den, die im lieb sint, und schol horen schoneu mære, die in geluste ze horen. quelle bei Schm. 2, 289; cupedia, die sehnsucht nach solchen (guten) biszlein. Corvinus fons lat. (1660) 225a, vgl. Stieler nachschusz 26a; sehn-sucht, desiderium quo quis quasi morbo laborat. Frisch 2, 258a; mit sehnsucht auf etwas hoffen. Adelung; 'ein hoher grad eines heftigen und oft schmerzlichen verlangens nach etwas, besonders wenn man keine hoffnung hat das verlangte zu erlangen, oder wenn die erlangung ungewisz, noch entfernt ist'. mit sehnsucht wünsche ich mich zu dir. Campe; der leere wunsch, die zeit zwischen dem begehren und erwerben des begehrten vernichten zu können ist sehnsucht. Kant 10, 276; diese erklärung faszt nur etwas, das in dem wort begriffen werden kann, die unbestimmtheit des gemütszustandes (vergl. DWB sehnen zu anfang). in anderen fällen kann die richtung auf ein bestimmtes object sehr scharf hervortreten. schilderung der sehnsucht als liebeskrankheit s. in den fastn. sp. 1283. sehnsucht, verlangen, mit abhängigem genitiv:

die sehn-sucht frembder sachen
was wird sie dermahleins noch endlich aus dir machen.
P. Fleming ged. (1666) 615;

sehnsucht tragen zu etwas:

die sehnsucht, die das volck zu erster herrschaft trug.
Gryphius 1, 563 (1698);

sehnsucht nach:

du lehrst, du lehrst mich kämpfen;
die sehnsucht nach der welt,
und ihren lüsten dämpfen.
Schubart ged. 1, 11 (1787);

komm mit in meine kammer — ich glühe vor sehnsucht. Schiller räuber 3, 1; in dem: dahin! dahin! lag eine unwiderstehliche sehnsucht. Göthe 18, 235; er verfiel in eine träumende sehnsucht. 19, 66;

nur wer die sehnsucht kennt,
weisz, was ich leide. 67;

o, du fühlst nicht so, wie ich!
wenn dich gleiche sehnsucht triebe,
wüsztest du wohl, dasz die liebe
auch das eigne leben ehrt
weil's dem theuern angehört.
Grillparzer 3, 72;

(soll ich) kein zeichen deiner huld, kein armes pfand
fort mit mir tragen, meiner sehnsucht labung? 6, 59;

still und tot ist alles sinnen,
nur die sehnsucht nimmer still.
Ludwig 1, 45.


ungewöhnlich ist der plural: was auf leere wünsche und sehnsuchten nach unersteiglicher vollkommenheit hinausläuft. Kant 4, 279; allerlei sehnsuchten, liebschaftliche seufzer und landschaftliche effecte sind das höchste, was die empfindsame welt an den mond knüpft. Brentano ges. schr. 4, 406; ich bin also überzeugt, dasz ihre drei sehnsuchten meinem miethpferde magische schlingen um die füsze legten. Immermann Münchh. 1, 105 (1841).
gegenstand der sehnsucht: da sah ich ein kind, einen kleinen engel, ganz meine sehnsucht. Freytag graf Waldemar 2, 1.
 
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sehnsüchtelei, f. spöttische bildung. H. Heine 1, 296 Elster.
 
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sehnsuchterweckend, adj.:

von dämmrung sofort,
das sehnsuchterweckende auge umflort.
Leuthold ged.4 312.


 
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sehnsuchtflötend, adj.:

du sehnsuchtflötende nachtigall.
Leuthold ged.4 3.


 
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sehnsuchtglut, f.:

und die sterne grosz wie sonnen,
schaun herab mit sehnsuchtglut.
H. Heine 1, 157 Elster;

und dennoch duld' ich alles gern um ihn,
um ihn die schauer dieser einsamkeit
und diese ungestillte sehnsuchtglut.
Hoffmann von Fallersleben mein leben 6, 198.

gewöhnlich sehnsuchtsglut.
 
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sehnsuchthauchend, adj.:

du stralst als tag liebathmend vor, wir hinterdrein
sind sehnsuchthauchend deine nacht.
Rückert ges. ged. 2, 444.


 
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sehnsuchtheisz, adj.: sehnsuchtheiszer mund. Wagner bei Campe.
 
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sehnsüchtig, adj.: meine augen sehen sehnsüchtig nach einem troste umher. Dusch bei Adelung; sehnsüchtiges herz,

[Bd. 16, Sp. 158]


sehnsüchtige augen; sehnsüchtig etwas erwarten und ähnl.; freier: dort war, wie ich heranwuchs, mein liebster, zwar nicht trauriger, aber doch sehnsüchtiger aufenthalt. Göthe 24, 15.
 
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sehnsuchtnasz, n.:

lächelst in das sehnsuchtnasz, in dem die augen schwimmen.
Rückert ges. ged. 2, 460.


 
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sehnsuchtpein, f.:

und wenn die liebe
mir würd' und bliebe
nur eine lange sehnsuchtpein.
Hoffmann v. Fallersleben mein leben 6, 175.

vgl. sehnsuchtspein.
 
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sehnsuchtsach, n.:

und mit schaurig
bangem halle
ächzt der forst
ein sehnsuchtsach
den geflohnen
schützern nach.
Ludwig 1, 45.