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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
segelzunge bis segendlich (Bd. 16, Sp. 100 bis 110)
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[Bd. 16, Sp. 100]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) segelzunge, f. segelstreifen, der spitz zuläuft. Jacobsson 4, 116a.
 
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segen, m. benedictio.
I. formales. das wort hat seinen ursprung im lateinischen und ist mit der einführung des christenthums erwachsen. schon Adelung vermutet, einem hinweis Wachters (gloss. 1500) folgend, dasz es auf lat. signum zurückgehe und eigentlich das signum crucis bezeichne, das mit der hand gemachte kreuzeszeichen als christliches schutz- und weihemittel (s. unten II, 1), und ebenso wird es gramm. 13, 149 gefaszt. aber selbst in ahd. zeit zeigt das wort nicht das geschlecht des lat. signum; ahd. segan läszt sich nur als m. (mit flexion nach der a-declination) erweisen. Graff 6, 146, und die nebenform segin, die allein in der folgenden stelle flectiert bezeugt ist, scheint da den weiblichen abstracten auf -î, -în zu folgen:

(die Samariterin am brunnen spricht:)
bî then gidougnen seginînso thunkit mih, theiʒ megi sîn (dasz er Christus wäre).
Otfrid 2, 14, 91.

überdies hat segin hier vermutlich die allgemeinere bedeutung 'zeichen'. die form erscheint nur an dieser stelle bei Otfrid, der sonst immer segan, gen. seganes (segones), segenes gebraucht. sonst glossiert allerdings segin auch benedictio (bei Notker, vgl. Graff 6, 146). hier paszt aber anscheinend nur die allgemeinere bedeutung, die für segan nirgend zu erweisen ist, ihre entsprechung jedoch im ags. hat (s. unten). auch mhd. ist keine neutrale form bezeugt. neben dem regelmäszigen masc. segen, contrahiert sein: do zoch her (der heilige Ludwig vor seinem kreuzzug) in di clostir unde gotishuser, in hern closter unde ouch in frouwen closter siner lande, unde nam von on den sein unde benedictien unde bevalch sich demuticlich in or gebet. leben des heil. Ludwig 54, 22, mrhein. sain:

dus gaf da manlich sînen sain
unde geingen heim zo lande jain.
Hagen kölnische chron. in den deutschen städtechron. 12, 136, 4013,

verkürzt sege:

verlêse aver ich den sege,
dat mir mîn strît so missedege,
so môʒ ich hî gefangen sîn.
Berthold v. Holle Crane 3303,

findet sich nur ein fem. segene:

von dîner (des heil. Nicolaus) segene môse irwenden
allirslachte siechtûm. litanei bei
Maasmann ged. des 12. jh. 55, 917,

contrahiert seine.

haldet cristenlîch geboit
ind nemant den gewâren got,
so komet over ûch gemeyne
syne heylge segene (der reim erfordert seine). Karl Meinet 399, 2.

nhd. begegnet nur das masc. segen, früher auch geschrieben sägen Brant narrensch. 65, 47 (die stelle s. unter II, 6), seegen Steinbach 2, 559. Schiller räuber 5, 2 (die stelle s. unter II, 3), das in älterer zeit wol verküzt wird zu seg: und ist jr (der juden) flch nichts dann ein seg der christen. Franck weltb. 151a;

durch gottes seg zunemb und wachsz
sein ehr und gut, verspricht Hans Sachs.
H. Sachs 17, 268, 5 Keller-Götze,

auch in heutigen mundarten noch contrahiert erscheint, so rheinfränkisch sæn Frommanns zeitschr. 3, 272, 27 und mundartlich bisweilen nach analogie von mond, jemand, niemand u. s. f. um ein auslautendes t verlängert wird, segent. Zingerle 50b. — die abweichung im geschlecht erschwert die unmittelbare anknüpfung des worts an lat. signum. Blumer z. geschlechtswandel d. lehn- und fremdwörter im hochd. (1890) 62 will das masc. durch einflusz sinnverwandter wörter wie zouber, das fem. durch irrthümliche auffassung der pluralform signa als fem. oder durch einflusz des verbs erklären. Franck etym. wb. 1199 denkt an vermittlung durch eine romanische form auf -o, die als masc. oder neutr. aufgefaszt werden konnte. einflusz des verbs läszt sich auch für das masc. annehmen, sodasz das wort als eine art selbständiger neubildung zu dem aus dem lat. entlehnten segnen, signare (cruce) anzusehen wäre. für diese annahme scheint zu sprechen, dasz im alts. wol das verb, aber nicht die entsprechung des hd. segen bezeugt ist, die selbst für das mnd. bei Schiller-Lübben nicht geboten wird (nnd. segen, sägen Dähnert 420b. Woeste 234b. Schambach 189a. ten Doornkaat Koolman 3, 168b, verkürzt seg, s. unten 8), doch aber wol da schon vorhanden ist (vgl. mndl. seghen, nndl. zeghen —), dasz altnord. neben dem entsprechenden verb nur ein fem. signan begegnet Fritzner2 3, 235b (heute statt dessen schwed. välsignelse, dän. velsignelse). ags. segn, segen hat die allgemeinere bedeutung von lat. signum, zeichen, feldzeichen, begegnet auch als neutr., daneben allerdings als masc.

[Bd. 16, Sp. 101]


Bosworth-Toller 857a, ist also wol unmittelbar aus signum entlehnt. es geht später auf in der aus dem altfranz. übernommenen, gleichfalls auf signum zurückgehenden form sign. das entsprechende verb ist ags. im sinne von 'segnen' bezeugt. im heutigen engl. gilt für 'segen' besonders blessing. vgl. das verb. segnen.
II. bedeutung und gebrauch.
1) das kreuzeszeichen, die andeutung des passionskreuzes durch bewegung der hand, wovon nach obigem bei der bedeutungsgeschichte des worts auszugehen ist, gilt seit alter christlicher zeit als schutz- und weihemittel. eine anrufung gottes, Christi pflegte es zu begleiten. die mittelalterliche kirche brachte dies symbol zu reichster verwendung, wie aus der folgenden, der entstehung des worts zeitlich nahen stelle erhellt: hoc enim signo crucis consecratur corpus dominicum, sanctificatur fons baptismatis, initiantur presbyteri et caeteri gradus ecclesiastici, et omnia quaecunque sanctificantur hoc signo dominicae crucis cum invocatione Christi nominis consecrantur. Alcuin bei Wachter 1500. segen als kreuzeszeichen tritt deutlich hervor in der folgenden stelle:

als er gesprach dô sîn gebet,
vür sich ers kriuzes segen tet.
Lamprecht v. Regensburg Franc. leben 3348,

ebenso in den neueren wendungen den segen machen Adelung, den segen schlagen Frommanns zeitschr. 6, 280, 43 (rheinfränk.).
2) als symbolische handlung der katholischen kirche, die schutz, weihe bezweckt, wird der segen natürlich am wirksamsten von den dienern der kirche, in erster linie von dem statthalter Christi auf erden, dem pabst geübt: da (in Constanz zur zeit des concils, wenn der pabst den segen ertheilte) was so vil volks, die des segen wartotend, das sy [in] ainer gantzen stund kum ab dem hof komen mochten, nach dem und der segen beschach. Richenthal Const. concil 42; das einer den bapst nimmer ohn ein zwenfingerigen herrgottsseligen segen sihet. Garg. 57b. der kirchliche vorgang hat inhaltlich sein vorbild bei den juden des alten testaments, wo der priester auch unter anrufung gottes schutz, weihe spendet. auch das wird nun als segen bezeichnet: wo jrs (ihr priester) nicht höret, noch zu hertzen nemen werdet, das jr meinem namen die ehre gebt, spricht der herr Zebaoth, so werde ich den fluch unter euch schicken, und ewr segen verfluchen. Maleachi 2, 2. ebenso gebrauchen es die protestantischen kirchen von den entsprechenden handlungen ihrer priester, auch wenn sie dabei, wie die reformirten, sich nicht des kreuzeszeichens bedienen. es heiszt vom priester er giebt, ertheilt, spendet den segen: nu möchte etliche wundern, wie der baupst dem volk den segen gab. Richenthal Const. conc. 58; (der patriarch Johannes von Antiochia) gab dem volk den segen. 82; den segen geben mit dem h. sacrament. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 735c;

eʒ sul got misse zemen,
daʒ wir der misse vernemen,
die wir so nicht sehen leben
noch den segen so rechte geben,
als si von rechte solden. von des todes gehügde bei
Massmann deutsche ged. des 12. jahrh. 345, 174.

auch mit betonung der begleitenden worte den segen sprechen, als priester. Frisch 2, 255b. der gläubige empfängt, in älterer sprache auch nimmt den segen:

dô daʒ ambet wart getân,
daʒ si den segen enpfiengen.
Pleier Garel 9836;

dô si genâmen den segen
und bereit wârn,
die da mit in solden varn,
die wurden ouch bereit.
Ottokar 43624 Seemüller.

die kirche verwendet den segen bei den verschiedensten anlässen, immer aber als weihe-, schutzmittel. so in bezug auf personen am schlusse der messe, überhaupt jeder gottesdienstlichen handlung: ist aber daʒ er (der trinker beim gottesdienst) blîbet unze man den segen gît, sô wirt im ofte unde dicke sô gâch, daʒ er niemer gar volle gestêt unze man den segen gar volle getuot, wan daʒ im der segen hinden an den nak wirt. Berth. v. Regensburg 1, 273, 5; he gink vör den segen weg, blieb nicht bis zum ende des gottesdienstes in der kirche. Dähnert 420b. daher wol die in älteren quellen begegnende wendung des segens, den segen nicht erwarten, warten, das ende, das äuszerste, die entscheidung nicht abwarten: der patriarch (der nicht kommt um sich zu verantworten) wolt des segens nit erwarten. Aventin 2, 169, 8;

es waren fünff an unser drey.
botz Velten wir wern unterglegen,
drumb wolt wir warten nit den segen
und gaben gen holtz versen gelt.
H. Sachs 3 (1561), 1, 261a.

[Bd. 16, Sp. 102]


der kirchliche segen wird bei jedem wichtigen schritt im leben des gläubigen gespendet:

man begund sîn kristenlîche pflegn
und sprach ob im den toufes segn.
Wolfram Parz. 818, 14;

dô in (den brautleuten) der segen wart getân,
küssende er si (der gatte die gattin) umbe vie.
Wirnt v. Gravenberg Wigalois 1015;

einem den letzten segen geben, commendare animam alicuius in manus dei. Stieler 1669, bei besonderen anlässen, kriegszügen, reisen, mit der messe:

des morgens dô der tac ûfbrach,
dô was der künic (der einen kriegszug unternehmen will) ûfgestân.
der küniginne kapellân
sprach ein harte schœneʒ ampt:
dô er den segen enphie, zehant
gie er ûf den palas.
Pleier Garel 10693.

wie der priester selbst durch den ihm gespendeten segen zu seinem amte geweiht wird, so weiht er auch andere dadurch zu besonderem amt, so der pabst den kaiser:

nû het den keiserlîchen segen
der keiser enpfangen und der wîhe regen,
als man ze keiser künege wîhen solde. Lohengr. 6480.

aber auch gegenstände werden so von der kirche geweiht, zu kirchlichen zwecken benutzte, und andere, für die gottes schutz gewünscht wird, so das schwert des ritters:

sus manec grâve unt vrîe enpfie (am schlusse der messe)
swertes segen. Lohengrin 2415.

swertes segen, die weihung seines schwerts, musz der ritter ehren, zu erhalten suchen:

pflîk schiltes amptes schône und êre swertes segen. minnes. 2, 381b Hagen;

swâ man dich, helt, erkunne,
dâ soltu solhes rehtes pflegen,
daʒ dû behaltest swertes segen.
Frauenlob 91, 14.


3) aber nicht nur der priester, jeder gläubige darf auch nach der anschauung der mittelalterlichen kirche das kreuzeszeichen unter anrufung gottes, Christi zu schutz und weihe anwenden. so erklärt sich leicht die verwendung von segen im allgemeinen sinne eines heilswunsches unter anrufung gottes, als gegensatz zu fluch, meist mit bezug auf andere personen. beim abschied, besonders in älterer sprache, einem den, einen, sînen segen geben, bieten, tuon, den segen über einen tuon u. ähnl., heute meist mit geringerer feierlichkeit geübt und darum anders ausgedrückt:

(Pharao zu Moses und Aaron:)
mit iu nemet iur veheswaʒ iu got habe gegeben,
ir tt mir etlichen segendaʒ ich lange müeʒe leben. exodus 156, 2 Diemer;

dô er von dem hove schiet,
dô trôste er nôtige diet
die sînes guotes ruochten, ...
also daʒs einen gmeinen segen
mit triuwen tâten über den degen,
daʒ got sîner êren wielte
und im die sêle behielte.
Hartmann v. Aue Erec 9986;

'vriunt', sprâchen si, 'got gebe dir heil
und müeʒe dînes lîbes phlegen!'
hie mite sô butens im alle ir segen
und kêrten iesâ wider dan.
Gottfried v. Straszburg Trist. 2478;

hie mite bôt er in sînen segen.
sîn schiffelîn daʒ stieʒ er dan
und vuor in gotes namen dan. 6788;

die porten dô ûf tâten
des wirtes gesinde.
von den alten zuo dem kinde
wart hern Gâwein dem degen
mit wunsche gegeben der segen,
daʒ in got bewarte.
Heinrich v. d. Türlin krone 7414;

mit manigem segen si hin riten,
der in mit triwen wart getân.
'got lâʒ iuch guot geverte hân',
sprach dô man unde wîp,
'und friste enkern werden lîp'.
Ottokar 1440,

'nu gib mir deinen segen,
ich mag nit mer geresten'.
er sprach: 'got mus dein pflegen'. minnefalkner 165, 1.

urloubes segen:

er enphie den urloubes segen,
und kêrte danne zehant.
Stricker Amis 910.

scheidenden rittern, zumal wenn sie zum kampf ausziehen, geben frauen ihren segen:

nu fuor er ûf des meres fluot
mit maneger vrowen segene.
Ulrich v. Zazikhoven Lanz. 381;

[Bd. 16, Sp. 103]



nu bevalch in diu guote (deren geliebten Erec retten will)
mit worten und mit muote
in unsers herren gewalt.
ir gebet wart vil manecvalt
und getriuwelîch der segen
den siu tete über den degen.
Hartmann v. Aue Erec 5376;

Sgoidamûr diu wolgetân
tet im nâch vil manegen segen.
Heinrich v. d. Türlin krone 12911;

von der frouwen lobesam
wart dô über in getân
vil der guoten segene,
ze helfe dem degene.
si sprach 'got müeʒe dîn phlegen
daʒ du behaltest dîn leben'. Laurin 1317;

im mohte an sælden wol gefromen
manec reiner segen, den im bôt
vil manic mündel rôt.
Pleier Garel 5325;

die vrouwen gâben im manegen segen
und bâten got durch sînen tôt,
daʒ er im hulfe von der nôt. 8119.

segen zum abschiede von einem toten:

doch wolten sie nu scheiden von dem sarche die alten und die jungen
mit manigem sûʒʒen wort und reinem segene. jüng. Titurel 1012, 3.

für neuvermählte:

die kiuschen und die clâren
vrouwen, die dâ wâren
mit ir in der keminâten,
iren segen ouch si tâten
über sie und giengen hin vür.
Heinrich v. Freiberg Trist. 679.

für besonders wirksam gilt unter den segen, die laien spenden, den christen wie den juden des alten testaments der segen der eltern, eltern- sive vater- & muttersegen, benedictio parentum, paternum et maternum votum. Stieler 1669: als nu Isaac volendet hatte den segen uber Jacob. 1 Mos. 27, 30; dein bruder ist komen mit list, und hat deinen segen hin weg (Jacob den Esau zukommenden segen des erstgeborenen). 35; ehre vater und mutter, mit that, mit worten und gedult, auff das jr segen uber dich kome. denn des vaters segen bawet den kindern heuser, aber der mutter fluch reisset sie nider. Syrach 3, 10. 11; als der ertz-vater Isaac, seinem sohne Jacob (in meinung es wehre Esau) den segen mitteilete, sprach er: gott gebe dir vom taue des himmels, und von der fettigkeit der erden. Butschky Pathmos 555; wenn ich jezt seinen (räuber Moor des alten Moors) seegen weghaschte — haschte wie ein dieb, und mich davonschlich mit der göttlichen beute — vaterseegen sagt man, geht niemals verloren. Schiller räuber schauspiel 5, 2; pluralisch: die segen deines vaters gehen (wirken) stercker denn die segen meiner voreltern. 1 Mos. 49, 26; nun sind im seine segen fast hinder sich gangen mit seinem erstgebornen sun Sigmunden, der im barfüssercloster das crucifix hat zerprochen und darnach ain sodomit ist worden und mit disem Jeronimo. d. städtechron. 23, 310, 9. segen als dank: wer korn inhelt, dem fluchen die leute, aber segen kompt uber den, so es verkeufft. spr. Sal. 11, 26. über die büste eines, dem er gelten soll, gesprochen: spreche manchmal einen seegen auf meine büste, dasz ich auch das geniese. Göthe briefe 5, 123 Weim. ausgabe. unpersönlichem gespendet:

er (der wirt) tet den stîgen und den wegen
manegen güetlîchen segen,
die mich gewîset heten dar.
Hartmann v. Aue Iwein 358.


4) meist geht segen als heilswunsch unter anrufung gottes nicht auf die person dessen, der ihn spendet, doch erscheint das wort auch im allgemeineren sinn einer fürbitte bei gott, auch sofern sie die eigene person allein angeht oder mit umfaszt, wie 'gebet' überhaupt also:

ich erwache niemer, eʒ ensî mîn êrste segen,
daʒ got ir êren müeʒe pflegen. minnes. 1, 322a Hagen;

disen segen tete si vür sich (ein gebet für das gelingen eines vorhabens).
Hartmann v. Aue Iwein 5987;

morgensegen, matutina precatio. Stieler 1669, abendsegen, benedictio vespertina. ebenda, reise-, wander-, tischsegen. Adelung (als oberdeutsch bezeichnet), als tischgebet auch in den folgenden stellen:

zum letsten sprech man doch den segen.
Brant narrensch. 110a, 210;

er stand schon mitten aus dem fieber auf
und sprach den segen zähneklappernd her (vor dem essen).
Hebbel 1 (1891), 146.

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5) die eigenart des wortes im sinne von heilswunsch verblaszt, indem die beziehung auf gott schwindet:

'sey fleiszig, sohn, und werd ein braver mann!'
das ist der väter erster segen,
und er umfaszt, was, auf den lebenswegen,
der beste freund dem andern wünschen kann.
Gotter 1, 251.

daher dann: den segen über etwas sprechen, etwas billigen. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 735c, ebenso seinen segen wozu geben: Utrecht hat gepflanzt, Löuen gewässert, der keyser den segen und das aufnemmen darzu geben. Zinkgref 1, 128; meinen segen hat er dazu; mit eines segen etwas thun: mit seiner eltern segen, id est erlaubnis, reisen, sich heuraten. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 735c, ohne eines segen. ebenda.
6) bei der schützenden, heiligenden wirkung, die nach kirchlicher auffassung dem feierlichen segen innewohnt, ist es natürlich, dasz er auch auszerhalb des eigentlich kirchlichen gebiets verwendet wird zur hervorbringung übernatürlicher wirkung solcher art. er löst da die altgermanischen zaubersprüche ab, die auf die alten götter bezug haben, und genieszt zunächst in gewissem umfange der billigung der kirche. dann aber, in dem masze, wie sich heidnisches wesen damit verquickt, bekämpft die kirche diesen brauch schärfer. vgl. E. H. Meyer myth. 23. so wird segen denn auch die bezeichnung von formeln im auszerkirchlichen gebrauch, christlicher und nicht christlicher art, denen eine übernatürliche wirkung, und zwar meist schützender, heilsamer art, zugeschrieben wird, also nicht nur 'zauber-, beschwörungsformel, wobei das zeichen des kreuzes gemiszbraucht wird' Adelung, sondern auch allgemeiner pro incantamento et adjuratione magica. Stieler 1669:

kan ab ieman einen segen
der für zouber wære guot?
wolte ein wîser mich den lêren!
Haupts Neidhart 240;

si (landstreicher) kunnen sagen vom vinstern sternen
und tuond die lüt segen lernen
für den donder und den hagel. des teufels netz 6367;

und des glych ungloub allerley
mit worsagen, und vogelgeschrey
mit caracter, sägen, treümerbch.
Brant narrenschiff 65, 47;

die zung lehrt superstition,
die zung verfürt den gmeynen man,
die zung braucht zauberey und segen.
H. Sachs 1 (1558), 302a;

noch hielt ichs (ein wunderliches thier) für ein gspenst allwegn.
ich bschwur es mit eim guten segn,
du seist ein thier, gaist oder gspenst,
gebeut ich dir das du dich nennst. 534b;

wen augenweh und zanweh krencken,
dem könn wir ein segn an hals hencken. 2, 199, 174 Arnold;

wer daʒ kraut nimpt daʒ sunnenwerbel haiʒt oder ringelkraut und legt eʒ under den stain (elitropius) und beswert eʒ mit ainem segen, der dar zuo gehœrt, so maht der stain den menschen unsihtig. Megenberg 446, 1; er (Salomo) mahte menigen segen domit men die bösen geiste us den menschen vertreip, wan vor gotz gebürte und lyden hettent die bösen geiste me gewaltes denne ignote. mit den selben segen vertreip men ouch meniger hande gebresten und siechtagen. d. städtechr. 8, 272, 4—6 (Königshofen); wer den segen all tag spricht, der sol daʒ sicherleichen gelauben, daʒ in chain waffen nicht verbunden mag .. vor allen meinen veinden sichtigen und unsichtigen gesegen mich der segen, den der priester tt mit unserm herrn über sein heiligeʒ plt, daʒ unserm herrn auʒ seinen heiligen fünf wunden wt (eine art reimformel, die klar die verwertung des kirchlichen brauchs zu anderem, von der kirche nicht vorgesehenem zwecke zeigt). quelle in der Germ. 20, 439; sölich segen (die über die falken bei der beize gesprochen wurden, dasz ihnen die adler nicht schadeten) sind von der hailigen kirchen verpoten. Mynsinger 33; wer brieve, zeichen, kreuter, wörter, segen und desgleichen gebraucht (miszbraucht den namen gottes, übertritt das erste gebot). Luther 1, 320b; hilff, das alle zauberey und falsche segen ab gethan werden. krit. ausgabe 6, 12, 29; letzstlich hat sie ain farender schueler ain gewissen segen darfür (gegen blitzgefahr) gelernt, mit der gewissen vertröstung, waverr sie zu anfangs ains ieden wetters oder das sich das gewülk zu aim wetter zusamen ziehe, solche segen sprechen, werde sie sicher sein. Zimm. chron. 12, 390, 21. 23; (Julius Cäsar) welcher, dieweil er einmal mit der gutschen ward uberworffen, darnach allzeit, wann er auffgesessen, treymal ein gewissen segen für das fallen unnd

[Bd. 16, Sp. 105]


werffen hat gsprochen, ungeacht, das er solche abergläubige sachen inn anderen fällen groszmütiglich hat wissen zu verspotten. Fischart übers. von Bodins daemonomagia 86a; auch sicht man, dasz die wörter unnd segen nimmermehr nicht zur würckung gereychen, es setz dann der mensch sein vertrawen darauff. alsdann so mischt sich der teuffel ins spiel .. unnd laszt es ein zeitlang für eine abgötterey durchgehen, bisz er die leut gar zu vollkommenen zauberern und hexenmeystern macht 86b. Stieler 1670 bietet die hierher gehörigen zusammensetzungen hexen- sive zaubersegen, devotio, praecantatio, feuersegen, imprecatio ignis, schlangensegen, exorcismus, wettersegen, exorcismus et ejuratio tempestatum, wundsegen, carmen Thessalicum, Cholchicum, vulnerarium, waffensegen, armorum devotio, todtensegen, necromantia, die sich leicht vermehren lassen. in scherzhafter übertragung: nit mag ich wissen, was er ir in die handt gab oder ihr verhiess, wie das liedt sprücht; er bracht sie mit ainem solichen heftigen segen ufs lotterbet. Zimm. chron.2 4, 10, 2.
7) der glaube an eine besondere kraft, die die kirche ihrem segen zuschreibt, geht zurück auf die alttestamentarische vorstellung, dasz gott das volk durch die priester segnet, die dann im christlichen sinne modificiert wird: da beten sie abermal, und namen den segen an von dem höhesten. Syrach 50, 23. vgl. auch 4 Mos. 6, 27. es ist also der segen gottes, des herrn, den der priester ertheilt: wenn er (der hohepriester) nu wider erab gieng (vom altar), so recket er seine hand aus, uber die gantzen gemeine der kinder Israel, und gab jnen den segen des herrn mit seinem munde. Syrach 50, 22; (heutige kirchliche formel bei ertheilung des segens:) empfanget nunmehr mit gläubigem herzen den segen des herrn;

wir hôrten iuch (den papst) der kristenheit gebieten,
wes wir dem keiser sollen pflegen,
dô ir im gâbent gotes segen,
daʒ wir in hieʒen hêrre und vor im knieten.
Walther 11, 10;

dô si enpfiengen den gotes segen (am schlusz des gottesdienstes).
Pleier Garel 10087.

so bittet denn auch der gläubige überhaupt gott um seinen segen:

sprich deinen milden segen
zu allen unsern wegen,
lasz groszen und auch kleinen
die gnadensonne scheinen.
P. Gerhardt 20, 41 Gödeke.

gottes segenswort ist schöpferisch. sein segen ist erfüllung menschlichen segens, ist schutz, gedeihen, von ihm gespendet. er wird in der bibel auch gefaszt als dienende kraft, über die gott gebietet: da wil ich meinem segen uber euch im sechsten jar gebieten, das er sol dreier jar getreide machen. 3 Mos. 25, 21. in den bitten erscheint es auch meist nicht als wort, wie in der obigen stelle Gerhardts, sondern als that, als wirkende kraft: gotes segen sî uber iuh. Notker ps. 128, 8; (Raguel) nam die hand der tochter, und schlug sie Tobie in die hand, und sprach, der gott Abraham, der gott Isaac, der gott Jacob, sey mit euch, und helffe euch zusamen, und gebe seinen segen reichlich uber euch. Tob. 7, 15; gott gebe uns seinen segen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 735c; gott gebe seinen segen dazu. Frisch 2, 255b;

ir frouwen die des toufes pflegn,
rüeft alle an got umb sînen segn.
Wolfram Parz. 574, 30;

lasz deinen segen auf mir ruhn.
Gellert 2 (1775), 141.

sich oder andere in gotes segen befehlen. Otfrid 4, 15, 62 (die stelle s. unten), geben, ergeben:

sô ergib ich iuch in gotes segn.
Hartmann v. Aue Iwein 5535;

er gab die tohter und den degen
in des hôhen gotes segen.
Heinr. v. Neustadt Apollonius 2439.

ähnlich:

dô daʒ her hatte gelegen
die nacht in unseres hêrren segen. livländ. reimchron. 3300.

unter dem segen und geleit gottes leben, reisen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 835c. durch gottes segen: weil ich .. e. e. unnd a. durch gottes segen an zeitlicher nahrung und leiblichen gütern dermassen geschaffen und begabet weisz, dasz sie meiner hierin nit bedürffen. Spies im Faustbuch 5 neudruck. den segen gottes spüren, geniessen, haben. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1762), 735c. mhd. auch der gotes segen, so in der oben angeführten stelle Pleier Garel 10087 und sonst:

[Bd. 16, Sp. 106]


guote naht geb iu der gotes segn.
Wolfram Parz. 279, 26;

sîn hüet aldâ der gotes segn. 494, 12;

(sie) ergâben mich dem gotes segen
daʒ er mîn solte pflegen.
Heinr. v. d. Türlin krone 22716.

kraft und wert, die gottes segen hat, werden gepriesen: der segen des herrn macht reich, on mühe. sprüche Sal. 10, 22; ein geitziger bemühet sich durch recht und unrecht reich zu werden: da doch des herrn segen von oben herab reich machet. Comenius sprachenthür (1657) 846; der segen des herrn machet reich an zeitlichen oder doch an geistlichen gütern, oder aber an beyden. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702) 735c. an gottes segen ist alles gelegen. Stieler 1669 und so bis heute sprichwörtlich. wo der segen gottes nicht ist, da hilfft kein glück. Petri 2 (1605) M mm 4a. den frommen, guten ist er gewiss: dîn segen ist uber dînen liut. Notker ps. 3, 9;

ob in so swebt der gotes segen,
der ir kan zallen zîten pflegen. lobgesang 3, 11;

der ist der mensch, den gottes gnad
selbs laittend auf der warheit pfad
mit seinem seegen will bereichen.
Weckherlin 103;

mit derbsinnlichem ausdruck:

kanst du, so gif, gif mit plesêr,
gods segen löpt d'r achter hêr.
ten Doornkaat Koolman 3, 168b;

es ist blasphemie, wenn der ruchlose Spiegelberg sagt: du glaubst nicht, gottes sichtbarer seegen ist bey mir. Schiller räuber schauspiel 2, 3. durch sündhaftigkeit wird er mit füszen getreten: hierdurch (durch fluchen) wird die genade und der segen gottes, und das blut des herrn Jesu, mit füszen getreten. Butschky Pathm. 143. pluralisch:

then got wîhan nantainti hera in worolt santa,
gab sîne segenâ allein inan filu folle.
Otfrid 3, 22, 56;

ûf zi himile er (Christus) tho sahjoh selben gotes lob sprah,
bifalah tho thie theganâin sînes fater seganâ. 4, 15, 62;

die segen gottes,
die deine jugend überströmten, fleht er
auf dich herab.
Klopstock 9, 71.

statt gottes segen heiszt es auch des himmels segen:

sing, bet, und geh auf gottes wegen,
verricht das deine nur getreu,
und trau des himmels reichem segen,
so wird er bey dir werden neu.
Neumark trostlied (wer nur den lieben gott läszt walten) 7.

gleichbedeutend damit weiter Christi segen:

wie schön ists doch, herr Jesu Christ,
im stande, da dein segen ist,
im stande heilger ehe!
P. Gerhardt 302, 3 Gödeke.

pluralisch:

mit selben Kristes segenônwil ih hiar nu redinôn
in einem livol suntarthiu seltsânun wuntar
fon themo wuntarlîche,thiu er deta hiar in rîche,
unz er was hiar in woroltî.
Otfrid 3, 1, 1.

daran schlieszt sich die der unter 2 besprochenen anwendung näher stehende verbindung sanct Johannes segen, wo das wort auch schutz bedeutet, aber doch nur ein schutz gemeint ist, den der heilige durch fürbitte bei gott gewährt:

ich wünsch dir sant Johannes segen. minnes. 3, 468u.a..

man trinkt sanct Johannis segen, besonders zum abschied, und zwar feierlich mit kirchlichem ceremoniell und sonst. vgl. DWB Johannes oben theil 4, 2, 2333: und nach der mess, do gab er (der pabst) inn (rittern und herren) allen den segen und hiesz inn ze trinken geben st. Johanns segen usz ainem vast groszen kelch, der was der herren zm thmb. Richenthal Const. conc. 42;

sy sprach 'gesell got müsz din pflegen,
trinck vor (bevor du gehst) sant Johans segen'. liedersaal 2, 262, 1798 Laszberg.

heute noch gilt landschaftlich Johannis segen als abschiedstrunk, liebestrunk bei hochzeiten. Lexer kärnt. wb. 230. auch in den folgenden verbindungen steht segen der genannten anwendung näher: ich weis aber, wenn ich zu euch komme, das ich mit vollem segen des evangelij Christi komen werde. Römer 15, 29;

signaculum crucis.
gib, druhtîn, segan sînanin lîchamon mînan,
joh theiʒ io hiar in lîbemînerâ sêlâ klîbe!
sî, druhtîn, io ther segan sînin allen anahalbon mîn,
thaʒ fîant io zi wâremîn wergin ni gifâre.
Otfrid 5, 3, 1.

pluralisch:

mit thi iu sî ih io bifanganjoh fianton ingangan,
bifolahan sînên seganônjoh allên gotes theganôn. 18.

[Bd. 16, Sp. 107]


in verblasztem sinne kann es dann in genetivverbindungen erscheinen wie 'wohlthätiger einflusz': den segen dieser einrichtung wird man schon spüren.
8) aber auch auszerhalb der erwähnten verbindungen, gottes segen, Christi segen u. s. w. kann das wort dasselbe oder ähnliches bedeuten wie da, gedeihen, förderung, glück, heil, zunächst mit bezug auf gott als spender, aber auch allgemeiner: der sô getâno infâhet segen fone gote. Notker ps. 23, 5; kehalt truhten dînen liut unde tuo segen dînemo erbe. 27, 9; der (gute) wird den segen vom herrn empfahen. ps. 24, 5; zu der zeit wird Israel selb dritte sein mit den Egyptern und Assyrern, durch den segen so auff erden sein wird. denn der herr Zebaoth, wird sie segenen. Jes. 19, 24; wer den herrn fürchtet, dem wirds wohlgehen in der letzten not, und wird endlich den segen behalten. Syrach 1, 13; gott hat mir den segen dazu gegeben, das ich meine kelter auch vol gemachet habe, wie im vollen herbst. 33, 17; den segen darvon tragen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 735c; mit segen erfüllen, überschütten. ebenda; es ist kein segen darbey. ebenda; keinen segen haben. ebenda; der besuch von Berliner freunden, staatsrath Hufeland und Langermann, Varnhagen von Ense blieb mir, wie die frommen sich auszudrücken gewohnt sind, nicht ohne segen. Göthe 32, 135; das bringt keinen segen; es ist ein wahrer segen, dasz es so gekommen ist;

auff diesz sey froh (o mensch), dasz da du warst verfluchet,
dein heyland dir den seegen hat gesuchet.
P. Fleming 286;

der geist, den gott vom himmel giebt,
der leitet alles, was ihn liebt,
auf wolgebähnten wegen;
er setzt und richtet unsern fusz,
dasz er nicht anders treten musz,
als wo man findt den segen.
P. Gerhardt 174, 60 Gödeke;

dein (gottes) thun ist lauter segen,
dein gang ist lauter licht. 186, 27;

er folgete
stets dessen (des vaters) lehren. segen kam
auf ihn. sein langes leben dünkt'
auch ihm ein frühlingstag zu seyn.
E. v. Kleist 1, 82;

von der stirne heisz
rinnen musz der schweisz,
soll das werk den meister loben;
doch der segen kommt von oben.
Schiller 11, 305;

ach, vater mein (Tell), gott mit uns hält,
der apfel von dem scheitel fällt,
gott hatt den segen geben. wunderhorn 1, 61 Boxberger;

gutes mädchen, armes kind,
klage, dulde, leide, stirb!
dir kann nimmer segen werden,
für dich gibts kein glück auf erden.
Grillparzer (1887) 3, 100;

wenn ich im gebete kniete
und des dankes gegenstand ..
lebensschenker, vater nannte,
segen auf ihn niederflehte. 117;

sprichwörtlich: des andern segen ist dem neidischen ein degen. Simrock 446, 9446. im segen, gesegnet von gott, beglückt, gedeihlich; sîn samo weret in segene. Notker ps. 36, 26; das gedechtniss der gerechten bleibt im segen, aber der gottlosen namen wird verwesen. sprüche Sal. 10, 7; er ruhet im seegen, bene quiescit. Steinbach 2, 559; er lebt im segen, feliciter et fortunate vivit. Frisch 2, 255b; abgeschwächt, wie: wohl, reichlich; wer da kerglich seet, der wird auch kerglich erndten, und wer da seet im segen, der wird auch erndten im segen. 2 Cor. 9, 6. verbunden erscheinen segen und leben: daselbs verheisst der herr segen und leben jmer und ewiglich. ps. 133, 3, auch in umgekehrter reihenfolge: er (gott) ist ein gewaltiger schutz, .. und gibt gesundheit leben und segen. Syrach 34, 20, weiter die reimwörter regen und segen: regen und segen kommt vom herrn. Simrock 391. 8286, umgekehrt, mit possessiv (s. 7): bei welchem bauw gott seinen segen und regen nicht geben wolt. Reiszner Jerus. 2, 90b, nd. seg und deg: dat het nich seg orer deg mit em. korrespondenzbl. des vereins f. nd. sprachforschung 14, 20b, 94, allitterierend sieg und segen:

sieg und segen! fest und glorie!
paukenhall! trompetenschmettern!
Immermann 12, 91 Boxberger.

häufig glück und segen: einem glück und segen wünschen; dor is nich glück orer segen in'n hus. nd. korrespondenzblatt 14, 20b, 91. pluralisch: gott ist ein vergelter dessen, was man den armen thut, ... auch wird er am jüngsten tage solches öffentlich rühmen und sagen: ich bin hungrig gewesen etc. und solches mit vielen tausend segen vergelten.

[Bd. 16, Sp. 108]


Sperling Nicodemus quaerens 2 (1719), 322; einem tausend segen anwünschen. Kramer deutsch - ital. dict. (2 (1702), 735c. vereinzelnd, näher bestimmt: wanda du gefrumest in in êwigen segen. Notker ps. 20, 7; wer weis, es mag jn (gott) widerumb gerewen (zu strafen) und einen segen hinder sich lassen Joel 2, 14; das du und deine kinder den segen erlangest, der dem namen Abraham zugesagt ist. Tob. 6, 23; wie dann dieser segen durch die gantz bibel hinausz auff den kindern, lini und nachkommen Cains schwebt, dʒ sie der welt herrschaft, sig, glück, segen und reichthumb haben. Franck kriegbuch des fr. 105b;

(beim jüngsten gericht sieht man)
manege housfroun unde wirt,
den dâ der sælden segen wirt.
Heinr. v. Neustadt gotes zuokunft 7439.

gnomisch: an welchem ort gott einem menschen einen segen hinlegt da musz er ihn suchen und finden. Lehmann 104.
9) im anschlusz daran bezeichnet das wort dann auch die folgen, die zeichen des wohlthätigen göttlichen wirkens und weiter des gedeihens überhaupt: gelobet sey gott und der vater unsers herrn Jhesu Christi, der uns gesegenet hat mit allerley geistlichem segen, in himlischen gütern, durch Christum. Ephes. 1, 3. gern in bezug auf kinder, zunächst als geschenk gottes: eine andere habe nur auf ihres abwesenden mannes gesundheit getruncken, und alsobald hätte sie den segen ihres leibes empfunden. Weise erzn. 18 neudr.; kinder sind ein segen gottes. Campe. ehesegen, liberi, pignora amoris conjugalis. Stieler 1669. in scherzhafter zusammenstellung mit allgemeinerer bedeutung des worts:

das glücke, theures paar, sey zinsbar eurem willen,
und müsz euch haus und hof mit heil und segen füllen;
mit segen, der da bleibt, wenn alle zeit verlaufft,
mit segen, den man da erst nennt, wenn man jhn taufft.
Logau 1, 59, 39.

in allgemeinerem sinne, aber im wortspiel mit der entsprechenden bedeutung des verbs: dann und wann gehört es unter die unerkannten seegen der ehe, wenn sie nicht geseegnet ist. Lessing 11, 748. gern weiter in bezug auf das wohlthätige wirken gottes in der natur, die zeichen ihres gedeihens: der liebe gott hat uns heur einen schönen segen sehen lassen auf den feldern. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 736a; ihn entzückt jede schönheit des wechselnden jahres, jeder segen der natur. Geszner bei Adelung; die bäume brechen fast unter ihrem seegen. Schiller räuber schauspiel 3, 2; segen des Mansfelder bergbaus, umschrift auf thalern, die aus dort gewonnenem silber geprägt sind;

die würze der natur, der länder reichster segen,
beut selbst dem volk sich an und strömet uns entgegen.
Haller 39, 429 Hirzel;

drum schafft gott, dasz sich der regen
durch die lufft nur tröpfelnd drengt,
dasz des himmels feuchter segen
jedes gras und kraut besprengt.
Brockes 1 (1739), 168;

weiszt du, .. wie das kind nach dem regenbogen emporgriff,
und mich küszte: papa! da regnet es blumen vom himmel!
streut die der liebe gott, damit wir kinder sie sammeln?
ja, vollblühende segen und himmlische streuet der vater,
welcher den bogen der huld ausspannete: blumen und früchte!
Voss 1, 43 (Luise 1, 320);

aus der wolke
quillt der segen,
strömt der regen.
Schiller 11, 310;

wann schon der schnitter fleisz in vollen schwaden
des sommers goldnen segen hingebreitet.
Uhland 435.

der jahrsegen, fructus et proventus annuus, kornsegen, frumentum, reditus ex agris, weinsegen, proventus vini. Stieler 1669. ähnlich vom ertrage des fischfangs: der segen von 9 schiffen, welche von der Weser nach Grönland ausgingen (zum walfisch- und robbenfang), ist theils auf lieferung, theils nach ankunft begeben. Weserzeitung 1854 nr. 3328, also, wie diese stelle zeigt, nicht nur in gehobener sprache. gottes segen auch wie fülle, reiche menge, nd. gades segen von gören (kindern), fisk. Dähnert 420b. so begegnet das wort auch sonst: für mich ist das (geld) plunder — aber dem mädel soll der segen bekommen. Schiller kab. 5, 6.
10) in biblischer sprache gilt segen gleichfalls für zeichen menschlichen wohlwollens, geschenke die ein mensch dem andern macht: (Jacob zu Esau) nim doch den segen von mir an, den ich dir zubracht habe. 1 Mos. 33, 11; sie sprach: gib mir einen segen ... da gab er ihr quelle oben und unten. Josua 15, 19; hie ist der segen, den deine magd, meinem herrn her gebracht hat, den gib den jünglingen die unter meinem herrn wandeln. 1 Sam. 25, 27; und da David gen Ziklag kam,

[Bd. 16, Sp. 109]


sandte er des raubs den eltesten in Juda seinen freunden, und sprach, sihe, da habt jr den segen aus dem raub der feinde des herrn. 30, 26; (Naeman zu Elisa, der ihn vom aussatz geheilt hat:) so nim nu den segen von deinem knecht. 2 kön. 5, 15.
11) im anschlusz an 9 wie quelle des heils, am deutlichsten von personen: (du, Abraham) solt ein segen sein .. in dir sollen gesegenet werden alle geschlechter auf erden. 1 Mos. 12, 2; du setzest jn (gott den könig) zum segen ewiglich. ps. 21, 7;

ich halte sie im ernst vor unsers hauses segen.
Hoffmannswaldau bei
Steinbach 2, 559.

so läszt sich auch der landschaftliche gebrauch des worts für monstranz, ciborium (Schöpf 665) erklären, der allerdings engere beziehung zur eigentlichen bedeutung des worts zeigt.
12) der begriff des schützenden, heilbringenden, der dem wort in der regel anhaftet, schlägt bisweilen ins gegentheil um. so indem gottes segen als kraft gottes gefaszt wird, die sich verderblich erweist für den bösen:

des velle sie der gotes segen!
Heinrich v. d. Türlin krone 16712.

gott wird sogar gebeten:

gib in dînes fluoches segen. quelle bei
Lexer mhd. handwb. 2, 848.

dann in ironischer anwendung: und gleich drauff gab er jhm den segen, das er die knie zum maul zog. Garg. 205b; als der letzte auch fliehen wolt, gab er im auch den segen mit seiner stangen, dasz er todt vor seinen augen lag. buch der liebe 356b;

darum dat se jo nicht keven,
most me on den seghen gheven (verbannten; sie dürfen der stadt nicht auf 20 meilen nahe kommen). d. städtechron. 16, 229, 4117;

wirstu denn irgendwo mit deinen freunden zechen,
sie (die gattin) wird nicht ferne seyn und dir den segen sprechen
zwo guter stunden lang: nun schwelger, nun wolauf!
bekomt es dir auch wol? sauf schelm, sauf betler sauf,
und morgen such das thor.
Rachel 10;

über dieser bemühung
traf mich Isegrim an, der längs dem ufer daher ging,
stand da droben und rief und fluchte grimmig herunter.
ja fürwahr ich erschrack den schönen segen zu hören.
Göthe 40, 194 (Rein. Fuchs, nach dem nd.: do he .. desse seghenynge sprack).


 
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segenallmacht, f.: (schätze) welche gott durch seine seegen-allmacht, unter der erden selbst wachsen und entstehen lässet. Simpl. 1, 446 Keller.
 
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segenbach, m., s. DWB segensbach.
 
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segenbar, adj. segen bringend, gebildet wie dankbar:

dem friedenreichen klange (der glocke)
bewegte sich das land und segenbar
ein frisches glück erschien.
Göthe 13, 169.


 
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segenbaum, m. juniperus sabina. Nemnich. Schm.2 2, 238. Höfer 3, 134. Schöpf 665, schon ahd. seginboum Graff 6, 283, aus der lat. bezeichnung sabina erwachsen (vergl. DWB sabenbaum oben theil 8, 1592), vielleicht unter anlegung an segen, benedictio. Abraham a S. Clara spielt mit dem wort, als ob es baum des segens hiesze: wie oft ist der ehestand ein wald, in welchem alles holz wachset, ausser der segenbaum nit. s. Schm. a. a. o.
 
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segenbeglückt, adj.:

o glückselig geborner und segenbeglückter (ὀλβιόδαιμον) Atreide,
welch ein unzähliges heer der jungen Achaier gehorcht dir!
Bürger 208b (Ilias 3, 182).


 
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segenbringen, n.: so auch jene steten schreier von congregationen, klöstern, missionen, nonnen, predigten, processionen u. s. w., die ihnen (reisenden) gar nichts in den weg legen, und ohne deren stilles segenbringen ihnen vielleicht der reisekoffer mit sammt dem tagebuche würde abgeschnitten werden. Brentano 4, 365.
 
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segenbrütend, part.: aus ihnen aber und der ganzen masse (dem mittelstande) haucht es mich wie der duft der aufgerissenen schwarzen ackerscholle im frühling an, und ich empfinde die hoffnung ewigen keimens, wachsens, gedeihens aus dem dunkeln, segenbrütenden schoosze. Immermann 1, 190 Boxberger (Münchh. 2, 10).
 
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segenbuch, n. buch, das beschwörungsformeln enthält (vgl. DWB segen, m. 6), mnd. zeghenbock:

dat zeghenbock wart hengeleyt
yo al na des gheystes arbeyt. d. städtechron. 16, 143, 1278 (Braunschweig, von 1488).

[Bd. 16, Sp. 110]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) segendlich, adj., dasselbe wie segenhaft. Stieler 1670.