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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
seeschlägel bis seeschwalm (Bd. 16, Sp. 69 bis 70)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) seeschlägel, m. der hammerfisch. Adelung.
 
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seeschlagg, m. eine art quallen, medusa aurita. Nemnich.
 
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seeschlamm, m., s. unter seehüttendorf. — dazu seeschlammschicht, f.: so eine seeschlammschichte von drei, vier und mehr fusz dicke, die braucht schrecklich lang, bis sie fertig ist. Vischer auch einer 1, 263.
 
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seeschlange, f.
1) im meere lebende schlange. Campe, vgl. Andersen oriental. reisebeschr. im reg. (wir haben allhier im meer eine grosse menge schlangen. 13b). — besonders ein fabelhaftes seeungethüm von riesigen dimensionen, das von zeit zu zeit in den zeitungen auftaucht nach berichten von reisenden, die sie gesehen haben wollen, dessen dasein jedoch immer noch mindestens als zweifelhaft gilt, vgl. Wander 4, 496 f.; nach Steger ergänzungsconversationslex. zuerst in der naturgeschichte Norwegens von Pontoppidan (1752) erwähnt: Bolz .. (liest in der zeitung) .. die grosze seeschlange gesehen. (aufspringend) alle wetter, kommt der wieder mit der alten seeschlange! ich wollte, sie würde ihm als gelee gekocht und er müszte sie kalt aufessen. Freytag dram. werke 2, 21 (journal. 1, 2); Bellmaus, als wir dir die ehre erwiesen, dich mit verfertigung der nippessachen für dieses blatt zu betrauen, da war die meinung nicht, dasz du die ewige grosze seeschlange durch die spalten unserer zeitung wälzen solltest! 22;

von der seeschlang' wüthigem kampf
auch hat man neues vernommen,
weisz der himmel, ob nicht per dampf
ins deutsche meer sie gekommen?
A. v. Droste-Hülshoff 1, 246.

daher auch sprichwörtlich von einer erlogenen oder zweifelhaften zeitungsnachricht überhaupt, ente, humbug: es heiszt, Deutschland, England und Oesterreich wollten ein zusammengehen verabreden, um die pläne Ruszlands im orient zu durchkreuzen; aber ich glaube, dasz mit dieser seeschlange humbug getrieben wird. schles. zeit. 1871, nr. 207 bei Wander 4, 497.
2) die röthliche seeschlange, der riemfisch, ein dem aal ähnlicher fisch, cepola rubescens. Nemnich.
3) eine art röhrenschnecken im indischen meere, auch seepfeife, serpula anguina. ebenda.
 
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seeschlosz, n. castello, forte di mare ò maritimo. Kramer diction. 2, 730b; meer- sive seeschlosz, castellum maritimum. Stieler 1841.
 
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seeschlund, m. gorgo, vortice, gorgoglio di mare. Kramer dict. 2, 730b; vortex, vorago, Scylla, Charybdis, qualis est vortex ad Norvegiam, appellatus nordschlund. Stieler 1853.
 
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seeschnecke, f., s. DWB meerschnecke (theil 6, 1858 f.). Campe: so fadenscheinig sein ergrauter und umfangreicher schädel war, reichten doch die langgezogenen silberfäden hin, ... auf der mitte der stirne eine fest in sich zusammengerollte seeschnecke zu bilden, die von keinem sturme aufgelöst wurde. Keller 7, 217.
 
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seeschnepfe, -schneppe, f. ein amerikanischer seefisch, vgl. öconom. lex.2 2700 und meerschnepfe, theil 6, 1859.
 
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seeschule, f. schule in der schiffskunst, navigationsschule, vgl. seeakademie (theil 9, 2821). Campe. dazu seeschüler, m. ebenda.
 
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seeschwalbe, f.
1) bezeichnung verschiedener vogelarten.
a) eine art langschwingiger wasservögel, auch meerschwalbe (s. theil 6, 1859). Nemnich; im einzelnen die kleine schwarze seeschwalbe, sterna fissipes und sterna nigra; (die gemeine) seeschwalbe, sterna hirundo (gewöhnlich seeschwalbe schlechthin); s. ebenda. vgl. ferner Behlen 5, 601 f.
b) nach Adelung wäre seeschwalbe oder (in dialektischer aussprache) seeschwalm, engl. sea-swallow, auch bezeichnung mehrerer möwenarten, so der weiszen, schwarzen, fischaarmöwe, des schwarz- und braunkopfes; Campe kennt seeschwalm für larus major capite rubro. Popowitsch 395 führt unter möve an: 13) die grosze seeschwalbe mit gespaltenem schwanze ... 14) die kleine schwarze seeschwalbe.
c) die meisten belege gestatten nicht, diese beiden verwandten vogelarten auseinanderzuhalten; zuweilen scheinen sie geradezu unter dieser bezeichnung zusammengefaszt zu werden: seeschwalbe, f. eine art mewen, welche ganz weisz und oben auf dem kopf schwarz ist, hat einen schwanz wie die hausschwalben, hirundo marina. Frisch 2, 253c; die see-schwalben sind zweyerley, wiewol von einer farbe, als silber-weisz, ausser dasz die eine art etwas grösser, und wie die endten dann und wann zu schwimmen pflegen, welches aber die

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andern kleinen nicht thun, sondern den gantzen tag, auf schwalben-art über denen seen und teichen herum schweben, und ihre nahrung vom gewürme des wassers suchen. Hohberg 3, 2, 323a (dafür im register seen-schwolle), ebenso öconom. lex.2 2700; von den see- oder meer-schwalben, sonst seemöven genannt. Döbel 1, 74, der eine ganz ähnliche beschreibung liefert; seeschwalbe oder meve, s. DWB schwalbe. Heppe wohlred. jäger 277b; eine menge von petrels oder sturmvögeln verschiedner art und see-schwalben (terns) waren uns .. gefolgt. Forster reise 1, 69; schwärme langbeschwingter möven und seeschwalben segeln darüber hin. Allmers marschenb. 112; möven und zierliche seeschwalben umschwärmen in schaaren die küsten. 121; auf den eisschollen, an welchen wir innerhalb der scheeren vorüber kamen, hatten sich grosze schwärme von seeschwalben zur ruhe begeben. Petermann ergänzungsh. 16, 52b;

wenn die seeschwalben auf sandbänke bauen,
kann man auf einen trockenen sommer trauen.
Wander 4, 497.


d) seeschwalbe, die, apus. Stieler nachsch. 26b.
e) seeschwal (der) merops palmipes. Maaler 369b; von einem anderen gschlächt dises vogels (des immenwolfs), seeschwalm genannt, merops alter. Geszner vogelb. von Heüszlin 161a, vgl. Adelung (2). Campe faszt beide aussprachen als verschiedne wörter und erklärt seeschwalbe für den bienenfrasz oder immenwolf, merops apiaster, und seeschwalm für eine unterart desselben.
2) eine art seefische mit groszen schwalbenflügelähnlichen flossen. Adelung, auch meerschwalbe, knurrhahn, trigla hirundo. Nemnich, vgl. ferner Oken 6, 179. öconom. lex.2 2700: seeschwalbe, ... it. eine art seefische, wird niemahl ein pfund schwer, und hat grosse flosz-federn, als schwalbenflügel. an der Ost-see heiszt er see-hahn. Frisch 2, 253c; nl. see-swaelue, hirundo marina: piscis qui vespertilionem magnitudine ac maculis alarum a[e]mulatur. Kilian.
3) das deminutiv seeschwälbchen übertragen als kosewort: indem er (der lehrer) deutete mit dem schwanken stäbchen — nach einem schlanken knäbchen, — rufend: du rehkälbchen, — du seeschwälbchen! (wol nur des reimes wegen gewählt.) Rückert (1882) 11, 518 (39. mak.).
 
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seeschwalm, m., nebenform zu seeschwalbe, s. das. 1, b. e.