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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
seerauben bis seerebhuhn (Bd. 16, Sp. 65 bis 66)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) seerauben, verb., seltne zusammenrückung von zur see rauben (oder nach seeräuber gebildet?): see-räuberey treiben, see-rauben, andar' in corso, corseggiare, piratare, pirateggiare. Kramer diction. 2, 730a, vgl. nl. see-rooven, piraticam exercere. Kilian und seeraubung.
 
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seeräuber, m.: seeräuber sind diejenigen, welche auf der see fremden eigenthums sich mit gewalt bemächtigen, um sich zu bereichern, ohne eine vollmacht zu dieser bemächtigung von irgend einem staate zu haben. staats-lex.3 13, 297. gleichbedeutend werden im allgemeinen gebraucht pirat und corsar (letzteres eigentlich von den berberischen seeräubern an der afrikanischen küste des mittelländischen meeres), s. Campe und Eggers 1, 600. kaper bezeichnet dagegen nach Adelung einen, der vollmacht dazu hat. mhd. begegnet sêrouber (neben mer-, schif-, waʒʒerrouber) nur ganz vereinzelt in glossen, s. Lexer handwb. 2, 891: pirata, -or .. schiff-reuber, .. -morder vel rouber; see-reuber, -morder; sehe-, merhreuber; .. see-, wasser-rauber, -rouber, -rober .. nd. se-, sey-, zeerover Dief. gloss. 437a; der gewöhnliche ausdruck ist galiôt, s. Schultz höf. leben2 2, 344, anm. 1. mnd. nur vereinzelt in glossen, s. oben (sonst sêschumer Schiller-Lübben 4, 194b), neund. sêrôfer ten Doornkaat Koolman 3, 176a; nl. see-roover, pirata, praedo marinus Kilian. nhd. noch vereinzelt ohne umlaut: die ordensbrüder aber wandten dagegen für, sie hetten die insel von öffentlichen feinden und seeraubern erobert. Schütze beschr. der lande Preuszen 92b; seerauber auff Gottland. 155a (am rande); seerauber, m. un escumeur, pirate. corsaro. Hulsius 295a; derer wahren (waaren), welche du zu holen auszzeuchst, die kein zöllner anhalten, kein seerauber versencken ... kan. Opitz 2, 258; seerauber, pirata Frisch 2, 253c. gewöhnlich indes: hamiotae .., fures maritimi, seeräuber. Corvinus fons lat. 311a; pirata .. ein seeräuber, der von einem ort zum andern fähret, und sihet wo er etwas erschnappt. 481b; meer- sive seereuber, pirata. Stieler 1526; see-räuber, praedo maritimus Apin. gloss. 492a; die seeräuber führen die geraubeten hinweg. Comenius sprachenthür 485; so säuberte er (Minos) auch ... das meer so viel möglich von den seeräubern. Heilmann Thuc. 5 (1, 4); er .. erhielt den adel von Barbarossa, dem er wider die seeräuber diente. Schiller räuber 4, 2 schauspiel; endlich blieben die seeräuber vom handwerk eine untilgbare plage. Freytag 18, 247;

seeräuber hemmten seine laufbahn
und schlugen ihn und lieszen nur
ihm leben, ballen, armatur?
Immermann 13, 159 Hempel.

sprichwörtlich: die seeräuber krazen aus ihren zehn geboten eines heraus: du solt nicht stelen! Eiselein 564. — seeräuber für 'ein schiff, das ohne einen merkbrief oder kaperbrief einer landesregierung seeräuberei treibt'. Bobrik 555a; vergl.: heute sahen wir gegen s. w. ein raub-schiff ... wir nahmen uns vor, dasselbe zu verfolgen. am rande: verfolgen einen see-räuber. Mandelslo morgenländ. reisebeschreib. 25b. — von einem fische: in diesem augenblick fuhr ein fisch von seltener grösze ... aus dem wasser hervor ... sie schlug ihm mit dem ruder nach und rief: 'das ist ein wels! hat dich die gewitterschwüle heraufgelockt, alter seeräuber?'. Vischer auch einer 2, 146.
 
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seeräuberei, f., vgl. DWB seeraub: see-räuberey, f. corso in mare, pirateria Kramer dict. 2, 730a; meer- sive seereuberey, piratica Stieler 1527, seerauberey Frisch 2, 253c, vgl. nl. seerooverije Kilian, nd. sêrôferê ten Doornkaat Koolman 3, 176a. das wort bezeichnet sowol das system im allgemeinen, wie den einzelnen act, s. Campe. belege. die alten Griechen .. legten

[Bd. 16, Sp. 66]


sich, so bald sie etwas häufiger mit schiffen zu einander zu reisen angefangen, auch auf die seeräuberei. Heilmann Thuc. 6 (1, 5); in den ländern, welche das haus Oesterreich auf dem adriatischen meere besitzt .., hatte sich ein volk niedergelassen, dessen ganzes gewerb in der seeräuberei bestund. Schiller 4, 115; der reiche ertrag der seeräuberei .. hatte alle berühmte korsaren vom mittelländischen meere an den hof des vizekönigs von Neapel gelockt. 128; die raubschiffe gehörten irgend einer der unterthanen hafenstädte, welche von der seeräuberey der benachbarten Etrusker angesteckt wurden. Niebuhr 3, 495 (s. auch unter seestaat).
 
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seeräuberisch, adj. einem seeräuber gemäsz, seeraub treibend: see-rauberisch, piraticus. Frisch 2, 253c.
 
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seeräuberschiff, n. mit seeräubern bemanntes, zum seeraub verwendetes schiff. Campe, vgl. seeroovers schip[s], navis praedatoria, navis piratica, paro, myoparo. Kilian unter seeräuber zu ende.
 
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seeräuberstaat, m. piratenstaat, raubstaat, wie (früher) Algier, Tripolis. Campe.
 
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seeräubervolk, n.: die Wurster waren ein wildes seeräubervolk. Allmers marschenb. 297.
 
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seeräuberzug, m.: höchstens vereinigte sie dann und wann ein seeräuberzug. Allmers marschenb. 27; ihnen (den kirchen) weihten die Friesen die köstliche und seltenste beute ihrer verwegenen seeräuberzüge. 145.
 
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seeraubung, f., vgl. DWB seeraub und -rauben: piratica sehe-, seeraubung .. nd. ze-, seyrovinge Dief. gloss. 437a.
 
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seeraupe, f. 1) s.seepferd(chen) 6, syngnothus hippocampus Nemnich, vgl. Adelung. 2) ein länglicher, platter, mit schuppen bedeckter mollusk, den man auf muscheln, tang und andern seegewächsen findet, aphrodita. Nemnich; besonders eine art desselben, auch goldwurm, seemaus (s. daselbst), aphrodita aculeata. ebenda.
 
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seerebhuhn, n., bez. -repphuhn, ein name der (meer-) zunge (seefisch), pleuronectes solea. Adelung.