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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
seelwürger bis seemangel (Bd. 16, Sp. 57 bis 58)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) seelwürger, m., s. unter seelschürger. vgl. DWB seelenwürger 1.
 
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seelzagen, -zogen, verb. in den letzten zügen liegen. das wort scheint ursprünglich dem nd.-nl. sprachgebiete anzugehören, mnd. sel(e)togen, -tagen, dazu seletoginge todeskampf. Schiller-Lübben 4, 182b f.; nl. ziel-toghen, gleichbedeutend mit siel-braecken, agere animam, sub agone jacere, vulgo agonizare. Kilian, jetzt zieltogen, dazu zieltoging todeskampf. in neuern nd. mundarten seeltagen und -tögen, animam agere. Richey 249. ten Doornkaat Koolman 3, 173a, in den letzten zügen liegen, von vieh und menschen; auch bildlich, in schlechten verhältnissen sein. Schütze 4, 88 f.; altmärk. sêltaogn, nur bildlich von kindern, wenn sie vor groszer müdigkeit die augen schlieszen. Danneil 191a; preusz. seeltagen, bez. in hd. lautform seelzagen. Frischbier 2, 335b. auch in Liv- und Estland, s. Hupel 216. der zweite theil des wortes ist offenbar eine ableitung zu ziehen (*togôn oder *tugjan), vgl. Franck 1206 und ten Doornkaat Koolman a. a. o. im hd. ist das wort seit dem 16. jahrh. nachzuweisen und zwar ist es aus dem niederdeutschen entlehnt, denn neben den zu erwartenden formen seelzogen, -zögen, -zügen steht als häufigste seelzagen, offenbar aus dem nd. seeltagen umgesetzt in anlehnung an zagen, und sogar das ganz nd. seeltagen findet sich in hochd. quellen (s. daselbst). dazu kommt das vollständige fehlen des wortes in der ältern hd. sprache und in allen hochd. mundarten. belege für die einzelnen formen (auszer seeltagen):
1) seelzagen, so führt Richey 249 miszbilligend den titel eines buches an: das seelnzagende Elsasz (Nürnb. 1676), s. auch Scherz-Oberlin 1480. ferner mit derselben abschwächung der bedeutung: auf einmal wurde er gewahr, dasz das pochen ihres pulses nachliesz ... er erstarrte und rief seelzagend: Mariechen! Mariechen! Stilling jugend 72; Margrethe und Mariechen hörten im garten kaum halb die seelzagende kenntliche stimme ihres geliebten knaben. 146; zuweilen brach ein seelzagender seufzer aus. gesch. d. herrn v. Morgenthau 1, 91.
2) seelzogen: was ist dir passiert, kerl, dasz du im bette liegst und seelzogst und ankest und stöhnest, als wenn du verscheiden willst? Colshorn märchen und sagen 22.
3) seelzögen:

das jhm der athem gar entgieng,
und er zu seelzögen anfieng. froschm. Q 8b (1, 2, 23).

[Bd. 16, Sp. 58]



4) seelzügen: Flebbe ward von oben ab gerädert, allein so unglücklich, dasz, da sie ihn von dem gerüste für tod hinunter geworfen, er stark zu seel-zügen und mit dem leibe sich zu regen angefangen, daher einer von den büttelknechten hinunter gesprungen, ihm einen strick dreifach um den hals aus allen kräften zusammengezogen und mit einem fusz darauf getreten, wie aber Flebben die brust immer höher und höher gegangen, ist ein andrer mit einer eisernen keule darzu kommen, womit er ihn drei mal aufs hinter haupt, da es denn endlich mit ihm aus war. nachr. v. denen predigermördern zu Rehburg (o. o. 1715) s. 65.
 
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seelzettel, m. verzeichnis der seelen, für die seelmessen gelesen werden, s. Zwingli 1, 417 unter seelgeräth; ebenso von den juden: sy schreiben aber wie bei uns, niemant in jren seelzedel, dann wer gelt gibt, betten, got wöll diser selen eyngedenck sein, und sy setzen ins paradeisz. S. Franck weltb. 160a.
 
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seelzogen, -zögen, -zügen, s. DWB seelzagen.
 
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seelzopf, m., s. DWB seelenzopf.
 
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seemacht, f.
1) macht, kriegsmacht zur see, der besitz eines staates an kriegsschiffen, seesoldaten, kolonieen, besonders von der kriegsflotte, s. Adelung. Bobrik 624b: seemacht, copiae navales, armatura navalis. Stieler 1205, vgl. Kramer unter seeflotte, seeheer; das wichtigste ist das Thomasthor, das zum hafen führt, und unsre seemacht mit der landmacht verknüpft. Schiller 3, 97 (Fiesko 3, 5); weit furchtbarer war dagegen die seemacht. sie stand so zu sagen im verjährten besiz des siegs. 4, 128; allen krieg- und frieden - schlüssen liegt durchaus noch ein höheres bind-mittel, als die gewalt .. unter, nämlich vertrauen auf irgend ein abgewonnenes wort, auf eine charakter-, nicht see- oder landmacht. J. Paul Levana 2, 156; solchergestalt sezen sie (die bundesgenossen) die Athenienser mit ihrem gelde in den stand, ihre seemacht zu vergröszern. Heilmann Thuc. 116 (1, 99); die seemacht (der Perser) wurde durch die flotten der Phönicier und der kleinasiatischen Griechen, der Cilicier und der Aegypter, gebildet. Becker weltgesch.8 1, 321; die Deutschen entbehrten einer seemacht, wie sie jetzt gebraucht wurde. Freytag 19, 245. selten im plur.: es gibt unter den Griechen nur drei ansehnliche seemächte, die eurige (der Athener), unsere (der Korcyräer), und der Korinthier ihre. Heilmann Thuc. 44 (1, 36).
2) staat, der eine grosze seemacht (1) besitzt, der vorwiegend zur see mächtig ist. Adelung. Bobrik a. a. o.: puissances maritimes, die seemächte, darunter werden insonderheit England und Holland begriffen. Eggers 2, 268; die stadt Pisa, damals schon eine bedeutende seemacht. Schiller 9, 260; aber nicht allein als handelsstaat — auch als seemacht war es (Holland) die erste der welt. Hellwald-Schneider gesch. der nl. litt. s. 453; s. auch Herder 4, 410 unter seediener. — dafür in der ältern sprache auch seepotenz, s. daselbst.
 
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seemächtig, adj. mächtig zur see, im besitze einer groszen seemacht (1). Campe: Neapel und das seemächtige Amalfi empfingen von Constantinopel ihre beamten. Giesebrecht 15, 588.
 
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seemagazin, n. magazin mit allerlei vorräten zur ausrüstung der kriegsschiffe, in einem kriegshafen. Bobrik 624b.
 
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seemaid, f., scherzhaft für 'sirene': es scheint, dasz unsere seemaid (sirene, dujong) in allen theilen des indischen meeres gefunden wird. Brehm illustr. thierl. 2, 817.
 
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seemakrele, f. scomber pelagicus. Campe.
 
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seemangel, m. fames in navi. Stieler 1231.