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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
seelnapf bis seelreis (Bd. 16, Sp. 52 bis 53)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) seelnapf, m. schüssel mit mehl und eiern, die man mit einem brotlaib den verstorbenen als opfer auf die bahre legt. Schm. 2, 256; ein gebrauch, der wol aus dem heidenthum stammt, s. E. H. Meyer mythol. s. 74.
 
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seelnetz, n., vgl. seelennetz:

mit viel menschen gesetzen,
mit bannen und gepot,
mit geltstrick und seel netzen. bergreihen s. 51 neudruck (26, 3) =
H. Sachs 22, 91, 21 Keller - Götze.


 
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seelnonne, f. unverehelichte weibliche person, die in einem seelhause (vgl. daselbst und seelweib) erhalten wird und für die seelen der verstorbenen zu beten hat. Campe. Frisch 2, 254b mhd. sêlnunne, s. Lexer handwb. 2, 867, begine Haltaus 1670, jetzt in Baiern die leichenfrau, die die leiche wäscht, ankleidet, in den sarg legt, das leichenbegängnis und den seelendienst besorgt. Klein 2, 151. Schmeller 2, 256 f. belege: an. 1423 haben Conrad und Peter die Mendel ein seel - haus gestifftet am Ponersberg für die seel-nonnen. quelle bei Haltaus 1670;

in dem der Freyheit (personifikation) wart gancz swach,
ein allte sel nün zu im sprach:
getraw nür got wol und schick dich,
so ferstu in das himelrich.
H. Folz zeitschr. für d. alterthum 8, 536, 162;

zu hand sein (des kranken schneiders) gselln sampt der seelnunnen
sprengeten auff jn (den teufel) ein weichbrunnen.
H. Sachs 5, 380d.


 
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seeloch, n.
1) im wasserbau, ein strom im watt. Jacobsson 4, 117a, s. seegatt.
2) bei den sporern loch an einer reitstange, durch welches das mundstück um den zapfen herumgebogen wird. die stange heiszt daher seelochstange. ebenda.
 
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seelotenklee, m. der gemeine steinklee, trifolium, melilotus officinalis. Nemnich.
 
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seelöwe, m. leo marinus, grosz als ein ochs, mit einem löwen-kopf. Frisch 2, 253c; name zweier robbenarten: der zottige seelöwe oder seebär, besonders in der Südsee, phoca jubata, und der glatte seelöwe, gewöhnlich seelöwe schlechthin, oder löwenrobbe (holländ. zeeleeuw, dän. søløve, schwed. sjölejon), phoca leonina, leo marinus. Nemnich, vergl. ferner Adelung. öconom. lex. 2689. Oken 7, 1460. so schon mhd. sêlewe phoca. mhd. wb. 1, 967b (wenn nicht entstellung aus seleh, vgl. DWB seel — ?); die sogenannten seelöwen oder löwenrobben werden von einigen ebenfalls als vertreter einer besonderen sippe (otaria) angesehen, während andere, ihrer kurzen ohrstummel wegen, sie mit den seebären zusammenziehen. Brehm illustr. thierl. 2, 786; so ist eure stadt gesegnet, — dasz in ihr sich begegnet — des meerschiffes mast — mit der landkarawane rast, — der löwe mit dem seelöwen. Rückert (1882) 11, 557 (43. mak.). — übertragen, ein löwe, ein groszer held zur see, s. Campe; im badischen landtage 1831 die abgeordneten aus dem seekreise. Wander 4, 496.
 
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seelpfennig, m. opfergeld für seelmessen: opfer- und seelpfennige sind gefallen. Luther briefe 3, 39;

dazu kommen dan faiszt prebenden, ...
sölpfenning, zehend, opfergelt.
Fischart dichtungen 3, 119, 87 Kurz (vgl. die anmerk. s. 450).


 
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seelraubend, adj.: ich habe einen grossen sinn und zuneigung zu dem bilde eueres gottes, der so eine schöne und seel-raubende gestalt hat. Olearius pers. baumg. 92a (8, 13). —
 
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seelräuberin, f.: es gehöret sich nicht auff solch eine

[Bd. 16, Sp. 53]


seel-räuberin (die welt) seine liebe fallen zu lassen, die alle morgen einen andern mann bey sich hat. 18a (1, 28).
 
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seelrecht, n.
1) was der seele zukommt, seelmessen und dergl.: als nun der hertzog fast eerlich z der erden bestattet warde, und jm yetz alle seelrecht nachgethon waren. Galmy 135a; der pfaffen geitz habe das fegfewr erdacht, dasz es mehr uns umb das opfer und seelrecht als umb die seel zu thun sey. quelle s. Alemannia 10, 207b;

der pfarrherr sprach: 'wirstus nit glauben,
so werd ich dich als rechts berauben,
das sonst in gmeyn die christen haben,
dein leib nit auff den kirchhoff graben.
bleibt unbeleut und unbeklungen
on alle seelrecht unbesungen'.
B. Waldis Es. 4, 46, 26.


2) testament: dis sind die letzten wort David ... es sind nicht seines lebens ... letzte wort, sondern sein testament, und das wir Deudschen heissen, seelrecht, darauff einer sterben wil, das es nach seinem tode also geschehen und bleiben sol. ultima voluntas heissts bey den juristen. Luther 8, 139a; daher (fälschlich) das alte, neue seelrecht (in der bibel): die Samariter gingen in ihrer anhänglichkeit an die mosaische gesetzgebung so weit, dasz sie sich dadurch aller auszerordentlicher religions-offenbarungen, die in den übrigen nationalschriften des alten seelrechts enthalten sind, beraubten. Hamann 7, 104 (mit verweis auf obige worte Luthers); (die letzten jüdischen 'väter',) denen das menschliche geschlecht ein neues seelrecht (den wahren geist des göttlichen bundes und gesetzes) zu verdanken hat. 105.
 
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seelreis, n. — ?: seelrysz (das) löuwenzan, alcea, ein kraut. Maaler 369a.