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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
seelenruhe bis seelenschatz (Bd. 16, Sp. 27 bis 28)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) seelenruhe, f. ruhe der seele (vgl. daselbst II, 13, g), abwesenheit aller beunruhigenden oder unangenehmen empfindungen. Adelung; riposo, quiete dell' anima. Kramer dict. 2, 732a (vgl. seelenfrieden); quies animae. Stieler 1635; wenn ihn nicht Perisadehs standhaftigkeit und sich selbst immer gleiche seelenruhe mächtig emporgehalten hätte. Wieland 8, 340 (Danischm. 41). o herr gott! wie wollen dergleichen seelen wieder zur aufrichtigkeit zurück kehren! wie wieder zur tugend und seelenruhe gelangen! Lavater pred. üb. d. buch Jonas 1, 102; wie ich euch nur ihretwegen liebe, die mir alle seelenruhe mordete. Arnim Hollins liebel. s. 73 ndr.; die geschäfte wurden von der

[Bd. 16, Sp. 28]


hand gewiesen, er (papst Alexander VII) dachte nur darauf, in ungestörter seelenruhe zu leben. Ranke päpste 3, 37; brave geschäftsleute, welche in aller seelenruhe auch den gewinn der unredlichen an sich bringen. Keller 1, 143;

entfernt vom eitlen tand der mühsamen geschäfte,
wohnt hier die seelen-ruh.
Haller ged.10 28 (alpen 162);

loos der engel! kein sturm düstert die seelenruh
des beglückten!
Hölty 96 Halm ('die liebe');

hier wohnt zufriedenheit! hier weht der oden
der seelenruh!
Matthisson ged.3 79.

vom zustande der abgeschiedenen seele nach dem tode, vergl. seelenheil und seele II, 20, h: lasse, so oft der jahrestag wiederkehret, an welchem du mich des verwünschungsfluches entbandest, zu meiner seelenruhe mir jedesmal drei messen lesen. Musäus volksm. 2, 82 Hempel.dazu seelenruhgenusz, m.:

und was ich je für reinen himmelsglanz
und seelenruhgenusz geschmeckt.
Göthe 33, 251.

seelenruhig, adj.: weiter fügte der Herrnhuter seelenruhig hinzu. J. Paul bei Campe; 'das kann nicht in frage stehen', meinte Germano seelenruhig. C. F. Meyer novellen 2, 115.
 
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seelenrührung, f., vgl. seelrührend:

preis dir, unendlicher!
für deine weise führung,
für jeden trost von dir,
für jede seelenrührung.
Schubart ged. (1787) 1, 10.


 
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seelensack, m., für körper, z. b. im meklenb. Mi 78a: he hett wat op sinen seelensack kregen. Wander 4, 495.
 
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seelensage, f. sage von den abgeschiednen seelen, gespenstersage, vgl. E. H. Meyer deutsche volksk. s. 342.
 
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seelensaite, f.:

schon selbst mit sich in innerm streit
trat Ghenkis enkel nun heran, und sprach ...
was edelmuth bei solchen scenen spricht,
und alle seelensaiten bebten nach.
Seume 5, 176.


 
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seelensättigung, f.: nun bin ich von meinen sommerwanderungen zurück und hoffe, dasz es auch ew. w. mit gänzlicher seelen-sättigung und voller gesundheit wieder seyn werden. s. Merck briefs. 2, 256.
 
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seelenschacher, m. schacher um eine seele, z. b. mit dem teufel: 'ahan' — war mein denken — 'jetzt hebt der seel'nschacher an! aber d' meine verschreib' ich dir nit. Anzengruber3 4, 60. gewöhnlich für menschenhandel: hier schreckte uns die besorgnisz, dasz wir bei Minden würden (als soldaten) an die Preuszen verkauft werden .. der bekannte gewissenlose seelenschacher des alten landgrafen machte die sache nicht unwahrscheinlich. Seume 11, 135; dieser seelenschacher im herzen des vaterlandes ... läszt keinen stolzen sinn und noch viel weniger ein stolzes wort aufkommen. H. Heine 3, 120 Elster (Nordsee 3). — dafür auch weniger gut seelenschacherei, f.: auszer dem glänzenden antrage kitzelte mich vorzüglich, dem ehrenmanne von landgrafen für seine seelenschacherei einen streich zu spielen. Seume 11, 82.
 
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seelenschaden, m.: seelen-schade, danno, detrimento dell' anima. Kramer dict. 2, 732a; animae perditio Stieler 1705;

doch hat die zung' auch viel zu meinem seelenschaden
mit frechheit ausgewirkt.
Chr. Gryphius bei
Campe.


 
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seelenschädlich, adj.: er (gott) setzet zu seinen schätzen keine so schröckliche und seelen-schädliche wächter, als da sind feurige oder gantz schwartze hunde, schreck-gespenster, feuer-schäube. Simpl. 1, 448 Keller.
 
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seelenschändend, adj. was der seele, dem menschen als vernünftigem wesen, zur schande gereicht. Campe.
 
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seelenschatz, m.
1) schatz der seele, tesoro dell' anima. Kramer dict. 2, 732a; aller besitz, an dem die seele hängt:

jener beuget sein knie vor dem altar des gelds,
stopfet beutel auf beutel voll,
schlieszt sein kämmerlein zu, schüttelt die beutel aus,
und beäugelt den seelenschatz.
Hölty 110 Halm.

häufig in geistlicher sprache, vom glauben:

doch schweig ich noch von dem, was ärger als der tod,
was grimmer denn die pest, und glut und hungersnoth,
dasz auch der seelen-schatz, so vielen abgezwungen.
A. Gryphius 2, 313.

auch als titel von gebet und erbauungsbüchern. Campe, z. b.: Scriver, unschätzbarer seelenschatz. von der seligkeit: dasz sie (die teufel) zuvor ein oder etzliche arme seelen darüber bekommen, und denen anstatt solches verfluchten erden-schatzes, darfür den himmel und ewigen seelenschatzes abgeraubet haben. Simpl. 1, 447 Keller. ferner persönlich, als anrede an Jesus (oder gott), vgl. seelenhort:

[Bd. 16, Sp. 29]


ach, mein liebster seelenschatz,
gib mir nu deine kraft.
Scheffler 1, 163 Rosenthal.

ebenso von einem geliebten menschen: vgl.: o du tausent-schatz! charissima anima mea .. goldschatz, herzenschatz, seelenschatz, mel ac deliciae, svavia mellita, in medullis ac visceribus haerens. Stieler 1740.
2) als karmadharaya-compos., schatz, der in einer seele besteht, so von Fausts seele:

jene rosen, aus den händen
liebend-heiliger büszerinnen,
halfen uns den sieg gewinnen, ...
diesen seelenschatz erbeuten.
Göthe 41, 337 (Faust II, 5).