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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnudel bis schnudeltuch (Bd. 15, Sp. 1382 bis 1383)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnudel, schnüdel, m.
1) schnudel, der rotz, als hessisch und fränkisch bei Campe verzeichnet; das wort ist aber weiter verbreitet, die formen schwanken; s. über den etymologischen zusammenhang oben unter schnauden sp. 1205. mhd. snudel Lexer mhd. handwörterb. 2, 1043. schnoder, schnuder, schnudel Kramer deutsch-italien. dict. (1702) 2, 634a. schnūdel Vilmar 365 (daneben häufiger schnuttel, schnuddel); schnudel, schnuddel, schnurl, schnull Kehrein 364, schnuddel Schmidt 205, schnudel Albrecht 205b (hier auch von andern unsauberkeiten, besonders wenn sie beim essen vorkommen), schnudel Schöpf 641: nachdem er sin gifft und schnudel meistlich ausgegossen hette und sein mtlein an uns geklet. Nigrinus beschlag P 4a; welcher teuffel hat dich darumb gebeten oder dir geboten dein schnudel auszzustrawen. ebenda. umgelautet: ir hieng ein groszer schnüdel usz der nasen. Eulenspiegel 75 (s. 117 neudr.); gleich darauf: und sah den schnudel wol.
2) personifiziert schnüdel, rotziger, schmieriger mensch, auch in freierer anwendung:

und die schnüdel und güdel
und die schnufar und jufar. teufels netz 13380;

vgl. mhd. wb. 2, 452b. Lexer mhd. handwb. 2, 1039. Germ. 5, 302.
3) schnudel, f. nase Reinwald 2, 114. Frommanns zeitschr. 2, 464.
 
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schnudelbeck, m., entstellt aus nudelbeck (s. dieses oben theil 7, sp. 976): jagten und triben die schnudelbecken mit groszen wackensteinen. Fischart Garg. 198b.
 
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schnudelbock, m. kind mit rotziger nase Schmidt 205.
 
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schnudelbrei, m. zur bezeichnung eines ekeln gemisches: die etwan 37. jar mit jrem schnudelprei, rattenkraut und wurmsamen, jm land herumb gestrichen und stationiert sein. Fischart bienenk. 193b.
 
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schnudelbuch, n. schmieriges, verächtliches, unordentlich geschriebenes buch: wie der unverschämpte bettelmünch, der schneiderknecht inn seinem schnudelbuch offentlich Luthero die schuld gibt. Nigrinus pap. inquis. 570;

der hat verursacht solches gar
mit seinen schnudelbüchern zwar.
Fischart 1, 250, 4672 Kurz;

dimin. schnuderbüchlein:

dein schnudelbüchlein und dein lügen
werden doch nicht viel schaden mügen. 174, 1625.


 
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schnudelbutze, -butz, m. rotz in und aus der nase, herabhängender nasenschleim (s. DWB butze 2, theil 2, sp. 589):

wer deinen schnudelputz nicht gerne wil vertragen
der tret ihn selber ausz.
Scherffer Grobian. 9.

übertragen auf eine person in älterer sprache, derb - spöttische bezeichnung bald schärfer, bald gemütlich-lustig gebraucht: durch anhalten und bitt viler gter frommer auszerlesenen bundten und rundten schnudelbutzen. Lindener Katzip. 2 (s. 61 Lichtenstein); und wirt der auszerwölte schnudelputz also zu einem wurststehler. 231 (s. 136 Lichtenstein); sihe da, jhr feine schnudelbutzen. Fischart Garg. 17b;

du schnudelputz, must hindan weichen.
Mauritius Haman B 4;

du schnudelputz was hast mangels dran. schulwesen F 7.

[Bd. 15, Sp. 1383]


wie schelm: wie er dann voller ubermts und stoltz war und doch ain schnudelbutz darbey. Lindener Katziporus 76 (s. 86 Lichtenstein); entstellt zu schnūd'lputzer, schimpfwort, bei Schöpf 641 bezeugt.
 
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schnudelei, f. schmutzerei, dann auch unordentliches wesen:

das ich noch nicht erschrocken sey
für jrer groszen schnudeley.
Nigrinus beschlag Q 4b;

schnudelei, liederliches leben Jecht 98b. vgl. DWB schnudeln.
 
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schnudelicht, schnudelig, schnudlig, schnuddlig, adj. rotzig, schmierig, unsauber. im eigentlichen sinne (vgl.schnudel): schnudelecht, reumaticus Dief. 497b; schnudelicht, moccioso Kramer deutsch-italien. dict. (1702) 2, 634a, schnuddlig, schmierig, unsauber Albrecht 205b; snudeloht in übertragener anwendung im renner des Hugo v. Trimberg, vgl. Lexer mhd. handwb. 2, 1043.
 
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schnudeln, verb. in eigentlichem sinne (s. DWB schnudel), rotz aus der nase flieszen lassen, den rotz in der nase geräuschvoll hochziehen, durch die gefüllte nase schnaufen u. ä., vgl. Kramer deutsch - ital. dict. (1702) 2, 633c. mundartlich in verschiedenen abgeleiteten bedeutungen: beschnudeln, beschmutzen, besudeln Drechsler W. Scherffer 236; sich beim essen gesicht und kleider beschmutzen Lexer 224; eilfertig, obenhin verfahren Schm. 2, 573; durch die nase reden Reinwald 2, 114; sehr hurtig und mit unaufhörlich sich bewegenden lippen reden Frommanns zeitschrift 2, 464; schnudeln, geschwind und schlecht arbeiten; schnudeln und hudeln, schlecht, unverständlich lesen Klein prov.-wb. 2, 137; schnudeln, liederlich leben, sich in den kneipen herumtreiben Jecht 98b; nd. snudeln, küssen brem. wb. nachtr. 321; snudeldanz, tanz, bei dem geküszt wird. ebenda; über nd. snuddeln vgl. nd. korrespondenzbl. 3, 48.
 
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schnudelnase, f. rotznase, auch von einer person: schnudelnase, naso moccioso Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 634a; schnuddelnasz Schmidt 205.
 
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schnudeltuch, n. schnupftuch (s. DWB schnudel und schnudeln): jr schnudelthuch welchs allzeit bereit und fertig ist. Fischart bienenk. 200b.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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