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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnippelung bis schnippig (Bd. 15, Sp. 1337 bis 1339)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnippelung, f. Stieler 1894, s. schnippung.
 
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schnippen, verb. eine schnelle kurze bewegung ausführen. besonders vom knipsen oder schnellen mit den fingern oder einem raschen schnitt mit der schere. auszerhalb des westgermanischen ist das wort nicht bekannt; es steht wol im ablaut zu schnappen, vgl. daselbst. engl. snip (mit der schere abschneiden), vgl. Skeat 568b, holl. snippen, snipperen, resecare, secare, incidere Kilian, auch von dem schneidenden schmerze, den kälte, wind, wunden verursachen, vgl. Oudemans 6, 390 und Franck 919. ahd. mhd. sniphen, s. schnipfen. dagegen begegnet ein md. snippen in gänzlich anderer bedeutung, nämlich für schwatzen, plaudern, zanken, in verbindung mit snappen (vgl. das.):

sie enkan niht dan snippen und snappen.
were ich bi er, ich sluge sie uff die kappen. Alsfeld. passionssp. 4536;

mit spæhen worten glanz
einʒ snipt und snappet aber einʒ und ist noch wort noch wîse ganz. meisterl. 97, 54;

nd. snippen, zischeln, belegt 1462, s. Weigand 2, 620; vgl. dazu mhd. snippensnap, bez. snipfensnapf mhd. wb. 2, 2, 448a. Lexer handwb. 2, 1037. Grimm gramm. 3, 304:

du bist ein leije, snippen snap! diu liet wil ich hie schrîben. minnes. 2, 12b Hagen;

er speht, er breht, er snip und snappe!
Konr. v. Haslau jüngling 592 (zeitschrift f. deutsches alterthum 8, 568).

in der nhd. schriftsprache als schnippen, ebenso in md. und nd. mundarten; das schnipfen der oberd. dialekte siehe besonders. mitteld. (hess.-fränk.) auch schneppen Schm. 2, 577. Kehrein 1, 361. Pfister 263, schnäppen Schmidt 199, s. daselbst.
1) mit den fingern knipsen, schnellen, vgl. DWB schnippchen 1: schnippen, digitis micare. einen auf die nase schnippen, dasz es blutet, nasum alicujus talitrô vulnerare. einem vor dem gesichte hermschnippen, in conspectu alicujus digitis concrepare Stieler 1893, auch schon bei Kramer 2, 632b; crepare digitis Wachter 1453; vgl. Bernd 272: ich musz sie absolut haben! die rechte hand schreibt: absolut; und die linke schnippt mit den fingern dazu: es ist also mein ernst. Lessing 12, 153; der oberamtmann schnippte wie ein knabe, der unvermuthet erfährt, dasz keine schule heute sei, mit den fingern. Immermann 3, 207 Hempel; drauszen auf der treppe schnippte er mit den fingern. Ludwig 2, 367; aber Laura war nirgend zu finden, denn sie lauschte hinter der gardine und schnippte, als sie die blumen im knopfloch sah, mit den fingern über den gelungenen scherz. Freytag handschr. 2, 192; knabe lenker ... (immerfort umherschnippend) Göthe 41, 45 (Faust II, 1, s. schnippchen 1), mit accusativ der wirkung:

kleinode schnippt er wie im traum. 46.

selten in dem übertragenen sinne von ein schnippchen schlagen:

den philistern allzumal
wohlgemuth zu schnippen.
Göthe 1, 140.


2) so auch transitiv, mit einer solchen bewegung etwas fortschnellen Adelung; brotkügelchen auf jemand schnippen. Bernd 272. Jecht 98a; überhaupt schnell schleudern Hertel sprachsch. 218: wenn er nur jetzt käme, da schnippte ich ihn mit meinem finger in die ecke. Arnim kronenw. 1, 370;

hei, wie die buben johlen,
und mit den fingern schnippen
die funken-girandolen!
A. v. Droste-Hülshoff 1, 109;

freier:

drauf nahm er (gott) einen butzen (klumpen)
und macht ein männlein draus.
er schnippt ihn in die höhe,
blies ihn ein bissel an. wunderh. 2, 258 Boxberger.


3) auch mit der schere schnippen Campe; von einem kurzen raschen schnitt, auch von einem schnitte in die luft, wobei es dann auf das knipsende geräusch geht, vgl. DWB schnippern: dasz sie (Philine) ... an langer silberner kette eine mäszig grosze englische scheere trug, mit der sie manchmal, gleichsam als

[Bd. 15, Sp. 1338]


wollte sie ihrem gespräch einigen nachdruck geben, in die luft schnitt und schnippte. Göthe 23, 204.
4) daher ferner mit der schere in ganz kleine stückchen schneiden oder kleine theilchen abschneiden, doch sind in diesem sinne die weiterbildungen schnippeln und schnippern üblicher, s. daselbst. Adelung; als technischer ausdruck: beschnippen, sagen die tuchmacher, wann sie die groben und offtmahl kotigen spitzen von der wolle, woraus die guten tücher werden sollen, abschneiden, lanae partes inutiles forfice demere ut puriores panni inde texantur Frisch 2, 215c; so noch bei Hertel sprachsch. 218. Liesenberg 199 (wo nur diese bedeutung angegeben ist). Bernd 273.
5) als ausdruck einer schnellen, elastischen bewegung, besonders vom elastischen zurückfahren angespannter oder festgehaltener und dann plötzlich losgelassener dinge, ähnlich wie schnappen: ein bret schnippt in die höhe. Adelung; und nicht lange, so schnippte der kleine ring mit groszer schnellkraft an die nase des herrn von Milzwurm. Tieck novellenkr. 4, 408. übertragen: ain fragzeichen, das setzt und braucht man wa fragrede seind, und ist auch nach der stymm art unnd gleichnus geformiert also.?. dz ain lini oder virgula über sich schnipt, wie sich die stymm in ainer frag am ende erhebt und über sich schwingt. Ickelsamer teutsche gramm. s. 48 neudr.mit der hand wohin fahren (?): biszweilen schnipte er in den schiebsack (die tasche), biszweilen sagte er dem hauszknecht etwas in das ohr. Weise erzn. s. 90 neudr. vgl. auch 7, b.
6) daran schlieszen sich einige kunstausdrücke der jägersprache.
a) den schwanz auf- und nieder bewegen, wie es besonders feldhühner thun Jacobsson 4, 28a. Behlen 5, 540 f. Kehrein weidmannsspr. 262. Hartig lehrb. f. jäger5 (1832), 78.
b) bezeichnung eines tones, den die (schwarz)amsel von sich gibt, wenn sie ein wildes thier erblickt Adelung. Jacobsson 4, 28a: wenn ihnen (den schwarzamseln) vom wildpret, füchsen oder hasen, was in die augen oder zu nahe kommt, besonders zur abends-zeit, so schreyen und schnippen sie ohne aufhören. Döbel 1, 55b; 'bei allen drosselarten die eigenthümlichen warnungstöne bei annäherung irgend einer gefahr' Kehrein weidmannsspr. 262. Behlen 5, 540.
7) weitere mundartliche besonderheiten.
a) ungarisch, auszer seinem beruf in holz arbeiten Schröer 203b. wol zu 4.
b) altenburg., zappelnd in die höhe springen Hertel sprachsch. 218. zu 5, vgl. schnippeln.
c) hessisch, sich schnippen für schnüppen, sich schneuzen Vilmar 363.
d) in Esthland, kurz angebunden sein Sallmann 48, vergl. schnippisch.
 
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schnippentaube, f. gefleckte taube, columba maculata Nemnich (zu schnippe 1?).
 
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schnipper, m. digitis concrepans Stieler 1893 (s. schnippen 1). — stirnläppchen bei hauben, s. DWB schnippe 4, a: eine alte, sehr häszliche frau .. mit einer weiszen schürze und schwarzen haube, von der ihr ein langer schnipper bis an die nase herunterhing. Eichendorff2 3, 49 (taugen. 5). — thüringisch für leckermaul Hertel sprachsch. 218.
 
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schnippergeld, n. 'schnippchen, hohn, spott' Frischbier 2, 305a:

und ob die täge gleich viel kürtzer als die nacht,
will er bey trüber nacht doch süsze stunden zehlen,
doch wer zu näschrich ist, bekommt oft schnipper-geld. carm. nupt. vom anfange des 18. jh. s. ebenda.


 
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schnipperin, f. foemina digitis micans, et crepans, et aliâ significatione minutatim dissecans Stieler 1893. — vgl. thüring.-henneb. schnipperine, f. vorlautes, naseweises mädchen Reinwald 2, 114. Spiesz 223.
 
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schnipperlich, adj., s. schnippisch.
 
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schnipperling, m., nebenform zu schnipp, schnippchen, bez. schnippel: schnipperling, der, propr. idem est quod schnippung, deinde titivilitium, frustum, segmen, et peniculum notat, metaphor. autem designat quodvis lucellum ac quemlibet quaesticulum, vulgò accidentia Stieler 1894; schnitzling, et schnipperling, der, etiam abschnittling, sarmentum, ramentum u. s. w. 1903; speciell bei den tuchmachern die groben harten spitzen an der wolle, die beim reinigen abgeschnitten werden Jacobsson 7, 263b, vgl. schnippen 4. Frisch 2, 215c hat dafür abschnipperling.
 
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schnippern, verb., mit der schere in kleine stücke schneiden, vergl. schnippeln: schnippern, frequentat. est à schnippen, notatque propr. forpiculà concrepare, alias discindere Stieler 1893; als nebenform zu schneidelen, schnitteln 1902; dazu die wurzeln beschnippern, verschnippern, zerschnippern, zerschnippert papir. ebenda; afschnippern, belg. succidere, minutim desecare

[Bd. 15, Sp. 1339]


Frisch 2, 215c; vgl. Bernd 273. Frischbier 2, 305a. nd. snippern neben snippeln. brem. wb. 4, 893. — henneb. schnippern wird erklärt: 'sehr hurtig und in hohen tönen, vorlaut und naseweis, wie kleine mädchen reden' Frommann 2, 463; vgl. dazu bair. schneppern, schwatzen, plaudern Schm. 2, 578 und schnippen.
 
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schnippicht, adj., s. schnippisch.
 
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schnippig, adj. naseweis, vorlaut, in hessischen mundarten Kehrein 1, 361 (auch schneppig). Schmidt 203; vgl. schnippisch. nach Weigand 2, 620. Kluge5 333b aus holl. snebbig, auch snibbig, snippig übernommen; dafür spricht besonders, dasz es nur in den rheinischen mundarten erscheint und den älteren nhd. wörterbüchern fehlt. doch hat jedenfalls anlehnung an schnippen, schnippisch stattgefunden, wenn nicht ursprünglicher zusammenhang anzunehmen ist. holländ. snebbig ist von sneb, schnabel abzuleiten:

mir ist oft hämisch, so dämisch und dumm,
so hurrig und schnurrig und weisz nicht warum,
so hippig und schnippig und weisz nicht wornach,
das ändert und wendert mit jeglichem tag.
Fr. Müller 1, 314.

dafür in älterer sprache auch schnüppig, vergl. aufschnüppig, theil 1, 729:

zum vierdten, so sie sind holdselig,
dem mann lieblich, freundlich, gefellig,
nicht stoltz, frech, mutwillig, üppich,
böckisch, heunisch, leunisch, schnüppig.
H. Sachs 1, 48d.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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