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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schniepel bis schnipfe (Bd. 15, Sp. 1331 bis 1332)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schniepel, m. in mundartlicher und besonders burschikoser redeweise.
1) frack, leibrock, vielleicht von den spitz zulaufenden schöszen, vgl. DWB schniepe, DWB schnippe, DWB schnippel, s. Kluge stud. sprache 123a (belegt 1831). Albrecht 205a. Schuller 59. Hertel sprachsch. 218. Jecht 98a. Frischbier 2, 305a, schnippel Schm. 2, 578. Kehrein 1, 363, nd. snipel ten Doornkaat Koolman 3, 245a. Mi 83a. wol von schnippe abgeleitet, sodasz die schreibung schnippel eigentlich die richtige ist.
2) dann auch: stutzer, elegant, eleganter ladenschwengel; s. Kluge a. a. o. Albrecht a. a. o. Schuller a. a. o.: er (der Italiener) spielte den paino, was wir bei uns den schniepel nennen würden. Gaudy ausgew. erz. 73.
 
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schniepeln, verb. den frack anziehen, sich festlich kleiden, fein angezogen sein, vgl. DWB schniepel 1. Kluge stud. sprache 123a. Frischbier 2, 305a.
 
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schnieren, verb.
1) nebenform zu schlieren (3), vgl. das. sp. 690: schlieren saxon. vox est, et notat: voracem esse, voraciter ingurgitare se, quod et aliâ dialectô dicunt schnieren. der kerl kan über die masze schnieren, immoderate et avide vorat, profundae et sordidae gulae est. Stieler 1851; dazu auch schnierer, m. und schnierung, f., neben schlierer und schlierung ebenda.
2) als nebenform zu schnüren, s. daselbst.
3) österreichisch schniarn, übervortheilen, prellen, vom wirte Castelli 248 (zu 2?).
 
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schniffeln, verb., ältere nebenform zu schnüffeln (? vgl. daselbst): schniffelen, geschniffelt, reprehendere, cavillari, carpere, taxare, indigne culpare, proprie gravedine laborare, naribus sibilare. er schniefelt grausam über ihn, inscite et maligne vellicat eum. was schniefelstu? quid ringeris? cur tam destrictam censuram agis? Stieler 1896; dazu ich beschniffele (besehe

[Bd. 15, Sp. 1332]


vorwitziger weise) curiosius lustro, it. reprehendo aliquid indignius Steinbach 2, 476; über die ableitung bemerkt Wachter 1453: schniffeln, derivatur a schnebbe nasus, tantumque significat, quantum potest, 1) rhonchissare, per nares sibilare. 2) culpare, reprehendere, quia nasus est symbolum indignationis. 3) illudere, naso suspendere, quia nasus est typus irrisionis. 4) indagare, scrutari, ducta similitudine a canibus odorisequis. ... Belgae eodem sensu dicunt schnuffelen. Kramer 2, 632b leitet es dagegen richtig von schnauben ab. so jetzt noch mundartlich, besonders md. Klein 2, 135. Albrecht 205a. Jecht 98a: sintemahl er sehr schnifelt und durch die nasen redet propter defectum naturalem. Kirchhof wendunm. 2, 157 Österley (2, 108; dafür weiter unten schnupffelt); nachdem man einige zeit elektrisirt hatte, wurde der mann befragt ... ob er etwas röche. der mann schniffelte etwas umher, und sagte endlich: ja. als man ihn fragte, was es wäre, schniffelte er wieder mit der antwort: das wisse er nicht. Lichtenberg 5, 311. — dazu schniffel, m. vorwitziger mensch. Jecht a. a. o. ferner: schniffeler, m. tadler, nörgler; schniffelung, die, et das schniffeln, objurgatio, vituperatio, culpa, insectatio, it. sectura, animadversio u. s. w.; schniffelicht, et schnifflerisch, censorius, severus, rigidus, objurgatorius Stieler 1897.
 
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schniffen, s. schnipfen bez. schnippen.
 
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schniffler, m. critiqueur Rondeau 507, ferner Kramer 2, 632b und Stieler 1897, s. schniffeln und schnüffler:

was lermes, was geschwirres
von aufruhrschniffelei?
was will der schnifler wirres
und heiseres geschrei?
Voss 5, 267 ('die anschwärzer').

in der gaunersprache bezeichnet schniffler (auch schniffling) den schnupftaback Avé-Lallemant 4, 602, ebenso in der 'jenischen' sprache Wiens der schnifla Castelli 281.
 
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schniffling, m. in der gaunersprache, die nase; dazu schnifflingsbüchs, die schnupftabaksdose Avé-Lallemant 4, 602. vgl. schniffler.
 
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schnill, f.: ind do hei bi sinen heren quam in dat arburst spiene, do bestrich hei de snil mit fenine: dat was also stark ind quait, hed hei de snil angetast, so moist hei zoborsten sin ind zerstunt doit geweist sin. d. städtechron. 13, 66, 3 f. (im glossar als 'schneller, drücker' erklärt).
 
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schnipf- vgl. schnipp-.
 
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schnipf , m. n.?
1) abgefallenes stück, abfall, kleinigkeit, bischen, schlückchen Schm. 2, 578; nd. snippe, snip schnipfel, brocken, kleines stück land ten Doornkaat Koolman 3, 245a; thür. schnipp Hertel sprachsch. 218; auch hochd. wird dafür schnip(p) geschrieben, s. die belege. besonders in der redensart nicht ein(en) schnipf um etwas geben oder werth sein, gar nichts, nicht das geringste, im 16. jh.: den also sprechen si: Sachssen mues uns das evangelium beschutzen unnd sy geben nit ein schnipff umb den kaiser und sein Spaynnier. Weim. urk. von 1550 bei Dief.-Wülcker 843; der künig von Frankreich .. gäb nit ein schnipf umb den kaiser. Aventin chron. 1, 485, 20; ie zu weilen zaigt er (Merbod) sich an als ain glid des römischen reichs und undertan des römischen kaisers, zu zeiten als ainen obern und der weder umb kaiser noch umb das ganz römisch reich nit ain schnip gäb. 595, 24; du magst aber wissen, dasz ich nit ein schnipff auff dich, und dein unnütz schwaderwerck gebe. Ayrer proc. 721 (2, 12); er ist nicht einen schnüpf werth. quelle bei Wander 4, 306.
2) hierher gehört auch vielleicht die wendung in einem schnipf oder schnipp, in einem nu, augenblick, wenn diese nicht von der interjection schnipp abzuleiten ist, s. das.:

(frau Sorge,) die inn eym schnipff verschwund.
H. Sachs 1, 393b;

da wachsen die kifferbeis resch,
offt in eim schnipp und augenblick,
wachsen sie mir so hoch und dick. 5, 378c.


3) thüringisch schnipf halsleiden der vögel, pips Hertel 41 und sprachschatz 218. ebenso nd. snip Schambach 200a. so schon mnd., glossiert mit 'pituita, est pestis pulli' Schiller-Lübben 4, 276b, vgl.: pituita .. der pfypsz von den hueneren .. pfifig, m. vel schnupff, f. .. snuppe, schnupf, schnup Dief. gloss. 439a demnach ist wol zusammenhang mit schnupfen anzunehmen.
4) für andere bedeutungen vgl. schnipp und schnippe.
 
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schnipfe, f. schnabelartiger ausgusz an einem gefäsz, tülle, vgl. DWB schneppe:

zur linken eine kann', an der die schnipfe trieft.
Rückert Hamasa 2, 147.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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