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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schneidvorrichtung bis schneikericht (Bd. 15, Sp. 1281 bis 1284)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schneidvorrichtung, f. besonders zum schneiden von nägeln Karmarsch-Heeren3 6, 226.
 
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schneidware, f. sammelname für schneidende werkzeuge und geräte aller art Karmarsch-Heeren3 7, 776. Scheuchenstuel 216.
 
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schneidwalze, f. eisenspaltwerk, schneidewerk, vorrichtung

[Bd. 15, Sp. 1282]


zum zerschneiden von eisen vermittelst stählerner scheiben, die an zwei über einander liegenden wellen befestigt sind Karmarsch-Heeren3 7, 776. s. schneidewerk.
 
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schneidwasser, n. benennung des schaftes oder scheegs am vordersteven eines schiffes Campe.
 
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schneidwein, m. mundartlich, der durch mehrmaligen schnitt der weintrestern und frisches auskeltern gewonnene wein von geringer güte Kehrein 1, 361.
 
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schneie, f. durchhieb durch den wald; landschaftliche form für schneide (sp. 1248) in der bedeutung des durchhaus zur grenzbezeichnung, dem niederd. snêe für snêde (brem. wb. 4, 890; snêde, snäde, snê', snä' ten Doornkaat Koolman 3, 242b) zunächst entsprechend; als schnei: als er durch eine schnei hindurch an der strasze den alten turm zum erstenmale wieder sah. O. Ludwig 1, 147; dort hatte ja der alte förster .. eine schnei im Ulrichsholze angelegt. 2, 73.
 
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schneien, verb. schnee geben, als schnee fallen.
I. formelles.
1) das westgermanische, auf snigv als die grundform des stammes zurückführende verb, ags. snîwan, mnd. snîgen und snîen, ahd. snîwan, mhd. snîwen, snîgen, snîhen ist nicht ableitung vom subst. schnee, sondern steht zu dieser bildung im ablaute; urverwandt ist litt. snìgti, zend. sniž schneien, weiterhin lat. ninguere, griech. νίφει es schneit, vergl. Kluge5 333a nebenher läuft eine seltenere unmittelbare ableitung von schnee, das verbum schneen, prät. schneete, in der täglichen rede norddeutscher gegenden, das sich auch in andern dialecten wiederfindet: niederd. in Holstein sneen und sneien Schütze 4, 139; ostfries. snêen, snêien ten Doornkaat Koolman 3, 242b; alemannisch schnêije, schneije Hunziker 227. Seiler 260a; niederl. sneeuwen, ningere, het sneeuwt ningit Kilian (sneeuw, schnee); ebenso steht altnord. snjáfa, snjófa schneien zu snjár, snjór schnee. die alten formen des wortes treten noch in mancherlei nachlängen heraus. ein aus mhd. snîwen entwickeltes alemannisches sniuwen hat elsässisches schneuen ergeben:

das unglück schneüt und steint
mit armuth, hungersnoth, mit krieg und bösen zeiten.
Rompler 72;

auch hessisches geschnauwen geschneit (Pfister nachtr. 262) geht auf älteres snûwen für sniuwen zurück; sonst hat sich snîwen im bayrischen in schneiwen umgesetzt (Schm.2 2, 563; schneiwen, schnaiwen Frommann 3, 240. 392), häufiger jedoch mit verhärtung des w in schneiben, das sich schon ahd. durch snîbit ningit (Graff 6, 852) ankündigt, und sich sonst seit dem 14. jh. auch in angrenzenden sprachgebieten zeigt: ningere sneyben, schneyben Dief. 581a; schwäb. schneiben Schmid 474; hueb darnach an zu schneiben. d. städtechr. 5, 182, 7; und schneibet also zwen gantz tag und zwu nacht. 183, 24; es tet grosz platzregen, dundret plitzt schneibt. Aventin chron. 1, 395, 16; wos regnet, schneibt und ungewitter was. 434, 25; es regnet oder schneibet, so galts in gleich. 2, 384, 4; widerumb so es winter ist, schneybt und regnet. S. Franck güldin arch (1538) 267a; so muesz er auff bloszem nassen boden ligen, auff jhn regen und schneiben lassen. Ferd. II. von Tirol spec. vitae hum. 16 neudruck;

wan eʒ regnet oder sneibt (: treibt).
Teichner A 110a;

als man .. rot rosen siecht sneiben. Erlauer spiele 4, 580;

selbst p für b: es schneipt, ningit Aventin werke 1, 479, 18. anderwärts tritt als stammschlusz h oder g auf: ningere snihen, snigen, schnihen, schnigen Dief. 381a; eines mâles hate iʒ sêre gesnîget. d. myst. 1, 215, 3; vgl. auch nachher die Prudentiusglosse unter 2, und mnd. snighen, snygede Schiller-Lübben 4, 276a.
2) die conjugation des wortes ist im mhd. wie im mnd. schwachformig; doch zeigt sich schon früher starke form: [Pyrenas] ninguidos, versniegun perga (für versnigan?) Prudentiusglosse bei Steinmeyer-Sievers 2, 435, 56; erst nach dem mhd. aber in häufigeren beispielen: und was ain kalte nacht und schnib darz. d. städtechron. 23, 70, anm. 1; dasz es in der zeit auf die stund schnib und kalt was. 429, 4; bis in die neuere sprache hinein, namentlich auch im part.: in einem winter, da es geschnihen hett. Bebel fac. (1589) 301a; mir folgete eine weisze fahne mit einem doppelten adler, welcher von allen orten und winckeln gleichsam volck zuschnie. Simpl. 2, 103 Kurz; dieweil es schon so vil tag her so vil staub geschnyhen. Weckherlin 866;

dein grab das müsse blühen,
mit lilgen gantz verschnien.
Fleming 332;

wenn nicht
just um dieselbe zeit, da hier Theognis
tragödien gab, ein ungeheurer schnee
das ganze Thracien eingeschnien hätte.
Wieland übers. der Acharner, 1. act, v. 145;

[Bd. 15, Sp. 1283]


von Frisch als seltenere form gekennzeichnet: schneyen, hat bei einigen im imperf. es schnie, im perf. es hat geschnien, man braucht es aber regular, es schneyete, es hat geschneyet. 2, 213a; während Gottsched das umgekehrte berichtet: es schneyt, es schnie, geschnien: doch sagen auch einige, es schneyete und es hat geschneyet. sprachk. (1762) 342; von Adelung (und nach ihm von Campe) werden die formen es schnie, es hat geschnien, als oberdeutsch, das part. geschnigen als niederdeutsch aufgeführt; heute nur mundartlich: bair. schniw neben schneiwet, geschniwen und geschneibt. Schm.2 2, 563; in Kärnten part. geschniwen Lexer 223, geschniben Frommann 5, 252, 2; niederd. part. snîen und snigget: das was mi in de hand snîen (kam mir ganz gelegen), und dat was mi in de hand snigget. Woeste 246a. das von Gombert bemerkungen und ergänzungen zu Weigands wb. 1877 s. 15 verzeichnete part. geschneien ist eine ganz vereinzelte erscheinung.
3) umschriebenes prät. gewöhnlich mit haben: es hat geschneiet: dafür älter auch es ist geschneiet: wenn sie gen Kulmbach wollen und das es vast gesneit ist. d. städtechron. 2, 79, 5;

sîn ros von wîʒem schûme lac
reht als eʒ wære gesnîet (als ob es geschneit hätte). Virg. 311, 10.


II. bedeutung und gebrauch.
1) in eigentlichem sinn, unpersönlich: es schneit; non ninguit, ni snîuuit Steinmeyer-Sievers 2, 639, 56;

eʒ regente oder eʒ snîte, wê was ie den vil edelen kinden. Gudr. 1218, 4;

eʒ wæe, eʒ regen, eʒ snîe.
H. v. Laber jagd 291;

do kom nachtz ain groʒʒer wind und des tages weet es auch und ward schnyen und regen. d. städtechron. 4, 107, 21; wann es schneibet, zuhand zergieng der schnee wider. 5, 186, 8; wens vom Libano herab schneiet. Jer. 18, 14;

und gepar sich Maria zu weihenachten ynn kalder zeit,
es hatte geschneit. bergreihen 32, 3 neudr.;

am andern (tage) schneit es frühe stark, das feld ward schnell mit schnee bedecket.
Brockes 7, 560;

doch regnet', stürmt' und schneit es nicht. 565;

mit angabe des objects: es schneit grosze flocken;

bey dem stärksten hagel-schneyn
erndet unschuld rosen ein.
Günther 92.


2) mit benanntem subject: darnach Simon und Judas (28. octbr.) schneien werden. Luther 6, 20b; ein kalter schneiender regnender sturm. J. Paul Hesp. 4, 118;

der andre winter schneyt den bergen auf das haupt.
Günther 516;

kein nord kan so viel schneyn. 710.


3) uneigentlich, von dicht wie fallender schnee herzukommenden dingen.
a) im vergleiche:

man schôʒ unde warf
ûf sie alsam eʒ snîete. pass. 265, 29 Köpke;

mit object: es schneite flüche, verwünschungen; wens gleich eitel bischove, Emser, Eck und bepst regenet und schneiet. Luther 1, 376a; und wenn es lauter copien, thiesacken, sebel, rapier, lange spiesz und doppelhaken schneit und regnet. Mathesius Sar. 89a;

bisher hats lauter kreuz geschneit,
lasz nun die sonne scheinen.
P. Gerhardt 317, 71;

es schneit rosen, freuden im frühling des lebens:

menschen haben, sind sie klug,
ursach gnug,
alle stunden mit zu nehmen,
und so lang es rosen schneyt,
sich der zeit
klüglich zu bequemen.
Günther 914;

aber auch als bild von etwas nie vorkommendem:

wenns schneiet rothe rosen,
wenns regnet kühlen wein. wunderhorn 2, 83;

ähnlich: wenn es dukaten schneit, vgl. theil 2, 1488;

meint ihr, mir schneits dukaten?
Pfeffel poet. vers. (1816) 6, 51;

und so's dukaten schneite,
das wär mir eben recht.
Geibel 1, 164.


b) in älterer sprache auch es schneit mit etwas: vorhin da man lob und ehre davon hatte, da schneiet es zu mit almosen, stiften und testamenten. Luther 5, 397a; es schneiet mit briefen hierher. briefe 5, 204; da regnets dann eitel glück, .. da schneiet und hagelt es mit gelt zu. Garg. 75b.
c) mit benanntem subject:

vil banier mit tiweren sniten
dâ kom an allen sîten,
als ob dâ rîter snîten. Willeh. 209, 12;

[Bd. 15, Sp. 1284]



die getouften rîter wânden
daʒ dâ snîten rîter ûʒem luft. 425, 11;

so schneiet eitel gnade und barmherzigkeit gottes. Luther 8, 281b; auf bestimpten tag kam das volk, als ob es herzu schneiete. Henneberger landt. 449; schwere streich .. welche ohne underlasz an allen orten seines leibes, auff jhn schnyen. Amad. 149 Keller; wo von kanzeln, lehrstühlen, bücherschränken aller zeiten unaufhörlich die flocken der reinsten kalten ermahnungen schneien. J. Paul Levana 1, 11; wenn auch die ducaten vom himmel schneiten. Kotzebue dram. sp. 1, 19;

so wünscht mein abschied euch mehr seegen und gedeyen,
als flüche mir anitzt auf meinen buckel schneyen.
Günther 1039;

zugleich mit object:

bis die güldne zeit
von neuem sich erbarmt, und gute frauen schneyt. 456;

ich will nur mit gedult so lange witwer seyn,
bis eine beszre luft wird fromme weiber schneyn. 1002;

glaubten dich noch im süden weit,
wo die orange blüten schneit.
Geibel 2, 132.


4) schneien, sprichwörtlich und in redensarten: einem schneit etwas ins haus, kommt unversehens; dieses glück schneite ihm so ins haus; auch: da ist mir ein besuch ins haus geschneit; menschen schneien von überall her zusammen:

nun! und wer merkt uns das nun an,
dasz wir aus süden und aus norden
zusammengeschneyt und geblasen worden?
sehn wir nicht aus, wie aus éinem spahn?
Schiller 10, 47 (Wallenst. lager, 11. auftr.);

aus einer andern welt herein schneien, fremdartig erscheinen: (ich) hielt mich für geputzt genug; allein es währte nicht lange, so überzeugten mich meine freundinnen .. dasz ich wie aus einer fremden welt herein geschneit aussehe. Göthe 25, 56;

er ist, wie in die welt geschneit.
sein väterliches haus ist leer,
sein vater, mutter, sind nicht mehr,
und brüder, schwestern, sind zerstreut.
Göckingk 1, 145;

zeichen des elendes ist, wenn es einem in die bude, ins haus, in den busen, in die schuhe schneit, vgl. dazu bude th. 2, 489, busen ebenda sp. 565; es wird dir noch in die schue schneien. frau Schlampampe leben 22;

dasz ein Chapelain für dummheit schätze häufe,
indesz es klügern oft durchs dach ins stübchen schneit.
Göckingk 2, 151.


 
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schneike, f. werkzeug zum schneiken; für schneuke, wie das verbum für schneuken stehend; auf rüssel, schnauze bezogen: die schneicke, schneugge, rüssel, nase, niedrig auch von menschen Stalder 2, 342 (vgl. die hundsschnöucken, rostrum canum Maaler 232d); übertragen auf den schiffsschnabel: rostrum navis, der schnabel, oder die schneicke des schiffs. Golii onomast. 185 (Dief. 500c).
 
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schneiken, verb. landschaftliche form des alemannischen schneuken, mhd. snöuken, schnobern, schnüffeln, schnüffelnd durchsuchen; schweiz. schneicken, schnaicken neben schneuggen, schnüffeln, schnobern nach art der hunde oder schweine Stalder 2, 342; schwäb. schneicken, etwas leckerhaftes naschen Schmid 474; heimlich suchen, besonders um zu naschen Schm.2 2, 566; in älteren schriftquellen: nun wolan, das unflätlin hat noch nit gng damit, es msz weiter schneiken. Keisersberg spinn. (510) b 6a; wer sich aller widerwertigkeit und alles des das im zu handen gat wil annemen und schneicken. bilg. 84d; er schneikt alle winkel us. brös. (1517) 1, 40b; so schneickt es (das schwein) mit seinem ryssel in iedes dinge. herlichkeit des schweins bei Dornavius amphitheatr. sapientiae socraticae jocoseriae (1619) 1, 591. vergl. beschneiken, theil 1, 1588; durchschneiken 2, 1676; erschneiken 3, 968.
 
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schneikerei, f. wiederholtes schnobern, genäschiges spüren, für schneukerei: und gat recht der schneikery nach. Keisersberg brösaml. 1, 41a.
 
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schneikericht, adj. gern schneikend, spürend: zu dem ersten so ist ein mensch versumlich, hinlessig, so wirt es darnach schneikerecht, usschweifig. Keisersberg brös. 1, 41a; mundartlich sonst schneickisch, schnäuggisch Stalder 2, 342; schwäb. schneickig leckerhaft Schmid 474; schnaickig, schnaicklich, naschhaft, heikel Schm.2 2, 566.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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