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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schneiden bis schneiderblut (Bd. 15, Sp. 1252 bis 1271)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schneiden, verb. secare, incidere, gemeingerman. wort ohne urverwandte bildungen in den übrigen indogerman. sprachen. goth. sneiþan, prät. sing. snaiþ (in af-snaiþ Luc. 15, 27), part. sniþans (in uf-sniþans 1. Cor. 5, 7), altnord. sníða, prät. sing. sneið, plur. sniðu, part. sniðinn, daneben ein schwaches prät. snídda, wie lídda neben leið. Cleasby-Vigfusson 575a; ahd. snîdan, prät. sing. sneid Graff 6, 840; plur. und part. mit grammatischem wechsel snitum, gasnitan (s. leiden theil 6, 658), der grammatische wechsel tritt noch hervor im altengl. sniðan, prät. sing. snâð, plur. snidon, part. sniden Bosworth-Toller 892a; dagegen ist er auszer im goth. und altnord. (s. oben) auch im altsächs. und altfries. durch ausgleich der flexionsformen beseitigt worden. altsächs. snîðan, prät. 3. pers. sing. opt. sniði Heliand 747 (Mon. snidi), altfries. snitha, snida, snia, part. gesnithin, esnithin, esnithen, snithen, snethen Richthofen 1039a, mhd. snîden, prät. plur. mit erhaltung des grammatischen wechsels sniten, part. gesniten, das auslautende t im prät. sing. sneit beruht auf dem gesetz, dasz auslautende media im mhd. in die entsprechende tenuis übergeht, daher auch in der 2. pers. sing. imperat. snît. einzelne abweichungen von dem gesetz des grammatischen wechsels begegnen im mitteldeutschen:

wanne eʒ doch bî wîlen quam,
daʒ dise frouwe lobesam
dêt cleidere ûʒene an den lîb, ...
nâch gewonheit an gesniden (: vermiden). heil. Elisabeth 2013;

und so noch im 16. jahrh.: was Egranus unnd andere mammelucken ... böses unnd erdichtes geschniden und geplaudert haben. Mathesius historien von d. M. Luther 65b. im nhd. trat zu dem inf. schneiden das prät. sing. schnitt, entsprechend der ablautstufe des plur. schnitten, part. geschnitten; Luther zeigt das bestreben, den stammauslaut t auch im präsens durchzuführen, vielleicht in anlehnung an die prät.-formen, vielleicht auch durch vermischung mit dem schwachen verbum schneiten (s. d.): Ahaliab, ... ein meister zu schneiten. 2 Mos. 38, 23; wo sie schneiten im felde, da gehe jnen nach. Ruth 2, 9; gelegentlich auch bei andern: niemand sol gewand schneiten zu Erfurt dann uf dem frîe. Falkenstein hist. v. Erfurt 135. die 2. pers. sing. präs. erscheint bei Luther ohne synkope des ableitungsvocals: du schneittest, wo du nicht geseet hast. Matth. 25, 24; die 3. pers. nur mit synkope und vereinfachung der zusammenstoszenden dentale: deine zunge trachtet nach schaden, und schneit mit lügen. ps. 52, 4; wer da schneit der empfehet lohn. Joh. 4, 36; sonst auch in der schreibung schneidt: einer seet, der ander schneidt ein. Mathesius Sar. 37b. Gottsched sprachk. 343 führt allein die synkopischen formen schneidst, schneidt an, wofür einzelne belege bis in die neueste zeit begegnen:

nun wohl, fährt Paris fort, und schneidt ein amtsgesicht.
Wieland 10, 176;

solch ein alt stumpf fräle hat manchmal auch eine stell, wo sie schneidt. Ludwig 2, 131. durchgehends im niederd. mit verkürzung des stammvocals: swe ... gras snit. Sachsensp. 2, 28, 1 (s. die stelle unten unter I, 1, b); hê snitt Danneil 199b; ebenso mundartlich in Sachsen (Halle): es schnitt Albrecht 205a. die 2. pers. sing. imperat. erscheint bei Luther zweisilbig, wol in anlehnung an das schwache zeitwort schneiten: schlag an mit deiner scharffen hippen, und schneite die drauben auff erden. offenb. Joh. 14, 18. im prät. sing. verwendet er meist nach alter weise die form schneit: und David stund auff, und schneit leise einen zipffel vom rock Saul. 1 Sam. 24, 5; und da er kam, schneit ers (das kraut) ins töpffen zum gemüse. 2 kön. 4, 39; daneben gebraucht er auch ein nach analogie des schwachen verbums gebildetes prät. schneite: das (schermesser) fand er also, und schneite jr damit den hals abe. schriften 5, 361a. ganz einzeln findet sich noch das prät. schneyde mit d aus dem präs.: da es yhn aber so fast inn den dermen reysz, nam er eyn messer, schneyde yhm selbs den bauch auff. Agricola sprichw. 516. bei H. Sachs stehen im prät. alte und junge bildungen neben einander:

der schneider gleich solicher mas
paid kittel macht und sie zerschnaid. fab. 1, 429, 51 neudruck;

vil tawsent sel sach ich von weitten,
den man alln die negel abschnit. 1, 200, 307.

doch scheint bei den jüngeren formen schwanken in der quantität bestanden zu haben, da sich gelegentlich die schreibung ie

[Bd. 15, Sp. 1253]


findet: schniet (: priet) H. Sachs fab. 1, 346, 16 (s. die stelle unten I, 2, b, α);

ich schniedt ab mein lang gehlfarb har. gedichte 3 (1561), 2, 285b.

dieses schwanken in der quantität ist durch andere ähnlich lautende verba derselben ablautreihe, wie meiden — mied, scheiden — schied herbeigeführt worden. neben dem seit den frühsten zeiten des nhd. auftretenden prät. schnitt, welches schon vor Luther besteht: (der meier) schnit in ein molcken kar, von fetten rinden des brotz. Eulensp. 10 neudr., erscheint auch ein nach art der schwachen verba gebildetes schnitte, wie litt — litte, sah — sahe und ähnl.: der alte lauer schnitte mir so einen hauffen daher, dasz ich mich glückseeliger zu seyn dauchte, als Fortunatus mit seinem seckel und wünschhütel. Simpl. 3, 93, 12 Kurz; so noch bei Stieler 1899 und selbst noch im 18. jahrh.: Julchens jammervoller tod schnitte tiefe wunden in Fritzchens herz. Plaut akad. liebe 314. im übrigen herrscht noch manches schwanken in der schreibung: (der mensch) helt eynes anderen anlygen eben als schnyd er in eynen filtzht. Agricola sprichw. 60;

es schnidt ihn (den ruhm) aber auch der Phöbus in die linden.
Günther 737.

schwanken zeigt sich auch auszer in der vocalabstufung in bezug auf erhaltung oder ausfall des stammauslauts in heutigen oberd. und niederd. mundarten: bair. schnei'n, part. gschni'n Schm. 2, 568; tirol. schneiden, schnei'n Schöpf 639; niederd. sniden, snien, prät. sneed, part. sneden, sneen brem. wb. 4, 889; westfäl.-märk. snîen, prät. snêd, part. snîen Woeste 246a, altmärk. snîd'n, snî'n, prät. snêd, part. snäden Danneil 199b, südhann. snîen, prät. snêd, sneid, part. gesnêen Schambach 200a.
bedeutung und gebrauch.
I. vermittelst einer schneide trennen.
1) ursprünglich als ausdruck der landwirtschaft gebraucht bezeichnete schneiden
a) das abtrennen des getreides mit der sichel zum unterschied vom mähen oder hauen mit der sense. so steht es in der gothischen bibelübersetzung überall als vertreter des griech. θερίζειν, z. b. Matth. 6, 26. Luc. 19, 21; die gleiche bedeutung ist im altengl. belegt und im altnord. durch das subst. sniðill, gartenmesser Cleasby-Vigfusson 575a bezeugt. im deutschen hat sich dieser gebrauch bis auf die gegenwart lebendig erhalten. metere, snyden, schniden, schneiden Dief. 359a; korn schneyden, metere, demetere, messem facere, segetes succidere Maaler 359c; dasz reiff korn abschneiden. Henisch 926; das getreide schneiden, frumenta metere Steinbach 2, 476, schneiden (in feldern) heiszet die feldfrüchte mit der getraidesichel vom acker abbringen. öcon. lex. 2216; irleget deme wechverdigen manne sin perd, he mut wol korn sniden unde ime geven. Sachsensp. 2, 68; das überreife korn, welches der hofschulze noch immer nicht hatte schneiden lassen, knickte fast unter der bürde seiner ähren. Immermann Münchhausen 3, 63. ohne object: wir müssent auch mit gott würcken .. mit segen, ackern, schnyden, tröschen. Keisersberg pater noster Q 4; do flohen etlich, di andern schickten ir potschaft und rüeften an umb hilf oftgenanten Oryz, .. der vil guets allen landen und leuten bewisen het, er und sein gemachel Eisen, indem das si .. ackern säen egen schneiden dreschen malen .. und dergleichen ander ding vil mêr erdacht hätten und mäniglich lerneten. Aventin chron. 1, 120, 9; die Beth Semiter aber schnitten eben in der weitzenerndte. 1 Sam. 6, 13; zu Dummerstat, da hatten die bawren ein uberaus hübsches weitzenfeld geseet, unnd als man schier schneiden solt, da waren wol zwölff pferde in den weitzen gangen. Frey gartengesellsch. 16b; es kann alles zu grund gehen, wenig stunden vorm schneiden. Schiller 2, 115 (räuber schausp. 3, 2);

mein hofflikait ist ackern, seen,
schneiden, dreschen, hayen und meen.
H. Sachs fastn. sp. 2, 30 neudruck.


b) ausgedehnt auf andere erzeugnisse des landes: kräuter schneiden, herbas conscindere Steinbach 2, 476; gras, früchte, trauben, reben schneiden: ih bin dicco kuman in mînen garton, ... ih sneit dâ mîne mirron mit mînen pimenten. Williram 74, 2; swe so holt houwet, oder gras snit, ... sin wandel dat sint dre schillinge. Sachsensp. 2, 28, § 1; die dâ lant unde liute habent, die gêt diu ûʒsetzikeit an, .. unde die den liuten schedelîche fuoter snîdent oder gras. B. v. Regensburg 1, 121, 28 Pfeiffer; swer eines vremedin mannis gras snidit odir sin ror odir sin holz, der sol iʒ geldin mit drin schillingin; der iʒ dannin treit, der gildit iʒ billiche also tiure, alse der die iʒ sneit. Görlitzer landr. 47, § 4, a; schlag an mit deiner scharffen hippen, und schneite die drauben auff

[Bd. 15, Sp. 1254]


erden, denn jre beer sind reiff. und der engel schlug an mit seiner hippen an die erden, und schneit die reben der erden. offenb. Joh. 14, 18. 19; (er) soll vorsehung thun, das er gutes eisenen zeugs schneidmesser .. habe, damit die reben zuschneiden. Sebiz feldbau 50;

du solt zu deinem vettern gehn,
und hörn, ob er wöll bey uns stehn,
die frücht zu schneiden morgen früh.
Alberus fabeln 18, 199 neudruck.


c) mit collectivem object, die ernte schneiden: die ernde ist an der hand, unnd geschnitten darzu. Frey gartenges. 72a;

morgen fangen wir an zu schneiden die reichliche ernte.
Göthe 40, 235.


d) mit begriffswandel, den acker, die wiese schneiden: so du snidest dinen aker und vergiʒʒest du einer garben uf dem velde, du ensolt niht hin wider loufen und die garben nemen. Schwabensp. 173, 20 Gengler; ich wil jn (den weinberg) wüste ligen lassen, das er nicht geschnitten noch gehackt werde. Jes. 5, 6;

die grüenen wisen sint gesniten. warnung 2379.


e) bei bienenzüchtern den honig schneiden, wofür auch gesagt wird: die bienen schneiden, die honigscheiben abschneiden, ohne die bienen zu töten, zeideln Campe; im herbst pfleget man sie (die bienen) zu schneiden, oder ihnen das honig zu nehmen. Coler oeconomia 1, 534b; bienen-zeideln, heiszet denen bienen das honig schneiden oder mindern, und also die ausbeute von ihnen nehmen. öconom. lex. 283.
f) schneiden, in der gärtnerei und forstwirtschaft das abschneiden einzelner oder aller jungen triebe, damit die bäume sich besser entwickeln und mehr früchte tragen (wofür in der heutigen sprache beschneiden gebräuchlicher ist): dolare, schniden mit dem reiffmesser. Dief. 189b; geschnittene gerte, die übers jahr tragen soll, palmes praesidiarius vel subsidiarius, custos Henisch 1544; niederd. bomen sniden ten Doornkaat Koolman 3, 243a; besonders in der weingärtnerei: putare, wingarten scniden, besniden, winstock besniden Dief. 474b; die räben schneiden, putare vites Dasyp.; vitem desecare, rescindere, premere falce, auerruncare Maaler 359d; den wein schneiden, vites incidere, tondere Stieler 1899; schneidmesser, häpeln und weingarthäcklin .., damit die reben zuschneiden. Sebiz feldbau 50; da lehret Christus neben andern auch oblique mit, wie man wein schneiden soll. Coler oeconomia 1, 267a; darnach soll er (der weingärtner) die stöcke und reben lieb haben, und vorsichtiglich im schneiden, hacken, behauen, räumen und dergleichen arbeit mit ihnen umbgehen. 261a.
g) übertragen und bildlich, mit persönlichem object:

Macbeth ist reif zum schneiden, und die mächte
dort oben setzen schon die sichel an.
Schiller 13, 129.

mit sächlichem object: du wildt schneyden von distelen die feigenn, unnd von den dörnern die weinberenn. Keisersberg pred. 70a;

uns wil dâ sîner tugende rât
snîden lân des lebens vrucht. pass. 637, 63 Köpke.

mit abstractem object:

wir sæjen alle valscheit,
sô snîden laster unde leit,
tuo uns daʒ leit iht sêre wê,
sô bedenken eʒ ê,
sæjen beʒʒer unde baʒ
unde snîden ouch daʒ. Tristan 308, 18;

absolut: du schneittest, wo du nicht geseet hast. Matth. 25, 24;

sîn vil tugentlîcher mût
sewete ûf der erden,
daʒ er mit grôʒen werden
ûf dem himele darnâ sneit. pass. 379, 19 Köpke;

ir (vögel) enert noch ensæt,
ir ensnîdet noch enmæt.
Lamprecht v. Regensburg Franc. leben 2438.


h) in sprichwörtlichen fügungen: schneid weil dein ernt ist. S. Franck sprichw. 2, 92b; man soll schneiden weil die erndte ist, aestas non semper fuerit, componite nidos Henisch 926; schneiden und binden ist schwer arbeit. 387; was wir säen, dasz werden wir schneyden. Keisersberg pred. 70a; du schneidest das du geseyet hast, wan du bonnen seyest, so kanstu nicht linsen sammeln. Keisersberg narrensch. 179b (171b);

die liute snîdent unde mænt
von rehte als si den acker sænt.
Freidank 3, 5.


2) ausgedehnt zu der allgemeinen bedeutung des trennens mit einer schneide schlechthin: schneyden, secare, insecare, scindere, deputare Maaler 359d; in manigfacher verwendung.

[Bd. 15, Sp. 1255]



a) mit hervorhebung des abtrennens.
α) in eigentlicher verwendung, abschneiden, ausschneiden: David stund auff, und schneit leise einen zipffel vom rock Saul. 1 Sam. 24, 5; er schnitt eine locke von seinem silbernen haupthaar. Schiller räuber 5, 1 schauspiel; um desto mehr korn fortzuschleppen, schnitt man die ähren von den halmen, und verderbte den überrest. schriften 8, 387; warum ruht er? .. darum, weil das herz aus seiner brust geschnitten ist, weil darin das feuerrad der entzückung .. nicht mehr geht. J. Paul Titan 1, 189;

ich snîde sâ ze stunde
ûʒ dînem valschen munde
die valschen zungen. Barlaam u. Jos. 228, 25;

der fürst liesz in zorniger art
sein hertz schneiden ausz seinem leib.
H. Sachs fastn. sp. 1, 6, 203 neudruck;

ohne hinzufügung dessen, wovon etwas abgeschnitten wird:

darum bereite dich, das fleisch zu schneiden,
vergiesz kein blut, schneid' auch nicht mehr noch minder
als grad' ein pfund. Shakesp. kaufmann von Venedig 4, 1.


β) in uneigentlicher verwendung, auf die ältere sprache beschränkt, abwenden, abspenstig machen, auch reflexiv:

si (die lehre des heil. geistes) was manigen also scharf
daʒ sî in von der werlde sneit. pass. 169, 59 Hahn;

die todte majestät. die auf das mord-klotz fällt,
beschwärtzt das weisze land, und schreckt die grosze welt,
die sich von Britten sucht weit mehr denn vor zu schneiden.
A. Gryphius (1698) 2, 377.


b) zertheilen, auseinander trennen.
α) eigentlich: entzwey schneiden, dissecare Steinbach 2, 476; so men das brot über disch enzwei brach oder sneit, so flos blt herus. d. städtechron. 8, 328;

da faszt der greis ein messer und spricht kein wort dabei
und schneidet zwischen beiden das tafeltuch entzwei.
Uhland ged. (1864) 366.

ähnlich:

es endet leben und liebe.
schnittest du, parze, doch nur beiden die fäden zugleich.
Göthe 1, 397.

häufig mit näheren angaben über die art und form des schnittes: einen fisch in stücke schneiden, deartuare piscem Corvinus fons lat. 70a; klein schneiden, minutim concidere Stieler 1899; in stücke schneiden, in frusta secare Steinbach 2, 476;

darnach man sie den schnt und priet,
ir etlich gar zw stuecken schniet.
H. Sachs fab. u. schwänke 1, 346, 16 neudr.;

sie (die schneider) schneiden's tuch in vier eck
und schieben die hälft in die hosensäck.
Schade handwerkerl. 276.


β) uneigentlich, in älterer sprache, auseinander halten, unterscheiden; in einem rechtsstreit eine entscheidung fällen: man mus (wie Paulus sagt) recht schneiden und teilen gottes wort, das gesetz auff einen ort, die zusage gottes auff den andern. Luther 6, 401b;

ieder wil haben recht
und wil kein mittel leiden,
ob gleich dein wort tut schneiden;
das der ein teil nem an,
würts der ander nicht tan.
H. Sachs spruchged. 83, 146 Tittmann.


c) indem die vorstellung des eindringens der schneide in den vordergrund tritt: in etwas hinein schneiden, in einen tisch, in ein kleid schneiden; mit object: ein loch in ein brett schneiden; in älterer sprache einen schnitt schneiden:

von Tagesburc Reinfrît
der sneit dâ manegen niwen snit
in der heiden gewande.
Stricker Karl 5936.

ein zeichen, einen namen in etwas hinein schneiden; bildlich:

es schnidt ihn (den ruhm) aber auch der Phöbus in die linden.
Günther 737;

schnitt ich mein elend in die linden,
erzehlt ich es den sanfften winden,
so seh ich überall gefahr. 1178.

auch mit andern präpositionen verbunden: an oder auf das kerbholz schneiden, besonders um geldforderungen bis zur abrechnung im gedächtnis zu behalten: darzu soll ein paumeister bestellen, das die zimmergesellen .. ein kerben haben, doran sie die schnit schneiden. Tucher baumeisterb. 112, 32. ähnlich in Baiern an oder auf den spân schneiden, zur verrechnung vormerken Schm. 2, 570. daher bildlich einem etwas aufs kerbholz schneiden, es ihm zur last legen, als schuld anrechnen mit der aussicht auf vergeltung: man hette jhm (dem pfaffen) viel ungereimer item an das kerbholtz geschnitten. Frey gartengesellsch. 64b; auch ohne richtungsbestimmung: mit dem

[Bd. 15, Sp. 1256]


pflugeisen die furchen (in das erdreich) schneiden, vomere proscindere sulcos Comenius sprachenth. 391; dafür oft mit näheren artbestimmungen, tief schneiden:

denn schneidet nur der jude tief genug,
so zahl' ich gleich die schuld von ganzem herzen. Shakesp. kaufmann von Venedig 4, 1;

bildlich:

nicht mehr soll dieses bodens durst'ge furie
mit eigner kinder blut die lippen färben;
nicht krieg mehr ihre felder schneidend furchen. Heinrich IV. 1. theil 1, 1.


d) durch etwas schneiden;
α) eigentlich:

sîn videlboge (das schwert Volkers) snîdetdurch den herten stâl. Nib. 1943, 3;

mit object, ein loch durch etwas schneiden: auff den andern morgen bracht er (der teufel) dem brder eyn gantz graw tuch, schneid mitten eyn loch hyndurch, und hieng es yhm also gantz an den halsz. Agricola sprichw. 21b.
β) uneigentlich in älterer sprache; reflexivisch sich durch etwas schneiden, es durchdringen:

daʒ venster, daʒ dâ giench hin în,
dar în diu sunne gab ir schîn,
daʒ was ir reine kûscheit,
dâ durch diu goteheit sich sneit
als diu sunne durch daʒ glas.
Heinr. v. Krolewiz vaterunser 641.


3) schneiden als wort des haushalts, der wirtschaft, der technik.
a) im haushalt vom zerschneiden der speisen, oft mit hinzufügung näherer angaben über die gestalt der abgetrennten theile: länglich, würflicht, in scheiben schneiden; röste weisz brod, schneide das fein länglicht. Coler oeconomia 1, 74a; schneid es (das fleisch) klein, fein würfflich. 54b; nim zwiebel, schele sie, und äpffel, schneide sie hübsch scheiblich. 50a; schele sie (die äpfel) und schneide sie in vier oder zwey theil. 55a. in andern fällen schlieszt die art der verwendung schon die vorstellung einer bestimmten zweckmäszigen form in sich.
α) im allgemeinen von speisen, im sinne des heutigen vorschneiden bei tische; nur in älterer sprache; mit acc. der sache und dativ der person:

mit ir selber hant si sneit
dem riter sîner spîse ein teil. Parz. 33, 10;

Cunnewâr diu lobes wîse
sneit ir bruoder sîne spîse
mit ir blanken linden hant. 279, 12.

ohne object mit dativ der person:

nû kam eʒ zeiner zît alsô
daʒ er solte snîden
der klâren und der blîden
über tische. Engethard 1967.

absolut gebraucht:

zwêne knieten unde sniten. Parz. 237, 17;

nû daʒ er iezuo alsô sneit,
dô dâhte er an ir minne. Engelhard 1972.


β) im besondern: brot schneiden, von einem laib brot scheiben abschneiden; in verkürzter ausdrucksweise butterbrot schneiden, eine scheibe brot abschneiden und mit butter bestreichen: den kindern brod schneiden, liberis de pane frusta abscindere. Frisch 2, 213b; nd. brod sniden Dähnert 438a. ten Doornkaat Koolman 3, 243a; sie (die kinder) wollen von niemandem brot geschnitten haben, als von mir. Göthe 16, 27;

o liebe! sagt' er: deiner wut
weih ich den mordstahl und mein blut;
und fieng an, brodt zu schneiden.
Hagedorn (1771) 3, 33.

käse schneiden, caseum scindere Steinbach 2, 476; braten schneiden, daher das subst. bratenschneider in älterer sprache bezeichnung des garkochs (Danzig). Klein 2, 134:

wir suln den kochen râten,
sît eʒ in alsô hôhe stê
daʒ si sich niht versûmen,
daʒ si der fürsten brâten
snîden grœʒer baʒ dan ê
doch dicker eines dûmen.
Walther 17, 15;

zwiebeln, bohnen schneiden: heut vor zwey jahren sas ich bey dir fast den ganzen tag, da wurden bohnen geschnitten bisz um mitternacht. Göthe briefe 2, 191 Weim. ausg.; teig schneiden, daher in Siebenbürgen (Bistritz) geschnidn dêch, d. h. nudeln Kramer 120; bair. gschni' nu'ln, geschnittene nudeln, dünner teig Schm. 2, 568. zuweilen mit richtungsbestimmung, etwas in ein gefäsz schneiden: da er kam, schneit ers (das kraut) ins töpffen zum gemüse. 2 kön. 4, 39; ähnlich: nim darunter weisz brod, saltz, baumöl, zucker, und schneid darein gute kräuter. Coler oeconomia 1, 51b; bildlich:

[Bd. 15, Sp. 1257]


hân ich von ir reinen siten
vröude ein teil darin gesniten,
sô ist iedoch des einen mê. minnes. 1, 89b Hagen.


b) in der wirtschaft: stroh (zu häckerling) schneiden, stramen concidere in brevissima frusta Frisch 2, 213b; geschnitten stro, gesüed, hexel. Henisch 1544; mit begriffstausch häckerling, häcksel schneiden: bey uns ist das beste pferdfutter haber, hexel und gerstenstroh geschnitten. Coler oeconomia 1, 343a;

ich merck, du bist ein handwercksman,
kanst etwan kessel und pfannen flicken, ...
schlotfegen oder brotkörb machen,
stroschneiden oder hippen bachen.
H. Sachs 5 (1579), 367d;

jene lief in die scheune, wo Thoms mit gewaltiger arbeit
häckerling schnitt.
Voss 2, 284.

futter schneiden, kräuter, gras und dergl. klein schneiden und durcheinander mischen zum futter für das vieh; tabak schneiden:

junge! schneide knaster!
Günther 920.

holz schneiden (mit axt oder säge, s. unten c), ligna secare Stieler 1899; niederd. holt sniden Dähnert 438a.
c) in der technik, wo durch schneiden nicht nur das trennen mit dem messer im gegensatz zum spalten oder keilen, sondern auch das bearbeiten mit drehstahl, hobel, säge, meiszel, stemmzeug, axt, schaber, draht und ähnl. verstanden wird. Karmarsch-Heeren3 7, 775; mit der säge schneiden, serra secare Frisch 2, 213b; beim bergbau schneiden vom herstellen der schmalen vertiefungen, schlitze oder gänge eines bergwerks Veith 422.
d) im handel und gewerbe, tuch, garn, leder schneiden, vom ganzen stück eine bestimmte menge abschneiden: solt ich so manchs mal ein schämel nach dir geworffen haben, als offt du zevil geren geschnitten .. hast, ich hette weder stül noch bänck mer im himmel. Wickram rollwagenb. 187 Kurz. in älterer sprache meistens mit der nebenbedeutung des verkaufens, z. b. speck schneiden: welk borgher spek snyden wil, de schal der stad veer sol. gheven des jares. quelle bei Schiller-Lübben 4, 275a; so besonders von zeug und tuchwaren (vergl. schnittware): leder schneiden, das leder stückweis verkauffen, corium in frustis vendere Frisch 2, 213b; welk man, dese snyt semesch ledder. quelle bei Schiller-Lübben 4, 275b; de lakenmakere moghen eens in der weken ere eghene lakene snyden. ebenda; am gebräuchlichsten in der verbindung gewand schneiden, omnis generis pannos vendere Frisch 2, 213b; niederd. wand sniden Dähnert 438a (vergl. gewandschneider); niemand sol gewand schneiten zu Erfurt dann uf dem frîe (freiheit, platz) des erzbischoves unter den gademen. Falkenstein hist. v. Erfurt 135; wir setzen auch, daʒ chain sneider vurbaʒ gewant schol sneiden, er tue sich dan e deʒ sneitwerchs ab. stadtr. von Brünn 389, 183; is sal ouch nymant, der nicht czu kamern stet, snyden keynerleye schongewant. Bresl. urkundenb. 226, 19.
e) in der heilkunde.
α) die entfernung einzelner erkrankter theile des menschlichen oder thierischen körpers vermittelst geeigneter werkzeuge bezeichnend; in älterer sprache öfters in der redensart schneiden und brennen als ausdruck der chirurgischen thätigkeit: als abo diu ûʒʒera rinta eiusdem pomi, in uuîne getrunkeniu dualm machet den, die man scal snîdan oder brennan, samo tuont doctores. Williram 128, 18; eine wunde schneiden, die eiternden theile daraus entfernen; einen bruch schneiden, ramici mederi, herniam curare Stieler 1899; wofür schweiz. einen schneiden Hunziker 228; ein gewächs schneiden; bildlich:

den überhäufften schmertz stillt weyrauch und corall,
nicht aber ungedult; wer sein betrübtes leiden
durch sie zu mindern denckt, wirfft kletten auf crystall,
will mit vergifftem stahl gewächs und brüche schneiden.
Günther 1090.

den stein schneiden, calculum vesicae incisione facta eximere Frisch 2, 213b; dafür auch am stein schneiden: ein schneidthaus, .. darein allein die brechhaften leut an allerley brüchen curiert auch die am stain geschnitten worden. quelle bei Schm. 2, 571; bildlich: ihr vorhaben war disz, dasz sie die morntrige nacht einem reichen kautzen einfahren und den stein schneiden, das ist auf teutsch so viel, dasz sie einem wolhabigen mann diebischer weis einbrechen, und ihm sein haus bestelen wolten. Simpl. 3, 365 Kurz; schneiden als mittel gegen gicht, bildlich:

wer gicht auffs alter nicht wil leiden,
der mag sich jung bald lassen schneiden.
Logau 2, 131, 65.

hühneraugen schneiden: das schneiden der hühneraugen war daher auch von jeher eines der wichtigsten geschäfte am

[Bd. 15, Sp. 1258]


hofe. Immermann Münchh. 3, 176. in älterer sprache den wurm, narren schneiden (vgl. dazu unter narr theil 7, sp. 359):

so musz man dir die narren schneyden.
H. Sachs fastn. sp. 1, 135 neudr.


β) einen menschen oder ein thier schneiden, ihm die zeugungstheile nehmen, castrieren: einen schneyden, einem auszhauwen, membra alicuius secare Maaler 359d; geschnittener hammel, schöps, vervex Henisch 1544; schwein schneiden, castrare porcos Corvinus fons lat. 260a; einen menschen oder thier männlichen geschlechts schneiden, evirare, castrare Frisch 2, 213b; niederd. swine sniden Dähnert 438a; falen un kalfer sniden laten. ten Doornkaat Koolman 3, 243a; vor dreyen jahren läst man kein pferd schneiden. Coler oeconomia 1, 340b; man schneidet die junge öchslein auch wohl bald im sug, weil sie noch saugen, so werden sie fein grosz und starck. 1, 390a; aus dem kurtz-wildpräth, hoden oder testiculis kömmt aller zugang, nahrung und krafft her, so zum gehörn dienet, weiln, so ein hirsch-kalb klein geschnitten wird, es nimmer ein gehörn bekömmt. Fleming teutscher jäger 92a.
γ) ein kind aus dem mutterleibe schneiden, der sogenannte 'kaiserschnitt': ein kind von mutter leib geschnitten, filius exsectus Henisch 1543;

lasz den teufel dir, dem du von je
gedient, kund thun, dasz Macduff vor der zeit
aus seiner mutter leib' geschnitten ist.
Schiller 13, 157.


4) schneiden mit dem begriff des formens, gestaltens.
a) von verrichtungen des täglichen lebens, zurecht schneiden, am körper, sich die haare, den bart, die nägel schneiden, schneiden lassen, die platte schneiden von der tonsur der katholischen geistlichen:

hâr unde bart nâch clôstersiten
unt clôsterlich gewant nâch clôsterlîchen siten gesniten,
des vinde ich genuoc.
Reinmar v. Zweter 129, 2 Roethe;

geb dem barbier die beul (pest) und leid,
der den pfaffen die platt erst schneidt.
Waldis Esop 4, 66, 256 Kurz;

eine menge kurioser angewohnheiten, eine unermüdliche sorgfalt, seine milbenhaut zu reiben und zu hätscheln, .. seine nägel bis auf's blut zu schneiden und zu schaben. Mörike 4, 145; bildlich: Parolles: ich bin ein mann, den Fortuna jämmerlich zerkratzt hat. Lafeu: und was kann ich dabei thun? jetzt ists zu spät, ihr die nägel zu schneiden. Shakesp. ende gut, alles gut 5, 2; einem die haare schneiden, ihm schaden, verlust zufügen: nicht weit vom Segringer zollhaus, wo dem hausfreund und seinem reisekumpan in München auch einmal die haare geschnitten worden sind, begegnen sie einander. Hebel 2, 186; von anderen thätigkeiten: einen bleistift, eine feder schneiden, pennam parare, temperare Stieler 1899; calamum scriptorium praeparare Frisch 2, 213b; eine feder klein schneiden, ad minutas literas exacuere, grob schneiden, mittelmäszig schneiden, ad formam scripturae crassiorem, mediocrem, acuere, eine feder unrecht schneiden, pennam in acuendo male tractare Stieler a. a. o.; niederd. feddern sniden Dähnert 438b; soll ich ihnen vielleicht eine feder schneiden? Iffland 3, 98; ein konsistorialsekretair schneidet ohnehin mehr federn als geld. J. Paul uns. loge 1, 58; einen stock schneiden, sich ein rohr, eine pfeife zurecht schneiden; bildlich und sprichwörtlich: pfeiffen schneiden weil man in rohren sitzt, scire uti foro Frisch 2, 213b, eine günstige gelegenheit benutzen; schneid pfeiffen weil du in den rören sitzest. Franck sprichw. 2, 92b; dahingegen diese krummacher, und politische nasendräher, allerley kunst-grifflein und auffwicklereyen hervor suchen, .. damit sie sich eine wackere pfeiffe schneiden. Simpl. 1, 834 Keller; Peter, der kärner, meynte, der vetter habe sich in Paris seine pfeifen gut geschnitten. Schiller 14, 221; bogen, bolzen schneiden:

bogen unde bölzelîn
die sneit er mit sîn selbes hant. Parz. 118, 5.


b) im gewerke und in der technik.
α) breter schneiden, asseres, sectiles tabulas serrare Stieler 1899; aus einem klotze kan man 8, 9 oder 10 bretter schneiden. Coler oeconomia 1, 323a; ähnlich: auch ist zu gedencken, dasz an vielen orten die kiefern, fichten und tannen .. mit der hand- und einer länge-säge in breter und latten geschnitten werden. Döbel jägerpract. 3, 80a; leisten schneiden beim schuhmacher, fingere formas ligneas ad calceos Frisch 2, 213b; geschnittene schuhe, calcei fenestrati Henisch 1544; formen schneiden, insculpere figuras ligno Frisch 2, 213b; gold zu faden schneiden: (er) schlug das gold, und schneits zu faden, das mans künstlich

[Bd. 15, Sp. 1259]


wircken kundte. 2 Mos. 39, 3; schrauben schneiden, sie mit einem gewinde versehen; steine schneiden, caedere, serrare, secare lapides Stieler 1899; sie in eine gewisse form bringen, namentlich edelsteine, bei denen das schneiden dem eigentlichen schleifen vorangeht Jacobsson 4, 22a; solchs alles waren köstliche steine nach dem winckeleisen gehawen, mit segen geschnitten auff allen seiten. 1 kön. 7, 9; das durchscheinende glasz .. wird mit dem schmergel geschnitten, scinditur. Comenius sprachenth. 93; mit adverbialer bestimmung:

durch die lîhte (um ihn leicht zu machen) in (den stein) dünne sneit
swer in zeime tische maʒ. Parzival 233, 22;

dort bildt den neuen käs ein rund geschnitten brett.
Haller 31, 248 Hirzel.

bildlich:

denn wenn sich unser stand
mit myrthen-kräutern flicht, so hat man nur zu leiden,
dasz thoren unsrer eh viel folterbänke schneiden.
Günther 454;

sprichwörtlich: es ist gt riemen ausz ander leut heut zu schneiden. Franck sprichw. 2, 101a; aus anderer leuthe puckel ist gut riemen schneiden, weil es einem nicht wehe thut. Simpl. 1, 367 Keller.
β) im besonderen: aus tuch kleidungsstücke verfertigen, vorwiegend in älterer sprache gebräuchlich; kleider, röcke, mäntel schneiden:

selbe sneit si (die kleider) Kriemhilt,diu hêrlîche meit. Nib. 353, 4;

nû sulnt ir heiʒen snîden
cleider nâch mîme râte. Flore u. Blanschefl. 5440;

ich pin ain hübscher junger,
und kan schneiden mit der scher
gut röck und mentel. fastn. sp. 618, 3.

ungewöhnlich mit beziehung auf eine person:

daʒ was ein knappe wol gesniten
al nâch der Franzoyser siten. Parz. 313, 7.

mit hinzufügung des stoffes, aus dem das kleid hergestellt ist:

eine juncfrowen si sande wider
und hieʒ ir bringen rîchiu kleit.
diu wârn gesniten al gereit
ûʒ pfelle von Ninnivê. Parz. 306, 12.

die person, für die das kleid bestimmt ist, steht im dativ:

si sneit im hemde unde bruoch. Parz. 127, 2;

nû wolder an ir stillen
des wîbes namen ûf erden
und lie der gotes werden
mannes kleidere snîden. pass. 305, 15 Köpke;

ein snîder sneit mir mîn gewant.
Frauenlob unser frouwen leich 14, 1;

und hätt ich einen schneider mit zweien knechten,
die mir schnitten die kleider also gerechte,
vierundzwanzig kutten muszten sie tragen. des knaben wunderh. 1, 143 Boxberger;

und sol ich dir von haberstro
wol spinnen braune seiden,
so müstu mir von eichem laub
zwei purpurkleide schneiden.
Uhland volksl.2 11.

mit an: mir sol auch füro hin ewigclich zobell, mader und alls vechwergk, all seyden gewand, samat blos und rauch, damast, samelott, atlasz ... an mich ze schneiden, machen lassen und ze tragen ganntz verbotten (sein). d. städtechron. 5, 283 anm. 2;

einen pfell mit golde vesten
den sneit man an daʒ freuwelîn. Parz. 375, 9;

scharlachen gein dem naʒʒât
was nâch ritterlîchen siten
den rittern allen an gesniten.
H. v. Freiberg Tristan 1934;

er was sô kluoc,
daʒ er ûʒ mînen kleiden sneit im kleider an.
Frauenlob unser frouwen leich 14, 10.

häufig treten adverbiale bestimmungen hinzu, um die art des schnittes zu bezeichnen; nur in diesem falle und im part. pass. noch heute gebräuchlich: diese figur, in einem grünen romantisch geschnittenen kleide, .. starrte in abendröten und regenbogen. G. Keller 1, 174;

manegen phelle spæhe,guot und wol gesniten,
sach man über seteleden vrowen wol getân
allenthalben hangen. Nib. 741, 2;

ir muot ist stolz, ir wât ist clâr,
wol gesniten al für wâr. Parz. 62, 8;

islîchem drîer hande cleit
gap er, die man stolzlîch sneit
wol nâch ritterlîchem site.
H. v. Freiberg 1522.

bildlich und übertragen: kören üch z mir in gantzen ewerem hertzen und schneiden ewere hertzen und nit ewere klaider. Keisersberg pred. (1510) 59b:

[Bd. 15, Sp. 1260]


wollt ihr händel flicken
(denn nicht aus ganzem tuch könnt ihr sie schneiden,)
so musz es diesz nicht seyn. Shakesp. Anton. u. Cleop. 2, 2;

nie schnitt ich aus des Hyperioniden
purpur ein traurig-düstres leichentuch (gebrauchte sein gegeschick
als vorwurf zu einer dichtung).
Herwegh ged. eines leb. 155.

mit persönlichem dativ oder mit an:

grueniu kleit
unde weit
ir (der heide) der liehte sumer sneit. minnes. 2, 324a Hagen;

diu minne sneit
mir sorgen kleit. 1, 346b;

ein ritter, der niht wæte habe von golde noch von siden,
der sol ûʒ triuwen und ûʒ manheit kleider an sich snîden. 2, 332b;

swaʒ himele tougen slieʒent,
daʒ alleʒ natûr an ir sneit.
Frauenlob sprüche 232, 10;

sun, wilt du kleiden dîne jugent
daʒ si ze hove in êren gê,
snît an dich zuht und reine tugent. Winsbeke 22, 3;

eine kappe schneiden, sprichwörtlich: eine jegliche gansz meynet sie lege die besten eyer; ein jeder schneider schneide die beste kappe. Schuppius 524; bildlich mit beziehung auf die narrenkappe, jemand zum narren haben:

das meidlein tregt pantöffel an,
darin tut's einher schnappen;
wer im nicht recht zusprechen kann,
dem schneidt es bald ein kappen.
Liliencron deutsches leben im volksl. 108, 2, 4;

ihr mögt eim andrn ein kappe schneidn.
Sommer Cornelius rel. J 2a.

schneiden absolut gebraucht, schneiderarbeit verfertigen, wofür jetzt schneidern üblich ist: als er schnyden solt, und die scher nit enfand, ward er umb sich senhen und uff die büny klopffen mit den henden. Steinhöwel Äsop 334 Österley; Ahaliab, .. ein meister zu schneiten, zu wircken, und zu sticken mit geler seiden, scharlacken, rosinrot, und weiszer seiden. 2 Mos. 38, 23;

all ding ich dir zu wegen bring,
wann ich die handtwercker bezwing,
das sie dir weben, schneyden, neen.
H. Sachs fastn. sp. 1, 29, 241.

eine nur dem mhd. eigenthümliche fügung ist zusammen schneiden, von verschiedenen dingen je einen theil abtrennen und diese zu einem neuen ganzen vereinigen; meistens übertragen gebraucht:

kristentuom und kristenheit,
der disiu zwei zesamne sneit,
gelîche lanc, gelîche breit,
liep unde leit,
der wolte ouch daʒ wir trüegen
in Kriste kristenlîcheʒ leben.
Walther 7, 4;

von einem worte
got wart z der menscheit
unde die alsô z samene sneit,
daʒ er got unde mensche bleip.
H. v. Krolewiz vaterunser 294;

der diutet wol die z natûren,
got unde ouch die menscheit,
die got alsô zsamene sneit,
daʒ sie Davîd in ein besliuʒet. 1824.


γ) den wein schneiden, gewöhnlicher verschneiden, seine eigentliche beschaffenheit durch zusätze verändern, besonders schlechten wein durch künstliche verfälschung für den geschmack angenehmer machen Campe; ebenso leichten wein mit spiritus versetzen.
c) in der kunst.
α) vermittelst scharfer werkzeuge vertiefte und erhöhte züge, gestalten, verzierungen in holz, stahl, kupfer oder stein hervorbringen, gravieren Adelung; sculpere, snyden, snytten Dief. nov. gl. 330b; in stein schneiden, sculpere, scalpere in gemmis, coelare, in holz schneiden, exsculpere figuras ex ligno Frisch 2, 213b; Mariette sagt, dasz er so gar schöne smaragde und rubinen gesehen habe, in welche der steinschneider figuren geschnitten. Lessing 8, 61; auch mit auf, und in älterer sprache mit an: eine von den ursachen, warum die alten so häufig auf convexe steine geschnitten haben, ist auch die, dasz sie sehr häufig auf steine schnitten, wie sie aus der hand der natur kamen. Lessing 11, 283;

dâ manic vremdeʒ capitel
stuont an gesniten unde ergraben. troj. krieg 17521.

statt präp. verbindungen steht auch sehr oft der blosze accus.: sculptile, gegraben vel gesnitten ding. Dief. nov. gl. 332b; stein schneyden unnd graben, edelgestein auszstächen, scalpere gemmam Maaler 359d; ich ... hab jn erfüllet mit dem geist gottes, mit weisheit und verstand und erkentnis, und mit

[Bd. 15, Sp. 1261]


allerley werck künstlich zu erbeiten am gold, silber, ertz, kunstlich stein zu schneiten, und einzusetzen. 2 Mos. 31, 5; hingegen bin ich völlig der meinung, dasz, wenn Eupolis den Cyrenäern nachsagte, dasz der geringste von ihnen einen siegelring trage, der zehn minen koste, dieser vorwurf der verschwendung mehr auf die zu theuren steine gieng, welche sie ungeschnitten in ihren ringen trugen, oder geschnitten zu ihren siegeln miszbrauchten, als auf den zu groszen lohn, den sie dem künstler für den schnitt entrichteten. Lessing 8, 63; wir bemerkten wohl, dasz hier für uns das studium der geschnittenen steine zu gründen sey. Göthe 30, 259; mit adverbialen bestimmungen, namentlich beim part. pass.: es finden sich in verschiedenen sammlungen mehrere diesem ähnliche stücke, und zwar .. sowohl hoch als tief geschnitten. 30, 261; mit kühner bildung, holzgeschnitten: ich sah Jacksons holzgeschnittene blätter. 32, 147.
β) aus holz, stein oder metall figuren plastisch bilden: ein bildtnusz machen in steinwerck, sculpere Maaler 359d; daher die bildschnydung, sculptura Dief. 521c; man kan auch ein bild, das zierlich vom holtz geschnitten ist, erstlich mit laimwasser träncken. Nürnb. kochb. 2, 130; die geschnittenen holzmödel. G. Keller werke 1, 226;

ein bilde dar in geflogen quam
schône und lobesam,
glîch einer frowen,
wie eʒ wêre gehowen
oder wie eʒ gesniten wêre.
des wunderte sie immer mêre.
Herbort v. Fritzlar 15624;

ir soltet billîcher den man
êren baʒ, des wîsheit
daʒ bilde gôʒ oder sneit. Barl. u. Jos. 232, 10;

ouch wart daʒ bilde gerurt
daʒ nâch Dyânen was gesniten. pass. 238, 54 Hahn;

das part. pass. bildlich und in prägnanter bedeutung, wol gebildet, schön geformt:

si was geschicket unt gesniten,
an ir was künste niht vermiten.
got selbe worht ir süeʒen lîp. Parz. 130, 21.

in einem übertreibenden bilde, unmöglichkeit hervorhebend: ehe zwei jar vergehen, werdet ir sehen, das also wirt mangeln an gelerten leuten, das mans aus predern wurde schneiden unnd aus der erde wurde graben, wenn man sie nur haben kont. Luther tischr. 15 Schlaginhaufen; von dem schaffen des künstlers: aus ganzem holze schneiden, ein einheitliches, in sich abgeschlossenes kunstwerk schaffen, ohne durch äuszere rücksichten behindert zu sein:

so möcht' ich selbst in künstlichen sonetten,
in sprachgewandter maasze kühnem stolze,
das beste, was gefühl mir gäbe, reimen.
nur weisz ich hier mich nicht bequem zu betten,
ich schneide sonst so gern aus ganzem holze,
und müszte nun doch auch mitunter leimen.
Göthe 2, 271;

ähnlich: besonders zu loben, wie alles aus dem ganzen geschnitten (aus der art und anlage des ganzen kunstwerks natürlich hervorgeht). Ludwig 5, 344.
γ) in älterer sprache: wappen schneiden auf fahnen, gewändern, zelten, schilden und dergl. bei letzteren wurden die wappen ursprünglich aus buntfarbigem pelzwerk, später auch aus steifer leinwand zurecht geschnitten und auf dem schilde festgeheftet, oder auch durch malerei und holzschnitzerei hergestellt; auf waffenkleidern, fahnen und zelten durch stickerei oder aufnähen von tuch, s. Schultz höf. leb.2 2, 90. 96:

der hêrre pflac mit gernden siten
ûf sîne kovertiure gesniten
anker lieht hermîn. Parz. 14, 16;

beidiu geslagen und gesniten
ûf ir wâpenlîchiu kleit
was Kristes tôt (das kreuz). Willeh. 31, 24;

dar ûf er mich het zuo dem vann gemachet
dar în daʒ kriuze was gesniten. Lohengr. 5204;

an schilt an helm und in panier,
was gesniten unde gemâlet manic tier. 5472.


5) übertragene und bildliche redewendungen.
a) aus dem gebrauch des verbums vom schneiden der früchte oder des honigs (s. oben 1) entwickelt sich die bedeutung 'einen vortheil, einen gewinn erlangen', womit sich nicht selten der nebensinn des unrechtmäszigen, wucherischen verbindet: hab da weder zesäyen noch zeschneyden, weder zegewünnen noch zeverlieren, mihi istic nec seritur nec metitur Maaler 359d; mit sächlichem object: geld schneiden, zu viel gewinst suchen. Steinbach 2, 476; gar zu viel dabey schneiden wollen, nimium lucri

[Bd. 15, Sp. 1262]


aucupari Frisch 2, 213b; in dieser verwendung weit verbreitet, s. Schmid 474; braaf sniden brem. wb. 4, 889. Schütze 4, 142. Dähnert 438a. Danneil 199b. ten Doornkaat Koolman 3, 243a. Kluge studentenspr. 123a; was man ein wicht ist wenn man geld schneiden soll. briefw. zwischen Göthe und Zelter 3, 303; er fluchte und kondolierte darüber, dasz er gerade morgen so stockfischstumm sein müsse, wo so viel zu schneiden wäre. J. Paul Hesp. 1, 186;

viel ärger wer es noch gethan,
wenn einer nehm zwo parten an, ...
wann er also von allen beydn
möcht geld in seinen beutel schneidn.
Ringwaldt laut. wahrh. (1585) 266.

in älterer sprache, finanzen, almosen schneiden: wann man zu hofe ein handel auffscheubet, und wil ihn nit fertigen, so legt man jhn in die lange truhen, das ist, er wirdt hingelegt, und vergessen, offt nicht der herrn unnd fürsten halben, sondern dasz etliche von räthen wöllen finantzen darausz schneiden. Egenolff sprichw. 36b;

kerkgank salstu vermyden!
nein almisse salstu snyden. Theophilus 679.

beim kartenspiel heiszt schneiden sein asz zurückbehalten, um damit die zehn des gegenspielers zu gewinnen, postmeistern, reiten, schinden, impassieren Albrecht 204b; s. auch oben theil 7, 2032.
b) von dem vorschneiden und vorsetzen der speisen sind mehrere bildliche wendungen hergeleitet: raupen schneiden, schwänke vorbringen, zoten reiszen Schm. 2, 568 (vgl. oben theil 8, 299, 3); sonst einfaches schneiden, prahlen, lügen, meist in leichtem, heiterem sinne, jetzt gewöhnlich durch aufschneiden ersetzt (s. oben theil 1, 728): grosze brocken schneiden, gloriari, verba magnifica jactare Stieler 1899; er schneidet mit dem groszen messer, immane quantum mentitur Steinbach 2, 476; der schneidet gut; he schnitt möt dem grênschlge (er schneidet mit dem grünschaligen messer, er lügt). Frischbier 2, 303a;

diz valschafte snîden
wolde si nicht dâ bewarn. pass. 590, 10 Köpke;

der tugend liebt, dem möcht das herz zuspringen,
wenn er dich schneiden hört.
Rist musa teut. (1637);

jenner pflag zu schneiden,
dasz er mit hundert mann auff einer grünen heiden
der Pohlen groszes heer hett' eine gantze nacht
und halben tag dazu so matt und klein gemacht,
dasz es gewichen.
Rist Parnasz 490;

hat man doch diser zeit offt hören und lesen müssen, was Egranus unnd andere Mammelucken .. von diser hochgelobten unnd christlichen universitet böses unnd erdichtes geschniden und geplaudert haben. Mathesius hist. von d. Martin Luther 65b; bey diesem ertz-teütschen könig ist es nicht wie in anderer herren höffen, da man zu gehör redet: unnd offt einem zu gefallen eines daher schneidet dasz sich möchten die balcken biegen. Moscherosch 2, 42; der alte lauer schnitte mir so einen hauffen daher, dasz ich mich glückseeliger zu seyn dauchte, als Fortunatus mit seinem seckel und wünschhütel! Simpl. 3, 93, 12 Kurz; ich glaubte, es müste jedwederer so etwas daher schneyden. 4, 250, 5;

der schneidet grosze wort von fechten, reitten, tanzen.
Rompler 18.

mit doppelsinn (lügen und verwunden) in dem sprichwort: ein logener snit mêr dan ein swert. Tunnicius 923.
c) an die verwendung von schneiden als wort der bildenden kunst angelehnt: ein fein geschnittenes gesicht, edel geschnittene züge und ähnl.; der mund ist fein geschnitten, die nase recht gut gebogen. Arnim kronenw. 1, 101; einem wie aus dem gesicht, aus den augen, aus dem fleische, aus der haut geschnitten sein, ihm täuschend ähnlich sehen: er ist yhm also ehnlich, als were er yhm ausz der hawt geschnitten. Agricola sprichw. 639; ein menschlicher son im züchtigen ehebet gezeuget, der seinem vatter so ehnlich sihet, als were er jm ausz den augen geschnitten, ist auch seines vattern ebenbild. Mathesius Sar. 60a; über das so ist er der schönste unter allen seinen stieffbrüdern, und sihet seinem vater so gleich, als wann er ihm aus den augen geschnitten wäre. Simpl. 2, 26 Kurz; liebt ihr ihn nicht mehr, so ist diese abart auch euer sohn nicht mehr, und wär er aus eurem fleische geschnitten. Schiller räub. 1, 1 schauspiel; ihr hr. vater wäre ihnen wie aus dem auge geschnitten. J. Paul komet 3, 129; alle leut haben gesagt, ich bin ihm wie aus den augen geschnitten. Ludwig 2, 51; von personen einer dichtung: so treten in dem buch vier oder fünf solche greise auf, die alle einander wie aus den augen geschnitten sind. Schiller 6, 12; wie sieht alles, was an ihm exponiert wird, dem Ödipus, wie

[Bd. 15, Sp. 1263]


ihn Sophokles zeichnet, und wie wir ihn vor augen sehn, aus dem auge geschnitten. Ludwig 5, 495; mhd. dafür:

si heiʒet Jocundille
und ist ir lîp Achille
sô gar gelîch an allen siten,
als ob si von im sî gesniten
und êrst ab im gehouwen. troj. krieg 15298.

ein gesicht, gesichter schneiden, in unnatürlicher weise verziehen, ein saures gesicht, ein schiefes maul, eine fratze schneiden: dêr hat oane (miene, fratze) g'schnitten! Schöpf 639; man wird auch finden, dasz lebhafte personen, wenn jemand ihnen etwas im affect .. erzählt, bei starker attention gesichter dazu schneiden. Kant 10, 186; wenn sie nur was zu seciren, klystiren, elektrisiren haben, sind sie bei der hand, um nur zu sehen, was eins für ein gesicht dazu schneid't. Göthe 11, 48; eine stadt, wo vater und mutter nicht gleich so gräszliche gesichter schnitten. 14, 89; sie rechnen auf die patrizier? vielleicht weil sie saure gesichter schneiden? Schiller Fiesko 2, 5; ich lache über die gesichter, die der ehrliche onkel schneiden wird. neffe als onkel 2, 9; er nickte und schnitt ein bocksgesicht. Seume 3, 87; vor bauchgrimmen musz er sich hüten, damit er nicht gesichter schneide und sich selbst erschrecke. Hebbel 1, 14; Luxehales aber sasz schweigend auf seinem goldenen stuhle und schnitt immer wildere und grauenvollere gesichter. Zingerle kinder- und hausmärchen 84;

nun wohl, fährt Paris fort, und schneidt ein amtsgesicht.
Wieland 10, 176;

'was schnitt dein freund für ein gesicht?'
guter geselle, das versteh' ich nicht.
ihm ist wohl sein süsz gesicht verleidet,
dasz er heut saure gesichter schneidet.
Göthe 2, 262.

von belebt gedachtem: das glück, wenn es ihm ein schiefes maul schnitt. J. Paul Quintus Fixl. 157;

alles, alles scheint zu drehen,
fels und bäume, die gesichter
schneiden.
Göthe 12, 205.

kapriolen, faxen, sprünge schneiden: so pflegt der gemeine mann bey uns, wenn er findet, dasz diese jünglinge bey ihrer zurückkunft selten etwas anders, als eine kapriole zu schneiden gelernt haben, sich festiglich einzubilden, dasz man in diesen fremden und entlegenen örtern nichts besseres habe erlernen können. Wernike überschrift. 203; die narren schneiden kapriolen und burzelbäume dazu. Wieland 8, 124; mich tröstete des laufers possenhafte nähe, der, drauszen vor der schwelle, hinter mir allerlei faxen schnitt. Göthe 28, 213; Riparo (indem er eine capriole mit den füszen schneidet). Lenz 1, 239;

er konde, thät es noht, auch manchen guten danz
kunstzierlich schneiden her.
Birken Guelfis (1669) 76;

ein thier, das in die luft viel gaukelsprünge schneidet. 79.

von gezierten worten und redensarten, komplimente, die cour schneiden: mit solcher belehrung des Senecæ, ist einem potentaten, vil besser und sicherer gedienet, als mit dem demüttigen hoff-compliment, so er dem grausamen Neroni beym Tacito daher schneidet. Butschky Pathm. 76; alle ziehen die hüte ab .. und schneiden komplimente. Lenz 1, 275;

nun war ein jubel überall:
man drückte sich die hände,
schnitt komplimente in dem saal,
der jammer hatt' ein ende.
Blumauer Aeneis 1, 34.


6) schneiden absolut gebraucht.
a) von dingen, welche die fähigkeit zu schneiden haben, im eigentlichen sinne von geräten: scharf seyn, aciem habere, acutum esse, das messer schneidet, culter acutus est, aciem habet, vulnerare potest Frisch 2, 213b; das messer, die schere, axt, sense, säge schneidet nicht, will nicht schneiden, schneidet vortrefflich. Adelung; schneidende geräte, mit schneide versehene: der anblick der majestät fällt wie ein schneidendes messer zwischen mich und den herzog. Schiller 3, 157 (Fiesko 5, 16);

eʒ (das messer) was lang unde breit,
wan daʒ eʒ sô wol niht ensneit
als im wære liep gewesen. arm. Heinrich 1212;

zwei meʒʒer snîdende als ein grât
brâchten si. Parz. 234, 18;

diu snîdunde wâfensi truogen an der hant. Nib. 2146, 3.

ausgedehnt auf andere mit einer schärfe oder schneide versehene dinge:

eʒ (das fallthor) was swære unde sneit
sô sêre daʒ eʒ niht enmeit
eʒn schriete îsen unde bein. Iwein 1099;

auch vom cytisus streift' er (der hirsch) mit schneidendem zahne die rinde.
Stolberg 1, 433.

[Bd. 15, Sp. 1264]


schneidender verstand: Emser springt weit uberhin, und erzwingt durch seinen schneidenden, lebendigen verstand, ... das alle christen auch leibliche priester seien. Luther 1, 394b.
b) schneidende waren, ungewöhnlich in passivem sinne, schnittwaren: wenn man so zusieht, wie sehr ein alter oder ein junger gelehrter nachdencken musz, .. um nur ein oder zwei pfund weiser und stilisierter bücher zu schreiben, so preiset man handel und wandel von herzen, es sei nun mit material- oder mit schneidenden waaren oder mit vieh. J. Paul teufels pap. 1, x.
c) bildliche wendungen, von sachen, eindruck machen, durchdringen: da schneit denn, und ist krefftig, was sie leren. Luther 3, 222b; unpersönlich:

ist euch der kärker hier (auf erden) zu viel?
ach gott, das ist nur kinderspiel,
dort (in der hölle) wird es anders schneiden.
Rist himml. lieder 2, 274.

in besonderer bedeutung, gelingen, erfolg haben: alles was er den tag anfieng und für sich nam, das wolt jm nit schneiden oder ein fortgang haben. Frey gartengesellsch. 124a; es wollte mir heute doch nicht schneiden. König Jerôme's carneval 2, 265; von personen, sich bemühen, angestrengt arbeiten:

nach schatze was er harte scharf
und sneit in kluger wende. pass. 184, 44 Köpke.


II. schneidend verwunden, vulnerare, laedere.
1) im eigentlichen sinne, mit einem schneidenden werkzeug verletzen.
a) jemanden schneiden, gewöhnlich mit angabe der körperstelle, wo die verwundung geschieht: einen in den hals schneiden, collum alicui secare Steinbach 2, 476; wenn ihr mich nicht in's gesicht schneidet, so zahle ich euch vier kronenthaler. Hebel 2, 97; mir ist, als schnitt' ich in mein eignes fleisch hinein. Hebbel 1, 25; zur bestimmung der richtung dient in älterer sprache auch die präp. zu:

mir wart niht anders dâ gesaget
wan ich müeste haben eine maget
diu vollen êrbære
und ouch des willen wære
daʒ si den tôt durch mich lite
und man si zuo dem herzen snite. arm. Heinr. 450;

ich snîde dich zem herzen. 1092.

statt des accus. der dat. der person:

und jedem ists, als würd' ihm mitten
durch kopf und leib hindurchgeschnitten.
Uhland (1864) 330.

sprichwörtlich: in eynes anderen ohr ist zuschneyden wie in eynen filtzht, .. denn es tht yhm nicht wehe, unnd helt eynes anderen anlygen eben als schnyd er in eynen filtzht, der weder leib noch seel hatt. Agricola sprichw. 60; absolut schneid oder leid:

Leo. er hat des schwerdtes knopff, wir, leider, kaum die scheid.
Exabolius. drum; hand ab, eh er schmeist! es heist schneid oder leid.
A. Gryphius (1698) 1, 12.


b) reflexiv sich schneiden, sich mit dem messer schneiden, se cultro vulnerare Steinbach 2, 476; auch sich an einem messer, seltener in einem messer schneiden; bildlich: musz ich ihm (Göze) nicht allerwärts, wo er mich vor den augen Israels dem herrn opfern will, in das heilige messer fallen? ich schneide mich freylich oft genug in diesem heiligen messer, aber ich wehre mir es endlich doch von der kehle. Lessing 10, 224; mit richtungsbestimmung: sük in de finger sniden. ten Doornkaat Koolman 3, 243a; snied he sik nig in de finger, aufforderung an den krämer oder schnittwarenhändler, nicht zu knapp zu messen. Schütze 1, 316; sich ins fleisch schneiden, auch bildlich: der preuszische gesandte fand es unbegreiflich, dasz die regierung also, in blindem parteihasz, sich selber ins fleisch schnitt. Treitschke 4, 290; mit dem dativ des pronomen, sprichwörtlich: schneide ich mir in die nase, so schimpfe ich mein angesicht. Gottsched sprachk. 555b.
c) subject ist ein schneidendes gerät:

hugget therero worto,thurfti sint es harto,
thaz iagilih bimîde,inan thiu akus ni snîde.
Otfrid 1, 23, 58;

ir strâle mangeʒ snîdet
daʒ sie doch nicht eriagen.
Hadamar v. Laber jagd 548;

übertragen:

der krieg wird, wie ein schlecht verwahrtes messer,
nicht seinen herrn mehr schneiden. Shakesp. Heinrich IV. 1, 1, 1.


d) töten, in der biblischen sprache vom tode Christi:

daʒ ist mit wârheit alsô
so der hôhe tac gelît
und diu selden rîchiu zît
daʒ nach menschen sitten
Jhesus crist wart gesnitten.
Hugo v. Langenstein Martina 231c

[Bd. 15, Sp. 1265]


(vergl. ipse autem vulneratus est propter iniquitates nostras. Jes. 53, 5); zu tode schneiden:

sô man ze tôde snîdet
mit swerten unser liute,
sô müeʒen wir der briute
engelten alsô sêre. troj. krieg 23262.

vom schlachten der thiere (vgl. altengl. sniðung, mactatio Wright voc.3 1, 130, 11, s. schneidung 7), norddeutsch, ein thier schneiden: dar en schal ok neyn schlachter in sineme huse wes schlaen, schlachten edder snyden, dat eme sülven nicht en höret. quelle bei Schiller-Lübben 4, 275b; do leit ek sniden ein kalf unde 1 lam. a. a. o.; de gude man hadde en enech kalf, dat sneet he unde kokede dat, unde gaf dat dem heren eyten. a. a. o. in verkürzter ausdrucksweise, in das salz schneiden, schlachten und einsalzen: ok snede we 4 hamele in dat solt. a. a. o.
2) in bildlichem sinne, schädigen, nachtheil zufügen: eine sache schneidet in den beutel, verursacht beträchtlichen aufwand Adelung; beutel schneiden, fremdes gut auf unrechtmäszige weise an sich bringen (vgl. der beutelschneider, beutelschneiderey, theil 1, sp. 1753): soll der sohn Englands ein dieb werden, und beutel schneiden? Shakesp. Heinrich IV 1, 2, 4; einem in sein ehrenkleid schneiden, ihn verleumden, in schlechten ruf bringen:

man schneidet mit dem groszen messer
dem nechsten in sein ehrenkleid.
Günther 940;

klatschen:

magister (der titel) lässet noch so schön,
so offt sie mit dem langen messer
nebst fünff gevattern schneiden gehn. 523.

von schroffem wesen und verletzenden worten, in volksthümlicher rede: se bit un snit, sie hat ein bissiges maul. brem. wb. 4, 889; solch ein alt stumpf fräle hat manchmal auch eine stell, wo sie schneidt. Ludwig 2, 131; mit hinzufügung des werkzeugs oder mittels: deine zunge trachtet nach schaden, und schneit mit lügen, wie ein scharff schermesser. ps. 52, 4;

lachent an
er den man
snîdet mit der zungen.
Neidhart 93, 39;

merker, haʒʒer, nîder,
sint des tiufels snîder,
die valscheit niht vermîdent,
und mit der zungen snident. renner 1145.

refl. sich schneiden, mit dem sinne sich täuschen, verrechnen, oft mit dem nebenbegriff des heiteren oder spöttischen, mundartlich weit durch das ganze deutsche sprachgebiet verbreitet: die herren schneiden sich gewaltig. Göthe 36, 111; du wirst dich schneiden. Raimund 3, 42; auf beschränktem gebiete und in niedriger sprechweise 'wind lassen', pedere Spiesz 222.
3) in der jägersprache schneiden von thieren, wenn sie mit ihren zähnen schaden anrichten; vom biber, wenn er mit den schneidezähnen ein bäumchen fällt, oder vom wildschwein, wenn es mit den hauern wunden beibringt. Behlen 3, 627.
4) übertragen auf unangenehme oder schmerzhafte empfindungen.
a) von körperlichen schmerzen: das schneyden und krimmen desz bauchs, tormina, torsiones stomachi, vermina, verminatio Maaler 359d; daher subst. das bauchschneiden, leibschneiden haben, oder einfach das schneiden haben. Castelli 247. Hügel 142b; dat sniden in't lîf. ten Doornkaat Koolman 3, 243b; intrans.: es schneidet mir im leibe oder mit pers. accus. es schneidet mich im leibe. Campe; es schnidt si wird in der Schweiz von einer gebärenden gesagt, wenn das kind in die öffnung des schlosses dringt (vgl. das erste schneide 2, e) Hunziker 228; part. präs. attributiv: das schneidende wasser, der harnzwang, stranguria, dysuria Frisch 2, 213b; det snîende wâter. Schambach 200a. Dähnert 438a; von schmerzhaften einflüssen der witterung, luft, wind, kälte und dergl.: der wind schneidet wie ein schermeszer, ventus adurens perscindit omnia Stieler 1899; ein schneidender wind, ventus pergelidus, labra discindens Frisch 2, 213b; schneidende kälte, frigus praegelidum Steinbach 2, 477; eine schneidende kälte, penetrans frigus, acutum, faciei molestum, membra saucians Frisch a. a. o.; snidende külde Dähnert 438a; adverbial: es ist schneidend kalt; snîdend kâld Schambach 200a; zusehends schmolz ihre anzahl durch häufige desertionen und durch ein allgemeines sterben, welches die schneidende kälte in diesem ungewohnten klima verursachte. Schiller 8, 158; in einem schneidenden eisschauer wurden alle warmen gedanken und nerven des lebens hart und starr. J. Paul Hesp. 3, 259;

wie hart hat mich der wind geschniten.
H. Sachs 3 (1561), 2, 57a;

[Bd. 15, Sp. 1266]



die lufft mag ietzt empfindlich schneiden.
Günther 245;

gesetzt, dasz unsre lufft auch noch so schneidend wär,
die liebe kan dich doch unmöglich frieren lassen. 663.

von dingen, die auf das gesicht oder gehör einen unangenehmen oder schmerzhaften eindruck hervorbringen, schneidende (stechende) augen; er würde mir mehr gefallen haben, hätt' er seine grauen, frechen und schneidenden augen .. zu hause gelassen. J. Paul biogr. belust. 1, 159; schneidende farben, zu grelle, besonders auf einem gemälde, wo mehrere derselben dicht neben einander liegen und nicht genügend abgetönt sind, couleurs tranchantes Jacobsson 4, 21b; schneidende umrisse, linien, welche der rundung entbehren und dadurch auf das auge verletzend wirken. ebenda; die knochen sind schneidend gezeichnet und allzusichtbar angegeben. Winckelmann 3, 219;

der glast ir in den ougen sneit.
H. v. Neustadt gottes zukunft 1128;

milder: nach einigen tagen ging er wieder nach Blumenbühl kurz vor sonnenuntergang. ein brennendes roth schnitt durch die laubnacht. J. Paul Titan 3, 21; übertragen auf die wandlungen des menschlichen lebens: in einem schönen leben sind, wie in einem titianischen gemählde, alle jene schneidenden grenzlinien verschwunden. Schiller 10, 103; von tönen und geräuschen, schneidende stimme, schneidender ton, pfiff und ähnl.: endlich aber erklang aus der tiefe ein schneidender pfiff. Göthe 21, 60; noch rasender tobten die winde, noch wilder brauste der sturm, noch schneidender zischte das geheul. Klinger 10, 208; gesichter wie ich noch keine sah — schneidende triller. Schiller 2, 293 (räuber 4, 9 trauerspiel); Fiesko (mit schneidendem ton). 3, 134 (Fiesko 4, 15);

du hörst mit starker arme kräften
die sehnen in die kerben heften,
und drauf der bolze schneidend pfeifen,
die wie ein blitz die luft durchstreifen.
Kinkel Otto d. schütz (1877) 19.


b) von seelischen empfindungen, absolut, von der qual der sünde: weil sie (die sünde) da ligt, als schlaffend, und nicht beiszet noch drücket, so ist es kein rechte sünde, wenn sie aber sich reget und das hertz rüret, so schneit sie und gehet durch, das kein mensch den stachel erdulden kan. Luther 6, 272b; mit accus.:

dô si ir sun niht langer sach ...
dô viel diu frouwe valsches laʒ
ûf die erde, aldâ si jâmer sneit. Parz. 128, 21;

der zwîvel was sîns herzen hovel,
dâ durch in starkiu angest sneit. 351, 1;

sô sêre begunde snîden
den wirt der jungen fürsten tôt,
daʒ er sich bewac der nôt,
diu im komen moht dâvon.
Ottokar österr. reimchron. 3244.

in der heutigen sprache stets mit richtungsbestimmung, es schneidet durchs herz, durch die seele. die person steht, wenn sie hinzutritt, meistens im dat.: de woorde sneden mi dör't hart. Dähnert 438a; es schnitt ihm durch's herz, wenn die jungen raben nach brod schrien. Musäus märchen 1, 35 Hempel;

wer nicht selber fühlt und leidet,
der glaubt nimmermehr den schmertz, der durch marck und adern schneidet.
Günther 845.

der schmerz concret als schwert bezeichnet: es wird mir durch die seele schneiden ein schwerd. Schiller 2, 74; izt zum erstenmal werden die schwerder einer ewigkeit durch eure seele schneiden. 2, 184;

Maria stnt in groszen nöten
do sü ir liebes kint sach töten,
ein swerte ir durch die sele sneit. d. städtechron. 8, 109.

seltener tritt die person in den accus.: diese undankbarkeit schneidet mich durch die seele. Möser patr. phant. 1, 118. mit der präp. in: es schneidet ins herz, in die seele;

in die seele schnitt mir's, als der bub die ochsen,
die schönen thiere, von dem pfluge spannte.
Schiller 14, 295 (Tell 1, 4);

ihr anblick schneidet mir ins herz.
Grillparzer 3, 224.

mit object: Julchens jammervoller tod schnitte tiefe wunden in Fritzchens herz. Plant akad. liebe 314. in fällen, wo weniger das schmerzhafte, als vielmehr das tiefe eindringen und festhaften einer empfindung hervortritt: wahr also ist es, dasz der ächte genius des dramas, .. der wahre geist des schauspiels tiefer in die seele gräbt, schärffer ins herz schneidet, und lebendiger belehrt als roman und epopee. Schiller 2, 5; ebenso sich ins herz schneiden: warum schneidet sich erst das verlorene

[Bd. 15, Sp. 1267]


gut wie ein scharfer demant so tief ins herz? J. Paul Titan 3, 33; mit zu: di händel und strite, so einer mit fremden auserhalb hauses hat, seyn fremde und gehen hin; aber was im hause für unheil ergehet, das reicht und sneidet gar zum herzen. Butschky kanzl. 354;

es ist nicht ohn, es schneidt der muter tief zu härtzen,
wan ihr der tod so früh ein liebes kind hin nimmt.
Rompler 140.

das schneidet bis ans hertz, hoc cor pungit Steinbach 2, 476;

er enteilte sîne habe
den, die er arm sach
und beʒʒerte in ir ungemach,
als in die barmeherzekeit
twanc und an dem herzen sneit. pass. 435, 94 Köpke.

part. präs. schneidend, adjectivisch oder adverbial, schneidende worte, verba aculeata Steinbach 2, 477; ein schneidendes maul, lingua faucians. ebenda; das unselige hin- und wiederbringen vernachlässigter, schneidender reden von beiden seiten kam dazu. Schiller 4, 282; o du, deren melodisch tönende trauerstimme mir das herz jetzt schneidend durchdringt. Thümmel 7, 407; die schneidende (seelenqualen bereitende) wahl zwischen der lüge und der hungernoth (bei geistlichen, die nicht heucheln möchten und nach dem bekenntniszwang doch nicht anders können). J. Paul biogr. belust. 1, 163;

o der schneidenden erinnerung!
Schiller 1, 179.

in fällen, wo der begriff des verwundens zu der bedeutung eindringlich, ergreifend, scharf, schroff verflacht erscheint: den entschiedensten schritt .. that Lessing in der Emilia Galotti, wo die leidenschaften und ränkevollen verhältnisse der höheren regionen schneidend und bitter geschildert sind. Göthe 26, 198; ich hoffe, der gelehrte wird es bemerken, dasz dieser schneidende gedanke nicht mir, sondern dem ernsten, satyrischen geschichtschreiber Tacitus gehört. Klinger 10, 4; drauszen wurde der abstich (von Victors wärme und Flamins kälte) noch schneidender. J. Paul Hesp. 3, 146; seine jetzige gleichgültigkeit gegen die erde war im grunde schneidender als die nächtliche. 4, 67;

warum verschweigst dus?
glaubst du, mit blicken sagst dus schneidender?
Ludwig 3, 434;

vgl. dazu einschneiden 5, theil 3, 282.
III. schneiden, von einer bewegung in fortlaufender linie oder ausdehnung nach einer richtung hin, durchdringen; besonderes.
1) in der mathematik: eine linie schneidet eine andere, schneidet einen kreis; zwei linien oder kreise schneiden sich.
2) eine strasze schneidet eine andere, zwei wege schneiden sich; im bergbau, gänge schneiden sich, wenn sie sich durchsetzen; im süddeutschen salzbergbau aber schneiden vom wasser, welches zerstörend in das gestein eindringt Veith 424.
3) im billardspiel einen ball schneiden, ihn mit dem spielball an der seite berühren, damit er nicht geradeaus, sondern in einer richtung laufe, welche mit der des spielballs einen bestimmten winkel beschreibt. je gröszer derselbe ist, um so feiner ist der ball geschnitten. Campe; beim kegelspiel einen kegel schneiden, ihn mit der kugel blosz an der seite treffen Schm. 2, 568.
4) übertragen, eine person schneiden, sie absichtlich übersehen, unbeachtet lassen: Koltoff behandelt die fürstin kalt, er schneidet sie, wie man in der gesellschaftsprache zu sagen pflegt. gegenwart 15, 220b.
5) in der malerei von figuren, die sich theilweise decken, sodasz die linien der einen gestalt von den umrissen der andern gleichsam durchschnitten werden.
6) in der buchdruckerei es schneidet sich, wenn sich der rand des rahmens auf die schrift legt, sodasz diese beim druck nicht erscheint.
7) von bewegungen, besonders in gerader linie, der vogel schneidet durch die luft, das schiff schneidet durch die wellen;

schon ein englisch edelknab
stark durch luft und wolken schneidet. des knaben wunderh. 2, 319 Boxberger;

mit dem seidnen gürtel knüpft er fest sich
an die klau'n des flügelungeheuers.
dieses hebt sich über eine weile
leicht empor und schneidet durch den äther.
Platen 339a.

geraden weg einschlagen, um einen umweg zu vermeiden: als ich wieder über den Anapus herüber war, dachte ich gerade nach Neapolis herauf zu schneiden. Seume 3, 5; auch von steifen, unbehülflichen bewegungen: wenn der unbehülfliche tänzer bei einer menuet soviel kraft aufwendet, als ob er

[Bd. 15, Sp. 1268]


ein mühlrad zu ziehen hätte, und mit händen und füszen so scharfe ecken schneidet, als wenn es hier um eine geometrische genauigkeit zu thun wäre, so wird der affektirte tänzer so schwach auftreten, als ob er den fuszboden fürchtete. Schiller 10, 123.
 
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schneidenvogel, m. crotophaga, madenfresser Leunis synopsis der naturgesch. des thierreichs2 § 164, 9.
 
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schneidepfahl, m. grenzpfahl, niederd. snâtpâl Schiller-Lübben 4, 271a; vgl. das zweite schneide 1.
 
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schneider, m. der da schneidet, mhd. snîdære.
1) allgemein, durch zusammensetzungen näher bestimmt, mit partikeln: an-, auf-, be-, vor-, zer-, zuschneider u. ähnl.; mit substantiven, beispiele: baum-, beutel-, bruch-, form-, futter-, gewand-, haar-, kapriolen-, leisten-, lügen-, schwein-, strohschneider. Stieler 1900; reben-, riemen-, stein-, tuchschneider. Steinbach 2, 477.
2) in eingeschränkter bedeutung.
a) von personen; handwerker, der kleidungsstücke verfertigt: sartor, sneider, schnider, schneider, niederd. cleder-snidere vel -nayere Dief. 513b; schneider, sartor, sarcinator; blegen schneider, limbularius, der den besatz an frauenkleidern macht Dasyp.; schneyder, der kleyder auff den kauff machet, vestiarius Maaler 359d; almodeschneider, sartor indumentorum multiformium, vestium concinniorum artifex Stieler 1900; in der heutigen sprache vielfach unterschieden als herren- und damenschneider; manns-, fruens-snider Dähnert 438b; auch der, welcher kleidungsstücke ausbessert, flickt: blätzer, flicker, schneider, sarcinator Henisch 410; im besonderen, der das jagdzeug nähen und flicken musz Heppe wohlr. jäger 266a; in älterer sprache wurde der schneider, der kleidermacher, unterschieden von dem gewandschneider, welcher das tuch verfertigte und verkaufte, dem tuchwaarenhändler; tuch-, gewand-, want-snider, -schneider, pannicida, pannicisor Dief. 409c; gewant-snyder, -schnider, scissor 519a. das nd. gebrauchte neben snider in gleicher bedeutung häufig auch scroder Dief. 513b; schrader, schroder nov. gl. 327b, entsprechend mhd. schrôtære mhd. wb. 2, 2, 220b, s. Schiller-Lübben 4, 276a. doch scheint diese trennung zu einer zeit, wo das gewerbe des tuchverkäufers (gewandschneiders) von dem des kleidermachers noch nicht völlig geschieden war, nie ganz durchgeführt zu sein; erst allmählich drang, durch verfügungen der behörden beschleunigt, mit der trennung der gewerbe die strengere scheidung der benennung durch; vgl. Schm. 2, 568 f.: wir setzen auch, daʒ chain sneider vurbaʒ gewant schol sneiden, er tue sich dan e deʒ sneitwerchs ab. stadtr. v. Brünn 389, 183 Röszler; es soll dhain schneider noch dhain tuchscherer kainerlai gewant nit mer bei der ellen schneiden noch verchauffen. quelle bei Schm. 2, 569. die thätigkeit des schneiders besteht in der anfertigung der kleider und den dazu gehörigen arbeiten: gyfft eyn man eynem snyder syn gewandt to maken, de sall et em bewaren und unvorderueth weddergeuen. quelle bei Schiller-Lübben 4, 276a. whe einem schroider bringeth wand, dar he ohme kleyder van schniden schal, vorkoift edder vorsetteth de schnider dat wandt u. s. w. ebenda; ain künig hett ainen schnyder, der ieder zyt syne klaider wol kund machen. Steinhöwel Äsop 333 Österley; wenn es ihrer himmlischen regierung gefällt, einem mann seine frau zu nehmen, so gedenke er an die schneider hier auf erden, und beruhige sich damit, dasz wenn alte kleider aufgetragen wurden, diese dazu gesetzt sind, neue zu machen. Shakesp. Anton. u. Cleop. 1, 2; der schneider hat euch nimmer viel anzumessen, aber der schreiner. Hebel 2, 141;

dâ snîdære nâten
maneger slahte wâpenkleit. Willeh. 290, 4;

und herzen, deren stolz zu rühren
sonst alles fruchtlos ist, besiegt der schneider oft (durch die von ihm angefertigten kleider).
Wieland 2, 21;

und hätt ich einen schneider mit zweien knechten,
die mir schnitten die kleider also gerechte,
vierundzwanzig kutten muszten sie tragen. des knaben wunderh. 1, 143 Boxberger.

bildlich: deine verschwiegenheit soll dein schneider werden, und dir ein neues wamms und hosen machen. Shakesp. lust. weiber 3, 3. erkennungszeichen der schneider sind nadel, zwirn, schere, fingerhut, bügeleisen und elle: diser hof hat auch das recht, das ein jeder soll ein tag thun, der ackermann mit seinem pflug, .. der schnider mit seiner scheere. tirol. weisth. 1, 688; es ist sich dermalen nicht viel weniger zu verwundern, wann man höret, dasz die schneider, .. die auch vorhero das a b c nicht durchbögelt, gleichwol allerley sprachen reden. Abr. a S. Clara etwas f. alle 2, 497 (1711);

[Bd. 15, Sp. 1269]


kein snîder lebt sô rehte stolz,
der sîne kunst bewære,
gebristet im der schære. troj. krieg 110;

ouch gap im diu mueter
daʒ nie seit sô guoter
versniten wart mit schære
von keinem snîdære. Meier Helmbrecht 142;

dar nâch betiutet uns die schær
tuochgeber, snîdær, tuochschærær.
H. v. Beringen schachged. 4693;

zwen finger hüt gebrauchen
die seidensticker frey.
die kürschner in dem rauchen,
die schneyder auch darpey
dörffen nicht mehr dann eynen. bergreihen 84 neudr.;

ich sah nen schmid mit seinem hammer, so
indesz sein eisen auf dem ambos kühlte,
mit offnem mund verschlingen den bericht
von einem schneider, der mit scheer' und masz
in händen, auf pantoffeln ...
erzählte von viel tausend fränk'schen kriegern
die stünden schon in schlachtordnung in Kent. Shakesp. könig Johann 4, 2.

das schneidergewerbe gilt nach der anschauung des volkes vielfach als etwas niedriges und verächtliches, der schneider selbst als armseliger mensch: ich hab ein mal, da auch der hungerigen schneider .. gedacht war, gehöret, dasz solche einen heiligen zum patron haben, mit nammen sanct Thuchmann. wendunm. 1, 231 Österley;

er war vor ein armer snîdære. österr. reimchron. 86908;

und ist doch unser lohn so klein,
das ein schneider auff einen tag
kaum drey heller zu verzehrn vermag.
Ayrer 1868, 1 Keller.

daher als schelte:

lasz sie gehen! sind Tiefenbacher,
gevatter schneider und handschuhmacher!
Schiller 12, 41 (Wallenst. lager 10).

auch wegen ihres schwächlichen körpers und unansehnlichen äuszeren sind sie gegenstand des spottes; daher gilt dürrer schneider für einen mageren menschen Spiesz 222; frieren wie ein schneider: he früsst, as een snider Richey 273; essen wie ein schneider, sehr wenig essen Albrecht 204b; sniders hebben man ên darm. ten Doornkaat Koolman 3, 243b; von einem hinckenden schneider. Kirchhof wendunm. 1, 230 Österley; schertzweisz pflegt man z sagen, weil die schneider sich mit kleidung sauber und hurtig halten und leicht hertretten, dasz sie nicht viel essen, auch wol neun an einem ey genug haben. 1, 233; ich fragte neulich einen grindigen schneider. Simpl. 2, 23 Kurz. als sinnbilder eignete man den schneidern den bock oder die geisz zu. Höfer 3, 105 (s. schneider - bock, -geisz); ein geysz tanzt mit den schneidern. Kirchhof wendunm. 1, 278 Österley;

da er doch und die welt wol weisz,
wie man die schneider mit der geisz
und die kürschner mit den katzen
thut spotten, vexiren und fatzen.
Ayrer dramen 1797, 24 Keller;

ein schneider auf eim rosz,
ein hur aufm schlosz,
ein lausz auf dem grind
seynd drey stoltzer hofgesind. Simpl. 3, 65, 18 Kurz;

es wollt ein schneider wandern
wol auf sein schneidergeisz.
Schade handwerkerl. 248;

du zickelbuck, du rottenkopp, du snider! niederd. korrespondenzbl. 7, 5.

als hervorstechendste geistige eigenschaft der schneider gilt die furcht, daher: angst haben, laufen wie ein schneider. Spiesz 222. Albrecht 204b; man läuft unwillkürlich wie ein schneider. Ludwig 2, 4 (vgl. auch schneiderader);

zwey spatzen und ein schneider
die fielen von dem schusz;
die spatzen von den schroten,
der schneider von dem schreck;
die spatzen in die schoten,
der schneider in den —
Göthe 2, 277.

zum spott werden ihnen wol namen beigelegt, die das gegentheil von furcht bezeichnen: diese (die kaiserlichen) scheueten meine mannheit gar nicht, vermittelst deren ich kurtz zuvor viel tausend (läuse) erlegt, und den titul eines schneiders (sieben auf einen streich) überstiegen hatte. Simpl. 1, 222 Kurz; lügen wie ein schneider. ten Doornkaat Koolman 3, 243b; daher das gegentheil als bemerkenswert hervorgehoben: von einem wahrhafftigen schneider. Kirchhof wendunm. 2, 129 Österley. andere

[Bd. 15, Sp. 1270]


bildliche wendungen: den schneider herauszwicken, in Österreich von jemand, der ein neues kleid an hat, weil gewöhnlich noch einige schneiderfäden darin stecken Höfer 3, 105; er hat selbst den schneider im haus, er hat selbst mit sorgen zu schaffen Schmid 474; es gimmt e schneider in himmel, in Leipzig, wenn zufällig zwei personen gleichzeitig dasselbe sagen Albrecht 204b; er hat den schneider in den augen, d. h. er ist schläfrig Eiselein 553; schneider werden, in einer sache, bei einem handel leer ausgehen, auf einer jagd nichts schieszen, besonders beim kartenspiel keinen stich machen Schm. 2, 571. Hunziker 228. Schöpf 639. Albrecht 204b; nach anderer auffassung heiszt schneider werden beim kartenspiel weniger als 30 oder 31 augen bekommen; aus dem schneider sein, mit mehr als 30 oder 31 augen das spiel verloren haben; übertragen auf das alter: aus dem schneider sein, mehr als 30 jahre alt sein, in scherzhafter rede.
b) vornehmlich in älterer sprache 'schnitter', entsprechend der bedeutung von schneiden I, 1, a): messor, snider Dief. 359a; mnd. snider, arnsnider, messor Schiller-Lübben 4, 275b; in einzelnen gegenden noch jetzt gebräuchlich: snaidar, metitore, falcatore Schm. cimbr. wb. 233b;

sîn vater was ein snîder mit dem pfluoge. minnes. 3, 289a Hagen.


c) schneyder, auszstächer, scalptor Maaler 359d; ebenso mndl. snijder, sculptor, scalptor Kilian 2, 603b; vgl. mnd. belde-snider, anthropoformita Schiller-Lübben 4, 275b; in der heutigen sprache nur noch in zusammensetzungen wie holzschneider und dergl.; neyn meyster (der schreibtischmacher) schall mehr alse sulff voffte upper warckstede arbeyden .. doch so he eynen snyder darbaven holdenn will, datsulvige mach he wol dhonn. quelle bei Schiller-Lübben 4, 276a.
d) nur in älterer sprache: schneider, jemand, der schaden, nachtheil zufügt; vgl. schneiden II, 2: jetzt nur noch in zusammensetzungen, wie ehrenschneider und dergl.;

merker, haʒʒer, nîder,
sint des tiufels snîder,
die valscheit niht vermîdent,
und mit der zungen snident. renner 1143;

haʒʒer und nîder
und aller tugenden snîder. 17909.


3) von thieren.
a) weidmännische benennung eines geringen hirsches. Behlen 5, 524; ein schneider, ein schlecht jagdbarer hirsch. Nemnich 2, 965: zu geringem wildpret aber werden hirsch- und wildkälber, spieszer, gabeler, ... sechserte und achter (diese zweyerley gattung heiszen auch schneider um ihres leichten ansehens willen), item: alles wild, wildpret oder thiere gerechnet. Heppe leithund 71.
b) tachypetes aquila, fregattenvogel, von den seefahrern schneider genannt, weil er den schwanz oft abwechselnd wie eine schere öffnet und schlieszt Leunis synopsis der naturgesch. des thierreichs2 § 218, 9.
c) name verschiedener kleiner weiszfische, cyprinus nasus, c. alburnus Höfer 3, 105. Danneil 199b. Woeste 246a.
d) gelber schneider, name des molchs, salamandra maculosa Kehrein 1, 361.
e) im rotwelsch: der krebs wegen seiner scheren. Avé-Lallemant 4, 602.
f) name eines baumkäfers, lethrus cephalotes Oken 5, 1808. Zingerle 52a.
g) die langbeinige spinnenähnliche wandmilbe, phalangium Albrecht 204b; in Elberfeld: schnîder wipp op (op-wippen, in die höhe fahren, aufspringen), der gemeine webeknecht, phalangium opilio; auch der anfang eines spottliedes auf die schneider. niederd. korrespondenzbl. 2, 77. 8, 77.
h) die wasserjungfer, libellula Nemnich 3, 389; westfäl. blinne snider Woeste 246a.
i) schmetterlingsart, der grasschwärmer Schöpf 639. Kehrein 1, 361.
4) von pflanzen, blaue schneider, österr. name der kornblume, centaurea cyanus Pritzel-Jessen 86b.
5) schneidendes werkzeug, eine art messer: zuletzt sein sie im hals (des hirsches) uf ain solchs gewechs kommen, das kain messer oder schneider nit wellen verfahen. Zimm. chron.2 2, 131, 30. niederd. snîd'r, snîl'r im besonderen ein zweischneidiger langer spaten, grabscheit, womit die grabenkanten beim op-öwern (aufufern) zurecht geschnitten werden. niederd. korrespondenzbl. 11, 10.
 
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schneiderabend, m. die dämmerstunde Frischbier 2, 303a; s. schneiderstunde.

[Bd. 15, Sp. 1271]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schneiderader, f.: ich weisz andere, denen es besser wäre, sie hätten statt ihres heldenmuths eine schneiderader im leibe. Göthe 8, 243; vgl. schneider 2, a.
 
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schneiderähnlich, adj.: im ganzen sind die jungen leute alle garstige, schneiderähnliche (unansehnliche) lümmel und die mädchen alle liebenswürdige, artige, niedliche ... äffchen. Cl. Brentano 8, 104.
 
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schneiderarbeit, f. arbeit, welche die schneider zu verfertigen pflegen Campe; mit rücksicht auf die sitzende lebensweise, opera sedentaria Stieler 47.
 
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schneiderauge, n. offener kasten der schneider unter ihrer werkstatt; vgl. (nachträglich zu auge 20, theil 1, 799): sie (die schneider) pflegen unter dem tisch einen kasten oder korb zu haben, den sie das auge nennen; dahinein werfen sie die tuchreste und wenn sie darum angegangen werden, so geben sie zur antwort, es wäre kaum so viel übrig geblieben, als womit man ein auge vollmachen oder bedecken könne; meinen aber damit ihren korb, nicht ihr auge. Butzbach wanderbüchl. 123; hey, du schalck, solt ich so manchs mal ein schämel nach dir geworffen haben, als offt du zevil geren geschnitten und ins aug geschoben hast, ich hette weder stül noch bänck mer im himmel. Wickram rollw. 187 Kurz; s. DWB schneiderhölle.
 
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schneiderberuf, m.: dabei wolle er seinen verbindlichkeiten nachkommen .. und seinem schneiderberufe sich aufs neue und mit mehr umsicht und glück widmen. G. Keller 5, 35.
 
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schneiderblut, n. blut, trieb, wie ein schneider hat; im kehrreim:

lustig blut, schneiderblut.
Schade handwerkerl. 181.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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