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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnäufeln bis schnaupen (Bd. 15, Sp. 1206 bis 1209)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnäufeln, verb., iterativbildung zu schnaufen, wenig, leise schnaufen:

so schnäufelt er und hebt die hüflein.
Freiligrath 1, 87.

ohne umlaut: schnaufeln, schnüffeln Lexer 224.
 
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schnaufen, verb. hörbar den athem einziehen und ausstoszen wie bei erschöpfung oder erregung, keuchend athmen; auch gilt das verbum in derberer ausdrucksweise für athmen überhaupt; spätmhd. snûfen mhd. wb. 2, 2, 453a:

er snûfete als ein bere (bere mit langer stammsilbe). minnes. 3, 301a Hagen;

im mhd. wb. wird das wort als starkes verbum angesetzt, ebenso bei Lexer mhd. handwb. 2, 1044, bei dem mangel an zeugnissen ohne berechtigung. ein nd. snûpen, das regelrecht entsprechen würde, gibt es nicht, ebenso fehlt vergleichbares in anderen germanischen dialecten. in volksthümlichem gebrauch ist schnaufen vor allen in den oberd. mundarten, denen schnauben fremd ist; vgl. Schmeller 2, 573. Schöpf 638. Lexer 223. 224. Hügel 142a. Hunziker 229. Seiler 261b, vergl. auch Frommanns zeitschrift 3, 213, 4. 4, 102, 9; in md. gebieten neben schnauben Hertel sprachsch. 217, vgl. Frommanns zeitschr. 5, 521 II, 1. die ansicht, dasz schnaufen aus dem nd. eingedrungen und eine umbildung von nd. snûven sei, hat unter diesen umständen eine grosze wahrscheinlichkeit. im 16. jahrh wird das verbum schon viel gebraucht und von den lexicographen verzeichnet: schnaufen, respirare, animum recipere Dasypod.; schnauffen oder kychen, den athem tieff oder kaum nemmen, als wenn einer geloffen ist. Maaler 359b. Stieler 1895 betrachtet schnaufen als nur mundartlich von schnauben verschieden, bedeutungsunterschiede bezeichnet er nicht, vgl. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 621a; bei Frisch 2, 212a b ist die für die entwickelte nhd. schriftsprache geltende differenzierung von schnauben und schnaufen vorhanden: schnauben, flare, spirare, ab animositate et nimio ardore; schnaufen, ducere ilia, a lassitude et fatigatione (vgl. besonders verschnaufen). Adelung definiert: 'man schnaufft, wenn man nach einer sehr starken bewegung mit heftigkeit athem hohlet, besonders wenn solches durch die nase geschiehet'. die mundarten sowie die ältere sprache zeigen eine gröszere freiheit.
gebrauch. in der eben angeführten bedeutung erscheint das wort gewöhnlich, fast ausschlieszlich so in der ausgebildeten nhd. schriftsprache: auch waren sie von wegen der groszen flucht noch schnauffend und müde. buch d. liebe 28c; ich bin, unterbrach ich ihn schnaufend, von den gesundesten gliedmaszen — aber ihre steile treppe — lieber mann. Thümmel reise 6 (1794), 282;

die narren wähnen zu ersaufen,
indem sie frei auf festem lande schnaufen.
Göthe 41, 282;

mit vergleichendem zusatze: er schnauffte wie ein bär oder als wann er einen hasen erloffen hätte. Simpl. 2, 142 Kurz;

erholt euch, denn ihr schnauft ja wie die bären.
Tieck 1, 140;

[Bd. 15, Sp. 1207]


laufen und schnaufen, schwitzen und schnaufen u. ähnl.: der laufft unnd schnaufft, und bricht vil schu. Fischart Garg. 50b; armlaufeten, warmschnaufeten (ich schnauff auch schier). 82b; schwitzten, und schnaufeten. 149a;

das tor z Nürnberg fand sie bald
mit laufen und mit schnaufen.
Uhland volksl.2 263 (nr. 136);

maint ir, ich solt erst potschaft lawffen,
müede pain machen, schwiczn und schnawffen.
H. Sachs fastn. sp. 6, 124, 102 neudruck;

ein bote (verräth), dasz er müde sey, wann er sehr schwitzt und schnaufft.
Logau 1, 223, 24;

weiland muste man um ehre wachen, bluten, schwitzen, schnauffen. 3, 114, 77.

frei im sinne von schnaufend laufen, steigen: schnaufen mit mühsal auf den berg. Rosegger waldheim. 1, 300. in verbindung mit kommen: er kam die treppe herauf geschnauft. im todeskampfe, derb:

(die ratte) fiel an den heerd und zuckt' und lag,
und thät erbärmlich schnaufen.
Göthe 12, 106.

da das schnaufen ein zeichen der anstrengung ist, erklären sich wendungen wie folgende: ein arbeitsamer und müysäliger handel, der vil schnauffens braucht. Maaler 359c; es braucht schnaufen, so der zeug (arzneimittel) gut were: ich geschweig, so er falsch ist und verlegen. Paracelsus (1590) 7, 63; es gilt schnaufen und bartputzen, ohne schnaufen und bartwischen. Wander sprichwörterlex. 4, 289; aber wieder heraus (aus der hölle) zu entrinnen wirt viel schnauffens und bartwischens brauchen. Simpl. th. 1, 2, 8 s. 133. thiere schnaufen bei oder nach schnellem lauf oder bei innerer erregung, brünstigem verlangen, gier, angst u. s. w.:

villicht kommt ein wilts thier zu jn
und zerreist sie mit grimm und schnauffen.
Ayrer 44, 18 Keller;

wie er (der hirsch in der brunft) schnaufet, keicht und ächzet.
Brockes 6 (1739), 199;

mit aufgerecktem hals schnauft der beklommne stier (beim nahen eines gewitters).
Hagedorn 2, 124;

rannte vom berg mit schnaufen
ein waldelephanten-haufen.
Rückert (1882) 12, 60;

das schnaufen seiner (des löwen) nase macht feige .. ferner donner ist sein geheul, sturm sein schnaufen. Fr. Müller 1, 21. von pferden, wie schnauben: seine rosse schnauften und stampften und wieherten im gefühl ihres muths. Thümmel reise 7 (1800), 228. dann überhaupt hörbar durch die nase ausathmen; eine kuh im stalle: nur die kuh unten im stalle, die der gesang aus dem schlaf geweckt haben muszte, schnaufte einigemal. Ludwig (1891) 2, 320. übergehend in die bedeutung von wittern, schnüffeln: (der hund) schnauft an der stallthüre, scharrt an der hausthüre. Hebel 2, 167, s. oben beschnaufen theil 1, sp. 1587; erschnaufen, aufspüren, wittern Drechsler W. Scherffer 234. geräuschvoll athmen, besonders durch die nase ausathmen bei menschen, in tadelndem sinne: schnaufe nicht wie ein hamster, lecke nicht schüssel und teller ab wie eine katze. Mathesius Syr. 2, 43a;

wer (beim essen) schnaufet als ein dachs.
Hätzlerin 2, 71, 97.

übertragen auf das geräusch des windes:

es pustete sein kaltes schnaufen
die düne an.
Immermann 13, 99 Boxberger

(gewöhnlicher schnauben, s. dieses 7, c). als zeichen des zornes (s. DWB schnauben 7, b, vgl. auch DWB anschnaufen th. 1, sp. 447): von zorn blaasen und schnauffen. Maaler 359c;

den ich jetzt heimwartz sahe lauffen,
erblichen und vor zoren schnauffen.
H. Sachs fastn. sp. 2, 65, 191 neudruck.

mit dem nebensinne der überhebung, prahlerei:

durch dessen schnauffen
und grose prallerey bin ich noch nicht erschröckt.
Rompler 105.

vgl. Schm. 2, 573. Hügel 142a; von einem satten mönch:

er ist also vollen
als ob er si geswollen,
von hünr und von guoten win
und lat die andern in gebresten sin;
und gat schnufen als ain kuo. teufels netz 5319.

der schriftsprache völlig fremd im sinne von schnauben 1: die nase schnauffen, sich schneuzen Kramer deutsch - italien. dict. (1702) 2, 621a; bei Adelung als oberd. bezeichnet. ebenfalls auf oberd. gebrauch beschränkt ist schnaufen im sinne von athmen: athemen, athem holen, schnauffen, leben. Henisch 135; schnufa, athmen Tobler 396b;

er lieget dort und kan kaum schnawffn.
H. Sachs fastn. sp. 7, 80, 187 neudruck;

[Bd. 15, Sp. 1208]


das ding mag's schnaufen nit leiden. Schmid 622 (hier wird selbst das athmen gefährlich, es ist bedenklich, davon zu sprechen); man darf kaum schnaufen. Eiselein 553. in der schriftsprache mit derbem klange:

(der fischer) traut sich kaum zu schnaufen.
Wieland 18, 226 (winterm. 1);

im schlafe athmen, schnarchen (vgl. DWB schnauben 3):

er dacht da sie (im schlafe) so freundlich schnaufft,
es wer des müllers weib. Ambr. liederb. 220, 161 (s. 296);

mich deucht, der zwerg schlaf, das er schnauff.
Ayrer 1033, 9;

weil er ungestört zu sein wünscht, wann er schnarcht und wann er schnauft.
Platen 283a.

schnufe, schlafen Seiler 261b. besondere wendung: auf ein schelmstück schnaufen, anhelare scelus Stieler 1895 (ähnlich ist nach etwas schnauben); schnaufen gehn, ausgehen um einen streich auszuführen, stehlen gehen Schmidt 202; s. DWB schnaufer.
 
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schnaufer, m. zum vorhergehenden gebildet und dessen bedeutungen folgend: einer der nur mit mühe athem holt, ein schwächling, dazu das demin. schnauferlein. Schmeller 2, 573; junger schnaufer, gelbschnabel Hunziker 229. listiger, verschlagener mensch, ein verschmitzter kopf, schlimmer vogel Schmidt 202;

und die schnufar und die jufar (vgl. oben schnauf, m.). teufels netz 13381.

unpersönlich, einmaliges schnaufen, athemzug: den letzten schnaufer tuhn, extremum halitum emittere Stieler 1896; so im oberd., vgl. Schm. 2, 573. Lexer 223.
 
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schnaufern, verb. zu schnaufen gebildet:

schnaufer dich bb (schneuze dich?).
Schertlin künstl. trinken E 3b.


 
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schnauficht, adj., bei Stieler 1896 neben schnaubicht als gleiches bedeutend aufgeführt. schnaufig, mit schnupfen behaftet: wann aber dem valcken die gurgel und die kel ynwendig verswollen ist und zücht den atem schwärlich, als ob er ersticken wöll, so ist er on zweifel schnufig und flüszig. Mynsinger 24.
 
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schnaukecht, schnäukecht, adj. genäschig:

es mus je einer schnaukecht sein,
der jn (den affenkot) nem in den mund hinein.
G. Nigrinus affenspiel (1571) E 3a.

umgelautet: die ding die dir gott geboten hat, gedenk zu allen zeiten ..., bisz nit fürwitzig und schnoickecht. Keisersberg dreieckicht spiegel Aa 4b; s. das folgende.
 
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schnauken, schnäuken, verb. (s. schneiken, schneuken), nach näscherei spüren, genäschig sein, schnüffeln; schnaucker, einer, der in alles gleichsam seine nase steckt, ein lecker; in entsprechendem sinne schnauckig, schnauckicht, schnauckericht Schmidt 202; vgl. Kehrein 1, 360. Pfister 264. ergänzungsh. 2, 34; schwäb. schnaicken, heimlich suchen, besonders um zu naschen; schnaickig, schnaicklich, naschhaft, heikel Schmeller 2, 566; schneicken, schnaicken, schneuggen, schnüffeln, nach art der hunde und schweine. schneickisch, schnäuggisch, von thieren und menschen Stalder 2, 342; in ein küchen kam ein schnaukender und naschender hund heimlich gelaufen. Kirchhof wendunm. (1603) 7, 194; darum kerend sie sich aus auf weltlichs ding und schnoiken auf die geschöpfd durch fürwitz. Keisersberg hellisch löw a 6b; das fünfzeht laster ist schnoikerei, es ist denn, do ein mensch alle ding will erfaren, die im nit zustond zu wissen. seelenpar. vorr. 4a. vgl. Kehrein gramm. d. 15.—17. jh. 1, § 131; vgl. das nd. snkern, hochd. schnökern.
 
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schnaumast, m., s. DWB schnaue.
 
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schnaupe, f. schnauze, protuberans os Stieler 1907; schnauzenähnlicher theil an gegenständen: ein helm mit einer schnaupe, schnaupe am hut. ebenda. kanne, lampe mit einer schnaupe, schnaupenkanne; schnaupe an einer haube, haubenschnaupe. Kramer deutsch-italien. diction. (1702) 2, 621b, die dochtschnuppe Adelung, ebenda als eine art von feilen, die die uhrmacher brauchen. schnaupa, krempe am hut Sartorius 112. schnaupe an der kerze:

sei du der kerze gleich, die sich in demuth putzt,
und um so heller brennt, wenn man die schnaup' ihr stutzt.
Rückert (1882) 8, 263.

die eigentliche bedeutung, mundartlich noch lebendig, erscheint nur in älterer sprache; besonders in der wendung die schnaupe einziehen, womit der übergang von trotzigem beharren, überhebung zur nachgiebigkeit bezeichnet wird: die pauren werden nun mer die schnaupen hinein ziehen. Schade sat. u. pasqu. 3, 155; da ziehet sie die schnaupen ein, schmucket sich wie ein schiltkrott under die schal, und will die oren nicht mehr herfür recken. Fischart bienenk. 38b; darauff er die schnauppe

[Bd. 15, Sp. 1209]


ein, und er selbst fortgezogen. Philander 1, 320. eigenthümlich: schnauppe, anzügliche rede (Ulm) Klein prov.-wb. 2, 133. in diesem sinne (?): das ist, antwortet das pfäflin, ein ander schnaupen. Bebel (1589) 290b.
 
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schnaupen, verb. mit einer schnaupe versehen: eine geschnaupte kanne (kanne mit schnauzenähnlichem ansatz). Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 621c. als nebenform zu schnauben bei Steinbach 2, 473.
 
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schnaupen, m. schnupfen: defluxio ad nares, coryza, pfnüssel, schnauppen. Golii onomast. (1582) 252.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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