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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnattertafel bis schnätzen (Bd. 15, Sp. 1199)
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[Bd. 15, Sp. 1199]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnattertafel, f. die in klöstern und sonst in der karwoche statt der glocke übliche tafel. vgl. DWB tafel 2 unten theil 11, 14 und schnattern 4: sy wissend nit wie sy das gewand an sullend schneiden das wol bereyt sey z der hoffart, und mit schneblen an den schchen und holzschchen, und gan ainher schnateren, man dorft kainer schnatertafel an dem karfreitag, wen man sy het an dem weg. Ingold golden. sp. 68, 3 Schröder.
 
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schnattertasche, f. schnatterhafte, schwatzhafte person Hertel thür. sprachsch. 216, snderdsche ders. Salz. wb. 41, nd. snatertaske Strodtmann 219, snätertasch Danneil 199a, snaddertasche Frommanns zeitschr. 5, 294 (Fallersleben). vgl. DWB schnatterbüchse.
 
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schnatterung, f. das schnattern, garrulitas, loquacitas, atque id. quod schnaderung, facundia odiosa, stolida, et vecors Stieler 1886. 1888, vgl. DWB schnattern 3.
 
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schnatterzunge, f., eine schnatterhafte zunge, femina cicalona, garrula Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 617a. vgl. DWB schnattern 3.
 
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schnattfisch, m., s. schnottfisch.
 
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schnättig, adj.
1) fränk.-henneb. schnettig, schneddig, schlank, gerade, gut gewachsen Spiesz 222. Reinwald 2, 112. in Frommanns zeitschr. 2, 170, 10 wird zusammenhang mit schnatte, reis vermutet. s. oben schnat, schnatte 2.
2) im bergbau wird schnättig, schnätig, schnetig neben schneidig gebraucht von gestein, das leicht bricht, leicht zu gewinnen ist Veith bergwb. 424, 425. vielleicht, wie dort angenommen wird, entstanden aus schneidig, schneitig oder verwandt damit. dann könnte das wort dasselbe sein wie 1. vgl. DWB schnatte 1: es wurde anders ein schnättiger gang gehawen, anders ein vester. Bechius übers. v. Agricolas bergwerksb. 82; ein schnättigen gang aber heisze ich diesen, der ausz der erden, unnd auch ausz weichen säfften zusammen gewachsen ist. ebenda; schnetig ist, wenn der gang oder gebirg gut zu gewinnen ist. quelle von 1616 bei Veith 425.
 
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schnättlein, n. junger pflanzentrieb, sprosz, deminutiv zu schnatte 2:

sie (die apfelkerne) fielen in nachbars gärtelein,
es wuchsen ein paar schöne schnättelein.
Mittler volksl. nr. 314, 7 (schlesisch).


 
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schnatz, m. , zu schnatzen, schnätzen gehörig.
1) schnitz Hertel thür. sprachsch. 216. Frommanns zeitschr. 5, 114, 9 (elsäss.), deminutiv schnatzel, schnitzel Hertel a. a. o. daneben mit umlaut schnätz, schnitz Stalder 2, 340, schnetz, schnitt, schnetze, f., schnitte Lexer kärnt. wb. 229, schweiz. ist schnätz auch schnitzmesser Stalder 2, 340. vgl. schnätzer.
2) hess. das geflochtene und um die haarnadel gewickelte haar der frauenspersonen, in Oberhess. auch der kopfputz der bräute, gevatterinnen und zuchtmägde Vilmar 361: die braut sasze auf einem mit tannenzweigen ausgeschmückten wagen, sange und spanne; um sie saszen etwa 6 brautmädgens und sangen mit. alle im schnatze, das ist, blosköpfig mit band und rosmarien geziret, auch zween geflochtenen harzöpfen. quelle von 1757 ebenda.
 
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schnätzelchen, n. schmeichelwort für ein kleines mädchen (Caub) Kehrein 1, 359. vergl.g'schnetz, n. haufen plauderhafter, naseweiser, halberwachsener mädchen (Ulm) Schmid 472, schnatzig 1 und schnatzen 3.
 
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schnätzeln, schnatzeln, verb., s. das folgende.
 
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schnätzen, schnatzen, verb.
1) schnätzen, schnitzen, zerschneidend oder bildend Stalder 2, 340, schnétz'n Lexer kärnt. wb. 224, dazu als deminutiv oder frequentativ schnätzlen, sculpere, scalpere Maaler 359b, schnätzeln, schnitzeln Stalder 2, 340, schnätzle Seiler 260a, schnázln Schm.2 2, 590. Schöpf 638. Hügel 142a. 112a. übertragen ausschnätzen, -eln, ausschelten Stalder 2, 340, beschnázln, bekritteln Schm.2 2, 590. zusammenhang mit schnitzen ist wahrscheinlich. dazu schnätzlidecke, aus zeugschnitzeln genähte decke, schnätzesel, schnitzbank Stalder 2, 340, gschnazl, zerschnittenes, zerhacktes, quisquiliae Schm.2 2, 590. vergl. auch schnatz 1, schnätzer, schnatzig 1, 3 und schnätzlein.
2) schnatzen, aufschnatzen, prächtig putzen, zierlich ankleiden Schmidt 202. Kehrein 1, 360, das haar der frauenspersonen glatt kämmen, flechten und um die haarnadel wickeln Vilmar 361, mhd. snatzen, schmücken, mit umlaut schnetzen, rarum est vocabulum, notatque ornare, quasi omnia, quae supervacanea sunt, resecare Stieler 1903. nach dieser erklärung, die auch Weinhold 87a gibt, wäre das wort eng verwandt mit 1. in der mitte

[Bd. 15, Sp. 1200]


zwischen dieser und der vorigen bedeutung steht schnazen, schnäzeln, als bezeichnung des spinnens und zupfens von baumwollabfällen. Birlinger 400a. vgl. auch schnatz 2: das mägdlein hat sich wacker geschnetzet, puella haec insigniter sese exornavit Stieler 1903; die jungfer hat sich ja geschnatzt, aufgeschnatzt! Schmidt 202;

frouwe Gerdrut von Leinbach
durch fruntliches schouwen
quam zu der reinen frouwen,
ir kneht, ein jungelinc, mit ir
in gar uppeclicher gir,
gesnatzet unde wol bereit
zu werltlicher idelkeit. Elisab. 8455 Rieger.


3) östr. hschndseln, abküssen Castelli 247, könnte in beziehung stehen zu schnattern (s. dieses) oder durch übergang von m in n zu schmatzen. vgl. Weinhold bair. gramm. § 169. auch schnatzen ist in einer verbindung bezeugt, wo eine an schmatzen (s. dieses oben sp. 947) erinnernde bedeutung vorzuliegen scheint:

die Unseld in dem stocke lag,
si schnatzet ser alda in groszen nöten. quelle in der Germ. 13, 320.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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