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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnappern bis schnappkarren (Bd. 15, Sp. 1173 bis 1175)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnappern, verb. oft und mit zungenfertigkeit plaudern, schwatzen, mit dem beisinn des unüberlegten; häufigkeitsbildung zu schnappen 1, mnd. snapperen Schiller - Lübben 4, 268a; schnapperen, lingua celeri et exercitata, ventosa et enormi loquacitate esse, verbis humidis et lapsantibus diffluere, funditare vocum turbas, inscite nugari Stieler 1893; wenn man betet, soll man nicht schnappern, non sunt praecipitanda inter orandum verba. ebenda; die zunge, die schnappert daher. Luther 4, 510b.
 
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schnapperwesen, n.: (sie wollen, dasz man) allein das evangelion sage, oder doch darüber gar eine kurtze vermanung

[Bd. 15, Sp. 1174]


thue, und dieweil ander gebreuchlich gesenge ubergehe ... und alles kurtz uberlauffe, wie man denn solchs schnapperwesen im bapsthumb jegermessen genennet hat. Spangenberg jagteufel (1560) Lb.
 
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schnapperwurz, f. die pflanze lathrae squamaria, schuppenwurz, zahnkraut Nemnich 3, 340; als schlesisch Pritzel-Jessen 203b; bei Adelung schnappenwurz.
 
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schnappfeder, f. schnappende feder, z. b. an einem schlosse.
 
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schnappführer, m. anführer einer räuberbande. Campe als oberdeutsch.
 
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schnappgalgen, m. schnellgalgen, an welchem verbrecher schnell in die höhe gezogen und wieder herabgelassen werden; einst zur hinrichtung von soldaten im kriege üblich (vgl. oben unter schnappen 3 am ende). auch name der wippe: schnappgalge, galge älterer form, an welchem die verbrecher (kleine diebe, huren u. dgl.), meistens in einem korbe, aufgezogen, und entweder plötzlich in das wasser getaucht, oder wenigstens schnell herabgelassen, wieder hinaufgezogen und wieder herabgelassen wurden. Vilmar 114.
 
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schnapphahn, m.
1) bezeichnung eines strauchdiebes zu pferde, straszenräuber; von Grimm gramm. 2, 961 als imperative zusammensetzung gefaszt, wie schnapp den hahn; eine beziehung auf den hahn des flintenschlosses wäre aber hierbei schon deswegen unmöglich, weil es dergleichen zu der zeit, wo das wort auftaucht, noch gar nicht gab. man wird bei der deutung des wortes vielmehr an das verbum schnappen 4 (sp. 1171) und an das subst. hahn in übertragung auf einen menschen (vgl. th. 42, sp. 163, nr. 3, a) zu denken und das wort als eine derbe und nicht ohne humor gebildete bezeichnung eines schnappenden, beute haschenden hauptkerls zu erklären haben. zufrühest seit dem 15. jahrh. bezogen auf den adelichen oder doch berittenen wegelagerer (über die declination vgl. unter hahn th. 42, sp. 159): Münch (zum edelmann). ich hör wol, ir seit der selbigen schnaphenlein auch eins. edelmann. was schnaphons bin ich? man hat mich wider got, eer und recht von dem meinen triben. Schade sat. 3, 104; die schnapphanen haben ein sprichwort odder reymlin, rauben und brennen ist kein schand, das thn die besten in dem land. S. Franck sprichw. 2, 60a; der knecht thete sich zu etlichen fränkischen schnaphannen. Zimm. chron. 12, 406, 4; war sein lebenlang ain reuterisch man und ain groszer schnaphan gewest. 628, 7; schnaphän und hagjunckern. Fischart bienk. 230b;

die spyeler haben übel zyt,
vilmer der schnapphan, der do ryt
uff dem halszacker wogend sich.
Brant narrensch. 89, 14;

oft duet ein schnaphan auf mich (den krämer) lawren,
nempt mir, was ich lang hab gewunnen.
H. Sachs fastn. sp. 2, 4, 110;

dasz nicht die schnapphan ubr jn kommen
und dasz jm würd das sein genommen. 3, 27, 341;

kamen drey schnaphan her getraben,
schlugen jn, bisz er nimmer mucht.
B. Waldis Esop 3, 51, 24;

als scheltwort für einen kriegführenden:

den Türcken lued man auch zur bahn,
samt schädlich ausländische schnapphahn.
Opel - Cohn 208, 5;

dann auf den wegelagerer, räuber, dieb im allgemeinen bezogen: schnapper, schnapphan, interceptor praedae, der ein raub oder beüt ablauffet, latro, sicarius, conductus miles Maaler 359b; ich war wenig stunden von den Croaten hinweg, da erhaschten mich etliche schnapphanen. Simpl. 1, 170 Kurz; fanden sich etliche schnaphäne, welche im sinne hatten die post abzusetzen. Chr. Weise kl. leute 64; da ich nun erwegte, wie es zu lande sehr unsicher zu reisen, wegen der vielen schnaphähne. Plesse 2, 444; schnapphahn, interceptor praedae, praedator, einen schnapphahn abgeben, praedari Steinbach 1, 687; schnapphahn, beutemacher, partheygänger oder rauber, welche mit büchsen, so hahnen am schlosz hatten ausgiengen, und etwas zu erschnappen suchten, miles grassator, latro, praedo Frisch 2, 211b; ich dachte nicht weiter an die schnapphähne (strolche, die ihm begegnet waren). Seume spazierg. 1, 163; von räuberischen bauern: schnaphane, dicuntur rustici sylvarum recessus occupantes, atque in transeuntes milites saevientes Stieler 749; insonderheit werden die bauern welche zu kriegszeiten den soldaten solchergestalt (im hinterhalte) aufpassen, schnaphäne genennet, und werden, wenn man sie ertappet, ohne gnade aufgeknüpfet. Eggers kriegslex. 2, 829. die neuere sprache hat das wort noch in erinnerung: die schar der kriegsgesellen,

[Bd. 15, Sp. 1175]


aus dem jungen volke und einigen älteren schnapphähnen bestehend. G. Keller werke 2, 184;

dem schnapphahn ward, wie sichs gebührt,
bald der process gemacht.
Bürger 25b;

(wenn ich) über ungerechtigkeit und aufblasung reflektierte und mir die gräuliche menge der schnapphähne und der krähhähne vorsummierte, die ich in so vielen ländern und zeiten musz machen lassen was sie wollen, ohne dasz ich den einen die sporen, den andern den kamm abschneiden .. könnte. J. Paul kom. anh. zum Tit. 2, 8.
2) schnapphahn, von einem buhler, der verführen will: hastu ein hübsch weib, so darfestu jr .. förchten vor den schnaphanen, die auf der gassen gehn und das har puffen und jr hofieren. Pauli schimpf 92b; von einem der reich zu freien gedenkt: so schien sie nun mehr als je für schwere und leichte schnapphähne ein guter fang. G. Keller werke 1, 405; in Iglau schnapphahn ein bissiger mensch Frommann 5, 467; niederd. snapphaan neben buschklopfer auch gewaltsdiener, bettelvogt. brem. wb. 4, 881; bei Hagedorn selbst von einem hunde:

ich komm, o hirsch, dein einzig kalb zu rächen.
der schnaphan hats erwürgt. 2, 33.


3) name einer münze in Jülich: wie der Straszburger müntz die rappen, und die Gülchner vom reutersmann jre müntz die schnaphan nennen. Mathesius Sar. 163a; so wolt er jnn einen schnaphanen schenken. Wickram rollw. 82, 26 Kurz; die bauren namen den schnaphanen von dem pfaffen. 83, 9; schnapphähne, eine also genannte münze in den Niederlanden. Jacobsson 4, 15a.
 
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schnapphahnerei, f. art und treiben eines schnapphahns, buhlerei (vgl. DWB schnapphahn 2): ihr kerl, die ihr mit solcher betrüglichen schnaphanerey umbgehet, sehet euch vor, dasz ihr nicht den lohn euerer leichtfertigkeit .. empfahet. Simpl. 3, 23 Kurz.
 
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schnapphahnrohr, n. feuerrohr, wie es ein schnapphahn trägt: das höreten ihre herren (zigeuner) alsobalden und eyleten mit ihren püchsen oder langen schnaphanen röhren auf mich zu. Simpl. 3, 167 Kurz.
 
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schnappisch, s. schneppisch.
 
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schnappkarren, m. zweirädriger karren, besonders zu erdarbeiten gebraucht, aus dem der inhalt vorn herausgekippt wird.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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